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DIE BIBEL
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Schrift
DER PROPHET
JEREMIA
Kapitel 1 -
24
Kapitel 1
Dies sind die Worte Jeremias, des Sohnes Hilkias, aus dem
Priestergeschlecht zu Anathoth im Lande Benjamin.
Zu ihm geschah das Wort des HERRN zur Zeit Josias, des
Sohnes Amons, des Königs von Juda, im dreizehnten Jahr
seiner Herrschaft,
und hernach zur Zeit Jojakims, des Sohnes Josias, des
Königs von Juda, bis ans Ende des elften Jahres Zedekias,
des Sohnes Josias, des Königs von Juda, bis Jerusalem
weggeführt wurde im fünften Monat.
Jeremias Berufung
Und des HERRN Wort geschah zu mir:
Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete,
und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und
bestellte dich zum Propheten für die Völker.
Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu
predigen; denn ich bin zu jung.
Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: «Ich
bin zu jung», sondern du sollst gehen, wohin ich dich
sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.
Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir
und will dich erretten, spricht der HERR.
Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte
meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in
deinen Mund.
Siehe, ich setze dich heute über Völker und
Königreiche, daß du ausreißen und einreißen,
zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.
Und es geschah des HERRN Wort zu mir: Jeremia, was
siehst du? Ich sprach: Ich sehe einen erwachenden Zweig.
Und der HERR sprach zu mir: Du hast recht gesehen; denn
ich will wachen über meinem Wort, daß ich's tue.
Und es geschah des HERRN Wort zum zweitenmal zu
mir: Was siehst du? Ich sprach: Ich sehe einen siedenden Kessel
überkochen von Norden her.
Und der HERR sprach zu mir: Von Norden her wird das Unheil
losbrechen über alle, die im Lande wohnen.
Denn siehe, ich will rufen alle Völker der
Königreiche des Nordens, spricht der HERR, daß sie
kommen sollen und ihre Throne setzen vor die Tore Jerusalems und
rings um die Mauern her und vor alle Städte Judas.
Und ich will mein Gericht über sie ergehen lassen um
all ihrer Bosheit willen, daß sie mich verlassen und andern
Göttern opfern und ihrer Hände Werk anbeten.
So gürte nun deine Lenden und mache dich auf und
predige ihnen alles, was ich dir gebiete. Erschrick nicht vor
ihnen, auf daß ich dich nicht erschrecke vor ihnen!
Denn ich will dich heute zur festen Stadt, zur eisernen
Säule, zur ehernen Mauer machen im ganzen Lande wider die
Könige Judas, wider seine Großen, wider seine
Priester, wider das Volk des Landes,
daß, wenn sie auch wider dich streiten, sie dir
dennoch nichts anhaben können; denn ich bin bei dir, spricht
der HERR, daß ich dich errette.
Das untreue Gottesvolk
Kapitel 2
Und des HERRN Wort geschah zu mir:
Geh hin und predige öffentlich der Stadt Jerusalem
und sprich: So spricht der HERR: Ich gedenke der Treue deiner
Jugend und der Liebe deiner Brautzeit, wie du mir folgtest in der
Wüste, im Lande, da man nicht sät.
Da war Israel dem HERRN heilig, die Erstlingsfrucht seiner
Ernte. Wer davon essen wollte, machte sich schuldig, und Unheil
mußte über ihn kommen, spricht der HERR.
Hört des HERRN Wort, ihr vom Hause Jakob und
alle Geschlechter vom Hause Israel!
So spricht der HERR: Was haben doch eure Väter
Unrechtes an mir gefunden, daß sie von mir wichen und
hingen den nichtigen Götzen an und wurden so zunichte,
und dachten niemals: Wo ist der HERR, der uns aus
Ägyptenland führte und leitete uns in der Wüste,
im wilden, ungebahnten Lande, im dürren und finstern Lande,
im Lande, das niemand durchwandert und kein Mensch bewohnt?
Und ich brachte euch in ein fruchtbares Land, daß
ihr äßet seine Früchte und Güter. Aber als
ihr hineinkamt, machtet ihr mein Land unrein und mein Eigentum
mir zum Greuel.
Die Priester fragten nicht: Wo ist der HERR? und die Hüter
des Gesetzes achteten meiner nicht, und die Hirten des Volks
wurden mir untreu, und die Propheten weissagten im Namen des Baal
und hingen den Götzen an, die nicht helfen können.
Darum muß ich noch weiter mit euch und mit euren
Kindeskindern rechten, spricht der HERR.
Denn geht hin zu den Inseln der Kittiter und
schaut, und sendet nach Kedar und gebt genau acht und schaut,
ob's daselbst so zugeht:
ob die Heiden ihre Götter wechseln, die doch keine
Götter sind. Aber mein Volk hat seine Herrlichkeit
eingetauscht gegen einen Götzen, der nicht helfen kann!
Entsetze dich, Himmel, darüber, erschrick und erbebe
gar sehr, spricht der HERR.
Denn mein Volk tut eine zwiefache Sünde: mich, die
lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die
doch rissig sind und kein Wasser geben.
Ist denn Israel ein Sklave oder unfrei geboren, daß
er jedermanns Raub sein darf?
Löwen brüllen über ihm, brüllen laut
und verwüsten sein Land, und seine Städte werden
verbrannt, so daß niemand darin wohnt.
Dazu scheren die Leute von Noph und Tachpanches dir den
Kopf kahl.
Das alles hast du dir doch selbst bereitet, weil du den
HERRN, deinen Gott, verläßt, sooft er dich den rechten
Weg leiten will.
Was hilft's dir, daß du nach Ägypten ziehst und
willst vom Nil trinken? Und was hilft's dir, daß du nach
Assyrien ziehst und willst vom Euphrat trinken?
Deine Bosheit ist schuld, daß du so geschlagen
wirst, und dein Ungehorsam, daß du so gestraft wirst. Und
du mußt innewerden und erfahren, was es für Jammer und
Herzeleid bringt, den HERRN, deinen Gott, zu verlassen und ihn
nicht zu fürchten, spricht Gott, der HERR Zebaoth.
Denn von jeher hast du dein Joch zerbrochen und
deine Bande zerrissen und gesagt: Ich will nicht unterworfen
sein! Sondern auf allen hohen Hügeln und unter allen grünen
Bäumen triebst du Hurerei.
Ich aber hatte dich gepflanzt als einen edlen Weinstock,
ein ganz echtes Gewächs. Wie bist du mir denn geworden zu
einem schlechten, wilden Weinstock?
Und wenn du dich auch mit Lauge wüschest und nähmest
viel Seife dazu, so bleibt doch der Schmutz deiner Schuld vor
mir, spricht Gott der HERR.
Wie wagst du denn zu sagen: Ich bin nicht unrein,
ich habe mich nicht an die Baale gehängt? Sieh doch, wie du
es treibst im Tal, und bedenke, was du getan hast! Du läufst
umher wie eine Kamelstute in der Brunst,
wie eine Wildeselin in der Wüste, wenn sie vor großer
Brunst lechzt und läuft, daß niemand sie aufhalten
kann. Wer sie haben will, muß nicht weit laufen; er trifft
sie bald in dieser Zeit.
Schone doch deine Füße, daß sie nicht
wund werden, und deine Kehle, daß sie nicht durstig werde.
Aber du sprichst: Da wird nichts draus; ich muß diese
Fremden lieben und ihnen nachlaufen.
Wie ein Dieb zuschanden wird, wenn man ihn
ergreift, so wird das Haus Israel zuschanden werden samt seinen
Königen, Fürsten, Priestern und Propheten,
die zum Holz sagen: «Du bist mein Vater» und
zum Stein: «Du hast mich geboren.» Denn sie kehren
mir den Rücken zu und nicht das Angesicht. Aber wenn die Not
über sie kommt, sprechen sie: «Auf und hilf uns!»
Wo sind denn deine Götter, die du dir gemacht hast?
Laß sie aufstehen; laß sehen, ob sie dir helfen
können in deiner Not! Denn so viel Städte, so viel
Götter hast du, Juda.
Wie könnt ihr rechten mit mir? Ihr seid alle
von mir abgefallen, spricht der HERR.
Alle meine Schläge sind vergeblich an euren Söhnen,
sie lassen sich doch nicht erziehen; euer Schwert frißt
eure Propheten wie ein wütender Löwe.
Du böses Geschlecht, merke auf des HERRN Wort!
Bin ich denn für Israel eine Wüste oder ödes Land?
Warum spricht denn mein Volk: «Wir sind freie Herren und
brauchen dir nicht mehr nachzulaufen»?
Vergißt wohl eine Jungfrau ihren Schmuck oder eine
Braut ihren Schleier? Mein Volk aber vergißt mich seit
endlos langer Zeit.
Wie fein findest du Wege, dir Liebhaber zu suchen! Darum
hast du dich auch gewöhnt, auf bösen Wegen zu wandeln.
Auch findet man an deinen Kleidern das Blut von Armen und
Unschuldigen, die du nicht beim Einbruch ertappt hast, sondern
die alledem widerstanden.
Und doch sprichst du: Ich bin unschuldig; er hat ja doch
seinen Zorn von mir gewandt. Siehe, ich will dich richten, weil
du sprichst: Ich habe nicht gesündigt.
Was läufst du denn so leichtfertig bald dahin, bald
dorthin! Auch an Ägypten wirst du zuschanden werden, wie du
an Assyrien zuschanden geworden bist.
Denn du mußt auch von dort wegziehen und deine Hände
über dem Kopf zusammenlegen; denn der HERR hat sie
verworfen, auf die du deine Hoffnung setztest, und es wird dir
nicht mit ihnen gelingen.
Kapitel 3
Und er sprach: Wenn sich ein Mann von seiner Frau
scheidet und sie geht von ihm und gehört einem andern, darf
er sie auch wieder annehmen? Ist's nicht so, daß das Land
unrein würde? Du aber hast mit vielen gehurt und solltest
wieder zu mir kommen? spricht der HERR.
Hebe deine Augen auf zu den Höhen und sieh, wo du
allenthalben dich preisgegeben hast! An den Wegen sitzt du und
lauerst auf sie wie ein Araber in der Wüste und machst das
Land unrein mit deiner Hurerei und Bosheit.
Darum muß auch der Frühregen ausbleiben, und
kein Spätregen kommt. Aber du hast eine Hurenstirn, du
willst dich nicht mehr schämen
und schreist jetzt zu mir: «Lieber Vater, du
Vertrauter meiner Jugend!
Willst du denn ewiglich zürnen und nicht vom Grimm
lassen?» Siehe, so redest du und tust Böses und
lässest dir nicht wehren.
Schuldspruch und Verheißung über Israel und Juda
Und der HERR sprach zu mir zur Zeit des Königs Josia:
Hast du gesehen, was Israel, die Abtrünnige, tat? Sie ging
hin auf alle hohen Berge und unter alle grünen Bäume
und trieb dort Hurerei.
Und ich dachte, nachdem sie das alles getan, würde
sie zu mir zurückkehren. Aber sie kehrte nicht zurück.
Und obwohl ihre Schwester Juda, die Treulose, gesehen hat,
wie ich Israel, die Abtrünnige, wegen ihres Ehebruchs
gestraft und sie entlassen und ihr einen Scheidebrief gegeben
habe, scheut sich dennoch ihre Schwester, das treulose Juda,
nicht, sondern geht hin und treibt auch Hurerei.
Und ihre leichtfertige Hurerei hat das Land unrein
gemacht; denn sie treibt Ehebruch mit Stein und Holz.
Und auch in diesem allen bekehrt sich das treulose Juda,
ihre Schwester, nicht zu mir von ganzem Herzen, sondern nur mit
Heuchelei, spricht der HERR.
Und der HERR sprach zu mir: Das Abtrünnige
Israel steht gerechter da als das treulose Juda.
Geh hin und rufe diese Worte nach Norden und sprich: Kehre
zurück, du abtrünniges Israel, spricht der HERR, so
will ich nicht zornig auf euch blicken. Denn ich bin gnädig,
spricht der HERR, und will nicht ewiglich zürnen.
Allein erkenne deine Schuld, daß du wider den HERRN,
deinen Gott, gesündigt hast und bist hin und her gelaufen zu
den fremden Göttern unter allen grünen Bäumen, und
ihr habt meiner Stimme nicht gehorcht, spricht der HERR.
Kehrt um, ihr abtrünnigen Kinder, spricht der
HERR, denn ich bin euer Herr! Und ich will euch holen, einen aus
einer Stadt und zwei aus einem Geschlecht, und will euch bringen
nach Zion.
Und ich will euch Hirten geben nach meinem Herzen, die
euch weiden sollen in Einsicht und Weisheit.
Und es soll geschehen, wenn ihr zahlreich geworden seid
und euch ausgebreitet habt im Lande, so soll man, spricht der
HERR, in jenen Tagen nicht mehr reden von der Bundeslade des
HERRN, ihrer nicht mehr gedenken oder nach ihr fragen und sie
nicht mehr vermissen; auch wird sie nicht wieder gemacht werden.
Sondern zu jener Zeit wird man Jerusalem nennen «Des
HERRN Thron», und es werden sich dahin sammeln alle Heiden
um des Namens des HERRN willen zu Jerusalem, und sie werden nicht
mehr wandeln nach ihrem verstockten und bösen Herzen.
In jenen Tagen wird das Haus Juda zum Haus Israel gehen,
und sie werden miteinander heimkommen von Norden her in das Land,
das ich euren Vätern zum Erbe gegeben habe.
Und ich dachte: Wie will ich dich halten, als wärst
du mein Sohn, und dir das liebe Land geben, den allerschönsten
Besitz unter den Völkern! Und ich dachte, du würdest
mich dann «Lieber Vater» nennen und nicht von mir
weichen.
Aber das Haus Israel hat mir nicht die Treue gehalten,
gleichwie ein Weib wegen ihres Liebhabers nicht die Treue hält,
spricht der HERR.
