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Schrift
DER PROPHET
JESAJA
Kapitel 33 -
50
Die Rettung Zions vor dem Verwüster
Kapitel 33
Weh dir, du Verwüster, der du selbst nicht verwüstet
bist, und du Räuber, der du selbst nicht beraubt bist! Wenn
du das Verwüsten vollendet hast, so wirst du auch verwüstet
werden; wenn du des Raubens ein Ende gemacht hast, so wird man
dich auch berauben.
HERR, sei uns gnädig, denn auf dich harren wir! Sei
unser Arm alle Morgen, dazu unser Heil zur Zeit der Trübsal!
Es fliehen die Völker vor dem gewaltigen Tosen, und
die Heiden werden zerstreut, wenn du dich erhebst.
Da wird man Beute wegraffen, wie die Heuschrecken
wegraffen, und wie die Käfer herbeistürzen, so stürzt
man sich darauf.
Der HERR ist erhaben, denn er wohnt in der Höhe. Er
hat Zion mit Recht und Gerechtigkeit erfüllt.
Und du wirst sichere Zeiten haben: Reichtum an Heil,
Weisheit und Klugheit; die Furcht des HERRN wird Zions Schatz
sein.
Siehe, die Leute von Ariel schreien draußen,
die Boten des Friedens weinen bitterlich.
Die Wege sind verödet, es geht niemand mehr auf der
Straße. Man hält nicht Treu und Glauben, man verwirft
die Zeugen und achtet der Leute nicht.
Das Land sieht traurig und jämmerlich aus, der
Libanon ist zuschanden geworden und verdorrt. Saron ist wie eine
Steppe, und Basan und Karmel stehen kahl.
Nun aber will ich mich aufmachen, spricht der HERR;
nun will ich mich erheben, nun will ich aufstehen.
Mit Stroh geht ihr schwanger, Stoppeln gebärt ihr;
euer Zorn ist ein Feuer, das euch selbst verzehren wird.
Und die Völker werden zu Kalk verbrannt werden; wie
abgehauene Dornen werden sie im Feuer verzehrt.
So höret nun ihr, die ihr ferne seid, was ich
getan habe, und die ihr nahe seid, erkennet meine Stärke!
In Zion sind die Sünder erschrocken, Zittern
hat die Heuchler befallen, und sie sprechen: «Wer ist unter
uns, der bei verzehrendem Feuer wohnen kann? Wer ist unter uns,
der bei ewiger Glut wohnen kann?»
Wer in Gerechtigkeit wandelt und redet, was recht ist, wer
schändlichen Gewinn haßt und seine Hände bewahrt,
daß er nicht Geschenke nehme; wer seine Ohren zustopft, daß
er nichts von Blutschuld höre, und seine Augen zuhält,
daß er nichts Arges sehe:
der wird in der Höhe wohnen, und Felsen werden seine
Feste und Schutz sein. Sein Brot wird ihm gegeben, sein Wasser
hat er gewiß.
Deine Augen werden den König sehen in seiner
Schönheit; du wirst ein weites Land sehen.
Dein Herz wird an den Schrecken zurückdenken und
sagen: Wo sind nun die Schreiber? Wo sind die Vögte? Wo
sind, die die Türme zählten?
Du wirst das freche Volk nicht mehr sehen, das Volk von
dunkler Sprache, die man nicht verstehen kann, und von
stammelnder Zunge, die unverständlich bleibt.
Schaue auf Zion, die Stadt unsrer Feiern! Deine Augen
werden Jerusalem sehen, eine sichere Wohnung, ein Zelt, das nicht
mehr abgebrochen wird. Seine Pflöcke sollen nie mehr
herausgezogen und keines seiner Seile zerrissen werden.
Denn der HERR wird dort bei uns mächtig sein, und
weite Wassergräben wird es geben, auf denen kein Schiff mehr
fahren, kein stolzes Schiff mehr dahinziehen kann.
- Denn der HERR ist unser Richter, der HERR ist unser
Meister, der HERR ist unser König; der hilft uns! -
Seine Taue hängen lose, sie halten den Mastbaum nicht
fest, und die Segel spannen sich nicht. Dann wird viel Beute
ausgeteilt werden, und auch die Lahmen werden plündern.
Und kein Bewohner wird
sagen: «Ich bin schwach»; denn das Volk,
das darin wohnt, wird Vergebung der Sünde haben.
Sacharja 12,8.
Gottes Strafgericht über Edom
Kapitel 34
Kommt herzu, ihr Heiden, und höret; ihr Völker,
merkt auf! Die Erde höre zu und was sie füllt, der
Erdkreis und was darauf lebt!
Denn der HERR ist zornig über alle Heiden und
ergrimmt über alle ihre Scharen. Er wird an ihnen den Bann
vollstrecken und sie zur Schlachtung dahingeben.
Und ihre Erschlagenen werden hingeworfen werden, daß
der Gestank von ihren Leichnamen aufsteigen wird und die Berge
von ihrem Blut fließen.
Und alles Heer des Himmels wird dahinschwinden, und der
Himmel wird zusammengerollt werden wie eine Buchrolle, und all
sein Heer wird hinwelken, wie ein Blatt verwelkt am Weinstock und
wie ein dürres Blatt am Feigenbaum.
Denn mein Schwert ist trunken im Himmel, und siehe,
es wird herniederfahren auf Edom und über das Volk, an dem
ich den Bann vollstrecke zum Gericht.
Des HERRN Schwert ist voll Blut und trieft von Fett, vom
Blut der Lämmer und Böcke, vom Nierenfett der Widder;
denn der HERR hält ein Schlachten in Bozra und ein großes
Opfer im Lande Edom.
Da werden Wildstiere mit ihnen niedersinken und junge
Stiere samt den Büffeln. Und ihr Land wird trunken werden
von Blut, und die Erde wird triefen von Fett.
Denn es kommt der Tag der Rache des HERRN und das
Jahr der Vergeltung, um Zion zu rächen.
Da werden Edoms Bäche zu Pech werden und seine Erde
zu Schwefel; ja, sein Land wird zu brennendem Pech werden,
das weder Tag noch Nacht verlöschen wird, sondern
immer wird Rauch von ihm aufgehen. Und es wird verwüstet
sein von Geschlecht zu Geschlecht, daß niemand
hindurchgehen wird auf ewige Zeiten,
sondern Rohrdommeln und Igel werden's in Besitz nehmen,
Nachteulen und Raben werden dort wohnen. Und er wird die
Meßschnur darüber spannen, daß es verwüstet
werde, und das Bleilot werfen, daß es öde sei.
Und Feldgeister werden darin wohnen, und seine Edlen
werden nicht mehr sein. Man wird dort keinen König mehr
ausrufen, und alle seine Fürsten werden ein Ende haben.
Dornen werden wachsen in seinen Palästen, Nesseln und
Disteln in seinen Schlössern; und es wird eine Behausung
sein der Schakale und eine Stätte für die Strauße.
Da werden Wüstentiere und wilde Hunde einander
treffen, und ein Feldgeist wird dem andern begegnen. Das
Nachtgespenst wird auch dort herbergen und seine Ruhestatt dort
finden.
Da wird auch die Natter nisten und legen, ihre Eier
aufhäufen und ausbrüten. Auch die Raubvögel werden
dort zusammenkommen. Keines vermißt das andere.
- Suchet nun in dem Buch des HERRN und lest! - Keines von
ihnen wird fehlen. Denn sein Mund gebietet es, und sein Geist
bringt sie zusammen.
Er wirft ihnen das Los, und seine Hand teilt aus unter sie
mit der Meßschnur, daß sie das Land besitzen auf
ewige Zeiten und darin wohnen von Geschlecht zu Geschlecht.
Das zukünftige Heil
Kapitel 35
Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die
Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien.
Sie wird blühen und jubeln in aller Lust und Freude.
Die Herrlichkeit des Libanon ist ihr gegeben, die Pracht von
Karmel und Saron. Sie sehen die Herrlichkeit des HERRN, die
Pracht unsres Gottes.
Stärket die Müden Hände und macht
fest die wankenden Knie!
Saget den verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet
euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache; Gott, der
da vergilt, kommt und wird euch helfen.
Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die
Ohren der Tauben geöffnet werden.
Dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch, und die
Zunge der Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der
Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande.
Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen,
und wo es dürre gewesen ist, sollen Brunnquellen sein. Wo
zuvor die Schakale gelegen haben, soll Gras und Rohr und Schilf
stehen.
Und es wird dort eine Bahn sein, die der heilige Weg
heißen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten; nur sie
werden auf ihm gehen; auch die Toren dürfen nicht darauf
umherirren.
