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DIE BIBEL
Heilige
Schrift
DER PROPHET
AMOS
Kapitel 1 - 9
Gottes unabwendbares Gericht über Israels Nachbarn und
über sein eigenes Volk
Kapitel 1
Dies ist's, was
Amos, der unter den Schafzüchtern von Thekoa war, gesehen
hat über Israel zur Zeit Usias, des Königs von Juda,
und Jerobeams, des Sohnes des Joas, des Königs von Israel,
zwei Jahre vor dem Erdbeben.
Und er sprach: Der HERR wird aus Zion brüllen und
seine Stimme aus Jerusalem hören lassen, daß die Auen
der Hirten vertrocknen werden und der Karmel oben verdorren wird.
So spricht der HERR: Um drei, ja um vier Frevel
willen derer von Damaskus will ich sie nicht schonen, weil
sie Gilead mit eisernen Dreschschlitten gedroschen haben;
sondern ich will ein Feuer
schicken in das Haus Hasaëls,
das soll die Paläste Benhadads verzehren.
Und ich will die Riegel von
Damaskus zerbrechen und die Einwohner aus Bikath-Awen und den,
der das Zepter hält, aus Beth-Eden ausrotten, und das Volk
von Aram soll nach Kir weggeführt werden, spricht der HERR.
So spricht der HERR: Um
drei, ja um vier Frevel willen derer von Gaza will ich sie
nicht schonen, weil sie die Gefangenen alle weggeführt und
an Edom ausgeliefert haben;
sondern ich will ein Feuer in
die Mauern von Gaza schicken, das soll seine Paläste
verzehren.
Und ich will die Einwohner aus
Asdod und den, der das Zepter hält, aus Askalon ausrotten
und meine Hand gegen Ekron wenden, und es soll umkommen, was von
den Philistern noch übrig ist, spricht Gott der HERR.
So spricht der HERR: Um
drei, ja um vier Frevel willen derer von Tyrus will ich
sie nicht schonen, weil sie die Gefangenen alle an Edom
ausgeliefert und nicht an den Bruderbund gedacht haben;
sondern ich will ein Feuer in
die Mauern von Tyrus schicken, das soll seine Paläste
verzehren.
So spricht der HERR: Um
drei, ja um vier Frevel willen derer von Edom will ich sie
nicht schonen, weil sie ihren Bruder mit dem Schwert verfolgt und
alles Erbarmen von sich getan haben und immerfort wüten in
ihrem Zorn und an ihrem Grimm ewig festhalten;
sondern ich will ein Feuer
schicken nach Teman, das soll die Paläste von Bozra
verzehren.
So spricht der HERR: Um
drei, ja um vier Frevel willen derer von Ammon will ich
sie nicht schonen, weil sie die Schwangeren in Gilead
aufgeschlitzt haben, um ihr Gebiet zu erweitern;
sondern ich will ein Feuer
anzünden in den Mauern Rabbas, das soll seine Paläste
verzehren, wenn man das Kriegsgeschrei erhebt am Tage der
Schlacht, wenn das Wetter kommt am Tage des Sturms.
Da wird dann ihr König
samt seinen Oberen gefangen weggeführt werden, spricht der
HERR.
Kapitel 2
So spricht der HERR: Um drei, ja um vier Frevel
willen derer von Moab will ich sie nicht schonen, weil sie
die Gebeine des Königs von Edom verbrannt haben zu Asche;
sondern ich will ein Feuer schicken nach Moab, das soll
die Paläste von Kerijoth verzehren, und Moab soll sterben im
Getümmel und Geschrei und Posaunenhall.
Und ich will den Herrscher unter ihnen ausrotten und alle
ihre Oberen samt ihm töten, spricht der HERR.
So spricht der HERR: Um drei, ja um vier Frevel
willen derer von Juda will ich sie nicht schonen, weil sie
des HERRN Gesetz verachten und seine Ordnungen nicht halten und
sich von ihren Lügengötzen verführen lassen, denen
ihre Väter nachgefolgt sind;
sondern ich will ein Feuer
nach Juda schicken, das soll die Paläste von Jerusalem
verzehren.