Israels Umkehr
Man hört ein klägliches Heulen und Weinen der
Kinder Israel auf den Höhen, weil sie übel getan und
den HERRN, ihren Gott, vergessen haben.
Kehrt zurück, ihr abtrünnigen Kinder, so will
ich euch heilen von eurem Ungehorsam.
Siehe, wir kommen zu dir; denn du bist der HERR, unser
Gott.
Wahrlich, es ist ja nichts als Betrug mit den Hügeln
und mit dem Lärm auf den Bergen. Wahrlich, es hat Israel
keine andere Hilfe als am HERRN, unserm Gott.
Der schändliche Baal hat gefressen, was unsere Väter
erworben hatten, von unsrer Jugend an, ihre Schafe und Rinder,
Söhne und Töchter.
So müssen wir uns betten in unsere Schande, und unsre
Schmach soll uns bedecken. Denn wir haben gesündigt wider
den HERRN, unsern Gott, wir und unsere Väter, von unsrer
Jugend an bis auf den heutigen Tag, und haben nicht gehorcht der
Stimme des HERRN, unseres Gottes.
Kapitel 4
Willst du dich, Israel, bekehren, spricht der HERR,
so kehre dich zu mir! Und wenn du deine greulichen Götzen
von meinem Angesicht wegtust, so brauchst du nicht mehr
umherzuschweifen,
und wenn du ohne Heuchelei recht und heilig schwörst:
«So wahr der HERR lebt», dann werden die Heiden in
ihm gesegnet werden und sich seiner rühmen.
Denn so spricht der HERR zu denen in Juda und zu
Jerusalem: Pflüget ein Neues und säet nicht unter die
Dornen!
Beschneidet euch für den HERRN und tut weg die
Vorhaut eures Herzens, ihr Männer von Juda und ihr Leute von
Jerusalem, auf daß nicht um eurer Bosheit willen mein Grimm
ausfahre wie Feuer und brenne, so daß niemand löschen
kann.
Der Feind aus dem Norden wird das Land verheeren
Verkündet in Juda und schreit laut in Jerusalem und
sprecht: «Blast die Posaune im Lande!» Ruft mit
voller Stimme und sprecht: «Sammelt euch und laßt uns
in die festen Städte ziehen!»
Richtet in Zion ein Fluchtzeichen auf; flieht und säumet
nicht! Denn ich bringe von Norden Unheil herzu und großen
Jammer.
Es steigt herauf der Löwe aus seinem Dickicht, und
der Verderber der Völker hat sich aufgemacht und ist
ausgezogen von seiner Stätte, dein Land zu verwüsten
und deine Städte zu verbrennen, so daß niemand darin
wohnt.
Darum zieht den Sack an, klagt und heult; denn der
grimmige Zorn des HERRN will sich nicht von uns wenden.
Zu der Zeit, spricht der HERR, wird dem König
und den Fürsten der Mut entfallen, die Priester werden
bestürzt und die Propheten erschrocken sein.
Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, du hast dies Volk und
Jerusalem sehr getäuscht, als du sagtest: «Es wird
Friede bei euch sein», wo doch das Schwert uns ans Leben
geht!
Zu der Zeit wird man diesem Volk und Jerusalem
sagen: «Es kommt ein heißer Wind von den kahlen Höhen
aus der Wüste, geraden Weges zu der Tochter meines Volks,
nicht zum Worfeln noch zum Sichten.»
Ja, ein Wind kommt auf mein Geheiß, der ihnen zu
stark sein wird; da will ich denn mit ihnen rechten.
Siehe, er fährt daher wie Wolken, und seine Wagen
sind wie ein Sturmwind, seine Rosse sind schneller als Adler. Weh
uns! Wir sind verloren!
So wasche nun, Jerusalem, dein Herz von der Bosheit, auf
daß dir geholfen werde. Wie lange wollen bei dir bleiben
deine heillosen Gedanken?
Horch! Es kommt ein Geschrei von Dan her und eine
böse Botschaft vom Gebirge Ephraim.
Saget an den Völkern, verkündet in Jerusalem:
Belagerer kommen aus fernen Landen und erheben Kriegsgeschrei
gegen die Städte Judas.
Sie werden sich um Jerusalem her lagern wie die Wächter
auf dem Felde; denn es hat mich erzürnt, spricht der HERR.
Das hast du zum Lohn für deinen Wandel und dein Tun.
Das kommt von deiner Bosheit, daß es so bitter um dich
steht und dir bis ans Herz dringt.
Wie ist mir so weh! Mein Herz pocht mir im Leibe,
und ich habe keine Ruhe; denn ich höre der Posaune Hall, den
Lärm der Feldschlacht;
Niederlage auf Niederlage wird gemeldet. Denn das ganze
Land wird verheert, plötzlich sind meine Hütten und
meine Zelte zerstört.
Wie lange soll ich noch das Fluchtzeichen sehen und der
Posaune Hall hören?
Aber mein Volk ist toll und glaubt mir nicht. Töricht
sind sie und achten's nicht; weise sind sie genug, Übles zu
tun, aber rechttun wollen sie nicht lernen.
Ich schaute das Land an, siehe, es war wüst
und öde, und den Himmel, und er war finster.
Ich sah die Berge an, und siehe, sie bebten, und alle
Hügel wankten.
Ich sah, und siehe, da war kein Mensch, und alle Vögel
unter dem Himmel waren weggeflogen.
Ich sah, und siehe, das Fruchtland war eine Wüste,
und alle seine Städte waren zerstört vor dem HERRN und
vor seinem grimmigen Zorn.
Denn so spricht der HERR: Das ganze Land soll wüst
werden, aber ich will mit ihm doch nicht ganz ein Ende machen.
Darum wird das Land betrübt und der Himmel droben
traurig sein; denn ich hab's geredet, ich hab's beschlossen, und
es soll mich nicht gereuen, ich will auch nicht davon ablassen.
Aus allen Städten werden sie vor dem Geschrei
der Reiter und Schützen fliehen und in die dichten Wälder
laufen und in die Felsen kriechen. Alle Städte werden
verlassen stehen, so daß niemand darin wohnt.
Was willst du dann tun, du Überwältigte? Wenn du
dich schon mit Purpur kleiden und mit goldenen Kleinoden
schmücken und dein Angesicht schminken würdest, so
schmückst du dich doch vergeblich. Die dir jetzt den Hof
machen, werden dich verachten, sie werden dir nach dem Leben
trachten.
Denn ich höre ein Geschrei wie von einer Gebärenden,
Angstrufe wie von einer, die in den ersten Kindsnöten ist,
ein Geschrei der Tochter Zion, die da keucht und die Hände
ausbreitet: Ach, weh mir! Ich muß vergehen vor den Würgern.
Dem sündigen Volk kann nicht mehr vergeben werden
Kapitel 5
Geht durch die Gassen Jerusalems und schaut und merkt auf
und sucht auf den Straßen der Stadt, ob ihr jemand findet,
der Recht übt und auf Wahrheit hält, so will ich ihr
gnädig sein.
Und wenn sie auch sprechen: Bei dem lebendigen Gott!, so
schwören sie doch falsch.
HERR, deine Augen sehen auf Wahrhaftigkeit*.
Du schlägst sie, aber sie fühlen's nicht; du machst
fast ein Ende mit ihnen, aber sie bessern sich nicht. Sie haben
ein Angesicht, härter als ein Fels, und wollen sich nicht
bekehren.
*Luther übersetzte: «sehen
nach dem Glauben».
Ich aber dachte: Wohlan, es sind arme, unverständige
Leute und wissen nicht um des HERRN Weg und um ihres Gottes
Recht.
Ich will zu den Großen gehen und mit ihnen reden;
die werden um des HERRN Weg und ihres Gottes Recht wissen. Aber
sie alle haben das Joch zerbrochen und die Seile zerrissen.
Darum wird sie auch der Löwe aus dem Walde zerreißen,
und der Wolf aus der Steppe wird sie verderben, und der Panther
wird um ihre Städte lauern; alle, die von da herausgehen,
werden zerfleischt. Denn ihrer Sünden sind zu viele, und sie
bleiben in ihrem Ungehorsam.
Wie soll ich dir denn gnädig sein? Deine Söhne
haben mich verlassen und schwören bei dem, der nicht Gott
ist. Als ich sie satt gemacht hatte, trieben sie Ehebruch und
liefen ins Hurenhaus.
Ein jeder wiehert nach seines Nächsten Weibe wie die
vollen, müßigen Hengste.
Und ich sollte das an ihnen nicht heimsuchen? spricht der
HERR, und ich sollte mich nicht rächen an einem Volk wie
diesem?
Stürmt ihre Weinberge hinauf und zerstört
die stützenden Mauern; aber verwüstet sie nicht ganz!
Reißet ihre Weinranken weg; denn sie gehören nicht dem
HERRN!
Sie verachten mich, spricht der HERR, das Haus Israel und
das Haus Juda.
Sie verleugnen den HERRN und sprechen: «Das tut er
nicht; so übel wird es uns nicht gehen; Schwert und Hunger
werden wir nicht sehen.
Die Propheten sind Schwätzer und haben Gottes Wort
nicht; es ergehe ihnen selbst so!»
Darum spricht der HERR, der Gott Zebaoth: Weil ihr solche
Reden führt, siehe, so will ich meine Worte in deinem Munde
zu Feuer machen und dies Volk zu Brennholz, daß es verzehrt
werde.
Siehe, ich will über euch vom Hause Israel ein
Volk von ferne her bringen, spricht der HERR, ein Volk von
unerschöpflicher Kraft, ein uraltes Volk, ein Volk, dessen
Sprache du nicht verstehst, und was sie reden, kannst du nicht
vernehmen.
Seine Köcher sind wie offene Gräber; es sind
lauter Helden.
Sie werden deine Ernte und dein Brot verzehren, sie werden
deine Söhne und Töchter fressen, sie werden deine
Schafe und Rinder verschlingen, sie werden deine Weinstöcke
und Feigenbäume verzehren; deine festen Städte, auf die
du dich verläßt, werden sie mit dem Schwert einnehmen.
Doch will ich, spricht der HERR, auch zu jener Zeit mit
euch nicht ganz ein Ende machen.
Und wenn sie sagen: Warum tut uns der HERR, unser Gott,
dies alles?, sollst du ihnen antworten: Wie ihr mich verlaßt
und fremden Göttern dient in eurem eigenen Lande, so sollt
ihr auch Fremden dienen in einem Lande, das nicht euer ist.
Verkündet im Hause Jakob und ruft aus in Juda
und sprecht:
Hört zu, ihr tolles Volk, das keinen Verstand hat,
die da Augen haben und sehen nicht, Ohren haben und hören
nicht!
Wollt ihr mich nicht fürchten, spricht der HERR, und
vor mir nicht erschrecken, der ich dem Meere den Sand zur Grenze
setze, darin es allezeit bleiben muß, darüber es nicht
gehen darf? Und wenn es auch aufwallt, so vermag es doch nichts;
und wenn seine Wellen auch toben, so dürfen sie doch nicht
darüber gehen.
Aber dies Volk hat ein abtrünniges, ungehorsames
Herz. Sie bleiben abtrünnig und gehen ihrer Wege
und sprechen niemals in ihrem Herzen: «Laßt
uns doch den HERRN, unsern Gott, fürchten, der uns Frühregen
und Spätregen gibt zur rechten Zeit und uns die Ernte
treulich und jährlich gewährt.»
Aber eure Verschuldungen verhindern das, und eure Sünden
halten das Gute von euch fern.
Man findet unter meinem Volk Gottlose, die den
Leuten nachstellen und Fallen zurichten, um sie zu fangen, wie's
die Vogelfänger tun.
Ihre Häuser sind voller Tücke, wie ein
Vogelbauer voller Lockvögel ist. Daher sind sie groß
und reich geworden,
fett und feist. Sie gehen mit bösen Dingen um; sie
halten kein Recht, der Waisen Sache fördern sie nicht, daß
ihnen ihr Recht werde, und helfen den Armen nicht zum Recht.
Sollte ich das an ihnen nicht heimsuchen, spricht der
HERR, und sollte ich mich nicht rächen an einem Volk wie
diesem?
Es steht greulich und gräßlich im Lande.
Die Propheten weissagen Lüge, und die Priester
herrschen auf eigene Faust, und mein Volk hat's gern so. Aber was
werdet ihr tun, wenn's damit ein Ende hat?
Das wohlverdiente Gericht
Kapitel 6
Flieht, ihr Kinder Benjamin, aus Jerusalem und blast die
Posaune in Thekoa und richtet ein Fluchtzeichen auf über
Beth-Kerem! Denn es droht von Norden Unheil und großer
Jammer.
Die Tochter Zion ist wie eine liebliche Aue;
aber es werden Hirten über sie kommen mit ihren
Herden; die werden Zelte aufschlagen rings um sie her und ein
jeder seinen Platz abweiden.
«Rüstet euch zum Krieg gegen sie! Wohlauf, laßt
uns hinaufziehen, solange es noch heller Tag ist! Wehe, es will
Abend werden, und die Schatten werden lang!
Wohlan, laßt uns hinaufziehen bei Nacht und ihre
Paläste zerstören!»
Denn so spricht der HERR Zebaoth: Fället Bäume
und werft einen Wall auf gegen Jerusalem; denn es ist eine Stadt,
die heimgesucht werden soll. Ist doch nichts als Unrecht darin!
Denn wie ein Brunnen sein Wasser quellen läßt,
so quillt auch ihre Bosheit. Frevel und Gewalt hört man in
ihr, und Morden und Schlagen treiben sie täglich vor mir.
Beßre dich, Jerusalem, ehe sich mein Herz von dir
wende und ich dich zum wüsten Lande mache, darin niemand
wohnt!
So spricht der HERR Zebaoth: Halte Nachlese am Rest
Israels wie am Weinstock, strecke deine Hand immer wieder aus wie
ein Winzer nach den Reben.
