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Heilige Schrift

DER PSALTER (PSALM)

Psalm 94 - 139





Hilferuf gegen die Unterdrücker des Volkes Gottes

Psalm 94

  1. HERR, du Gott der Vergeltung, du Gott der Vergeltung, erscheine!

  2. Erhebe dich, du Richter der Welt; vergilt den Hoffärtigen, was sie verdienen!

  3. HERR, wie lange sollen die Gottlosen, wie lange sollen die Gottlosen prahlen?

  4. Es reden so trotzig daher, es rühmen sich alle Übeltäter.

  5. HERR, sie zerschlagen dein Volk und plagen dein Erbe.

  6. Witwen und Fremdlinge bringen sie um und töten die Waisen

  7. und sagen: Der HERR sieht's nicht, und der Gott Jakobs beachtet's nicht.

  8. Merkt doch auf, ihr Narren im Volk! Und ihr Toren, wann wollt ihr klug werden?

  9. Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen?

  10. Der die Völker in Zucht hält, sollte der nicht Rechenschaft fordern - er, der die Menschen Erkenntnis lehrt?

  11. Aber der HERR kennt die Gedanken der Menschen: sie sind nur ein Hauch!

  12. Wohl dem, den du, HERR, in Zucht nimmst und lehrst ihn durch dein Gesetz,

  13. ihm Ruhe zu schaffen vor bösen Tagen, bis dem Gottlosen die Grube gegraben ist.

  14. Denn der HERR wird sein Volk nicht verstoßen noch sein Erbe verlassen.

  15. Denn Recht muß doch Recht bleiben, und ihm werden alle frommen Herzen zufallen.

  16. Wer steht mir bei wider die Boshaften? Wer tritt zu mir wider die Übeltäter?

  17. Wenn der HERR mir nicht hülfe, läge ich bald am Orte des Schweigens.

  18. Wenn ich sprach: Mein Fuß ist gestrauchelt, so hielt mich, HERR, deine Gnade.

  19. Ich hatte viel Kummer in meinem Herzen, aber deine Tröstungen erquickten meine Seele.

  20. Du hast ja nicht Gemeinschaft mit dem Richterstuhl der Bösen, die das Gesetz mißbrauchen und Unheil schaffen.

  21. Sie rotten sich zusammen wider den Gerechten und verurteilen unschuldig Blut.

  22. Aber der HERR ist mein Schutz, mein Gott ist der Hort meiner Zuversicht.

  23. Und er wird ihnen ihr Unrecht vergelten und sie um ihrer Bosheit willen vertilgen; der HERR, unser Gott, wird sie vertilgen.

Aufruf zur Anbetung und zum Gehorsam

Psalm 95

  1. Kommt herzu, laßt uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils!

  2. Laßt uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen!

  3. Denn der HERR ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter.

  4. Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein.

  5. Denn sein ist das Meer, und er hat's gemacht, und seine Hände haben das Trockene bereitet.

  6. Kommt, laßt uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat.

  7. Denn er ist unser Gott, und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

    Wenn ihr doch heute auf seine Stimme hören wolltet:

  8. «Verstocket euer Herz nicht, wie zu Meriba geschah, wie zu Massa in der Wüste,

  9. wo mich eure Väter versuchten und prüften und hatten doch mein Werk gesehen.

  10. Vierzig Jahre war dies Volk mir zuwider, daß ich sprach: Es sind Leute, deren Herz immer den Irrweg will und die meine Wege nicht lernen wollen,

  11. so daß ich schwor in meinem Zorn: Sie sollen nicht zu meiner Ruhe kommen.»

Der Schöpfer und Richter aller Welt

Psalm 96

  1. Singet dem HERRN ein neues Lied; singet dem HERRN, alle Welt!

  2. Singet dem HERRN und lobet seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag sein Heil!

  3. Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern!

  4. Denn der HERR ist groß und hoch zu loben, mehr zu fürchten als alle Götter.

  5. Denn alle Götter der Völker sind Götzen; aber der HERR hat den Himmel gemacht.

  6. Hoheit und Pracht sind vor ihm, Macht und Herrlichkeit in seinem Heiligtum.

  7. Ihr Völker, bringet dar dem HERRN, bringet dar dem HERRN Ehre und Macht!

  8. Bringet dar dem HERRN die Ehre seines Namens, bringet Geschenke und kommt in seine Vorhöfe!

  9. Betet an den HERRN in heiligem Schmuck; es fürchte ihn alle Welt!

  10. Sagt unter den Heiden: Der HERR ist König. Er hat den Erdkreis gegründet, daß er nicht wankt. Er richtet die Völker recht.

  11. Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist;

  12. das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; es sollen jauchzen alle Bäume im Walde

  13. vor dem HERRN; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit.

Freude am Königtum Gottes

Psalm 97

  1. Der HERR ist König; des freue sich das Erdreich und seien fröhlich die Inseln, soviel ihrer sind.

  2. Wolken und Dunkel sind um ihn her, Gerechtigkeit und Gericht sind seines Thrones Stütze.

  3. Feuer geht vor ihm her und verzehrt ringsum seine Feinde.

  4. Seine Blitze erleuchten den Erdkreis, das Erdreich sieht es und erschrickt.

  5. Berge zerschmelzen wie Wachs vor dem HERRN, vor dem Herrscher der ganzen Erde.

  6. Die Himmel verkündigen seine Gerechtigkeit, und seine Herrlichkeit sehen alle Völker.

  7. Schämen sollen sich alle, die den Bildern dienen und sich der Götzen rühmen. Betet ihn an, alle Götter!

  8. Zion hört es und ist froh, und die Töchter Judas sind fröhlich, weil du, HERR, recht regierest.

  9. Denn du, HERR, bist der Höchste über allen Landen, du bist hoch erhöht über alle Götter.

  10. Die ihr den HERRN liebet, hasset das Arge! Der HERR bewahrt die Seelen seiner Heiligen; aus der Hand der Gottlosen wird er sie erretten.

  11. Dem Gerechten muß das Licht immer wieder aufgehen und Freude den frommen Herzen.

  12. Ihr Gerechten, freut euch des HERRN und danket ihm und preiset seinen heiligen Namen!

Der königliche Richter aller Welt

Psalm 98

  1. EIN PSALM. Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

  2. Der HERR läßt sein Heil kund werden; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

  3. Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

  4. Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet!

  5. Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!

  6. Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König!

  7. Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.

  8. Die Ströme sollen frohlocken, und alle Berge seien fröhlich

  9. vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.

Der heilige Gott

Psalm 99

  1. Der HERR ist König, darum zittern die Völker; er sitzt über den Cherubim, darum bebt die Welt.

  2. Der HERR ist groß in Zion und erhaben über alle Völker.

  3. Preisen sollen sie deinen großen und wunderbaren Namen, - denn er ist heilig -

  4. und die Macht des Königs, der das Recht lieb hat.* Du hast bestimmt, was richtig ist, du schaffest Gericht und Gerechtigkeit in Jakob.

    *Luther übersetzte: «Im Reich dieses Königs hat man das Recht lieb.»

  5. Erhebet den HERRN, unsern Gott, betet an vor dem Schemel seiner Füße; denn er ist heilig.

  6. Mose und Aaron unter seinen Priestern, und Samuel unter denen, die seinen Namen anrufen, die riefen den HERRN an, und er erhörte sie.

  7. Er redete mit ihnen in der Wolkensäule; sie hielten seine Gesetze und Gebote, die er ihnen gab.

  8. HERR, du bist unser Gott, du erhörtest sie; du, Gott, vergabst ihnen und straftest ihr Tun.

  9. Erhebet den HERRN, unsern Gott, und betet an auf seinem heiligen Berge; denn der HERR, unser Gott, ist heilig.

Ein Aufruf zum Lobe Gottes

Psalm 100

  1. EIN PSALM ZUM DANKOPFER. Jauchzet dem HERRN, alle Welt!

  2. Dienet dem HERRN mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!

  3. Erkennet, daß der HERR Gott ist! Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.

  4. Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben; danket ihm, lobet seinen Namen!

  5. Denn der HERR ist freundlich, und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für.

Regentenspiegel

Psalm 101

  1. EIN PSALM DAVIDS. Von Gnade und Recht will ich singen und dir, HERR, Lob sagen.

  2. Ich handle umsichtig und redlich, daß du mögest zu mir kommen; ich wandle mit redlichem Herzen in meinem Hause.

  3. Ich nehme mir keine böse Sache vor; ich hasse den Übertreter und lasse ihn nicht bei mir bleiben.

  4. Ein falsches Herz muß von mir weichen. Den Bösen kann ich nicht leiden.

  5. Wer seinen Nächsten heimlich verleumdet, den bring ich zum Schweigen. Ich mag den nicht, der stolze Gebärde und hoffärtige Art hat.

  6. Meine Augen sehen nach den Treuen im Lande, daß sie bei mir wohnen; ich habe gerne fromme Diener.

  7. Falsche Leute dürfen in meinem Hause nicht bleiben, die Lügner gedeihen nicht bei mir.

  8. Jeden Morgen bring ich zum Schweigen alle Gottlosen im Lande, daß ich alle Übeltäter ausrotte aus der Stadt des HERRN.

