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DAS ERSTE
BUCH SAMUEL
Kapitel 15 -
31
Saul wird verworfen
Kapitel 15
Samuel sprach zu Saul: Der
HERR hat mich gesandt, daß ich dich zum König salben
sollte über sein Volk Israel; so höre nun auf die Worte
des HERRN!
So spricht der HERR Zebaoth:
Ich habe bedacht, was Amalek Israel angetan und wie es ihm den
Weg verlegt hat, als Israel aus Ägypten zog.
So zieh nun hin und schlag
Amalek und vollstrecke den Bann an ihm und an allem, was er hat;
verschone sie nicht, sondern töte Mann und Frau, Kinder und
Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel.
Da bot Saul das Volk auf, und
er musterte sie zu Telaim: zweihunderttausend Mann Fußvolk
und zehntausend Mann aus Juda.
Und als Saul zu der Stadt der
Amalekiter kam, legte er einen Hinterhalt im Tal.
Und Saul ließ den
Kenitern sagen: Geht, weicht und zieht weg von den Amalekitern,
daß ich euch nicht mit ihnen aufreibe; denn ihr tatet
Barmherzigkeit an allen Kindern Israel, als sie aus Ägypten
zogen. Da zogen die Keniter fort von den Amalekitern.
Da schlug Saul die Amalekiter
von Hewila bis nach Schur, das vor Ägypten liegt,
und nahm Agag, den König
von Amalek, lebendig gefangen, und an allem Volk vollstreckte er
den Bann mit der Schärfe des Schwerts.
Aber Saul und das Volk
verschonten Agag und die besten Schafe und Rinder und das
Mastvieh und die Lämmer und alles, was von Wert war, und sie
wollten den Bann daran nicht vollstrecken; was aber nichts taugte
und gering war, daran vollstreckten sie den Bann.
Da geschah des HERRN
Wort zu Samuel:
Es reut mich, daß ich
Saul zum König gemacht habe; denn er hat sich von mir
abgewandt und meine Befehle nicht erfüllt. Darüber
wurde Samuel zornig und schrie zu dem HERRN die ganze Nacht.
Und Samuel machte sich früh
auf, um Saul am Morgen zu begegnen. Und ihm wurde angesagt, daß
Saul nach Karmel gekommen sei und sich ein Siegeszeichen
aufgerichtet habe und weitergezogen und nach Gilgal hinabgekommen
sei.
Als nun Samuel zu Saul kam,
sprach Saul zu ihm: Gesegnet seist du vom HERRN! Ich habe des
HERRN Wort erfüllt.
Samuel antwortete: Und was ist
das für ein Blöken von Schafen, das zu meinen Ohren
kommt, und ein Brüllen von Rindern, das ich höre?
Saul sprach: Von den
Amalekitern hat man sie gebracht; denn das Volk verschonte die
besten Schafe und Rinder, um sie zu opfern dem HERRN, deinem
Gott; an dem andern haben wir den Bann vollstreckt.
Samuel aber antwortete Saul:
Halt ein, ich will dir sagen, was der HERR mit mir diese Nacht
geredet hat. Er sprach: Sag an!
Samuel sprach: Ist's nicht so:
Obschon du vor dir selbst gering warst, so bist du doch das Haupt
der Stämme Israels; denn der HERR hat dich zum König
über Israel gesalbt.
Und der HERR sandte dich auf
den Weg und sprach: Zieh hin und vollstrecke den Bann an den
Frevlern, den Amalekitern, und kämpfe mit ihnen, bis du sie
vertilgt hast!
Warum hast du der Stimme des
HERRN nicht gehorcht, sondern hast dich an die Beute gemacht und
getan, was dem HERRN mißfiel?
Saul antwortete Samuel: Ich
habe doch der Stimme des HERRN gehorcht und bin den Weg gezogen,
den mich der HERR sandte, und habe Agag, den König von
Amalek, hergebracht und an den Amalekitern den Bann vollstreckt.
Aber das Volk hat von der
Beute genommen Schafe und Rinder, das Beste vom Gebannten, um es
dem HERRN, deinem Gott, zu opfern in Gilgal.
Samuel aber sprach: Meinst du,
daß der HERR Gefallen habe am Brandopfer und Schlachtopfer
gleichwie am Gehorsam gegen die Stimme des HERRN? Siehe, Gehorsam
ist besser als Opfer und Aufmerken besser als das Fett von
Widdern.
Denn Ungehorsam ist Sünde
wie Zauberei, und Widerstreben ist wie Abgötterei und
Götzendienst. Weil du des HERRN Wort verworfen hast, hat er
dich auch verworfen, daß du nicht mehr König seist.
Da sprach Saul zu Samuel: Ich
habe gesündigt, daß ich des HERRN Befehl und deine
Worte übertreten habe; denn ich fürchtete das Volk und
gehorchte seiner Stimme.
Und nun, vergib mir die Sünde
und kehre mit mir um, daß ich den HERRN anbete.
Samuel sprach zu Saul: Ich
will nicht mit dir umkehren; denn du hast des HERRN Wort
verworfen, und der HERR hat dich auch verworfen, daß du
nicht mehr König über Israel seist.
Und als sich Samuel umwandte,
um wegzugehen, ergriff ihn Saul bei einem Zipfel seines Rocks;
aber der riß ab.
Da sprach Samuel zu ihm: Der
HERR hat das Königtum Israels heute von dir gerissen und
einem andern gegeben, der besser ist als du.
Auch lügt der nicht, der
Israels Ruhm ist, und es gereut ihn nicht; denn er ist nicht ein
Mensch, daß ihn etwas gereuen könnte.
Saul aber sprach: Ich habe
gesündigt; aber ehre mich doch jetzt vor den Ältesten
meines Volks und vor Israel und kehre mit mir um, daß ich
den HERRN, deinen Gott, anbete.
Da kehrte Samuel um und folgte
Saul, und Saul betete den HERRN an.
Und Samuel sprach:
Bringt Agag, den König von Amalek, zu mir! Und Agag ging hin
zu ihm zitternd und sprach: Fürwahr, bitter ist der Tod!
Samuel aber sprach: Wie dein
Schwert Frauen ihrer Kinder beraubt hat, so soll auch deine
Mutter der Kinder beraubt sein unter den Frauen. Und Samuel hieb
den Agag in Stücke vor dem HERRN in Gilgal.
Und Samuel ging hin nach Rama;
Saul aber zog hinauf in sein Haus zu Gibea Sauls.
Und Samuel sah Saul fortan
nicht mehr bis an den Tag seines Todes. Aber doch trug Samuel
Leid um Saul, weil es den HERRN gereut hatte, daß er Saul
zum König über Israel gemacht hatte.
David wird zum König gesalbt
Kapitel 16
Und der HERR sprach zu Samuel:
Wie lange trägst du Leid um Saul, den ich verworfen habe,
daß er nicht mehr König sei über Israel? Fülle
dein Horn mit Öl und geh hin: ich will dich senden zu dem
Bethlehemiter Isai; denn unter seinen Söhnen hab ich mir
einen zum König ersehen.
Samuel aber sprach: Wie kann ich hingehen? Saul wird's
erfahren und mich töten. Der HERR sprach: Nimm eine junge
Kuh mit dir und sprich: Ich bin gekommen, dem HERRN zu opfern.
Und du sollst Isai zum Opfer laden. Da will ich dich
wissen lassen, was du tun sollst, daß du mir den salbest,
den ich dir nennen werde.
Samuel tat, wie ihm der HERR gesagt hatte, und kam
nach Bethlehem. Da entsetzten sich die Ältesten der Stadt
und gingen ihm entgegen und sprachen: Bedeutet dein Kommen Heil?
Er sprach: Ja, es bedeutet Heil! Ich bin gekommen, dem
HERRN zu opfern; heiligt euch und kommt mit mir zum Opfer. Und er
heiligte den Isai und seine Söhne und lud sie zum Opfer.
Als sie nun kamen, sah er den Eliab an und dachte:
Fürwahr, da steht vor dem HERRN sein Gesalbter.
Aber der HERR sprach zu Samuel: Sieh nicht an sein
Aussehen und seinen hohen Wuchs; ich habe ihn verworfen. Denn
nicht sieht der HERR auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein
Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.
Da rief Isai den Abinadab und ließ ihn an Samuel
vorübergehen. Und er sprach: Auch diesen hat der HERR nicht
erwählt.
Da ließ Isai vorübergehen Schamma. Er aber
sprach: Auch diesen hat der HERR nicht erwählt.
So ließ Isai seine sieben Söhne an Samuel
vorübergehen; aber Samuel sprach zu Isai: Der HERR hat
keinen von ihnen erwählt.
Und Samuel sprach zu Isai: Sind das die Knaben alle? Er
aber sprach: Es ist noch übrig der jüngste; siehe, er
hütet die Schafe. Da sprach Samuel zu Isai: Sende hin und
laß ihn holen; denn wir werden uns nicht wieder setzen, bis
er hierherkommt.
Da sandte er hin und ließ ihn holen. Und er war
bräunlich, mit schönen Augen und von guter Gestalt. Und
der HERR sprach: Auf, salbe ihn, denn der ist's.
Da nahm Samuel sein Ölhorn und salbte ihn mitten
unter seinen Brüdern. Und der Geist des HERRN geriet über
David von dem Tag an und weiterhin. Samuel aber machte sich auf
und ging nach Rama.
David kommt an Sauls Hof
Der Geist des HERRN aber wich von Saul, und ein böser
Geist vom HERRN ängstigte ihn.
Da sprachen die Großen Sauls zu ihm: Siehe, ein
böser Geist von Gott ängstigt dich.
Unser Herr befehle nun seinen Knechten, die vor ihm
stehen, daß sie einen Mann suchen, der auf der Harfe gut
spielen kann, damit er mit seiner Hand darauf spiele, wenn der
böse Geist Gottes über dich kommt, und es besser mit
dir werde.
Da sprach Saul zu seinen Leuten: Seht euch um nach einem
Mann, der des Saitenspiels kundig ist, und bringt ihn zu mir.
Da antwortete einer der jungen Männer und sprach: Ich
habe gesehen einen Sohn Isais, des Bethlehemiters, der ist des
Saitenspiels kundig, ein tapferer Mann und tüchtig zum
Kampf, verständig in seinen Reden und schön gestaltet,
und der HERR ist mit ihm.
Da sandte Saul Boten zu Isai und ließ ihm sagen:
Sende zu mir deinen Sohn David, der bei den Schafen ist.
Da nahm Isai einen Esel und Brot und einen Schlauch Wein
und ein Ziegenböcklein und sandte es Saul durch seinen Sohn
David.
So kam David zu Saul und diente vor ihm. Und Saul gewann
ihn sehr lieb, und er wurde sein Waffenträger.
Und Saul sandte zu Isai und ließ ihm sagen: Laß
David mir dienen, denn er hat Gnade gefunden vor meinen Augen.
Sooft nun der böse Geist von Gott über Saul kam,
nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner Hand. So wurde
es Saul leichter, und es ward besser mit ihm, und der böse
Geist wich von ihm.