«Ach, mit wem soll ich noch reden, und wem soll ich
Zeugnis geben? Daß doch jemand hören wollte! Aber ihr
Ohr ist unbeschnitten; sie können's nicht hören. Siehe,
sie halten des HERRN Wort für Spott und wollen es nicht
haben.
Darum bin ich von des HERRN Zorn so voll, daß ich
ihn nicht zurückhalten kann.» So schütte ihn aus
über die Kinder auf der Gasse und über die Schar der
jungen Männer! Denn es sollen alle, Mann und Frau, Alte und
Hochbetagte, gefangen weggeführt werden.
Ihre Häuser sollen den Fremden zuteil werden samt den
Äckern und Frauen; denn ich will meine Hand ausstrecken,
spricht der HERR, wider die Bewohner des Landes.
Denn sie gieren alle, klein und groß, nach unrechtem
Gewinn, und Propheten und Priester gehen alle mit Lüge um
und heilen den Schaden meines Volks nur obenhin, indem sie
sagen: «Friede! Friede!», und ist doch nicht Friede.
Sie werden mit Schande dastehen, weil sie solche Greuel
getrieben haben; aber sie wollen sich nicht schämen und
wissen nichts von Scham. Darum sollen sie fallen unter den
Fallenden, und wenn ich sie heimsuchen werde, sollen sie stürzen,
spricht der HERR.
So spricht der HERR: Tretet hin an die Wege und
schauet und fragt nach den Wegen der Vorzeit, welches der gute
Weg sei, und wandelt darin, so werdet ihr Ruhe finden für
eure Seele! Aber sie sprechen: Wir wollen's nicht tun!
Auch habe ich Wächter über euch gesetzt: Achtet
auf den Hall der Posaune! Aber sie sprechen: Wir wollen's nicht
tun!
Darum höret, ihr Völker, und merkt auf samt
euren Leuten!
Du Erde, höre zu! Siehe, ich will Unheil über
dies Volk bringen, ihren verdienten Lohn, weil sie auf meine
Worte nicht achten und mein Gesetz verwerfen.
Was frage ich nach dem Weihrauch aus Saba und nach dem
köstlichen Gewürz, das aus fernen Landen kommt? Eure
Brandopfer sind mir nicht wohlgefällig, und eure
Schlachtopfer gefallen mir nicht.
Darum spricht der HERR: Siehe, ich will diesem Volk
Anstöße in den Weg stellen, daran sich Väter und
Söhne zugleich stoßen und ein Nachbar mit dem andern
umkommen soll.
So spricht der HERR: Siehe, es kommt ein Volk von
Norden, und ein großes Volk wird sich erheben vom Ende der
Erde.
Sie führen Bogen und Speer, sind grausam und ohne
Erbarmen. Sie brausen daher wie ein ungestümes Meer und
reiten auf Rossen, gerüstet als Kriegsleute, gegen dich, du
Tochter Zion.
Wir haben von ihnen gehört, und unsre Arme sind uns
niedergesunken; es ist uns angst und weh geworden wie einer
Gebärenden.
Niemand gehe hinaus auf den Acker, niemand gehe über
Land; denn es ist Schrecken um und um vor dem Schwert des
Feindes.
O Tochter meines Volks, zieh den Sack an und wälze
dich im Staube! Trage Leid wie um den einzigen Sohn und klage
bitterlich; denn der Verderber kommt über uns plötzlich.
Jeremia als Prüfer des Volkes
Ich habe dich zum Prüfer gesetzt für mein Volk,
daß du seinen Wandel erkennen und prüfen sollst.
Sie sind ganz und gar abtrünnig und wandeln
verleumderisch; Erz und Eisen sind sie; alle bringen sie
Verderben.
Der Blasebalg schnaubte, das Blei wurde flüssig vom
Feuer; aber das Schmelzen war umsonst, denn die Bösen sind
nicht ausgeschieden.
Darum heißen sie «Verworfenes Silber»;
denn der HERR hat sie verworfen.
Die Tempelrede
Kapitel 7
Dies ist das Wort, das vom HERRN geschah zu Jeremia:
Tritt ins Tor am Hause des HERRN und predige dort dies
Wort und sprich: Höret des HERRN Wort, ihr alle von Juda,
die ihr zu diesen Toren eingeht, den HERRN anzubeten!
So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Bessert
euer Leben und euer Tun, so will ich bei euch wohnen an diesem
Ort.*
*Nach anderer Überlieferung: so
will ich euch wohnen lassen an diesem Ort. (In
gleicher Weise auch Vers 7.)
Verlaßt euch nicht auf Lügenworte, wenn sie
sagen: Hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel, hier
ist des HERRN Tempel!
Sondern bessert euer Leben und euer Tun, daß ihr
recht handelt einer gegen den andern
und keine Gewalt übt gegen Fremdlinge, Waisen und
Witwen und nicht unschuldiges Blut vergießt an diesem Ort
und nicht andern Göttern nachlauft zu eurem eigenen Schaden,
so will ich immer und ewig bei euch wohnen an diesem Ort,
in dem Lande, das ich euren Vätern gegeben habe.
Aber nun verlaßt ihr euch auf Lügenworte, die
zu nichts nütze sind.
Ihr seid Diebe, Mörder, Ehebrecher und Meineidige und
opfert dem Baal und lauft fremden Göttern nach, die ihr
nicht kennt.
Und dann kommt ihr und tretet vor mich in diesem Hause,
das nach meinem Namen genannt ist, und sprecht: Wir sind
geborgen, - und tut weiter solche Greuel.
Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen genannt
ist, für eine Räuberhöhle? Siehe, ich sehe es
wohl, spricht der HERR.
Geht hin an meine Stätte zu Silo, wo früher
mein Name gewohnt hat, und schaut, was ich dort getan habe wegen
der Bosheit meines Volks Israel.
Weil ihr denn lauter solche Dinge treibt, spricht der
HERR, und weil ich immer wieder zu euch redete und ihr nicht
hören wolltet und ich euch rief und ihr nicht antworten
wolltet,
so will ich mit dem Hause, das nach meinem Namen genannt
ist, auf das ihr euch verlaßt, und mit der Stätte, die
ich euch und euren Vätern gegeben habe, ebenso tun, wie ich
mit Silo getan habe,
und will euch von meinem Angesicht verstoßen, wie
ich verstoßen habe alle eure Brüder, das ganze
Geschlecht Ephraim.
Gegen falschen Gottesdienst
Du sollst für dies Volk nicht bitten und sollst für
sie weder Klage noch Gebet vorbringen, sie auch nicht vertreten
vor mir; denn ich will dich nicht hören.
Siehst du nicht, was sie tun in den Städten Judas und
auf den Gassen Jerusalems?
Die Kinder lesen Holz, die Väter zünden das
Feuer an, und die Frauen kneten den Teig, daß sie der
Himmelskönigin Kuchen backen, und fremden Göttern
spenden sie Trankopfer mir zum Verdruß.
Aber damit machen sie nicht mir Verdruß, spricht der
HERR, sondern sich selbst zu ihrer eigenen Schande.
Darum spricht Gott der HERR: Siehe, mein Zorn und mein
Grimm wird ausgeschüttet über diese Stätte, über
Menschen und über Vieh, über die Bäume auf dem
Felde und über die Früchte des Landes; der soll so
brennen, daß niemand löschen kann.
So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Tut
eure Brandopfer zu euren Schlachtopfern und freßt Fleisch!
Ich aber habe euren Vätern an dem Tage, als ich sie
aus Ägyptenland führte, nichts gesagt noch geboten von
Brandopfern und Schlachtopfern;
sondern dies habe ich ihnen geboten: Gehorcht meinem Wort,
so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein; wandelt
ganz auf dem Wege, den ich euch gebiete, auf daß es euch
wohlgehe.
Aber sie wollten nicht hören noch ihre Ohren mir
zukehren, sondern wandelten nach ihrem eignen Rat und nach ihrem
verstockten und bösen Herzen und kehrten mir den Rücken
zu und nicht das Angesicht.
Ja, von dem Tage an, da ich eure Väter aus
Ägyptenland führte, bis auf diesen Tag habe ich immer
wieder zu euch gesandt alle meine Knechte, die Propheten.
Aber sie wollen mich nicht hören noch ihre Ohren mir
zukehren, sondern sind halsstarrig und treiben es ärger als
ihre Väter.
Und wenn du schon ihnen dies alles sagst, so werden sie
doch nicht auf dich hören; rufst du sie, so werden sie dir
nicht antworten.
Darum sprich zu ihnen: Dies ist das Volk, das auf die
Stimme des HERRN, seines Gottes, nicht hören noch sich
bessern will. Die Wahrheit ist dahin und ausgerottet aus ihrem
Munde.
Schere deine Haare ab und wirf sie von dir und
wehklage auf den Höhen; denn der HERR hat dies Geschlecht,
über das er zornig ist, verworfen und verstoßen.
Denn die Kinder Juda tun, was mir mißfällt,
spricht der HERR. Sie haben ihre Greuelbilder gesetzt in das
Haus, das nach meinem Namen genannt ist, um es unrein zu machen,
und haben die Höhen des Topheth
im Tal Ben-Hinnom gebaut, um ihre Söhne und Töchter zu
verbrennen, was ich nie geboten habe und mir nie in den Sinn
gekommen ist.
Darum siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, daß
man's nicht mehr nennen wird «Topheth»
und «Tal Ben-Hinnom», sondern «Würgetal».
Und man wird im Topheth
begraben müssen, weil sonst kein Raum mehr sein wird.
Und die Leichname dieses Volks sollen den Vögeln des
Himmels und den Tieren des Feldes zum Fraß werden, ohne daß
sie jemand verscheuchen wird.
Und ich will in den Städten Judas und auf den Gassen
Jerusalems wegnehmen den Jubel der Freude und Wonne und die
Stimme des Bräutigams und der Braut; denn das Land soll wüst
werden.
Kapitel 8
Zu dieser Zeit, spricht der HERR, wird man die
Gebeine der Könige von Juda, die Gebeine seiner Fürsten,
die Gebeine der Priester, die Gebeine der Propheten und die
Gebeine der Bürger Jerusalems aus ihren Gräbern werfen
und wird sie hinstreuen der Sonne, dem Mond und dem ganzen
Heer des Himmels, die sie geliebt und denen sie gedient haben,
denen sie nachgelaufen sind, die sie befragt und angebetet haben.
Sie sollen nicht wieder aufgelesen und begraben werden, sondern
Dung auf dem Felde sein.
Und alle, die übriggeblieben sind von diesem bösen
Volk, werden an allen Orten, wohin ich sie verstoße, lieber
tot als lebendig sein wollen, spricht der HERR Zebaoth.
Gegen das verblendete Volk und seine Verführer
Sprich zu ihnen: So spricht der HERR: Wo ist jemand, wenn
er fällt, der nicht gern wieder aufstünde? Wo ist
jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme?
Warum will denn dies Volk zu Jerusalem irregehen für
und für? Sie halten so fest am falschen Gottesdienst, daß
sie nicht umkehren wollen.
Ich sehe und höre, daß sie nicht die Wahrheit
reden. Es gibt niemand, dem seine Bosheit leid wäre und der
spräche: Was hab ich doch getan! Sie laufen alle ihren Lauf
wie ein Hengst, der in der Schlacht dahinstürmt.
Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit,
Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie
wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN
nicht wissen.
Wie könnt ihr sagen: «Wir sind weise und
haben das Gesetz des HERRN bei uns»? Ist's doch lauter
Lüge, was die Schreiber daraus machen.
Die Weisen müssen zuschanden, erschreckt und gefangen
werden; denn was können sie Weises lehren, wenn sie des
HERRN Wort verwerfen?
Darum will ich ihre Frauen den Fremden geben und ihre
Äcker denen, durch die sie verjagt werden. Denn sie gieren
alle, klein und groß, nach unrechtem Gewinn; Priester und
Propheten gehen mit Lüge um
und heilen den Schaden meines Volks nur obenhin, indem sie
sagen: «Friede! Friede!», und ist doch nicht Friede.
Sie werden mit Schande dastehen, weil sie solche Greuel
getrieben haben; aber sie wollen sich nicht schämen und
wissen nichts von Scham. Darum sollen sie fallen unter den
Fallenden, und wenn ich sie heimsuchen werde, sollen sie stürzen,
spricht der HERR.
Ich will unter ihnen Lese halten, spricht der HERR, so daß
keine Trauben am Weinstock und keine Feigen am Feigenbaum
übrigbleiben, ja, auch die Blätter abfallen sollen; und
was ich ihnen gegeben habe, das soll ihnen genommen werden.
Die Angst des Volkes und die Trauer des Propheten
«Wozu wollen wir noch da sitzen? Sammelt euch und
laßt uns in die festen Städte ziehen, daß wir
dort umkommen. Denn der HERR, unser Gott, wird uns umkommen
lassen und uns tränken mit einem giftigen Trank, weil wir so
gesündigt haben wider den HERRN.
Wir hofften, es sollte Friede werden, aber es kommt nichts
Gutes; wir hofften, wir sollten heil werden, aber siehe, es ist
Schrecken da.
Man hört ihre Rosse schnauben von Dan her, vom
Wiehern ihrer Hengste erbebt das ganze Land. Sie fahren daher und
werden das Land auffressen mit allem, was darin ist, die Stadt
samt allen, die darin wohnen.»
Denn siehe, ich will Schlangen und Nattern unter euch
senden, die nicht zu beschwören sind; die sollen euch
stechen, spricht der HERR.
Was kann mich in meinem Jammer erquicken? Mein Herz
in mir ist krank.
Siehe, die Tochter meines Volks schreit aus fernem Lande
her: «Will denn der HERR nicht mehr Gott sein in Zion, oder
soll es keinen König mehr haben?» Ja, warum haben sie
mich so erzürnt durch ihre Bilder und fremde, nichtige
Götzen?