So spricht der HERR: Um
drei, ja um vier Frevel willen derer von Israel will ich
sie nicht schonen, weil sie die Unschuldigen für Geld und
die Armen für ein Paar Schuhe verkaufen.
Sie treten den Kopf der Armen
in den Staub und drängen die Elenden vom Wege. Sohn und
Vater gehen zu demselben Mädchen, um meinen heiligen Namen
zu entheiligen.
Und bei allen Altären
schlemmen sie auf den gepfändeten Kleidern und trinken Wein
vom Gelde der Bestraften im Hause ihres Gottes.
Und dabei habe ich den
Amoriter vor ihnen her vertilgt, der so hoch war wie die Zedern
und so stark wie die Eichen, und ich vertilgte oben seine Frucht
und unten seine Wurzel.
Auch habe ich euch aus
Ägyptenland geführt und vierzig Jahre in der Wüste
geleitet, damit ihr der Amoriter Land besäßet.
Und ich habe aus euren Söhnen
Propheten erweckt und Gottgeweihte aus euren Jünglingen.
Ist's nicht so, ihr Kinder Israel? spricht der HERR.
Aber ihr gebt den Gottgeweihten Wein zu trinken und
gebietet den Propheten und sprecht: Ihr sollt nicht weissagen!
Siehe, ich will's unter
euch schwanken machen, wie ein Wagen voll Garben schwankt,
so daß, wer schnell ist,
nicht entfliehen noch der Starke etwas vermögen soll, und
der Mächtige soll nicht sein Leben retten können.
Die Bogenschützen sollen
nicht standhalten, und wer schnell laufen kann, soll nicht
entrinnen, und wer da reitet, soll sein Leben nicht retten,
und wer unter den Starken der
mannhafteste ist, soll nackt entfliehen müssen an jenem
Tage, spricht der HERR.
Erwählung bewahrt nicht vor Gericht
Kapitel 3
Höret, was der HERR wider
euch redet, ihr Kinder Israel, wider alle Geschlechter, die ich
aus Ägyptenland geführt habe:
Aus allen Geschlechtern auf Erden habe ich allein euch
erkannt, darum will ich auch an euch heimsuchen all eure Sünde.
Wenn Gott redet, kann der Prophet nicht schweigen
Können etwa zwei
miteinander wandern, sie seien denn einig untereinander?
Brüllt etwa ein Löwe
im Walde, wenn er keinen Raub hat? Schreit etwa ein junger Löwe
aus seiner Höhle, er habe denn etwas gefangen?
Fällt etwa ein Vogel zur
Erde, wenn kein Fangnetz da ist? Oder springt eine Falle auf von
der Erde, sie habe denn etwas gefangen?
Bläst man etwa die
Posaune in einer Stadt und das Volk entsetzt sich nicht? Ist etwa
ein Unglück in der Stadt, das der HERR nicht tut?
- Gott der HERR tut nichts, er
offenbare denn seinen Ratschluß den Propheten, seinen
Knechten. -
Der Löwe brüllt, wer
sollte sich nicht fürchten? Gott der HERR redet, wer sollte
nicht Prophet werden?
Ankündigung des Gerichts über Samaria
Verkündigt in den
Palästen von Asdod und in den Palästen im Lande Ägypten
und sprecht: Sammelt euch auf den Bergen um Samaria und sehet,
welch ein großes Zetergeschrei und Unrecht darin ist!
Sie achten kein Recht, spricht
der HERR; sie sammeln Schätze von Frevel und Raub in ihren
Palästen.
Darum spricht Gott der HERR:
Man wird dies Land ringsumher bedrängen und dich von deiner
Macht herunterreißen und deine Häuser plündern.
So spricht der HERR:
Gleichwie ein Hirte dem Löwen zwei Beine oder ein
Ohrläppchen aus dem Maul reißt, so sollen die Kinder
Israel herausgerissen werden, die zu Samaria sitzen in der Ecke
des Ruhebettes und auf dem Lager von Damast.
