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DIE BIBEL
Heilige
Schrift
DER PROPHET
HOSEA
Kapitel 1 -
14
Hoseas Ehe – das Zeichen für die Untreue Israels
Kapitel 1
Dies ist das Wort
des HERRN, das geschehen ist zu Hosea, dem Sohn Beeris, zur Zeit
des Usia, Jotham, Ahas und Hiskia, der Könige von Juda, und
zur Zeit Jerobeams, des Sohnes des Joas, des Königs von
Israel.
Als der HERR anfing zu reden durch Hosea, sprach er
zu ihm: Geh hin und nimm ein Hurenweib und Hurenkinder; denn das
Land läuft vom HERRN weg der Hurerei nach.
Und er ging hin und nahm Gomer, die Tochter
Diblajims, zur Frau; die ward schwanger und gebar ihm einen Sohn.
Und der HERR sprach zu ihm: Nenne ihn Jesreel;
denn es ist nur noch eine kurze Zeit, dann will ich die
Blutschuld von Jesreel heimsuchen am Hause Jehu und will mit dem
Königreich des Hauses Israel ein Ende machen.
Zur selben Zeit will ich den Bogen Israels zerbrechen in
der Ebene Jesreel.
Und sie ward abermals schwanger und gebar eine
Tochter. Und er sprach zu ihm: Nenne sie Lo-Ruhama;
denn ich will mich nicht mehr über das Haus Israel erbarmen,
sondern ich will sie wegwerfen.
Doch will ich mich erbarmen über das Haus Juda und
will ihnen helfen durch den HERRN, ihren Gott; ich will ihnen
aber nicht helfen durch Bogen, Schwert, Rüstung, Roß
und Wagen.
Und als sie Lo-Ruhama entwöhnt hatte, ward sie
wieder schwanger und gebar einen Sohn.
Und er sprach: Nenne ihn Lo-Ammi;
denn ihr seid nicht mein Volk, so will ich auch nicht der Eure
sein.
Gottes Treue überwindet Israels Untreue
Kapitel 2
° Es wird
aber die Zahl der Kinder Israel sein wie der Sand am Meer, den
man weder messen noch zählen kann. Und es soll geschehen,
anstatt daß man zu ihnen sagt: «Ihr
seid nicht mein Volk», wird man zu ihnen sagen: «O
ihr Kinder des lebendigen Gottes!»
Denn es werden die Kinder Juda und die Kinder Israel
zusammenkommen und werden sich ein gemeinsames Haupt erwählen
und aus dem Lande heraufziehen; denn der Tag Jesreels wird ein
großer Tag sein.
Sagt euren Brüdern, sie seien mein Volk, und zu euren
Schwestern, sie seien in Gnaden.
Fordert von eurer Mutter – sie ist ja nicht
meine Frau, und ich bin nicht ihr Mann! -, daß sie die
Zeichen ihrer Hurerei von ihrem Angesichte wegtue und die Zeichen
ihrer Ehebrecherei zwischen ihren Brüsten,
damit ich sie nicht nackt ausziehe und hinstelle, wie sie
war, als sie geboren wurde, und ich sie nicht mache wie eine
Wüste und wie ein dürres Land und sie nicht vor Durst
sterben lasse!
Und ich will mich ihrer Kinder nicht erbarmen, denn sie
sind Hurenkinder.
Ihre Mutter ist eine Hure, und die sie getragen hat,
treibt es schändlich und spricht: Ich will meinen Liebhabern
nachlaufen, die mir mein Brot und Wasser geben, Wolle und Flachs,
Öl und Trank.
Darum siehe, ich will ihr den Weg mit Dornen versperren
und eine Mauer ziehen, daß sie ihren Pfad nicht finden
soll.
Und wenn sie ihren Liebhabern nachläuft und sie nicht
einholen kann, und wenn sie nach ihnen sucht und sie nicht finden
kann, so wird sie sagen: Ich will wieder zu meinem früheren
Mann gehen; denn damals ging es mir besser als jetzt.
Aber sie will nicht erkennen, daß ich es bin, der
ihr Korn, Wein und Öl gegeben hat und viel Silber und Gold,
das sie dem Baal zu Ehren gebraucht haben.
Darum will ich mein Korn und meinen Wein mir wieder
nehmen zu seiner Zeit und meine Wolle und meinen Flachs ihr
entreißen, womit sie ihre Blöße bedeckt.