Es wird da kein Löwe sein und kein reißendes
Tier darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die
Erlösten werden dort gehen.
Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und
nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem
Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz
und Seufzen wird entfliehen.
Jerusalem von Sanherib bedroht und wunderbar errettet
Kapitel 36
Und es begab sich im vierzehnten Jahr des Königs
Hiskia, da zog der König von Assyrien, Sanherib, herauf
gegen alle festen Städte Judas und nahm sie ein.
Und der König von Assyrien sandte den Rabschake von
Lachisch nach Jerusalem zu dem König Hiskia mit großer
Heeresmacht. Und er trat hin an die Wasserleitung des oberen
Teiches, an der Straße bei dem Acker des Walkers.
Und es kamen zu ihm heraus der Hofmeister Eljakim, der
Sohn Hilkias, und der Schreiber Schebna und der Kanzler Joach,
der Sohn Asaphs.
Und der Rabschake sprach zu ihnen: Sagt doch dem Hiskia:
So spricht der große König, der König von
Assyrien: Was ist das für ein Vertrauen, das du da hast?
Meinst du, bloße Worte seien schon Rat und Macht zum
Kämpfen? Auf wen verläßt du dich denn, daß
du von mir abgefallen bist?
Verläßt du dich auf den zerbrochenen Rohrstab
Ägypten, der jedem, der sich darauf stützt, in die Hand
dringt und sie durchbohrt? So tut der Pharao, der König von
Ägypten, allen, die sich auf ihn verlassen.
Willst du mir aber sagen: Wir verlassen uns auf den HERRN,
unsern Gott, - ist's denn nicht derselbe, dessen Höhen und
Altäre Hiskia abgetan und zu Juda und Jerusalem gesagt hat:
«Nur vor diesem Altar sollt ihr anbeten»?
Wohlan, nimm eine Wette an mit meinem Herrn, dem König
von Assyrien: Ich will dir zweitausend Rosse geben; laß
sehen, ob du die Reiter dazu stellen kannst!
Wie willst du denn zurücktreiben auch nur einen der
geringsten Diener meines Herrn? Und du verläßt dich
auf Ägypten um der Wagen und Gespanne willen!
Meinst du denn, daß ich ohne den HERRN heraufgezogen
bin in dies Land, es zu verderben? Nein, sondern der HERR sprach
zu mir: Zieh hinauf in dies Land und verdirb es!
Aber Eljakim und Schebna und Joach sprachen zum
Rabschake: Rede doch mit deinen Knechten aramäisch, denn wir
verstehen's gut, und rede nicht hebräisch mit uns vor den
Ohren des Volks, das auf der Mauer ist.
Da sprach der Rabschake: Meinst du, daß mein Herr
mich nur zu deinem Herrn oder zu dir gesandt habe, solche Worte
zu reden, und nicht vielmehr zu den Männern, die auf der
Mauer sitzen und samt euch ihren eigenen Mist fressen und ihren
Harn saufen werden?
Und der Rabschake trat hin und rief laut auf hebräisch
und sprach: Hört die Worte des großen Königs, des
Königs von Assyrien!
So spricht der König: Laßt euch von Hiskia
nicht betrügen; denn er kann euch nicht erretten.
Und laßt euch von Hiskia nicht vertrösten auf
den HERRN, wenn er sagt: Der HERR wird uns erretten, und diese
Stadt wird nicht in die Hand des Königs von Assyrien gegeben
werden.
Hört nicht auf Hiskia! Denn so spricht der König
von Assyrien: Schließt Freundschaft mit mir und kommt zu
mir heraus, so soll ein jeder von euch von seinem Weinstock und
von seinem Feigenbaum essen und aus seinem Brunnen trinken,
bis ich komme und hole euch in ein Land, das wie euer Land
ist, ein Land, darin Korn und Wein ist, ein Land, darin Brot und
Weinberge sind.
Laßt euch von Hiskia nicht bereden, wenn er sagt:
Der HERR wird uns erretten! Haben etwa die Götter der andern
Völker ihr Land errettet aus der Hand des Königs von
Assyrien?
Wo sind die Götter von Hamath und Arpad? Wo sind die
Götter von Sepharwajim? Und wo sind die Götter des
Landes Samarien? Haben sie Samaria errettet aus meiner Hand?
Welcher unter allen Göttern dieser Länder hat
sein Land errettet aus meiner Hand, daß allein der HERR
Jerusalem erretten sollte aus meiner Hand?
Sie schwiegen aber still und antworteten ihm nichts; denn
der König hatte geboten: Antwortet ihm nichts.
Da kamen der Hofmeister Eljakim, der Sohn Hilkias, und der
Schreiber Schebna und der Kanzler Joach, der Sohn Asaphs, mit
zerrissenen Kleidern zu Hiskia und sagten ihm die Worte des
Rabschake an.
Kapitel 37
Als aber der König Hiskia das hörte,
zerriß er seine Kleider und legte einen Sack an und ging in
das Haus des HERRN.
Und er sandte den Hofmeister Eljakim und den Schreiber
Schebna samt den Ältesten der Priester, mit dem Sack
angetan, zu dem Propheten Jesaja, dem Sohn des Amoz.
Und sie sprachen zu ihm: So spricht Hiskia: Das ist ein
Tag der Trübsal, der Züchtigung und der Schmach –
wie wenn Kinder eben geboren werden sollen, aber die Kraft fehlt,
sie zu gebären.
Vielleicht hört der HERR, dein Gott, die Worte des
Rabschake, den sein Herr, der König von Assyrien, gesandt
hat, den lebendigen Gott zu lästern, und straft die Worte,
die der HERR, dein Gott, gehört hat! So tu Fürbitte für
die Übriggebliebenen, die noch vorhanden sind.
Und die Großen des Königs Hiskia kamen zu
Jesaja.
Jesaja aber sprach zu ihnen: So sollt ihr eurem Herrn
sagen: So spricht der HERR: Fürchte dich nicht vor den
Worten, die du gehört hast, mit denen mich die Knechte des
Königs von Assyrien geschmäht haben!
Siehe, ich will ihn andern Sinnes machen; denn er soll ein
Gerücht hören, so daß er wieder heimzieht in sein
Land. Dann will ich ihn durchs Schwert fällen in seinem
Lande.
Als aber der Rabschake zurückkam, fand er den
König von Assyrien im Kampf gegen Libna; denn er hatte
gehört, daß er von Lachisch abgezogen war.
Er hatte nämlich gehört über Tirhaka, den
König von Kusch: Er ist ausgezogen, gegen dich zu kämpfen.
Als er das hörte, sandte er Boten zu Hiskia und ließ
ihm sagen:
Sagt Hiskia, dem König von Juda: Laß dich durch
deinen Gott nicht betrügen, auf den du dich verläßt
und sprichst: Jerusalem wird nicht in die Hand des Königs
von Assyrien gegeben werden.
Siehe, du hast gehört, was die Könige von
Assyrien allen Ländern getan haben, daß sie den Bann
an ihnen vollstreckten, und du allein solltest errettet werden?
Haben denn die Götter der Völker die Länder
errettet, die von meinen Vätern vernichtet wurden: Gosan,
Haran, Rezeph und die von Eden in Telassar?
Wo ist der König von Hamath und der König von
Arpad und der König der Stadt Sepharwajim, Hena und Iwwa?
Und als Hiskia den Brief von den Boten empfangen
und gelesen hatte, ging er hinauf in das Haus des HERRN und
breitete ihn aus vor dem HERRN.
Und Hiskia betete zum HERRN und sprach:
HERR Zebaoth, du Gott Israels, der du über den
Cherubim thronst, du bist allein Gott über alle Königreiche
auf Erden, du hast Himmel und Erde gemacht.
HERR, neige deine Ohren und höre doch, HERR, tu deine
Augen auf und sieh doch! Höre doch alle die Worte Sanheribs,
die er gesandt hat, um den lebendigen Gott zu schmähen.
Wahr ist's, HERR, die Könige von Assyrien haben alle
Länder verwüstet
und haben ihre Götter ins Feuer geworfen; denn sie
waren nicht Götter, sondern Werk von Menschenhänden,
Holz und Stein. Die haben sie vertilgt.
Nun aber, HERR, unser Gott, errette uns aus seiner Hand,
damit alle Königreiche auf Erden erfahren, daß du,
HERR, allein Gott bist!
Da sandte Jesaja, der Sohn des Amoz, zu Hiskia und
ließ ihm sagen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Was
du von mir erbeten hast wegen des Königs Sanherib von
Assyrien, habe ich gehört.
Dies ist's, was der HERR über ihn spricht: Die
Jungfrau, die Tochter Zion, verachtet dich und spottet deiner,
und die Tochter Jerusalem schüttelt das Haupt hinter dir
her.