Hört und bezeugt
es dem Hause Jakob, spricht Gott der HERR, der Gott Zebaoth:
Zur Zeit, da ich die Sünden
Israels heimsuchen werde, will ich die Altäre in Bethel
heimsuchen und die Hörner des Altars abbrechen, daß
sie zu Boden fallen sollen,
und will Winterhaus und
Sommerhaus zerschlagen, und die elfenbeingeschmückten Häuser
sollen zugrunde gehen und viele Häuser vernichtet werden,
spricht der HERR.
Gegen die schwelgerischen Frauen in Samaria
Kapitel 4
Höret dies
Wort, ihr fetten Kühe, die ihr auf dem Berge Samarias seid
und den Geringen Gewalt antut und schindet die Armen und sprecht
zu euren Herren: Bringt her, laßt uns saufen!
Gott der HERR hat geschworen bei seiner Heiligkeit: Siehe,
es kommt die Zeit über euch, daß man euch herausziehen
wird mit Angeln und was von euch übrigbleibt, mit
Fischhaken.
Und ihr werdet zu den Mauerlücken hinaus müssen,
eine jede vor sich hin, und zum Hermon weggeschleppt werden,
spricht der HERR.
Gottes Züchtigungen werden mißachtet
Ja, kommt her
nach Bethel und treibt Sünde, und nach Gilgal, um noch viel
mehr zu sündigen! Bringt eure Schlachtopfer am Morgen und
eure Zehnten am dritten Tage,
räuchert Sauerteig zum Dankopfer und ruft freiwillige
Opfer aus und verkündet sie; denn so habt ihr's gern, ihr
Kinder Israel, spricht Gott der HERR!
Ich habe euch in allen euren Städten müßige
Zähne gegeben und Mangel an Brot in allen euren Orten;
dennoch bekehrt ihr euch nicht zu mir, spricht der HERR.
Auch habe ich euch den Regen vorenthalten, als noch drei
Monate waren bis zur Ernte, und ich ließ regnen über
eine Stadt, und auf die andere Stadt ließ ich nicht regnen,
ein Acker wurde beregnet, und der andere Acker, der nicht
beregnet wurde, verdorrte.
Und es zogen zwei, drei Städte zu einer Stadt,
um Wasser zu trinken, und konnten nicht genug finden; dennoch
bekehrt ihr euch nicht zu mir, spricht der HERR.
Ich plagte euch mit dürrer
Zeit und mit Getreidebrand; auch fraßen die Raupen alles,
was in euren Gärten und Weinbergen, auf euren Feigenbäumen
und Ölbäumen wuchs; dennoch bekehrt ihr euch nicht zu
mir, spricht der HERR.
Ich schickte unter euch die
Pest wie in Ägypten; ich tötete eure junge Mannschaft
durchs Schwert und ließ eure Pferde gefangen wegführen,
ich ließ den Gestank eures Heerlagers in eure Nasen
steigen; dennoch bekehrt ihr euch nicht zu mir, spricht der HERR.
Ich richtete unter euch
Zerstörung an, wie Gott Sodom und Gomorra zerstörte,
daß ihr waret wie ein Brandscheit, das aus dem Feuer
gerissen wird; dennoch bekehrt ihr euch nicht zu mir, spricht der
HERR.
Darum will ich's weiter
so mit dir machen, Israel! Weil ich's denn weiter so mit dir
machen will, so bereite dich, Israel, und begegne deinem Gott!
Denn siehe, er ist's, der die
Berge macht und den Wind schafft; er zeigt dem Menschen, was er
im Sinne hat. Er macht die Morgenröte und die Finsternis, er
tritt einher auf den Höhen der Erde – er heißt
«HERR, Gott
Zebaoth».
Klagelied über Israel
Kapitel 5
Höret, ihr vom Hause
Israel, dies Wort; denn ich muß dies Klagelied über
euch anstimmen:
Die Jungfrau Israel ist
gefallen, daß sie nicht wieder aufstehen wird; sie ist zu
Boden gestoßen, und niemand ist da, der ihr aufhelfe.
