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DIE BIBEL
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Schrift
DAS ERSTE
BUCH SAMUEL
Kapitel 1 -
14
Hannas Gebet und Samuels Geburt
Kapitel 1
Es war ein Mann von
Ramathajim-Zophim, vom Gebirge Ephraim, der hieß Elkana,
ein Sohn Jerohams, des Sohnes Elihus, des Sohnes Tohus, des
Sohnes Zuphs, ein Ephraimiter.
Und er hatte zwei Frauen; die
eine hieß Hanna, die andere Peninna. Peninna aber hatte
Kinder, und Hanna hatte keine Kinder.
Dieser Mann ging jährlich
hinauf von seiner Stadt, um anzubeten und dem HERRN Zebaoth zu
opfern in Silo. Dort aber waren Hophni und Pinhas, die beiden
Söhne Elis, Priester des HERRN.
Wenn nun der Tag kam, daß
Elkana opferte, gab er seiner Frau Peninna und allen ihren Söhnen
und Töchtern Stücke vom Opferfleisch.
Aber Hanna gab er ein
Stück traurig; denn er hatte Hanna lieb, obgleich der HERR
ihren Leib verschlossen hatte.
Und ihre Widersacherin kränkte
und reizte sie sehr, weil der HERR ihren Leib verschlossen hatte.
So ging es alle Jahre; wenn
sie hinaufzog zum Haus des HERRN, kränkte jene sie. Dann
weinte Hanna und aß nichts.
Elkana aber, ihr Mann, sprach
zu ihr: Hanna, warum weinst du, und warum issest du nichts? Und
Warum ist dein Herz so traurig? Bin ich dir nicht mehr wert als
zehn Söhne?
Da stand Hanna auf,
nachdem sie in Silo gegessen und getrunken hatte. Eli aber, der
Priester, saß auf einem Stuhl am Türpfosten des
Tempels des HERRN.
Und sie war von Herzen betrübt
und betete zum HERRN und weinte sehr
und gelobte ein Gelübde
und sprach: HERR Zebaoth, wirst du das Elend deiner Magd ansehen
und an mich gedenken und deiner Magd nicht vergessen und wirst du
deiner Magd einen Sohn geben, so will ich ihn dem HERRN geben
sein Leben lang, und es soll kein Schermesser auf sein Haupt
kommen.
Und als sie lange betete vor
dem HERRN, achtete Eli auf ihren Mund;
denn Hanna redete in ihrem
Herzen, nur ihre Lippen bewegten sich, ihre Stimme aber hörte
man nicht. Da meinte Eli, sie wäre betrunken,
und sprach zu ihr: Wie lange
willst du betrunken sein? Gib den Wein von dir, den du getrunken
hast!
Hanna aber antwortete und
sprach: Nein, mein Herr! Ich bin ein betrübtes Weib; Wein
und starkes Getränk hab ich nicht getrunken, sondern mein
Herz vor dem HERRN ausgeschüttet.
Du wollest deine Magd nicht
für ein zuchtloses Weib halten, denn ich hab aus meinem
großen Kummer und Herzeleid so lange geredet.
Eli antwortete und sprach: Geh
hin mit Frieden; der Gott Israels wird dir die Bitte erfüllen,
die du an ihn gerichtet hast.
Sie sprach: Laß deine
Magd Gnade finden vor deinen Augen. Da ging die Frau ihres Weges
und aß und sah nicht mehr so traurig drein.
Und am andern Morgen
machten sie sich früh auf. Und als sie angebetet hatten vor
dem HERRN, kehrten sie wieder um und kamen heim nach Rama. Und
Elkana erkannte Hanna, seine Frau, und der HERR gedachte an sie.
Und Hanna ward schwanger; und
als die Tage um waren, gebar sie einen Sohn und nannte ihn
Samuel; denn, so sprach sie, ich hab ihn von dem HERRN erbeten.
Und als der Mann Elkana
hinaufzog mit seinem ganzen Hause, um das jährliche Opfer
dem HERRN zu opfern und sein Gelübde zu erfüllen,
zog Hanna nicht mit hinauf,
sondern sprach zu ihrem Mann: Wenn der Knabe entwöhnt ist,
will ich ihn bringen, daß er vor dem HERRN erscheine und
dort für immer bleibe.
Ihr Mann Elkana sprach zu ihr:
So tu, wie dir's gefällt! Bleib, bis du ihn entwöhnt
hast; der HERR aber bestätige, was er geredet hat. So blieb
die Frau und stillte ihren Sohn, bis sie ihn entwöhnt hatte.
Nachdem sie ihn entwöhnt
hatte, nahm sie ihn mit sich hinauf nach Silo, dazu einen
dreijährigen Stier, einen Scheffel Mehl und einen Krug Wein
und brachte ihn in das Haus des HERRN. Der Knabe war aber noch
jung.
Und sie schlachteten den Stier
und brachten den Knaben zu Eli.
Und sie sprach: Ach, mein
Herr, so wahr du lebst, mein Herr: ich bin die Frau, die hier bei
dir stand, um zum HERRN zu beten.
Um diesen Knaben bat ich. Nun
hat der HERR mir die Bitte erfüllt, die ich an ihn gerichtet
hatte.
Darum gebe ich ihn dem HERRN
wieder sein Leben lang, weil er vom HERRN erbeten ist. Und sie
beteten dort den HERRN an.
Lobgesang der Hanna
Kapitel 2
Und Hanna betete und sprach:
Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, mein Haupt ist erhöht
in dem HERRN. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine
Feinde, denn ich freue mich deines Heils.
Es ist niemand heilig
wie der HERR, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie
unser Gott ist.
Laßt euer großes
Rühmen und Trotzen, freches Reden gehe nicht aus eurem
Munde; denn der HERR ist ein Gott, der es merkt, und von ihm
werden Taten gewogen.
Der Bogen der Starken ist
zerbrochen, und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke.
Die da satt waren, müssen
um Brot dienen, und die Hunger litten, hungert nicht mehr. Die
Unfruchtbare hat sieben geboren, und die viele Kinder hatte,
welkt dahin.
Der HERR tötet und macht
lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf.
Der HERR macht arm und macht
reich; er erniedrigt und erhöht.
Er hebt auf den Dürftigen
aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, daß
er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben
lasse.
Denn der Welt Grundfesten
sind des HERRN, und er hat die Erde darauf gesetzt.
Er wird behüten die Füße
seiner Heiligen, aber die Gottlosen sollen zunichte werden in
Finsternis; denn viel Macht hilft doch niemand.
Die mit dem HERRN hadern,
sollen zugrunde gehen. Der Höchste im Himmel wird sie
zerschmettern, der HERR wird richten der Welt Enden. Er wird
Macht geben seinem Könige und erhöhen das Haupt seines
Gesalbten.
Und Elkana ging heim
nach Rama in sein Haus; der Knabe aber war des HERRN Diener vor
dem Priester Eli.
Die Bosheit der Söhne Elis
Aber die Söhne Elis waren
ruchlose Männer; die fragten nichts nach dem HERRN
noch danach, was dem Priester
zustände vom Volk. Wenn jemand ein Opfer bringen wollte, so
kam des Priesters Diener, wenn das Fleisch kochte, und hatte eine
Gabel mit drei Zacken in seiner Hand
und stieß in den Tiegel
oder Kessel oder Pfanne oder Topf, und was er mit der Gabel
hervorzog, das nahm der Priester für sich. So taten sie
allen in Israel, die dorthin kamen nach Silo.
Desgleichen, ehe sie das Fett
in Rauch aufgehen ließen, kam des Priesters Diener und
sprach zu dem, der das Opfer brachte: Gib mir Fleisch für
den Priester zum Braten, denn er will nicht gekochtes Fleisch von
dir nehmen, sondern rohes.
Wenn dann jemand zu ihm sagte:
Laß erst das Fett in Rauch aufgehen und nimm dann, was dein
Herz begehrt, so sprach er zu ihm: Du sollst mir's jetzt geben;
wenn nicht, so nehme ich's mit Gewalt.
So war die Sünde der
Männer sehr groß vor dem HERRN; denn sie verachteten
das Opfer des HERRN.
Samuel aber war ein
Diener vor dem HERRN, und der Knabe war umgürtet mit einem
leinenen Priesterschurz.
Dazu machte ihm seine Mutter
ein kleines Oberkleid und brachte es ihm Jahr für Jahr, wenn
sie mit ihrem Mann hinaufging, um das jährliche Opfer
darzubringen.
Und Eli segnete Elkana und
seine Frau und sprach: Der HERR gebe dir Kinder von dieser Frau
anstelle des Erbetenen, den sie vom HERRN erbeten hat. Und sie
gingen zurück an ihren Ort.