«Die Ernte ist vergangen, der Sommer ist dahin, und
uns ist keine Hilfe gekommen!»
Mich jammert von Herzen, daß mein Volk so ganz
zerschlagen ist; ich gräme und entsetze mich.
Ist denn keine Salbe in Gilead, oder ist kein Arzt da?
Warum ist denn die Tochter meines Volks nicht geheilt?
° Ach, daß ich Wasser genug hätte in meinem
Haupte und meine Augen Tränenquellen wären, daß
ich Tag und Nacht beweinen könnte die Erschlagenen meines
Volks!
Jeremias Klage über sein Volk
Kapitel 9
° Ach, daß ich eine Herberge hätte in der
Wüste, so wollte ich mein Volk verlassen und von ihnen
ziehen! Denn es sind lauter Ehebrecher und ein treuloser Haufe.
Sie schießen mit ihren Zungen lauter Lüge und
keine Wahrheit und treiben's mit Gewalt im Lande und gehen von
einer Bosheit zur andern, mich aber achten sie nicht, spricht der
HERR.
Ein jeder hüte sich vor seinem Freunde und traue auch
seinem Bruder nicht; denn ein Bruder überlistet den andern,
und ein Freund verleumdet den andern.
Ein Freund täuscht den andern, sie reden kein wahres
Wort; sie haben sich daran gewöhnt, daß einer den
andern betrügt. Sie freveln, und es ist ihnen leid
umzukehren.
Es ist allenthalben nichts als Trug unter ihnen, und vor
lauter Trug wollen sie mich nicht kennen, spricht der HERR.
Darum spricht der HERR Zebaoth: Siehe, ich will sie
schmelzen und prüfen; denn was soll ich sonst tun, wenn ich
ansehe die Tochter meines Volks?
Ihre falschen Zungen sind tödliche Pfeile; mit dem
Munde reden sie freundlich zu ihrem Nächsten, aber im Herzen
lauern sie ihm auf.
Sollte ich das nicht heimsuchen an ihnen, spricht der
HERR, und sollte ich mich nicht rächen an einem Volk wie
diesem?
Ich muß über die Berge weinen und heulen
und über die Weidegründe in der Steppe klagen; denn sie
sind verödet, daß niemand hindurchzieht und man auch
kein Vieh blöken hört. Die Vögel des Himmels und
das Vieh sind geflohen und fort.
Und ich will Jerusalem zu Steinhaufen und zur Wohnung der
Schakale machen und will die Städte Judas zur Wüste
machen, daß niemand darin wohnen soll.
Wer ist nun weise, daß er dies verstünde,
und zu wem spricht des HERRN Mund, daß er verkündete,
warum das Land verdirbt und öde wird wie eine Wüste,
die niemand durchwandert?
Und der HERR sprach: Weil sie mein Gesetz verlassen, das
ich ihnen vorgelegt habe, und meinen Worten nicht gehorchen, auch
nicht danach leben,
sondern folgen ihrem verstockten Herzen und den Baalen,
wie ihre Väter sie gelehrt haben,
darum spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Siehe,
ich will dies Volk mit Wermut speisen und mit Gift tränken.
Ich will sie unter Völker zerstreuen, die weder sie
noch ihre Väter gekannt haben, und will das Schwert hinter
ihnen her schicken, bis es aus ist mit ihnen.
So spricht der HERR Zebaoth: Gebt acht und bestellt
Klageweiber, daß sie kommen, und schickt nach denen, die
klagen können,
daß sie herbeieilen und um uns klagen, daß
unsre Augen von Tränen rinnen und unsre Augenlider von
Wasser fließen.
Horch, man hört ein Klagegeschrei in Zion: Ach, wie
hat man uns Gewalt angetan und wie sind wir zuschanden geworden!
Wir müssen das Land räumen; denn sie haben unsre
Wohnungen geschleift.
Ja, höret, ihr Frauen, des HERRN Wort, und nehmt zu
Ohren die Rede seines Mundes! Lehrt eure Töchter klagen, und
eine lehre die andere dies Klagelied:
«Der Tod ist zu unsern Fenstern hereingestiegen und
in unsere Häuser gekommen. Er würgt die Kinder auf der
Gasse und die jungen Männer auf den Plätzen.»
So spricht der HERR: Die Leichen der Menschen sollen
liegen wie Dung auf dem Felde und wie Garben hinter dem
Schnitter, die niemand sammelt.
Das rechte Rühmen
So spricht der HERR: Ein Weiser rühme sich nicht
seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke,
ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums.
Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich
dessen, daß er klug sei und mich kenne, daß ich der
HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt
auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR.
Israel ein unbeschnittenes Volk
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, daß ich
heimsuchen werde alle, die an der Vorhaut beschnitten sind,
nämlich Ägypten, Juda, Edom, die Ammoniter, Moab
und alle, die das Haar rundherum abscheren, die in der Wüste
wohnen. Denn alle Heiden sind nur unbeschnitten, aber ganz Israel
hat ein unbeschnittenes Herz.
Die toten Götzen und der lebendige Gott
Kapitel 10
Höret, was der HERR zu euch redet, ihr vom Hause
Israel!
So spricht der HERR: Ihr sollt nicht den Gottesdienst der
Heiden annehmen und sollt euch nicht fürchten vor den
Zeichen des Himmels, wie die Heiden sich fürchten.
Denn ihre Götter sind alle nichts. Man fällt im
Walde einen Baum, und der Bildhauer macht daraus mit dem
Schnitzmesser ein Werk von Menschenhänden,
und er schmückt es mit Silber und Gold und befestigt
es mit Nagel und Hammer, daß es nicht umfalle.
Sie sind ja nichts als Vogelscheuchen im Gurkenfeld. Sie
können nicht reden; auch muß man sie tragen, denn sie
können nicht gehen. Darum sollt ihr euch nicht vor ihnen
fürchten; denn sie können weder helfen noch Schaden
tun.
Aber dir, HERR, ist niemand gleich; du bist groß,
und dein Name ist groß, wie du es mit der Tat beweist.
Wer sollte dich nicht fürchten, du König der
Völker? Dir muß man gehorchen; denn unter allen Weisen
der Völker und in allen ihren Königreichen ist niemand
dir gleich.
Sie sind alle Narren und Toren; denn dem Holz zu dienen
ist ein nichtiger Gottesdienst.
Silberblech bringt man aus Tarsis, Gold aus Uphas; durch
den Bildhauer und Goldschmied werden sie hergestellt; blauen und
roten Purpur zieht man ihnen an, und alles ist der Künstler
Werk.
Aber der HERR ist der wahrhaftige Gott, der lebendige
Gott, der ewige König. Vor seinem Zorn bebt die Erde, und
die Völker können sein Drohen nicht ertragen.
So sagt nun zu ihnen: Die Götter, die Himmel
und Erde nicht gemacht haben, müssen vertilgt werden von der
Erde und unter dem Himmel.
Er aber hat die Erde durch seine Kraft gemacht und den
Erdkreis bereitet durch seine Weisheit und den Himmel
ausgebreitet durch seinen Verstand.
Wenn er donnert, so ist Wasser die Menge am Himmel; Wolken
läßt er heraufziehen vom Ende der Erde. Er macht die
Blitze, daß es regnet, und läßt den Wind kommen
aus seinen Vorratskammern.
Alle Menschen aber sind Toren mit ihrer Kunst, und alle
Goldschmiede stehen beschämt da mit ihren Bildern; denn ihre
Götzen sind Trug und haben kein Leben,
sie sind nichts, ein Spottgebilde; sie müssen
zugrunde gehen, wenn sie heimgesucht werden.
Aber so ist der nicht, der Jakobs Reichtum ist; sondern er
ist's, der alles geschaffen hat, und Israel ist sein Erbteil. Er
heißt HERR Zebaoth.
Worte des Gerichts und der Klage
Raffe dein Bündel auf von der Erde, die du sitzest in
Bedrängnis!
Denn so spricht der HERR: Siehe, ich will die Bewohner des
Landes diesmal wegschleudern und will sie ängstigen, damit
sie sich finden lassen.
Ach, was hab ich für Jammer und Herzeleid! Ich
dachte: Es ist nur eine Plage, ich muß sie erleiden.
Aber mein Zelt ist zerstört, und alle meine Seile
sind zerrissen. Meine Kinder sind von mir gegangen und nicht mehr
da. Niemand richtet meine Hütte wieder auf, und mein Zelt
schlägt keiner mehr auf.
Denn die Hirten sind zu Toren geworden und fragen nicht
nach dem HERRN. Darum kann ihnen nichts Rechtes gelingen, und
ihre ganze Herde ist zerstreut.
Horch, es kommt eine Kunde daher und ein großes
Getöse aus dem Lande des Nordens, daß die Städte
Judas verwüstet und zur Wohnung der Schakale werden sollen.
Ich weiß, HERR, daß des Menschen Tun
nicht in seiner Gewalt steht, und es liegt in niemandes Macht,
wie er wandle oder seinen Gang richte.
Züchtige mich, HERR, doch mit Maßen und
nicht in deinem Grimm, auf daß du mich nicht ganz zunichte
machst.
Schütte aber deinen Zorn aus über die Heiden,
die dich nicht kennen, und über die Geschlechter, die deinen
Namen nicht anrufen. Denn sie haben Jakob aufgefressen und
verschlungen, sie haben ihn vernichtet und seine Wohnung
verwüstet.
Der Bundesbruch des Volkes und Gottes Gericht
Kapitel 11
Dies ist das Wort, das zu Jeremia geschah vom HERRN:
Höret die Worte dieses Bundes, daß ihr sie den
Leuten in Juda und den Bürgern von Jerusalem sagt!
Und sprich zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott
Israels: Verflucht sei, wer nicht gehorcht den Worten dieses
Bundes,
die ich euren Vätern gebot an dem Tage, als ich sie
aus Ägyptenland führte, aus dem glühenden Ofen,
und sprach: Gehorcht meiner Stimme und tut, wie ich euch geboten
habe, so sollt ihr mein Volk sein, und ich will euer Gott sein,
damit ich den Eid halten kann, den ich euren Vätern
geschworen habe, ihnen ein Land zu geben, darin Milch und Honig
fließt, so wie es heute ist. Ich antwortete und sprach:
HERR, ja, so sei es!
Und der HERR sprach zu mir: Predige alle diese
Worte in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems und
sprich: Hört die Worte dieses Bundes und tut danach!
Denn ich habe eure Väter ermahnt von dem Tage an, als
ich sie aus Ägyptenland führte, bis auf den heutigen
Tag, und ich ermahnte sie immer wieder und sprach: Gehorcht
meiner Stimme!
Aber sie gehorchten nicht, kehrten auch ihre Ohren mir
nicht zu, sondern ein jeder wandelte nach seinem bösen und
verstockten Herzen. Darum habe ich auch über sie kommen
lassen alle Worte dieses Bundes, den ich geboten hatte zu halten
und den sie doch nicht gehalten haben.
Und der HERR sprach zu mir: Ich weiß sehr
wohl, wie sie in Juda und in Jerusalem sich verschworen haben.
Sie kehren zurück zu den Sünden ihrer Väter,
die vor ihnen waren und die meinen Worten auch nicht gehorchen
wollten und andern Göttern nachfolgten und ihnen dienten. So
hat das Haus Israel und das Haus Juda meinen Bund gebrochen, den
ich mit ihren Vätern geschlossen habe.
Darum siehe, spricht der HERR, ich will Unheil über
sie kommen lassen, dem sie nicht entgehen sollen; und wenn sie zu
mir schreien, will ich sie nicht hören.
Dann werden die Städte Judas und die Bürger
Jerusalems hingehen und zu den Göttern schreien, denen sie
geopfert haben; aber die werden ihnen nicht helfen in ihrer Not.
Denn so viel Städte, so viel Götter hast du,
Juda; und so viele Gassen es in Jerusalem gibt, so viele
Schandaltäre habt ihr aufgerichtet, um dem Baal zu opfern.
Du aber bitte nicht für dies Volk und bringe für
sie kein Flehen noch Gebet vor mich; denn ich will sie nicht
hören, wenn sie zu mir schreien in ihrer Not.
Was macht mein geliebtes Volk in meinem Hause? Sie
treiben lauter Bosheit und meinen, Gelübde und heiliges
Opferfleisch könnten die Schuld von ihnen nehmen; und wenn
sie übel tun, sind sie guter Dinge darüber.
Der HERR nannte dich einen grünen, schönen,
fruchtbaren Ölbaum; aber nun hat er mit großem Brausen
ein Feuer um ihn anzünden lassen, so daß seine Äste
verderben müssen.
Denn der HERR Zebaoth, der dich gepflanzt hat, hat dir
Unheil angedroht um der Bosheit willen des Hauses Israel und des
Hauses Juda, die sie getrieben haben, um mich zu erzürnen
mit ihren Rauchopfern, die sie dem Baal darbrachten.
Der Anschlag der Leute von Anathoth auf Jeremia
Der HERR tat mir kund ihr Vorhaben, damit ich's wisse, und
er zeigte es mir.
Denn ich war wie ein argloses Lamm gewesen, das zur
Schlachtbank geführt wird, und wußte nicht, daß
sie gegen mich beratschlagt und gesagt hatten: Laßt uns den
Baum in seinem Saft verderben und ihn aus dem Lande der
Lebendigen ausrotten, daß seines Namens nimmermehr gedacht
werde.
Aber du, HERR Zebaoth, du gerechter Richter, der du Nieren
und Herzen prüfst, laß mich sehen, wie du ihnen
vergiltst; denn ich habe dir meine Sache befohlen.
Darum spricht der HERR über die Männer von
Anathoth, die dir nach dem Leben trachten und sprechen: Weissage
nicht im Namen des HERRN, wenn du nicht von unsern Händen
sterben willst! -
darum spricht der HERR Zebaoth: Siehe, ich will sie
heimsuchen. Ihre junge Mannschaft soll mit dem Schwert getötet
werden, und ihre Söhne und Töchter sollen vor Hunger
sterben,
daß keiner von ihnen übrigbleibt; denn ich will
über die Männer von Anathoth Unheil kommen lassen in
dem Jahr, da ich sie heimsuchen werde.
