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DIE BIBEL
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Schrift
DAS BUCH RUTH
Kapitel 1 - 4
Ruth zieht mit Naëmi
nach Bethlehem
Kapitel 1
Zu der Zeit, als die Richter
richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von
Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als
Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen.
Der hieß Elimelech und
seine Frau Naëmi und seine beiden Söhne Machlon und
Kiljon; die waren Ephrathiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie
ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort.
Und Elimelech, Naëmis
Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen.
Die nahmen moabitische Frauen;
die eine hieß Orpa, die andere Ruth. Und als sie ungefähr
zehn Jahre dort gewohnt hatten,
starben auch die beiden,
Machlon und Kiljon, so daß die Frau beide Söhne und
ihren Mann überlebte.
Da machte sie sich auf
mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der
Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im
Moabiterland, daß der HERR sich seines Volkes angenommen
und ihnen Brot gegeben hatte.
Und sie ging aus von dem Ort,
wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit
ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda
zurückzukehren,
sprach sie zu ihren beiden
Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus
ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den
Toten und an mir getan habt.
Der HERR gebe euch, daß
ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küßte
sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten
und sprachen zu ihr: Wir
wollen mit dir zu deinem Volk gehen.
Aber Naëmi sprach: Kehrt
um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann
ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure
Männer werden könnten?
Kehrt um, meine Töchter,
und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einen Mann zu
nehmen. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung! und
diese Nacht einen Mann nehmen und Söhne gebären würde,
wolltet ihr warten, bis sie
groß würden? Wolltet ihr euch so lange einschließen
und keinen Mann nehmen? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los
ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand ist gegen mich
gewesen.
Da erhoben sie ihre Stimme und
weinten noch mehr. Und Orpa küßte ihre
Schwiegermutter, Ruth aber blieb bei ihr.
Sie aber sprach: Siehe, deine
Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott;
kehre auch du um, deiner Schwägerin nach.
Ruth antwortete: Rede mir nicht ein, daß ich dich
verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hin gehst, da
will ich auch hin gehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein
Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.
Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch
begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird
mich und dich scheiden.
Als sie nun sah, daß sie
festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr
zuzureden.
So gingen die beiden
miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen. Und als sie nach
Bethlehem hineinkamen, erregte sich die ganze Stadt über
sie, und die Frauen sprachen: Ist das die Naëmi?
Sie aber sprach zu ihnen:
Nennt mich nicht Naëmi*, sondern Mara**; denn der
Allmächtige hat mir viel Bitteres angetan.
*d.
h. lieblich. **d. h. bitter.
Voll zog ich aus, aber leer
hat mich der HERR wieder heimgebracht. Warum nennt ihr mich denn
Naëmi, da doch der HERR gegen mich gesprochen und der
Allmächtige mich betrübt hat?
Es war aber um die
Zeit, da die Gerstenernte anging, als Naëmi mit ihrer
Schwiegertochter Ruth, der Moabiterin, zurückkam vom
Moabiterland nach Bethlehem.
Ruth liest Ähren auf dem Feld des Boas
Kapitel 2
Es war aber ein Mann, ein
Verwandter des Mannes der Naëmi, von dem Geschlecht
Elimelechs, mit Namen Boas; der war ein angesehener Mann.
Und Ruth, die Moabiterin,
sprach zu Naëmi: Laß mich aufs Feld gehen und Ähren
auflesen, bei einem, vor dessen Augen ich Gnade finde. Sie aber
sprach zu ihr: Geh hin, meine Tochter.
Sie ging hin und las auf, den
Schnittern nach, auf dem Felde. Und es traf sich, daß dies
Feld dem Boas gehörte, der von dem Geschlecht Elimelechs
war.
Und siehe, Boas kam eben von
Bethlehem und sprach zu den Schnittern: Der HERR sei mit euch!
Sie antworteten: Der HERR segne dich!
Und Boas sprach zu seinem
Knecht, der über die Schnitter gestellt war: Zu wem gehört
das Mädchen?