Gebet um Wiederherstellung Zions

(Der fünfte Bußpsalm)

Psalm 102

  1. EIN GEBET FÜR DEN ELENDEN, WENN ER VERZAGT IST UND SEINE KLAGE VOR DEM HERRN AUSSCHÜTTET.

  2. HERR, höre mein Gebet und laß mein Schreien zu dir kommen!

  3. Verbirg dein Antlitz nicht vor mir in der Not, neige deine Ohren zu mir; wenn ich dich anrufe, so erhöre mich bald!

  4. Denn meine Tage sind vergangen wie ein Rauch, und meine Gebeine sind verbrannt wie von Feuer.

  5. Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras, daß ich sogar vergesse, mein Brot zu essen.

  6. Mein Gebein klebt an meiner Haut vor Heulen und Seufzen.

  7. Ich bin wie die Eule in der Einöde, wie das Käuzchen in den Trümmern.

  8. Ich wache und klage wie ein einsamer Vogel auf dem Dache.

  9. Täglich schmähen mich meine Feinde, und die mich verspotten, fluchen mit meinem Namen.

  10. Denn ich esse Asche wie Brot und mische meinen Trank mit Tränen

  11. vor deinem Drohen und Zorn, weil du mich hochgehoben und zu Boden geworfen hast.

  12. Meine Tage sind dahin wie ein Schatten, und ich verdorre wie Gras.

  13. Du aber, HERR, bleibst ewiglich und dein Name für und für.

  14. Du wollest dich aufmachen und über Zion erbarmen; denn es ist Zeit, daß du ihm gnädig seist, und die Stunde ist gekommen

  15. - denn deine Knechte wollten gerne, daß es gebaut würde, und es jammert sie, daß es in Trümmern liegt -,

  16. daß die Heiden den Namen des HERRN fürchten und alle Könige auf Erden deine Herrlichkeit.

  17. Ja, der HERR baut Zion wieder und erscheint in seiner Herrlichkeit.

  18. Er wendet sich zum Gebet der Verlassenen und verschmäht ihr Gebet nicht.

  19. Das werde geschrieben für die Nachkommen; und das Volk, das er schafft, wird den HERRN loben.

  20. Denn er schaut von seiner heiligen Höhe, der HERR sieht vom Himmel auf die Erde,

  21. daß er das Seufzen der Gefangenen höre und losmache die Kinder des Todes,

  22. daß sie in Zion verkünden den Namen des HERRN und sein Lob in Jerusalem,

  23. wenn die Völker zusammenkommen und die Königreiche, dem HERRN zu dienen.

  24. Er demütigt auf dem Wege meine Kraft, er verkürzt meine Tage.

  25. Ich sage: Mein Gott, nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage! Deine Jahre währen für und für.

  26. Du hast vorzeiten die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk.

  27. Sie werden vergehen, du aber bleibst; sie werden alle veralten wie ein Gewand; wie ein Kleid wirst du sie wechseln, und sie werden verwandelt werden.

  28. Du aber bleibst, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende.

  29. Die Söhne deiner Knechte bleiben wohnen, und ihr Geschlecht wird vor dir gedeihen.

Das Hohelied der Barmherzigkeit Gottes

Psalm 103

  1. VON DAVID. Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

  2. Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat:

  3. der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,

  4. der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

  5. der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler.

  6. Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.

  7. Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun.

  8. Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

  9. Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben.

  10. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.

  11. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, läßt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

  12. So fern der Morgen ist vom Abend, läßt er unsre Übertretungen von uns sein.

  13. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.

  14. Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, daß wir Staub sind.

  15. Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde;

  16. wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.

  17. Die Gnade aber des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind

  18. bei denen, die seinen Bund halten und gedenken an seine Gebote, daß sie danach tun.

  19. Der HERR hat seinen Thron im Himmel errichtet, und sein Reich herrscht über alles.

  20. Lobet den HERRN, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seinen Befehl ausrichtet, daß man höre auf die Stimme seines Wortes!

  21. Lobet den HERRN, alle seine Heerscharen, seine Diener, die ihr seinen Willen tut!

  22. Lobet den HERRN, alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft!

    Lobe den HERRN, meine Seele!

Lob des Schöpfers

Psalm 104

  1. Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt.

  2. Licht ist dein Kleid, das du anhast. Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich;

  3. du baust deine Gemächer über den Wassern. Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen und kommst daher auf den Fittichen des Windes,

  4. der du machst Winde zu deinen Boten und Feuerflammen zu deinen Dienern;

  5. der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden, daß es bleibt immer und ewiglich.

  6. Mit Fluten decktest du es wie mit einem Kleide, und die Wasser standen über den Bergen.

  7. Aber vor deinem Schelten flohen sie, vor deinem Donner fuhren sie dahin.

  8. Die Berge stiegen hoch empor, und die Täler senkten sich herunter zum Ort, den du ihnen gegründet hast.

  9. Du hast eine Grenze gesetzt, darüber kommen sie nicht und dürfen nicht wieder das Erdreich bedecken.

  10. Du lässest Wasser in den Tälern quellen, daß sie zwischen den Bergen dahinfließen,

  11. daß alle Tiere des Feldes trinken und das Wild seinen Durst lösche.

  12. Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen unter den Zweigen.

  13. Du feuchtest die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.

  14. Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, daß du Brot aus der Erde hervorbringst,

  15. daß der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz schön werde vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.

  16. Die Bäume des HERRN stehen voll Saft, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat.

  17. Dort nisten die Vögel, und die Reiher wohnen in den Wipfeln.

  18. Die hohen Berge geben dem Steinbock Zuflucht und die Felsklüfte dem Klippdachs.

  19. Du hast den Mond gemacht, das Jahr danach zu teilen; die Sonne weiß ihren Niedergang.

  20. Du machst Finsternis, daß es Nacht wird; da regen sich alle wilden Tiere,

  21. die jungen Löwen, die da brüllen nach Raub und ihre Speise suchen von Gott.

  22. Wenn aber die Sonne aufgeht, heben sie sich davon und legen sich in ihre Höhlen.

  23. So geht dann der Mensch aus an seine Arbeit und an sein Werk bis an den Abend.

  24. HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.

  25. Da ist das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelt's ohne Zahl, große und kleine Tiere.

  26. Dort ziehen Schiffe dahin; da sind große Fische, die du gemacht hast, damit zu spielen.

  27. Es warten alle auf dich, daß du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit.

  28. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.

  29. Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.

  30. Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du machst neu die Gestalt der Erde.

  31. Die Herrlichkeit des HERRN bleibe ewiglich, der HERR freue sich seiner Werke!

  32. Er schaut die Erde an, so bebt sie; er rührt die Berge an, so rauchen sie.

  33. Ich will dem HERRN singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin.

  34. Mein Reden möge ihm wohlgefallen. Ich freue mich des HERRN.

  35. Die Sünder sollen ein Ende nehmen auf Erden und die Gottlosen nicht mehr sein.

    Lobe den HERRN, meine Seele! Halleluja!

Lob Gottes für seine Heilstaten in Israels Frühzeit

Psalm 105

  1. Danket dem HERRN und rufet an seinen Namen; verkündigt sein Tun unter den Völkern!

  2. Singet und spielet ihm, redet von allen seinen Wundern!

  3. Rühmet seinen heiligen Namen; es freue sich das Herz derer, die den HERRN suchen!

  4. Fraget nach dem HERRN und nach seiner Macht, suchet sein Antlitz allezeit!

  5. Gedenket seiner Wunderwerke, die er getan hat, seiner Zeichen und der Urteile seines Mundes,

  6. du Geschlecht Abrahams, seines Knechts, ihr Söhne Jakobs, seine Auserwählten!

  7. Er ist der HERR, unser Gott, er richtet in aller Welt.

  8. Er gedenkt ewiglich an seinen Bund, an das Wort, das er verheißen hat für tausend Geschlechter,

  9. an den Bund, den er geschlossen hat mit Abraham, und an den Eid, den er Isaak geschworen hat.

  10. Er stellte ihn auf für Jakob als Satzung und für Israel als ewigen Bund

  11. und sprach: «Dir will ich das Land Kanaan geben, das Los eures Erbteils»,

  12. als sie noch gering waren an Zahl, nur wenige und Fremdlinge im Lande.

  13. Und sie zogen von Volk zu Volk, von einem Königreich zum andern.

  14. Er ließ keinen Menschen ihnen Schaden tun und wies Könige zurecht um ihretwillen:

  15. «Tastet meine Gesalbten nicht an, und tut meinen Propheten kein Leid!»

  16. Und er ließ eine Hungersnot ins Land kommen und nahm weg allen Vorrat an Brot.

  17. Er sandte einen Mann vor ihnen hin; Joseph wurde als Knecht verkauft.

  18. Sie zwangen seine Füße in Fesseln, sein Leib mußte in Eisen liegen,

  19. bis sein Wort eintraf und die Rede des HERRN ihm recht gab.