Jeremias Anstoß am Glück der Gottlosen und Gottes
Antwort
Kapitel 12
HERR, wenn ich auch mit dir rechten wollte, so behältst
du doch recht; dennoch muß ich vom Recht mit dir reden.
Warum geht's doch den Gottlosen so gut, und die Abtrünnigen
haben alles in Fülle?
Du pflanzest sie ein, sie schlagen Wurzeln und wachsen und
bringen Frucht. Nahe bist du ihrem Munde, aber ferne von ihrem
Herzen.
Mich aber, HERR, kennst du und siehst mich und prüfst
mein Herz vor dir. Reiß sie weg wie Schafe zum Schlachten,
und sondere sie aus, daß sie getötet werden!
Wie lange soll das Land so trocken stehen und das Gras
überall auf dem Felde verdorren? Wegen der Bosheit der
Bewohner schwinden Vieh und Vögel dahin; denn man sagt: Er
weiß nicht, wie es uns gehen wird.
Wenn es dich müde macht, mit Fußgängern
zu gehen, wie wird es dir gehen, wenn du mit Rossen laufen
sollst? Und wenn du schon im Lande, wo keine Gefahr ist,
Sicherheit suchst, was willst du tun im Dickicht des Jordan?
Denn auch deine Brüder und deines Vaters Haus sind
treulos, sie schreien hinter dir her aus vollem Halse. Darum
traue du ihnen nicht, wenn sie auch freundlich mit dir reden.
Gottes Klage über sein verwüstetes Land
Ich habe mein Haus verlassen und mein Erbe verstoßen
und, was meine Seele liebt, in der Feinde Hand gegeben.
Mein Erbe ist mir geworden wie ein Löwe im Walde und
brüllt wider mich; darum bin ich ihm feind geworden.
Mein Erbe ist wie der bunte Vogel, um den sich die Vögel
sammeln: Wohlauf und sammelt euch, alle Tiere des Feldes, kommt
und freßt!
Viele Hirten haben meinen Weinberg verwüstet und
meinen Acker zertreten; sie haben meinen schönen Acker zur
Wüste gemacht.
Sie haben ihn jämmerlich verwüstet; verödet
liegt er vor mir; ja, das ganze Land ist verwüstet, aber
niemand will es zu Herzen nehmen.
Die Verwüster kommen daher über alle kahlen
Höhen der Steppe. Denn ein Schwert hat der HERR, das frißt
von einem Ende des Landes bis zum andern, und kein Geschöpf
wird Frieden haben.
Sie haben Weizen gesät, aber Dornen geerntet; sie
ließen's sich sauer werden, aber sie konnten's nicht
genießen. Sie konnten ihres Ertrages nicht froh werden vor
dem grimmigen Zorn des HERRN.
Weissagung über benachbarte Völker
So spricht der HERR: Wider alle meine bösen Nachbarn,
die das Erbteil antasten, das ich meinem Volk Israel ausgeteilt
habe: Siehe, ich will sie aus ihrem Lande ausreißen und das
Haus Juda aus ihrer Mitte reißen.
Aber wenn ich sie ausgerissen habe, will ich mich wieder
über sie erbarmen und will einen jeden in sein Erbteil und
in sein Land zurückbringen.
Und es soll geschehen, wenn sie von meinem Volk lernen
werden, bei meinem Namen zu schwören: So wahr der HERR
lebt!, wie sie mein Volk gelehrt haben, beim Baal zu schwören,
so sollen sie inmitten meines Volks wohnen.
Wenn sie aber nicht hören wollen, so will ich solch
ein Volk ausreißen und vernichten, spricht der HERR.
Der verdorbene Gürtel
Kapitel 13
So sprach der HERR zu mir: Geh hin und kaufe dir einen
leinenen Gürtel und gürte damit deine Lenden, aber laß
ihn nicht naß werden!
Und ich kaufte einen Gürtel nach dem Befehl des HERRN
und gürtete ihn um meine Lenden.
Da geschah des HERRN Wort ein zweites Mal zu mir:
Nimm den Gürtel, den du gekauft und um deine Lenden
gegürtet hast, und mache dich auf und geh hin an den Euphrat
und verstecke ihn dort in einer Felsspalte!
Ich ging hin und versteckte ihn am Euphrat, wie mir der
HERR geboten hatte.
Nach langer Zeit aber sprach der HERR zu mir: Mache dich
auf und geh hin an den Euphrat und hole den Gürtel wieder,
den ich dich dort verstecken ließ!
Ich ging hin an den Euphrat und grub nach und nahm den
Gürtel von dem Ort, wo ich ihn versteckt hatte; und siehe,
der Gürtel war verdorben, so daß er zu nichts mehr
taugte.
Da geschah des HERRN Wort zu mir:
So spricht der HERR: Ebenso will ich verderben den großen
Hochmut Judas und Jerusalems.
Dies böse Volk, das meine Worte nicht hören
will, sondern nach seinem verstockten Herzen wandelt und andern
Göttern folgt, um ihnen zu dienen und sie anzubeten: es soll
werden wie der Gürtel, der zu nichts mehr taugt.
Denn gleichwie der Gürtel um die Lenden des Mannes
gebunden wird, so habe ich, spricht der HERR, das ganze Haus
Israel und das ganze Haus Juda um mich gegürtet, daß
sie mein Volk sein sollten, mir zum Ruhm, zu Lob und Ehren; aber
sie wollten nicht hören.
Die gefüllten Weinkrüge
Sage ihnen dies Wort: So spricht der HERR, der Gott
Israels: Alle Krüge werden mit Wein gefüllt. Und wenn
sie zu dir sagen: Wer weiß das nicht, daß alle Krüge
mit Wein gefüllt werden?,
so antworte ihnen: So spricht der HERR: Siehe, ich will
alle, die in diesem Lande wohnen, die Könige, die auf dem
Thron Davids sitzen, die Priester und Propheten und alle
Einwohner Jerusalems mit Trunkenheit füllen
und will einen am andern, die Väter samt den Söhnen,
zerschmettern, spricht der HERR, und will weder schonen noch
barmherzig sein und sie ohne Mitleid verderben.
Mahnung zur Beugung vor Gott
Höret und merkt auf und seid nicht so hochfahrend,
denn der HERR hat's geredet.
Gebt dem HERRN, eurem Gott, die Ehre, ehe es finster wird
und ehe eure Füße sich an den dunklen Bergen stoßen
und ihr auf das Licht wartet, während er es doch finster und
dunkel machen wird.
Wollt ihr das aber nicht hören, so muß ich
heimlich weinen über solchen Hochmut; meine Augen müssen
von Tränen überfließen, weil des HERRN Herde
gefangen weggeführt wird.
Sage dem König und der Königinmutter: Setzt euch
ganz nach unten; denn die Krone der Herrlichkeit ist euch vom
Haupt gefallen.
Die Städte im Südland sind verschlossen, und es
ist niemand, der sie auftut; ganz Juda ist weggeführt.
Die Schändung Jerusalems
Hebt eure Augen auf und sehet, wie sie von Norden
daherkommen. Wo ist nun die Herde, die dir befohlen war, deine
herrliche Herde?
Was willst du sagen, wenn er die über dich zum Haupt
bestellen wird, die du als Freunde an dich gewöhnt hast? Was
gilt's? Es wird dich Angst ankommen wie eine Frau in Kindsnöten.
Und wenn du in deinem Herzen sagen wirst: «Warum
begegnet mir das?» Um der Menge deiner Sünden willen
wird dir dein Gewand aufgehoben und wird dir Schande angetan.
Kann etwa ein Mohr seine Haut wandeln oder ein Panther
seine Flecken? So wenig könnt auch ihr Gutes tun, die ihr
ans Böse gewöhnt seid.
Darum will ich sie zerstreuen wie Spreu, die verweht wird
von dem Wind aus der Wüste.
Das soll dein Lohn sein und dein Teil, den ich dir
zugemessen habe, spricht der HERR: Weil du mich vergessen hast
und dich auf Lügen verläßt,
will auch ich dein Gewand hochheben, daß deine
Schande sichtbar werde.
Denn ich habe gesehen deine Ehebrecherei, deine Geilheit,
deine freche Hurerei, ja, deine Greuel auf den Hügeln und im
Felde. Weh dir, Jerusalem! Wann wirst du doch endlich rein
werden?
Vergebliche Bitte bei Dürre und Kriegsnot
Kapitel 14
Dies ist das Wort, das der HERR zu Jeremia sagte über
die große Dürre:
Juda liegt jämmerlich da, seine Städte sind
verschmachtet. Sie sitzen trauernd auf der Erde, und in Jerusalem
ist lautes Klagen.
Die Großen schicken ihre Leute nach Wasser; aber
wenn sie zum Brunnen kommen, finden sie kein Wasser und bringen
ihre Gefäße leer zurück. Sie sind traurig und
betrübt und verhüllen ihre Häupter.
Die Erde lechzt, weil es nicht regnet auf Erden. Darum
sind die Ackerleute traurig und verhüllen ihre Häupter.
Ja, auch die Hirschkühe, die auf dem Felde werfen,
verlassen die Jungen, weil kein Gras wächst.
Die Wildesel stehen auf den kahlen Höhen und
schnappen nach Luft wie die Schakale; ihre Augen erlöschen,
weil nichts Grünes wächst.
Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so
hilf doch um deines Namens willen! Denn unser Ungehorsam ist
groß, womit wir wider dich gesündigt haben.
Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer. Warum
stellst du dich, als wärest du ein Fremdling im Lande und
ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt?
Warum stellst du dich wie einer, der verzagt ist, und wie
ein Held, der nicht helfen kann? Du bist ja doch unter uns, HERR,
und wir heißen nach deinem Namen; verlaß uns nicht!
So spricht der HERR von diesem Volk: Sie laufen
gern hin und her und schonen ihre Füße nicht. Darum
hat der HERR kein Gefallen an ihnen, sondern er denkt nun an ihre
Missetat und will ihre Sünden heimsuchen.
Und der HERR sprach zu mir: Du sollst nicht für
dies Volk um Gnade bitten.
Denn wenn sie auch fasten, so will ich doch ihr Flehen
nicht erhören; und wenn sie auch Brandopfer und Speisopfer
bringen, so gefallen sie mir doch nicht, sondern ich will sie
durch Schwert, Hunger und Pest aufreiben.
Da sprach ich: Ach, Herr HERR! Siehe, die Propheten sagen
ihnen: Ihr werdet das Schwert nicht sehen und keine Hungersnot
bei euch haben, sondern ich will euch beständigen Frieden
geben an diesem Ort.
Aber der HERR sprach zu mir: Diese Propheten weissagen
Lüge in meinem Namen; ich habe sie nicht gesandt und ihnen
nichts befohlen und nicht zu ihnen geredet. Sie predigen euch
falsche Offenbarungen, nichtige Wahrsagung und ihres Herzens
Trug.
Darum spricht der HERR: Wider die Propheten, die in
meinem Namen weissagen, obgleich ich sie nicht gesandt habe, und
die dennoch predigen, es werde weder Schwert noch Hungersnot in
dies Land kommen: Solche Propheten sollen sterben durch Schwert
und Hunger.
Und die Leute, denen sie weissagen, sollen auf den Gassen
Jerusalems liegen, vom Schwert und Hunger hingestreckt, und
niemand wird sie begraben, sie und ihre Frauen, Söhne und
Töchter; und ich will ihre Bosheit über sie
ausschütten.
Und du sollst zu ihnen dies Wort sagen: Meine Augen
fließen über von Tränen, unaufhörlich Tag
und Nacht; denn die Jungfrau, die Tochter meines Volks, ist
unheilbar verwundet und völlig zerschlagen.
Gehe ich hinaus aufs Feld, siehe, so liegen dort vom
Schwert Erschlagene; komme ich in die Stadt, siehe, so liegen
dort vor Hunger Verschmachtete. Sogar Propheten und Priester
müssen in ein Land ziehen, das sie nicht kennen.
Hast du denn Juda verworfen oder einen Abscheu
gegen Zion? Warum hast du uns denn so geschlagen, daß uns
niemand heilen kann? Wir hofften, es sollte Friede werden; aber
es kommt nichts Gutes. Wir hofften, wir sollten heil werden; aber
siehe, es ist Schrecken da.
HERR, wir erkennen unser gottloses Leben und unsrer Väter
Missetat; denn wir haben wider dich gesündigt.
Aber um deines Namens willen verwirf uns nicht! Laß
den Thron deiner Herrlichkeit nicht verspottet werden; gedenke
doch an deinen Bund mit uns und laß ihn nicht aufhören!
Ist den unter den Götzen der Heiden einer, der Regen
geben könnte, oder gibt der Himmel Regen? Du bist doch der
HERR, unser Gott, auf den wir hoffen; denn du hast das alles
gemacht.
Kapitel 15
Und der HERR sprach zu mir: Und wenn auch Mose und
Samuel vor mir stünden, so habe ich doch kein Herz für
dies Volk. Treibe sie weg von mir, und laß sie weggehen!
Und wenn sie zu dir sagen: Wo sollen wir hin?, dann
antworte ihnen: So spricht der HERR: Wen der Tod trifft, den
treffe er; wen das Schwert trifft, den treffe es; wen der Hunger
trifft, den treffe er; wen die Gefangenschaft trifft, den treffe
sie!
Denn ich will sie heimsuchen mit viererlei Plagen, spricht
der HERR: mit dem Schwert, daß sie getötet werden; mit
Hunden, die sie fortschleifen sollen; mit den Vögeln des
Himmels und mit den Tieren des Feldes, daß sie gefressen
und vertilgt werden sollen.