David und Goliath
Kapitel 17
Die Philister sammelten ihre Heere zum Kampf und kamen
zusammen bei Socho in Juda und lagerten sich zwischen Socho und
Aseka bei Ephes-Dammim.
Und Saul und die Männer Israels kamen zusammen und
lagerten sich im Eichgrund und rüsteten sich zum Kampf gegen
die Philister.
Und die Philister standen auf einem Berge jenseits und die
Israeliten auf einem Berge diesseits, so daß das Tal
zwischen ihnen war.
Da trat aus den Reihen der Philister ein Riese*
heraus mit Namen Goliath aus Gath, sechs Ellen und eine Handbreit
groß.
*Wörtlich: Vorkämpfer zwischen
den Fronten.
Der hatte einen ehernen Helm auf seinem Haupt und einen
Schuppenpanzer an, und das Gewicht seines Panzers war fünftausend
Lot Erz,
und hatte eherne Schienen an seinen Beinen und einen
ehernen Wurfspieß auf seiner Schulter.
Und der Schaft seines Spießes war wie ein Weberbaum,
und die eiserne Spitze seines Spießes wog sechshundert Lot,
und sein Schildträger ging vor ihm her.
Und er stellte sich hin und rief dem Heer Israels zu: Was
seid ihr ausgezogen, euch zum Kampf zu rüsten? Bin ich nicht
ein Philister und ihr Sauls Knechte? Erwählt einen unter
euch, der zu mir herabkommen soll.
Vermag er gegen mich zu kämpfen und erschlägt er
mich, so wollen wir eure Knechte sein; vermag ich aber über
ihn zu siegen und erschlage ich ihn, so sollt ihr unsere Knechte
sein und uns dienen.
Und der Philister sprach: Ich habe heute dem Heere Israels
hohngesprochen, als ich sagte: Gebt mir einen Mann und laßt
uns miteinander kämpfen.
Als Saul und ganz Israel diese Rede des Philisters
hörten, entsetzten sie sich und fürchteten sich sehr.
David aber war der Sohn jenes Ephrathiters aus
Bethlehem in Juda, der Isai hieß. Der hatte acht Söhne
und war zu Sauls Zeiten schon zu alt, um unter die Kriegsleute zu
gehen.
Aber die drei ältesten Söhne Isais waren mit
Saul in den Krieg gezogen, und sie hießen: Eliab, der
erstgeborene, Abinadab, der zweite, und Schamma, der dritte.
Und David war der jüngste; die drei ältesten
aber waren Saul gefolgt.
Und David ging ab und zu von Saul hinweg nach Bethlehem,
um die Schafe seines Vaters zu hüten.
Aber der Philister kam heraus frühmorgens und abends
und stellte sich hin, vierzig Tage lang.
Isai aber sprach zu seinem Sohn David: Nimm für deine
Brüder diesen Scheffel geröstete Körner und diese
zehn Brote und bringe sie eilends ins Lager zu deinen Brüdern;
und diese zehn frischen Käse bringe dem Hauptmann und
sieh nach deinen Brüdern, ob's ihnen gut geht, und bringe
auch ein Unterpfand von ihnen mit.
Saul und sie und alle Männer Israels sind im
Eichgrund und kämpfen gegen die Philister.
Da machte sich David früh am Morgen auf und
überließ die Schafe einem Hüter, lud auf und ging
hin, wie ihm Isai geboten hatte, und kam zum Lager. Das Heer aber
war ausgezogen und hatte sich aufgestellt zum Kampf, und sie
erhoben das Kriegsgeschrei.
Und Israel und die Philister hatten sich aufgestellt,
Schlachtreihe gegen Schlachtreihe.
Da ließ David sein Gepäck, das er trug, bei der
Wache des Trosses und lief zu dem Heer, kam hin und fragte seine
Brüder, ob's ihnen gut gehe.
Und als er noch mit ihnen redete, siehe, da kam herauf der
Riese mit Namen Goliath, der Philister von Gath, von dem Heer der
Philister und redete dieselben Worte, und David hörte es.
Und wer von Israel den Mann sah, floh vor ihm und
fürchtete sich sehr.
Und die Männer von Israel sprachen: Habt ihr den Mann
heraufkommen sehen? Er kommt herauf, um Israel hohnzusprechen.
Wer ihn erschlägt, den will der König sehr reich machen
und ihm seine Tochter geben und will ihm seines Vaters Haus
freimachen von Lasten in Israel.
Da sprach David zu den Männern, die bei ihm standen:
Was wird man dem geben, der diesen Philister erschlägt und
die Schande von Israel abwendet? Denn wer ist dieser
unbeschnittene Philister, der das Heer des lebendigen Gottes
verhöhnt?
Da sagte ihm das Volk wie vorher: Das und das wird man dem
geben, der ihn erschlägt.
Und als Eliab, sein ältester Bruder, ihn reden hörte
mit den Männern, wurde er zornig über David und sprach:
Warum bist du hergekommen? Und wem hast du die wenigen Schafe
dort in der Wüste überlassen? Ich kenne deine
Vermessenheit wohl und deines Herzens Bosheit. Du bist nur
gekommen, um dem Kampf zuzusehen.
David antwortete: Was hab ich denn getan? Ich habe doch
nur gefragt!
Und er wandte sich von ihm zu einem andern und sprach, wie
er vorher gesagt hatte. Da antwortete ihm das Volk wie das
erstemal.
Und als sie die Worte hörten, die David sagte,
brachten sie es vor Saul, und er ließ ihn holen.
Und David sprach zu Saul: Seinetwegen lasse keiner den Mut
sinken; dein Knecht wird hingehen und mit diesem Philister
kämpfen.
Saul aber sprach zu David: Du kannst nicht hingehen, um
mit diesem Philister zu kämpfen; denn du bist zu jung dazu,
dieser aber ist ein Kriegsmann von Jugend auf.
David aber sprach zu Saul: Dein Knecht hütete die
Schafe seines Vaters; und kam dann ein Löwe oder ein Bär
und trug ein Schaf weg von der Herde,
so lief ich ihm nach, schlug auf ihn ein und errettete es
aus seinem Maul. Wenn er aber auf mich losging, ergriff ich ihn
bei seinem Bart und schlug ihn tot.
So hat dein Knecht den Löwen und den Bären
erschlagen, und diesem unbeschnittenen Philister soll es ergehen
wie einem von ihnen; denn er hat das Heer des lebendigen Gottes
verhöhnt.
Und David sprach: Der HERR, der mich von dem Löwen
und Bären errettet hat, der wird mich auch erretten von
diesem Philister. Und Saul sprach zu David: Geh hin, der HERR sei
mit dir!
Und Saul legte David seine Rüstung an und setzte ihm
einen ehernen Helm auf sein Haupt und legte ihm einen Panzer an.
Und David gürtete Sauls Schwert über seine
Rüstung und mühte sich vergeblich, damit zu gehen; denn
er hatte es noch nie versucht. Da sprach David zu Saul: Ich kann
so nicht gehen, denn ich bin's nicht gewohnt, und er legte es ab
und nahm seinen Stab in die Hand und wählte fünf
glatte Steine aus dem Bach und tat sie in die Hirtentasche, die
ihm als Köcher diente, und nahm die Schleuder in die Hand
und ging dem Philister entgegen.
Der Philister aber kam immer näher an David
heran, und sein Schildträger ging vor ihm her.
Als nun der Philister aufsah und David anschaute,
verachtete er ihn; denn er war noch jung, und er war bräunlich
und schön.
Und der Philister sprach zu David: Bin ich denn ein Hund,
daß du mit Stecken zu mir kommst? Und der Philister fluchte
dem David bei seinem Gott
und sprach zu David: Komm her zu mir, ich will dein
Fleisch den Vögeln unter dem Himmel geben und den Tieren auf
dem Felde.
David aber sprach zu dem Philister: Du kommst zu mir mit
Schwert, Lanze und Spieß, ich aber komme zu dir im Namen
des HERRN Zebaoth, des Gottes des Heeres Israels, den du verhöhnt
hast.
Heute wird dich der HERR in meine Hand geben, daß
ich dich erschlage und dir den Kopf abhaue und gebe deinen
Leichnam und die Leichname des Heeres der Philister heute den
Vögeln unter dem Himmel und dem Wild auf der Erde, damit
alle Welt innewerde, daß Israel einen Gott hat,
und damit diese ganze Gemeinde innewerde, daß der
HERR nicht durch Schwert oder Spieß hilft; denn der Krieg
ist des HERRN, und er wird euch in unsere Hände geben.
Als sich nun der Philister aufmachte und daherging
und sich David nahte, lief David eilends von der Schlachtreihe
dem Philister entgegen.
Und David tat seine Hand in die Hirtentasche und nahm
einen Stein daraus und schleuderte ihn und traf den Philister an
die Stirn, daß der Stein in seine Stirn fuhr und er zur
Erde fiel auf sein Angesicht.
So überwand David den Philister mit Schleuder und
Stein und traf und tötete ihn. David aber hatte kein Schwert
in seiner Hand.
Da lief er hin und trat zu dem Philister und nahm dessen
Schwert und zog es aus der Scheide und tötete ihn vollends
und hieb ihm den Kopf damit ab. Als aber die Philister sahen, daß
ihr Stärkster tot war, flohen sie.
Und die Männer Israels und Judas machten sich
auf, erhoben das Kampfgeschrei und jagten den Philistern nach,
bis nach Gath und bis an die Tore Ekrons. Und die Philister
blieben erschlagen liegen auf dem Wege von Schaarajim bis nach
Gath und Ekron.
Und die Kinder Israel kehrten um von der Verfolgung der
Philister und plünderten ihr Lager.
David aber nahm des Philisters Haupt und brachte es nach
Jerusalem, seine Waffen aber legte er in sein Zelt.
Als Saul aber David dem Philister entgegengehen
sah, sprach er zu Abner, seinem Feldhauptmann: Wessen Sohn ist
der Junge? Abner sprach: Bei deinem Leben, König: ich weiß
es nicht.
Der König sprach: So frage danach, wessen Sohn der
junge Mann ist.
Als nun David zurückkam vom Sieg über den
Philister, nahm ihn Abner und brachte ihn vor Saul, und er hatte
des Philisters Haupt in seiner Hand.
Und Saul sprach zu ihm: Wessen Sohn bist du, mein Junge?
David sprach: Ich bin ein Sohn deines Knechts Isai, des
Bethlehemiters.
David gewinnt Jonathan zum Freund
Kapitel 18
Als David aufgehört hatte, mit Saul zu
reden, verband sich das Herz Jonathans mit dem Herzen Davids, und
Jonathan gewann ihn lieb wie sein eigenes Herz.
Und Saul nahm ihn an diesem Tage zu sich und
ließ ihn nicht wieder in seines Vaters Haus zurückkehren.
Und Jonathan schloß mit David einen Bund,
denn er hatte ihn lieb wie sein eigenes Herz.
Und Jonathan zog seinen Rock aus, den er
anhatte, und gab ihn David, dazu seine Rüstung, sein
Schwert, seinen Bogen und seinen Gurt.
Sauls Eifersucht auf David
Und David zog in den Kampf und richtete alles
recht aus, wohin Saul ihn auch sandte. Und Saul setzte ihn über
die Kriegsleute, und es gefiel allem Volk gut und auch den Großen
Sauls.