Dann will ich ihre Scham aufdecken vor den Augen ihrer
Liebhaber, und niemand soll sie aus meiner Hand erretten.
Und ich will ein Ende machen mit allen ihren Freuden,
Festen, Neumonden, Sabbaten und allen ihren Feiertagen.
Ich will ihre Weinstöcke und Feigenbäume
verwildern lassen, weil sie sagt: «Das ist mein Lohn, den
mir meine Liebhaber gegeben haben.» Ich will eine Wildnis
aus ihnen machen, daß die Tiere des Feldes sie fressen
sollen.
So will ich heimsuchen an ihr die Tage der Baale, an denen
sie Räucheropfer darbringt und sich mit Stirnreifen und
Halsbändern schmückt und ihren Liebhabern nachläuft,
mich aber vergißt, spricht der HERR.
Darum siehe, ich will sie locken und will sie in
die Wüste führen und freundlich mit ihr reden.
Dann will ich ihr von dorther ihre Weinberge geben und das
Tal Achor zum Tor der Hoffnung machen. Und dorthin wird sie
willig folgen wie zur Zeit ihrer Jugend, als sie aus Ägyptenland
zog.
Alsdann, spricht der HERR, wirst du mich nennen «Mein
Mann» und nicht mehr «Mein Baal».
Denn ich will die Namen der Baale von ihrem Munde wegtun,
daß man ihrer Namen nicht mehr gedenken soll.
Und ich will zur selben Zeit für sie einen
Bund schließen mit den Tieren auf dem Felde, mit den Vögeln
unter dem Himmel und mit dem Gewürm des Erdbodens und will
Bogen, Schwert und Rüstung im Lande zerbrechen und will sie
sicher wohnen lassen.
Ich will mich mit dir verloben für alle Ewigkeit,
ich will mich mit dir verloben in Gerechtigkeit und Recht, in
Gnade und Barmherzigkeit.
Ja, in Treue will ich mich mit dir verloben, und du
wirst den HERRN erkennen.
Zur selben Zeit will ich
erhören, spricht der HERR, ich will den Himmel erhören,
und der Himmel soll die Erde erhören,
und die Erde soll Korn, Wein und Öl erhören, und
diese sollen Jesreel
erhören.
Und ich will ihn mir in das
Land einsäen und mich erbarmen über Lo-Ruhama, und ich
will sagen zu Lo-Ammi: «Du bist mein Volk», und er
wird sagen: «Du bist mein Gott.»
Gottes Langmut wird sein Volk zurückgewinnen
Kapitel 3
Und der HERR
sprach zu mir: Geh noch einmal hin und wirb um eine buhlerische
und ehebrecherische Frau, wie denn der HERR um die Kinder Israel
wirbt, obgleich sie sich zu fremden Göttern kehren und
Traubenkuchen lieben.
Und ich kaufte sie mir für fünfzehn Silberstücke
und fünfzehn Scheffel Gerste
und sprach zu ihr: Lange Zeit sollst du bleiben, ohne zu
huren und ohne einem Mann anzugehören, und auch ich will
nicht zu dir eingehen.
Denn lange Zeit werden die Kinder Israel ohne König
und ohne Obere bleiben, ohne Opfer, ohne Steinmal, ohne Ephod und
ohne Hausgott.
Danach werden sich die Kinder Israel bekehren und den
HERRN, ihren Gott, und ihren König David suchen und werden
mit Zittern zu dem HERRN und seiner Gnade kommen in der letzten
Zeit.
Strafrede gegen die Priester und gegen den Götzendienst
Israels
Kapitel 4
Höret, ihr
Kinder Israel, des HERRN Wort! Denn der HERR hat Ursache, zu
schelten die im Lande wohnen; denn es ist keine Treue, keine
Liebe und keine Erkenntnis Gottes im Lande,
sondern Verfluchen, Lügen, Morden, Stehlen und
Ehebrechen haben überhandgenommen, und eine Blutschuld kommt
nach der andern.
Darum wird das Land dürre stehen, und alle seine
Bewohner werden dahinwelken; auch die Tiere auf dem Felde und die
Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer werden
weggerafft.
Doch soll man niemand schelten noch zurechtweisen,
sondern allein dich, Priester, habe ich zu schelten.
Darum sollst du bei Tage fallen, und der Prophet soll des
Nachts neben dir fallen; auch deine Mutter will ich dahingeben.
