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DIE SPRÜCHE SALOMOS

Kapitel 1 - 16







MAHNUNGEN DER WEISHEIT

(Kapitel 1 – 9)

Kapitel 1

  1. Dies sind die Sprüche Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von Israel,

  2. um zu lernen Weisheit und Zucht und zu verstehen verständige Rede,

  3. daß man annehme Zucht, die da klug macht, Gerechtigkeit, Recht und Redlichkeit;

  4. daß die Unverständigen klug werden und die Jünglinge vernünftig und besonnen.

  5. Wer weise ist, der höre zu und wachse an Weisheit, und wer verständig ist, der lasse sich raten,

  6. daß er verstehe Sprüche und Gleichnisse, die Worte der Weisen und ihre Rätsel.

  7. Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis. Die Toren verachten Weisheit und Zucht.

Warnung vor Verführern

  1. Mein Sohn, gehorche der Zucht deines Vaters und verlaß nicht das Gebot deiner Mutter;

  2. denn das ist ein schöner Schmuck für dein Haupt und eine Kette an deinem Halse.

  3. Mein Sohn, wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht.

  4. Wenn sie sagen: «Geh mit uns! Wir wollen auf Blut lauern und den Unschuldigen nachstellen ohne Grund;

  5. wir wollen sie verschlingen wie das Totenreich die Lebendigen, und die Frommen sollen sein wie die, welche hinunter in die Grube fahren;

  6. wir wollen kostbares Gut finden, wir wollen unsre Häuser mit Raub füllen;

  7. wage es mit uns! einen Beutel nur soll es für uns alle geben»:

  8. mein Sohn, wandle den Weg nicht mit ihnen, halte deinen Fuß fern von ihrem Pfad;

  9. denn ihre Füße laufen zum Bösen und eilen, Blut zu vergießen.

  10. Man spannt das Netz vor den Augen der Vögel, doch lassen sie sich nicht warnen;

  11. so lauern jene auf ihr eigenes Blut und stehen sich selbst nach dem Leben.

  12. So geht es allen, die nach unrechtem Gewinn trachten; er nimmt ihnen das Leben.

Die Bußpredigt der Weisheit

  1. Die Weisheit ruft laut auf der Straße und läßt ihre Stimme hören auf den Plätzen.

  2. Sie ruft im lautesten Getümmel, am Eingang der Tore, sie redet ihre Worte in der Stadt:

  3. Wie lange wollt ihr Unverständigen unverständig sein und ihr Spötter Lust zu Spötterei haben und ihr Toren die Erkenntnis hassen?

  4. Kehret euch zu meiner Zurechtweisung! Siehe, ich will über euch strömen lassen meinen Geist und euch meine Worte kundtun.

  5. Wenn ich aber rufe und ihr euch weigert, wenn ich meine Hand ausstrecke und niemand darauf achtet,

  6. wenn ihr fahren laßt all meinen Rat und meine Zurechtweisung nicht wollt:

  7. dann will ich auch lachen bei eurem Unglück und euer spotten, wenn da kommt, was ihr fürchtet;

  8. wenn über euch kommt wie ein Sturm, was ihr fürchtet, und euer Unglück wie ein Wetter; wenn über euch Angst und Not kommt.

  9. Dann werden sie nach mir rufen, aber ich werde nicht antworten; sie werden mich suchen und nicht finden.

  10. Weil sie die Erkenntnis haßten und die Furcht des HERRN nicht erwählten,

  11. meinen Rat nicht wollten und all meine Zurechtweisung verschmähten,

  12. darum sollen sie essen von den Früchten ihres Wandels und satt werden an ihren Ratschlägen.

  13. Denn den Unverständigen bringt ihre Abkehr den Tod, und die Toren bringt ihre Sorglosigkeit um;

  14. wer aber mir gehorcht, wird sicher wohnen und ohne Sorge sein und kein Unglück fürchten.

Die Weisheit bewahrt vor dem Verderben

Kapitel 2

  1. Mein Sohn, wenn du meine Rede annimmst und meine Gebote behältst,

  2. so daß dein Ohr auf Weisheit achthat, und du dein Herz der Einsicht zuneigst;

  3. ja, wenn du nach Vernunft rufst und deine Stimme nach Einsicht erhebst;

  4. wenn du sie suchst wie Silber und nach ihr forschest wie nach Schätzen:

  5. dann wirst du die Furcht des HERRN verstehen und die Erkenntnis Gottes finden.

  6. Denn der HERR gibt Weisheit, und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Einsicht.

  7. Er läßt es den Aufrichtigen gelingen und beschirmt die Frommen.

  8. Er behütet, die recht tun, und bewahrt den Weg seiner Frommen.

  9. Dann wirst du verstehen Gerechtigkeit und Recht und Frömmigkeit und jeden guten Weg.

  10. Denn Weisheit wird in dein Herz eingehen, und Erkenntnis wird deiner Seele lieblich sein;

  11. Besonnenheit wird dich bewahren und Einsicht dich behüten, -

  12. daß du nicht geratest auf den Weg der Bösen noch unter Leute, die Falsches reden;

  13. die da verlassen die rechte Bahn und gehen finstere Wege,

  14. die sich freuen, Böses zu tun, und sind fröhlich über böse Ränke,

  15. die krumme Wege gehen und auf Abwege kommen, -

  16. daß du nicht geratest an die Frau eines andern, an eine Fremde, die glatte Worte gibt

  17. und verläßt den Gefährten ihrer Jugend und vergißt den Bund ihres Gottes,

  18. denn ihr Haus neigt sich zum Tode und ihre Wege zum Ort der Toten;

  19. alle, die zu ihr eingehen, kommen nicht wieder und erreichen den Weg des Lebens nicht, -

  20. daß du wandelst auf dem Wege der Guten und bleibst auf der Bahn der Gerechten;

  21. denn die Gerechten werden im Lande wohnen und die Frommen darin bleiben,

  22. aber die Gottlosen werden aus dem Land ausgerottet und die Treulosen daraus vertilgt.

Vom Segen der Gottesfurcht und Weisheit

Kapitel 3

  1. Mein Sohn, vergiß meine Weisung nicht, und dein Herz behalte meine Gebote,

  2. denn sie werden dir langes Leben bringen und gute Jahre und Frieden;

  3. Gnade und Treue sollen dich nicht verlassen. Hänge meine Gebote an deinen Hals und schreibe sie auf die Tafel deines Herzens,

  4. so wirst du Freundlichkeit und Klugheit erlangen, die Gott und den Menschen gefallen.

  5. Verlaß dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlaß dich nicht auf deinen Verstand,

  6. sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.