Es begab sich aber, als David zurückkam
vom Sieg über die Philister, daß die Frauen aus allen
Städten Israels herausgingen mit Gesang und Reigen dem König
Saul entgegen unter Jauchzen, mit Pauken und mit Zimbeln.
Und die Frauen sangen im Reigen und sprachen:
Saul hat tausend erschlagen, aber David zehntausend.
Da ergrimmte Saul sehr, und das Wort mißfiel
ihm, und er sprach: Sie haben David zehntausend gegeben und mir
tausend; ihm wird noch das Königtum zufallen.
Und Saul sah David scheel an von dem Tage an
und hinfort.
Am andern Tage kam der böse Geist
von Gott über Saul, und er geriet in Raserei in seinem
Hause; David aber spielte auf den Saiten mit seiner Hand, wie er
täglich zu tun pflegte. Und Saul hatte einen Spieß in
der Hand
und zückte den Spieß und dachte: Ich
will David an die Wand spießen. David aber wich ihm zweimal
aus.
Und Saul fürchtete sich vor David; denn
der HERR war mit ihm, aber von Saul war er gewichen.
Da entfernte ihn Saul aus seiner Nähe und
setzte ihn zum Obersten über tausend Mann. Und David zog aus
und ein vor dem Kriegsvolk
und richtete all sein Tun recht aus, und der
HERR war mit ihm.
Als nun Saul sah, daß David alles so gut
gelang, graute es ihm vor David.
Aber ganz Israel und Juda hatte David lieb,
denn er zog aus und ein vor ihnen her.
David gewinnt Sauls Tochter zur Frau
Und Saul sprach zu David: Siehe, meine älteste
Tochter Merab will ich dir zur Frau geben; sei nur ein tapferer
Mann und führe des HERRN Kriege. Denn Saul dachte: Meine
Hand soll nicht gegen ihn sein, sondern die Hand der Philister.
David aber antwortete Saul: Wer bin ich? Und
was ist meine Sippe, das Geschlecht meines Vaters, in Israel, daß
ich des Königs Schwiegersohn werden soll?
Als aber die Zeit kam, daß Merab, die
Tochter Sauls, David gegeben werden sollte, wurde sie dem Adriël
von Mehola zur Frau gegeben.
Aber Michal, Sauls Tochter, hatte David
lieb. Als das Saul angesagt wurde, war es ihm recht.
Und Saul sagte sich: Ich will sie ihm geben,
damit sie ihm zum Fallstrick wird und die Hände der
Philister gegen ihn sind. Und Saul sprach zu David: Heute in zwei
Jahren kannst du mein Schwiegersohn werden.
Und Saul gebot seinen Großen: Redet mit
David heimlich und sprecht: Siehe, der König hat Gefallen an
dir, und alle seine Großen lieben dich; so werde nun des
Königs Schwiegersohn.
Und die Großen Sauls sagten diese Worte
vor den Ohren Davids. David aber sprach: Dünkt euch das ein
Geringes, des Königs Schwiegersohn zu werden? Ich bin nur
ein armer, geringer Mann.
Und die Großen Sauls sagten es ihm weiter
und sprachen: Diese Worte hat David gesagt.
Saul sprach: So sagt zu David: Der König
begehrt keinen andern Brautpreis als hundert Vorhäute von
Philistern, um an den Feinden des Königs Vergeltung zu üben.
Aber Saul trachtete danach, David umzubringen durch die Hände
der Philister.
Da sagten seine Großen David diese Worte,
und es dünkte David gut, des Königs Schwiegersohn zu
werden.
Und die Zeit war noch nicht um, da machte sich
David auf und zog hin mit seinen Männern und erschlug unter
den Philistern zweihundert Mann. Und David brachte ihre Vorhäute
dem König in voller Zahl, um des Königs Schwiegersohn
zu werden. Da gab ihm Saul seine Tochter Michal zur Frau.
Als aber Saul sah und merkte, daß
der HERR mit David war und daß seine Tochter Michal ihn
liebhatte,
da fürchtete sich Saul noch mehr vor David
und wurde sein Feind sein Leben lang.
Und sooft die Fürsten der Philister in den
Kampf zogen, richtete David mehr gegen sie aus als alle Großen
Sauls, wenn sie auszogen, so daß sein Name hoch gepriesen
wurde.
Jonathan rettet David vor Sauls Nachstellungen
Kapitel 19
Saul aber redete mit seinem Sohn Jonathan und
mit allen seinen Großen davon, daß er David töten
wolle. Aber Jonathan, Sauls Sohn, hatte David sehr lieb
und sagte es ihm weiter und sprach: Mein Vater
Saul trachtet danach, dich zu töten. Nun, so hüte dich
morgen früh und verstecke dich und bleibe verborgen.
Ich aber will hinausgehen und mich neben meinen
Vater stellen auf dem Felde, wo du bist, und über dich mit
meinem Vater sprechen; und was ich erfahre, will ich dir kundtun.
Und Jonathan redete das Beste von David mit
seinem Vater Saul und sprach zu ihm: Es versündige sich der
König nicht an seinem Knechte David, denn er hat sich nicht
an dir versündigt, und sein Tun ist dir sehr nützlich.
Er hat sein Leben gewagt und den Philister
erschlagen, und der HERR hat großes Heil für ganz
Israel vollbracht. Das hast du gesehen und dich darüber
gefreut. Warum willst du dich denn an unschuldigem Blut
versündigen, daß du David ohne Grund tötest?
Da hörte Saul auf die Stimme Jonathans und
schwor: So wahr der HERR lebt: er soll nicht sterben!
Da rief Jonathan David und sagte ihm alle diese
Worte und brachte ihn zu Saul; und David diente ihm wie früher.
Michal rettet David
Es erhob sich aber wieder ein Kampf, und David
zog aus und kämpfte gegen die Philister und schlug sie so
hart, daß sie vor ihm flohen.
Aber der böse Geist vom HERRN kam über
Saul, und Saul saß in seinem Hause und hatte seinen Spieß
in der Hand. David aber spielte mit der Hand auf den Saiten.
Und Saul trachtete danach, David mit dem Spieß
an die Wand zu spießen. Er aber wich aus vor Saul, und der
Spieß fuhr in die Wand. David aber floh und entrann. In
jener Nacht aber
sandte Saul Boten zu Davids Haus, ihn zu
bewachen, um ihn am Morgen zu töten. Doch Michal, Davids
Frau, sagte es ihrem Mann und sprach: Wirst du nicht diese Nacht
dein Leben retten, so mußt du morgen sterben.
Da ließ ihn Michal durchs Fenster hinab,
daß er floh und entrinnen konnte.
Dann nahm Michal das Götzenbild und legte
es aufs Bett und ein Geflecht von Ziegenhaaren zu seinen Häupten
und deckte ein Kleid darauf.
Da sandte Saul Boten, um David zu holen. Sie
aber sprach: Er ist krank.
Saul sandte abermals Boten, nach David zu
sehen, und sprach: Bringt ihn her zu mir samt dem Bett, daß
er getötet werde!
Als nun die Boten kamen, siehe, da lag das
Götzenbild im Bett und das Geflecht von Ziegenhaaren zu
seinen Häupten.
Da sprach Saul zu Michal: Warum hast du mich
betrogen und meinen Feind entrinnen lassen? Michal antwortete
Saul: Er sagte zu mir: Laß mich gehen, oder ich töte
dich!
David flieht zu Samuel
David aber floh und konnte entrinnen und kam zu
Samuel nach Rama und sagte ihm alles, was ihm Saul angetan hatte.
Und er ging mit Samuel, und sie blieben zu Najoth.
Und es wurde Saul angesagt: Siehe, David ist zu
Najoth in Rama.
Da sandte Saul Boten, um David zu holen. Und
sie sahen die Schar der Propheten in Verzückung und Samuel
an ihrer Spitze. Da kam der Geist Gottes auf die Boten Sauls, so
daß auch sie in Verzückung gerieten.
Als das Saul angesagt wurde, sandte er andere
Boten; die gerieten auch in Verzückung. Da sandte er die
dritten Boten; die gerieten auch in Verzückung.
Da ging er selbst nach Rama. Und als er zum
großen Brunnen kam, der in Sechu ist, fragte er: Wo sind
Samuel und David? Da wurde ihm gesagt: Siehe, zu Najoth in Rama.
Und er machte sich von dort auf nach Najoth in
Rama. Und der Geist Gottes kam auch über ihn, und er ging
einher in Verzückung, bis er nach Najoth in Rama kam.
Da zog auch er seine Kleider aus und war in
Verzückung vor Samuel und fiel hin und lag nackt den ganzen
Tag und die ganze Nacht. Daher sagt man: Ist Saul auch unter den
Propheten?
David und Jonathan befestigen ihren
Freundschaftsbund
Kapitel 20
David aber floh von Najoth in Rama und kam und redete vor
Jonathan: Was hab ich getan? Was ist meine Schuld? Was hab ich
gesündigt vor deinem Vater, daß er mir nach dem Leben
trachtet?
Er aber sprach zu ihm: Das sei ferne; du sollst nicht
sterben. Siehe, mein Vater tut nichts, weder Großes noch
Kleines, ohne es mir kundzutun. Warum sollte denn mein Vater dies
vor mir verbergen? Es ist nicht so.
Da antwortete David und schwor: Dein Vater weiß sehr
wohl, daß ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe; darum
dachte er: Jonathan soll das nicht wissen, es könnte ihn
bekümmern. Wahrlich, so wahr der HERR lebt und so wahr du
lebst: es ist nur ein Schritt zwischen mir und dem Tode!
Jonathan sprach zu David: Ich will für dich tun, was
dein Herz begehrt.
David sprach zu Jonathan: Siehe, morgen ist Neumond; da
sollte ich mit dem König zu Tisch sitzen; aber laß
mich, daß ich mich auf dem Felde verberge bis zum Abend des
dritten Tages.
Wird dein Vater nach mir fragen, so sprich: David bat
mich, daß er nach Bethlehem, seiner Stadt, gehen dürfe;
denn dort ist das jährliche Opferfest für das ganze
Geschlecht.
Wird er sagen: Es ist recht, so steht es gut um deinen
Knecht; wird er aber ergrimmen, so wirst du merken, daß
Böses bei ihm beschlossen ist.
So tu nun Barmherzigkeit an deinem Knecht, denn du hast
mit deinem Knecht einen Bund im HERRN geschlossen. Liegt aber
eine Schuld auf mir, so töte du mich; warum willst du mich
zu deinem Vater bringen?
Jonathan sprach: Das sei ferne von dir, daß ich es
dir nicht sagen sollte, wenn ich merke, daß bei meinem
Vater beschlossen ist, Böses über dich zu bringen.
David aber sprach zu Jonathan: Wer wird mir's sagen, wenn
dir dein Vater etwas Hartes antwortet?
Jonathan sprach zu David: Komm, laß uns hinaus aufs
Feld gehen! Und sie gingen beide hinaus aufs Feld.