Und der HERR suchte Hanna
heim, daß sie schwanger ward, und sie gebar noch drei Söhne
und zwei Töchter. Aber der Knabe Samuel wuchs auf bei dem
HERRN.
Eli aber war sehr alt
geworden. Wenn er nun alles erfuhr, was seine Söhne ganz
Israel antaten und daß sie bei den Frauen schliefen, die
vor der Tür der Stiftshütte dienten,
sprach er zu ihnen: Warum tut
ihr solche bösen Dinge, von denen ich höre im ganzen
Volk?
Nicht doch, meine Söhne!
Das ist kein gutes Gerücht, von dem ich reden höre in
des HERRN Volk.
Wenn jemand gegen einen
Menschen sündigt, so kann es Gott entscheiden. Wenn aber
jemand gegen den HERRN sündigt, wer soll es dann für
ihn entscheiden? Aber sie gehorchten der Stimme ihres Vaters
nicht; denn der HERR war willens, sie zu töten.
Aber der Knabe Samuel nahm
immer mehr zu an Alter und Gunst bei dem HERRN und bei den
Menschen.
Ankündigung des Gerichts über das Haus Elis
Es kam aber ein Mann Gottes zu
Eli und sprach zu ihm: So spricht der HERR: Ich habe mich
offenbart dem Hause deines Vaters, als die Kinder Israel noch in
Ägypten dem Hause des Pharao gehörten,
und hab's mir erwählt aus
allen Stämmen Israels zum Priestertum, um auf meinem Altar
zu opfern und Räucherwerk zu verbrennen und den
Priesterschurz vor mir zu tragen, und ich habe dem Hause deines
Vaters alle Feueropfer Israels gegeben.
Warum tretet ihr denn mit
Füßen meine Schlachtopfer und Speisopfer, die ich für
meine Wohnung geboten habe? Und du ehrst deine Söhne mehr
als mich, daß ihr euch mästet von dem Besten aller
Opfer meines Volkes Israel.
Darum spricht der HERR, der
Gott Israels: Ich hatte gesagt, dein Haus und deines Vaters Haus
sollten immerdar vor mir einhergehen. Aber nun spricht der HERR:
Das sei ferne von mir! Sondern wer mich ehrt, den will ich
auch ehren; wer aber mich verachtet, der soll wieder verachtet
werden.
Siehe, es wird die Zeit
kommen, daß ich deinen Arm und den Arm des Hauses deines
Vaters abhauen will, daß es keinen Alten geben wird in
deinem Hause
und daß du deinen
Widersacher im Heiligtum sehen wirst bei allem Guten, daß
Israel geschehen wird, und es wird niemand alt werden in deines
Vaters Hause immerdar.
Doch nicht einen jeden will
ich dir von meinem Altar ausrotten, daß nicht deine Augen
verschmachten und deine Seele sich gräme. Aber der größte
Teil deines Hauses soll sterben, wenn sie Männer geworden
sind.
Und das soll dir ein Zeichen
sein, das über deine beiden Söhne, Hophni und Pinhas,
kommen wird: an einem Tag werden sie beide sterben.
Ich aber will mir einen treuen
Priester erwecken, der wird tun, wie es meinem Herzen und meiner
Seele gefällt. Dem will ich ein beständiges Haus bauen,
daß er vor meinem Gesalbten immerdar einhergehe.
Und wer übrig ist von
deinem Hause, der wird kommen und vor jenem niederfallen um ein
Silberstück oder eine Scheibe Brot und wird sagen: Laß
mich doch Anteil haben am Priesteramt, daß ich einen Bissen
Brot zu essen habe.
Samuels Berufung
Kapitel 3
Und zu der Zeit, als der Knabe
Samuel dem HERRN diente unter Eli, war des HERRN Wort selten, und
es gab kaum noch Offenbarung.
Und es begab sich zur selben
Zeit, daß Eli lag an seinem Ort, und seine Augen hatten
angefangen, schwach zu werden, so daß er nicht mehr sehen
konnte.
Die Lampe Gottes war noch
nicht verloschen. Und Samuel hatte sich gelegt im Heiligtum des
HERRN, wo die Lade Gottes war.
Und der HERR rief Samuel. Er
aber antwortete: Siehe, hier bin ich!
und lief zu Eli und sprach:
Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich
habe nicht gerufen; geh wieder hin und lege dich schlafen. Und er
ging hin und legte sich schlafen.
Der HERR rief abermals:
Samuel! Und Samuel stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe,
hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe
nicht gerufen, mein Sohn; geh wieder hin und lege dich schlafen.
Aber Samuel hatte den HERRN
noch nicht erkannt, und des HERRN Wort war ihm noch nicht
offenbart.
Und der HERR rief Samuel
wieder, zum drittenmal. Und er stand auf und ging zu Eli und
sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Da merkte Eli,
daß der HERR den Knaben rief,
und sprach zu ihm: Geh wieder
hin und lege dich schlafen; und wenn du gerufen wirst, so sprich:
Rede, HERR, denn dein Knecht hört. Samuel ging hin und legte
sich an seinen Ort.
Da kam der HERR und
trat herzu und rief wie vorher: Samuel, Samuel! Und Samuel
sprach: Rede, denn dein Knecht hört.
Und der HERR sprach zu Samuel:
Siehe, ich werde etwas tun in Israel, wovon jedem, der es hören
wird, beide Ohren gellen werden.
An dem Tage will ich über
Eli kommen lassen, was ich gegen sein Haus geredet habe; ich will
es anfangen und vollenden.
Denn ich hab's ihm angesagt,
daß ich sein Haus für immer richten will um der Schuld
willen, daß er wußte, wie sich seine Söhne
schändlich verhielten, und ihnen nicht gewehrt hat.
Darum habe ich dem Hause Eli
geschworen, daß die Schuld des Hauses Eli nicht gesühnt
werden solle, weder mit Schlachtopfern noch mit Speisopfern
immerdar.
Und Samuel lag bis an
den Morgen und tat dann die Türen auf am Hause des HERRN.
Samuel aber fürchtete sich, Eli anzusagen, was ihm offenbart
worden war.
Da rief ihn Eli und sprach:
Samuel, mein Sohn! Er antwortete: Siehe, hier bin ich!
Er sprach: Was war das für ein Wort, das er dir
gesagt hat? Verschweige mir nichts. Gott tue dir dies und das,
wenn du mir etwas verschweigst von all den Worten, die er dir
gesagt hat.
Da sagte ihm Samuel alles und verschwieg ihm nichts. Er
aber sprach: Es ist der HERR; er tue, was ihm wohlgefällt.
Samuel aber wuchs heran, und der HERR war mit ihm
und ließ keines von allen seinen Worten zur Erde fallen.
Und ganz Israel von Dan bis Beerseba erkannte, daß
Samuel damit betraut war, Prophet des HERRN zu sein.
Und der HERR erschien weiter zu Silo, denn der HERR
offenbarte sich Samuel zu Silo durch sein Wort. ° Und Samuels
Wort erging an ganz Israel.
Die Bundeslade wird Israel genommen
Kapitel 4
Und es begab sich zu der Zeit, daß die Philister
sich sammelten zum Kampf gegen Israel. Israel aber zog aus, den
Philistern entgegen, in den Kampf und lagerte sich bei Eben-Ezer.
Die Philister aber hatten sich gelagert bei Aphek
und stellten sich Israel gegenüber auf. Und der Kampf
breitete sich aus, und Israel wurde von den Philistern
geschlagen. Sie erschlugen in der Feldschlacht etwa viertausend
Mann.
Und als das Volk ins Lager kam, sprachen die Ältesten
Israels: Warum hat uns der HERR heute vor den Philistern
geschlagen? Laßt uns die Lade des Bundes des HERRN zu uns
holen von Silo und laßt sie mit uns ziehen, damit er uns
errette aus der Hand unserer Feinde.
Da sandte das Volk nach Silo und ließ von dort holen
die Lade des Bundes des HERRN Zebaoth, der über den Cherubim
thront. Es waren aber die beiden Söhne Elis bei der Lade des
Bundes Gottes, Hophni und Pinhas.
Und als die Lade des Bundes des HERRN in das Lager kam,
jauchzte ganz Israel mit gewaltigem Jauchzen, so daß die
Erde erdröhnte.
Als aber die Philister das Jauchzen hörten, sprachen
sie: Was ist das für ein gewaltiges Jauchzen im Lager der
Hebräer? Und als sie erfuhren, daß die Lade des HERRN
ins Lager gekommen sei,
fürchteten sie sich und sprachen: Gott ist ins Lager
gekommen, und riefen: Wehe uns, denn solches ist bisher noch
nicht geschehen!