Wen hast du geschmäht und gelästert? Über
wen hast du die Stimme erhoben? Du hobst deine Augen empor wider
den Heiligen Israels.
Durch deine Knechte hast du den Herrn geschmäht und
gesagt: «Ich bin mit der Menge meiner Wagen heraufgezogen
auf die Höhe der Berge in den innersten Libanon und habe
seine hohen Zedern abgehauen samt seinen auserwählten
Zypressen und bin bis zu seiner äußersten Höhe
gekommen, in seinen dichtesten Wald.
Ich habe gegraben und getrunken fremde Wasser und habe mit
meinen Fußsohlen ausgetrocknet alle Flüsse Ägyptens.»
Hast du nicht gehört, daß ich es lange
zuvor bereitet und von Anfang an geplant habe? Jetzt aber habe
ich's kommen lassen, daß du feste Städte zerstören
solltest zu Steinhaufen,
und ihre Einwohner sollten ohne Kraft werden und sich
fürchten und zuschanden werden und wie Feldgras werden und
wie grünes Kraut, wie Gras auf den Dächern, das
verdorrt, ehe es reif wird.
Ich weiß von deinem Aufstehen und Sitzen, von deinem
Ausziehen und Einziehen und daß du tobst gegen mich.
Weil du nun gegen mich tobst und dein Stolz vor meine
Ohren gekommen ist, will ich dir meinen Ring in die Nase legen
und meinen Zaum in dein Maul und will dich den Weg wieder
heimführen, den du gekommen bist.
Und das sei dir, Hiskia, ein Zeichen: In diesem
Jahr iß, was von selber nachwächst, im nächsten
Jahr, was auch dann noch wächst; im dritten Jahr sät
und erntet, pflanzt Weinberge und eßt ihre Früchte.
Denn die Erretteten vom Hause Juda und was übriggeblieben
ist, werden von neuem nach unten Wurzeln schlagen und oben Frucht
tragen.
Denn von Jerusalem werden ausgehen, die übriggeblieben
sind, und die Erretteten vom Berge Zion. Solches wird tun der
Eifer des HERRN Zebaoth.
Darum spricht der HERR über den König von
Assyrien: Er soll nicht in diese Stadt kommen und soll auch
keinen Pfeil hineinschießen und mit keinem Schild davor
kommen und soll keinen Wall gegen sie aufschütten,
sondern auf dem Wege, den er gekommen ist, soll er wieder
heimkehren, daß er in diese Stadt nicht komme, spricht der
HERR.
Denn ich will diese Stadt schützen, daß ich sie
errette um meinetwillen und um meines Knechtes David willen.
Da fuhr aus der Engel des HERRN und schlug im
assyrischen Lager hundertfünfundachtzigtausend Mann. Und als
man sich früh am Morgen aufmachte, siehe, da lag alles
voller Leichen.
Und der König von Assyrien, Sanherib, brach auf, zog
weg und kehrte wieder heim und blieb zu Ninive.
Es begab sich aber, als er anbetete im Hause Nisrochs,
seines Gottes, erschlugen ihn seine Söhne Adrammelech und
Sarezer mit dem Schwert, und sie flohen ins Land Ararat. Und sein
Sohn Asar-Haddon wurde König an seiner Statt.
Hiskias Krankheit, Genesung und Danklied
Kapitel 38
Zu der Zeit wurde Hiskia todkrank. Und der Prophet Jesaja,
der Sohn des Amoz, kam zu ihm und sprach zu ihm: So spricht der
HERR: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am
Leben bleiben.
Da wandte Hiskia sein Angesicht zur Wand und betete zum
HERRN
und sprach: Gedenke doch, HERR, wie ich vor dir in Treue
und ungeteilten Herzens gewandelt bin und habe getan, was dir
gefallen hat. Und Hiskia weinte sehr.
Da geschah das Wort des HERRN zu Jesaja:
Geh hin und sage Hiskia: So spricht der HERR, der Gott
deines Vaters David: Ich habe dein Gebet gehört und deine
Tränen gesehen. Siehe, ich will deinen Tagen noch fünfzehn
Jahre zulegen
und will dich samt dieser Stadt erretten aus der Hand des
Königs von Assyrien und will diese Stadt beschirmen.
Und dies sei dir das Zeichen von dem HERRN, daß der
HERR tun wird, was er zugesagt hat:
Siehe, ich will den Schatten an der Sonnenuhr des Ahas
zehn Striche zurückziehen, über die er gelaufen ist.
Und die Sonne lief zehn Striche zurück an der Sonnenuhr,
über die sie gelaufen war.
Dies ist das Lied Hiskias, des Königs von
Juda, als er krank gewesen und von seiner Krankheit gesund
geworden war:
Ich sprach: Nun muß ich zu des Totenreiches
Pforten fahren in der Mitte meines Lebens, da ich doch gedachte,
noch länger zu leben.
Ich sprach: Nun werde ich den HERRN nicht mehr schauen im
Lande der Lebendigen, nun werde ich die Menschen nicht mehr sehen
mit denen, die auf der Welt sind.
Meine Hütte ist abgebrochen und über mir
weggenommen wie eines Hirten Zelt. Zu Ende gewebt hab ich mein
Leben wie ein Weber; er schneidet mich ab vom Faden. Tag und
Nacht gibst du mich preis;
bis zum Morgen schreie ich um Hilfe; aber er zerbricht mir
alle meine Knochen wie ein Löwe; Tag und Nacht gibst du mich
preis.
Ich zwitschere wie eine Schwalbe und gurre wie eine Taube.
Meine Augen sehen verlangend nach oben: Herr, ich leide Not,
tritt für mich ein!
Was soll ich reden und was ihm sagen? Er hat's getan!
Entflohen ist all mein Schlaf bei solcher Betrübnis meiner
Seele.
Herr, laß mich wieder genesen und leben!
Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich
meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe;
denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.
Denn die Toten loben dich nicht, und der Tod rühmt
dich nicht, und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine
Treue;
sondern allein, die da leben, loben dich so wie ich heute.
Der Vater macht den Kindern deine Treue kund.
Der HERR hat mir geholfen, darum wollen wir singen und
spielen, solange wir leben, im Hause des HERRN!
* Und Jesaja sprach, man solle ein Pflaster von
Feigen nehmen und auf sein Geschwür legen, daß er
gesund würde.
*Die Verse 21 und 22 gehören
zwischen Vers 6 und 7 wie in 2. Könige 20,7.8.
Hiskia aber sprach: Was ist das Zeichen, daß ich
wieder zum Hause des HERRN hinaufgehen kann?
Hiskia und die Gesandten aus Babel
Kapitel 39
Zu der Zeit sandte Merodach-Baladan, der Sohn Baladans,
der König von Babel, Briefe und Geschenke an Hiskia; denn er
hatte gehört, daß er krank gewesen und wieder gesund
geworden sei.
Darüber freute sich Hiskia und zeigte den Gesandten
das Schatzhaus, Silber und Gold und Spezerei, kostbare Salben und
sein ganzes Zeughaus und alle Schätze, die er hatte. Es gab
nichts, was ihnen Hiskia nicht gezeigt hätte in seinem Hause
und in seinem ganzen Reich.
Da kam der Prophet Jesaja zum König Hiskia und
sprach zu ihm: Was sagen diese Männer, und von woher kommen
sie zu dir? Hiskia sprach: Sie kommen aus fernem Lande zu mir,
nämlich aus Babel.
Er aber sprach: Was haben sie in deinem Hause gesehen?
Hiskia sprach: Alles, was in meinem Hause ist, haben sie gesehen,
und es gibt nichts, das ich ihnen nicht gezeigt hätte von
meinen Schätzen.
Und Jesaja sprach zu Hiskia: Höre das Wort des HERRN
Zebaoth:
Siehe, es kommt die Zeit, daß alles, was in deinem
Hause ist und was deine Väter gesammelt haben bis auf diesen
Tag, nach Babel gebracht werden wird, so daß nichts
zurückbleibt, spricht der HERR.
Dazu werden sie von deinen Söhnen, die von dir kommen
werden, die du zeugen wirst, einige nehmen, daß sie
Kämmerer werden müssen am Hofe des Königs von
Babel.
Und Hiskia sprach zu Jesaja: Das Wort des HERRN ist gut,
das du sagst. Denn er dachte: Es wird doch Friede und Sicherheit
sein, solange ich lebe.
DAS TROSTBUCH VON DER ERLÖSUNG ISRAELS
(Kapitel 40 – 55)
Des Herrn tröstendes Wort für sein Volk
Kapitel 40
Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott.