Und Jonathan sprach zu David: Bei dem HERRN, dem Gott
Israels: wenn ich meinen Vater ausforsche morgen und am dritten
Tage, daß es gut steht mit David, und wenn ich dann nicht
hinsende zu dir und es dir nicht kundtue,
so tue der HERR dem Jonathan dies und das. Wenn aber mein
Vater Böses gegen dich sinnt, so will ich es dir auch
kundtun und dich ziehen lassen, daß du mit Frieden weggehen
kannst. Und der HERR sei mit dir, wie er mit meinem Vater gewesen
ist.
Du aber wollest die Barmherzigkeit des HERRN an mir tun,
solange ich lebe, und wenn ich sterbe,
so nimm die Barmherzigkeit niemals fort von meinem Hause.
Und wenn der HERR die Feinde Davids ausrotten wird, Mann für
Mann, aus dem Lande,
so möge der Name Jonathans nicht ausgelöscht
werden neben dem Hause Davids! Vielmehr möge der HERR Rache
nehmen nur an den Feinden Davids!
Und Jonathan ließ nun auch David schwören bei
seiner Liebe zu ihm; denn er hatte ihn so lieb wie sein eigenes
Herz.
Und Jonathan sprach zu ihm: Morgen ist Neumond; da
wird man dich vermissen, wenn dein Platz leer bleibt.
Am dritten Tage wirst du erst recht vermißt werden.
Du aber komm an den Ort, wo du dich verborgen hattest am Tage
jener Tat, und setze dich dort neben den Steinhaufen.
So will ich nach seiner Seite drei Pfeile schießen,
als ob ich nach dem Ziele schösse.
Und ich will den Knaben hinschicken: Geh, suche die
Pfeile! Werde ich zum Knaben sagen: Siehe, die Pfeile liegen
herwärts von dir, hole sie!, so komm; denn es steht gut um
dich und hat keine Gefahr, so wahr der HERR lebt.
Sage ich aber zum Knaben: Siehe, die Pfeile liegen
hinwärts von dir!, so geh hin; denn der HERR befiehlt dir
fortzugehen.
Für das Wort aber, das du und ich miteinander geredet
haben: siehe, dafür steht der HERR zwischen mir und dir
ewiglich.
Sauls Zorn gegen Jonathan um Davids willen
David verbarg sich auf dem Felde. Und als der Neumond kam,
setzte sich der König zu Tisch, um zu essen.
Und der König saß an seinem Platz, wie er
gewohnt war, an der Wand, und Jonathan saß gegenüber;
Abner aber setzte sich an die Seite Sauls. Davids Platz aber war
leer.
Und Saul sagte an diesem Tage nichts; denn er dachte: Es
ist ihm etwas widerfahren, so daß er nicht rein ist.
Am andern Tage aber nach dem Neumond, als Davids Platz
leer blieb, sprach Saul zu seinem Sohn Jonathan: Warum ist der
Sohn Isais nicht zu Tisch gekommen, weder gestern noch heute?
Jonathan antwortete Saul: Er bat mich sehr, daß er
nach Bethlehem gehen dürfe,
und sprach: Laß mich hingehen, denn unser Geschlecht
hat zu opfern in der Stadt, und mein Bruder hat mir's selbst
geboten. Hab ich nun Gnade vor deinen Augen gefunden, so laß
mich hingehen und meine Brüder sehen. Darum ist er nicht zum
Tisch des Königs gekommen.
Da entbrannte der Zorn Sauls über Jonathan, und er
sprach zu ihm: Du Sohn einer ehrlosen Mutter! Ich weiß sehr
wohl, daß du den Sohn Isais erkoren hast, dir und deiner
Mutter, die dich geboren hat, zur Schande!
Denn solange der Sohn Isais lebt auf Erden, wirst du und
auch dein Königtum nicht bestehen. So sende nun hin und laß
ihn herholen zu mir, denn er ist ein Kind des Todes.
Jonathan antwortete seinem Vater Saul und sprach zu ihm:
Warum soll er sterben? Was hat er getan?
Da zückte Saul den Spieß nach ihm, um ihn zu
durchbohren. Da merkte Jonathan, daß es bei seinem Vater
fest beschlossen war, David zu töten,
und stand vom Tisch auf in grimmigem Zorn und aß am
zweiten Tage nach dem Neumond nichts; denn er war bekümmert
um David, und daß ihm sein Vater solchen Schimpf antat.
Davids Abschied von Jonathan
Am Morgen ging Jonathan hinaus aufs Feld, wohin er David
bestellt hatte, und ein Knabe mit ihm.
Und er sprach zu dem Knaben: Lauf und suche mir die
Pfeile, die ich schieße! Und als der Knabe lief, schoß
er einen Pfeil über ihn hin.
Und als der Knabe an den Ort kam, wohin Jonathan den Pfeil
geschossen hatte, rief ihm Jonathan nach und sprach: Der Pfeil
liegt hinwärts von dir.
Und Jonathan rief abermals dem Knaben nach: Rasch, eile
und halte dich nicht auf! Da las der Knabe Jonathans den Pfeil
auf und brachte ihn zu seinem Herrn.
Der Knabe aber merkte nichts; nur Jonathan und David
wußten um die Sache.
Da gab Jonathan seine Waffen dem Knaben, den er bei sich
hatte, und sprach zu ihm: Geh und trage sie in die Stadt.
Und als der Knabe weggegangen war, stand David auf hinter
dem Steinhaufen und fiel auf sein Antlitz zur Erde und beugte
sich dreimal nieder, und sie küßten einander und
weinten miteinander, David aber am allermeisten.
Und Jonathan sprach zu David: Geh hin mit Frieden! Für
das, was wir beide geschworen haben im Namen des HERRN, dafür
stehe der HERR zwischen mir und dir, zwischen meinen Nachkommen
und deinen Nachkommen in Ewigkeit.
Kapitel 21
° Und David machte sich auf und ging
seines Weges; Jonathan aber ging in die Stadt.
David bei den Priestern von Nob
Und als David nach Nob kam zum Priester
Ahimelech, entsetzte sich Ahimelech, als er David entgegenging,
und sprach zu ihm: Warum kommst du allein und ist kein Mann mit
dir?
David sprach zu dem Priester Ahimelech: Der
König hat mir eine Sache befohlen und sprach zu mir: Niemand
darf auch nur das Geringste von der Sache wissen, in der ich dich
gesandt habe und die ich dir befohlen habe. Darum hab ich meine
Leute an den und den Ort beschieden.
Hast du nun etwas bei der Hand, etwa fünf
Brote, oder was sonst vorhanden ist, das gib mir in meine Hand.
Der Priester antwortete David: Ich habe kein
gewöhnliches Brot bei der Hand, sondern nur heiliges Brot;
nur müssen die Leute sich der Frauen enthalten haben.
David antwortete dem Priester: Sicher, Frauen
waren uns schon etliche Tage verwehrt. Als ich auszog, war der
Leib der Leute nicht unrein, obgleich es nur um ein gewöhnliches
Vorhaben ging; um wieviel mehr werden sie heute am Leibe rein
sein.
Da gab ihm der Priester von dem heiligen Brot,
weil kein anderes da war als die Schaubrote, die man vor dem
HERRN nur hinwegnimmt, um frisches Brot aufzulegen an dem Tage,
an dem man das andere wegnimmt.
Es war aber am selben Tage ein Mann von
den Großes Sauls dort eingeschlossen vor dem HERRN mit
Namen Doëg, ein
Edomiter, der über die Hirten Sauls gesetzt war.
Und David sprach zu Ahimelech: Ist nicht hier
bei dir ein Spieß oder ein Schwert? Ich habe mein Schwert
und meine Waffen nicht mit mir genommen, denn die Sache des
Königs war eilig.
Der Priester sprach: Das Schwert des Philisters
Goliath, den du im Eichgrund erschlagen hast, das ist hier, in
einen Mantel gewickelt, hinter dem Ephod. Willst du das, so nimm
es, denn es ist kein anderes hier als dies. David sprach:
Seinesgleichen gibt es nicht; gib mir's!
David flieht zum König Achis von Gath
Und David machte sich auf und floh an jenem
Tage vor Saul und kam zu Achis, dem König von Gath.
Aber die Großen des Achis sprachen zu
ihm: Ist das nicht David, der König des Landes, von dem sie
im Reigen sangen: Saul schlug tausend, David aber zehntausend?
Und David nahm sich die Worte zu Herzen und
fürchtete sich sehr vor Achis, dem König von Gath.
Und er stellte sich wahnsinnig vor ihren Augen
und tobte unter ihren Händen und rannte gegen die Pforte des
Tores und ließ seinen Speichel in seinen Bart fließen.
Da sprach Achis zu seinen Großen: Ihr
seht ja, daß der Mann wahnsinnig ist; warum habt ihr ihn zu
mir gebracht?
Hab ich zu wenig Wahnsinnige, daß ihr
diesen herbrachtet, bei mir zu toben? Sollte der in mein Haus
kommen?
David wird Anführer einer Streifschar
Kapitel 22
David ging von da hinweg und rettete sich in die Höhle
Adullam. Als das seine Brüder hörten und das ganze Haus
seines Vaters, kamen sie zu ihm dahin.
Und es sammelten sich bei ihm allerlei Männer, die in
Not und Schulden und verbitterten Herzens waren, und er wurde ihr
Oberster; und es waren bei ihm etwa vierhundert Mann.
Und David ging von da nach Mizpe ins Land der Moabiter und
sprach zum König von Moab: Laß meinen Vater und meine
Mutter bei euch bleiben, bis ich erfahre, was Gott mit mir tun
wird.
Und er brachte sie vor den König von Moab, und sie
blieben bei ihm, solange David auf der Bergfeste war.
Aber der Prophet Gad sprach zu David: Bleib nicht auf der
Bergfeste, sondern geh hin ins Land Juda. Da ging David weg und
kam nach Jaar-Hereth.
Saul nimmt Rache an den Priestern von Nob
Und es kam vor Saul, daß David und die Männer,
die bei ihm waren, von sich reden machten. Und Saul saß zu
Gibea unter dem Tamariskenbaum auf der Höhe, den Spieß
in der Hand, und alle seine Großen standen um ihn.
Da sprach Saul zu seinen Großen, die um ihn standen:
Hört, ihr Benjaminiter! Wird der Sohn Isais euch allen auch
Äcker und Weinberge geben und euch alle zu Obersten über
tausend und über hundert machen,
daß ihr euch alle verschworen habt gegen mich und
daß niemand da ist, der es mir zu Ohren brächte, daß
mein Sohn sich mit dem Sohn Isais verbunden hat? Ist niemand
unter euch, der sich um mich gegrämt und der es mir zu Ohren
gebracht hätte, daß mein Sohn meinen Knecht gegen mich
aufgereizt hat, daß er mir nachstellt, wie es jetzt am Tage
ist?
Da antwortete Doëg, der Edomiter, der unter den
Großen Sauls stand, und sprach: Ich sah den Sohn Isais, wie
er nach Nob kam zu Ahimelech, dem Sohn Ahitubs.
Der befragte den HERRN für ihn und gab ihm Wegzehrung
und das Schwert des Philisters Goliath.