Wehe uns! Wer will uns erretten aus der Hand dieser
mächtigen Götter? Das sind die Götter, die Ägypten
schlugen mit allerlei Plage in der Wüste.
So seid nun stark und seid Männer, ihr Philister,
damit ihr nicht dienen müßt den Hebräern, wie sie
euch gedient haben! Seid Männer und kämpft!
Da zogen die Philister in den Kampf, und Israel wurde
geschlagen, und ein jeder floh in sein Zelt. Und die Niederlage
war sehr groß, und es fielen aus Israel dreißigtausend
Mann Fußvolk.
Und die Lade Gottes wurde weggenommen, und die beiden
Söhne Elis, Hophni und Pinhas, kamen um.
Elis Tod
Da lief einer von Benjamin aus
dem Heerlager und kam am selben Tage nach Silo und hatte seine
Kleider zerrissen und Erde auf sein Haupt gestreut.
Und siehe, als er hinkam, saß
Eli auf seinem Stuhl und gab acht nach der Straße hin; denn
sein Herz bangte um die Lade Gottes. Und als der Mann in die
Stadt kam, tat er's kund, und die ganze Stadt schrie auf.
Und als Eli das laute Schreien
hörte, fragte er: Was ist das für ein großer
Lärm? Da kam der Mann eilends und sagte es Eli.
Eli aber war achtundneunzig
Jahre alt, und seine Augen waren so schwach, daß er nicht
mehr sehen konnte.
Der Mann aber sprach zu Eli:
Ich komme vom Heerlager und bin heute aus der Schlacht geflohen.
Er aber sprach: Wie ist's gegangen, mein Sohn?
Da antwortete der Bote: Israel ist geflohen vor den
Philistern, und das Volk ist hart geschlagen, und deine beiden
Söhne, Hophni und Pinhas, sind tot; und die Lade Gottes ist
weggenommen.
Als er aber von der Lade Gottes sprach, fiel Eli rücklings
vom Stuhl an der Tür und brach seinen Hals und starb, denn
er war alt und ein schwerer Mann. Er richtete aber Israel vierzig
Jahre.
Seine Schwiegertochter
aber, des Pinhas Frau, war schwanger und sollte bald gebären.
Als sie davon hörte, daß die Lade Gottes weggenommen
und ihr Schwiegervater und ihr Mann tot waren, kauerte sie sich
nieder und gebar; denn ihre Wehen überfielen sie.
Und als sie im Sterben lag,
sprachen die Frauen, die um sie standen: Fürchte dich nicht,
du hast einen Sohn geboren! Aber sie antwortete nicht und nahm's
auch nicht mehr zu Herzen.
Und sie nannte den Knaben
Ikabod, das ist «Die
Herrlichkeit ist hinweg aus Israel!» - weil die Lade Gottes
weggenommen war, und wegen ihres Schwiegervaters und ihres
Mannes.
Darum sprach sie: Die
Herrlichkeit ist hinweg aus Israel; denn die Lade Gottes ist
weggenommen.
Die Bundeslade bei den Philistern
Kapitel 5
Die Philister aber hatten die Lade Gottes weggenommen und
brachten sie von Eben-Ezer
nach Asdod.
Dann nahmen sie die Lade
Gottes und brachten sie in das Haus Dagons und stellten sie neben
Dagon.
Und als die Leute von Asdod am
andern Morgen sich früh aufmachten und in das Haus Dagons
kamen, sahen sie Dagon auf seinem Antlitz liegen auf der Erde vor
der Lade des HERRN. Und sie nahmen Dagon und stellten ihn wieder
an seinen Ort.
Aber als sie am andern Morgen
sich wieder früh aufmachten, fanden sie Dagon abermals auf
seinem Antlitz auf der Erde vor der Lade des HERRN liegen, aber
sein Haupt und seine beiden Hände abgeschlagen auf der
Schwelle, so daß der Rumpf allein dalag.
Darum treten die Priester
Dagons und alle, die in Dagons Haus gehen, nicht auf die Schwelle
Dagons in Asdod bis auf diesen Tag.
Aber die Hand des HERRN
lag schwer auf den Leuten von Asdod, und er brachte Verderben
über sie und schlug sie mit bösen Beulen, Asdod und
sein Gebiet.
Als aber die Leute von Asdod
sahen, daß es so zuging, sprachen sie: Laßt die Lade
des Gottes Israels nicht bei uns bleiben; denn seine Hand liegt
zu hart auf uns und unserm Gott Dagon.
Und sie sandten hin und
versammelten alle Fürsten der Philister zu sich und
sprachen: Was sollen wir mit der Lade des Gottes Israels machen?
Da antworteten sie: Laßt die Lade des Gottes Israels nach
Gath tragen. Und sie trugen die Lade des Gottes Israels dorthin.
Als sie aber die Lade dahin
getragen hatten, entstand in der Stadt ein sehr großer
Schrecken durch die Hand des HERRN; denn er schlug die Leute in
der Stadt, klein und groß, so daß an ihnen Beulen
ausbrachen.
Da sandten sie die Lade Gottes
nach Ekron. Als aber die Lade Gottes nach Ekron kam, schrien die
Leute von Ekron: Sie haben die Lade des Gottes Israels
hergetragen zu mir, damit sie mich töte und mein Volk!
Da sandten sie hin und
versammelten alle Fürsten der Philister und sprachen: Sendet
die Lade des Gottes Israels zurück an ihren Ort, damit sie
mich und mein Volk nicht töte. Denn es kam ein tödlicher
Schrecken über die ganze Stadt; die Hand Gottes lag schwer
auf ihr.
Und die Leute, die nicht
starben, wurden geschlagen mit Beulen, und das Geschrei der Stadt
stieg auf gen Himmel.
Die Bundeslade kommt zurück
Kapitel 6
So war die Lade des HERRN
sieben Monate im Lande der Philister.
Und die Philister beriefen
ihre Priester und Wahrsager und sprachen: Was sollen wir mit der
Lade des HERRN machen? Laßt uns wissen, wie wir sie an
ihren Ort senden sollen!
Sie sprachen: Wollt ihr die
Lade des Gottes Israels zurücksenden, so sendet sie nicht
ohne eine Gabe, sondern gebt ihm eine Sühnegabe; so werdet
ihr gesund werden, und es wird euch kundwerden, warum seine Hand
nicht von euch abläßt.
Sie aber sprachen: Was ist die
Sühnegabe, die wir ihm geben sollen? Sie antworteten: Fünf
goldene Beulen und fünf goldene Mäuse nach der Zahl der
fünf Fürsten der Philister, denn es ist ein und
dieselbe Plage gewesen über euch alle und über eure
Fürsten.
So macht nun Abbilder eurer
Beulen und eurer Mäuse, die euer Land zugrunde gerichtet
haben, daß ihr dem Gott Israels die Ehre gebt. Vielleicht
wird seine Hand leichter werden über euch und über
euren Gott und über euer Land.
Warum verstockt ihr euer Herz,
wie die Ägypter und der Pharao ihr Herz verstockten? Ist's
nicht so: als der HERR seine Macht an ihnen bewies, ließen
sie sie ziehen, so daß sie gehen konnten?
So laßt nun einen neuen
Wagen machen und nehmt zwei säugende Kühe, auf die noch
kein Joch gekommen ist; spannt sie an den Wagen und laßt
ihre Kälber daheimbleiben.
Aber die Lade des HERRN nehmt
und stellt sie auf den Wagen, und die Dinge aus Gold, die ihr ihm
zur Sühnegabe gebt, tut in ein Kästlein daneben. So
sendet sie hin und laßt sie gehen.
Und seht zu: Geht sie den Weg
hinauf in ihr Land auf Beth-Schemesch zu, so hat Er uns dies
große Übel angetan; wenn nicht, so wissen wir, daß
nicht seine Hand uns getroffen hat, sondern es uns zufällig
widerfahren ist.
So taten die Leute und
nahmen zwei säugende Kühe und spannten sie an einen
Wagen und behielten ihre Kälber daheim
und stellten die Lade des
HERRN auf den Wagen, dazu das Kästlein mit den goldenen
Mäusen und mit den Abbildern ihrer Beulen.
Und die Kühe gingen
geradeswegs auf Beth-Schemesch zu, immer auf derselben Straße,
und brüllten immerfort und wichen weder zur Rechten noch zur
Linken; und die Fürsten der Philister gingen ihnen nach bis
zum Gebiet von Beth-Schemesch.
Die Leute von Beth-Schemesch
aber schnitten eben den Weizen im Grund, und als sie ihre Augen
aufhoben, sahen sie die Lade und freuten sich, sie zu sehen.