  7. Dünke dich nicht, weise zu sein, sondern fürchte den HERRN und weiche vom Bösen.

  8. Das wird deinem Leibe heilsam sein und deine Gebeine erquicken.

  9. Ehre den HERRN mit deinem Gut und mit den Erstlingen all deines Einkommens,

  10. so werden deine Scheunen voll werden und deine Kelter von Wein überlaufen.

  11. Mein Sohn, verwirf die Zucht des HERRN nicht und sei nicht ungeduldig, wenn er dich zurechtweist;

  12. denn wen der HERR liebt, den weist er zurecht, und hat doch Wohlgefallen an ihm wie ein Vater am Sohn.

    Offenbarung 3,19

  13. Wohl dem Menschen, der Weisheit erlangt, und dem Menschen, der Einsicht gewinnt!

  14. Denn es ist besser, sie zu erwerben, als Silber, und ihr Ertrag ist besser als Gold.

  15. Sie ist edler als Perlen, und alles, was du wünschen magst, ist ihr nicht zu vergleichen.

  16. Langes Leben ist in ihrer rechten Hand, in ihrer Linken ist Reichtum und Ehre.

  17. Ihre Wege sind liebliche Wege, und alle ihre Steige sind Frieden.

  18. Sie ist ein Baum des Lebens allen, die sie ergreifen, und glücklich sind, die sie festhalten.

  19. Der HERR hat die Erde durch Weisheit gegründet und nach seiner Einsicht die Himmel bereitet.

  20. Kraft seiner Erkenntnis quellen die Wasser der Tiefe hervor und triefen die Wolken von Tau.

  21. Mein Sohn, laß sie nicht aus deinen Augen weichen, bewahre Umsicht und Klugheit!

  22. Das wird Leben sein für dein Herz und ein Schmuck für deinen Hals.

  23. Dann wirst du sicher wandeln auf deinem Wege, so daß dein Fuß sich nicht stoßen wird.

  24. Legst du dich, so wirst du dich nicht fürchten, und liegst du, so wirst du süß schlafen.

  25. Fürchte dich nicht vor plötzlichem Schrecken noch vor dem Verderben der Gottlosen, wenn es über sie kommt;

  26. denn der HERR ist deine Zuversicht; er behütet deinen Fuß, daß er nicht gefangen werde.

Ermahnung zum Wohltun und zur Friedfertigkeit

  1. Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag.

  2. Sprich nicht zu deinem Nächsten: Geh hin und komm wieder; morgen will ich dir geben -, wenn du es doch hast.

  3. Trachte nicht nach Bösem gegen deinen Nächsten, der arglos bei dir wohnt.

  4. Geh nicht mutwillig mit jemand vor Gericht, wenn er dir kein Leid getan hat.

  5. Sei nicht neidisch auf den Gewalttätigen und erwähle seiner Wege keinen,

  6. denn wer auf Abwegen geht, ist dem HERRN ein Greuel, aber den Frommen ist er Freund.

  7. Im Hause des Gottlosen ist der Fluch des HERRN, aber das Haus der Gerechten wird gesegnet.

  8. Er wird der Spötter spotten, aber den Demütigen wird er Gnade geben.

  9. Die Weisen werden Ehre erben, aber die Toren werden Schande davontragen.

Väterliche Mahnung

Kapitel 4

  1. Höret, meine Söhne, die Mahnung eures Vaters; merkt auf, daß ihr lernet und klug werdet!

  2. Denn ich gebe euch eine gute Lehre; verlaßt meine Weisung nicht.

  3. Denn als ich noch Kind in meines Vaters Hause war, ein zartes, das einzige unter der Obhut meiner Mutter,

  4. da lehrte er mich und sprach: Laß dein Herz meine Worte aufnehmen; halte meine Gebote, so wirst du leben.

  5. Erwirb Weisheit, erwirb Einsicht; vergiß sie nicht und weiche nicht von der Rede meines Mundes;

  6. verlaß sie nicht, so wird sie dich bewahren; liebe sie, so wird sie dich behüten.

  7. Denn der Weisheit Anfang ist: Erwirb Weisheit, und erwirb Einsicht mit allem, was du hast.

  8. Achte sie hoch, so wird sie dich erhöhen und wird dich zu Ehren bringen, wenn du sie herzest.

  9. Sie wird dein Haupt schön schmücken und wird dich zieren mit einer prächtigen Krone.

  10. Höre, mein Sohn, und nimm an meine Rede, so werden deiner Jahre viel werden.

  11. Ich will dich den Weg der Weisheit führen; ich will dich auf rechter Bahn leiten,

  12. daß, wenn du gehst, dein Gang dir nicht sauer werde, und wenn du läufst, du nicht strauchelst.

  13. Bleibe in der Unterweisung, laß nicht ab davon; bewahre sie, denn sie ist dein Leben.

  14. Komm nicht auf den Pfad der Gottlosen und tritt nicht auf den Weg der Bösen.

  15. Laß ihn liegen und geh nicht darauf; weiche von ihm und geh vorüber.

  16. Denn jene können nicht schlafen, wenn sie nicht übel getan, und sie ruhen nicht, wenn sie nicht Schaden getan.

  17. Sie nähren sich vom Brot des Frevels und trinken vom Wein der Gewalttat. -

  18. Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag.

  19. Der Gottlosen Weg aber ist wie das Dunkel; sie wissen nicht, wodurch sie zu Fall kommen werden.

  20. Mein Sohn, merke auf meine Rede und neige dein Ohr zu meinen Worten.

  21. Laß sie dir nicht aus den Augen kommen; behalte sie in deinem Herzen,

  22. denn sie sind das Leben denen, die sie finden, und heilsam ihrem ganzen Leibe.

  23. Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben.

  24. Tu von dir die Falschheit des Mundes und sei kein Lästermaul.

  25. Laß deine Augen stracks vor sich sehen und deinen Blick geradeaus gerichtet sein.

  26. Laß deinen Fuß auf ebener Bahn gehen, und alle deine Wege seien gewiß.

  27. Weiche weder zur Rechten noch zur Linken; wende deinen Fuß vom Bösen.

Warnung vor der Verführerin

Kapitel 5

  1. Mein Sohn, merke auf meine Weisheit; neige dein Ohr zu meiner Lehre,

  2. daß du behaltest guten Rat und dein Mund wisse Erkenntnis zu bewahren!

  3. Denn die Lippen der fremden Frau sind süß wie Honigseim, und ihre Kehle ist glatter als Öl,

  4. hernach aber ist sie bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert.