Denn so spricht Gott der HERR: Die Stadt, aus der Tausend
zum Kampf ausziehen, soll nur Hundert übrig behalten, und
aus der Hundert ausziehen, die soll nur Zehn übrig behalten
im Hause Israel.
Gegen die Unterdrücker
Denn so spricht
der HERR zum Hause Israel: Suchet mich, so werdet ihr leben.
Suchet nicht Bethel und kommt
nicht nach Gilgal und geht nicht nach Beerseba; denn Gilgal wird
gefangen weggeführt werden, und Bethel wird zunichte werden.
Suchet den HERRN, so werdet
ihr leben, daß er nicht daherfahre über das Haus
Joseph wie ein verzehrendes Feuer, das niemand löschen kann
zu Bethel -
die ihr das Recht in Wermut
verkehrt und die Gerechtigkeit zu Boden stoßt.
Der das Siebengestirn
und den Orion macht, der aus der Finsternis den Morgen macht und
aus dem Tag die finstere Nacht, der das Wasser im Meer herbeiruft
und schüttet es auf den Erdboden – er heißt
«HERR» -,
der über den Starken
Verderben kommen läßt und bringt Verderben über
die feste Stadt.
Sie sind dem gram, der
sie im Tor zurechtweist, und verabscheuen den, der ihnen die
Wahrheit sagt.
Darum, weil ihr die
Armen unterdrückt und nehmt von ihnen hohe Abgaben an Korn,
so sollt ihr in den Häusern nicht wohnen, die ihr von
Quadersteinen gebaut habt, und den Wein nicht trinken, den ihr in
den feinen Weinbergen gepflanzt habt.
Denn ich kenne eure
Freveltaten, die so viel sind, und eure Sünden, die so groß
sind, wie ihr die Gerechten bedrängt und Bestechungsgeld
nehmt und die Armen im Tor unterdrückt.
Darum muß der Kluge zu
dieser Zeit schweigen; denn es ist eine böse Zeit.
Suchet das Gute und
nicht das Böse, auf daß ihr leben könnt, so wird
der HERR, der Gott Zebaoth, bei euch sein, wie ihr rühmt.
Hasset das Böse und
liebet das Gute, richtet das Recht auf im Tor, vielleicht wird
der HERR, der Gott Zebaoth, doch gnädig sein denen, die von
Joseph übrigbleiben.
Darum spricht der HERR,
der Gott Zebaoth, der Herr: Es wird in allen Gassen Wehklagen
sein, und auf allen Straßen wird man sagen: «Wehe,
wehe!» Und man wird den Ackermann zum Trauern rufen und zum
Wehklagen, wer die Totenklage erheben kann.
In allen Weinbergen wird
Wehklagen sein; denn ich will unter euch fahren, spricht der
HERR.
Der Tag des Herrn ist ein Tag des Gerichts
Weh denen, die des HERRN Tag
herbeiwünschen! Was soll er euch? Denn des HERRN Tag ist
Finsternis und nicht Licht,
gleichwie wenn jemand vor dem
Löwen flieht und ein Bär begegnet ihm und er kommt in
ein Haus und lehnt sich mit der Hand an die Wand, so sticht ihn
eine Schlange!
Ja, des HERRN Tag wird finster
und nicht licht sein, dunkel und nicht hell.
Der äußerliche Gottesdienst tut's nicht
Ich bin euren Feiertagen gram
und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen.
Und wenn ihr mir auch
Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich keinen Gefallen
daran und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen.
Tu weg von mir das Geplärr
deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören!
Es ströme aber das Recht
wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.
Habt ihr vom Hause
Israel mir in der Wüste die vierzig Jahre lang Schlachtopfer
und Speisopfer geopfert?
Ihr truget den Sikkuth,
euren König, und Kiun,
den Stern eures Gottes, eure Bilder, welche ihr euch selbst
gemacht habt;
so will ich euch wegführen
lassen bis jenseits von Damaskus, spricht der HERR, der Gott
Zebaoth heißt.