Da sandte der König hin und ließ rufen den
Priester Ahimelech, den Sohn Ahitubs, und das ganze Haus seines
Vaters, die Priester, die zu Nob waren. Und sie kamen alle zum
König.
Und Saul sprach: Höre, du Sohn Ahitubs! Er sprach:
Hier bin ich, mein Herr.
Und Saul sprach zu ihm: Warum habt ihr euch verschworen
gegen mich, du und der Sohn Isais, daß du ihm Brot und ein
Schwert gegeben und Gott für ihn befragt hast, damit er sich
gegen mich empöre und mir nachstelle, wie es jetzt am Tage
ist?
Ahimelech antwortete dem König und sprach: Wer ist
unter allen deinen Knechten so treu wie David, dazu des Königs
Schwiegersohn und der Oberste deiner Leibwache und geehrt in
deinem Hause?
Hab ich denn heute erst angefangen, Gott für ihn zu
befragen? Das sei ferne von mir! Der König lege solches
seinem Knecht nicht zur Last noch meines Vaters ganzem Hause;
denn dein Knecht hat von alledem nichts gewußt, weder
Kleines noch Großes.
Aber der König sprach: Ahimelech, du mußt des
Todes sterben, du und deines Vaters ganzes Haus!
Und der König sprach zu seiner Leibwache, die um ihn
stand: Tretet heran und tötet die Priester des HERRN; denn
ihre Hand ist mit David, und obwohl sie wußten, daß
er auf der Flucht war, haben sie mir's nicht zu Ohren gebracht!
Aber die Männer des Königs wollten ihre Hände
nicht an die Priester des HERRN legen, sie zu erschlagen.
Da sprach der König zu Doëg: Tritt du heran und
erschlage die Priester! Doëg, der Edomiter, trat heran und
erschlug die Priester, daß an diesem Tage starben
fünfundachtzig Männer, die den leinenen Priesterschurz
trugen.
Auch Nob, die Stadt der Priester, schlug er mit der
Schärfe des Schwerts, Mann und Frau, Kinder und Säuglinge,
Rinder und Esel und Schafe, mit der Schärfe des Schwerts.
Es entrann aber ein Sohn Ahimelechs, des
Sohnes Ahitubs, der hieß Abjathar, und floh zu David
und verkündete ihm, daß Saul die Priester des
HERRN getötet habe.
David aber sprach zu Abjathar: Ich wußte es schon an
dem Tage, als der Edomiter Doëg dort war, daß er's
Saul verraten werde. Ich bin schuldig am Leben aller aus deines
Vaters Haus.
Bleibe bei mir und fürchte dich nicht. Denn der, der
mir nach dem Leben trachtet, der trachtet auch dir nach dem
Leben; du bist bei mir in Sicherheit.
David in Kegila
Kapitel 23
Und es wurde David angesagt: Siehe, die Philister kämpfen
gegen Kegila und berauben die Tennen.
Da befragte David den HERRN und sprach: Soll ich hinziehen
und diese Philister schlagen? Und der HERR sprach zu David: Zieh
hin, du wirst die Philister schlagen und Kegila erretten!
Aber die Männer bei David sprachen zu ihm: Siehe, wir
fürchten uns schon hier in Juda und wollen nun hinziehen
nach Kegila gegen das Heer der Philister?
Da befragte David wieder den HERRN, und der HERR
antwortete ihm: Auf, zieh hin nach Kegila, denn ich will die
Philister in deine Hände geben!
So zog David mit seinen Männern nach Kegila und
kämpfte gegen die Philister und trieb ihnen ihr Vieh weg und
schlug sie hart. So errettete David die Leute von Kegila.
Als aber Abjathar, der Sohn Ahimelechs, zu David
geflohen war, zog er mit herab nach Kegila und brachte den Ephod
mit.
Da wurde Saul angesagt, daß David nach Kegila
gekommen sei, und Saul dachte: Gott hat ihn in meine Hände
gegeben, denn er ist eingeschlossen, nun er in eine Stadt mit
Toren und Riegeln gekommen ist.
Und Saul ließ das ganze Kriegsvolk aufrufen, zum
Kampf hinabzuziehen nach Kegila, damit sie David und seine Männer
belagerten.
Als aber David merkte, daß Saul Böses gegen ihn
im Sinne hatte, sprach er zu dem Priester Abjathar: Bringe den
Ephod her!
Und David sprach: HERR, Gott Israels, dein Knecht hat
gehört, daß Saul danach trachtet, nach Kegila zu
ziehen, um die Stadt zu verderben um meinetwillen.
Werden mich die Bürger von Kegila übergeben in
seine Hände? Und wird Saul herabkommen, wie dein Knecht
gehört hat? Das verkünde, HERR, Gott Israels, deinem
Knecht! Und der HERR sprach: Er wird herabkommen.
David fragte weiter: Werden die Bürger von Kegila
mich und meine Männer übergeben in die Hände
Sauls? Der HERR sprach: Ja.
Da machte sich David auf samt seinen Männern, etwa
sechshundert, und sie zogen fort von Kegila und streiften da und
dort umher. Als nun Saul angesagt wurde, daß David aus
Kegila entronnen war, stand er ab von seinem Zuge.
David in der Wüste Siph
David aber blieb in der Wüste, auf den Bergfesten;
und zwar blieb er im Gebirge, in der Wüste Siph. Und Saul
suchte ihn die ganze Zeit; aber Gott gab ihn nicht in seine
Hände.
Und als David sah, daß Saul ausgezogen war, um ihm
nach dem Leben zu trachten, blieb er in der Wüste Siph in
Horescha.
Da machte sich Jonathan, Sauls Sohn, auf und ging hin zu
David nach Horescha und stärkte sein Vertrauen auf Gott
und sprach zu ihm: Fürchte dich nicht! Sauls, meines
Vaters, Hand wird dich nicht erreichen, und du wirst König
werden über Israel, und ich werde der Zweite nach dir sein;
auch mein Vater weiß das sehr wohl.
Und sie schlossen beide einen Bund miteinander vor dem
HERRN. David blieb in Horescha, aber Jonathan zog wieder heim.
Aber die Siphiter zogen zu Saul hinauf nach Gibea
und sprachen: David hält sich bei uns verborgen auf den
Bergfesten in Horescha in Gibea-Hachila, das südlich liegt
von Jeschimon.
Ist's nun, König, deines Herzens Verlangen
hinabzukommen, so komm; wir wollen ihn in des Königs Hände
übergeben.
Da sprach Saul: Gesegnet seid ihr vom HERRN, daß ihr
euch meiner erbarmt habt!
So geht nun und gebt weiter acht, daß ihr wißt
und seht, an welchem Ort sein Fuß weilt, und wer ihn dort
gesehen hat; denn man hat mir gesagt, daß er sehr listig
ist.
Beobachtet und erkundet jeden versteckten Ort, wo er sich
verkriecht, und kommt wieder zu mir, wenn ihr's gewiß seid,
so will ich mit euch ziehen. Ist er im Lande, so will ich ihn
aufspüren unter allen Tausendschaften Judas.
Da machten sie sich auf und gingen vor Saul her nach Siph.
David aber und seine Männer waren in der Wüste Maon, in
der Steppe südlich von Jeschimon.
Als nun Saul hinzog mit seinen Männern, David zu
suchen, wurde es David angesagt. Und er ging zu dem Felsen hinab,
der in der Wüste Maon ist. Als das Saul hörte, jagte er
David nach in die Wüste Maon.
Und Saul ging auf der einen Seite eines Berges, David mit
seinen Männern auf der andern Seite des Berges. David aber
eilte, Saul zu entgehen, während Saul samt seinen Männern
David und seine Männer umstellte, um sie zu fangen.
Aber es kam ein Bote zu Saul und sprach: Komm eilends,
denn die Philister sind ins Land eingefallen.
Da ließ Saul davon ab, David nachzujagen, und zog
hin, den Philistern entgegen. Daher nennt man den Ort
Sela-Machlekoth*.
*d. h. vermutlich «Trennungsfelsen».
David verschont Saul in der Höhle von En-Gedi
Kapitel 24
Und David zog von dort hinauf und blieb in den Bergfesten
bei En-Gedi.
Als nun Saul zurückkam von der Verfolgung der
Philister, wurde ihm gesagt: Siehe, David ist in der Wüste
En-Gedi.
Und Saul nahm dreitausend auserlesene Männer aus ganz
Israel und zog hin, David samt seinen Männern zu suchen, in
Richtung auf die Steinbockfelsen.
Und als er kam zu den Schafhürden am Wege, war dort
eine Höhle, und Saul ging hinein, um seine Füße
zu decken. David aber und seine Männer saßen hinten in
der Höhle.
Da sprachen die Männer Davids zu ihm: Siehe, das ist
der Tag, von dem der HERR zu dir gesagt hat: Siehe, ich will
deinen Feind in deine Hände geben, daß du mit ihm
tust, was dir gefällt. Und David stand auf und schnitt leise
einen Zipfel vom Rock Sauls.
Aber danach schlug ihm sein Herz, daß er den Zipfel
vom Rock Sauls abgeschnitten hatte,
und er sprach zu seinen Männern: Das lasse der HERR
ferne von mir sein, daß ich das tun sollte und meine Hand
legen an meinen Herrn, den Gesalbten des HERRN; denn er ist der
Gesalbte des HERRN.
Und David wies seine Männer von sich mit harten
Worten und ließ sie sich nicht an Saul vergreifen.
Als aber Saul sich aufmachte aus der Höhle und
seines Weges ging,
machte sich auch David auf ihm nach und ging aus der Höhle
und rief Saul nach und sprach: Mein Herr und König! Saul sah
sich um. Und David neigte sein Antlitz zur Erde und fiel nieder.
Und David sprach zu Saul: Warum hörst du auf das
Geschwätz der Menschen, die da sagen: David sucht dein
Unglück?
Siehe, heute haben deine Augen gesehen, daß dich der
HERR in meine Hand gegeben hat in der Höhle, und man hat mir
gesagt, daß ich dich töten sollte. Aber ich habe dich
verschont; denn ich dachte: Ich will meine Hand nicht an meinen
Herrn legen; denn er ist der Gesalbte des HERRN.
Mein Vater, sieh doch hier den Zipfel deines Rocks in
meiner Hand! Daß ich den Zipfel von deinem Rock schnitt und
dich nicht tötete, daran erkenne und sieh, daß meine
Hände rein sind von Bosheit und Empörung. Ich habe mich
nicht an dir versündigt; aber du jagst mir nach, um mir das
Leben zu nehmen.
Der HERR wird Richter sein zwischen mir und dir und mich
an dir rächen, aber meine Hand soll dich nicht anrühren;
wie man sagt nach dem alten Sprichwort: Von Bösen
kommt Böses; aber meine Hand soll dich nicht anrühren.
Wem zieht der König von Israel nach? Wem jagst du
nach? Einem toten Hund, einem einzelnen Floh!
Der HERR sei Richter und richte zwischen mir und dir und
sehe darein und führe meine Sache, daß er mir Recht
schaffe wider dich!