Der Wagen aber kam auf den
Acker Josuas von Beth-Schemesch und stand dort still. Und dort
lag ein großer Stein. Da spalteten sie das Holz des Wagens
und opferten die Kühe dem HERRN zum Brandopfer.
Die Leviten aber hoben die
Lade des HERRN herab samt dem Kästlein, das daneben stand
und worin die Dinge aus Gold waren, und stellten sie auf den
großen Stein. Und die Leute von Beth-Schemesch opferten dem
HERRN am selben Tage Brandopfer und Schlachtopfer.
Als aber die fünf Fürsten
der Philister das gesehen hatten, zogen sie am selben Tage wieder
nach Ekron.
Dies sind die goldenen
Beulen, die die Philister dem HERRN als Sühnegabe
erstatteten: für Asdod eine, für Gaza eine, für
Askalon eine, für Gath eine und für Ekron eine;
und goldene Mäuse nach
der Zahl aller Städte der Philister unter den fünf
Fürsten, der festen Städte und der Dörfer. Und
Zeuge ist der große Stein, auf den sie die Lade des HERRN
gestellt hatten. Er liegt bis auf diesen Tag auf dem Acker Josuas
von Beth-Schemesch.
Die Lade kommt nach Kirjath-Jearim
Aber die Söhne Jechonjas
freuten sich nicht mit den Leuten von Beth-Schemesch, daß
sie die Lade des HERRN sahen. Und der HERR schlug unter ihnen
siebzig Mann. Da trug das Volk Leid, daß er das Volk so
hart geschlagen hatte.
Und die Leute von
Beth-Schemesch sprachen: Wer kann bestehen vor dem HERRN, diesem
heiligen Gott? Und zu wem soll er von uns wegziehen?
Und sie sandten Boten zu den
Bürgern von Kirjath-Jearim und ließen ihnen sagen: Die
Philister haben die Lade des HERRN zurückgebracht; kommt
herab und holt sie zu euch hinauf.
Kapitel 7
Da kamen die Leute von
Kirjath-Jearim und holten die Lade des HERRN herauf und brachten
sie ins Haus Abinadabs auf dem Hügel, und seinen Sohn
Eleasar weihten sie, daß er über die Lade des HERRN
wache.
Samuels Richteramt
Aber von dem Tage an, da die
Lade des HERRN zu Kirjath-Jearim blieb, verging eine lange Zeit;
es wurden zwanzig Jahre. Dann wandte sich das ganze Haus Israel
zum HERRN.
Samuel aber sprach zum
ganzen Hause Israel: Wenn ihr euch von ganzem Herzen zu dem HERRN
bekehren wollt, so tut von euch die fremden Götter und die
Astarten und richtet euer Herz zu dem HERRN und dient ihm allein,
so wird er euch erretten aus der Hand der Philister.
Da taten die Kinder Israel von
sich die Baale und die Astarten und dienten dem HERRN allein.
Samuel aber sprach: Versammelt
ganz Israel in Mizpa, daß ich für euch zum HERRN bete.
Und sie kamen zusammen in
Mizpa und schöpften Wasser und gossen es aus vor dem HERRN
und fasteten an demselben Tage und sprachen dort: Wir haben an
dem HERRN gesündigt. So richtete Samuel die Kinder Israel zu
Mizpa.
Als aber die Philister
hörten, daß die Kinder Israel zusammengekommen waren
in Mizpa, zogen die Fürsten der Philister hinauf gegen
Israel. Und die Kinder Israel hörten es und fürchteten
sich vor den Philistern.
Und sie sprachen zu Samuel:
Laß nicht ab, für uns zu schreien zu dem HERRN, unserm
Gott, daß er uns helfe aus der Hand der Philister.
Samuel nahm ein Milchlamm und
opferte dem HERRN ein Brandopfer – als Ganzopfer –
und schrie zum HERRN für Israel, und der HERR erhörte
ihn.
Und während Samuel das
Brandopfer opferte, kamen die Philister heran zum Kampf gegen
Israel. Aber der HERR ließ donnern mit großem Schall
über die Philister am selben Tage und schreckte sie, daß
sie vor Israel geschlagen wurden.
Da zogen die Männer
Israels aus von Mizpa und jagten den Philistern nach und schlugen
sie bis unterhalb von Beth-Kar.
Da nahm Samuel einen Stein und stellte ihn auf zwischen
Mizpa und Schen und nannte ihn «Eben-Ezer»
und sprach: Bis hierher hat uns der HERR geholfen.
So wurden die Philister
gedemütigt und kamen nicht mehr in das Gebiet Israels. Und
die Hand des HERRN lag schwer auf den Philistern, solange Samuel
lebte.
Auch eroberte Israel die
Städte zurück, die die Philister ihnen genommen hatten,
von Ekron bis Gath samt ihrem Gebiet; die errettete Israel aus
der Hand der Philister. Und Israel hatte Frieden mit den
Amoritern.
Samuel aber richtete
Israel sein Leben lang
und zog Jahr für Jahr
umher und kam nach Bethel und Gilgal und Mizpa. Und wenn er
Israel an allen diesen Orten gerichtet hatte,
kam er wieder nach Rama –
denn da war sein Haus -, und dort richtete er Israel. Auch baute
er dort dem HERRN einen Altar.
Israel begehrt einen König
Kapitel 8
Als aber Samuel alt geworden
war, setzte er seine Söhne als Richter über Israel ein.
Sein erstgeborener Sohn hieß
Joel und der andere Abia, und sie waren Richter zu Beerseba.
Aber seine Söhne
wandelten nicht in seinen Wegen, sondern suchten ihren Vorteil
und nahmen Geschenke und beugten das Recht.
Da versammelten sich alle
Ältesten Israels und kamen nach Rama zu Samuel
und sprachen zu ihm: Siehe, du
bist alt geworden, und deine Söhne wandeln nicht in deinen
Wegen. So setze nun einen König über uns, der uns
richte, wie ihn alle Heiden haben.
Das mißfiel Samuel, daß
sie sagten: Gib uns einen König, der uns richte. Und Samuel
betete zum HERRN.
Der HERR aber sprach zu
Samuel: Gehorche der Stimme des Volks in allem, was sie zu dir
gesagt haben; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen,
daß ich nicht mehr König über sie sein soll.
Sie tun dir, wie sie immer
getan haben von dem Tage an, da ich sie aus Ägypten führte,
bis auf diesen Tag, daß sie mich verlassen und andern
Göttern gedient haben.
So gehorche nun ihrer Stimme.
Doch warne sie und verkünde ihnen das Recht des Königs,
der über sie herrschen wird.
Und Samuel sagte alle
Worte des HERRN dem Volk, das von ihm einen König forderte,
und sprach: Das wird des
Königs Recht sein, der über euch herrschen wird: Eure
Söhne wird er nehmen für seinen Wagen und seine
Gespanne, und daß sie vor seinem Wagen her laufen,
und zu Hauptleuten über
tausend und über fünfzig, und daß sie ihm seinen
Acker bearbeiten und seine Ernte einsammeln, und daß sie
seine Kriegswaffen machen und was zu seinen Wagen gehört.
Eure Töchter aber wird er
nehmen, daß sie Salben bereiten, kochen und backen.
Eure besten Äcker und
Weinberge und Ölgärten wird er nehmen und seinen Großen
geben.
Dazu von euren Kornfeldern und
Weinbergen wird er den Zehnten nehmen und seinen Kämmerern
und Großen geben.
Und eure Knechte und Mägde
und eure besten Rinder und eure Esel wird er nehmen und in seinen
Dienst stellen.
Von euren Herden wird er den
Zehnten nehmen, und ihr müßt seine Knechte sein.
Wenn ihr dann schreien werdet
zu der Zeit über euren König, den ihr euch erwählt
habt, so wird euch der HERR zu derselben Zeit nicht erhören.
Aber das Volk weigerte
sich, auf die Stimme Samuels zu hören, und sie sprachen:
Nein, sondern ein König soll über uns sein,
daß wir auch seien wie
alle Heiden, daß uns unser König richte und vor uns
her ausziehe und unsere Kriege führe!
Und als Samuel alle
Worte des Volks gehört hatte, sagte er sie vor den Ohren des
HERRN.
Der HERR aber sprach zu
Samuel: Gehorche ihrer Stimme und mache ihnen einen König.
Und Samuel sprach zu den Männern Israels: Geht hin, ein
jeder in seine Stadt.
Saul sucht Eselinnen und kommt zu Samuel
Kapitel 9
Es war ein Mann von Benjamin,
mit Namen Kis, ein Sohn Abiëls,
des Sohnes Zerors, des Sohnes Bechoraths, des Sohnes Aphias, des
Sohnes eines Benjaminiters, ein angesehener Mann.