  5. Ihre Füße laufen zum Tode hinab; ihre Schritte führen ins Totenreich,

  6. daß du den Weg des Lebens nicht wahrnimmst; haltlos sind ihre Tritte, und du merkst es nicht.

  7. So gehorchet mir nun, meine Söhne, und weicht nicht von der Rede meines Mundes.

  8. Laß deine Wege ferne von ihr sein und nahe nicht zur Tür ihres Hauses,

  9. daß du nicht andern gebest deine Kraft und deine Jahre einem Unbarmherzigen;

  10. daß sich nicht Fremde von deinem Vermögen sättigen und, was du mühsam erworben, nicht komme in eines andern Haus,

  11. und müssest hernach seufzen, wenn dir Leib und Leben vergehen,

  12. und sprechen: Ach wie konnte ich die Zucht hassen, und wie konnte mein Herz die Warnung verschmähen,

  13. daß ich nicht gehorchte der Stimme meiner Lehrer und mein Ohr nicht kehrte zu denen, die mich lehrten!

  14. Ich wäre fast ganz ins Unglück gekommen vor allen Leuten und allem Volk.

  15. Trinke Wasser aus deiner Zisterne und was quillt aus deinem Brunnen.

  16. Sollen deine Quellen herausfließen auf die Straße und deine Wasserbäche auf die Gassen?

  17. Habe du sie allein, und kein Fremder mit dir.

  18. Dein Born sei gesegnet, und freue dich des Weibes deiner Jugend.

  19. Sie ist lieblich wie eine Gazelle und holdselig wie ein Reh. Laß dich von ihrer Anmut allezeit sättigen und ergötze dich allewege an ihrer Liebe.

  20. Mein Sohn, warum willst du dich an der Fremden ergötzen und herzest eine andere?

  21. Denn eines jeden Wege liegen offen vor dem HERRN, und er hat acht auf aller Menschen Gänge.

  22. Den Gottlosen werden seine Missetaten fangen, und er wird mit den Stricken seiner Sünde gebunden.

  23. Er wird sterben, weil er Zucht nicht wollte, und um seiner großen Torheit willen wird er hingerafft werden.

Warnung vor Bürgschaften, vor Faulheit und Falschheit

Kapitel 6

  1. Mein Sohn, hast du gebürgt für deinen Nächsten und hast du Handschlag gegeben für einen andern,

  2. und bist du gebunden durch deine Worte und gefangen in der Rede deines Mundes,

  3. so tu doch dies, mein Sohn, damit du wieder frei werdest, denn du bist in deines Nächsten Hand: Geh hin, dränge und bestürme deinen Nächsten!

  4. Laß deine Augen nicht schlafen noch deine Augenlider schlummern.

  5. Errette dich wie ein Reh aus der Schlinge und wie ein Vogel aus der Hand des Fängers.

  6. Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr!

  7. Wenn sie auch keinen Fürsten noch Hauptmann noch Herrn hat,

  8. so bereitet sie doch ihr Brot im Sommer und sammelt ihre Speise in der Ernte.

  9. Wie lange liegst du, Fauler? Wann willst du aufstehen von deinem Schlaf?

  10. Ja, schlafe noch ein wenig, schlummre ein wenig, schlage die Hände ineinander ein wenig, daß du schlafest,

  11. so wird dich die Armut übereilen wie ein Räuber und der Mangel wie ein gewappneter Mann.

  12. Ein heilloser Mensch, ein nichtswürdiger Mann, wer einhergeht mit trügerischem Munde,

  13. wer winkt mit den Augen, gibt Zeichen mit den Füßen, zeigt mit den Fingern,

  14. trachtet nach Bösem und Verkehrtem in seinem Herzen und richtet allezeit Hader an.

  15. Darum wird plötzlich sein Verderben über ihn kommen, und er wird schnell zerschmettert werden, und keine Hilfe ist da.

  16. Diese sechs Dinge haßt der HERR, diese sieben sind ihm ein Greuel:

  17. stolze Augen, falsche Zunge, Hände, die unschuldiges Blut vergießen,

  18. ein Herz, das arge Ränke schmiedet, Füße, die behende sind, Schaden zu tun,

  19. ein falscher Zeuge, der frech Lügen redet, und wer Hader zwischen Brüdern anrichtet.

Warnung vor Ehebruch

  1. Mein Sohn, bewahre das Gebot deines Vaters und laß nicht fahren die Weisung deiner Mutter.

  2. Binde sie dir aufs Herz allezeit und hänge sie um deinen Hals,

  3. daß sie dich geleiten, wenn du gehst; daß sie dich bewachen, wenn du dich legst; daß sie zu dir sprechen, wenn du aufwachst.

  4. Denn das Gebot ist eine Leuchte und die Weisung ein Licht, und die Vermahnung ist der Weg des Lebens,

  5. auf daß du bewahrt werdest vor der Frau deines Nächsten, vor der glatten Zunge der Fremden.

  6. Laß dich nach ihrer Schönheit nicht gelüsten in deinem Herzen, und laß dich nicht fangen durch ihre Augenlider.

  7. Denn eine Hure bringt einen nur ums Brot, aber eines andern Ehefrau um das kostbare Leben.

  8. Kann auch jemand ein Feuer unterm Gewand tragen, ohne daß seine Kleider brennen?

  9. Oder könnte jemand auf Kohlen gehen, ohne daß seine Füße verbrannt würden?

  10. So geht es dem, der zu seines Nächsten Frau geht; es bleibt keiner ungestraft, der sie berührt.

  11. Es ist für einen Dieb nicht so schmachvoll, wenn er stiehlt, um seine Gier zu stillen, weil ihn hungert;

  12. wenn er ergriffen wird, ersetzt er's siebenfach und gibt her alles Gut seines Hauses.

  13. Aber wer mit einer Verheirateten die Ehe bricht, der ist von Sinnen; wer sein Leben ins Verderben bringen will, der tut das.

  14. Schläge und Schande treffen ihn, und seine Schmach ist nicht zu tilgen.

  15. Denn Eifersucht erweckt den Grimm des Mannes, und er schont nicht am Tage der Vergeltung

  16. und achtet kein Sühnegeld und nimmt nichts an, wenn du auch viel schenken wolltest.

Kapitel 7

  1. Mein Sohn, behalte meine Rede und verwahre meine Gebote bei dir.

  2. Behalte meine Gebote, so wirst du leben, und hüte meine Weisung wie deinen Augapfel.

  3. Binde sie an deine Finger, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens.

  4. Sprich zur Weisheit: Du bist meine Schwester, und nenne die Klugheit deine Freundin,

  5. daß sie dich behüte vor der Frau des andern, vor der Fremden, die glatte Worte gibt.