Und ich will sie zu einem Bild des Entsetzens machen für
alle Königreiche auf Erden um Manasses willen, des Sohnes
Hiskias, des Königs von Juda, für alles, was er in
Jerusalem begangen hat.
Wer will sich denn deiner erbarmen, Jerusalem? Wer
wird denn Mitleid mit dir haben? Wer wird denn kommen und fragen,
ob es dir gut geht?
Du hast mich verlassen, spricht der HERR, und bist von mir
abgefallen; darum habe ich meine Hand gegen dich ausgestreckt, um
dich zu verderben; ich bin des Erbarmens müde.
Ich worfelte sie mit der Worfschaufel in den Städten
des Landes, und mein Volk, das sich nicht bekehren wollte von
seinem Wandel, machte ich kinderlos und brachte es um.
Es wurden mehr Frauen zu Witwen unter ihnen, als Sand am
Meer ist. Ich ließ kommen über die Mütter der
jungen Mannschaft den Verderber am hellen Mittag und ließ
plötzlich über sie fallen Angst und Schrecken.
Die sieben Kinder hatte, welkte dahin, und ihre Seele
verschmachtete in ihr. Ihre Sonne ging unter am hellen Tag; ihr
Ruhm und ihre Freude hatte ein Ende. Und was von ihnen übrig
ist, will ich dem Schwert hingeben vor ihren Feinden, spricht der
HERR.
Die Klage des Propheten über sein Amt.
Gottes Zusage
Weh mir, meine Mutter, daß du mich geboren hast,
gegen den jedermann hadert und streitet im ganzen Lande! Hab ich
doch weder auf Wucherzinsen ausgeliehen, noch hat man mir
geliehen, und doch flucht mir jedermann.
Der HERR sprach: Wohlan, ich will etliche von euch
übrig lassen, denen es wieder wohlgehen soll, und will euch
zu Hilfe kommen in der Not und Angst unter den Feinden.
Kann man Eisen zerbrechen, Eisen und Kupfer aus dem
Norden?
Ich will dein Gut und deine Schätze zum Raube geben
als Lohn für alle deine Sünden, die du in deinem ganzen
Gebiet begangen hast,
und will dich zum Knecht deiner Feinde machen in einem
Lande, das du nicht kennst; denn es ist das Feuer meines Zorns
über euch angezündet.
Ach HERR, du weißt es! Gedenke an mich und
nimm dich meiner an und räche mich an meinen Verfolgern! Laß
mich nicht hinweggerafft werden, während du deinen Zorn über
sie noch zurückhältst; denn du weißt, daß
ich um deinetwillen geschmäht werde.
Dein Wort ward meine Speise, sooft ich's empfing, und
dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja
nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth.
Ich habe mich nicht zu den Fröhlichen gesellt noch
mich mit ihnen gefreut, sondern saß einsam, gebeugt von
deiner Hand; denn du hattest mich erfüllt mit Grimm.
Warum währt doch mein Leiden so lange und sind meine
Wunden so schlimm, daß sie niemand heilen kann? Du bist mir
geworden wie ein trügerischer Born, der nicht mehr quellen
will.
Darum spricht der HERR: Wenn du dich zu mir hältst,
so will ich mich zu dir halten, und du sollst mein Prediger
bleiben. Und wenn du recht redest und nicht leichtfertig, so
sollst du mein Mund sein. Sie sollen sich zu dir kehren, doch du
kehre dich nicht zu ihnen!
Denn ich mache dich für dies Volk zur festen, ehernen
Mauer. Wenn sie auch wider dich streiten, sollen sie dir doch
nichts anhaben; denn ich bin bei dir, daß ich dir helfe und
dich errette, spricht der HERR,
und ich will dich erretten aus der Hand der Bösen und
erlösen aus der Hand der Tyrannen.
Jeremias Einsamkeit als Vorzeichen des Gerichts
Kapitel 16
Und des HERRN Wort geschah zu mir:
Du sollst dir keine Frau nehmen und weder Söhne noch
Töchter zeugen an diesem Ort.
Denn so spricht der HERR von den Söhnen und Töchtern,
die an diesem Ort geboren werden, und von ihren Müttern, die
sie gebären, und von ihren Vätern, die sie zeugen in
diesem Lande:
Sie sollen an bösen Krankheiten sterben und nicht
beklagt noch begraben werden, sondern sollen Dung werden auf dem
Acker. Durch Schwert und Hunger sollen sie umkommen, und ihre
Leichname sollen den Vögeln des Himmels und den Tieren des
Feldes zum Fraße werden.
So spricht der HERR: Du sollst in kein Trauerhaus
gehen, weder um zu klagen noch um zu trösten; denn ich habe
meinen Frieden von diesem Volk weggenommen, die Gnade und die
Barmherzigkeit, spricht der HERR.
Große und Kleine sollen sterben in diesem Lande und
nicht begraben noch beklagt werden, und niemand wird sich
ihretwegen wund ritzen oder kahl scheren.
Auch wird man keinem das Trauerbrot brechen, um ihn zu
trösten wegen eines Toten, und auch nicht den Trostbecher zu
trinken geben wegen seines Vaters oder seiner Mutter.
Du sollst auch in kein Hochzeitshaus gehen, um bei ihnen
zu sitzen zum Essen und zum Trinken.
Denn so spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Siehe,
ich will an diesem Ort vor euren Augen und zu euren Lebzeiten ein
Ende machen dem Jubel der Freude und Wonne, der Stimme des
Bräutigams und der Braut.
Und wenn du das alles diesem Volk gesagt hast und
sie zu dir sprechen werden: Warum kündigt uns der HERR all
dies große Unheil an? Was ist die Missetat und Sünde,
womit wir wider den HERRN, unsern Gott, gesündigt haben?,
so sollst du ihnen sagen: Weil eure Väter mich
verlassen haben, spricht der HERR, und andern Göttern
nachgelaufen sind, ihnen gedient und sie angebetet, mich aber
verlassen und mein Gesetz nicht gehalten haben,
ihr aber noch ärger tut als eure Väter; denn
siehe, ein jeder lebt nach seinem verstockten und bösen
Herzen, so daß er mir nicht gehorcht.
Darum will ich euch aus diesem Lande verstoßen in
ein Land, von dem weder ihr noch eure Väter gewußt
haben. Dort sollt ihr andern Göttern dienen Tag und Nacht,
weil ich euch keine Gnade mehr erweisen will.
Heil und Gericht für Israel und für die Völker
Darum siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, daß
man nicht mehr sagen wird: «So wahr der HERR lebt, der die
Kinder Israel aus Ägyptenland geführt hat»,
sondern: «So wahr der HERR lebt, der die Kinder
Israel geführt hat aus dem Lande des Nordens und aus allen
Ländern, wohin er sie verstoßen hatte.» Denn ich
will sie zurückbringen in das Land, das ich ihren Vätern
gegeben habe.
Siehe, ich will viele Fischer aussenden, spricht
der HERR, die sollen sie fischen; und danach will ich viele Jäger
aussenden, die sollen sie fangen auf allen Bergen und auf allen
Hügeln und in allen Felsklüften.
Denn meine Augen sehen auf alle ihre Wege, daß sie
sich nicht vor mir verstecken können, und ihre Missetat ist
vor meinen Augen nicht verborgen.
Aber zuvor will ich ihre Missetat und Sünde zwiefach
vergelten, weil sie mein Land mit ihren toten Götzen unrein
gemacht und mein Erbland mit ihren Greueln angefüllt haben.
HERR, du bist meine Stärke und Kraft und meine
Zuflucht in der Not! Die Heiden werden zu dir kommen von den
Enden der Erde und sagen: Nur Lüge haben unsre Väter
gehabt, nichtige Götter, die nicht helfen können.
Wie kann ein Mensch sich Götter machen? Das sind doch
keine Götter!
Darum siehe, diesmal will ich sie lehren und meine Kraft
und Gewalt ihnen kundtun, daß sie erfahren sollen: Ich
heiße der HERR.
Gottes gerechte Vergeltung
Kapitel 17
Die Sünde Judas ist geschrieben mit eisernem Griffel
und mit diamantener Spitze gegraben auf die Tafel ihres Herzens
und auf die Hörner an ihren Altären;
denn ihre Söhne denken an ihre Altäre und
Ascherabilder unter den grünen Bäumen und auf den hohen
Hügeln.
Aber ich will deine Opferhöhen auf Bergen und Feldern
samt deiner Habe und allen deinen Schätzen zum Raube geben
um der Sünde willen, die in deinem ganzen Gebiet begangen
ist.
Und du sollst aus deinem Erbe verstoßen werden, das
ich dir gegeben habe, und ich will dich zum Knecht deiner Feinde
machen in einem Lande, das du nicht kennst; denn ihr habt ein
Feuer meines Zorns angezündet, das ewiglich brennen wird.
So spricht der HERR: Verflucht ist der Mann, der
sich auf Menschen verläßt und hält Fleisch für
seinen Arm und weicht mit seinem Herzen vom HERRN.
Der wird sein wie ein Dornstrauch in der Wüste und
wird nicht sehen das Gute, das kommt, sondern er wird bleiben in
der Dürre der Wüste, im unfruchtbaren Lande, wo niemand
wohnt.
Gesegnet aber ist der Mann, der sich auf den HERRN
verläßt und dessen Zuversicht der HERR ist.
Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine
Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt,
fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter
bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres
Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte.
Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann
es ergründen?
Ich, der HERR, kann das Herz ergründen und die Nieren
prüfen und gebe einem jeden nach seinem Tun, nach den
Früchten seiner Werke.
Wie ein Vogel, der sich über Eier setzt, die er nicht
gelegt hat, so ist, wer unrecht Gut sammelt; denn er muß
davon, wenn er's am wenigsten denkt, und muß zuletzt noch
Spott dazu haben.
Aber die Stätte unseres Heiligtums ist der Thron der
Herrlichkeit, erhaben von Anbeginn.
Denn du, HERR, bist die Hoffnung Israels. Alle, die dich
verlassen, müssen zuschanden werden, und die Abtrünnigen
müssen auf die Erde geschrieben werden; denn sie verlassen
den HERRN, die Quelle des lebendigen Wassers.
Jeremias Gebet in Anfechtung
Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so
ist mir geholfen; denn du bist mein Ruhm.
Siehe, sie sprechen zu mir: Wo ist denn des HERRN Wort?
Laß es doch kommen!
Aber ich habe dich nie gedrängt, Unheil kommen zu
lassen; auch hab ich den bösen Tag nicht herbeigewünscht,
das weißt du. Was ich gepredigt habe, das liegt offen vor
dir.
Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Zuversicht in der
Not!
Laß die zuschanden werden, die mich verfolgen, und
nicht mich; laß sie erschrecken, und nicht mich. Laß
den Tag des Unheils über sie kommen und zerschlage sie
zwiefach!
Die Heiligung des Sabbats
So sprach der HERR zu mir: Geh hin und tritt ins Tor des
Volks, durch das die Könige von Juda aus- und eingehen, und
in alle Tore Jerusalems
und sprich zu ihnen: Höret des HERRN Wort, ihr Könige
Judas und ganz Juda und alle Einwohner Jerusalems, die durch
diese Tore gehen!
So spricht der HERR: Hütet euch und tragt keine Last
am Sabbattag durch die Tore Jerusalems
und tragt keine Last am Sabbattag aus euren Häusern
und tut keine Arbeit, sondern heiligt den Sabbattag, wie ich
euren Vätern geboten habe.
Aber sie hörten nicht und kehrten mir ihre Ohren
nicht zu, sondern blieben halsstarrig, daß sie ja nicht auf
mich hörten noch Zucht annähmen.
Wenn ihr nun auf mich hören werdet, spricht der HERR,
daß ihr am Sabbattag keine Last durch die Tore dieser Stadt
tragt, sondern ihn heiligt, daß ihr an diesem Tage keine
Arbeit tut,
so sollen auch durch die Tore dieser Stadt aus- und
eingehen Könige, die auf dem Thron Davids sitzen und die mit
Roß und Wagen fahren, sie und ihre Großen samt allen,
die in Juda und Jerusalem wohnen; und es soll diese Stadt
immerdar bewohnt werden.
Und sie sollen kommen aus den Städten Judas und aus
der Gegend von Jerusalem und aus dem Lande Benjamin, aus dem
Hügelland und vom Gebirge und vom Südland, die da
bringen Brandopfer, Schlachtopfer, Speisopfer und Weihrauch und
die da Dankopfer bringen zum Hause des HERRN.
Werdet ihr aber nicht auf mein Gebot hören, den
Sabbattag zu heiligen und keine Last am Sabbattag zu tragen durch
die Tore Jerusalems, so will ich ein Feuer in ihren Toren
anzünden, das die festen Häuser Jerusalems verzehrt und
nicht gelöscht werden kann.
Das Gleichnis vom Töpfer
Kapitel 18
Dies ist das Wort, das geschah vom HERRN zu Jeremia:
Mach dich auf und geh hinab in des Töpfers Haus; dort
will ich dich meine Worte hören lassen.
Und ich ging hinab in des Töpfers Haus, und siehe, er
arbeitete eben auf der Scheibe.
Und der Topf, den er aus dem Ton machte, mißriet ihm
unter den Händen. Da machte er einen andern Topf daraus, wie
es ihm gefiel.
Da geschah des HERRN Wort zu mir:
Kann ich nicht ebenso mit euch umgehen, ihr vom Hause
Israel, wie dieser Töpfer? spricht der HERR. Siehe, wie der
Ton in des Töpfers Hand, so seid auch ihr vom Hause Israel
in meiner Hand.
Bald rede ich über ein Volk und Königreich,
daß ich es ausreißen, einreißen und zerstören
will;
wenn es sich aber bekehrt von seiner Bosheit, gegen die
ich rede, so reut mich auch das Unheil, das ich ihm gedachte zu
tun.