Gegen Selbstsicherheit und Schwelgerei der Vornehmen in
Israel
Kapitel 6
Weh den Sorglosen
zu Zion und weh denen, die voll Zuversicht sind auf dem Berge
Samarias, den Vornehmen des Erstlings unter den Völkern, zu
denen das Haus Israel kommt!
Gehet hin nach
Kalne und schauet und von da nach Hamath, der großen Stadt,
und ziehet hinab nach Gath der Philister! Seid ihr besser als
diese Königreiche, ist euer Gebiet größer als das
ihre,
1.
Mose 10,10.
die ihr meint, vom
bösen Tag weit ab zu sein, und trachtet immer nach
Frevelregiment,
die ihr schlaft auf
elfenbeingeschmückten Lagern und euch streckt auf euren
Ruhebetten? Ihr eßt die Lämmer aus der Herde und die
gemästeten Kälber
und spielt auf der
Harfe und erdichtet euch Lieder wie David
und trinkt Wein aus
Schalen und salbt euch mit dem besten Öl, aber bekümmert
euch nicht um den Schaden Josephs.
Darum sollen
sie nun voran gehen unter denen, die gefangen weggeführt
werden, und soll das Schlemmen der Übermütigen
aufhören.
Denn Gott der HERR
hat geschworen bei sich: Mich verdrießt die Hoffart Jakobs,
spricht der HERR, der Gott Zebaoth, und ich hasse seine Paläste.
Darum will ich die Stadt übergeben mit allem, was darin ist.
Und wenn auch zehn
Männer in einem Hause übrigbleiben, sollen sie doch
sterben.
Und nimmt dann
einen sein Verwandter, der ihn bestatten und seine Gebeine aus
dem Hause tragen will, so sagt er zu dem, der drin im Hause ist:
Sind ihrer noch mehr da? Und er wird antworten: Sie sind alle
dahin! Und er wird sagen: Still! Denn man darf des HERRN Namen
nicht nennen.
Denn siehe, der
HERR hat geboten, daß man die großen Häuser in
Trümmer schlagen soll und die kleinen Häuser in Stücke.
Wer kann auf
Felsen mit Rossen rennen oder mit Rindern pflügen? Denn ihr
wandelt das Recht in Gift und die Frucht der Gerechtigkeit in
Wermut,
die ihr euch freut
über Lo-Dabar und sprecht: Haben wir nicht durch unsere
Kraft Karnajim genommen?
Darum siehe, ich
will gegen euch, ihr vom Hause Israel, ein Volk aufstehen lassen,
spricht der HERR, der Gott Zebaoth, das soll euch bedrängen
von da an, wo man nach Hamath geht, bis an den Bach in der Wüste.
Die drei ersten Visionen:
Heuschrecken, Feuer, Bleilot
Kapitel 7
Gott
der HERR ließ mich schauen, und siehe, da war einer, der
machte Heuschrecken zur Zeit, als das Grummet
aufging; und siehe, das Grummet
war gewachsen, nachdem der König hatte mähen lassen.
Als sie nun alles
Gras im Lande abfressen wollten, sprach ich: Ach Herr HERR, sei
gnädig! Wer soll Jakob wieder aufhelfen? Er ist ja so
schwach.
Da reute es den
HERRN, und er sprach: Wohlan, es soll nicht geschehen.
Gott der
HERR ließ mich schauen, und siehe, Gott der HERR rief das
Feuer, um damit zu strafen. Das verzehrte die große Tiefe
und fraß das Ackerland.
Da sprach ich: Ach
Herr HERR, laß ab! Wer soll Jakob wieder aufhelfen? Er ist
ja so schwach.
Da reute den HERRN
das auch, und Gott der HERR sprach: Es soll auch nicht geschehen.
Er ließ
mich abermals schauen, und siehe, der Herr stand auf der Mauer,
die mit einem Bleilot gerichtet war, und er hatte ein Bleilot in
seiner Hand.