  6. Denn am Fenster meines Hauses guckte ich durchs Gitter

  7. und sah einen unter den Unverständigen und erblickte unter den jungen Leuten einen törichten Jüngling.

  8. Der ging über die Gasse zu ihrer Ecke und schritt daher auf dem Wege zu ihrem Hause

  9. in der Dämmerung, am Abend des Tages, als es Nacht wurde und dunkel war.

  10. Und siehe, da begegnete ihm eine Frau im Hurengewand, listig,

  11. wild und unbändig, daß ihre Füße nicht in ihrem Hause bleiben können.

  12. Jetzt ist sie draußen, jetzt auf der Gasse und lauert an allen Ecken.

  13. Und sie erwischt ihn und küßt ihn, wird dreist und spricht:

  14. «Ich hatte Dankopfer zu bringen, heute habe ich meine Gelübde erfüllt.

  15. Darum bin ich ausgegangen, dir entgegen, um nach dir zu suchen, und habe dich gefunden.

  16. Ich habe mein Bett schön geschmückt mit bunten Decken aus Ägypten.

  17. Ich habe mein Lager mit Myrrhe besprengt, mit Aloe und Zimt.

  18. Komm, laß uns kosen bis an den Morgen und laß uns die Liebe genießen.

  19. Denn der Mann ist nicht daheim, er ist auf eine weite Reise gegangen.

  20. Er hat den Geldbeutel mit sich genommen; er wird erst zum Vollmond wieder heimkommen.»

  21. Sie überredet ihn mit vielen Worten und gewinnt ihn mit ihrem glatten Munde.

  22. Er folgt ihr alsbald nach, wie ein Stier zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Hirsch, der ins Netz rennt,

  23. bis ihm der Pfeil die Leber spaltet; wie ein Vogel zur Schlinge eilt und weiß nicht, daß es das Leben gilt.

  24. So höret nun auf mich, meine Söhne, und merket auf die Rede meines Mundes.

  25. Laß dein Herz nicht abweichen auf ihren Weg und irre nicht ab auf ihre Bahn.

  26. Denn zahlreich sind die Erschlagenen, die sie gefällt hat, und viele sind, die sie getötet hat.

  27. Ihr Haus ist der Weg ins Totenreich, da man hinunterfährt in des Todes Kammern.

Einladung und Verheißung der Weisheit

Kapitel 8

  1. Ruft nicht die Weisheit, und läßt nicht die Klugheit sich hören?

  2. Öffentlich am Wege steht sie und an der Kreuzung der Straßen;

  3. an den Toren am Ausgang der Stadt und am Eingang der Pforte ruft sie:

  4. O ihr Männer, euch rufe ich und erhebe meine Stimme zu den Menschenkindern!

  5. Merkt, ihr Unverständigen, auf Klugheit, und ihr Toren, nehmet Verstand an!

  6. Hört, denn ich rede, was edel ist, und meine Lippen sprechen, was recht ist.

  7. Denn mein Mund redet die Wahrheit, und meine Lippen hassen, was gottlos ist.

  8. Alle Reden meines Mundes sind gerecht, es ist nichts Verkehrtes noch Falsches darin.

  9. Sie sind alle recht für die Verständigen und richtig denen, die Erkenntnis gefunden haben.

  10. Nehmt meine Zucht an lieber als Silber und achtet Erkenntnis höher als kostbares Gold.

  11. Denn Weisheit ist besser als Perlen, und alles, was man wünschen mag, kann ihr nicht gleichen.

  12. Ich, die Weisheit, wohne bei der Klugheit und weiß guten Rat zu geben.

  13. Die Furcht des HERRN haßt das Arge; Hoffart und Hochmut, bösem Wandel und falschen Lippen bin ich feind.

  14. Mein ist beides, Rat und Tat, ich habe Verstand und Macht.

  15. Durch mich regieren die Könige und setzen die Ratsherrn das Recht.

  16. Durch mich herrschen die Fürsten und die Edlen richten auf Erden.

  17. Ich liebe, die mich lieben, und die mich suchen, finden mich.

  18. Reichtum und Ehre ist bei mir, bleibendes Gut und Gerechtigkeit.

  19. Meine Frucht ist besser als Gold und feines Gold, und mein Ertrag besser als erlesenes Silber.

  20. Ich wandle auf dem Wege der Gerechtigkeit, mitten auf der Straße des Rechts,

  21. daß ich versorge mit Besitz, die mich lieben, und ihre Schatzkammern fülle.

Die Weisheit als Gottes Liebling

  1. Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her.

  2. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war.

  3. Als die Meere noch nicht waren, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen.

  4. Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren,

  5. als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens.

  6. Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über den Fluten der Tiefe,

  7. als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe,

  8. als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, daß sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte,

  9. da war ich als sein Liebling* bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit;

    *Luther übersetzte im Anschluß an die griechische und lateinische Bibel «der Werkmeister».

  10. ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.

  11. So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten!

  12. Höret die Mahnung und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind!

  13. Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, daß er wache an meiner Tür täglich, daß er hüte die Pfosten meiner Tore!

  14. Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom HERRN.

  15. Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod.

Weisheit und Torheit laden zum Mahle

Kapitel 9

  1. Die Weisheit hat ihr Haus gebaut und ihre sieben Säulen behauen.

  2. Sie hat ihr Vieh geschlachtet, ihren Wein gemischt und ihren Tisch bereitet

  3. und sandte ihre Mägde aus, zu rufen oben auf den Höhen der Stadt:

  4. «Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!», und zum Toren spricht sie:

  5. «Kommt, esset von meinem Brot und trinkt von dem Wein, den ich gemischt habe!

  6. Verlasset die Torheit, so werdet ihr leben, und geht auf dem Wege der Klugheit.» -

  7. Wer den Spötter belehrt, der trägt Schande davon, und wer den Gottlosen zurechtweist, holt sich Schmach.

  8. Rüge nicht den Spötter, daß er dich nicht hasse; rüge den Weisen, der wird dich lieben.

  9. Gib dem Weisen, so wird er noch weiser werden; lehre den Gerechten, so wird er in der Lehre zunehmen. -

  10. Der Weisheit Anfang ist die Furcht des HERRN, und den Heiligen erkennen, das ist Verstand.

  11. Denn durch mich werden deine Tage viel werden und die Jahre deines Lebens sich mehren.

  12. Bist du weise, so bist du's dir zugut; bist du ein Spötter, so mußt du's allein tragen.

  13. Frau Torheit ist ein unbändiges Weib, verführerisch, und weiß nichts von Scham.

  14. Sie sitzt vor der Tür ihres Hauses auf einem Thron auf den Höhen der Stadt,

  15. einzuladen alle, die vorübergehen und richtig auf ihrem Wege wandeln:

  16. «Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!», und zum Toren spricht sie:

  17. «Gestohlenes Wasser ist süß, und heimliches Brot schmeckt fein.»