Als nun David diese Worte zu Saul geredet hatte,
sprach Saul: Ist das nicht deine Stimme, mein Sohn David? Und
Saul erhob seine Stimme und weinte
und sprach zu David: Du bist gerechter als ich, du hast
mir Gutes erwiesen; ich aber habe dir Böses erwiesen.
Und du hast mir heute gezeigt, wie du Gutes an mir getan
hast, als mich der HERR in deine Hände gegeben hatte und du
mich doch nicht getötet hast.
Wo ist jemand, der seinen Feind findet und läßt
ihn mit Frieden seinen Weg gehen? Der HERR vergelte dir Gutes für
das, was du heute an mir getan hast!
Nun siehe, ich weiß, daß du König werden
wirst und das Königtum über Israel durch deine Hand
Bestand haben wird.
So schwöre mir nun bei dem HERRN, daß du mein
Geschlecht nach mir nicht ausrotten und meinen Namen nicht
austilgen wirst aus meines Vaters Hause.
Und David schwor es Saul. Da zog Saul heim. David aber mit
seinen Männern zog hinauf auf die Bergfeste.
Samuels Tod
Kapitel 25
Und Samuel starb, und ganz Israel versammelte sich und
hielt ihm die Totenklage. Und sie begruben ihn in seinem Hause zu
Rama.
David und Abigail
David aber machte sich auf und zog hinab in die Wüste
Maon.
Und es war ein Mann in Maon, der hatte seine
Tätigkeit in Karmel, und der Mann hatte sehr großes
Vermögen und besaß dreitausend Schafe und tausend
Ziegen. Und es begab sich, daß er eben seine Schafe schor
in Karmel.
Der Mann hieß Nabal, seine Frau aber hieß
Abigail. Und sie war eine Frau von Verstand und schön von
Angesicht, der Mann aber war roh und boshaft in seinem Tun und
war einer von Kaleb.
Als nun David in der Wüste hörte, daß
Nabal seine Schafe schor,
sandte er zehn seiner Leute aus und sprach zu ihnen: Geht
hinauf nach Karmel, und wenn ihr zu Nabal kommt, so grüßt
ihn freundlich in meinem Namen
und sprecht zu meinem Bruder: Friede sei mit dir und
deinem Hause und mit allem, was du hast!
Ich habe gehört, daß du Schafschur hast. Nun,
deine Hirten sind mit uns zusammen gewesen; wir haben ihnen
nichts zuleide getan, und sie haben nichts vermißt, solange
sie in Karmel gewesen sind.
Frage deine Leute danach, die werden's dir sagen. Und laß
meine Leute Gnade finden vor deinen Augen, denn wir sind an einem
Festtag gekommen. Gib deinen Knechten und deinem Sohn David, was
du zur Hand hast.
Und als die Leute Davids hingekommen waren und in Davids
Namen alle diese Worte mit Nabal geredet hatten und ruhig
warteten,
antwortete Nabal den Knechten Davids: Wer ist David? Und
wer ist der Sohn Isais? Es gibt jetzt viele Knechte, die ihren
Herren davongelaufen sind.
Sollte ich mein Brot und mein Wasser nehmen und mein
Fleisch, das ich für meine Scherer geschlachtet habe, und
Leuten geben, von denen ich nicht weiß, wo sie her sind?
Da wandten sich die Leute Davids um und gingen ihres
Weges. Und als sie zu ihm zurückkamen, sagten sie ihm das
alles.
Da sprach David zu seinen Männern: Gürte sich
ein jeder sein Schwert um! Und jeder gürtete sich sein
Schwert um, und auch David gürtete sich sein Schwert um, und
etwa vierhundert Mann zogen ihm nach, aber zweihundert blieben
bei dem Troß.
Aber der Abigail, Nabals Frau, sagte es einer von
den Leuten und sprach: Siehe, David hat Boten gesandt aus der
Wüste, unsern Herrn zu grüßen, er aber hat sie
angeschrien.
Aber die Männer sind uns doch sehr nützlich
gewesen und haben uns nichts zuleide getan, und wir haben nichts
vermißt, solange wir mit ihnen umherzogen, wenn wir auf dem
Felde waren,
sondern sie sind wie Mauern um uns gewesen Tag und Nacht,
solange wir die Schafe in ihrer Nähe gehütet haben.
So bedenke nun und sieh zu, was du tust; denn es ist gewiß
ein Unheil beschlossen über unsern Herrn und über sein
ganzes Haus. Er aber ist ein heilloser Mensch, dem niemand etwas
zu sagen wagt.
Da eilte Abigail und nahm zweihundert Brote und
zwei Krüge Wein und fünf zubereitete Schafe und fünf
Maß Röstkorn und hundert Rosinenkuchen und zweihundert
Feigenkuchen und lud alles auf Esel
und sprach zu ihren Leuten: Geht vor mir her; siehe, ich
will sogleich hinter euch her kommen. Und sie sagte ihrem Mann
Nabal nichts davon.
Und als sie auf dem Esel ritt und hinabzog im Schutz des
Berges, siehe, da kam David mit seinen Männern ihr entgegen,
so daß sie auf sie stieß.
David aber hatte gedacht: Nun hab ich alles umsonst
behütet, was der da in der Wüste hat, so daß
nichts vermißt wurde von allem, was er hat; und er vergilt
mir Gutes mit Bösem!
Gott tue David dies und noch mehr, wenn ich ihm bis zum
lichten Morgen einen übriglasse, der männlich
ist, von allem, was er hat.
Als nun Abigail David sah, stieg sie eilends vom Esel und
fiel vor David nieder und beugte sich zur Erde
und fiel ihm zu Füßen und sprach: Ach, mein
Herr, auf mich allein falle die Schuld! Laß deine Magd
reden vor deinen Ohren und höre die Worte deiner Magd!
Mein Herr errege sich nicht über Nabal, diesen
heillosen Menschen; denn wie sein Name, so ist er: er heißt
«Tor», und Torheit ist bei ihm. Ich aber, deine Magd,
habe die Leute meines Herrn nicht gesehen, die du gesandt hast.
Nun aber, mein Herr, so wahr der HERR lebt und so wahr du
selbst lebst: der HERR hat dich davor bewahrt, in Blutschuld zu
geraten und dir mit eigener Hand zu helfen. So sollen deine
Feinde und alle, die meinem Herrn übel wollen, wie Nabal
werden!
Hier ist das Segensgeschenk, das deine Magd meinem Herrn
gebracht hat; das soll den Leuten gegeben werden, die meinem
Herrn folgen.
Vergib deiner Magd die Anmaßung! Der HERR wird
meinem Herrn ein beständiges Haus bauen, denn du führst
des HERRN Kriege. Es möge nichts Böses an dir gefunden
werden dein Leben lang.
Und wenn sich ein Mensch erheben wird, dich zu verfolgen
und dir nach dem Leben zu trachten, so soll das Leben meines
Herrn eingebunden sein im Bündlein der Lebendigen bei dem
HERRN, deinem Gott, aber das Leben deiner Feinde soll er
fortschleudern mit der Schleuder.
Wenn dann der HERR meinem Herrn all das Gute tun wird, was
er dir zugesagt hat, und dich zum Fürsten bestellt hat über
Israel,
so wird das Herz meines Herrn frei sein von dem Anstoß
und Ärgernis, daß du unschuldiges Blut vergossen und
dir selber geholfen habest. Und wenn der HERR meinem Herrn
wohltun wird, so wollest du an deine Magd denken.
Da sprach David zu Abigail: Gelobt sei der HERR, der Gott
Israels, der dich heute mir entgegengesandt hat,
und gesegnet sei deine Klugheit, und gesegnet seist du,
daß du mich heute davon zurückgehalten hast, in
Blutschuld zu geraten und mir mit eigener Hand zu helfen.
Wahrlich, so wahr der HERR, der Gott Israels, lebt, der
mich davor bewahrt hat, übel an dir zu tun: wärest du
nicht eilends mir begegnet, so wäre dem Nabal bis zum
lichten Morgen nicht einer, der männlich ist,
übriggeblieben.
Also nahm David aus ihrer Hand, was sie ihm gebracht
hatte, und sprach zu ihr: Zieh mit Frieden hinauf in dein Haus;
sieh, ich habe auf deine Stimme gehört und dein Antlitz
wieder erhoben.
Als aber Abigail zu Nabal kam, siehe, da hatte er
ein Mahl zubereitet in seinem Hause wie eines Königs Mahl,
und sein Herz war guter Dinge, und er war sehr betrunken. Sie
aber sagte ihm nichts, weder wenig noch viel, bis an den lichten
Morgen.
Als es aber Morgen geworden und die Betrunkenheit von
Nabal gewichen war, sagte ihm seine Frau alles. Da erstarb sein
Herz in seinem Leibe, und er ward wie ein Stein.
Und nach zehn Tagen schlug der HERR den Nabal, daß
er starb.
Als David hörte, daß Nabal tot war, sprach er:
Gelobt sei der HERR, der meine Schmach gerächt hat an Nabal
und seinen Knecht abgehalten hat von einer bösen Tat! Der
HERR hat dem Nabal seine böse Tat auf seinen Kopf vergolten.
Und David sandte hin und ließ Abigail sagen, daß
er sie zur Frau nehmen wolle.
Und als die Knechte Davids zu Abigail nach Karmel kamen,
redeten sie mit ihr und sprachen: David hat uns zu dir gesandt,
daß er dich zur Frau nehme.
Sie stand auf und fiel nieder auf ihr Angesicht zur Erde
und sprach: Siehe, deine Magd ist bereit, den Knechten meines
Herrn zu dienen und ihre Füße zu waschen.
Und Abigail machte sich eilends auf und setzte sich auf
einen Esel, und ihre fünf Mägde gingen hinter ihr her.
Und sie zog den Boten Davids nach und wurde seine Frau.
Auch hatte David Ahinoam von Jesreel zur Frau
genommen; sie wurden beide seine Frauen.
Saul aber hatte seine Tochter Michal, Davids Frau, Palti,
dem Sohn des Lajisch aus Gallim, gegeben.
David verschont Saul zum zweitenmal
Kapitel 26
Die Leute von Siph aber kamen zu Saul nach Gibea und
sprachen: David hält sich verborgen auf dem Hügel
Hachila, der Jeschimon gegenüber liegt.
Da machte sich Saul auf und zog hinab zur Wüste Siph
und mit ihm dreitausend auserlesene Männer aus Israel, um
David in der Wüste Siph zu suchen.
Und Saul lagerte sich auf dem Hügel Hachila, der
Jeschimon gegenüber liegt am Wege. David aber hielt sich in
der Wüste auf. Und als er merkte, daß Saul ihm nachkam
in die Wüste,
sandte er Kundschafter aus und erfuhr, daß Saul
gewiß gekommen sei.
Und David machte sich auf und kam an den Ort, wo Saul sein
Lager hielt, und sah die Stätte, wo Saul lag mit seinem
Feldhauptmann Abner, dem Sohn Ners. Saul aber lag im innersten
Lagerring und das Kriegsvolk um ihn her.
Da hob David an und sprach zu Ahimelech, dem Hethiter, und
zu Abisai, dem Sohn der Zeruja, dem Bruder Joabs: Wer will mit
mir hinab zu Saul ins Lager? Abisai sprach: Ich will mit dir
hinab.