Redet mit Jerusalem freundlich und prediget ihr, daß
ihre Knechtschaft ein Ende hat, daß ihre Schuld vergeben
ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des
HERRN für alle ihre Sünden.
Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem
HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott!
Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge
und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll
gerade, und was hügelig ist, soll eben werden;
denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und
alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund
hat's geredet.
Es spricht eine Stimme: Predige! und ich sprach:
Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine
Güte ist wie eine Blume auf dem Felde.
Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem
bläst darein. Ja, Gras ist das Volk!
Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort
unseres Gottes bleibt ewiglich.
Zion, du Freudenbotin, steig auf einen hohen Berg;
Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht; erhebe
sie und fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas:
Siehe, da ist euer Gott,
siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein
Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er
sich erwarb, geht vor ihm her.
Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die
Lämmer in seinen Arm sammeln und im Bausch seines Gewandes
tragen und die Mutterschafe führen.
Israels unvergleichlicher Gott
Wer mißt die Wasser mit der hohlen Hand, und wer
bestimmt des Himmels Weite mit der Spanne und faßt den
Staub der Erde mit dem Maß und wiegt die Berge mit einem
Gewicht und die Hügel mit einer Waage?
Wer bestimmt den Geist des HERRN, und welcher Ratgeber
unterweist ihn?
Wen fragt er um Rat, der ihm Einsicht gebe und lehre ihn
den Weg des Rechts und lehre ihn Erkenntnis und weise ihm den Weg
des Verstandes?
Siehe, die Völker sind geachtet wie ein Tropfen am
Eimer und wie ein Sandkorn auf der Waage. Siehe, die Inseln sind
wie ein Stäublein.
Der Libanon wäre zu wenig zum Feuer und seine Tiere
zu wenig zum Brandopfer.
Alle Völker sind vor ihm wie nichts und gelten ihm
als nichtig und eitel.
Mit wem wollt ihr denn Gott vergleichen? Oder was
für ein Abbild wollt ihr von ihm machen?
Der Meister gießt ein Bild, und der Goldschmied
vergoldet's und macht silberne Ketten daran.
Wer aber zu arm ist für eine solche Gabe, der wählt
ein Holz, das nicht fault, und sucht einen klugen Meister dazu,
ein Bild zu fertigen, das nicht wackelt.
Wißt ihr denn nicht? Hört ihr denn nicht? Ist's
euch nicht von Anfang an verkündigt? Habt ihr's nicht
gelernt von Anbeginn der Erde?
Er thront über dem Kreis der Erde, und die darauf
wohnen, sind wie Heuschrecken; er spannt den Himmel aus wie einen
Schleier und breitet ihn aus wie ein Zelt, in dem man wohnt;
er gibt die Fürsten preis, daß sie nichts sind,
und die Richter auf Erden macht er zunichte:
Kaum sind sie gepflanzt, kaum sind sie gesät, kaum
hat ihr Stamm eine Wurzel in der Erde, da läßt er
einen Wind unter sie wehen, daß sie verdorren, und ein
Wirbelsturm führt sie weg wie Spreu.
Mit wem wollt ihr mich also vergleichen, dem ich gleich
sei? spricht der Heilige.
Hebet eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat
dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus
und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so
groß, daß nicht eins von ihnen fehlt.
Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: Mein
Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott
vorüber?
Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR,
der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht
müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem
Unvermögenden.
Männer werden müde und matt, und Jünglinge
straucheln und fallen;
aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, daß
sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen
und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde
werden.
Die Völker vor dem Weltenrichter
Kapitel 41
Die Inseln sollen vor mir schweigen und die Völker
neue Kraft gewinnen! Sie sollen herzutreten und dann reden! Laßt
uns miteinander rechten!
Wer läßt den von Osten her kommen, dem Heil auf
dem Fuße folgt, vor dem er Völker und Könige
dahingibt, daß er ihrer mächtig wird? Sein Schwert
macht sie wie Staub und sein Bogen wie verwehte Spreu.
Er jagt ihnen nach und zieht unversehrt hindurch und
berührt den Weg nicht mit seinen Füßen.
Wer tut und macht das? Wer ruft die Geschlechter von
Anfang her? Ich bin's, der HERR, der Erste und bei den Letzten
noch derselbe.
Als die Inseln das sahen, fürchteten sie sich, und
die Enden der Erde erschraken; sie nahten sich und kamen herzu.
Einer will dem andern helfen und spricht zu seinem
Nächsten: Steh fest!
Der Meister nimmt den Goldschmied fest an die Hand, und
sie machen mit dem Hammer das Blech glatt auf dem Amboß und
sprechen: Das wird fein stehen! und machen's fest mit Nägeln,
daß es nicht wackeln soll.
Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, den ich
erwählt habe, du Sproß Abrahams, meines Geliebten,
den ich fest ergriffen habe von den Enden der Erde her und
berufen von ihren Grenzen, zu dem ich sprach: Du sollst mein
Knecht sein; ich erwähle dich und verwerfe dich nicht -,
fürchte dich nicht, ich bin mit dir, weiche nicht,
denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch,
ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.
Siehe, zu Spott und zuschanden sollen werden alle, die
dich hassen; sie sollen werden wie nichts, und die Leute, die mit
dir hadern, sollen umkommen.
Wenn du nach ihnen fragst, wirst du sie nicht finden. Die
mit dir hadern, sollen werden wie nichts, und die wider dich
streiten, sollen ein Ende haben.
Denn ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand
faßt und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe
dir!
Fürchte dich nicht, du Würmlein Jakob, du
armer Haufe Israel. Ich helfe dir, spricht der HERR, und dein
Erlöser ist der Heilige Israels.
Siehe, ich habe dich zum scharfen, neuen Dreschwagen
gemacht, der viele Zacken hat, daß du Berge zerdreschen und
zermalmen sollst und Hügel wie Spreu machen.
Du sollst sie worfeln, daß der Wind sie wegführt
und der Wirbelsturm sie verweht. Du aber wirst fröhlich sein
über den HERRN und wirst dich rühmen des Heiligen
Israels.
Die Elenden und Armen suchen Wasser, und es ist
nichts da, ihre Zunge verdorrt vor Durst. Aber ich, der HERR,
will sie erhören, ich, der Gott Israels, will sie nicht
verlassen.
Ich will Wasserbäche auf den Höhen öffnen
und Quellen mitten auf den Feldern und will die Wüste zu
Wasserstellen machen und das dürre Land zu Wasserquellen.
Ich will in der Wüste wachsen lassen Zedern, Akazien,
Myrten und Ölbäume; ich will in der Steppe pflanzen
miteinander Zypressen, Buchsbaum und Kiefern,
damit man zugleich sehe und erkenne und merke und
verstehe: des HERRN Hand hat dies getan, und der Heilige Israels
hat es geschaffen.
Bringt eure Sache vor, spricht der HERR; sagt an,
womit ihr euch verteidigen wollt, spricht der König in
Jakob.
Sie sollen herzutreten und uns verkündigen, was
kommen wird. Verkündigt es doch, was früher geweissagt
wurde, damit wir darauf achten! Oder laßt uns hören,
was kommen wird, damit wir merken, daß es eintrifft!
Verkündigt uns, was hernach kommen wird, damit wir
erkennen, daß ihr Götter seid! Wohlan, tut Gutes oder
tut Schaden, damit wir uns verwundern und erschrecken!
Siehe, ihr seid nichts, und euer Tun ist auch nichts, und
euch erwählen ist ein Greuel.
Von Norden habe ich einen kommen lassen, und er ist
gekommen, vom Aufgang der Sonne her den, der meinen Namen anruft.
Er zerstampft die Gewaltigen wie Lehm und wie der Töpfer,
der den Ton tritt.
Wer hat es von Anfang an verkündigt, daß wir's
vernahmen? Wer hat es vorher geweissagt, daß wir sagen: Das
ist recht! Aber da ist keiner, der es verkündigte, keiner,
der etwas hören ließ, keiner, der von euch ein Wort
hörte.
Ich bin der erste, der zu Zion sagt: Siehe, da sind sie,
und Jerusalem gebe ich einen Freudenboten.
Schau ich mich um, da ist niemand, und seh ich sie an, da
ist kein Ratgeber, daß ich sie fragen könnte und sie
mir antworteten.
Siehe, sie sind alle nichts, und nichtig sind ihre Werke;
ihre Götzen sind leerer Wind.
Der Knecht Gottes das Licht der Welt
Kapitel 42
Siehe, das ist mein Knecht - ich halte ihn – und
mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat.
Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die
Heiden bringen.
Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird
man nicht hören auf den Gassen.
Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den
glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue
trägt er das Recht hinaus.
Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen,
bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf
seine Weisung.