  18. Er weiß aber nicht, daß dort nur die Schatten wohnen, daß ihre Gäste in der Tiefe des Todes hausen.

Salomos Lehren von Weisheit und Frömmigkeit

Kapitel 10

  1. Dies sind die Sprüche Salomos.

    Ein weiser Sohn ist seines Vaters Freude; aber ein törichter Sohn ist seiner Mutter Grämen.

  2. Unrecht Gut hilft nicht; aber Gerechtigkeit errettet vom Tode.

  3. Der HERR läßt den Gerechten nicht Hunger leiden; aber die Gier der Gottlosen stößt er zurück.

  4. Lässige Hand macht arm; aber der Fleißigen Hand macht reich.

  5. Wer im Sommer sammelt, ist ein kluger Sohn; wer aber in der Ernte schläft, macht seinen Eltern Schande.

  6. Segen ruht auf dem Haupt des Gerechten; aber auf die Gottlosen wird ihr Frevel fallen.

  7. Das Andenken des Gerechten bleibt im Segen; aber der Name der Gottlosen wird verwesen.

  8. Wer weisen Herzens ist, nimmt Gebote an; wer aber ein Narrenmaul hat, kommt zu Fall.

  9. Wer in Unschuld lebt, der lebt sicher; wer aber verkehrte Wege geht, wird ertappt werden.

  10. Wer mit den Augen winkt, schafft Verdruß, und wer ein Narrenmaul hat, kommt zu Fall.

  11. Des Gerechten Mund ist ein Brunnen des Lebens; aber auf die Gottlosen wird ihr Frevel fallen.

  12. Haß erregt Hader; aber Liebe deckt alle Übertretungen zu.

  13. Auf den Lippen des Verständigen findet man Weisheit; aber auf den Rücken des Unverständigen gehört eine Rute.

  14. Die Weisen halten mit ihrem Wissen zurück; aber der Toren Mund führt schnell zum Verderben.

  15. Die Habe des Reichen ist seine feste Stadt; aber das Verderben der Geringen ist ihre Armut.

  16. Dem Gerechten gereicht sein Erwerb zum Leben, aber dem Gottlosen sein Einkommen zur Sünde.

  17. Zucht bewahren ist der Weg zum Leben; wer aber Zurechtweisung nicht achtet, geht in die Irre.

  18. Falsche Lippen bergen Haß, und wer verleumdet, ist ein Tor.

  19. Wo viel Worte sind, da geht's ohne Sünde nicht ab; wer aber seine Lippen im Zaum hält, ist klug.

  20. Des Gerechten Zunge ist kostbares Silber; aber der Gottlosen Verstand ist wie nichts.

  21. Des Gerechten Lippen erquicken viele; aber die Toren werden an ihrer Torheit sterben.

  22. Der Segen des HERRN allein macht reich, und nichts tut eigene Mühe hinzu.

  23. Ein Tor hat Lust an Schandtat, aber der einsichtige Mann an Weisheit.

  24. Was der Gottlose fürchtet, das wird ihm begegnen; und was die Gerechten begehren, wird ihnen gegeben.

  25. Wenn das Wetter daherfährt, ist der Gottlose nicht mehr; der Gerechte aber besteht ewiglich.

  26. Wie Essig den Zähnen und Rauch den Augen tut, so tut der Faule denen, die ihn senden.

  27. Die Furcht des HERRN mehrt die Tage; aber die Jahre der Gottlosen werden verkürzt.

  28. Das Warten der Gerechten wird Freude werden; aber der Gottlosen Hoffnung wird verloren sein.

  29. Das Walten des HERRN ist des Frommen Zuflucht; aber für den Übeltäter ist es Verderben.

  30. Der Gerechte wird nimmermehr wanken; aber die Gottlosen werden nicht im Lande bleiben.

  31. Aus dem Munde des Gerechten sprießt Weisheit; aber die falsche Zunge wird ausgerottet.

  32. Die Lippen der Gerechten lehren heilsame Dinge; aber der Gottlosen Mund ist Falschheit.

Kapitel 11

  1. Falsche Waage ist dem HERRN ein Greuel; aber ein volles Gewicht ist sein Wohlgefallen.

  2. Wo Hochmut ist, da ist auch Schande; aber Weisheit ist bei den Demütigen.

  3. Ihre Unschuld wird die Frommen leiten; aber ihre Falschheit wird die Verächter verderben.

  4. Reichtum hilft nicht am Tage des Zorns; aber Gerechtigkeit errettet vom Tode.

  5. Die Gerechtigkeit des Frommen macht seinen Weg eben; aber der Gottlose wird fallen durch seine Gottlosigkeit.

  6. Die Gerechtigkeit der Frommen wird sie erretten; aber die Verächter werden gefangen durch ihre Gier.

  7. Wenn der Gottlose Mensch stirbt, ist seine Hoffnung verloren, und das Harren der Ungerechten wird zunichte.

  8. Der Gerechte wird aus der Not erlöst, und der Gottlose kommt an seine Statt.

  9. Durch den Mund des Gottesverächters wird sein Nächster verderbt; aber die Gerechten werden durch Erkenntnis errettet.

  10. Eine Stadt freut sich, wenn's den Gerechten wohlgeht, und wenn die Gottlosen umkommen, wird man froh.

  11. Durch den Segen der Frommen kommt eine Stadt hoch; aber durch den Mund der Gottlosen wird sie niedergerissen.

  12. Wer seinen Nächsten schmäht, ist ein Tor; aber ein verständiger Mann schweigt stille.

  13. Ein Verleumder verrät, was er heimlich weiß; aber wer getreuen Herzens ist, verbirgt es.

  14. Wo nicht weiser Rat ist, da geht das Volk unter; wo aber viele Ratgeber sind, findet sich Hilfe.

  15. Wer für einen andern bürgt, der wird Schaden haben; wer aber sich hütet, Bürge zu sein, geht sicher.

  16. Ein holdseliges Weib erlangt Ehre; aber eine Schande ist ein Weib, das Redlichkeit haßt. Den Faulen wird es mangeln an Hab und Gut, die Fleißigen aber erlangen Reichtum.*

    *Vervollständigt aus der griechischen Bibel.