  20. Da sandte der König hin und ließ ihn losgeben, der Herr über Völker, er gab ihn frei.

  21. Er setzte ihn zum Herrn über sein Haus, zum Herrscher über alle seine Güter,

  22. daß er seine Fürsten unterwiese nach seinem Willen und seine Ältesten Weisheit lehrte.

  23. Und Israel zog nach Ägypten, und Jakob ward ein Fremdling im Lande Hams.

  24. Und der Herr ließ sein Volk sehr wachsen und machte sie mächtiger als ihre Feinde.

  25. Diesen verwandelte er das Herz, daß sie seinem Volk gram wurden und Arglist übten an seinen Knechten.

  26. Er sandte seinen Knecht Mose und Aaron, den er erwählt hatte.

  27. Die taten seine Zeichen unter ihnen und seine Wunder im Lande Hams.

  28. Er ließ Finsternis kommen und machte es finster; doch sie blieben ungehorsam seinen Worten.

  29. Er verwandelte ihre Wasser in Blut und tötete ihre Fische.

  30. Ihr Land wimmelte von Fröschen bis in die Kammern ihrer Könige.

  31. Er gebot, da kam Ungeziefer, Stechmücken in all ihr Gebiet.

  32. Er gab ihnen Hagel statt Regen, Feuerflammen in ihrem Lande

  33. und schlug ihre Weinstöcke und Feigenbäume und zerbrach die Bäume in ihrem Gebiet.

  34. Er gebot, da kamen Heuschrecken geflogen und gekrochen ohne Zahl;

  35. sie fraßen alles, was da wuchs in ihrem Lande, und fraßen auch die Frucht ihres Ackers.

  36. Er schlug alle Erstgeburt in Ägypten, alle Erstlinge ihrer Kraft.

  37. Er führte sie heraus mit Silber und Gold; es war kein Gebrechlicher unter ihren Stämmen.

  38. Ägypten wurde froh, daß sie auszogen; denn Furcht vor ihnen war auf sie gefallen.

  39. Er breitete eine Wolke aus, sie zu decken, und ein Feuer, des Nachts zu leuchten.

  40. Sie baten, da ließ er Wachteln kommen, und er sättigte sie mit Himmelsbrot.

  41. Er öffnete den Felsen, da flossen Wasser heraus, daß Bäche liefen in der dürren Wüste.

  42. Denn er gedachte an sein heiliges Wort und an Abraham, seinen Knecht.

  43. So führte er sein Volk in Freuden heraus und seine Auserwählten mit Jubel

  44. und gab ihnen die Länder der Heiden, daß sie die Güter der Völker gewannen,

  45. damit sie seine Gebote hielten und seine Gesetze bewahrten. Halleluja!

Gottes Gnade und Israels Undank

Psalm 106

  1. Halleluja! Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

  2. Wer kann die großen Taten des HERRN alle erzählen und sein Lob genug verkündigen?

  3. Wohl denen, die das Gebot halten und tun immerdar recht!

  4. HERR, gedenke meiner nach der Gnade, die du deinem Volk verheißen hast; erweise an uns deine Hilfe,

  5. daß wir sehen das Heil deiner Auserwählten und uns freuen, daß es deinem Volke so gut geht, und uns rühmen mit denen, die dein eigen sind.

  6. Wir haben gesündigt samt unsern Vätern, wir haben unrecht getan und sind gottlos gewesen.

  7. Unsre Väter in Ägypten wollten deine Wunder nicht verstehen. Sie gedachten nicht an deine große Güte und waren ungehorsam am Meer, am Schilfmeer.

  8. Er aber half ihnen um seines Namens willen, daß er seine Macht beweise.

  9. Er schalt das Schilfmeer, da wurde es trocken, und führte sie durch die Tiefen wie durch trockenes Land

  10. und half ihnen aus der Hand dessen, der sie haßte, und erlöste sie von der Hand des Feindes.

  11. Und die Wasser ersäuften ihre Widersacher, daß nicht einer übrigblieb.

  12. Da glaubten sie an seine Worte und sangen sein Lob.

  13. Aber sie vergaßen bald seine Werke, sie warteten nicht auf seinen Rat.

  14. Und sie wurden lüstern in der Wüste und versuchten Gott in der Einöde.

  15. Er aber gab ihnen, was sie erbaten, und sandte ihnen genug, bis ihnen davor ekelte.

  16. Und sie empörten sich wider Mose im Lager, wider Aaron, den Heiligen des HERRN.

  17. Die Erde tat sich auf und verschlang Dathan und deckte zu die Rotte Abirams,

  18. und Feuer wurde unter ihrer Rotte angezündet, die Flamme verbrannte die Gottlosen.

  19. Sie machten ein Kalb am Horeb und beteten das gegossene Bild an

  20. und verwandelten die Herrlichkeit ihres Gottes in das Bild eines Ochsen, der Gras frißt.

  21. Sie vergaßen Gott, ihren Heiland, der so große Dinge in Ägypten getan hatte,

  22. Wunder im Lande Hams und schreckliche Taten am Schilfmeer.

  23. Und er gedachte, sie zu vertilgen, wäre nicht Mose gewesen, sein Auserwählter; der trat vor ihm in die Bresche, seinen Grimm abzuwenden, daß er sie nicht verderbe.

  24. Und sie achteten das köstliche Land gering; sie glaubten seinem Worte nicht

  25. und murrten in ihren Zelten; sie gehorchten der Stimme des HERRN nicht.

  26. Da erhob er seine Hand wider sie, daß er sie niederschlüge in der Wüste

  27. und würfe ihre Nachkommen unter die Heiden und zerstreute sie in die Länder.

  28. Und sie hängten sich an den Baal-Peor und aßen von den Opfern für die Toten

  29. und erzürnten den Herrn mit ihrem Tun. Da brach die Plage herein über sie.

  30. Da trat Pinhas hinzu und vollzog das Gericht; da wurde der Plage gewehrt;

  31. das wurde ihm gerechnet zur Gerechtigkeit von Geschlecht zu Geschlecht ewiglich.

  32. Und sie erzürnten den Herrn am Haderwasser, und Mose ging es übel um ihretwillen;

  33. denn sie erbitterten sein Herz, daß ihm unbedachte Worte entfuhren.

  34. Auch vertilgten sie die Völker nicht, wie ihnen der HERR doch geboten hatte,

  35. sondern sie ließen sich ein mit den Heiden und lernten ihre Werke

  36. und dienten ihren Götzen; die wurden ihnen zum Fallstrick.

  37. Und sie opferten ihre Söhne und ihre Töchter den bösen Geistern

  38. und vergossen unschuldig Blut, das Blut ihrer Söhne und Töchter, die sie opferten den Götzen Kanaans, so daß das Land mit Blutschuld befleckt war.

  39. Sie machten sich unrein mit ihren Werken und wurden abtrünnig durch ihr Tun.

  40. Da entbrannte der Zorn des HERRN über sein Volk, und sein Erbe wurde ihm zum Abscheu.

  41. Er gab sie in die Hand der Heiden, daß über sie herrschten, die ihnen gram waren.

  42. Und ihre Feinde ängsteten sie, und sie wurden gedemütigt unter ihre Hand.

  43. Er rettete sie oftmals; aber sie erzürnten ihn mit ihrem Vorhaben und schwanden dahin um ihrer Missetat willen.

  44. Da sah er ihre Not an, als er ihre Klage hörte,

  45. und gedachte an seinen Bund mit ihnen, und es reute ihn nach seiner großen Güte.

  46. Und er ließ sie Barmherzigkeit finden bei allen, die sie gefangen hielten.

  47. Hilf uns, HERR, unser Gott, und bring uns zusammen aus den Heiden, daß wir preisen deinen heiligen Namen und uns rühmen, daß wir dich loben können!

  48. Gelobt sei der HERR, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und alles Volk spreche: Amen! Halleluja!

FÜNFTES BUCH

Danklied der Erlösten

Psalm 107

  1. Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

  2. So sollen sagen, die erlöst sind durch den HERRN, die er aus der Not erlöst hat,

  3. die er aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden.

  4. Die irre gingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege, und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten,

  5. die hungrig und durstig waren und deren Seele verschmachtete,

  6. die dann zum HERRN riefen in ihrer Not, und er errettete sie aus ihren Ängsten

  7. und führte sie den richtigen Weg, daß sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen konnten:

  8. die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut,

  9. daß er sättigt die durstige Seele und die Hungrigen füllt mit Gutem.

  10. Die da sitzen mußten in Finsternis und Dunkel, gefangen in Zwang und Eisen,

  11. weil sie Gottes Geboten ungehorsam waren und den Ratschluß des Höchsten verachtet hatten,

  12. so daß er ihr Herz durch Unglück beugte und sie dalagen und ihnen niemand half,

  13. die dann zum HERRN riefen in ihrer Not, und er half ihnen aus ihren Ängsten

  14. und führte sie aus Finsternis und Dunkel und zerriß ihre Bande:

  15. die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut,

  16. daß er zerbricht eherne Türen und zerschlägt eiserne Riegel.