Der Knecht, der über die
Schnitter gestellt war, antwortete und sprach: Es ist eine
Moabiterin, die mit Naëmi gekommen ist aus dem Land der
Moabiter.
Sie hat gesagt: Laßt
mich doch auflesen und sammeln hinter den Garben den Schnittern
nach, und ist gekommen und dageblieben vom Morgen an bis jetzt
und hat nur wenig ausgeruht.
Da sprach Boas zu Ruth: Hörst
du wohl, meine Tochter? Du sollst nicht auf einen andern Acker
gehen, um aufzulesen; geh auch nicht von hier weg, sondern halt
dich zu meinen Mägden.
Und sieh, wo sie schneiden im
Felde, da geh ihnen nach. Ich habe meinen Knechten geboten, daß
dich niemand antaste. Und wenn dich dürstet, so geh hin zu
den Gefäßen und trinke von dem, was meine Knechte
schöpfen.
Da fiel sie auf ihr Angesicht
und beugte sich nieder zur Erde und sprach zu ihm: Womit hab ich
Gnade gefunden vor deinen Augen, daß du mir freundlich
bist, die ich doch eine Fremde bin?
Boas antwortete und sprach zu
ihr: Man hat mir alles angesagt, was du getan hast an deiner
Schwiegermutter nach deines Mannes Tod; daß du verlassen
hast deinen Vater und deine Mutter und dein Vaterland und zu
einem Volk gezogen bist, das du vorher nicht kanntest.
Der HERR vergelte dir deine
Tat, und dein Lohn möge vollkommen sein bei dem HERRN, dem
Gott Israels, zu dem du gekommen bist, daß du unter seinen
Flügeln Zuflucht hättest.
Sie sprach: Laß mich
Gnade vor deinen Augen finden, mein Herr; denn du hast mich
getröstet und deine Magd freundlich angesprochen, und ich
bin doch nicht einmal wie eine deiner Mägde.
Boas sprach zu ihr, als
Essenszeit war: Komm hierher und iß vom Brot und tauche
deinen Bissen in den Essigtrank! Und sie setzte sich zur Seite
der Schnitter. Er aber legte ihr geröstete Körner vor,
und sie aß und wurde satt und ließ noch übrig.
Und als sie sich aufmachte zu
lesen, gebot Boas seinen Knechten und sprach: Laßt sie auch
zwischen den Garben lesen und beschämt sie nicht;
auch zieht etwas für sie
aus den Garben heraus und laßt es liegen, daß sie es
auflese, und niemand schelte sie darum.
So las sie bis zum Abend auf
dem Felde und klopfte die Ähren aus, die sie aufgelesen
hatte, und es war ungefähr ein Scheffel Gerste.
Und sie hob's auf und
kam in die Stadt, und ihre Schwiegermutter sah, was sie gelesen
hatte. Da zog Ruth hervor und gab ihr, was sie übrigbehalten
hatte, nachdem sie satt geworden war.
Da sprach ihre Schwiegermutter
zu ihr: Wo hast du heute gelesen, und wo hast du gearbeitet?
Gesegnet sei, der dir freundlich gewesen ist! Sie aber sagte
ihrer Schwiegermutter, bei wem sie gearbeitet hatte, und sprach:
Der Mann, bei dem ich heute gearbeitet habe, heißt Boas.
Naëmi aber sprach zu ihrer Schwiegertochter: Gesegnet
sei er vom HERRN, der seine Barmherzigkeit nicht abgewendet hat
von den Lebendigen und von den Toten. Und Naëmi sprach zu
ihr: Der Mann steht uns nahe; er gehört zu unsern Lösern.
Ruth, die Moabiterin, sprach:
Er sprach auch das zu mir: Du sollst dich zu meinen Leuten
halten, bis sie mir alles eingeerntet haben.
Naëmi sprach zu Ruth,
ihrer Schwiegertochter: Es ist gut, meine Tochter, daß du
mit seinen Mägden hinausgehst, damit dir nicht jemand auf
einem andern Acker etwas zu Leide tue.