So spricht Gott, der HERR, der die Himmel schafft
und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs, der dem
Volk auf ihr den Odem gibt und den Geist denen, die auf ihr
gehen:
Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und
halte dich bei der Hand und behüte dich und mache dich zum
Bund für das Volk, zum Licht der Heiden,
daß du die Augen der Blinden öffnen sollst und
die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da
sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker.
Ich, der HERR, das ist mein Name, ich will meine Ehre
keinem andern geben noch meinen Ruhm den Götzen.
Siehe, was ich früher verkündigt habe, ist
gekommen. So verkündige ich auch Neues; ehe denn es aufgeht,
lasse ich's euch hören.
Gott kommt zur Befreiung seines Volkes
Singet dem HERRN ein neues Lied, seinen Ruhm an den Enden
der Erde, die ihr auf dem Meer fahret, und was im Meer ist, ihr
Inseln und die darauf wohnen!
Rufet laut, ihr Wüsten und die Städte darin samt
den Dörfern, wo Kedar wohnt. Es sollen jauchzen, die in
Felsen wohnen, und rufen von den Höhen der Berge!
Sie sollen dem HERRN die Ehre geben und seinen Ruhm auf
den Inseln verkünden!
Der HERR zieht aus wie ein Held, wie ein Kriegsmann
kommt er in Eifer; laut erhebt er das Kampfgeschrei, zieht wie
ein Held wider seine Feinde.
Ich schwieg wohl eine lange Zeit, war still und hielt an
mich. Nun aber will ich schreien wie eine Gebärende, ich
will laut rufen und schreien.
Ich will Berge und Hügel zur Wüste machen und
all ihr Gras verdorren lassen und will die Wasserströme zu
Land machen und die Seen austrocknen.
Aber die Blinden will ich auf dem Wege leiten, den sie
nicht wissen; ich will sie führen auf den Steigen, die sie
nicht kennen. Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht
machen und das Höckerige zur Ebene. Das alles will ich tun
und nicht davon lassen.
Aber die sich auf Götzen verlassen und sprechen zum
gegossenen Bilde: «Ihr seid unsre Götter!», die
sollen zurückweichen und zuschanden werden.
Hört, ihr Tauben, und schaut her, ihr Blinden,
daß ihr seht!
Wer ist so blind wie mein Knecht, und wer ist so taub wie
mein Bote, den ich senden will? Wer ist so blind wie der
Vertraute und so blind wie der Knecht des HERRN?
Du sahst wohl viel, aber du hast's nicht beachtet; deine
Ohren waren offen, aber du hast nicht gehört.
Dem HERRN hat es gefallen um seiner Gerechtigkeit willen,
daß er sein Gesetz herrlich und groß mache.
Dennoch ist es ein beraubtes und geplündertes Volk;
sie sind alle gebunden in Gefängnissen und verschlossen in
Kerkern. Sie sind zur Beute geworden, und es ist kein Erretter
da; sie sind geplündert, und es ist niemand da, der sagt:
Gib wieder her!
Wer ist unter euch, der das zu Ohren nimmt, der aufmerkt
und es hört für künftige Zeiten?
Wer hat Jakob der Plünderung preisgegeben und Israel
den Räubern? Hat es nicht der HERR getan, an dem wir
gesündigt haben? Und sie wollten nicht auf seinen Wegen
wandeln, und sie gehorchten seinen Weisungen nicht.
Darum hat er über sie ausgeschüttet seinen
grimmigen Zorn und den Schrecken des Krieges, daß er sie
ringsumher versengte, aber sie merken's nicht, und sie in Brand
steckte, aber sie nehmen's nicht zu Herzen.
Gott erlöst sein Volk
Kapitel 43
Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob,
und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn
ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen
gerufen; du bist mein!
Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, daß
dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins
Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich
nicht versengen.
Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels,
dein Heiland. Ich habe Ägypten für dich als Lösegeld
gegeben, Kusch und Seba an deiner Statt,
weil du in meinen Augen so wert geachtet und auch herrlich
bist und weil ich dich lieb habe. Ich gebe Menschen an deiner
Statt und Völker für dein Leben.
So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir. Ich
will vom Osten deine Kinder bringen und dich vom Westen her
sammeln,
ich will sagen zum Norden: Gib her! und zum Süden:
Halte nicht zurück! Bring her meine Söhne von ferne und
meine Töchter vom Ende der Erde,
alle, die mit meinem Namen genannt sind, die ich zu meiner
Ehre geschaffen und zubereitet und gemacht habe.
Israel Gottes Zeuge vor der Welt
Es soll hervortreten das blinde Volk, das doch Augen hat,
und die Tauben, die doch Ohren haben!
Alle Heiden sollen zusammenkommen und die Völker sich
versammeln. Wer ist unter ihnen, der dies verkündigen kann
und uns hören lasse, was früher geweissagt wurde? Sie
sollen ihre Zeugen aufstellen und beweisen, so wird man's hören
und sagen: Es ist die Wahrheit.
Ihr seid meine Zeugen, spricht der HERR, und mein Knecht,
den ich erwählt habe, damit ihr wißt und mir glaubt
und erkennt, daß ich's bin. Vor mir ist kein Gott gemacht,
so wird auch nach mir keiner sein.
Ich, ich bin der HERR, und außer mir ist kein
Heiland.
Ich hab's verkündigt und habe auch geholfen und hab's
euch sagen lassen; und es war kein fremder Gott unter euch. Ihr
seid meine Zeugen, spricht der HERR, und ich bin Gott.
Ich bin, ehe denn ein Tag war, und niemand ist da, der aus
meiner Hand erretten kann. Ich wirke; wer will's wenden?
Gott führt sein Volk aus Babel
So spricht der HERR, euer Erlöser, der Heilige
Israels: Um euretwillen habe ich nach Babel geschickt und habe
die Riegel eures Gefängnisses zerbrochen, und zur Klage wird
der Jubel der Chaldäer.
Ich bin der HERR, euer Heiliger, der ich Israel geschaffen
habe, euer König.
So spricht der HERR, der im Meer einen Weg und in starken
Wassern Bahn macht,
der ausziehen läßt Wagen und Rosse, Heer und
Macht, daß sie auf einem Haufen daliegen und nicht
aufstehen, daß sie verlöschen, wie ein Docht
verlischt:
Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das
Vorige!
Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst
es auf, erkennt ihr's denn nicht? Ich mache einen Weg in der
Wüste und Wasserströme in der Einöde.
Das Wild des Feldes preist mich, die Schakale und Strauße;
denn ich will in der Wüste Wasser und in der Einöde
Ströme geben, zu tränken mein Volk, meine Auserwählten;
das Volk, das ich mir bereitet habe, soll meinen Ruhm
verkündigen.
Gott tilgt Israels Sünde
Nicht, daß du mich gerufen hättest, Jakob, oder
daß du dich um mich gemüht hättest, Israel.
Mir hast du nicht die Schafe deines Brandopfers gebracht
noch mich geehrt mit deinen Schlachtopfern. Ich habe dir nicht
Arbeit gemacht mit Opfergaben, habe dich auch nicht bemüht
mit Weihrauch.
Mir hast du nicht für Geld köstliches Gewürz
gekauft, mich hast du mit dem Fett deiner Opfer nicht gelabt.
Aber mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und
hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten.
Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen
und gedenke deiner Sünden nicht.
Erinnere mich, laß uns miteinander rechten! Zähle
alles auf, damit du Recht bekommst!
Schon dein Ahnherr hat gesündigt, und deine
Wortführer sind von mir abgefallen.
Darum habe ich die Fürsten des Heiligtums entheiligt
und Jakob dem Bann übergeben und Israel dem Hohn.
Das wahre Israel
Kapitel 44
So höre nun, mein Knecht Jakob, und Israel, den ich
erwählt habe!
So spricht der HERR, der dich gemacht und bereitet hat und
der dir beisteht von Mutterleibe an: Fürchte dich nicht,
mein Knecht Jakob, und du, Jeschurun,
den ich erwählt habe!
Denn ich will Wasser gießen auf das Durstige und
Ströme auf das Dürre: ich will meinen Geist auf deine
Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen,
daß sie wachsen sollen wie Gras zwischen Wassern,
wie die Weiden an den Wasserbächen.
Dieser wird sagen: «Ich bin des HERRN», und
jener wird genannt werden mit dem Namen «Jakob». Und
wieder ein anderer wird in seine Hand schreiben «Dem HERRN
eigen» und wird mit dem Namen «Israel» genannt
werden.
Der lebendige Gott und die toten Götzen
So spricht der HERR, der König Israels, und sein
Erlöser, der HERR Zebaoth: Ich bin der Erste, und ich bin
der Letzte, und außer mir ist kein Gott.