Und bald rede ich über ein Volk und Königreich,
daß ich es bauen und pflanzen will;
wenn es aber tut, was mir mißfällt, daß
es meiner Stimme nicht gehorcht, so reut mich auch das Gute, das
ich ihm verheißen hatte zu tun.
Und nun sprich zu den Leuten in Juda und zu den
Bürgern Jerusalems: So spricht der HERR: Siehe, ich bereite
euch Unheil und habe gegen euch etwas im Sinn. So bekehrt euch
doch, ein jeder von seinen bösen Wegen, und bessert euern
Wandel und euer Tun!
Aber sie sprechen: Daraus wird nichts! Wir wollen nach
unsern Gedanken wandeln, und ein jeder soll tun nach seinem
verstockten und bösen Herzen.
Darum spricht der HERR: Fragt doch unter den
Heiden: Wer hat je dergleichen gehört? So greuliche Dinge
tut die Jungfrau Israel!
Bleibt doch der Schnee länger auf den Steinen im
Felde, wenn's vom Libanon herab schneit, und das Regenwasser
verläuft sich nicht so schnell,
wie mein Volk meiner vergißt. Sie opfern den
nichtigen Göttern. Die haben sie zu Fall gebracht auf den
alten Wegen und lassen sie nun gehen auf ungebahnten Straßen,
auf daß ihr Land zur Wüste werde, ihnen zur
ewigen Schande, daß, wer vorübergeht, sich entsetze
und den Kopf schüttle.
Denn ich will sie wie durch einen Ostwind zerstreuen vor
ihren Feinden; ich will ihnen den Rücken und nicht das
Antlitz zeigen am Tag ihres Verderbens.
Jeremias Gebet gegen seine Feinde
Sie sprechen: «Kommt und laßt uns gegen
Jeremia Böses planen; denn dem Priester wird's nicht fehlen
an Weisung noch dem Weisen an Rat noch dem Propheten am Wort!
Kommt, laßt uns ihn mit seinen eigenen Worten schlagen und
nichts geben auf alle seine Reden!»
HERR, hab acht auf mich und höre die Stimme meiner
Widersacher!
Ist's recht, daß man Gutes mit Bösem vergilt?
Denn sie haben mir eine Grube gegraben! Gedenke doch, wie ich vor
dir gestanden bin, um für sie zum besten zu reden und deinen
Grimm von ihnen abzuwenden!
So strafe nun ihre Kinder mit Hunger und gib sie dem
Schwerte preis, daß ihre Frauen kinderlos und Witwen seien
und ihre Männer vom Tode getroffen und ihre junge Mannschaft
im Krieg durchs Schwert getötet werden;
daß Geschrei aus ihren Häusern gehört
werde, wenn du plötzlich Kriegsvolk über sie kommen
läßt. Denn sie haben eine Grube gegraben, mich zu
fangen, und meinen Füßen Fallen gestellt.
Aber du, HERR, kennst alle ihre Anschläge gegen mich,
daß sie mich töten wollen. So vergib ihnen ihre
Missetat nicht und tilge ihre Sünde nicht aus vor dir! Laß
sie vor dir zu Fall kommen und handle an ihnen zur Zeit deines
Zorns!
Der zerschmetterte Krug
Kapitel 19
So sprach der HERR: Geh hin und kaufe dir einen irdenen
Krug vom Töpfer und nimm mit etliche von den Ältesten
des Volks und von den Ältesten der Priester
und geh hinaus ins Tal Ben-Hinnom, das vor dem Scherbentor
liegt, und predige dort die Worte, die ich dir sage,
und sprich: Höret des HERRN Wort, ihr Könige von
Juda und ihr Bürger Jerusalems! So spricht der HERR Zebaoth,
der Gott Israels: Siehe, ich will ein solches Unheil über
diese Stätte bringen, daß jedem, der es hören
wird, die Ohren gellen sollen,
weil sie mich verlassen und diese Stätte einem
fremden Gott gegeben und dort andern Göttern geopfert haben,
die weder sie noch ihre Väter noch die Könige von Juda
kannten, und weil sie die Stätte voll unschuldigen Blutes
gemacht
und dem Baal Höhen gebaut haben, um ihre Kinder dem
Baal als Brandopfer zu verbrennen, was ich weder geboten noch
geredet habe und was mir nie in den Sinn gekommen ist.
Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der
HERR, daß man diese Stätte nicht mehr Topheth
und Tal Ben-Hinnom, sondern Würgetal nennen wird.
Und ich will den Gottesdienst Judas und Jerusalems an
diesem Ort zunichte machen und will sie durchs Schwert fallen
lassen vor ihren Feinden und durch die Hand derer, die ihnen nach
dem Leben trachten, und will ihre Leichname den Vögeln des
Himmels und den Tieren auf dem Felde zum Fraße geben.
Und ich will diese Stadt zum Entsetzen und zum Spott
machen, daß alle, die vorübergehen, sich entsetzen und
spotten über alle ihre Plagen.
Ich will sie ihrer Söhne und Töchter Fleisch
essen lassen, und einer soll des andern Fleisch essen in der Not
und Angst, mit der ihre Feinde und die, die ihnen nach dem Leben
trachten, sie bedrängen werden.
Und du sollst den Krug zerbrechen vor den Augen der
Männer, die mit dir gegangen sind,
und zu ihnen sagen: So spricht der HERR Zebaoth: Wie man
eines Töpfers Gefäß zerbricht, daß es nicht
wieder ganz werden kann, so will ich dies Volk und diese Stadt
zerbrechen. Und man wird im Topheth
begraben, weil sonst kein Raum dafür da sein wird.
So will ich's mit dieser Stätte und ihren Bewohnern
machen, spricht der HERR, daß diese Stadt wie das Topheth
werden soll.
Und die Häuser Jerusalems und die Häuser der
Könige von Juda sollen ebenso unrein werden wie die Stätte
Topheth, alle Häuser, wo sie auf den Dächern dem ganzen
Heer des Himmels geopfert und andern Göttern Trankopfer
dargebracht haben.
Die Mißhandlung Jeremias durch Paschhur
Und als Jeremia vom Topheth
zurückkam, wohin ihn der HERR gesandt hatte, um zu
weissagen, trat er in den Vorhof am Hause des HERRN und sprach zu
allem Volk:
So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich
will über diese Stadt und über alle ihre Ortschaften
all das Unheil kommen lassen, das ich gegen sie geredet habe,
weil sie halsstarrig sind und meine Worte nicht hören
wollen.
Kapitel 20
Als aber Paschhur, ein Sohn Immers, der Priester,
der zum Vorsteher im Hause des HERRN bestellt war, hörte,
wie Jeremia solche Worte weissagte,
schlug er den Propheten Jeremia und schloß ihn in
den Block am oberen Benjamintor, das am Hause des HERRN ist.
Und am andern Morgen ließ Paschhur den Jeremia aus
dem Block los. Da sprach Jeremia zu ihm: Der HERR nennt dich
nicht Paschhur, sondern «Schrecken um und um»;
denn so spricht der HERR: Siehe, ich will dich zum
Schrecken machen für dich selbst und alle deine Freunde; sie
sollen fallen durchs Schwert ihrer Feinde, und du sollst es mit
eigenen Augen sehen. Und ich will ganz Juda in die Hand des
Königs von Babel geben; der soll sie wegführen nach
Babel und mit dem Schwert töten.
Auch will ich alle Güter dieser Stadt und allen
Ertrag ihrer Arbeit und alle Kleinode und alle Schätze der
Könige von Juda in die Hand ihrer Feinde geben; die werden
sie rauben, mitnehmen und nach Babel bringen.
Und du, Paschhur, sollst mit allen deinen Hausgenossen
gefangen weggeführt werden und nach Babel kommen. Dort
sollst du sterben und begraben werden samt allen deinen Freunden,
denen du Lügen gepredigt hast.
Die Last des Prophetenamts
HERR, du hast mich überredet, und ich habe mich
überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast
gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich,
und jedermann verlacht mich.
Denn sooft ich rede, muß ich schreien; «Frevel
und Gewalt!» muß ich rufen. Denn des HERRN Wort ist
mir zu Hohn und Spott geworden täglich.
Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht
mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie
ein brennendes Feuer, in meinen Gebeinen verschlossen, daß
ich's nicht ertragen konnte; ich wäre schier vergangen.
Denn ich höre, wie viele heimlich reden: «Schrecken
ist um und um!» «Verklagt ihn!» «Wir
wollen ihn verklagen!» Alle meine Freunde und Gesellen
lauern, ob ich nicht falle: «Vielleicht läßt er
sich überlisten, daß wir ihm beikommen können und
uns an ihm rächen.»
Aber der HERR ist bei mir wie ein starker Held, darum
werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen. Sie müssen
ganz zuschanden werden, weil es ihnen nicht gelingt. Ewig wird
ihre Schande sein und nie vergessen werden.
Und nun, HERR Zebaoth, der du die Gerechten prüfst,
Nieren und Herz durchschaust: Laß mich deine Vergeltung an
ihnen sehen; denn ich habe dir meine Sache befohlen.
Singet dem HERRN, rühmet den HERRN, der des Armen
Leben aus den Händen der Boshaften errettet!
Verflucht sei der Tag, an dem ich geboren bin; der
Tag soll ungesegnet sein, an dem mich meine Mutter geboren hat!
Verflucht sei, der meinem Vater gute Botschaft brachte und
sprach: «Du hast einen Sohn», so daß er ihn
fröhlich machte!
Der Tag soll sein wie die Städte, die der HERR
vernichtet hat ohne Erbarmen. Am Morgen soll er Wehklage hören
und am Mittag Kriegsgeschrei,
weil er mich nicht getötet hat im Mutterleibe, so daß
meine Mutter mein Grab geworden und ihr Leib ewig schwanger
geblieben wäre!
Warum bin ich doch aus dem Mutterleib hervorgekommen, wenn
ich nur Jammer und Herzeleid sehen muß und meine Tage in
Schmach zubringe!
Jeremia kündigt Zedekia die Zerstörung Jerusalems
an
Kapitel 21
Dies ist das Wort, das vom HERRN geschah zu Jeremia, als
der König Zedekia zu ihm sandte Paschhur, den Sohn Malkias,
und Zephanja, den Sohn Maasejas, den Priester, und ihm sagen
ließ:
Befrage doch den HERRN für uns; denn Nebukadnezar,
der König von Babel, führt Krieg gegen uns. Vielleicht
wird der HERR doch an uns sein Wunder tun wie so manches Mal,
damit jener von uns abzieht.
Jeremia sprach zu ihnen: So sagt zu Zedekia:
Das spricht der HERR, der Gott Israels: Siehe, ich will
euch zum Rückzug zwingen samt euren Waffen, die ihr in euren
Händen habt und mit denen ihr kämpft gegen den König
von Babel und gegen die Chaldäer, die euch draußen vor
der Mauer belagern, und will euch versammeln mitten in dieser
Stadt.
Und ich selbst will wider euch streiten mit ausgestreckter
Hand, mit starkem Arm, mit Zorn und Grimm und ohne Erbarmen
und will die Bürger dieser Stadt schlagen, Menschen
und Tiere, daß sie sterben sollen durch eine große
Pest.
Und danach, spricht der HERR, will ich Zedekia, den König
von Juda, samt seinen Großen und dem Volk, das in dieser
Stadt von Pest, Schwert und Hunger übriggelassen wird, in
die Hände Nebukadnezars, des Königs von Babel, geben
und in die Hände ihrer Feinde und in die Hände derer,
die ihnen nach dem Leben trachten. Er wird sie mit der Schärfe
des Schwerts schlagen schonungslos, ohne Gnade und Erbarmen.
Und zu diesem Volk sage: So spricht der HERR:
Siehe, ich lege euch vor den Weg zum Leben und den Weg zum Tode.
Wer in dieser Stadt bleibt, der wird sterben müssen
durch Schwert, Hunger und Pest; wer sich aber hinausbegibt und
überläuft zu den Chaldäern, die euch belagern, der
soll am Leben bleiben und soll sein Leben als Beute behalten.
Denn ich habe mein Angesicht gegen diese Stadt gerichtet
zum Unheil und nicht zum Heil, spricht der HERR. Sie soll dem
König von Babel übergeben werden, daß er sie mit
Feuer verbrenne.
Und zum Hause des Königs von Juda sage: Höret
des HERRN Wort,
ihr vom Hause David! So spricht der HERR: Haltet alle
Morgen gerechtes Gericht und errettet den Bedrückten aus des
Frevlers Hand, auf daß nicht mein Grimm ausfahre wie Feuer
und brenne, ohne daß jemand löschen kann, um eurer
bösen Taten willen.
Siehe, spricht der HERR, ich will an dich, du
Stadt, die du wohnst auf dem Felsen im Tal und sprichst: Wer will
uns überfallen, und wer will in unsere Feste kommen?
Ich will euch heimsuchen, spricht der HERR, nach der
Frucht eures Tuns; ich will ein Feuer in ihrem Wald anzünden,
das soll alles umher verzehren.
Worte über die Könige Schallum (Joahas),
Jojakim und Konja (Jojachin)
Kapitel 22
So sprach der HERR: Geh hinab in das Haus des Königs
von Juda und rede dort dies Wort
und sprich: Höre des HERRN Wort, du König von
Juda, der du auf dem Thron Davids sitzest, du und deine Großen
und dein Volk, die durch diese Tore hineingehen.
So spricht der HERR: Schaffet Recht und Gerechtigkeit und
errettet den Bedrückten von des Frevlers Hand und bedränget
nicht die Fremdlinge, Waisen und Witwen und tut niemand Gewalt an
und vergießt nicht unschuldiges Blut an dieser Stätte.
Werdet ihr das tun, so sollen durch die Tore dieses Hauses
einziehen Könige, die auf Davids Thron sitzen, und fahren
mit Wagen und Rossen samt ihren Großen und ihrem Volk.