So kam David mit Abisai in der Nacht zum Lager. Und siehe,
Saul lag und schlief im innersten Lagerring, und sein Spieß
steckte in der Erde zu seinen Häupten. Abner aber und das
Volk lagen um ihn her.
Da sprach Abisai zu David: Gott hat deinen Feind heute in
deine Hand gegeben; so will ich ihn nun mit seinem Speer an den
Boden spießen mit einem Mal, daß es keines zweiten
mehr bedarf.
David aber sprach zu Abisai: Tu ihm nichts zuleide; denn
wer könnte die Hand an den Gesalbten des HERRN legen und
ungestraft bleiben?
Weiter sprach David: So wahr der HERR lebt: der HERR wird
ihn schlagen, wenn seine Zeit kommt, daß er sterbe, oder er
wird in den Krieg ziehen und umkommen.
Von mir lasse der HERR fern sein, daß ich meine Hand
sollte an den Gesalbten des HERRN legen. Nimm nun den Spieß
zu seinen Häupten und den Wasserkrug und laß uns
gehen.
So nahm David den Spieß und den Wasserkrug zu
Häupten Sauls, und sie gingen weg, und es war niemand, der
es sah oder merkte oder der erwachte, sondern sie schliefen alle;
denn es war ein tiefer Schlaf vom HERRN auf sie gefallen.
Als nun David auf die andere Seite hinübergekommen
war, stellte er sich auf den Gipfel des Berges von ferne, so daß
ein weiter Raum zwischen ihnen war.
Und David rief zum Kriegsvolk und zu Abner, dem Sohn Ners,
und sprach: Antwortest du nicht, Abner? Und Abner antwortete: Wer
bist du, daß du so schreist zum König hin?
Und David sprach zu Abner: Bist du nicht ein Mann? Und wer
ist dir gleich in Israel? Warum hast du denn deinen Herrn, den
König, nicht bewacht? Denn es ist einer vom Volk
hineingekommen, deinen Herrn, den König, umzubringen.
Das war nicht recht, was du getan hast. So wahr der HERR
lebt: ihr seid Kinder des Todes, weil ihr euren Herrn, den
Gesalbten des HERRN, nicht bewacht habt! Nun sieh doch nach, wo
der Spieß des Königs ist und der Wasserkrug, der zu
seinen Häupten war.
Da erkannte Saul die Stimme Davids und sprach: Ist das
nicht deine Stimme, mein Sohn David? David sprach: Es ist meine
Stimme, mein Herr und König.
Und sprach weiter: Warum verfolgt denn mein Herr seinen
Knecht? Was hab ich getan? Und was ist Böses in meiner Hand?
So höre doch nun mein Herr, der König, die Worte
seines Knechts: Reizt dich der HERR gegen mich, so lasse man ihn
ein Speisopfer riechen; tun's aber Menschen, so seien sie
verflucht vor dem HERRN, weil sie mich heute verstoßen und
nicht an dem Erbteil des HERRN teilhaben lassen und sprechen: Geh
hin, diene andern Göttern!
So fließe nun mein Blut nicht auf die Erde fern vom
Angesicht des HERRN! Denn der König von Israel ist ja
ausgezogen, zu suchen einen einzelnen Floh, wie man ein Rebhuhn
jagt auf den Bergen.
Und Saul sprach: Ich habe gesündigt; komm wieder,
mein Sohn David, ich will dir hinfort nichts Böses mehr tun,
weil mein Leben heute in deinen Augen teuer gewesen ist. Siehe,
ich habe töricht und sehr unrecht getan.
David antwortete: Siehe, hier ist der Spieß des
Königs; es komme einer von den jungen Leuten herüber
und hole ihn.
Der HERR aber wird einem jeden seine Gerechtigkeit und
Treue vergelten. Denn der HERR hat dich heute in meine Hand
gegeben, ich aber wollte meine Hand nicht an den Gesalbten des
HERRN legen.
Und siehe, wie heute dein Leben in meinen Augen wert
geachtet gewesen ist, so werde mein Leben wert geachtet in den
Augen des HERRN, und er errette mich aus aller Not!
Saul sprach zu David: Gesegnet seist du, mein Sohn David;
du wirst's ausführen und vollenden. Und David zog seine
Straße; Saul aber kehrte zurück an seinen Ort.
David bei den Philistern
Kapitel 27
David aber dachte in seinem Herzen: Ich werde doch eines
Tages Saul in die Hände fallen; es gibt nichts Besseres für
mich, als daß ich entrinne ins Philisterland. Dann wird
Saul davon ablassen, mich fernerhin zu suchen im ganzen Gebiet
Israels, und ich werde seinen Händen entrinnen.
Und David machte sich auf und zog hin mit den sechshundert
Mann, die bei ihm waren, zu Achis, dem Sohn Maochs, dem König
von Gath.
Und David blieb bei Achis in Gath mit seinen Männern,
ein jeder mit seinem Hause; David auch mit seinen beiden Frauen,
Ahinoam, der Jesreeliterin, und Abigail, des Nabals Frau, der
Karmeliterin.
Und als Saul angesagt wurde, daß David nach Gath
geflohen sei, suchte er ihn nicht mehr.
Und David sprach zu Achis: Hab ich Gnade vor deinen
Augen gefunden, so mag man mir einen Wohnort geben in einer der
Städte auf dem Lande, daß ich darin wohne; warum soll
dein Knecht in der Königsstadt bei dir wohnen?
Da gab ihm Achis an diesem Tage Ziklag. Daher gehört
Ziklag den Königen von Juda bis auf diesen Tag.
Die Zeit aber, die David im Philisterlande wohnte, war ein
Jahr und vier Monate.
David zog hinauf mit seinen Männern und fiel
ins Land der Geschuriter und Girsiter und Amalekiter ein; denn
diese waren von alters her die Bewohner des Landes bis hin nach
Schur und Ägyptenland.
Und sooft David in das Land einfiel, ließ er weder
Mann noch Frau leben und nahm mit Schafe, Rinder, Esel, Kamele
und Kleider und kehrte wieder zurück. Kam er dann zu Achis
und Achis sprach: Wo seid ihr heute eingefallen?, so
sprach David: In das Südland Judas, oder: In das Südland
der Jerachmeeliter, oder: In das Südland der Keniter.
David aber ließ weder Mann noch Frau lebend nach
Gath kommen; denn er dachte: Sie könnten uns verraten. So
tat David, und das war seine Art, solange er im Philisterland
wohnte.
Und Achis glaubte David; denn er dachte: Er hat sich in
Verruf gebracht bei seinem Volk Israel; darum wird er für
immer mein Knecht sein.
Kapitel 28
Und es begab sich zu der Zeit, daß die
Philister ihr Heer sammelten, um in den Kampf zu ziehen gegen
Israel. Und Achis sprach zu David: Du sollst wissen, daß du
und deine Männer mit mir ausziehen sollen im Heer.
David sprach zu Achis: Wohlan, du sollst erfahren, was
dein Knecht tun wird. Achis sprach zu David: So will ich dich zu
meinem Leibwächter setzen für die ganze Zeit.
Saul bei der Totenbeschwörerin in Endor
Samuel aber war gestorben, und ganz Israel hatte ihm die
Totenklage gehalten und ihn begraben in seiner Stadt Rama. Und
Saul hatte die Geisterbeschwörer und Zeichendeuter aus dem
Lande vertrieben.
Als nun die Philister sich versammelten und
herankamen und sich lagerten bei Sunem, versammelte Saul auch
ganz Israel, und sie lagerten sich auf dem Gebirge Gilboa.
Als aber Saul das Heer der Philister sah, fürchtete
er sich, und sein Herz verzagte sehr.
Und er befragte den HERRN; aber der HERR antwortete ihm
nicht, weder durch Träume noch durch das Los «Licht»
noch durch Propheten.
Da sprach Saul zu seinen Getreuen: Sucht mir ein Weib, das
Tote beschwören kann, daß ich zu ihr gehe und sie
befrage. Seine Männer sprachen zu ihm: Siehe, in Endor ist
ein Weib, das kann Tote beschwören.
Und Saul machte sich unkenntlich und zog andere Kleider an
und ging hin und zwei Männer mit ihm, und sie kamen bei
Nacht zu dem Weibe. Und Saul sprach: Wahrsage mir, weil du
Geister beschwören kannst, und hole mir herauf, wen ich dir
nenne.
Das Weib sprach zu ihm: Siehe, du weißt doch selbst,
was Saul getan hat, wie er die Geisterbeschwörer und
Zeichendeuter ausgerottet hat im Lande; warum willst du mir denn
eine Falle stellen, daß ich getötet werde?
Saul aber schwor ihr bei dem HERRN und sprach: So wahr der
HERR lebt: es soll dich in dieser Sache keine Schuld treffen.
Da sprach das Weib: Wen soll ich dir denn heraufholen? Er
sprach: Hol mir Samuel herauf!
Als nun das Weib merkte, daß es um Samuel ging,
schrie sie laut und sprach zu Saul: Warum hast du mich betrogen?
Du bist Saul.
Und der König sprach zu ihr: Fürchte dich nicht!
Was siehst du? Das Weib sprach zu Saul: Ich sehe einen Geist
heraufsteigen aus der Erde.
Er sprach: Wie ist er gestaltet? Sie sprach: Es kommt ein
alter Mann herauf und ist bekleidet mit einem Priesterrock. Da
erkannte Saul, daß es Samuel war, und neigte sich mit
seinem Antlitz zur Erde und fiel nieder.
Samuel aber sprach zu Saul: Warum hast du meine Ruhe
gestört, daß du mich heraufsteigen lässest? Saul
sprach: Ich bin in großer Bedrängnis, die Philister
kämpfen gegen mich, und Gott ist von mir gewichen und
antwortet mir nicht, weder durch Propheten noch durch Träume;
darum hab ich dich rufen lassen, daß du mir kundtust, was
ich tun soll.
Samuel sprach: Warum willst du mich befragen, da doch der
HERR von dir gewichen und dein Feind geworden ist?
Der HERR hat dir getan, wie er durch mich geredet hat, und
hat das Königtum aus deiner Hand gerissen und David, deinem
Nächsten, gegeben.
Weil du der Stimme des HERRN nicht gehorcht und seinen
grimmigen Zorn nicht an Amalek vollstreckt hast, darum hat der
HERR dir das jetzt getan.
Dazu wird der HERR mit dir auch Israel in die Hände
der Philister geben. Morgen wirst du mit deinen Söhnen bei
mir sein. Auch wird der HERR das Heer Israels in die Hände
der Philister geben.
Da stürzte Saul zur Erde, so lang er war, und geriet
in große Furcht über die Worte Samuels. Auch war keine
Kraft mehr in ihm; denn er hatte nichts gegessen den ganzen Tag
und die ganze Nacht.
Und das Weib trat zu Saul und sah, daß er sehr
erschrocken war, und sprach zu ihm: Siehe, deine Magd hat deiner
Stimme gehorcht, und ich habe mein Leben aufs Spiel gesetzt, als
ich die Worte hörte, die du zu mir gesagt hast.