Mein Volk ist
dahin, weil es ohne Erkenntnis ist. Denn du hast die Erkenntnis
verworfen; darum will ich dich auch verwerfen, daß du nicht
mehr mein Priester sein sollst. Du vergißt das Gesetz
deines Gottes; darum will auch ich deine Kinder vergessen.
Je mehr ihrer werden, desto mehr sündigen sie gegen
mich; darum will ich ihre Ehre zuschanden machen.
Sie nähren sich von den Sündopfern meines Volks
und sind begierig nach seiner Schuld.
Darum soll es dem Priester gehen wie dem Volk; denn ich
will sein Tun heimsuchen und ihm vergelten, wie er's verdient:
Sie werden essen und nicht satt werden, Hurerei treiben
und sich nicht mehren, weil sie den HERRN verlassen haben und ihn
nicht achten.
Hurerei, Wein und Trunk machen toll.
Mein Volk befragt sein Holz, und sein Stab soll ihm
antworten; denn der Geist der Hurerei verführt sie, daß
sie mit ihrer Hurerei ihrem Gott weglaufen.
Oben auf den Bergen opfern sie, und auf den Hügeln
räuchern sie unter den Eichen, Linden und Buchen; denn ihr
Schatten erquickt. Darum werden eure Töchter auch zu Huren
und eure Bräute zu Ehebrecherinnen.
Ich will's auch nicht wehren, wenn eure Töchter zu
Huren und eure Bräute zu Ehebrecherinnen werden, weil ihr
selbst abseits geht mit den Huren und mit den Tempeldirnen opfert
und so das törichte Volk zu Fall kommt.
Willst du, Israel, schon huren, so soll Juda sich
nicht auch verschulden! Geht nicht hin nach Gilgal und kommt
nicht hinauf nach Beth-Awen und schwört nicht: So wahr der
HERR lebt!
Denn Israel läuft dahin wie eine tolle Kuh; soll da
der HERR sie weiden lassen wie ein Lamm auf freiem Feld?
Ephraim hat sich zu den Götzen gesellt; so laß
es hinfahren.
Sie haben sich der Schwelgerei und Hurerei ergeben; ihre
Schamlosen haben Lust an der Schande.
Der Wind mit seinen Flügeln wird sie fassen, und über
ihrem Opfer sollen sie zuschanden werden.
Drohung gegen die Führer Israels
Kapitel 5
So höret nun
dies, ihr Priester, und merke auf, du Haus Israel, und nimm zu
Ohren, du Haus des Königs! Denn euch ist das Recht
anvertraut! Ihr aber seid eine Schlinge für Mizpa geworden
und ein ausgespanntes Netz auf dem Tabor
und eine tiefe Grube zu Schittim; darum muß ich sie
allesamt strafen.
Ich kenne Ephraim gut, und Israel ist vor mir nicht
verborgen: Ephraim ist nun eine Hure und Israel unrein.
Ihre bösen Taten lassen es nicht zu, daß sie
umkehren zu ihrem Gott; denn sie haben einen Geist der Hurerei in
ihrem Herzen, und den HERRN kennen sie nicht.
Wider Israel zeugt seine Hoffart; darum sollen Israel und
Ephraim fallen um ihrer Schuld willen; auch Juda soll mit ihnen
fallen.
Alsdann werden sie kommen mit ihren Schafen und Rindern,
den HERRN zu suchen, aber ihn nicht finden; denn er hat sich von
ihnen gewandt.
Sie sind dem HERRN untreu und zeugen fremde Kinder; darum
wird sie auch der Neumond fressen samt ihrem Erbteil.
Der Bruderkrieg zwischen Ephraim und Juda und Israels
flüchtige Buße
Blast die Posaune zu Gibea, ja, trompetet zu Rama, ja,
ruft laut zu Beth-Awen: Man ist hinter dir her, Benjamin!
Denn Ephraim soll zur Wüste werden zur Zeit, wenn ich
sie strafen werde. Davor habe ich die Stämme Israels
treulich gewarnt.
Die Oberen von Juda sind denen gleich, die die Grenze
verrücken; darum will ich meinen Zorn über sie
ausschütten wie Wasser.
Ephraim leidet Gewalt, zertreten ist das Recht; denn es
gefiel ihm, dem Nichtigen nachzulaufen.
Ich bin für Ephraim wie eine Motte und für das
Haus Juda wie eine Made.
Als aber Ephraim
seine Krankheit und Juda seine Wunde fühlte, zog Ephraim hin
nach Assur und schickte zum König Jareb. Aber der kann euch
nicht helfen noch eure Wunde heilen.