  17. Die Toren, die geplagt waren um ihrer Übertretung und um ihrer Sünde willen,

  18. daß ihnen ekelte vor aller Speise und sie todkrank wurden,

  19. die dann zum HERRN riefen in ihrer Not, und er half ihnen aus ihren Ängsten,

  20. er sandte sein Wort und machte sie gesund und errettete sie, daß sie nicht starben:

  21. die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut,

  22. und sollen Dank opfern und seine Werke erzählen mit Freuden.

  23. Die mit Schiffen auf dem Meere fuhren und trieben ihren Handel auf großen Wassern,

  24. die des HERRN Werke erfahren haben und seine Wunder auf dem Meer,

  25. wenn er sprach und einen Sturmwind erregte, der die Wellen erhob,

  26. und sie gen Himmel fuhren und in den Abgrund sanken, daß ihre Seele vor Angst verzagte,

  27. daß sie taumelten und wankten wie ein Trunkener und wußten keinen Rat mehr,

  28. die dann zum HERRN schrien in ihrer Not, und er führte sie aus ihren Ängsten

  29. und stillte das Ungewitter, daß die Wellen sich legten

  30. und sie froh wurden, daß es still geworden war und er sie zum erwünschten Lande brachte:

  31. die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut,

  32. und ihn in der Gemeinde preisen und bei den Alten rühmen.

  33. Er machte Bäche trocken und ließ Wasserquellen versiegen,

  34. daß fruchtbares Land zur Salzwüste wurde wegen der Bosheit derer, die dort wohnten.

  35. Er machte das Trockene wieder wasserreich und gab dem dürren Lande Wasserquellen

  36. und ließ die Hungrigen dort bleiben, daß sie eine Stadt bauten, in der sie wohnen konnten,

  37. und Äcker besäten und Weinberge pflanzten, die jährlich Früchte trugen.

  38. Und er segnete sie, daß sie sich sehr mehrten, und gab ihnen viel Vieh.

  39. Aber sie wurden gering an Zahl und geschwächt von der Last des Unglücks und des Kummers.

  40. Er schüttete Verachtung aus auf die Fürsten und ließ sie irren in der Wüste, wo kein Weg ist;

  41. aber die Armen schützte er vor Elend und mehrte ihr Geschlecht wie eine Herde.

  42. Das werden die Frommen sehen und sich freuen, und aller Bosheit wird das Maul gestopft werden.

  43. Wer ist weise und behält dies? Der wird merken, wieviel Wohltaten der HERR erweist.

Lob Gottes und Zuversicht in Kriegsnot

Psalm 108

  1. EIN PSALMLIED DAVIDS.

  2. Gott, mein Herz ist bereit, ich will singen und spielen. Wach auf, meine Seele!

  3. Wach auf, Psalter und Harfe! Ich will das Morgenrot wecken.

  4. Ich will dir danken, HERR, unter den Völkern, ich will dir lobsingen unter den Leuten.

  5. Denn deine Gnade reicht, so weit der Himmel ist, und deine Treue, so weit die Wolken gehen.

  6. Erhebe dich, Gott, über den Himmel und deine Herrlichkeit über alle Lande!

  7. Laß deine Freunde errettet werden, dazu hilf mit deiner Rechten und erhöre uns!

  8. Gott hat in seinem Heiligtum geredet: Ich will frohlocken; ich will Sichem verteilen und das Tal Sukkoth ausmessen.

  9. Gilead ist mein, Manasse ist auch mein, und Ephraim ist der Schutz meines Haupts, Juda ist mein Zepter.

  10. Moab ist mein Waschbecken, ich will meinen Schuh auf Edom werfen, über die Philister will ich jauchzen.

  11. Wer wird mich führen in die feste Stadt? Wer wird mich nach Edom leiten?

  12. Wirst du es nicht tun, Gott, der du uns verstoßen hast und ziehst nicht aus, Gott, mit unserm Heer?

  13. Schaff uns Beistand vor dem Feind; denn Menschenhilfe ist nichts nütze.

  14. Mit Gott wollen wir Taten tun. Er wird unsre Feinde niedertreten.

Ein Ruf zu Gott gegen erbarmungslose Widersacher

Psalm 109

  1. EIN PSALM DAVIDS, VORZUSINGEN. Gott, mein Ruhm, schweige nicht!

  2. Denn sie haben ihr gottloses Lügenmaul wider mich aufgetan. Sie reden wider mich mit falscher Zunge

  3. und reden giftig wider mich allenthalben und streiten wider mich ohne Grund.

  4. Dafür, daß ich sie liebe, feinden sie mich an; ich aber bete.

  5. Sie erweisen mir Böses für Gutes und Haß für Liebe.

  6. Gib ihm einen Gottlosen zum Gegner, und ein Verkläger stehe zu seiner Rechten.

  7. Wenn er gerichtet wird, soll er schuldig gesprochen werden, und sein Gebet werde zur Sünde.

  8. Seiner Tage sollen wenige werden, und sein Amt soll ein andrer empfangen.

  9. Seine Kinder sollen Waisen werden und sein Weib eine Witwe.

  10. Seine Kinder sollen umherirren und betteln und vertrieben werden aus ihren Trümmern.

  11. Es soll der Wucherer alles fordern, was er hat, und Fremde sollen seine Güter rauben.

  12. Und niemand soll ihm Gutes tun, und niemand erbarme sich seiner Waisen.

  13. Seine Nachkommen sollen ausgerottet werden, ihr Name soll schon im zweiten Glied getilgt werden.

  14. Der Schuld seiner Väter soll gedacht werden vor dem HERRN, und seiner Mutter Sünde soll nicht getilgt werden.

  15. Der HERR soll sie nie mehr aus den Augen lassen, und ihr Andenken soll ausgerottet werden auf Erden,

  16. weil er so gar keine Barmherzigkeit übte, sondern verfolgte den Elenden und Armen und den Betrübten, ihn zu töten.

  17. Er liebte den Fluch, so komme er auch über ihn; er wollte den Segen nicht, so bleibe er auch fern von ihm.

  18. Er zog den Fluch an wie sein Hemd; der dringe in ihn hinein wie Wasser und wie Öl in seine Gebeine;

  19. er werde ihm wie ein Kleid, das er anhat, und wie ein Gürtel, mit dem er allezeit sich gürtet.

  20. So geschehe denen vom HERRN, die wider mich sind und die Böses reden wider mich.

  21. Aber du, HERR, sei du mit mir um deines Namens willen; denn deine Gnade ist mein Trost: errette mich!

  22. Denn ich bin arm und elend; mein Herz ist zerschlagen in mir.

  23. Ich fahre dahin wie ein Schatten, der schwindet, und werde abgeschüttelt wie Heuschrecken.

  24. Meine Knie sind schwach vom Fasten, und mein Leib ist mager und hat kein Fett.

  25. Ich bin ihnen zum Spott geworden; wenn sie mich sehen, schütteln sie den Kopf.

  26. Steh mir bei, HERR, mein Gott! Hilf mir nach deiner Gnade,

  27. und laß sie innewerden, daß dies deine Hand ist und du, HERR, das tust.

  28. Fluchen sie, so segne du. Erheben sie sich gegen mich, so sollen sie zuschanden werden; aber dein Knecht soll sich freuen.

  29. Meine Widersacher sollen mit Schmach angezogen und mit ihrer Schande bekleidet werden wie mit einem Mantel.

  30. Ich will dem HERRN sehr danken mit meinem Munde und ihn rühmen vor der Menge.

  31. Denn er steht dem Armen zur Rechten, daß er ihm helfe von denen, die ihn verurteilen.

Der ewige König und Priester

Psalm 110

  1. EIN PSALM DAVIDS. Der HERR sprach zu meinem Herrn: «Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.»

  2. Der HERR wird das Zepter deiner Macht ausstrecken aus Zion. Herrsche mitten unter deinen Feinden!

  3. Wenn du dein Heer aufbietest, wird dir dein Volk willig folgen in heiligem Schmuck. Deine Söhne werden dir geboren wie der Tau aus der Morgenröte.

  4. Der HERR hat geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: «Du bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks.»

  5. Der Herr zu deiner Rechten wird zerschmettern die Könige am Tage seines Zorns.

  6. Er wird richten unter den Heiden, wird viele erschlagen, wird Häupter zerschmettern auf weitem Gefilde.

  7. Er wird trinken vom Bach auf dem Wege, darum wird er das Haupt emporheben.

Preis der Gottesgnade

Psalm 111

  1. Halleluja! Ich danke dem HERRN von ganzem Herzen im Rate der Frommen und in der Gemeinde.

  2. Groß sind die Werke des HERRN; wer sie erforscht, der hat Freude daran.

  3. Was er tut, das ist herrlich und prächtig, und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.

  4. Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige HERR.