So gehorche du nun auch der Stimme deiner Magd! Ich will
dir einen Bissen Brot vorsetzen, daß du issest und zu
Kräften kommst und deine Straße gehen kannst.
Er aber weigerte sich und sprach: Ich will nicht essen. Da
nötigten ihn seine Männer und das Weib, bis er auf sie
hörte. Und er stand auf von der Erde und setzte sich aufs
Bett.
Das Weib aber hatte im Haus ein gemästetes Kalb; das
schlachtete sie eilends und nahm Mehl und knetete es und backte
ungesäuertes Brot
und setzte es Saul und seinen Männern vor. Und als
sie gegessen hatten, standen sie auf und gingen fort noch in der
Nacht.
David wird von den Philistern zurückgeschickt
Kapitel 29
Die Philister aber versammelten ihr ganzes Heer bei Aphek,
und Israel lagerte sich an der Quelle bei Jesreel.
Und die Fürsten der Philister zogen daher mit ihren
Hundertschaften und Tausendschaften, David aber und seine Männer
zogen hinterher mit Achis.
Da sprachen die Obersten der Philister: Was sollen diese
Hebräer? Achis sprach zu ihnen: Das ist David, der Knecht
Sauls, des Königs von Israel, der nun bei mir gewesen ist
Jahr und Tag; ich habe nichts an ihm gefunden seit der Zeit, da
er abgefallen ist, bis heute.
Aber die Obersten der Philister wurden zornig auf ihn und
sprachen zu ihm: Schick den Mann zurück! Er soll an den Ort
zurückkehren, den du ihm angewiesen hast, damit er nicht mit
uns hinziehe zum Kampf und unser Widersacher werde im Kampf. Denn
womit könnte er seinem Herrn einen größeren
Gefallen tun als mit den Köpfen unserer Männer?
Ist das denn nicht derselbe David, von dem sie sangen im
Reigen: Saul hat tausend geschlagen, David aber zehntausend?
Da rief Achis David und sprach zu ihm: So wahr der HERR
lebt: ich halte dich für redlich, und daß du mit mir
aus- und einzögest im Heer, gefiele mir gut, denn ich habe
nichts Arges an dir gespürt seit der Zeit, da du zu mir
gekommen bist, bis heute; aber du gefällst den Fürsten
nicht.
So kehre nun um und zieh hin mit Frieden, damit du nicht
tust, was den Fürsten der Philister nicht gefällt.
David aber sprach zu Achis: Was hab ich getan, und was
hast du gespürt an deinem Knecht seit der Zeit, da ich dir
gedient habe, bis heute, daß ich nicht mitziehen darf und
kämpfen gegen die Feinde meines Herrn, des Königs?
Achis antwortete David: Ich weiß es wohl; denn du
bist mir lieb wie ein Engel Gottes. Aber die Obersten der
Philister haben gesagt: Laß ihn nicht mit uns hinaufziehen
in den Kampf!
So mach dich nun früh am Morgen auf mit den Knechten
deines Herrn, die mit dir gekommen sind; macht euch früh am
Morgen auf und zieht weg, sobald es Tag ist.
Da machten sich David und seine Männer früh am
Morgen auf, um wegzuziehen und ins Philisterland zurückzukehren.
Die Philister aber zogen hinauf nach Jesreel.
Davids Sieg über die Amalekiter
Kapitel 30
Als nun David mit seinen Männern am dritten Tage nach
Ziklag kam, waren die Amalekiter eingefallen ins Südland und
in Ziklag und hatten Ziklag eingenommen und mit Feuer verbrannt
und hatten die Frauen und alles, was in der Stadt war,
klein und groß, gefangengenommen. Sie hatten aber niemand
getötet, sondern sie weggeführt und waren abgezogen.
Als nun David mit seinen Männern zur Stadt kam und
sah, daß sie mit Feuer verbrannt war, und ihre Frauen,
Söhne und Töchter gefangen waren,
erhoben David und die Leute, die bei ihm waren, ihre
Stimme und weinten, bis sie nicht mehr weinen konnten.
Auch die beiden Frauen Davids waren gefangengenommen
worden: Ahinoam, die Jesreeliterin, und Abigail, Nabals, des
Karmeliters, Frau.
Und David geriet in große Bedrängnis, weil die
Leute ihn steinigen wollten; denn die Seele des ganzen Volks war
erbittert, ein jeder wegen seiner Söhne und Töchter.
David aber stärkte sich in dem HERRN, seinem Gott,
und sprach zu dem Priester Abjathar, dem Sohn Ahimelechs:
Bringe mir den Ephod her! Und als Abjathar den Ephod zu David
gebracht hatte,
befragte David den HERRN und sprach: Soll ich dieser Schar
nachjagen, und werde ich sie einholen? Er sprach: Jage ihr nach!
Du wirst sie einholen und die Gefangenen befreien.
Da zog David hin mit den sechshundert Mann, die bei ihm
waren. Und als sie an den Bach Besor kamen, blieben etliche
zurück.
David aber und vierhundert Mann jagten der Schar nach; die
zweihundert Mann aber, die zurückblieben, waren zu müde,
um über den Bach Besor zu gehen.
Und sie fanden einen Ägypter auf dem Felde;
den führten sie zu David und gaben ihm Brot zu essen und
Wasser zu trinken
und gaben ihm ein Stück Feigenkuchen und zwei
Rosinenkuchen. Und als er gegessen hatte, kam er wieder zu sich;
denn er hatte in drei Tagen und drei Nächten nichts gegessen
und kein Wasser getrunken.
David sprach zu ihm: Zu wem gehörst du? Und woher
bist du? Er sprach: Ich bin ein junger Ägypter, eines
Amalekiters Knecht, und mein Herr hat mich zurückgelassen;
denn ich wurde vor drei Tagen krank.
Wir sind eingefallen in das Südland der Krether und
in Juda und in das Südland Kalebs und haben Ziklag mit Feuer
verbrannt.
David sprach zu ihm: Willst du mich hinführen zu
dieser Schar? Er sprach: Schwöre mir bei Gott, daß du
mich nicht töten noch in meines Herrn Hand übergeben
wirst, so will ich dich hinführen zu dieser Schar.
Und er führte ihn hin. Und siehe, sie hatten sich
ausgebreitet über das ganze Land, aßen und tranken und
feierten ein Fest wegen all der großen Beute, die sie
mitgenommen hatten aus dem Philisterland und aus Juda.
Und David schlug sie vom Morgen bis zum Abend des nächsten
Tages, so daß keiner von ihnen entrann außer
vierhundert jungen Männern; die stiegen auf die Kamele und
flohen.
So gewann David alles zurück, was die Amalekiter
genommen hatten, auch seine beiden Frauen,
und es fehlte nichts, weder klein noch groß, weder
Söhne noch Töchter noch Beute noch alles, was sie sich
genommen hatten; David brachte es alles zurück
und nahm die Schafe und Rinder, und sie trieben das Vieh
vor David her und sprachen: Das ist Davids Beute.
Und als David zu den zweihundert Männern kam,
die zu müde gewesen waren, um David zu folgen, und am Bach
Besor geblieben waren, gingen sie David entgegen und den Leuten,
die mit ihm waren. Und David trat zu ihnen und grüßte
sie freundlich.
Da sprachen böse und heillose Leute unter den
Männern, die mit David gezogen waren: Weil sie nicht mit uns
gezogen sind, soll man ihnen nichts geben von der Beute, die wir
zurückgewonnen haben; sondern jeder nehme nur seine Frau und
seine Kinder mit sich und gehe seines Weges.
Da sprach David: Ihr sollt nicht so tun, meine Brüder,
mit dem, was uns der HERR gegeben hat; er hat uns behütet
und diese Schar, die über uns gekommen war, in unsere Hände
gegeben.
Wer sollte in dieser Sache auf euch hören? Wie der
Anteil derjenigen, die in den Kampf gezogen sind, so soll auch
der Anteil derjenigen sein, die beim Troß geblieben sind;
jeder soll den gleichen Anteil haben.
Und so blieb es weiterhin von diesem Tag an; und er machte
es zu Satzung und Recht für Israel bis auf diesen Tag.
Und als David nach Ziklag kam, sandte er von der
Beute den Ältesten in Juda, seinen Freunden, und ließ
sagen: Da habt ihr ein Segensgeschenk aus der Beute der Feinde
des HERRN, -
nämlich denen zu Bethul, denen zu Ramoth im Südland,
denen zu Jattir,
denen zu Arara, denen zu Siphamoth, denen zu Eschtemoa,
denen zu Karmel, denen in den Städten der
Jerachmeeliter, denen in den Städten der Keniter,
denen zu Horma, denen zu Bor-Aschan, denen zu Athach,
denen zu Hebron und allen Orten, wo David mit seinen
Männern aus- und eingegangen war.
Das Ende Sauls und seiner Söhne
Kapitel 31
Die Philister aber kämpften gegen Israel, und die
Männer Israels flohen vor den Philistern und blieben
erschlagen liegen auf dem Gebirge Gilboa.
Und die Philister waren hinter Saul und seinen Söhnen
her und erschlugen Jonathan und Abinadab und Malkischua, die
Söhne Sauls.
Und der Kampf tobte heftig um Saul, und die Bogenschützen
fanden ihn, und er wurde schwer verwundet von den Schützen.
Da sprach Saul zu seinem Waffenträger: Zieh dein
Schwert und erstich mich damit, daß nicht diese
Unbeschnittenen kommen und mich erstechen und treiben ihren Spott
mit mir. Aber sein Waffenträger wollte nicht, denn er
fürchtete sich sehr. Da nahm Saul das Schwert und stürzte
sich hinein.
Als nun sein Waffenträger sah, daß Saul tot
war, stürzte auch er sich in sein Schwert und starb mit ihm.
So starben Saul und seine drei Söhne und sein
Waffenträger und alle seine Männer miteinander an
diesem Tage
Als aber die Männer Israels, die jenseits der Ebene
und gegen den Jordan hin wohnten, sahen, daß die Männer
Israels geflohen und Saul und seine Söhne tot waren,
verließen sie die Städte und flohen auch. Da kamen die
Philister und wohnten darin.
Am andern Tage kamen die Philister, um die
Erschlagenen auszuplündern, und fanden Saul und seine drei
Söhne, wie sie gefallen auf dem Gebirge Gilboa lagen.
Da hieben sie ihm sein Haupt ab und nahmen ihm seine
Rüstung ab und sandten sie im Philisterland umher, um es zu
verkünden im Hause ihrer Götzen und unter dem Volk.
Und sie legten seine Rüstung in das Haus der Astarte,
aber seinen Leichnam hängten sie auf an der Mauer von
Beth-Schean.
Als die Leute von Jabesch in Gilead hörten, was die
Philister Saul angetan hatten,
machten sich alle streitbaren Männer auf und gingen
die ganze Nacht hindurch und nahmen die Leichname Sauls und
seiner Söhne von der Mauer zu Beth-Schean und brachten sie
nach Jabesch und salbten sie dort.
Und sie nahmen ihre Gebeine und begruben sie unter dem
Tamariskenbaum bei Jabesch und fasteten sieben Tage.
2.
Samuel 1-12
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