Der hatte einen Sohn mit Namen
Saul; der war ein junger, schöner Mann, und es war niemand
unter den Kindern Israel so schön wie er, eines Hauptes
länger als alles Volk.
Es hatte aber Kis, der Vater
Sauls, die Eselinnen verloren. Und er sprach zu seinem Sohn Saul:
Nimm einen der Knechte mit dir, mach dich auf, geh hin und suche
die Eselinnen.
Und sie gingen durch das
Gebirge Ephraim und durch das Gebiet von Schalischa und fanden
sie nicht; sie gingen durch das Gebiet von Schaalim, und sie
waren nicht da; sie gingen durchs Gebiet von Benjamin und fanden
sie nicht.
Als sie aber ins Gebiet von
Zuph kamen, sprach Saul zu dem Knecht, der bei ihm war: Komm, laß
uns wieder heimgehen; mein Vater könnte sich sonst statt um
die Eselinnen um uns sorgen.
Der aber sprach: Siehe, es ist
ein berühmter Mann Gottes in dieser Stadt; alles, was er
sagt, das trifft ein. Nun laß uns dahin gehen; vielleicht
sagt er uns unsern Weg, den wir gehen sollen.
Saul aber sprach zu seinem
Knecht: Wenn wir schon hingehen, was bringen wir dem Mann? Denn
das Brot in unserm Sack ist verzehrt, und wir haben keine Gabe,
die wir dem Mann Gottes bringen könnten. Was haben wir
sonst?
Der Knecht antwortete Saul
abermals und sprach: Siehe, ich hab einen Viertel-Silbertaler bei
mir; den wollen wir dem Mann Gottes geben, daß er uns
unsern Weg sage.
* Saul sprach zu seinem
Knecht: Du hast recht geredet; komm, laß uns gehen! Und als
sie hingingen nach der Stadt, wo der Mann Gottes war,
Der
Zusammenhang erfordert die hier vorgenommene Umstellung der
Verse.
und den Aufgang zur Stadt
hinaufstiegen, trafen sie Mädchen, die herausgingen, um
Wasser zu schöpfen. Zu ihnen sprachen sie: Ist der Seher
hier? -
* Vorzeiten sagte man in
Israel, wenn man ging, Gott zu befragen: Kommt, laßt uns zu
dem Seher gehen! Denn die man jetzt Propheten nennt, die nannte
man vorzeiten Seher. -
Sie antworteten ihnen: Ja, er
war gerade vor dir da; eile, denn er ist heute in die Stadt
gekommen, weil das Volk heute ein Opferfest hat auf der Höhe.
Wenn ihr in die Stadt kommt,
so werdet ihr ihn finden, ehe er hinaufgeht auf die Höhe, um
zu essen. Denn das Volk wird nicht essen, bis er kommt; er segnet
erst das Opfer, danach essen die, die geladen sind. Darum geht
hinauf, denn jetzt werdet ihr ihn treffen.
Und als sie hinauf zur Stadt
kamen und in die Stadt eintraten, siehe, da kam Samuel heraus
ihnen entgegen und wollte auf die Höhe gehen.
Samuel salbt Saul zum König
Aber der HERR hatte Samuel das
Ohr aufgetan einen Tag, bevor Saul kam, und gesagt:
Morgen um diese Zeit will ich
einen Mann zu dir senden aus dem Lande Benjamin, den sollst du
zum Fürsten salben über mein Volk Israel, daß er
mein Volk errette aus der Philister Hand. Denn ich habe das Elend
meines Volks angesehen, und sein Schreien ist vor mich gekommen.
Als nun Samuel Saul sah, tat
ihm der HERR kund: Siehe, das ist der Mann, von dem ich dir
gesagt habe, daß er über mein Volk herrschen soll.
Da trat Saul auf Samuel zu im
Tor und sprach: Sage mir, wo ist hier das Haus des Sehers?
Samuel antwortete Saul: Ich
bin der Seher. Geh vor mir hinauf auf die Höhe, denn ihr
sollt heute mit mir essen; morgen früh will ich dir das
Geleit geben, und auf alles, was du auf dem Herzen hast, will ich
dir Antwort geben.
Und um die Eselinnen, die du
vor drei Tagen verloren hast, sorge dich jetzt nicht; sie sind
gefunden. Wem gehört denn alles, was wertvoll ist in Israel?
Gehört es nicht dir und dem ganzen Hause deines Vaters?
Saul antwortete: Bin ich nicht
ein Benjaminiter und aus einem der kleinsten Stämme Israels,
und ist nicht mein Geschlecht das geringste unter allen
Geschlechtern des Stammes Benjamin? Warum sagst du mir solches?
Samuel aber nahm Saul und
seinen Knecht und führte sie in die Halle und setzte sie
obenan unter die Geladenen; und das waren etwa dreißig
Mann.
Und Samuel sprach zu dem Koch:
Gib das Stück her, das ich dir gab und dabei befahl, du
solltest es bei dir zurückbehalten.
Da trug der Koch eine Keule
auf und den Fettschwanz. Und er legte sie Saul vor und sprach:
Siehe, hier ist das Übriggebliebene, lege es vor dich hin
und iß; denn als ich das Volk einlud, ist es für dich
aufbewahrt worden für diese Stunde. So aß Saul an
jenem Tage mit Samuel.
Und als sie hinabgegangen
waren von der Höhe der Stadt, machten sie Saul ein Lager auf
dem Dach,
und er legte sich schlafen.
Und als die Morgenröte aufging, rief Samuel zum Dach hinauf
und sprach zu Saul: Steh auf, daß ich dich geleite! Und
Saul stand auf, und die beiden gingen miteinander hinaus, er und
Samuel.
Und als sie hinabkamen an das Ende der Stadt, sprach
Samuel zu Saul: Sage dem Knecht, daß er uns vorangehe –
und er ging voran -, du aber steh jetzt still, daß ich dir
kundtue, was Gott gesagt hat.
Kapitel 10
Da nahm Samuel den Krug mit Öl und goß
es auf sein Haupt und küßte ihn und sprach: Siehe, der
HERR hat dich zum Fürsten über sein Erbteil gesalbt.
Wenn du jetzt von mir gehst, so wirst du zwei Männer
finden bei dem Grabe Rahels an der Grenze Benjamins bei Zelzach;
die werden zu dir sagen: Die Eselinnen sind gefunden, die du zu
suchen ausgezogen bist; aber siehe, dein Vater hat die Esel nicht
mehr im Sinn und sorgt sich um euch und spricht: Was soll ich
wegen meines Sohnes tun?
Und wenn du von da weiter gehst, wirst du zur Eiche Tabor
kommen; dort werden dich drei Männer treffen, die
hinaufgehen zu Gott nach Bethel. Einer trägt drei Böcklein,
der andere drei Brote, der dritte einen Krug mit Wein.
Und sie werden dich freundlich grüßen und dir
zwei Brote geben. Die sollst du von ihren Händen annehmen.
Danach wirst du nach Gibea Gottes kommen, wo die Wache der
Philister ist; und wenn du dort in die Stadt kommst, wird dir
eine Schar von Propheten begegnen, die von der Höhe
herabkommen, und vor ihnen her Harfe und Pauke und Flöte und
Zither, und sie werden in Verzückung sein.
Und der Geist des HERRN wird über dich kommen, daß
du mit ihnen in Verzückung gerätst; da wirst du
umgewandelt und ein anderer Mensch werden.
Wenn bei dir nun diese Zeichen eintreffen, so tu, was dir
vor die Hände kommt; denn Gott ist mit dir.
Du sollst aber vor mir hinabgehen nach Gilgal; siehe, da
will ich zu dir hinabkommen, um Brandopfer und Dankopfer zu
opfern. Sieben Tage sollst du warten, bis ich zu dir komme und
dir kundtue, was du tun sollst.
Und als Saul sich wandte, um von Samuel wegzugehen,
gab ihm Gott ein anderes Herz, und alle diese Zeichen trafen ein
an demselben Tag.
Und als sie nach Gibea kamen, siehe, da kam ihm eine
Prophetenschar entgegen, und der Geist Gottes geriet über
ihn, daß er mit ihnen in Verzückung geriet.
Als sie sahen, daß er mit den Propheten in
Verzückung war, sprachen alle, die ihn früher gekannt
hatten, untereinander: Was ist mit dem Sohn des Kis geschehen?
Ist Saul auch unter den Propheten?
Und einer von dort sprach: Wer ist denn schon ihr Vater?
Daher ist das Sprichwort gekommen: Ist Saul auch unter den
Propheten?
Und als seine Verzückung aufgehört hatte,
kam er nach Gibea.