Denn ich bin für Ephraim wie ein Löwe und für
das Haus Juda wie ein junger Löwe. Ich, ich zerreiße
sie und gehe davon; ich schleppe sie weg, und niemand kann sie
retten.
Ich will wieder an meinen Ort gehen, bis sie ihre
Schuld erkennen und mein Angesicht suchen; wenn's ihnen übel
ergeht, so werden sie mich suchen:
Kapitel 6
«Kommt, wir wollen wieder zum HERRN; denn er
hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen; er hat uns
geschlagen, er wird uns auch verbinden.
Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am
dritten Tage aufrichten, daß wir vor ihm leben werden.
Laßt uns darauf achthaben und danach trachten, den
HERRN zu erkennen; denn er wird hervorbrechen wie die schöne
Morgenröte und wird zu uns kommen wie ein Regen, wie ein
Spätregen, der das Land feuchtet.»
Was soll ich dir tun, Ephraim? Was soll ich dir
tun, Juda? Denn eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie
der Tau, der frühmorgens vergeht.
Darum schlage ich drein durch die Propheten und töte
sie durch die Worte meines Mundes, daß mein Recht wie das
Licht hervorkomme.
Denn ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer, an
der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer.
Gegen Israels Könige und ihre Bündnisse
Sie haben den Bund übertreten bei Adam;
dort wurden sie mir untreu.
Gilead ist eine Stadt voller
Übeltäter, befleckt von Blutschuld.
Und die Rotten der Priester
sind wie die Räuber, die da lauern auf die Leute; sie morden
auf dem Wege, der nach Sichem geht, ja, Schandtaten vollbringen
sie.
Ich sehe im Hause Israel,
wovor mir graut; denn da treibt Ephraim Hurerei und Israel macht
sich unrein.
Auch Juda wird noch eine Ernte
vor sich haben.
Kapitel 7
Wenn ich meines Volkes
Geschick wenden und Israel heilen will, so zeigt sich erst die
Sünde Ephraims und die Bosheit Samarias, wie sie Lug und
Trug treiben und die Diebe einsteigen und die Räuber auf der
Straße plündern.
Dennoch wollen sie nicht
einsehen, daß ich alle ihre Bosheit merke. Ich sehe aber
ihr böses Tun wohl, das sie allenthalben treiben.
Sie erfreuen den König
mit ihrer Bosheit und Obere mit ihren Lügen;
sie sind allesamt Ehebrecher,
glühend wie ein Backofen, den der Bäcker heizt, wenn er
den Teig ausgeknetet hat und ihn durchsäuern und aufgehen
läßt.
«Heute ist unseres
Königs Fest!» Da werden die Oberen toll vom Wein, und
er zieht die Spötter zu sich.
Denn ihr Herz ist in heißer
Glut wie ein Backofen, wenn sie Böses ersinnen. Ihr Grimm
schläft die ganze Nacht, aber am Morgen brennt er
lichterloh.
Allesamt sind sie erhitzt wie
ein Backofen, so daß sie ihre Richter fressen; ja, alle
ihre Könige fallen, und es ist keiner unter ihnen, der mich
anruft.
Ephraim mengt sich
unter die Völker; Ephraim ist wie ein Kuchen, den niemand
umwendet.
Fremde fressen seine Kraft,
doch er will es nicht merken; seine Haare sind schon grau
geworden, doch er will es nicht merken.
Wider Israel zeugt seine
Hoffart, dennoch bekehren sie sich nicht zum HERRN, ihrem Gott,
fragen auch trotz alledem nicht nach ihm.
Denn Ephraim ist wie eine
törichte Taube, die sich leicht locken läßt.
Jetzt rufen sie Ägypten an, dann laufen sie nach Assur.
Aber indem sie hin- und
herlaufen, will ich mein Netz über sie werfen und sie
herunterholen wie Vögel unter dem Himmel; ich will sie
strafen, wie es ihrer Gemeinde verkündet ist.
Weh ihnen, daß sie von
mir weichen! Sie sollen vertilgt werden; denn sie sind abtrünnig
geworden von mir. Ich wollte sie wohl erlösen; aber sie
reden Lügen wider mich.
Auch rufen sie mich nicht von
Herzen an, sondern machen ein Geheul auf ihren Lagern. Sie ritzen
sich wund um Korn und Wein, aber mir sind sie ungehorsam.
Ich lehre sie Zucht und stärke
ihren Arm; aber sie sinnen Böses gegen mich.