  5. Er gibt Speise denen, die ihn fürchten; er gedenkt ewig an seinen Bund.

  6. Er läßt verkündigen seine gewaltigen Taten seinem Volk, daß er ihnen gebe das Erbe der Heiden.

  7. Die Werke seiner Hände sind Wahrheit und Recht; alle seine Ordnungen sind beständig.

  8. Sie stehen fest für immer und ewig; sie sind recht und verläßlich.

  9. Er sendet eine Erlösung seinem Volk; er verheißt, daß sein Bund ewig bleiben soll. Heilig und hehr ist sein Name.

  10. Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang. Klug sind alle, die danach tun. Sein Lob bleibet ewiglich.

Preis der Gottesfurcht

Psalm 112

  1. Halleluja! Wohl dem, der den HERRN fürchtet, der große Freude hat an seinen Geboten!

  2. Sein Geschlecht wird gewaltig sein im Lande; die Kinder der Frommen werden gesegnet sein.

  3. Reichtum und Fülle wird in ihrem Hause sein, und ihre Gerechtigkeit bleibt ewiglich.

  4. Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis von dem Gnädigen, Barmherzigen und Gerechten.

  5. Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht und das Seine tut, wie es recht ist!

  6. Denn er wird ewiglich bleiben; der Gerechte wird nimmermehr vergessen.

  7. Vor schlimmer Kunde fürchtet er sich nicht; sein Herz hofft unverzagt auf den HERRN.

  8. Sein Herz ist getrost und fürchtet sich nicht, bis er auf seine Feinde herabsieht.

  9. Er streut aus und gibt den Armen; seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich. Seine Kraft wird hoch in Ehren stehen.

  10. Der Gottlose wird's sehen, und es wird ihn verdrießen; mit den Zähnen wird er knirschen und vergehen. Denn was die Gottlosen wollen, das wird zunichte.

Gottes Hoheit und Huld

Psalm 113

  1. Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN, lobet den Namen des HERRN!

  2. Gelobt sei der Name des HERRN von nun an bis in Ewigkeit!

  3. Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des HERRN!

  4. Der HERR ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.

  5. Wer ist wie der HERR, unser Gott, im Himmel und auf Erden?

  6. Der oben thront in der Höhe, der herniederschaut in die Tiefe,

  7. der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz,

  8. daß er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes;

  9. der die Unfruchtbare im Hause zu Ehren bringt, daß sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja!

Gottes Wunder beim Auszug aus Ägypten

Psalm 114

  1. Als Israel aus Ägypten zog, das Haus Jakob aus dem fremden Volk,

  2. da wurde Juda sein Heiligtum, Israel sein Königreich.

  3. Das Meer sah es und floh, der Jordan wandte sich zurück.

  4. Die Berge hüpften wie die Lämmer, die Hügel wie die jungen Schafe.

  5. Was war mit dir, du Meer, daß du flohest, und mit dir, Jordan, daß du dich zurückwandtest?

  6. Ihr Berge, daß ihr hüpftet wie die Lämmer, ihr Hügel, wie die jungen Schafe?

  7. Vor dem Herrn erbebe, du Erde, vor dem Gott Jakobs,

  8. der den Felsen wandelte in einen See und die Steine in Wasserquellen!

Gott allein die Ehre!

Psalm 115

  1. Nicht uns, HERR, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre um deiner Gnade und Treue willen!

  2. Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist denn ihr Gott?

  3. Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will.

  4. Ihre Götzen aber sind Silber und Gold, von Menschenhänden gemacht.

  5. Sie haben Mäuler und reden nicht, sie haben Augen und sehen nicht.

  6. Sie haben Ohren und hören nicht, sie haben Nasen und riechen nicht,

  7. sie haben Hände und greifen nicht, Füße haben sie und gehen nicht, und kein Laut kommt aus ihrer Kehle.

  8. Die solche Götzen machen, sind ihnen gleich, alle, die auf sie hoffen.

  9. Aber Israel hoffe auf den HERRN! Er ist ihre Hilfe und Schild.

  10. Das Haus Aaron hoffe auf den HERRN! Er ist ihre Hilfe und Schild.

  11. Die ihr den HERRN fürchtet, hoffet auf den HERRN! Er ist ihre Hilfe und Schild.

  12. Der HERR denkt an uns und segnet uns; er segnet das Haus Israel, er segnet das Haus Aaron.

  13. Er segnet, die den HERRN fürchten, die Kleinen und die Großen.

  14. Der HERR segne euch je mehr und mehr, euch und eure Kinder!

  15. Ihr seid die Gesegneten des HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

  16. Der Himmel ist der Himmel des HERRN; aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben.

  17. Die Toten werden dich, HERR, nicht loben, keiner, der hinunterfährt in die Stille;

  18. aber wir loben den HERRN von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja!

Dank für Rettung aus Todesgefahr

Psalm 116

  1. Ich liebe den HERRN, denn er hört die Stimme meines Flehens.

  2. Er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

  3. Stricke des Todes hatten mich umfangen, des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen; ich kam in Jammer und Not.

  4. Aber ich rief an den Namen des HERRN: Ach, HERR, errette mich!

  5. Der HERR ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig.

  6. Der HERR behütet die Unmündigen; wenn ich schwach bin, so hilft er mir.

  7. Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes.

  8. Denn du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

  9. Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen.

  10. Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.*

    *Luther übersetzte: «Ich glaube, darum rede ich» (vgl. 2. Korinther 4,13, wo Paulus der griechischen Übersetzung des Alten Testaments folgt).

  11. Ich sprach in meinem Zagen: Alle Menschen sind Lügner.

  12. Wie soll ich dem HERRN vergelten all seine Wohltat, die er an mir tut?

  13. Ich will den Kelch des Heils nehmen und des HERRN Namen anrufen.

  14. Ich will meine Gelübde dem HERRN erfüllen vor all seinem Volk.

  15. Der Tod seiner Heiligen wiegt schwer vor dem HERRN.

  16. Ach, HERR, ich bin dein Knecht, ich bin dein Knecht, der Sohn deiner Magd; du hast meine Bande zerrissen.

  17. Dir will ich Dank opfern und des HERRN Namen anrufen.

  18. Ich will meine Gelübde dem HERRN erfüllen vor all seinem Volk

  19. in den Vorhöfen am Hause des HERRN, in dir, Jerusalem. Halleluja!

Aufruf an die Völker zum Lob Gottes

Psalm 117

  1. Lobet den HERRN, alle Heiden! Preiset ihn, alle Völker!

  2. Denn seine Gnade und Wahrheit waltet über uns in Ewigkeit. Halleluja!

Dankbares Bekenntnis zur Hilfe Gottes

Psalm 118

  1. Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

  2. Es sage nun Israel: Seine Güte währet ewiglich.

  3. Es sage nun das Haus Aaron: Seine Güte währet ewiglich.

  4. Es sagen nun, die den HERRN fürchten: Seine Güte währet ewiglich.

  5. In der Angst rief ich den HERRN an; und der HERR erhörte mich und tröstete mich.

  6. Der HERR ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen tun?

  7. Der HERR ist mit mir, mir zu helfen; und ich werde herabsehen auf meine Feinde.

  8. Es ist gut, auf den HERRN vertrauen und nicht sich verlassen auf Menschen.

  9. Es ist gut, auf den HERRN vertrauen und nicht sich verlassen auf Fürsten.

  10. Alle Heiden umgeben mich; aber im Namen des HERRN will ich sie abwehren.

  11. Sie umgeben mich von allen Seiten; aber im Namen des HERRN will ich sie abwehren.

  12. Sie umgeben mich wie Bienen, sie entbrennen wie ein Feuer in Dornen; aber im Namen des HERRN will ich sie abwehren.

  13. Man stößt mich, daß ich fallen soll; aber der HERR hilft mir.

  14. Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

  15. Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg!

  16. Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg!

  17. Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen.

  18. Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

  19. Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, daß ich durch sie einziehe und dem HERRN danke.

  20. Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen.

  21. Ich danke dir, daß du mich erhört hast und hast mir geholfen.

  22. Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

  23. Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.

  24. Dies ist der Tag, den der HERR macht; laßt uns freuen und fröhlich an ihm sein.

  25. O HERR, hilf! O HERR, laß wohlgelingen!

  26. Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch, die ihr vom Hause des HERRN seid.

  27. Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

  28. Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.

  29. Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Die Herrlichkeit des Wortes Gottes

(Das güldene ABC)

Psalm 119

  1. Wohl denen, die ohne Tadel leben, die im Gesetz des HERRN wandeln!

  2. Wohl denen, die sich an seine Mahnungen halten, die ihn von ganzem Herzen suchen,

  3. die auf seinen Wegen wandeln und kein Unrecht tun.

  4. Du hast geboten, fleißig zu halten deine Befehle.

  5. O daß mein Leben deine Gebote mit ganzem Ernst hielte.

  6. Wenn ich schaue allein auf deine Gebote, so werde ich nicht zuschanden.

  7. Ich danke dir mit aufrichtigem Herzen, daß du mich lehrst die Ordnungen deiner Gerechtigkeit.

  8. Deine Gebote will ich halten; verlaß mich nimmermehr!

  9. Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält an deine Worte.