Es sprach aber Sauls Oheim zu ihm und zu seinem Knecht: Wo
seid ihr hingegangen? Er antwortete: Die Eselinnen zu suchen; und
als wir sahen, daß sie nicht da waren, gingen wir zu
Samuel.
Da sprach der Oheim Sauls: Sage mir, was sagte euch
Samuel?
Saul antwortete seinem Oheim: Er sagte uns, daß die
Eselinnen gefunden seien. Aber was Samuel von dem Königtum
gesagt hatte, sagte er ihm nicht.
Saul wird als König anerkannt
Samuel aber rief das Volk zusammen zum HERRN nach Mizpa
und sprach zu den Kindern Israel: So sagt der HERR, der
Gott Israels: Ich habe Israel aus Ägypten geführt und
euch aus der Hand der Ägypter errettet und aus der Hand
aller Königreiche, die euch bedrängten.
Ihr aber habt heute euren Gott verworfen, der euch aus
aller eurer Not und Bedrängnis geholfen hat, und habt
gesprochen: Nein, setze vielmehr einen König über uns!
Wohlan, so tretet nun vor den HERRN nach euren Stämmen und
Tausendschaften!
Als nun Samuel alle Stämme Israels herantreten ließ,
fiel das Los auf den Stamm Benjamin.
Und als er den Stamm Benjamin herantreten ließ mit
seinen Geschlechtern, fiel das Los auf das Geschlecht Matri, und
als er das Geschlecht Matri herantreten ließ, Mann für
Mann, fiel das Los auf Saul, den Sohn des Kis. Und sie suchten
ihn, aber sie fanden ihn nicht.
Da befragten sie abermals den HERRN: Ist denn der Mann
überhaupt hergekommen? Der HERR antwortete: Siehe, er hat
sich bei dem Troß versteckt.
Da liefen sie hin und holten ihn von dort. Und als er
unter das Volk trat, war er eines Hauptes länger als alles
Volk.
Und Samuel sprach zu allem Volk: Da seht ihr, wen der HERR
erwählt hat; ihm ist keiner gleich im ganzen Volk. Da
jauchzte das ganze Volk und sprach: Es lebe der König!
Samuel aber tat dem Volk das Recht des Königtums kund
und schrieb's in ein Buch und legte es vor dem HERRN nieder. Und
Samuel entließ das ganze Volk, einen jeden in sein Haus.
Auch Saul ging heim nach Gibea, und mit ihm gingen
die vom Heer, denen Gott das Herz gerührt hatte.
Aber einige ruchlose Leute sprachen: Was soll der uns
helfen? Und sie verachteten ihn und brachten ihm kein Geschenk.
Aber er tat, als hörte er's nicht.
Sauls Sieg über die Ammoniter
Kapitel 11
Es zog aber herauf Nahasch,
der Ammoniter, und belagerte Jabesch in Gilead. Und alle Männer
von Jabesch sprachen zu Nahasch: Schließ einen Bund mit
uns, so wollen wir dir untertan sein.
Aber Nahasch, der Ammoniter,
antwortete ihnen: Das soll der Bund sein, den ich mit euch
schließen will, daß ich euch allen das rechte Auge
aussteche und bringe damit Schmach über ganz Israel.
Da sprachen zu ihm die
Ältesten von Jabesch: Gib uns sieben Tage, daß wir
Boten in das ganze Gebiet Israels senden; ist dann niemand da,
der uns rette, so wollen wir zu dir hinausgehen.
Da kamen die Boten nach Gibea
Sauls und sagten diese Worte vor den Ohren des Volks. Da erhob
das ganze Volk seine Stimme und weinte.
Und siehe, da kam Saul vom
Felde hinter den Rindern her und fragte: Was ist mit dem Volk,
daß es weint? Da berichteten sie ihm die Worte der Männer
von Jabesch.
Da geriet der Geist Gottes
über Saul, als er diese Worte hörte, und sein Zorn
entbrannte sehr.
Und er nahm ein Paar Rinder
und zerstückte sie und sandte davon in das ganze Gebiet
Israels durch die Boten und ließ sagen: Wer nicht mit Saul
und Samuel auszieht, mit dessen Rindern soll man ebenso tun. Da
fiel der Schrecken des HERRN auf das Volk, so daß sie
auszogen wie ein Mann.
Und er musterte sie bei Besek,
und die von Israel waren dreihunderttausend Mann und die Männer
Judas dreißigtausend.
Und er sagte den Boten, die
gekommen waren: So sagt den Männern von Jabesch in Gilead:
Morgen soll euch Hilfe werden, wenn die Sonne beginnt, heiß
zu scheinen. Als die Boten heimkamen und das den Männern von
Jabesch verkündeten, wurden diese froh.
Und die Männer von
Jabesch ließen den Ammonitern sagen: Morgen wollen wir zu
euch hinausgehen, daß ihr mit uns alles tut, was euch
gefällt.
Aber am andern Morgen teilte
Saul das Volk in drei Heerhaufen, und sie kamen ins Lager um die
Zeit der Morgenwache und schlugen die Ammoniter, bis der Tag heiß
wurde; die aber übrigblieben, wurden zerstreut, so daß
von ihnen nicht zwei beieinander blieben.
Da sprach das Volk zu
Samuel: Wer sind die, die gesagt haben: Sollte Saul über uns
herrschen? Gebt sie her, die Männer, daß wir sie
töten.
Saul aber sprach: Es soll an
diesem Tage niemand sterben; denn der HERR hat heute Heil gegeben
in Israel.
Samuel sprach zum Volk:
Kommt, laßt uns nach Gilgal gehen und dort das Königtum
erneuern.
Da ging das ganze Volk nach
Gilgal, und sie machten Saul dort zum König vor dem HERRN in
Gilgal und opferten Dankopfer vor dem HERRN. Saul aber und alle
Männer Israels freuten sich dort gar sehr.
Samuel legt sein Richteramt nieder
Kapitel 12
Da sprach Samuel zu ganz
Israel: Siehe, ich habe eurer Stimme gehorcht in allem, was ihr
mir gesagt habt, und habe einen König über euch
gesetzt.
Siehe, nun wird euer König
vor euch herziehen; ich aber bin alt und grau geworden, und meine
Söhne sind bei euch. Ich bin vor euch hergegangen von meiner
Jugend an bis auf diesen Tag.
Hier stehe ich. Nun tretet
gegen mich auf vor dem HERRN und seinem Gesalbten! Wessen Rind
oder Esel hab ich genommen, wem hab ich Gewalt oder Unrecht
getan? Aus wessen Hand hab ich ein Geschenk angenommen, um mir
damit die Augen blenden zu lassen? Ich will's euch zurückgeben.
Sie sprachen: Du hast uns
weder Gewalt noch Unrecht getan und von niemand etwas genommen.
Er sprach zu ihnen: Der HERR
ist euch gegenüber Zeuge und heute auch sein Gesalbter, daß
ihr nichts in meiner Hand gefunden habt. Sie sprachen: Ja, Zeuge
sollen sie sein.
Und Samuel sprach zum
Volk: Der HERR ist's, der Mose und Aaron eingesetzt und eure
Väter aus Ägyptenland geführt hat.
So tretet nun her, daß
ich mit euch rechte vor dem HERRN wegen aller Wohltaten des
HERRN, die er an euch und euren Vätern getan hat.
Als Jakob nach Ägypten
gekommen war, schrien eure Väter zu dem HERRN, und der HERR
sandte Mose und Aaron, um eure Väter aus Ägypten zu
führen und sie in diesem Land wohnen zu lassen.
Aber als sie den HERRN, ihren
Gott, vergaßen, verkaufte er sie in die Hand Siseras, des
Feldhauptmanns von Hazor, und in die Hand der Philister und in
die Hand des Königs von Moab; die kämpften gegen sie.
Und sie schrien zum HERRN und
sprachen: Wir haben gesündigt, daß wir den HERRN
verlassen und den Baalen und den Astarten gedient haben; nun aber
errette uns aus der Hand unserer Feinde, so wollen wir dir
dienen.
Da sandte der HERR Jerubbaal,
Barak, Jephthah und Samuel und errettete euch aus der Hand eurer
Feinde ringsum und ließ euch sicher wohnen.
Als ihr aber saht, daß
Nahasch, der König der Ammoniter, gegen euch zog, spracht
ihr zu mir: Nein, sondern ein König soll über uns
herrschen, obwohl doch der HERR, euer Gott, euer König ist.
Nun, da ist euer König,
den ihr erwählt und erbeten habt; denn siehe, der HERR hat
einen König über euch gesetzt.
Möchtet ihr doch den
HERRN fürchten und ihm dienen und seiner Stimme gehorchen
und dem Munde des HERRN nicht ungehorsam sein, und möchtet
ihr und euer König, der über euch herrscht, dem HERRN,
eurem Gott, folgen!