  17. Ein barmherziger Mann nützt auch sich selber; aber ein herzloser schneidet sich ins eigene Fleisch.

  18. Der Gottlosen Arbeit bringt trügerischen Gewinn; aber wer Gerechtigkeit sät, hat sicheren Lohn.

  19. Gerechtigkeit führt zum Leben; aber dem Bösen nachjagen führt zum Tode.

  20. Falsche Herzen sind dem HERRN ein Greuel; aber Wohlgefallen hat er an den Frommen.

  21. Die Hand darauf: Der Böse bleibt nicht ungestraft; aber der Gerechten Geschlecht wird errettet werden.

  22. Ein schönes Weib ohne Zucht ist wie eine Sau mit einem goldenen Ring durch die Nase.

  23. Der Gerechten Wunsch führt zu lauter Gutem; aber der Gottlosen Hoffen führt zum Tage des Zorns.

  24. Einer teilt reichlich aus und hat immer mehr; ein andrer kargt, wo er nicht soll, und wird doch ärmer.

  25. Wer reichlich gibt, wird gelabt, und wer reichlich tränkt, der wird auch getränkt werden.

  26. Wer Korn zurückhält, dem fluchen die Leute; aber Segen kommt über den, der es verkauft.

  27. Wer nach Gutem strebt, trachtet nach Gottes Wohlgefallen; wer aber das Böse sucht, dem wird es begegnen.

  28. Wer sich auf seinen Reichtum verläßt, der wird untergehen; aber die Gerechten werden grünen wie das Laub.

  29. Wer sein eigenes Haus in Verruf bringt, wird Wind erben, und ein Tor muß des Weisen Knecht werden.

  30. Die Frucht der Gerechtigkeit ist ein Baum des Lebens; aber Gewalttat nimmt das Leben weg.

  31. Siehe, dem Gerechten wird vergolten auf Erden, wieviel mehr dem Gottlosen und Sünder!

Kapitel 12

  1. Wer Zucht liebt, der wird klug; aber wer Zurechtweisung haßt, der bleibt dumm.

  2. Wer fromm ist, der erlangt Wohlgefallen vom HERRN; aber den Heimtückischen verdammt er.

  3. Durch Gottlosigkeit kann der Mensch nicht bestehen; aber die Wurzel der Gerechten wird bleiben.

  4. Eine tüchtige Frau ist ihres Mannes Krone; aber eine schandbare ist wie Eiter in seinem Gebein.

  5. Die Gedanken der Gerechten sind redlich; aber was die Gottlosen planen, ist lauter Trug.

  6. Der Gottlosen Reden richten Blutvergießen an; aber die Frommen errettet ihr Mund.

  7. Die Gottlosen werden gestürzt und nicht mehr sein; aber das Haus der Gerechten bleibt stehen.

  8. Ein Mann wird gelobt nach seiner Klugheit; aber wer verschrobenen Sinnes ist, wird verachtet.

  9. Wer gering ist und geht seiner Arbeit nach, ist besser als einer, der groß sein will und an Brot Mangel hat.

  10. Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs; aber das Herz der Gottlosen ist unbarmherzig.

  11. Wer seinen Acker bebaut, wird Brot die Fülle haben; wer aber nichtigen Dingen nachgeht, ist ein Tor.

  12. Des Gottlosen Lust ist, Schaden zu tun; aber die Wurzel der Gerechten wird Frucht bringen.

  13. Der Böse wird gefangen in seinen eigenen falschen Worten; aber der Gerechte entgeht der Not.

  14. Viel Gutes bekommt ein Mann durch die Frucht seines Mundes; und dem Menschen wird vergolten nach den Taten seiner Hände.

  15. Den Toren dünkt sein Weg recht; aber wer auf Rat hört, der ist weise.

  16. Ein Tor zeigt seinen Zorn alsbald; aber wer Schmähung überhört, der ist klug.

  17. Wer wahrhaftig ist, der sagt offen, was recht ist; aber ein falscher Zeuge betrügt.

  18. Wer unvorsichtig herausfährt mit Worten, sticht wie ein Schwert; aber die Zunge der Weisen bringt Heilung.

  19. Wahrhaftiger Mund besteht immerdar; aber die falsche Zunge besteht nicht lange.

  20. Die Böses planen, haben Trug im Herzen; aber die zum Frieden raten, haben Freude.

  21. Es wird dem Gerechten kein Leid geschehen; aber die Gottlosen werden voll Unglücks sein.

  22. Lügenmäuler sind dem HERRN ein Greuel; die aber treulich handeln, gefallen ihm.

  23. Ein verständiger Mann trägt seine Klugheit nicht zur Schau; aber das Herz des Toren schreit seine Torheit hinaus.

  24. Die fleißige Hand wird herrschen; die aber lässig ist, muß Frondienst leisten.

  25. Sorge im Herzen bedrückt den Menschen; aber ein freundliches Wort erfreut ihn.

  26. Der Gerechte findet seine Weide; aber die Gottlosen führt ihr Weg in die Irre.

  27. Einem Lässigen gerät sein Handel nicht; aber ein fleißiger Mensch wird reich.

  28. Auf dem Wege der Gerechtigkeit ist Leben; aber böser Weg führt zum Tode.

Kapitel 13

  1. Ein weiser Sohn liebt Zucht; aber ein Spötter hört selbst auf Drohen nicht.

  2. Die Frucht seiner Worte genießt der Fromme; aber die Verächter sind gierig nach Frevel.

  3. Wer seine Zunge hütet, bewahrt sein Leben; wer aber mit seinem Maul herausfährt, über den kommt Verderben.

  4. Der Faule begehrt und kriegt's doch nicht; aber die Fleißigen kriegen genug.

  5. Der Gerechte ist der Lüge feind; aber der Gottlose handelt schimpflich und schändlich.

  6. Die Gerechtigkeit behütet den Unschuldigen; aber die Gottlosigkeit bringt den Sünder zu Fall.

  7. Mancher stellt sich reich und hat nichts, und mancher stellt sich arm und hat großes Gut.*

    *Luther übersetzte: «Mancher ist arm bei großem Gut, und mancher ist reich bei seiner Armut.» Matthäus 5,3; Offenbarung 2,9; 3,17.