  10. Ich suche dich von ganzem Herzen; laß mich nicht abirren von deinen Geboten.

  11. Ich behalte dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht wider dich sündige.

  12. Gelobet seist du, HERR! Lehre mich deine Gebote!

  13. Ich will mit meinen Lippen erzählen alle Weisungen deines Mundes.

  14. Ich freue mich über den Weg, den deine Mahnungen zeigen, wie über großen Reichtum.

  15. Ich rede von dem, was du befohlen hast, und schaue auf deine Wege.

  16. Ich habe Freude an deinen Satzungen und vergesse deine Worte nicht.

  17. Tu wohl deinem Knecht, daß ich lebe und dein Wort halte.

  18. Öffne mir die Augen, daß ich sehe die Wunder an deinem Gesetz.

  19. Ich bin ein Gast auf Erden; verbirg deine Gebote nicht vor mir.

  20. Meine Seele verzehrt sich vor Verlangen nach deinen Ordnungen allezeit.

  21. Du schiltst die Stolzen; verflucht sind, die von deinen Geboten abirren.

  22. Wende von mir Schmach und Verachtung; denn ich halte mich an deine Mahnungen.

  23. Fürsten sitzen da und reden wider mich; aber dein Knecht sinnt nach über deine Gebote.

  24. Ich habe Freude an deinen Mahnungen; sie sind meine Ratgeber.

  25. Meine Seele liegt im Staube; erquicke mich nach deinem Wort.

  26. Ich erzähle dir meine Wege, und du erhörst mich; lehre mich deine Gebote.

  27. Laß mich verstehen den Weg deiner Befehle, so will ich reden von deinen Wundern.

  28. Ich gräme mich, daß mir die Seele verschmachtet; stärke mich nach deinem Wort.

  29. Halte fern von mir den Weg der Lüge und gib mir in Gnaden dein Gesetz.

  30. Ich habe erwählt den Weg der Wahrheit, deine Weisungen hab ich vor mich gestellt.

  31. Ich halte an deinen Mahnungen fest; HERR, laß mich nicht zuschanden werden!

  32. Ich laufe den Weg deiner Gebote; denn du tröstest mein Herz.

  33. Zeige mir, HERR, den Weg deiner Gebote, daß ich sie bewahre bis ans Ende.

  34. Unterweise mich, daß ich bewahre dein Gesetz und halte es von ganzem Herzen.

  35. Führe mich auf dem Steig deiner Gebote; denn ich habe Gefallen daran.

  36. Neige mein Herz zu deinen Mahnungen und nicht zur Habsucht.

  37. Wende meine Augen ab, daß sie nicht sehen nach unnützer Lehre, und erquicke mich auf deinem Wege.

  38. Erfülle deinem Knecht dein Wort, daß ich dich fürchte.

  39. Wende von mir die Schmach, die ich scheue; denn deine Ordnungen sind gut.

  40. Siehe, ich begehre deine Befehle; erquicke mich mit deiner Gerechtigkeit.

  41. HERR, laß mir deine Gnade widerfahren, deine Hilfe nach deinem Wort,

  42. daß ich antworten kann dem, der mich schmäht; denn ich verlasse mich auf dein Wort.

  43. Und nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit; denn ich hoffe auf deine Ordnungen.

  44. Ich will dein Gesetz halten allezeit, immer und ewiglich.

  45. Und ich wandle fröhlich; denn ich suche deine Befehle.

  46. Ich rede von deinen Zeugnissen vor Königen und schäme mich nicht.

  47. Ich habe Freude an deinen Geboten, sie sind mir sehr lieb,

  48. und hebe meine Hände auf zu deinen Geboten, die mir lieb sind, und rede von deinen Weisungen.

  49. Denke an das Wort, das du deinem Knecht gabst, und laß mich darauf hoffen.

  50. Das ist mein Trost in meinem Elend, daß dein Wort mich erquickt.

  51. Die Stolzen treiben ihren Spott mit mir; dennoch weiche ich nicht von deinem Gesetz.

  52. HERR, wenn ich an deine ewigen Ordnungen denke, so werde ich getröstet.

  53. Zorn erfaßt mich über die Gottlosen, die dein Gesetz verlassen.

  54. Deine Gebote sind mein Lied im Hause, in dem ich Fremdling bin.

  55. HERR, ich denke des Nachts an deinen Namen und halte dein Gesetz.

  56. Das ist mein Schatz, daß ich mich an deine Befehle halte.

  57. Ich habe gesagt: HERR, das soll mein Erbe sein, daß ich deine Worte halte.

  58. Ich suche deine Gunst von ganzem Herzen; sei mir gnädig nach deinem Wort.

  59. Ich bedenke meine Wege und lenke meine Füße zu deinen Mahnungen.

  60. Ich eile und säume nicht, zu halten deine Gebote.

  61. Der Gottlosen Stricke umschlingen mich; aber dein Gesetz vergesse ich nicht.

  62. Zur Mitternacht stehe ich auf, dir zu danken für die Ordnungen deiner Gerechtigkeit.

  63. Ich halte mich zu allen, die dich fürchten und deine Befehle halten.

  64. HERR, die Erde ist voll deiner Güte; lehre mich deine Gebote.

  65. Du tust Gutes deinem Knecht, HERR, nach deinem Wort.

  66. Lehre mich heilsame Einsicht und Erkenntnis; denn ich glaube deinen Geboten.

  67. Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort.

  68. Du bist gütig und freundlich, lehre mich deine Weisungen.

  69. Die Stolzen erdichten Lügen über mich, ich aber halte von ganzem Herzen deine Befehle.

  70. Ihr Herz ist völlig verstockt; ich aber habe Freude an deinem Gesetz.

  71. Es ist gut für mich, daß du mich gedemütigt hast, damit ich deine Gebote lerne.

  72. Das Gesetz deines Mundes ist mir lieber als viel tausend Stück Gold und Silber.

  73. Deine Hand hat mich gemacht und bereitet; unterweise mich, daß ich deine Gebote lerne.

  74. Die dich fürchten, sehen mich und freuen sich; denn ich hoffe auf dein Wort.

  75. HERR, ich weiß, daß deine Urteile gerecht sind; in deiner Treue hast du mich gedemütigt.

  76. Deine Gnade soll mein Trost sein, wie du deinem Knecht zugesagt hast.

  77. Laß mir deine Barmherzigkeit widerfahren, daß ich lebe; denn ich habe Freude an deinem Gesetz.

  78. Ach, daß die Stolzen zuschanden würden, die mich mit Lügen niederdrücken! Ich aber sinne nach über deine Befehle.

  79. Ach, daß sich zu mir hielten, die dich fürchten und deine Mahnungen kennen!

  80. Mein Herz bleibe rechtschaffen in deinen Geboten, damit ich nicht zuschanden werde.

  81. Meine Seele verlangt nach deinem Heil; ich hoffe auf dein Wort.

  82. Meine Augen sehnen sich nach deinem Wort und sagen: Wann tröstest du mich?

  83. Ich bin wie ein Weinschlauch im Rauch; doch deine Gebote vergesse ich nicht.

  84. Wie lange soll dein Knecht noch warten? Wann willst du Gericht halten über meine Verfolger?

  85. Die Stolzen graben mir Gruben, sie, die nicht tun nach deinem Gesetz.

  86. All deine Gebote sind Wahrheit; sie aber verfolgen mich mit Lügen; hilf mir!

  87. Sie haben mich fast umgebracht auf Erden; ich aber verlasse deine Befehle nicht.

  88. Erquicke mich nach deiner Gnade, daß ich halte die Mahnung deines Mundes.

  89. HERR, dein Wort bleibt ewiglich, so weit der Himmel reicht;

  90. deine Wahrheit währet für und für. Du hast die Erde fest gegründet, und sie bleibt stehen.

  91. Sie steht noch heute nach deinen Ordnungen; denn es muß dir alles dienen.

  92. Wenn dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich vergangen in meinem Elend.

  93. Ich will deine Befehle nimmermehr vergessen; denn du erquickst mich damit.

  94. Ich bin dein, hilf mir; denn ich suche deine Befehle.

  95. Die Gottlosen lauern mir auf, daß sie mich umbringen; ich aber merke auf deine Mahnungen.

  96. Ich habe gesehen, daß alles ein Ende hat, aber dein Gebot bleibt bestehen.

  97. Wie habe ich dein Gesetz so lieb! Täglich sinne ich ihm nach.

  98. Du machst mich mit deinem Gebot weiser, als meine Feinde sind; denn es ist ewiglich mein Schatz.

  99. Ich habe mehr Einsicht als alle meine Lehrer; denn über deine Mahnungen sinne ich nach.

  100. Ich bin klüger als die Alten; denn ich halte mich an deine Befehle.

  101. Ich verwehre meinem Fuß alle bösen Wege, damit ich dein Wort halte.

  102. Ich weiche nicht von deinen Ordnungen; denn du lehrest mich.

  103. Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig.