Werdet ihr aber der Stimme des
HERRN nicht gehorchen, sondern seinem Munde ungehorsam sein, so
wird die Hand des HERRN gegen euch sein wie gegen eure Väter.
So tretet nun herzu und
seht, was der HERR Großes vor euren Augen tun wird.
Ist nicht jetzt die
Weizenernte? Ich will aber den HERRN anrufen, daß er soll
donnern und regnen lassen, damit ihr innewerdet und seht, daß
ihr getan habt, was dem HERRN mißfiel, als ihr euch einen
König erbeten habt.
Und als Samuel den HERRN
anrief, ließ der HERR donnern und regnen an demselben Tage.
Da fürchtete das ganze Volk den HERRN und Samuel gar sehr
und sprach zu Samuel: Bitte
für deine Knechte den HERRN, deinen Gott, daß wir
nicht sterben; denn zu allen unsern Sünden haben wir noch
das Unrecht getan, daß wir uns einen König erbeten
haben.
Samuel aber sprach zum Volk:
Fürchtet euch nicht! Ihr habt zwar all das Unrecht getan,
doch weicht nicht vom HERRN ab, sondern dienet dem HERRN von
ganzem Herzen
und folgt nicht den nichtigen
Götzen nach; denn sie nützen nicht und können
nicht erretten, weil sie nichtig sind.
Der HERR verstößt
sein Volk nicht um seines großen Namens willen; denn es hat
dem HERRN gefallen, euch zu seinem Volk zu machen.
Es sei aber auch ferne von
mir, mich an dem HERRN dadurch zu versündigen, daß ich
davon abließe, für euch zu beten und euch zu lehren
den guten und richtigen Weg!
Nur fürchtet den HERRN
und dienet ihm treu von ganzem Herzen; denn seht doch, wie große
Dinge er an euch getan hat.
Werdet ihr aber Unrecht tun,
so werdet ihr und euer König verloren sein.
Beginn des Krieges gegen die Philister
Kapitel 13
Saul war ... Jahre alt, als er König wurde, und zwei
Jahre* regierte er über Israel.
*Die Angabe über das Alter Sauls
ist ausgefallen; für die Regierungszeit Sauls finden sich
verschiedene Überlieferungen; vgl. Apostelgeschichte 13,21.
Er erwählte sich
dreitausend Mann aus Israel. Zweitausend waren mit Saul in
Michmas und auf dem Gebirge von Bethel und eintausend mit
Jonathan zu Gibea in Benjamin. Das übrige Volk aber entließ
er, einen jeden in sein Zelt.
Da erschlug Jonathan die Wache
der Philister, die in Gibea war; und die Philister hörten,
daß die Hebräer abgefallen waren. Saul aber hatte die
Posaune blasen lassen im ganzen Land.
Und ganz Israel hörte:
Saul hat die Wache der Philister erschlagen, und Israel hat sich
in Verruf gebracht bei den Philistern. Und alles Volk wurde
zusammengerufen, um Saul nach Gilgal zu folgen.
Da sammelten sich die
Philister zum Kampf mit Israel, dreitausend Wagen, sechstausend
Gespanne und Fußvolk, so viel wie Sand am Ufer des Meeres,
und zogen herauf und lagerten sich bei Michmas, östlich von
Beth-Awen.
Als aber die Männer
Israels sahen, daß das Volk in Gefahr und Bedrängnis
war, verkrochen sie sich in die Höhlen und Klüfte und
Felsen und Gewölbe und Gruben.
Es gingen aber auch Hebräer
durch die Furten des Jordan ins Land Gad und Gilead.
Saul aber war noch in
Gilgal; und alles Volk, das ihm folgte, war voll Angst.
Da wartete er sieben Tage bis
zu der Zeit, die von Samuel bestimmt war. Und als Samuel nicht
nach Gilgal kam, begann das Volk von Saul wegzulaufen.
Da sprach er: Bringt mir her
das Brandopfer und die Dankopfer. Und er brachte das Brandopfer
dar.
Als er aber das Brandopfer
vollendet hatte, siehe, da kam Samuel. Da ging Saul ihm entgegen,
um ihm den Segensgruß zu entbieten.
Samuel aber sprach: Was hast
du getan? Saul antwortete: Ich sah, daß das Volk von mir
wegzulaufen begann, und du kamst nicht zur bestimmten Zeit,
während doch die Philister sich schon in Michmas versammelt
hatten.
Da dachte ich: Nun werden die
Philister zu mir herabkommen nach Gilgal, und ich habe die Gnade
des HERRN noch nicht gesucht; da wagte ich's und opferte
Brandopfer.
Samuel aber sprach zu Saul: Du
hast töricht gehandelt und nicht gehalten das Gebot des
HERRN, deines Gottes, das er dir geboten hat. Er hätte dein
Königtum bestätigt über Israel für und für.
Aber nun wird dein Königtum
nicht bestehen. Der HERR hat sich einen Mann gesucht nach seinem
Herzen, und der HERR hat ihn bestellt zum Fürsten über
sein Volk; denn du hast das Gebot des HERRN nicht gehalten.
Und Samuel machte sich
auf und ging von Gilgal hinauf und zog seines Weges. Die Übrigen
vom Volk aber zogen hinter Saul her dem Kriegsvolk entgegen von
Gilgal hinauf nach Gibea in Benjamin. Und Saul musterte das Volk,
das bei ihm war, etwa sechshundert Mann.
Und Saul und sein Sohn
Jonathan und das Volk, das bei ihnen war, blieben in Gibea in
Benjamin. Die Philister aber hatten sich gelagert bei Michmas.
Da zogen aus dem Lager der
Philister drei Heerhaufen, das Land zu verheeren. Einer wandte
sich in Richtung auf Ophra ins Gebiet von Schual;
der andere wandte sich in
Richtung auf Beth-Horon; der dritte wandte sich in Richtung auf
das Gebiet, das nach dem Tal Zeboïm
der Wüste zu gelegen ist.
Es war aber kein Schmied im
ganzen Lande Israel zu finden; denn die Philister dachten, die
Hebräer könnten sich Schwert und Spieß machen.
Und ganz Israel mußte
hinabziehen zu den Philistern, wenn jemand eine Pflugschar,
Hacke, Beil oder Sense zu schärfen hatte.
Das Schärfen aber geschah
für ein Zweidrittellot Silber bei Pflugscharen, Hacken,
Gabeln, Beilen und um die Stacheln gerade zu machen.
Als nun der Tag des Kampfes
kam, wurde kein Schwert noch Spieß gefunden in der Hand des
ganzen Volks, das mit Saul und Jonathan war; nur Saul und sein
Sohn hatten Waffen.
Aber eine Wache der Philister
zog heran gegen den engen Weg von Michmas.
Jonathans Heldentat und Israels Sieg
Kapitel 14
Es begab sich eines Tages, daß Jonathan, der Sohn
Sauls, zu seinem Waffenträger sprach: Komm, laß uns
hinübergehen zu der Wache der Philister, die da drüben
ist. Aber seinem Vater sagte er nichts.
Saul aber saß am Rande des Gebietes von Gibea unter
dem Granatapfelbaum, der in Migron steht; und die Leute bei ihm
waren etwa sechshundert Mann.
Und Ahia, der Sohn Ahitubs, des Bruders Ikabods, des
Sohnes des Pinhas, des Sohnes Elis, des Priesters des HERRN zu
Silo, trug den Priesterschurz. Das Volk wußte aber nicht,
daß Jonathan weggegangen war.
Es waren aber an dem engen Wege, wo Jonathan
hinüberzugehen suchte zu der Wache der Philister, zwei
Felsklippen, die eine diesseits, die andere jenseits; die eine
hieß Bozez, die andere Senne.
Die eine Felsklippe stand im Norden gegenüber Michmas
und die andere im Süden gegenüber Geba.
Und Jonathan sprach zu seinem Waffenträger: Komm, laß
uns hinübergehen zu der Wache dieser Unbeschnittenen!
Vielleicht wird der HERR etwas für uns tun, denn es ist
dem HERRN nicht schwer, durch viel oder wenig zu helfen.
Da antwortete ihm sein Waffenträger: Tu alles, was in
deinem Herzen ist; geh nur hin! Siehe, ich bin mit dir, wie dein
Herz will.
Jonathan sprach: Wohlan, wir gehen zu den Männern
hinüber und zeigen uns ihnen.
Werden sie dann zu uns sagen: Steht still, bis wir zu euch
herankommen!, so wollen wir an unserm Ort stehenbleiben und nicht
zu ihnen hinaufgehen.