Sie bekehren sich, aber nicht
recht, sondern sind wie ein schlaffer Bogen. Darum werden ihre
Oberen durchs Schwert fallen wegen der Frechheit ihrer Zungen.
Das soll ihnen in Ägyptenland zum Spott werden.
Israels falscher Gottesdienst
Kapitel 8
Stoße laut in die
Posaune! Es kommt über das Haus des HERRN wie ein Adler,
weil sie meinen Bund übertreten und sich gegen meine Gebote
auflehnen.
Wohl schreien sie zu mir: «Du
bist mein Gott; wir, Israel, kennen dich.»
Doch Israel verwirft das Gute;
darum soll der Feind sie verfolgen.
Sie machen Könige, aber
ohne mich; sie setzen Obere ein, und ich darf es nicht wissen.
Aus ihrem Silber und Gold machen sie Götzen, damit sie ja
bald ausgerottet werden!
Dein Kalb,
Samaria, verwerfe ich. Mein Zorn ist gegen sie entbrannt. Wie
lange soll das noch andauern? Sie können doch nicht
ungestraft bleiben, die Kinder Israel.
Ein Goldschmied hat das Kalb gemacht, und es kann doch
kein Gott sein; darum soll das Kalb Samarias zerpulvert werden.
Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten. Ihre Saat
soll nicht aufgehen; was dennoch aufwächst, bringt kein
Mehl; und wenn es etwas bringen würde, sollen Fremde es
verschlingen.
Verschlungen wird Israel; die Heiden gehen mit ihnen um
wie mit einem Gefäß, das niemand haben will;
denn sie laufen nach Assur, einsam wie ein Wildesel, und
Ephraim buhlt mit Geschenken.
Auch wenn sie unter den Heiden austeilen, will ich sie
doch jetzt einsammeln; sie sollen's bald müde werden, Könige
und Obere zu salben.
Ephraim hat sich viele Altäre gemacht; aber
sie sind ihm zur Sünde geworden.
Wenn ich ihm auch noch so viele meiner Gebote aufschreibe,
so werden sie doch geachtet wie eine fremde Lehre.
Wenn sie auch viel opfern und Fleisch herbringen und
essen's, so hat doch der HERR kein Gefallen daran, sondern er
will ihrer Schuld gedenken und ihre Sünden heimsuchen. Sie
sollen wieder zurück nach Ägypten!
Israel vergißt seinen Schöpfer und baut
Paläste, und Juda macht viele feste Städte; aber ich
will Feuer in seine Städte senden, das soll seine Paläste
verzehren.
Die Freude ist dahin, die Vergeltung ist da
Kapitel 9
Du darfst dich
nicht freuen, Israel, noch rühmen wie die Völker; denn
du läufst mit deiner Hurerei deinem Gott weg; gern nimmst du
Hurenlohn auf allen Tennen.
Darum sollen Tenne und Kelter sie nicht nähren, und
der Wein soll ihnen fehlen.
Sie sollen nicht bleiben im Lande des HERRN; sondern
Ephraim muß wieder nach Ägypten und muß in
Assyrien Unreines essen.
Dort werden sie dem HERRN kein Trankopfer vom Wein
bringen, und ihre Schlachtopfer werden ihm nicht wohlgefällig
sein. Ihr Brot soll sein wie das Brot der Trauernden, an dem
unrein werden alle, die davon essen; denn ihr Brot müssen
sie für sich allein essen, doch es soll nicht in des HERRN
Haus gebracht werden.
Was wollt ihr dann in den Festzeiten und an den Feiertagen
des HERRN tun?
Siehe, sie müssen fort wegen der Verwüstung.
Ägypten wird sie sammeln und Memphis sie begraben. Nesseln
werden wachsen, wo jetzt ihr kostbares Silber ist, und Dornen in
ihren Hütten.
Die Zeit der Heimsuchung ist gekommen, die Zeit der
Vergeltung; dessen wird Israel innewerden.
«Ein Narr ist der Prophet und wahnsinnig der Mann
des Geistes!» Ja, um deiner großen Schuld und um der
großen Anfeindung willen!
Ephraim spähte wohl aus nach meinem Gott; aber nun
stellen sie dem Propheten Fallen auf allen seinen Wegen,
Anfeindung selbst im Hause seines Gottes.
Tief verdorben ist ihr Tun wie in den Tagen von Gibea;
darum wird er ihrer Schuld gedenken und ihre Sünden
heimsuchen.