Und wer ist mir gleich? Er rufe und verkünde es und
tue es mir dar! Wer hat vorzeiten kundgetan das Künftige?
Sie sollen uns verkündigen, was kommen wird!
Fürchtet euch nicht und erschrecket nicht! Habe ich's
dich nicht schon lange hören lassen und es dir verkündigt?
Ihr seid doch meine Zeugen! Ist auch ein Gott außer mir? Es
ist kein Fels, ich weiß ja keinen.
Die Götzenmacher sind alle nichtig; woran ihr
Herz hängt, das ist nichts nütze. Und ihre Zeugen sehen
nichts, merken auch nichts, damit sie zuschanden werden.
Wer sind sie, die einen Gott machen und einen Götzen
gießen, der nichts nütze ist?
Siehe, alle ihre Genossen werden zuschanden; die Meister
sind auch nur Menschen. Wenn sie auch alle zusammentreten, sollen
sie dennoch erschrecken und zuschanden werden.
Der Schmied macht ein Messer in der Glut und formt es mit
Hammerschlägen. Er arbeitet daran mit der ganzen Kraft
seines Arms; dabei wird er hungrig, so daß er nicht mehr
kann, und trinkt auch kein Wasser, so daß er matt wird.
Der Zimmermann spannt die Schnur und zeichnet mit dem
Stift. Er behaut das Holz und zirkelt es ab und macht es wie
eines Mannes Gestalt, wie einen schönen Menschen; in einem
Hause soll es thronen.
Er haut Zedern ab und nimmt Kiefern und Eichen und wählt
unter den Bäumen des Waldes. Er hatte Fichten gepflanzt, und
der Regen ließ sie wachsen.
Das gibt den Leuten Brennholz; davon nimmt er und wärmt
sich; auch zündet er es an und bäckt Brot; aber daraus
macht er auch einen Gott und betet's an; er macht einen Götzen
daraus und kniet davor nieder.
Die eine Hälfte verbrennt er im Feuer, auf ihr brät
er Fleisch und ißt den Braten und sättigt sich, wärmt
sich auch und spricht: Ah! Ich bin warm geworden, ich spüre
das Feuer.
Aber die andere Hälfte macht er zum Gott, daß
es sein Götze sei, vor dem er Kniet und niederfällt und
betet, und spricht: Errette mich, denn du bist mein Gott!
Sie wissen nichts und verstehen nichts; denn sie sind
verblendet, daß ihre Augen nicht sehen und ihre Herzen
nichts merken können.
Er kommt nicht zur Einsicht; keine Vernunft und kein
Verstand ist da, daß er dächte: Ich habe die eine
Hälfte mit Feuer verbrannt und hab auf den Kohlen Brot
gebacken und Fleisch gebraten und gegessen und sollte die andere
Hälfte zum Götzen machen und sollte knien vor einem
Klotz?
Wer Asche hütet, den hat sein Herz getäuscht und
betört, so daß er sein Leben nicht erretten und nicht
zu sich sagen wird: Ist das nicht Trug, woran meine Rechte sich
hält?
Freude über die Erlösung
Gedenke daran, Jakob, und du, Israel, denn du bist mein
Knecht. Ich habe dich bereitet, daß du mein Knecht seist.
Israel, ich vergesse dich nicht!*
*Luther übersetzte im Anschluß
an eine andere Überlieferung: «Israel, vergiß
Mein nicht!»
Ich tilge deine Missetat wie eine Wolke und deine
Sünden wie den Nebel. Kehre dich zu mir, denn ich erlöse
dich! -
Jauchzet, ihr Himmel, denn der HERR hat's getan! Jubelt,
ihr Tiefen der Erde! Ihr Berge, frohlocket mit Jauchzen, der Wald
und alle Bäume darin! Denn der HERR hat Jakob erlöst
und ist herrlich in Israel.
Cyrus als Werkzeug Gottes
So spricht der HERR, dein Erlöser, der dich von
Mutterleibe bereitet hat: Ich bin der HERR, der alles schafft,
der den Himmel ausbreitet allein und die Erde festmacht ohne
Gehilfen;
der die Zeichen der Wahrsager zunichte macht und die
Weissager zu Narren; der die Weisen zurücktreibt und ihre
Kunst zur Torheit macht;
der das Wort seiner Knechte wahr macht und den Ratschluß
vollführt, den seine Boten verkündigt haben; der zu
Jerusalem spricht: Werde bewohnt! und zu den Städten Judas:
Werdet wieder aufgebaut!, und ihre Trümmer richte ich auf;
der zu der Tiefe spricht: Versiege!, und deine Fluten
trockne ich aus;
der zu Cyrus sagt: Mein Hirte! Er soll all meinen Willen
vollenden und sagen zu Jerusalem: Werde wieder gebaut! und zum
Tempel: Werde gegründet!
Kapitel 45
So spricht der HERR zu seinem Gesalbten, zu Cyrus,
den ich bei seiner rechten Hand ergriff, daß ich Völker
vor ihm unterwerfe und Königen das Schwert abgürte,
damit vor ihm Türen geöffnet werden und Tore nicht
verschlossen bleiben:
Ich will vor dir hergehen und das Bergland eben machen,
ich will die ehernen Türen zerschlagen und die eisernen
Riegel zerbrechen
und will dir heimliche Schätze geben und verborgene
Kleinode, damit du erkennst, daß ich der HERR bin, der dich
beim Namen ruft, der Gott Israels.
Um Jakobs, meines Knechts, und um Israels, meines
Auserwählten, willen rief ich dich bei deinem Namen und gab
dir Ehrennamen, obgleich du mich nicht kanntest.
Ich bin der HERR, und sonst keiner mehr, kein Gott ist
außer mir. Ich habe dich gerüstet, obgleich du mich
nicht kanntest,
damit man erfahre in Ost und West, daß außer
mir nichts ist. Ich bin der HERR, und sonst keiner mehr,
der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der
ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der HERR, der dies
alles tut.
Träufelt, ihr Himmel, von oben, und ihr
Wolken, regnet Gerechtigkeit! Die Erde tue sich auf und bringe
Heil, und Gerechtigkeit wachse mit auf! Ich, der HERR, habe es
geschaffen.
Gegen die Vermessenen in Israel
Weh dem, der mit seinem Schöpfer hadert, eine Scherbe
unter irdenen Scherben! Spricht denn der Ton zu seinem Töpfer:
Was machst du? und sein Werk: Du hast keine Hände!
Weh dem, der zum Vater sagt: Warum zeugst du? und zum
Weibe: Warum gebierst du?
So spricht der HERR, der Heilige Israels und sein
Schöpfer: Wollt ihr mich zur Rede stellen wegen meiner
Söhne? Und wollt ihr mir Befehl geben wegen des Werkes
meiner Hände?
Ich habe die Erde gemacht und den Menschen auf ihr
geschaffen. Ich bin's, dessen Hände den Himmel ausgebreitet
haben und der seinem ganzen Heer geboten hat.
Ich habe ihn erweckt in Gerechtigkeit, und alle seine Wege
will ich eben machen. Er soll meine Stadt wieder aufbauen und
meine Gefangenen loslassen, nicht um Geld und nicht um Geschenke,
spricht der HERR Zebaoth.
Verheißung der Herrlichkeit Gottes in aller Welt
So spricht der HERR: Der Ägypter Erwerb und der
Kuschiter Gewinn und die hochgewachsenen Leute von Seba werden zu
dir kommen und dein eigen sein. Sie werden dir folgen, in Fesseln
werden sie gehen und werden zu dir kommen und niederfallen und zu
dir flehen: Nur bei dir ist Gott, und sonst ist kein Gott mehr.
Fürwahr, du bist ein verborgener Gott, du Gott
Israels, der Heiland.
Aber die Götzenmacher sollen alle in Schmach und
Schande geraten und miteinander schamrot einhergehen.
Israel aber wird erlöst durch den HERRN mit einer
ewigen Erlösung und wird nicht zuschanden noch zu Spott
immer und ewiglich.
Denn so spricht der HERR, der den Himmel geschaffen
hat – er ist Gott; der die Erde bereitet und gemacht hat –
er hat sie gegründet; er hat sie nicht geschaffen, daß
sie leer sein soll, sondern sie bereitet, daß man auf ihr
wohnen solle: Ich bin der HERR, und sonst keiner mehr.
Ich habe nicht im Verborgenen geredet an einem finstern
Ort der Erde; ich habe nicht zu den Söhnen Jakobs gesagt:
«Sucht mich vergeblich!» Denn ich bin der HERR, der
von Gerechtigkeit redet und verkündigt, was recht ist.