So hielt sie sich beim
Ährenlesen zu den Mägden des Boas, bis die Gerstenernte
und Weizenernte beendet war. Und dann blieb sie bei ihrer
Schwiegermutter.
Ruth befolgt Naëmis Rat
Kapitel 3
Und Naëmi, ihre
Schwiegermutter, sprach zu ihr: Meine Tochter, ich will dir eine
Ruhestatt suchen, daß dir's wohlgehe.
Siehe Boas, unser Verwandter,
bei dessen Mägden du gewesen bist, worfelt diese Nacht
Gerste auf seiner Tenne.
So bade dich und salbe dich
und lege dein Kleid an und geh hinab auf die Tenne. Gib dich dem
Mann nicht zu erkennen, bis er gegessen und getrunken hat.
Wenn er sich dann schlafen
legt, so merke dir die Stelle, wo er sich hinlegt, und geh hin
und decke zu seinen Füßen auf und leg dich hin, so
wird er dir sagen, was du tun sollst.
Sie sprach zu ihr: Alles, was
du mir sagst, will ich tun.
Sie ging hinab zur Tenne und
tat alles, was ihre Schwiegermutter ihr geboten hatte.
Und als Boas gegessen
und getrunken hatte, ward sein Herz guter Dinge, und er ging hin
und legte sich hinter einen Kornhaufen. Und sie kam leise und
deckte zu seinen Füßen auf und legte sich hin.
Als es nun Mitternacht ward,
erschrak der Mann und beugte sich vor; und siehe, eine Frau lag
zu seinen Füßen.
Und er sprach: Wer bist du?
Sie antwortete: Ich bin Ruth, deine Magd. Breite den Zipfel
deines Gewandes über deine Magd, denn du bist der Löser.
Er aber sprach: Gesegnet seist
du vom HERRN, meine Tochter! Du hast deine Liebe jetzt noch
besser erzeigt als vorher, daß du nicht den jungen Männern
nachgegangen bist, weder den reichen noch den armen.
Nun, meine Tochter, fürchte
dich nicht. Alles, was du sagst, will ich dir tun; denn das ganze
Volk in meiner Stadt weiß, daß du ein tugendsames
Weib bist.
Ja, es ist wahr, daß ich
ein Löser bin; aber es ist noch ein Löser da, näher
verwandt als ich.
Bleib über Nacht hier.
Will er dich dann am Morgen lösen, gut, so mag er's tun; hat
er aber keine Lust, dich zu lösen, so will ich dich lösen,
so wahr der HERR lebt. Schlaf bis zum Morgen!
Und sie schlief bis zum Morgen
zu seinen Füßen. Und sie stand auf, ehe einer den
andern erkennen konnte. Und er dachte: Wenn nur niemand erfährt,
daß eine Frau auf die Tenne gekommen ist.
Und er sprach: Nimm das Tuch,
das du umhast, und halt es auf. Und sie hielt es hin. Und er maß
sechs Maß Gerste hinein und lud ihr's auf. Und er ging in
die Stadt.
Sie aber kam zu ihrer
Schwiegermutter. Die sprach: Wie steht's mit dir, meine Tochter?
Und sie sagte ihr alles, was ihr der Mann getan hatte,
und sprach: Diese sechs Maß
Gerste gab er mir; denn er sagte: Du sollst nicht mit leeren
Händen zu deiner Schwiegermutter kommen.
Sie aber sprach: Warte nun ab,
meine Tochter, bis du erfährst, wo es hinaus will; denn der
Mann wird nicht ruhen, er bringe es denn heute zu Ende.
Die Lösung
Kapitel 4
Boas ging hinauf ins Tor und
setzte sich daselbst. Und siehe, als der Löser vorüberging,
von dem er geredet hatte, sprach Boas: Komm, mein Lieber, und
setze dich hierher! Und er kam herüber und setzte sich dort
hin.