Israels Undank gegen Gottes Wohltaten
Ich fand Israel
wie Trauben in der Wüste und sah eure Väter wie die
ersten Feigen am Feigenbaum; aber hernach gingen sie zum
Baal-Peor und gelobten sich dem schändlichen Abgott und
wurden so zum Greuel wie ihre Liebhaber.
Darum muß die Herrlichkeit Ephraims wie ein Vogel
wegfliegen, daß sie weder gebären noch tragen noch
schwanger werden sollen.
Und wenn sie ihre Kinder auch großzögen, will
ich sie doch kinderlos machen, so daß kein Mensch mehr da
ist. Ja, weh ihnen, wenn ich von ihnen gewichen bin!
Als ich Ephraim sah, war es herrlich gepflanzt wie
Tyrus; aber nun muß es seine Kinder herausgeben dem
Totschläger.
HERR, gib ihnen – was willst du ihnen geben? Gib
ihnen unfruchtbare Leiber und versiegende Brüste!
All ihre Bosheit geschieht zu Gilgal; dort werde
ich ihnen feind. So will ich sie um ihres bösen Tuns willen
aus meinem Hause stoßen und ihnen keine Liebe mehr
erweisen; denn alle ihre Oberen sind abtrünnig.
Ephraim ist geschlagen, seine Wurzel ist verdorrt,
so daß sie keine Frucht mehr bringen können. Auch wenn
sie gebären würden, will ich doch die ersehnte Frucht
ihres Leibes töten.
Mein Gott wird sie verwerfen, weil sie ihn nicht hören
wollen, und sie sollen unter den Heiden umherirren.
Das Gericht über Königtum und Götzendienst
Kapitel 10
Israel ist ein
üppig rankender Weinstock, der seine Frucht trägt. Aber
je mehr Früchte er hatte, desto mehr Altäre machten
sie; wo das Land am besten war, da richteten sie die schönsten
Steinmale auf.
Ihr Herz ist falsch; nun wird sie ihre Schuld treffen.
Ihre Altäre sollen zerbrochen und ihre Steinmale zerstört
werden.
Schon müssen sie sagen: Wir haben keinen König,
denn wir fürchteten den HERRN nicht. Was kann uns der König
nun helfen?
Sie reden und schwören falsch und schließen
Bündnisse, und ihr Recht grünt wie giftiges Kraut auf
allen Furchen im Felde.
Die Einwohner von Samaria sorgen sich um das Kalb
zu Beth-Awen. Sein Volk trauert darum, und seine Götzenpfaffen
zittern um seine Herrlichkeit; denn sie wird von ihnen
weggeführt.
Ja, das Kalb wird nach Assyrien gebracht zum Geschenk für
den König Jareb. So muß Ephraim zuschanden werden und
Israel beschämt sein trotz seiner Klugheit.
Denn der König von Samaria ist dahin wie Schaum auf
dem Wasser.
Die Höhen zu Awen sind verwüstet, auf denen sich
Israel versündigte; Disteln und Dornen wachsen auf ihren
Altären. Und sie werden sagen: Ihr Berge, bedecket uns! und:
Ihr Hügel, fallet über uns!
Israel, du hast seit den Tagen von Gibea gesündigt;
dort standen sie gegen mich auf. Sollte darum nicht in Gibea der
Krieg über sie kommen wegen der bösen Leute?
Ich werde sie züchtigen nach meinem Willen; Völker
sollen gegen sie versammelt werden, wenn ich sie strafen werde
wegen ihrer zwiefachen Sünde.
Ephraim war eine junge Kuh, daran gewöhnt, gern zu
dreschen. Aber ich habe ihm ein Joch auf seinen schönen
Nacken gelegt; ich will Ephraim einspannen; Juda soll pflügen
und Jakob eggen.
Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße
der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN
zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen
läßt!
Ihr aber pflügt Böses und erntet Übeltat
und esset Lügenfrüchte. Weil du dich nun verläßt
auf deinen Weg und auf die Menge deiner Helden,
darum soll sich ein Getümmel erheben in deinem Volk,
daß alle deine Festungen zerstört werden, gleichwie
Schalman zerstörte Beth-Arbeel damals im Krieg, als die
Mutter zerschmettert wurde samt den Kindern.
So soll's euch zu Bethel auch ergehen um eurer großen
Bosheit willen; schon früh am Morgen wird der König von
Israel untergehen.