  8. Mit Reichtum muß mancher sein Leben erkaufen; aber ein Armer bekommt keine Drohung zu hören.

  9. Das Licht der Gerechten brennt fröhlich; aber die Leuchte der Gottlosen wird verlöschen.

  10. Unter den Übermütigen ist immer Streit; aber Weisheit ist bei denen, die sich raten lassen.

  11. Hastig errafftes Gut zerrinnt; wer aber ruhig sammelt, bekommt immer mehr.

  12. Hoffnung, die sich verzögert, ängstet das Herz; wenn aber kommt, was man begehrt, das ist ein Baum des Lebens.

  13. Wer das Wort verachtet, muß dafür büßen; wer aber das Gebot fürchtet, dem wird es gelohnt.

  14. Die Lehre des Weisen ist eine Quelle des Lebens, zu meiden die Stricke des Todes.

  15. Rechte Einsicht schafft Gunst; aber der Verächter Weg bringt Verderben.

  16. Ein Kluger tut alles mit Vernunft; ein Tor aber stellt Narrheit zur Schau.

  17. Ein gottloser Bote bringt ins Unglück; aber ein getreuer Bote bringt Hilfe.

  18. Wer Zucht mißachtet, hat Armut und Schande; wer sich gern zurechtweisen läßt, wird zu Ehren kommen.

  19. Wenn kommt, was man begehrt, tut es dem Herzen wohl; aber das Böse meiden ist den Toren ein Greuel.

  20. Wer mit den Weisen umgeht, der wird weise; wer aber der Toren Geselle ist, der wird Unglück haben.

  21. Unheil verfolgt die Sünder; aber den Gerechten wird mit Gutem vergolten.

  22. Der Gute wird vererben auf Kindeskind; aber des Sünders Habe wird gespart für den Gerechten.

  23. Es ist viel Speise in den Furchen der Armen; aber wo kein Recht ist, da ist Verderben.

  24. Wer seine Rute schont, der haßt seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten.

  25. Der Gerechte kann essen, bis er satt ist; der Gottlosen Bauch aber leidet Mangel.

    Psalm 34,11

Kapitel 14

  1. Die Weisheit der Frauen baut ihr Haus; aber ihre Torheit reißt's nieder mit eigenen Händen.

  2. Wer den HERRN fürchtet, der wandelt auf rechter Bahn; wer ihn aber verachtet, der geht auf Abwegen.

  3. In des Toren Mund ist die Rute für seinen Hochmut; aber die Weisen bewahrt ihr Mund.

  4. Wo keine Rinder sind, da ist die Krippe leer; aber die Kraft des Ochsen bringt reichen Ertrag.

  5. Ein treuer Zeuge lügt nicht; aber ein falscher Zeuge redet frech Lügen.

  6. Der Spötter sucht Weisheit und findet sie nicht; aber dem Verständigen ist die Erkenntnis leicht.

  7. Geh weg von dem Toren, denn du lernst nichts von ihm.

  8. Das ist des Klugen Weisheit, daß er achtgibt auf seinen Weg; aber der Toren Torheit ist lauter Trug.

  9. Auf dem Zelt der Spötter ruht Schuld; aber auf dem Hause des Frommen ruht Wohlgefallen.

  10. Das Herz allein kennt sein Leid, und auch in seine Freude kann sich kein Fremder mengen.

  11. Das Haus der Gottlosen wird vertilgt; aber die Hütte der Frommen wird grünen.

  12. Manchem scheint ein Weg recht; aber zuletzt bringt er ihn zum Tode.

  13. Auch beim Lachen kann das Herz trauern, und nach der Freude kommt Leid.

  14. Einem gottlosen Menschen wird's gehen, wie er wandelt, und auch einem guten nach seinen Taten.

  15. Ein Unverständiger glaubt noch alles; aber ein Kluger gibt acht auf seinen Gang.

  16. Ein Weiser scheut sich und meidet das Böse; ein Tor aber fährt trotzig hindurch.

  17. Ein Jähzorniger handelt töricht; aber ein Ränkeschmied wird gehaßt.

  18. Die Unverständigen erben Torheit; aber Erkenntnis ist der Klugen Krone.

  19. Die Bösen müssen sich bücken vor den Guten und die Gottlosen an den Toren der Gerechten.

  20. Der Arme ist verhaßt auch seinem Nächsten; aber die Reichen haben viele Freunde.

  21. Wer seinen Nächsten verachtet, versündigt sich; aber wohl dem, der sich der Elenden erbarmt!

  22. Die nach Bösem trachten, werden in die Irre gehen; die aber auf Gutes bedacht sind, werden Güte und Treue erfahren.

  23. Wo man arbeitet, da ist Gewinn; wo man aber nur mit Worten umgeht, da ist Mangel.

  24. Den Weisen ist ihr Reichtum eine Krone; aber die Narrheit der Toren bleibt Narrheit.

  25. Ein wahrhaftiger Zeuge rettet manchem das Leben; aber wer Lügen ausspricht, übt Verrat.

  26. Wer den HERRN fürchtet, hat eine sichere Festung, und auch seine Kinder werden beschirmt.

  27. Die Furcht des HERRN ist eine Quelle des Lebens, daß man meide die Stricke des Todes.

  28. Wenn ein König viel Volk hat, das ist seine Herrlichkeit; wenn aber wenig Volk da ist, das bringt einen Fürsten ins Verderben.

  29. Wer geduldig ist, der ist weise; wer aber ungeduldig ist, offenbart seine Torheit.

  30. Ein gelassenes Herz ist des Leibes Leben; aber Eifersucht ist Eiter in den Gebeinen.

  31. Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer; aber wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott.