  104. Dein Wort macht mich klug; darum hasse ich alle falschen Wege.

  105. Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.

  106. Ich schwöre und will's halten: Die Ordnungen deiner Gerechtigkeit will ich bewahren.

  107. Ich bin sehr gedemütigt; HERR, erquicke mich nach deinem Wort!

  108. Laß dir gefallen, HERR, das Opfer meines Mundes, und lehre mich deine Ordnungen.

  109. Mein Leben ist immer in Gefahr; aber dein Gesetz vergesse ich nicht.

  110. Die Gottlosen legen mir Schlingen; ich aber irre nicht ab von deinen Befehlen.

  111. Deine Mahnungen sind mein ewiges Erbe; denn sie sind meines Herzens Wonne.

  112. Ich neige mein Herz, zu tun deine Gebote immer und ewiglich.

  113. Ich hasse die Wankelmütigen und liebe dein Gesetz.

  114. Du bist mein Schutz und mein Schild; ich hoffe auf dein Wort.

  115. Weichet von mir, ihr Übeltäter! Ich will mich halten an die Gebote meines Gottes.

  116. Erhalte mich durch dein Wort, daß ich lebe, und laß mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung.

  117. Stärke mich, daß ich gerettet werde, so will ich stets Freude haben an deinen Geboten.

  118. Du verwirfst alle, die von deinen Geboten abirren; denn ihr Tun ist Lug und Trug.

  119. Du schaffst alle Gottlosen auf Erden weg wie Schlacken, darum liebe ich deine Mahnungen.

  120. Ich fürchte mich vor dir, daß mir die Haut schaudert, und ich entsetze mich vor deinen Gerichten.

  121. Ich übe Recht und Gerechtigkeit; übergib mich nicht denen, die mir Gewalt antun wollen.

  122. Tritt ein für deinen Knecht und tröste ihn, daß mir die Stolzen nicht Gewalt antun!

  123. Meine Augen sehnen sich nach deinem Heil und nach dem Wort deiner Gerechtigkeit.

  124. Handle mit deinem Knechte nach deiner Gnade und lehre mich deine Gebote.

  125. Ich bin dein Knecht: Unterweise mich, daß ich verstehe deine Mahnungen.

  126. Es ist Zeit, daß der HERR handelt; sie haben dein Gesetz zerbrochen.

  127. Darum liebe ich deine Gebote mehr als Gold und Feingold.

  128. Darum halte ich alle deine Befehle für recht, ich hasse alle falschen Wege.

  129. Deine Mahnungen sind Wunderwerke; darum hält sie meine Seele.

  130. Wenn dein Wort offenbar wird, so erfreut es und macht klug die Unverständigen.

  131. Ich tue meinen Mund weit auf und lechze, denn mich verlangt nach deinen Geboten.

  132. Wende dich zu mir und sei mir gnädig, wie du pflegst zu tun denen, die deinen Namen lieben.

  133. Laß meinen Gang in deinem Wort fest sein und laß kein Unrecht über mich herrschen.

  134. Erlöse mich von der Bedrückung durch Menschen, so will ich halten deine Befehle.

  135. Laß dein Antlitz leuchten über deinen Knecht, und lehre mich deine Gebote.

  136. Meine Augen fließen von Tränen, weil man dein Gesetz nicht hält.

  137. HERR, du bist gerecht, und deine Urteile sind richtig.

  138. Du hast deine Mahnungen geboten in Gerechtigkeit und großer Treue.

  139. Ich habe mich fast zu Tode geeifert, weil meine Widersacher deine Worte vergessen.

  140. Dein Wort ist ganz durchläutert, und dein Knecht hat es lieb.

  141. Ich bin gering und verachtet; ich vergesse aber nicht deine Befehle.

  142. Deine Gerechtigkeit ist eine ewige Gerechtigkeit, und dein Gesetz ist Wahrheit.

  143. Angst und Not haben mich getroffen; ich habe aber Freude an deinen Geboten.

  144. Deine Mahnungen sind gerecht in Ewigkeit; unterweise mich, so lebe ich.

  145. Ich rufe von ganzem Herzen; erhöre mich, HERR; ich will deine Gebote halten.

  146. Ich rufe zu dir, hilf mir; ich will mich an deine Mahnungen halten.

  147. Ich komme in der Frühe und rufe um Hilfe; auf dein Wort hoffe ich.

  148. Ich wache auf, wenn's noch Nacht ist, nachzusinnen über dein Wort.

  149. Höre meine Stimme nach deiner Gnade; HERR, erquicke mich nach deinem Recht.

  150. Meine arglistigen Verfolger nahen; aber sie sind fern von deinem Gesetz.

  151. HERR, du bist nahe, und alle deine Gebote sind Wahrheit.

  152. Längst weiß ich aus deinen Mahnungen, daß du sie für ewig gegründet hast.

  153. Sieh doch mein Elend und errette mich; denn ich vergesse dein Gesetz nicht.

  154. Führe meine Sache und erlöse mich; erquicke mich durch dein Wort.

  155. Das Heil ist fern von den Gottlosen; denn sie achten deine Gebote nicht.

  156. HERR, deine Barmherzigkeit ist groß; erquicke mich nach deinem Recht.

  157. Meiner Verfolger und Widersacher sind viele; ich weiche aber nicht von deinen Mahnungen.

  158. Ich sehe die Verächter, und es tut mir wehe, daß sie dein Wort nicht halten.

  159. Siehe, ich liebe deine Befehle; HERR, erquicke mich nach deiner Gnade.

  160. Dein Wort ist nichts als Wahrheit, alle Ordnungen deiner Gerechtigkeit währen ewiglich.

  161. Fürsten verfolgen mich ohne Grund; aber mein Herz fürchtet sich nur vor deinen Worten.

  162. Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute macht.

  163. Lügen bin ich feind, und sie sind mir ein Greuel; aber dein Gesetz habe ich lieb.

  164. Ich lobe dich des Tages siebenmal um deiner gerechten Ordnungen willen.

  165. Großen Frieden haben, die dein Gesetz lieben; sie werden nicht straucheln.

  166. HERR, ich warte auf dein Heil und tue nach deinen Geboten.

  167. Meine Seele hält sich an deine Mahnungen und liebt sie sehr.

  168. Ich halte deine Befehle und deine Mahnungen; denn alle meine Wege liegen offen vor dir.

  169. HERR, laß mein Klagen vor dich kommen; unterweise mich nach deinem Wort.

  170. Laß mein Flehen vor dich kommen; errette mich nach deinem Wort.

  171. Meine Lippen sollen dich loben; denn du lehrst mich deine Gebote.

  172. Meine Zunge soll singen von deinem Wort; denn alle deine Gebote sind gerecht.

  173. Laß deine Hand mir beistehen; denn ich habe erwählt deine Befehle.

  174. HERR, mich verlangt nach deinem Heil, und an deinem Gesetz habe ich Freude.

  175. Laß meine Seele leben, daß sie dich lobe, und dein Recht mir helfen.

  176. Ich bin wie ein verirrtes und verlorenes Schaf; suche deinen Knecht, denn ich vergesse deine Gebote nicht.

Hilferuf gegen Verleumder

Psalm 120

  1. EIN WALLFAHRTSLIED. Ich rufe zu dem HERRN in meiner Not, und er erhört mich.

  2. HERR, errette mich von den Lügenmäulern, von den falschen Zungen.

  3. Was soll er dir antun, du falsche Zunge, und was dir noch geben?

  4. Scharfe Pfeile eines Starken und feurige Kohlen!

  5. Weh mir, daß ich weilen muß unter Meschech; ich muß wohnen bei den Zelten Kedars!

  6. Es wird meiner Seele lang, zu wohnen bei denen, die den Frieden hassen.

  7. Ich halte Frieden; aber wenn ich rede, so fangen sie Streit an.

Der treue Menschenhüter

Psalm 121

  1. EIN WALLFAHRTSLIED. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?*

    *Luther übersetzte nach der lateinischen Übersetzung: «...zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt.»

  2. Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

  3. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.

  4. Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

  5. Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

  6. daß dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

  7. Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

  8. Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Ein Segenswunsch für Jerusalem

Psalm 122

  1. VON DAVID, EIN WALLFAHRTSLIED. Ich freute mich über die, die mir sagten: Lasset uns ziehen zum Haus des HERRN!

  2. Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem.

  3. Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll,

  4. wohin die Stämme hinaufziehen, die Stämme des HERRN, wie es geboten ist dem Volke Israel, zu preisen den Namen des HERRN.

  5. Denn dort stehen die Throne zum Gericht, die Throne des Hauses David.

  6. Wünschet Jerusalem Glück! Es möge wohl gehen denen, die dich lieben!

  7. Es möge Frieden sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen!

  8. Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen.