Gottes heilige Liebe
Kapitel 11
Als Israel jung
war, hatte ich ihn lieb und rief ihn, meinen Sohn, aus Ägypten;
aber wenn man sie jetzt ruft, so wenden sie sich davon und
opfern den Baalen und räuchern den Bildern.
Ich lehrte Ephraim gehen und nahm ihn auf meine Arme; aber
sie merkten's nicht, wie ich ihnen half.
Ich ließ sie in ein menschliches Joch ziehen und in
Seilen der Liebe gehen und half ihnen das Joch auf ihrem Nacken
tragen und gab ihnen Nahrung,
daß sie nicht wieder nach Ägyptenland
zurückkehren sollten. Nun aber muß Assur ihr König
sein; denn sie wollen sich nicht bekehren.
Darum soll das Schwert über ihre Städte kommen
und soll ihre Riegel zerbrechen und sie fressen um ihres
Vorhabens willen.
Mein Volk ist müde, sich zu mir zu kehren, und wenn
man ihnen predigt, so richtet sich keiner auf.
Wie kann ich dich preisgeben, Ephraim, und dich
ausliefern, Israel? Wie kann ich dich preisgeben gleich Adma und
dich zurichten wie Zeboïm?
Mein Herz ist andern Sinnes, alle meine Barmherzigkeit ist
entbrannt.
Ich will nicht tun nach meinem grimmigen Zorn noch Ephraim
wieder verderben. Denn ich bin Gott und nicht ein Mensch und bin
der Heilige unter dir und will nicht kommen, zu verheeren.
Alsdann wird man dem HERRN nachfolgen, und er wird brüllen
wie ein Löwe. Und wenn er brüllen wird, so werden
zitternd herbeikommen seine Söhne von Westen her.
Und auch aus Ägypten kommen sie erschrocken wie Vögel
und aus dem Lande Assur wie Tauben; und ich will sie wieder
wohnen lassen in ihren Häusern, spricht der HERR.
Der Stammvater Jakob als Urbild seines Volkes
Kapitel 12
In Ephraim ist
allenthalben Lüge wider mich und im Hause Israel falscher
Gottesdienst. Aber auch Juda hält nicht fest an Gott und an
dem Heiligen, der treu ist.
Ephraim weidet Wind und läuft dem Ostwind nach, und
täglich mehrt es die Lüge und Gewalttat. Sie schließen
mit Assur einen Bund und bringen Öl nach Ägypten.
Darum wird der HERR mit Juda rechten. Er wird Jakob
heimsuchen nach seinem Wandel und ihm vergelten nach seinem Tun.
Er hat schon im Mutterleibe seinen Bruder betrogen und im
Mannesalter mit Gott gekämpft.
Er kämpfte mit dem Engel und siegte, er weinte und
bat ihn. Dann hat er ihn zu Bethel gefunden und dort mit ihm
geredet
- der HERR ist der Gott Zebaoth, HERR ist sein Name -.
So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an
Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!
Wie Kanaans Händler hat Ephraim eine falsche
Waage in seiner Hand und betrügt gern;
denn er spricht: Ich bin reich, ich habe genug! Bei all
meinen Mühen wird man keine Schuld an mir finden, die Sünde
ist.
Ich aber, der HERR, bin dein Gott von Ägyptenland
her und will dich wieder in Zelten wohnen lassen wie in der
Wüstenzeit.
Ich rede wieder zu den Propheten, und ich bin's, der viel
Offenbarung gibt und durch die Propheten sich kundtut.
Auf Israels Götzendienst folgt Israels Untergang
In Gilead verüben sie Greuel, darum werden sie
zunichte; und zu Gilgal opfern sie Stiere, darum sollen ihre
Altäre werden wie Steinhaufen an den Furchen im Felde.
Jakob mußte fliehen in das Land Aram, und Israel
mußte um ein Weib dienen, um eine Frau mußte er die
Herde hüten.
Aber hernach führte der HERR durch einen Propheten
Israel aus Ägypten, und durch einen Propheten ließ er
sie hüten.
Nun aber hat ihn Ephraim bitter erzürnt; darum wird
ihr Blut über sie kommen, und ihr Herr wird ihnen vergelten
die Schmach, die sie ihm antun.
Gottes Gericht über Ephraim
Kapitel 13
Solange Ephraim
nach meinem Gebot redete, war er erhoben in Israel. Danach
versündigte er sich durch Baal und starb dahin.