Werden sie aber sagen: Kommt zu uns herauf!, so wollen wir
zu ihnen hinaufsteigen; dann hat sie der HERR in unsere Hände
gegeben. Das soll uns zum Zeichen sein.
Als sie sich nun beide der Wache der Philister zeigten,
sprachen die Philister: Siehe, die Hebräer sind aus den
Löchern hervorgekommen, in die sie sich verkrochen hatten.
Und die Männer der Wache riefen Jonathan und seinem
Waffenträger zu und sprachen: Kommt herauf zu uns, so wollen
wir's euch schon lehren! Da sprach Jonathan zu seinem
Waffenträger: Steig mir nach! Der HERR hat sie in die Hände
Israels gegeben.
Und Jonathan kletterte mit Händen und Füßen
hinauf und sein Waffenträger ihm nach. Da fielen sie zu
Boden vor Jonathan, und sein Waffenträger hinter ihm tötete
sie.
So traf der erste Schlag, den Jonathan und sein
Waffenträger taten, ungefähr zwanzig Mann etwa auf
einer halben Hufe Acker, die ein Joch Rinder pflügt.
Und es entstand ein Schrecken im Lager und auf dem freien
Felde; und das ganze Kriegsvolk, die Wache und die streifenden
Rotten erschraken; und die Erde erbebte. Und so geschah ein
Gottesschrecken.
Und die Wächter Sauls zu Gibea in Benjamin
sahen, wie das Getümmel der Philister hin und her wogte.
Da sprach Saul zu dem Volk, das bei ihm war: Zählt
und seht, wer von uns weggegangen ist! Und als sie zählten,
siehe, da waren Jonathan und sein Waffenträger nicht da.
Da sprach Saul zu Ahia: Bringe den Ephod herbei! Denn er
trug den Ephod in jener Zeit vor Israel.
Und als Saul noch mit dem Priester redete, wurde das
Getümmel im Lager der Philister immer größer. Und
Saul sprach zum Priester: Laß es sein!
Und Saul und das ganze Volk, das bei ihm war, sammelten
sich und kamen zum Kampfplatz. Und siehe, da ging eines jeden
Schwert gegen den andern, und es war ein sehr großes
Getümmel.
Auch die Hebräer, die vorher bei den Philistern
gewesen und mit ihnen ins Feld gezogen waren, gingen über zu
denen von Israel, die mit Saul und Jonathan waren.
Und als alle Männer von Israel, die sich auf dem
Gebirge Ephraim verkrochen hatten, hörten, daß die
Philister flohen, jagten sie hinter ihnen her im Kampf.
So half der HERR Israel an diesem Tage. Und der Kampf
breitete sich aus bis Beth-Awen.
Und als die Männer Israels in Bedrängnis
kamen an jenem Tage, belegte Saul das Volk mit seinem Fluch und
schwor: Verflucht sei jedermann, der etwas ißt bis zum
Abend, bis ich mich an meinen Feinden räche! Da aß das
ganze Volk nichts.
Es waren aber Honigwaben auf dem Felde,
und als das Volk hinkam zu den Waben, siehe, da floß
der Honig. Aber niemand nahm davon etwas mit der Hand in seinen
Mund; denn das Volk fürchtete den Schwur.
Jonathan aber hatte nicht gehört, daß sein
Vater das Volk mit einem Schwur belegt hatte. Und er streckte
seinen Stab aus, den er in seiner Hand hatte, und tauchte die
Spitze in den Honigseim und führte seine Hand zum Munde; da
strahlten seine Augen.
Da hob einer aus dem Volk an und sprach: Dein Vater hat
das Volk mit einem Fluch belegt und geschworen: Verflucht sei
jedermann, der heute etwas ißt! So ist das Volk nun matt
geworden.
Da sprach Jonathan: Mein Vater bringt das Land ins
Unglück; seht, wie strahlend sind meine Augen geworden, weil
ich ein wenig von diesem Honig gekostet habe.
Fürwahr, hätte doch das Volk heute gegessen von
der Beute seiner Feinde, die es gemacht hat! Wäre dann die
Niederlage der Philister nicht noch größer geworden?
Sie schlugen aber die Philister an jenem Tage von Michmas
bis nach Ajalon. Und das Volk wurde sehr matt.
Und das Volk fiel über die Beute her, und sie
nahmen Schafe und Rinder und Kälber und schlachteten sie,
daß das Blut auf die Erde floß, und aßen das
Fleisch über dem Blut.
Da sagte man Saul: Siehe, das Volk versündigt sich am
HERRN; denn es ißt das Fleisch über dem Blut. Er
sprach: Ihr habt gefrevelt; wälzt her zu mir einen großen
Stein.
Und Saul sprach weiter: Zerstreut euch unter das Volk und
sagt ihnen, daß ein jeder seinen Stier und sein Schaf zu
mir bringen soll, und schlachtet's hier und esset, damit ihr euch
nicht an dem HERRN versündigt mit dem Essen über dem
Blut. Da brachte alles Volk, ein jeder, was er hatte, noch in der
Nacht herzu, und sie schlachteten es dort.
Und Saul baute dem HERRN einen Altar. Das war der erste
Altar, den er dem HERRN baute.
Und Saul sprach: Laßt uns noch in der Nacht
hinabziehen den Philistern nach und sie berauben, bis es lichter
Morgen wird, und laßt niemand von ihnen übrig. Sie
antworteten: Tu alles, was dir gefällt! Aber der Priester
sprach: So laßt uns erst hierher vor Gott treten.
Und Saul befragte Gott: Soll ich hinabziehen den
Philistern nach? Willst du sie in Israels Hände geben? Aber
er antwortete ihm an diesem Tage nicht.
Da sprach Saul: Laßt herzutreten alle Obersten des
Volks und forschet und seht, an wem heute die Schuld liegt.
Denn so wahr der HERR lebt, der Heiland Israels: auch wenn
sie bei meinem Sohn Jonathan wäre, so soll er sterben! Aber
niemand aus dem ganzen Volk antwortete ihm.
Und er sprach zu ganz Israel: Tretet ihr auf die eine
Seite, ich und mein Sohn Jonathan wollen auf die andere Seite
treten. Das Volk sprach zu Saul: Tu, was dir gefällt.
Und Saul sprach zum HERRN: Gott Israels, warum hast du
deinem Knecht heute nicht geantwortet? Liegt die Schuld bei mir
oder bei meinem Sohn Jonathan, HERR, Gott Israels, so gib das Los
«Licht»; liegt die Schuld aber an deinem Volk Israel,
so gib das Los «Recht».
Da fiel das Los auf Jonathan und Saul, aber das Volk ging frei
aus.
Saul sprach: Werft das Los über mich und meinen Sohn
Jonathan! Da fiel das Los auf Jonathan.
Und Saul sprach zu Jonathan: Sage mir, was hast du getan?
Jonathan sagte es ihm und sprach: Ich habe ein wenig Honig
gekostet mit der Spitze des Stabes, den ich in meiner Hand hatte;
siehe, ich bin bereit zu sterben.
Da sprach Saul: Gott tue mir dies und das; Jonathan, du
mußt des Todes sterben!
Aber das Volk sprach zu Saul: Sollte Jonathan sterben, der
dies große Heil in Israel vollbracht hat? Das sei ferne! So
wahr der HERR lebt: es soll kein Haar von seinem Haupt auf die
Erde fallen, denn Gott hat heute durch ihn geholfen. Und so löste
das Volk Jonathan aus, so daß er nicht sterben mußte.
Aber Saul ließ von den Philistern ab und zog hinauf,
und die Philister zogen in ihr Land.
Sauls Kriege. Seine Familie
Als Saul die Königsherrschaft über Israel
erlangt hatte, kämpfte er gegen alle seine Feinde
ringsumher: gegen die Moabiter, die Ammoniter, die Edomiter,
gegen die Könige Zobas und gegen die Philister. Und wo er
sich hinwandte, da gewann er den Sieg.
Und er vollbrachte tapfere Taten und schlug die Amalekiter
und errettete Israel aus der Hand aller, die es ausplünderten.
Sauls Söhne waren: Jonathan, Jischwi,
Malkischua. Und seine zwei Töchter hießen: die
erstgeborene Merab und die jüngere Michal.
Und Sauls Frau hieß Ahinoam und war eine Tochter des
Ahimaaz. Und sein Feldhauptmann hieß Abner, ein Sohn Ners,
der Sauls Oheim war.
Kis, Sauls Vater, und Ner, Abners Vater, waren Söhne
Abiëls.
Es war aber der Krieg gegen die Philister schwer,
solange Saul lebte. Und wo Saul einen tapferen und rüstigen
Mann sah, den nahm er in seinen Dienst.
1.
Samuel 15-31
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