Versammelt euch und kommt miteinander herzu, ihr
Entronnenen der Heiden. Keine Erkenntnis haben, die sich
abschleppen mit den Klötzen ihrer Götzen und zu einem
Gott flehen, der nicht helfen kann.
Tut es kund, bringt es vor, beratet miteinander: Wer hat
dies hören lassen von alters her und vorzeiten verkündigt?
Hab ich's nicht getan, der HERR? Es ist sonst kein Gott außer
mir, ein gerechter Gott und Heiland, und es ist keiner außer
mir.
Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, aller Welt
Enden; denn ich bin Gott, und sonst keiner mehr.
Ich habe bei mir selbst geschworen, und Gerechtigkeit ist
ausgegangen aus meinem Munde, ein Wort, bei dem es bleiben soll:
Mir sollen sich alle Knie beugen und alle Zungen schwören
und sagen: Im HERRN habe ich Gerechtigkeit und Stärke.
Aber alle, die ihm widerstehen, werden zu ihm kommen und beschämt
werden.
Im HERRN wird gerecht werden Israels ganzes Geschlecht und
wird sich seiner rühmen.
Sturz der babylonischen Götzen
Kapitel 46
Bel bricht zusammen, Nebo ist gefallen, ihre Götzenbilder
sind den Tieren und dem Vieh aufgeladen, daß sie sich müde
tragen an dem, was eure Last war.
Ja, sie können die Last nicht wegbringen. Die Götzen
sind gefallen und alle zusammengebrochen und müssen in die
Gefangenschaft gehen.
Hört mir zu, ihr vom Hause Jakob, und alle,
die ihr noch übrig seid vom Hause Israel, die ihr von mir
getragen werdet von Mutterleibe an und vom Mutterschoße an
mir aufgeladen seid:
Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch
tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben
und tragen und erretten.
Wem wollt ihr mich gleichstellen, und mit wem
vergleicht ihr mich? An wem meßt ihr mich, daß ich
ihm gleich sein soll?
Sie schütten das Gold aus dem Beutel und wiegen das
Silber mit der Waage dar und dingen den Goldschmied, daß er
einen Gott daraus mache, vor dem sie knien und anbeten.
Sie heben ihn auf die Schultern und tragen ihn und setzen
ihn nieder an seine Stätte, daß er stehe und nicht von
seinem Ort rücke. Schreit einer zu ihm, so antwortet er
nicht und hilft ihm nicht aus seiner Not.
Gedenket doch daran, ihr Abtrünnigen, und
nehmt's zu Herzen!
Gedenket des Vorigen, wie es von alters her war: Ich bin
Gott, und sonst keiner mehr, ein Gott, dem nichts gleicht.
Ich habe von Anfang an verkündigt, was hernach kommen
soll, und vorzeiten, was noch nicht geschehen ist. Ich sage: Was
ich beschlossen habe, geschieht, und alles, was ich mir
vorgenommen habe, das tue ich.
Ich rufe einen Adler vom Osten her, aus fernem Lande den
Mann, der meinen Ratschluß ausführe. Wie ich's gesagt
habe, so lasse ich's kommen; was ich geplant habe, das tue ich
auch.
Hört mir zu, ihr trotzigen Herzen, die ihr
ferne seid von der Gerechtigkeit!
Ich habe meine Gerechtigkeit nahe gebracht; sie ist nicht
ferne, und mein Heil säumt nicht. Ich will zu Zion das Heil
geben und in Israel meine Herrlichkeit.
Gericht über Babel
Kapitel 47
Herunter, Jungfrau, du Tochter Babel, setze dich in den
Staub! Setze dich auf die Erde, wo kein Thron ist, du Tochter der
Chaldäer. Man wird nicht mehr zu dir sagen: «Du Zarte
und Verwöhnte».
Nimm die Mühle und mahle Mehl, decke auf deinen
Schleier! Hebe die Schleppe, entblöße den Schenkel,
wate durchs Wasser,
daß deine Blöße aufgedeckt und deine
Schande gesehen werde! Ich will mich rächen, unerbittlich,
spricht unser Erlöser; der heißt der HERR
Zebaoth, der Heilige Israels.
Setze dich stumm hin, geh in die Finsternis, du
Tochter der Chaldäer! Denn du sollst nicht mehr heißen
«Herrin über Königreiche».
Als ich über mein Volk zornig war und mein Erbe
entheiligte, gab ich sie in deine Hand; aber du erwiesest ihnen
keine Barmherzigkeit, auch über die Alten machtest du dein
Joch allzu schwer.
Du dachtest: Ich bin eine Herrin für immer. Du
hattest noch nicht zu Herzen genommen noch daran gedacht, wie es
hernach werden könnte.
So höre nun dies, die du in Wollust lebst und
so sicher sitzest und sprichst in deinem Herzen: «Ich
bin's, und sonst keine; ich werde keine Witwe werden noch ohne
Kinder sein»:
Dies beides wird plötzlich über dich kommen auf
einen Tag, daß du Witwe und ohne Kinder bist. Ja, es
wird in vollem Maße über dich kommen trotz der Menge
deiner Zaubereien und trotz der großen Macht deiner
Beschwörungen.
Denn du hast dich auf deine Bosheit verlassen, als du
dachtest: Niemand sieht mich! Deine Weisheit und Kunst hat dich
verleitet, daß du in deinem Herzen sprachst: Ich bin's, und
sonst keine!
Aber nun wird über dich Unglück kommen, das du
nicht wegzuzaubern weißt, und Unheil wird auf dich fallen,
das du nicht durch Sühne abwenden kannst. Und es wird
plötzlich ein Verderben über dich kommen, dessen du
dich nicht versiehst.
So tritt nun auf mit deinen Beschwörungen und
der Menge deiner Zaubereien, um die du dich von deiner Jugend auf
bemüht hast, ob du dir helfen und es abwenden kannst.
Du hast dich müde gemacht mit der Menge deiner Pläne.
Es sollen hertreten und dir helfen die Meister des Himmelslaufs
und die Sterngucker, die an jedem Neumond kundtun, was über
dich kommen werde!
Siehe, sie sind wie Stoppeln, die das Feuer verbrennt, sie
können ihr Leben nicht erretten vor der Flamme Gewalt. Denn
es wird nicht eine Glut sein, an der man sich wärmen, oder
ein Feuer, um das man sitzen könnte.
So sind alle, um die du dich bemüht hast, die mit dir
Handel trieben von deiner Jugend auf: ein jeder wird hierhin und
dorthin wanken, und du hast keinen Retter.
Gnade für das abtrünnige Israel
Kapitel 48
Hört dies, ihr vom Hause Jakob, die ihr nach dem
Namen Israels heißt und aus dem Wasser Judas gekommen seid;
die ihr schwört bei dem Namen des HERRN und den Gott Israels
bekennt, aber nicht in Wahrheit und Gerechtigkeit, -
sie nennen sich nach der heiligen Stadt und pochen auf den
Gott Israels, der da heißt der HERR Zebaoth.
Ich habe vorzeiten verkündigt, was schon
gekommen ist; aus meinem Munde ist es gekommen, und ich habe es
sagen lassen. Ich tat es plötzlich, und es kam.
Denn ich weiß, daß du hart bist und dein
Nacken eine eiserne Sehne ist und deine Stirn ehern.
Darum habe ich dir's vorzeiten verkündigt und es dir
sagen lassen, ehe es gekommen ist, damit du nicht sagen könntest:
Mein Götze tat es, und mein Abgott, der geschnitzt und
gegossen wurde, hat's befohlen.
Das alles hast du gehört und siehst es und
verkündigst es doch nicht. Von nun an lasse ich dich Neues
hören und Verborgenes, das du nicht wußtest.
Jetzt ist es geschaffen und nicht vorzeiten, und vorher
hast du nicht davon gehört, auf daß du nicht sagen
könntest: Siehe, das wußte ich schon.
Du hörtest es nicht und wußtest es auch nicht,
und dein Ohr war damals nicht geöffnet. Ich aber wußte
sehr wohl, daß du treulos bist und man dich nennt
«Abtrünnig
von Mutterleib an».
Um meines Namens willen halte ich lange meinen Zorn
zurück, und um meines Ruhmes willen bezähme ich mich
dir zugut, damit du nicht ausgerottet wirst.
Siehe, ich habe dich geläutert, aber nicht wie
Silber, sondern ich habe dich geprüft im Glutofen des
Elends.
Um meinetwillen, ja, um meinetwillen will ich's tun, daß
ich nicht gelästert werde; denn ich will meine Ehre keinem
andern lassen.
Die Stunde der Erlösung Israels ist gekommen
Höre mir zu, Jakob, und du, Israel, den ich berufen
habe: Ich bin's, ich bin der Erste und auch der Letzte.