  32. Der Gottlose besteht nicht in seinem Unglück; aber der Gerechte ist auch in seinem Tode getrost.

  33. Im Herzen des Verständigen ruht Weisheit, und inmitten der Toren wird sie offenbar.

  34. Gerechtigkeit erhöht ein Volk; aber die Sünde ist der Leute Verderben.

  35. Ein kluger Knecht gefällt dem König, aber einen schändlichen trifft sein Zorn.

Kapitel 15

  1. Eine linde Antwort stillt den Zorn; aber ein hartes Wort erregt Grimm.

  2. Der Weisen Zunge bringt gute Erkenntnis; aber der Toren Mund speit nur Torheit.

  3. Die Augen des HERRN sind an allen Orten, sie schauen auf Böse und Gute.

  4. Eine linde Zunge ist ein Baum des Lebens; aber eine lügenhafte bringt Herzeleid.

  5. Der Tor verschmäht die Zucht seines Vaters; wer aber Zurechtweisung annimmt, ist klug.

  6. In des Gerechten Haus ist großes Gut; aber in des Gottlosen Gewinn steckt Verderben.

  7. Der Weisen Mund breitet Einsicht aus; aber der Toren Herz ist nicht recht.

  8. Der Gottlosen Opfer ist dem HERRN ein Greuel; aber das Gebet der Frommen ist ihm wohlgefällig.

  9. Des Gottlosen Weg ist dem HERRN ein Greuel; wer aber der Gerechtigkeit nachjagt, den liebt er.

  10. Den Weg verlassen, bringt böse Züchtigung, und wer Zurechtweisung haßt, der muß sterben.

  11. Unterwelt und Abgrund liegen offen vor dem HERRN, wieviel mehr die Herzen der Menschen!

  12. Der Spötter liebt den nicht, der ihn zurechtweist, und geht nicht hin zu den Weisen.

  13. Ein fröhliches Herz macht ein fröhliches Angesicht; aber wenn das Herz bekümmert ist, entfällt auch der Mut.

  14. Des Klugen Herz sucht Erkenntnis; aber der Toren Mund geht mit Torheit um.

  15. Ein Betrübter hat nie einen guten Tag; aber ein guter Mut ist ein tägliches Fest.

  16. Besser wenig mit der Furcht des HERRN als ein großer Schatz, bei dem Unruhe ist.

  17. Besser ein Gericht Kraut mit Liebe als ein gemästeter Ochse mit Haß.

  18. Ein zorniger Mann richtet Zank an; ein Geduldiger aber stillt den Streit.

  19. Der Weg des Faulen ist wie eine Dornenhecke; aber der Weg der Rechtschaffenen ist wohl gebahnt.

  20. Ein weiser Sohn erfreut den Vater; aber ein törichter Mensch verachtet seine Mutter.

  21. Dem Toren ist die Torheit eine Freude; aber ein verständiger Mann bleibt auf dem rechten Wege.

  22. Die Pläne werden zunichte, wo man nicht miteinander berät; wo aber viele Ratgeber sind, gelingen sie.

  23. Es ist einem Mann eine Freude, wenn er richtig antwortet, und wie wohl tut ein Wort zur rechten Zeit!

  24. Der Weg des Lebens führt den Klugen aufwärts, daß er meide die Tiefen des Todes.

  25. Der HERR wird das Haus der Hoffärtigen einreißen; aber den Grenzstein der Witwe wird er schützen.

  26. Die Anschläge des Argen sind dem HERRN ein Greuel; aber rein sind vor ihm freundliche Reden.

  27. Wer unrechtem Gewinn nachgeht, zerstört sein Haus; wer aber Bestechung haßt, der wird leben.

  28. Das Herz des Gerechten bedenkt, was zu antworten ist; aber der Mund der Gottlosen schäumt Böses.

  29. Der HERR ist ferne von den Gottlosen; aber der Gerechten Gebet erhört er.

  30. Ein freundliches Antlitz erfreut das Herz; eine gute Botschaft labt das Gebein.

  31. Das Ohr, das da hört auf heilsame Weisung, wird unter den Weisen wohnen.

  32. Wer Zucht verwirft, der macht sich selbst zunichte; wer sich aber etwas sagen läßt, der wird klug.

  33. Die Furcht des HERRN ist Zucht, die zur Weisheit führt, und ehe man zu Ehren kommt, muß man Demut lernen.

Kapitel 16

  1. Der Mensch setzt sich's wohl vor im Herzen; aber vom HERRN kommt, was die Zunge reden wird.

  2. Einen jeglichen dünken seine Wege rein; aber der HERR prüft die Geister.

  3. Befiehl dem HERRN deine Werke, so wird dein Vorhaben gelingen.

    Psalm 37,5

  4. Der HERR macht alles zu seinem Zweck, auch den Gottlosen für den bösen Tag.

  5. Ein stolzes Herz ist dem HERRN ein Greuel und wird gewiß nicht ungestraft bleiben.

  6. Durch Güte und Treue wird Missetat gesühnt, und durch die Furcht des HERRN meidet man das Böse.

  7. Wenn eines Menschen Wege dem HERRN wohlgefallen, so läßt er auch seine Feinde mit ihm Frieden machen.

  8. Besser wenig mit Gerechtigkeit als viel Einkommen mit Unrecht.

  9. Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.

  10. Gottes Spruch ist in dem Munde des Königs; sein Mund spricht nicht fehl im Gericht.

  11. Waage und rechte Waagschalen sind vom HERRN; und alle Gewichte im Beutel sind sein Werk.

  12. Den Königen ist Unrecht tun ein Greuel; denn durch Gerechtigkeit wird der Thron befestigt.

  13. Rechte Worte gefallen den Königen; und wer aufrichtig redet, wird geliebt.

  14. Des Königs Grimm ist ein Bote des Todes; aber ein weiser Mann wird ihn versöhnen.

  15. Wenn des Königs Angesicht freundlich ist, das ist Leben, und seine Gnade ist wie ein Spätregen.

  16. Weisheit erwerben ist besser als Gold und Einsicht erwerben edler als Silber.

  17. Der Frommen Weg meidet das Arge; und wer auf seinen Weg achtet, bewahrt sein Leben.

  18. Wer zugrundegehen soll, der wird zuvor Stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall.

  19. Besser niedrig sein mit den Demütigen, als Beute austeilen mit den Hoffärtigen.

  20. Wer auf das Wort merkt, der findet Glück; und wohl dem, der sich auf den HERRN verläßt!

  21. Ein Verständiger wird gerühmt als ein weiser Mann, und liebliche Rede mehrt die Erkenntnis.

  22. Klugheit ist ein Brunnen des Lebens dem, der sie hat; aber die Strafe der Toren ist ihre Torheit.

  23. Des Weisen Herz redet klug und mehrt auf seinen Lippen die Lehre.

  24. Freundliche Reden sind Honigseim, trösten die Seele und erfrischen die Gebeine.

  25. Manchem scheint ein Weg recht; aber zuletzt bringt er ihn zum Tode.

  26. Der Hunger des Arbeiters arbeitet für ihn; denn sein Mund treibt ihn an.

  27. Ein heilloser Mensch gräbt nach Unheil, und in seinem Munde ist's wie brennendes Feuer.

  28. Ein falscher Mensch richtet Zank an, und ein Verleumder macht Freunde uneins.

  29. Ein Frevler verlockt seinen Nächsten und führt ihn auf keinen guten Weg.

  30. Wer mit den Augen winkt, denkt nichts Gutes; und wer mit den Lippen andeutet, vollbringt Böses.

  31. Graue Haare sind eine Krone der Ehre; auf dem Weg der Gerechtigkeit wird sie gefunden.

  32. Ein Geduldiger ist besser als ein Starker und wer sich selbst beherrscht, besser als einer, der Städte gewinnt.

  33. Der Mensch wirft das Los; aber es fällt, wie der HERR will.

DIE SPRÜCHE SALOMOS 17 - 31