Werdet ihr aber diesen Worten nicht gehorchen, so habe ich
bei mir selbst geschworen, spricht der HERR: dies Haus soll
zerstört werden.
Denn so spricht der HERR von dem Hause des Königs
von Juda: Ein Gilead warst du mir, ein Gipfel im Libanon, - was
gilt's? Ich will dich zur Wüste, zur Stadt ohne Einwohner
machen!
Denn ich habe Verderber wider dich bestellt, einen jeden
mit seinen Waffen; die sollen deine auserwählten Zedern
umhauen und ins Feuer werfen.
Da werden viele Völker an dieser Stadt vorüberziehen
und zueinander sagen: Warum hat der HERR an dieser großen
Stadt so gehandelt?
Und man wird antworten: Weil sie den Bund des HERRN, ihres
Gottes, verlassen und andere Götter angebetet und ihnen
gedient haben.
Weinet nicht über den Toten und grämt
euch nicht um ihn; weint aber über den, der fortgezogen ist;
denn er wird nicht mehr wiederkommen und sein Vaterland nicht
wiedersehen.
Denn so spricht der HERR über Schallum, den Sohn
Josias, des Königs von Juda, der König wurde an seines
Vaters Josia Statt: Der von dieser Stätte fortgezogen ist,
wird nicht wieder herkommen,
sondern muß sterben an dem Ort, wohin er gefangen
geführt ist, und wird dies Land nicht mehr sehen.
Weh dem, der sein Haus mit Sünden baut und
seine Gemächer mit Unrecht, der seinen Nächsten umsonst
arbeiten läßt und gibt ihm seinen Lohn nicht
und denkt: «Wohlan, ich will mir ein großes
Haus bauen und weite Gemächer» und läßt
sich Fenster ausbrechen und mit Zedern täfeln und rot malen.
Meinst du, du seiest König, weil du mit Zedern
prangst? Hat dein Vater nicht auch gegessen und getrunken und
hielt dennoch auf Recht und Gerechtigkeit, und es ging ihm gut?
Er half dem Elenden und Armen zum Recht, und es ging ihm
gut. Heißt dies nicht, mich recht erkennen? spricht der
HERR.
Aber deine Augen und dein Herz sind auf nichts anderes aus
als auf unrechten Gewinn und darauf, unschuldig Blut zu
vergießen, zu freveln und zu unterdrücken.
Darum spricht der HERR über Jojakim, den Sohn
Josias, den König von Juda: Man wird ihn nicht beklagen:
«Ach, Bruder! Ach, Schwester!» Man wird ihn nicht
beklagen: «Ach, Herr! Ach, Edler!»
Er soll wie ein Esel begraben werden, fortgeschleift und
hinausgeworfen vor die Tore Jerusalems.
Geh hinauf auf den Libanon und schreie und laß
deine Klage hören in Basan und schreie vom Abarim her; denn
alle deine Liebhaber sind zunichte gemacht!
Ich habe dir's vorher gesagt, als es noch gut um dich
stand; aber du sprachst: «Ich will nicht hören.»
So hast du es dein Lebtag getan, daß du meiner Stimme nicht
gehorchtest.
Alle deine Hirten weidet der Sturmwind, und deine
Liebhaber müssen gefangen fort. Ja, nun bist du zu Spott und
zuschanden geworden um aller deiner Bosheit willen.
Die du jetzt auf dem Libanon wohnst und in Zedern nistest,
wie wirst du stöhnen, wenn dir Schmerzen und Wehen kommen
werden wie einer in Kindsnöten!
So wahr ich lebe, spricht der HERR: wenn Konja, der
Sohn Jojakims, der König von Juda, ein Siegelring wäre
an meiner rechten Hand, so wollte ich dich doch abreißen
und in die Hände derer geben, die dir nach dem Leben
trachten und vor denen du dich fürchtest: in die Hände
Nebukadnezars, des Königs von Babel, und der Chaldäer.
Und ich will dich und deine Mutter, die dich geboren hat,
in ein anderes Land treiben, das nicht euer Vaterland ist; dort
sollt ihr sterben.
Aber in das Land, wohin sie von Herzen gern wieder kämen,
sollen sie nicht zurückkehren.
Ist denn Konja ein elender, verachteter,
verstoßener Mann, ein Gefäß, das niemand haben
will? Ach, wie ist er doch samt seinem Geschlecht vertrieben und
in ein unbekanntes Land geworfen!
O Land, Land, Land, höre des HERRN Wort!
So spricht der HERR: Schreibt diesen Mann auf als einen,
der ohne Kinder ist, einen Mann, dem sein Leben lang nichts
gelingt! Denn keiner seiner Nachkommen wird das Glück haben,
daß er auf dem Thron Davids sitze und in Juda herrsche.
Gegen die bösen Hirten.
Verheißung eines gerechten Königs
Kapitel 23
Weh euch Hirten, die ihr die Herde meiner Weide umkommen
laßt und zerstreut! spricht der HERR.
Darum spricht der HERR, der Gott Israels, von den Hirten,
die mein Volk weiden: Ihr habt meine Herde zerstreut und
verstoßen und nicht nach ihr gesehen. Siehe, ich will euch
heimsuchen um eures bösen Tuns willen, spricht der HERR.
Und ich will die Übriggebliebenen meiner Herde
sammeln aus allen Ländern, wohin ich sie verstoßen
habe, und will sie wiederbringen zu ihren Weideplätzen, daß
sie sollen wachsen und viel werden.
Und ich will Hirten über sie setzen, die sie weiden
sollen, daß sie sich nicht mehr fürchten noch
erschrecken noch heimgesucht werden, spricht der HERR.
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, daß
ich dem David einen gerechten Sproß erwecken will. Der soll
ein König sein, der wohl regieren und Recht und
Gerechtigkeit im Lande üben wird.
Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel
sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn
nennen wird: «Der HERR unsere Gerechtigkeit».
Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der
HERR, daß man nicht mehr sagen wird: «So wahr der
HERR lebt, der die Kinder Israel aus Ägyptenland geführt
hat!»,
sondern: «So wahr der HERR lebt, der die Nachkommen
des Hauses Israel herausgeführt und hergebracht hat aus dem
Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen
hatte.» Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.
Worte über die falschen Propheten
Wider die Propheten. Mein Herz will mir in meinem Leibe
brechen, alle meine Gebeine zittern; mir ist wie einem trunkenen
Mann und wie einem, der vom Wein taumelt, vor dem HERRN und vor
seinen heiligen Worten.
Denn das Land ist voller Ehebrecher, und wegen des Fluches
vertrocknet das Land und die Weideplätze in der Steppe
verdorren. Böse ist, wonach sie streben, und ihre Stärke
ist Unrecht.
Denn Propheten wie Priester sind ruchlos; auch in meinem
Hause finde ich ihre Bosheit, spricht der HERR.
Darum ist ihr Weg wie ein glatter Weg, auf dem sie im
Finstern gleiten und fallen; denn ich will Unheil über sie
kommen lassen, das Jahr ihrer Heimsuchung, spricht der HERR.
Auch bei den Propheten zu Samaria sah ich Anstößiges,
daß sie weissagten im Namen des Baal und mein Volk Israel
verführten;
aber bei den Propheten zu Jerusalem sehe ich Greuel, wie
sie ehebrechen und mit Lügen umgehen und die Boshaften
stärken, auf daß sich ja niemand bekehre von seiner
Bosheit. Sie sind alle vor mir gleichwie Sodom und die Bürger
Jerusalems wie Gomorra.
Darum spricht der HERR Zebaoth über die Propheten:
Siehe, ich will sie mit Wermut speisen und mit Gift tränken;
denn von den Propheten Jerusalems geht das ruchlose Wesen aus ins
ganze Land.
So spricht der HERR Zebaoth: Hört nicht auf
die Worte der Propheten, die euch weissagen! Sie betrügen
euch; denn sie verkünden euch Gesichte aus ihrem Herzen und
nicht aus dem Mund des HERRN.
Sie sagen denen, die des HERRN Wort verachten: Es wird
euch wohlgehen -, und allen, die nach ihrem verstockten Herzen
wandeln, sagen sie: Es wird kein Unheil über euch kommen.
Aber wer hat im Rat des HERRN gestanden, daß er sein
Wort gesehen und gehört hätte? Wer hat sein Wort
vernommen und gehört?
Siehe, es wird ein Wetter des HERRN kommen voll Grimm und
ein schreckliches Ungewitter auf den Kopf der Gottlosen
niedergehen.
Und des HERRN Zorn wird nicht ablassen, bis er tue und
ausrichte, was er im Sinn hat; zur letzten Zeit werdet ihr es
klar erkennen.
Ich sandte die Propheten nicht, und doch laufen
sie; ich redete nicht zu ihnen, und doch weissagen sie.
Denn wenn sie in meinem Rat gestanden hätten, so
hätten sie meine Worte meinem Volk gepredigt, um es von
seinem bösen Wandel und von seinem bösen Tun zu
bekehren.
Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der HERR,
und nicht auch ein Gott, der ferne ist?
Meinst du, daß sich jemand so heimlich verbergen
könne, daß ich ihn nicht sehe? spricht der HERR. Bin
ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllt? spricht der HERR.
Ich höre es wohl, was die Propheten reden, die
Lüge weissagen in meinem Namen und sprechen: Mir hat
geträumt, mir hat geträumt.
Wann wollen doch die Propheten aufhören, die Lüge
weissagen und ihres Herzens Trug weissagen
und wollen, daß mein Volk meinen Namen vergesse über
ihren Träumen, die einer dem andern erzählt, wie auch
ihre Väter meinen Namen vergaßen über dem Baal?
Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume;
wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen
sich Stroh und Weizen zusammen? spricht der HERR.
Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR,
und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?
Darum siehe, ich will an die Propheten, spricht der
HERR, die mein Wort stehlen einer vom andern.
Siehe, ich will an die Propheten, spricht der HERR, die
ihr eigenes Wort führen und sprechen: «Er hat's
gesagt.»
Siehe, ich will an die Propheten, spricht der HERR, die
falsche Träume erzählen und verführen mein Volk
mit ihren Lügen und losem Geschwätz, obgleich ich sie
nicht gesandt und ihnen nichts befohlen habe und sie auch diesem
Volk nichts nütze sind, spricht der HERR.
Wenn dich dies Volk oder ein Prophet oder ein
Priester fragen wird und sagt: Was ist die Last, die der HERR
jetzt ankündigt?, sollst du zu ihnen sagen: Ihr seid die
Last, ich will euch wegwerfen, spricht der HERR. -
Und wenn ein Prophet oder Priester oder die Leute sagen
werden: «Das ist die Last des HERRN», den will ich
heimsuchen und sein Haus dazu.
Vielmehr sollt ihr einer mit dem andern reden und
zueinander sagen: «Was antwortet der HERR?» und: «Was
sagt der HERR?»
Aber sagt nicht mehr «Last des HERRN»; denn
einem jeden wird sein eigenes Wort zur Last werden, weil ihr so
die Worte des lebendigen Gottes, des HERRN Zebaoth, unseres
Gottes, verdreht.
Darum sollt ihr zum Propheten sagen: «Was antwortet
dir der HERR?» und: «Was sagt der HERR?»
Wenn ihr aber sagt: «Last des HERRN»,
so spricht der HERR: Weil ihr dies Wort «Last des HERRN»
nennt, obgleich ich zu euch gesandt habe und euch sagen ließ,
ihr sollt nicht «Last des HERRN» sagen, -
siehe, so will ich euch aufheben wie eine Last und euch
samt der Stadt, die ich euch und euren Vätern gegeben habe,
von meinem Angesicht wegwerfen
und will euch ewige Schande und ewige Schmach zufügen,
die nie vergessen werden soll.
Die zwei Feigenkörbe
Kapitel 24
Siehe, der HERR zeigte mir zwei Feigenkörbe,
aufgestellt vor dem Tempel des HERRN, nachdem Nebukadnezar, der
König von Babel, den Jechonja, den Sohn Jojakims, den König
von Juda, weggeführt hatte samt den Großen Judas und
den Zimmerleuten und Schmieden und sie von Jerusalem nach Babel
gebracht hatte.
In dem einen Korbe waren sehr gute Feigen, wie die ersten
reifen Feigen sind; im andern Korbe waren sehr schlechte Feigen,
daß man sie nicht essen konnte, so schlecht waren sie.
Und der HERR sprach zu mir: Jeremia, was siehst du? Ich
sprach: Feigen; die guten Feigen sind sehr gut, und die
schlechten sind sehr schlecht, daß man sie nicht essen
kann, so schlecht sind sie.
Da geschah des HERRN Wort zu mir:
So spricht der HERR, der Gott Israels: Wie auf diese guten
Feigen, so will ich blicken auf die Weggeführten aus Juda,
die ich von dieser Stätte habe fortziehen lassen in der
Chaldäer Land.
Ich will sie gnädig ansehen und sie wieder in dies
Land bringen und will sie bauen und nicht verderben, ich will sie
pflanzen und nicht ausreißen.
Und ich will ihnen ein Herz geben, daß sie mich
erkennen sollen, daß ich der HERR bin. Und sie sollen mein
Volk sein, und ich will ihr Gott sein; von ganzem Herzen werden
sie sich zu mir bekehren.
Aber wie die schlechten Feigen, die so schlecht sind, daß
man sie nicht essen kann, spricht der HERR, so will ich
dahingeben Zedekia, den König von Juda, samt seinen Großen
und allen, die übriggeblieben sind in Jerusalem und in
diesem Lande und die in Ägyptenland wohnen.
Ich will sie zum Bild des Entsetzens, ja des Unglücks,
machen für alle Königreiche auf Erden, zum Spott und
zum Sprichwort, zum Hohn und zum Fluch an allen Orten, wohin ich
sie verstoßen werde,
und will Schwert, Hunger und Pest unter sie schicken, bis
sie ganz vertilgt sind aus dem Lande, das ich ihnen und ihren
Vätern gegeben habe.
JEREMIA
25 - 39
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