Und Boas nahm zehn Männer
von den Ältesten der Stadt und sprach: Setzt euch hierher!
Und sie setzten sich.
Da sprach er zu dem Löser:
Naëmi, die aus dem Lande der Moabiter zurückgekommen
ist, bietet feil den Anteil an dem Feld, der unserm Bruder
Elimelech gehörte.
Darum gedacht ich's vor deine
Ohren zu bringen und zu sagen: Willst du es lösen, so kaufe
es vor den Bürgern und vor den Ältesten meines Volks;
willst du es aber nicht lösen, so sage mir's, daß
ich's wisse; denn es ist kein anderer Löser da als du, und
ich nach dir. Er sprach: Ich will's lösen.
Boas sprach: An dem Tage, da
du von Naëmi das Feld kaufst, mußt du auch Ruth, die
Moabiterin, die Frau des Verstorbenen, nehmen, um den Namen des
Verstorbenen zu erhalten auf seinem Erbteil.
Da antwortete er: Ich vermag
es nicht zu lösen, sonst würde ich mein Erbteil
schädigen. Löse dir zugut, was ich hätte lösen
sollen; denn ich vermag es nicht zu lösen.
Es war aber von alters her ein
Brauch in Israel: Wenn einer eine Sache bekräftigen wollte,
die eine Lösung oder einen Tausch betraf, so zog er seinen
Schuh aus und gab ihn dem andern; das diente zur Bezeugung in
Israel.
Und der Löser sprach zu
Boas: Kaufe du es! und zog seinen Schuh aus.
Und Boas sprach zu den
Ältesten und zu allem Volk: Ihr seid heute Zeugen, daß
ich von Naëmi alles gekauft habe, was Elimelech, und alles,
was Kiljon und Machlon gehört hat.
Dazu habe ich mir auch Ruth,
die Moabiterin, die Frau Machlons, zum Weibe genommen, daß
ich den Namen des Verstorbenen erhalte auf seinem Erbteil und
sein Name nicht ausgerottet werde unter seinen Brüdern und
aus dem Tor seiner Stadt; dessen seid ihr heute Zeugen.
Und alles Volk, das im Tor
war, samt den Ältesten sprach: Wir sind Zeugen. Der HERR
mache die Frau, die in dein Haus kommt, wie Rahel und Lea, die
beide das Haus Israel gebaut haben; sei stark in Ephratha, und
dein Name werde gepriesen zu Bethlehem.
Und dein Haus werde wie das
Haus des Perez, den Thamar dem Juda gebar, durch die Nachkommen,
die dir der HERR geben wird von dieser jungen Frau.
Boas heiratet Ruth, die Stammutter Davids
So nahm Boas die Ruth, daß
sie seine Frau wurde. Und als er zu ihr einging, gab ihr der
HERR, daß sie schwanger ward, und sie gebar einen Sohn.
Da sprachen die Frauen zu
Naëmi: Gelobt sei der HERR, der dir zu dieser Zeit einen
Löser nicht versagt hat! Dessen Name werde gerühmt in
Israel!
Der wird dich erquicken und
dein Alter versorgen. Denn deine Schwiegertochter, die dich
geliebt hat, hat ihn geboren, die dir mehr wert ist als sieben
Söhne.
Und Naëmi nahm das Kind
und legte es auf ihren Schoß und ward seine Wärterin.
Und ihre Nachbarinnen gaben
ihm einen Namen und sprachen: Naëmi ist ein Sohn geboren;
und sie nannten ihn Obed. Der ist der Vater Isais, welcher Davids
Vater ist.
Dies ist das Geschlecht
des Perez: Perez zeugte Hezron;
Hezron zeugte Ram; Ram zeugte
Amminadab;
Amminadab zeugte Nachschon;
Nachschon zeugte Salma;
Salma zeugte Boas; Boas zeugte
Obed;
Obed zeugte Isai; Isai zeugte
David.
1.
Samuel 1-14
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