Und der HERR sprach
zu mir: Was siehst du, Amos? Ich sprach: Ein Bleilot. Da sprach
der Herr zu mir: Siehe, ich will das Bleilot legen an mein Volk
Israel und ihm nichts mehr übersehen,
Jesaja
34,11.
sondern die Höhen
Isaaks sollen verwüstet und die Heiligtümer Israels
zerstört werden, und ich will mich mit dem Schwert über
das Haus Jerobeam hermachen.
Amos wird aus Bethel ausgewiesen
Da sandte Amazja,
der Priester in Bethel, zu Jerobeam, dem König von Israel,
und ließ ihm sagen: Der Amos macht einen Aufruhr gegen dich
im Hause Israel; das Land kann seine Worte nicht ertragen.
Denn so spricht
Amos: Jerobeam wird durchs Schwert sterben, und Israel wird aus
seinem Lande gefangen weggeführt werden.
Und Amazja sprach
zu Amos: Du Seher, geh weg und flieh ins Land Juda und iß
dort dein Brot und weissage daselbst.
Aber weissage nicht
mehr in Bethel; denn es ist des Königs Heiligtum und der
Tempel des Königreichs.
Amos antwortete und
sprach zu Amazja: Ich bin kein Prophet noch ein Prophetenjünger,
sondern ich bin ein Hirt, der Maulbeeren züchtet.
Aber der HERR nahm
mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem
Volk Israel!
So höre nun
des HERRN Wort! Du sprichst: Weissage nicht wider Israel und
eifere nicht wider das Haus Isaak!
Darum spricht der
HERR: Deine Frau wird in der Stadt zur Hure werden, und deine
Söhne und Töchter sollen durchs Schwert fallen, und
dein Acker soll mit der Meßschnur ausgeteilt werden. Du
aber sollst in einem unreinen Lande sterben, und Israel soll aus
seinem Lande vertrieben werden.
Die vierte Vision:
Ein Korb mit reifem Obst
Kapitel 8
Gott der HERR ließ
mich schauen, und siehe, da stand ein Korb mit reifem Obst.
Und er sprach: Was
siehst du, Amos? Ich aber antwortete: Einen Korb mit reifem Obst.
Da sprach der HERR zu mir: Reif zum Ende ist mein Volk Israel;
ich will ihm nichts mehr übersehen.
Und die Lieder im
Tempel sollen in Heulen verkehrt werden zur selben Zeit, spricht
Gott der HERR. Es werden an allen Orten viele Leichname liegen,
die man heimlich hinwirft.
Gegen den Wucher der Reichen
Höret dies,
die ihr die Armen unterdrückt und die Elenden im Lande
zugrunde richtet
und sprecht: Wann
will denn der Neumond ein Ende haben, daß wir Getreide
verkaufen, und der Sabbat, daß wir Korn feilhalten können
und das Maß verringern und den Preis steigern und die Waage
fälschen,
damit wir die Armen
um Geld und die Geringen um ein Paar Schuhe in unsere Gewalt
bringen und Spreu für Korn verkaufen?
Der HERR hat
bei sich, dem Ruhm Jakobs, geschworen: Niemals werde ich diese
ihre Taten vergessen!
Sollte nicht um
solcher Taten willen das Land erbeben müssen und alle
Bewohner trauern? Ja, es soll sich heben wie die Wasser des Nils
und sich senken wie der Strom Ägyptens.
Zur selben
Zeit, spricht Gott der HERR, will ich die Sonne am Mittag
untergehen und das Land am hellen Tage finster werden lassen.
Ich will eure
Feiertage in Trauer und alle eure Lieder in Wehklagen verwandeln.
Ich will über alle Lenden den Sack bringen und alle Köpfe
kahl machen und will ein Trauern schaffen, wie man trauert über
den einzigen Sohn, und sie sollen ein bitteres Ende nehmen.
Einst wird man vergeblich nach Gottes Wort
verlangen
Siehe, es kommt die Zeit, spricht Gott der
HERR, daß ich einen Hunger ins Land schicken werde, nicht
einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem
Wort des HERRN, es zu hören;
daß sie hin und her von einem Meer zum
andern, von Norden nach Osten laufen und des HERRN Wort suchen
und doch nicht finden werden.