Dennoch sündigen sie weiter: Aus ihrem Silber gießen
sie Bilder, wie sie sich's erdenken, Götzen, die doch nur
Schmiedewerk sind. Dann sagen sie von ihnen: Wer die Kälber
küssen will, der soll Menschen opfern.
Darum werden sie sein wie eine Wolke am Morgen und wie der
Tau, der frühmorgens vergeht; ja, wie Spreu, die von der
Tenne verweht wird, und wie Rauch aus dem Fenster.
Ich aber bin der HERR, dein Gott, von Ägyptenland
her, und du solltest keinen andern Gott kennen als mich und
keinen Heiland als allein mich.
Ich nahm mich ja deiner an in der Wüste, im dürren
Lande.
Aber als sie geweidet wurden, daß sie satt wurden
und genug hatten, erhob sich ihr Herz; darum vergessen sie mich.
So will ich für sie wie ein Löwe werden und wie
ein Panther am Wege auf sie lauern.
Ich will sie anfallen wie eine Bärin, der ihre Jungen
genommen sind, und will ihr verstocktes Herz zerreißen und
will sie dort wie ein Löwe fressen; die wilden Tiere sollen
sie zerreißen.
Israel, du bringst dich ins Unglück; denn dein
Heil steht allein bei mir.
Jeremia 2,17.
Wo ist dein König, der dir helfen kann in allen
deinen Städten, und deine Richter, von denen du sagtest: Gib
mir einen König und Obere?
Ich gebe dir Könige in meinem Zorn und will sie dir
nehmen in meinem Grimm.
Die Schuld Ephraims ist zusammengebunden, und seine
Sünde ist sicher verwahrt.
Wehen kommen, daß er geboren werden soll, aber er
ist ein unverständiges Kind: Wenn die Zeit gekommen ist, so
will der den Mutterschoß nicht durchbrechen.
Aber ich will sie aus dem
Totenreich erlösen und vom Tode erretten. Tod, ich will dir
ein Gift sein; Totenreich, ich will dir eine Pest sein; Rache
kenne ich nicht mehr.
1. Korinther
15,54.55; 2. Timotheus 1,10; Offenbarung 20,14; 21,4.
Samarias Zerstörung
Denn wenn Ephraim auch
zwischen Brüdern Frucht bringt, so wird doch ein Ostwind vom
HERRN aus der Wüste herauffahren, daß sein Brunnen
vertrocknet und seine Quelle versiegt, und er wird rauben seinen
Schatz, alles kostbare Gerät.
Kapitel 14
Samaria
wird wüst werden; denn es ist seinem Gott ungehorsam. Sie
sollen durchs Schwert fallen und ihre kleinen Kinder
zerschmettert und ihre Schwangeren aufgeschlitzt werden.
Mahnung zur Umkehr und
Verheißung des kommenden Heils
Bekehre
dich, Israel, zu dem HERRN, deinem Gott; denn du bist gefallen um
deiner Schuld willen.
Nehmt diese Worte mit euch
und bekehrt euch zum HERRN und sprecht zu ihm: Vergib uns alle
Sünde und tu uns wohl, so wollen wir opfern die Frucht
unserer Lippen.
Assur soll uns nicht helfen;
wir wollen nicht mehr auf Rossen reiten, auch nicht mehr sagen zu
den Werken unserer Hände: «Ihr seid unser Gott.»
Denn bei dir finden die Verwaisten Gnade.
So will ich ihre
Abtrünnigkeit wieder heilen; gerne will ich sie lieben; denn
mein Zorn soll sich von ihnen wenden.
Ich will für Israel wie
ein Tau sein, daß es blühen soll wie eine Lilie, und
seine Wurzeln sollen ausschlagen wie eine Linde
und seine Zweige sich
ausbreiten, daß es so schön sei wie ein Ölbaum
und so guten Geruch gebe wie die Linde.
Und sie sollen wieder unter
meinem Schatten sitzen; von Korn sollen sie sich nähren und
blühen wie ein Weinstock. Man soll sie rühmen wie den
Wein vom Libanon.
Ephraim, was sollen dir
weiter die Götzen? Ich will dich erhören und
führen, ich will sein wie eine grünende Tanne;
von mir erhältst du deine Früchte.
Wer ist weise, daß
er dies versteht, und klug, daß er dies einsieht? Denn die
Wege des HERRN sind richtig, und die Gerechten wandeln darauf;
aber die Übertreter kommen auf ihnen zu Fall.
DER
PROPHET JOEL
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