Meine Hand hat die Erde gegründet, und meine Rechte
hat den Himmel ausgespannt. Ich rufe, und alles steht da.
Versammelt euch alle und hört: Wer ist unter
ihnen, der es verkündigt hat? Er, den der HERR liebt, wird
seinen Willen an Babel beweisen und seinen Arm an den Chaldäern.
Ich, ja, ich habe es gesagt, ich habe ihn gerufen, ich
habe ihn auch kommen lassen, und sein Weg soll ihm gelingen.
Tretet her zu mir und höret dies! Ich habe von Anfang
an nicht im Verborgenen geredet; von der Zeit an, da es
geschieht, bin ich auf dem Plan. - Und nun sendet mich Gott der
HERR und sein Geist.
So spricht der HERR, dein Erlöser, der Heilige
Israels: Ich bin der HERR, dein Gott, der dich lehrt, was dir
hilft, und dich leitet auf dem Wege, den du gehst.
O daß du auf meine Gebote gemerkt hättest,
so würde dein Friede sein wie ein Wasserstrom und deine
Gerechtigkeit wie Meereswellen.
Deine Kinder würden zahlreich sein wie Sand und deine
Nachkommen wie Sandkörner. Dein Name würde nicht
ausgerottet und nicht vertilgt werden vor mir.
Geht heraus aus Babel, flieht von den Chaldäern!
Mit fröhlichem Schall verkündigt dies und laßt es
hören, tragt's hinaus bis an die Enden der Erde und sprecht:
Der HERR hat seinen Knecht Jakob erlöst.
Sie litten keinen Durst, als er sie leitete in der Wüste.
Er ließ ihnen Wasser aus dem Felsen fließen, er
spaltete den Fels, daß Wasser herausrann.
Aber die Gottlosen, spricht der HERR, haben keinen
Frieden.
Der Knecht Gottes das Heil Israels und das Licht der Heiden
Kapitel 49
Hört mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der
Ferne, merket auf! Der HERR hat mich berufen von Mutterleibe an;
er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Schoß der
Mutter war.
Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht, mit
dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum
spitzen Pfeil gemacht und mich in seinem Köcher verwahrt.
Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch
den ich mich verherrlichen will.
Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte
meine Kraft umsonst und unnütz, wiewohl mein Recht bei dem
HERRN und mein Lohn bei meinem Gott ist.
1. Könige 19,10.
Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib
an zu seinem Knecht bereitet hat, daß ich Jakob zu ihm
zurückbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde, -
darum bin ich vor dem HERRN wert geachtet, und mein Gott ist
meine Stärke -,
er spricht: Es ist zu wenig, daß du mein Knecht
bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten
Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der
Heiden gemacht, daß du seist mein Heil bis an die Enden der
Erde.
Die Wiederherstellung Israels
So spricht der HERR, der Erlöser Israels, sein
Heiliger, zu dem, der verachtet ist von den Menschen und
verabscheut von den Heiden, zu dem Knecht, der unter Tyrannen
ist: Könige sollen sehen und aufstehen, und Fürsten
sollen niederfallen um des HERRN willen, der treu ist, um des
Heiligen Israels willen, der dich erwählt hat.
So spricht der HERR: Ich habe dich erhört zur
Zeit der Gnade und habe dir am Tage des Heils geholfen und habe
dich behütet und zum Bund für das Volk bestellt, daß
du das Land aufrichtest und das verwüstete Erbe zuteilst,
zu sagen den Gefangenen: Geht heraus! und zu denen in der
Finsternis: Kommt hervor! Am Wege werden sie weiden und auf allen
kahlen Höhen ihre Weide haben.
Sie werden weder hungern noch dürsten, sie wird weder
Hitze noch Sonne stechen; denn ihr Erbarmer wird sie führen
und sie an die Wasserquellen leiten.
Ich will alle meine Berge zum ebenen Wege machen, und
meine Pfade sollen gebahnt sein.
Siehe, diese werden von ferne kommen, und siehe, jene vom
Norden und diese vom Meer und jene vom Lande Sinim.
Jauchzet, ihr Himmel, freue dich, Erde! Lobet, ihr
Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet
und erbarmt sich seiner Elenden.
Zion aber sprach: Der HERR hat mich verlassen, der
Herr hat meiner vergessen.
Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß
sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob
sie seiner vergäße, so will ich doch deiner nicht
vergessen.
Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet;
deine Mauern sind immerdar vor mir.
Deine Erbauer eilen herbei, aber die dich zerbrochen und
zerstört haben, werden sich davonmachen.
Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle
sind versammelt und kommen zu dir. So wahr ich lebe, spricht der
HERR: du sollst mit diesen allen wie mit einem Schmuck angetan
werden und wirst sie als Gürtel um dich legen, wie eine
Braut es tut.
Denn dein wüstes, zerstörtes und verheertes Land
wird dir alsdann zu eng werden, um darin zu wohnen, und deine
Verderber werden vor dir weichen,
so daß deine Söhne, du Kinderlose, noch sagen
werden vor deinen Ohren: Der Raum ist mir zu eng; mach mir Platz,
daß ich wohnen kann.
Du aber wirst sagen in deinem Herzen: Wer hat mir diese
geboren? Ich war unfruchtbar, einsam, vertrieben und verstoßen.
Wer hat mir diese aufgezogen? Siehe, ich war allein gelassen –
wo waren denn diese?
So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will meine
Hand zu den Heiden hin erheben und für die Völker mein
Banner aufrichten. Dann werden sie deine Söhne in den Armen
herbringen und deine Töchter auf der Schulter hertragen.
Und Könige sollen deine Pfleger und ihre Fürstinnen
deine Ammen sein. Sie werden vor dir niederfallen zur Erde aufs
Angesicht und deiner Füße Staub lecken. Da wirst du
erfahren, daß ich der HERR bin, an dem nicht zuschanden
werden, die auf mich harren.
Kann man auch einem Starken den Raub wegnehmen?
Oder kann man einem Gewaltigen seine Gefangenen entreißen?
So aber spricht der HERR: Nun sollen die Gefangenen
dem Starken weggenommen werden, und der Raub soll dem Gewaltigen
entrissen werden. Ich selbst will deinen Gegnern entgegentreten
und deinen Söhnen helfen.
Und ich will deine Schinder sättigen mit ihrem
eigenen Fleisch, und sie sollen von ihrem eigenen Blut wie von
süßem Wein trunken werden. Und alles Fleisch soll
erfahren, daß ich, der HERR, dein Heiland bin und dein
Erlöser, der Mächtige Jakobs.
Die Schuld liegt beim Volk
Kapitel 50
So spricht der HERR: Wo ist der Scheidebrief eurer Mutter,
mit dem ich sie entlassen hätte? Oder wer ist mein
Gläubiger, dem ich euch verkauft hätte? Siehe, ihr seid
um eurer Sünden willen verkauft, und eure Mutter ist um
eurer Abtrünnigkeit willen entlassen.
Warum kam ich, und niemand war da? Warum rief ich, und
niemand antwortete? Ist mein Arm nun so kurz geworden, daß
er nicht mehr erlösen kann? Oder ist bei mir keine Kraft
mehr, zu erretten? Siehe, mit meinem Schelten mache ich das Meer
trocken und die Wasserströme zur Wüste, daß ihre
Fische vor Mangel an Wasser stinken und vor Durst sterben.
Ich kleide den Himmel mit Dunkel und hülle ihn in
Trauer.
Der Knecht Gottes im Leiden
Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie
Jünger haben, daß ich wisse mit den Müden zu
rechter Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, daß
ich höre, wie Jünger hören.
Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin
nicht ungehorsam und weiche nicht zurück.
Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich
schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein
Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.
Aber Gott der HERR hilft mir, darum werde ich nicht
zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen
Kieselstein; denn ich weiß, daß ich nicht zuschanden
werde.
Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir
rechten? Laßt uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht
anfechten? Der komme her zu mir!
Siehe, Gott der HERR hilft mir; wer will mich verdammen?
Siehe, sie alle werden wie Kleider zerfallen, die die Motten
fressen.
Wer ist unter euch, der den HERRN fürchtet,
der der Stimme seines Knechts gehorcht, der im Finstern wandelt
und dem kein Licht scheint? Der hoffe auf den Namen des HERRN und
verlasse sich auf seinen Gott!
Siehe, ihr alle, die ihr ein Feuer anzündet und
Brandpfeile zurüstet, geht hin in die Glut eures Feuers und
in die Brandpfeile, die ihr angezündet habt! Das widerfährt
euch von meiner Hand; in Schmerzen sollt ihr liegen.
Jesaja
51 - 66
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