Zu der Zeit werden
die schönen Jungfrauen und die Jünglinge verschmachten
vor Durst,
die jetzt schwören
bei dem Abgott Samarias und sprechen: «So wahr dein Gott
lebt, Dan!» und: «So wahr dein Gott lebt, Beerseba!»
Sie sollen so fallen, daß sie nicht wieder aufstehen
können.
Die letzte Vision: Gott über dem Altar;
dem Gericht kann niemand entrinnen
Kapitel 9
Ich sah den Herrn
über dem Altar stehen, und er sprach: Schlage an den Knauf,
daß die Pfosten beben und die Trümmer ihnen allen auf
den Kopf fallen; und was noch übrig bleibt von ihnen, will
ich mit dem Schwert töten, daß keiner von ihnen
entfliehen noch irgendeiner entkommen soll!
Und wenn sie sich
auch unten bei den Toten vergrüben, soll sie doch meine Hand
von dort holen, und wenn sie zum Himmel hinaufstiegen, will ich
sie doch herunterstoßen.
Und wenn sie sich
auch versteckten oben auf dem Berge Karmel, will ich sie doch
suchen und von dort herabholen; und wenn sie sich vor meinen
Augen verbärgen im Grunde des Meeres, so will ich doch der
Schlange befehlen, sie dort zu beißen.
Und wenn sie vor
ihren Feinden gefangen einhergingen, so will ich doch dem Schwert
befehlen, sie dort zu töten. Denn ich will meine Augen auf
sie richten zum Bösen und nicht zum Guten.
Denn Gott,
der HERR Zebaoth, ist es, der die Erde anrührt, daß
sie bebt und alle ihre Bewohner trauern müssen, und daß
sie sich hebt wie die Wasser des Nils und sich senkt wie der
Strom Ägyptens;
er ist es, der
seinen Saal in den Himmel baut und seinen Palast über der
Erde gründet, der das Wasser im Meer herbeiruft und schüttet
es auf das Erdreich. Er heißt HERR!
Seid ihr
Kinder Israel mir nicht gleichwie die Mohren? spricht der HERR.
Habe ich nicht Israel aus Ägyptenland geführt und die
Philister aus Kaphtor und die Aramäer aus Kir?
Siehe, die Augen
Gottes des HERRN sehen auf das sündige Königreich, daß
ich's vom Erdboden vertilge, wiewohl ich das Haus Jakob nicht
ganz vertilgen will, spricht der HERR.
Denn siehe, ich
will befehlen und das Haus Israel unter allen Heiden schütteln
lassen, gleichwie man mit einem Sieb schüttelt und kein
Stein zur Erde fällt.
Alle Sünder in
meinem Volk sollen durchs Schwert sterben, die da sagen: Es wird
das Unglück nicht so nahe sein noch uns begegnen.
Das künftige Heil des Gottesvolkes
Zur selben Zeit will ich die zerfallene
Hütte Davids wieder aufrichten und ihre Risse vermauern und,
was abgebrochen ist, wieder aufrichten und will sie bauen, wie
sie vorzeiten gewesen ist,
damit sie in Besitz
nehmen, was übrig ist von Edom, und alle Heiden, über
die mein Name genannt ist, spricht der HERR, der solches tut.
Siehe, es
kommt die Zeit, spricht der HERR, daß man zugleich ackern
und ernten, zugleich keltern und säen wird. Und die Berge
werden von süßem Wein triefen, und alle Hügel
werden fruchtbar sein.
Denn ich will die
Gefangenschaft meines Volks Israel wenden, daß sie die
verwüsteten Städte wieder aufbauen und bewohnen sollen,
daß sie Weinberge pflanzen und Wein davon trinken, Gärten
anlegen und Früchte daraus essen.
Denn ich will sie
in ihr Land pflanzen, daß sie nicht mehr aus ihrem Land
ausgerottet werden, das ich ihnen gegeben habe, spricht der HERR,
dein Gott.
DER
PROPHET OBADJA
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