  9. Um des Hauses des HERRN willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen.

Aufblick zu Gottes Gnade

Psalm 123

  1. EIN WALLFAHRTSLIED. Ich hebe meine Augen auf zu dir, der du im Himmel wohnest.

  2. Siehe, wie die Augen der Knechte auf die Hände ihrer Herren sehen, wie die Augen der Magd auf die Hände ihrer Frau, so sehen unsre Augen auf den HERRN, unsern Gott, bis er uns gnädig werde.

  3. Sei uns gnädig, HERR, sei uns gnädig; denn allzusehr litten wir Verachtung.

  4. Allzusehr litt unsere Seele den Spott der Stolzen und die Verachtung der Hoffärtigen.

Der Helfer in der Not

Psalm 124

  1. VON DAVID, EIN WALLFAHRTSLIED. Wäre der HERR nicht bei uns – so sage Israel -,

  2. wäre der HERR nicht bei uns, wenn Menschen wider uns aufstehen,

  3. so verschlängen sie uns lebendig, wenn ihr Zorn über uns entbrennt;

  4. so ersäufte uns Wasser, Ströme gingen über unsre Seele,

  5. es gingen Wasser hoch über uns hinweg.

  6. Gelobt sei der HERR, daß er uns nicht gibt zum Raub in ihre Zähne!

  7. Unsre Seele ist entronnen wie ein Vogel dem Netze des Vogelfängers; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei.

  8. Unsre Hilfe steht im Namen des HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Herr ist um sein Volk her

Psalm 125

  1. EIN WALLFAHRTSLIED. Die auf den HERRN hoffen, werden nicht fallen, sondern ewig bleiben wie der Berg Zion.

  2. Wie um Jerusalem Berge sind, so ist der HERR um sein Volk her von nun an bis in Ewigkeit.

  3. Denn der Gottlosen Zepter wird nicht bleiben über dem Erbteil der Gerechten, damit die Gerechten ihre Hand nicht ausstrecken zur Ungerechtigkeit.

  4. HERR, tu wohl den Guten und denen, die frommen Herzens sind.

  5. Die aber abweichen auf ihre krummen Wege, wird der HERR dahinfahren lassen mit den Übeltätern. Friede sei über Israel!

Der Herr erlöst seine Gefangenen

Psalm 126

  1. EIN WALLFAHRTSLIED. Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.

  2. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Dann wird man sagen unter den Heiden: Der HERR hat Großes an ihnen getan!

  3. Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.

  4. HERR, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland.

  5. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

  6. Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.

An Gottes Segen ist alles gelegen

Psalm 127

  1. VON SALOMO, EIN WALLFAHRTSLIED. Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.

  2. Es ist umsonst, daß ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

  3. Siehe, Kinder sind eine Gabe des HERRN, und Leibesfrucht ist ein Geschenk.

  4. Wie Pfeile in der Hand eines Starken, so sind die Söhne der Jugendzeit.

  5. Wohl dem, der seinen Köcher mit ihnen gefüllt hat! Sie werden nicht zuschanden, wenn sie mit ihren Feinden verhandeln im Tor.

Gesegneter Hausstand

Psalm 128

  1. EIN WALLFAHRTSLIED. Wohl dem, der den HERRN fürchtet und auf seinen Wegen geht!

  2. Du wirst dich nähren von deiner Hände Arbeit; wohl dir, du hast's gut.

  3. Dein Weib wird sein wie ein fruchtbarer Weinstock drinnen in deinem Hause, deine Kinder wie junge Ölbäume um deinen Tisch her.

  4. Siehe, so wird gesegnet der Mann, der den HERRN fürchtet.

  5. Der HERR wird dich segnen aus Zion, daß du siehst das Glück Jerusalems dein Leben lang

  6. und siehst Kinder deiner Kinder. Friede sei über Israel!

Hilferuf des bedrängten Israel

Psalm 129

  1. EIN WALLFAHRTSLIED. Sie haben mich oft bedrängt von meiner Jugend auf – so sage Israel -,

  2. sie haben mich oft bedrängt von meiner Jugend auf; aber sie haben mich nicht überwältigt.

  3. Die Pflüger haben auf meinem Rücken geackert und ihre Furchen langgezogen.

  4. Der HERR, der gerecht ist, hat der Gottlosen Stricke zerhauen.

  5. Ach daß zuschanden würden und zurückwichen alle, die Zion gram sind!

  6. Ach daß sie würden wie das Gras auf den Dächern, das verdorrt, ehe man es ausrauft,

  7. mit dem der Schnitter seine Hand nicht füllt noch der Garbenbinder seinen Arm;

  8. und keiner, der vorübergeht, soll sprechen: Der Segen des HERRN sei über euch! Wir segnen euch im Namen des HERRN.

Aus tiefer Not

(Der sechste Bußpsalm)

Psalm 130

  1. EIN WALLFAHRTSLIED. Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir.

  2. Herr, höre meine Stimme! Laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!

  3. Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst – Herr, wer wird bestehen?

  4. Denn bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte.

  5. Ich harre des HERRN, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort.

  6. Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen;* mehr als die Wächter auf den Morgen

    *Luther übersetzte: «Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache bis zur andern.»

  7. hoffe Israel auf den HERRN! Denn bei dem HERRN ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm.

  8. Und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden.

Kindliche Ergebung

Psalm 131

  1. VON DAVID, EIN WALLFAHRTSLIED. HERR, mein Herz ist nicht hoffärtig, und meine Augen sind nicht stolz. Ich gehe nicht um mit großen Dingen, die mir zu wunderbar sind.

  2. Fürwahr, meine Seele ist still und ruhig geworden wie ein kleines Kind bei seiner Mutter; wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir.

  3. Israel, hoffe auf den HERRN von nun an bis in Ewigkeit!

Davids Haus und das Heiligtum auf Zion

Psalm 132

  1. EIN WALLFAHRTSLIED. Gedenke, HERR, an David und all seine Mühsal,

  2. der dem HERRN einen Eid schwor und gelobte dem Mächtigen Jakobs:

  3. Ich will nicht in mein Haus gehen noch mich aufs Lager meines Bettes legen,

  4. ich will meine Augen nicht schlafen lassen noch meine Augenlider schlummern,

  5. bis ich eine Stätte finde für den HERRN, eine Wohnung für den Mächtigen Jakobs.

  6. Siehe, wir hörten von ihr in Ephratha, wir haben sie gefunden im Gefilde von Jaar.

  7. Wir wollen in seine Wohnung gehen und anbeten vor dem Schemel seiner Füße.

  8. HERR, mache dich auf zur Stätte deiner Ruhe, du und die Lade deiner Macht!

  9. Deine Priester laß sich kleiden mit Gerechtigkeit und deine Heiligen sich freuen.

  10. Weise nicht ab das Antlitz deines Gesalbten um deines Knechtes David willen!

  11. Der HERR hat David einen Eid geschworen, davon wird er sich wahrlich nicht wenden: Ich will dir auf deinen Thron setzen einen, der von deinem Leibe kommt.

  12. Werden deine Söhne meinen Bund halten und mein Gebot, das ich sie lehren werde, so sollen auch ihre Söhne auf deinem Thron sitzen ewiglich.

  13. Denn der HERR hat Zion erwählt, und es gefällt ihm, dort zu wohnen.

  14. «Dies ist die Stätte meiner Ruhe ewiglich; hier will ich wohnen, denn das gefällt mir.

  15. Ich will ihre Speise segnen und ihren Armen Brot genug geben.

  16. Ihre Priester will ich mit Heil kleiden, und ihre Heiligen sollen fröhlich sein.

  17. Dort soll dem David aufgehen ein mächtiger Sproß, ich habe meinem Gesalbten eine Leuchte zugerichtet;

  18. seine Feinde will ich in Schande kleiden, aber über ihm soll blühen seine Krone.»

Segen der brüderlichen Eintracht

Psalm 133

  1. VON DAVID, EIN WALLFAHRTSLIED. Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!

  2. Es ist wie das feine Salböl auf dem Haupte Aarons, das herabfließt in seinen Bart, das herabfließt zum Saum seines Kleides,

  3. wie der Tau, der vom Hermon herabfällt auf die Berge Zions! Denn dort verheißt der HERR den Segen und Leben bis in Ewigkeit.

Nächtliches Loblied im Tempel

Psalm 134

  1. EIN WALLFAHRTSLIED. Wohlan, lobet den HERRN, alle Knechte des HERRN, die ihr steht des Nachts im Hause des HERRN!

  2. Hebet eure Hände auf im Heiligtum und lobet den HERRN!

  3. Der HERR segne dich aus Zion, der Himmel und Erde gemacht hat!

Anbetung des lebendigen Gottes

Psalm 135

  1. Halleluja! Lobet den Namen des HERRN, lobet, ihr Knechte des HERRN,

  2. die ihr steht im Hause des HERRN, in den Vorhöfen am Hause unsres Gottes!

  3. Lobet den HERRN, denn der HERR ist freundlich; lobsinget seinem Namen, denn er ist lieblich!

  4. Denn der HERR hat sich Jakob erwählt, Israel zu seinem Eigentum.

  5. Ja, ich weiß, daß der HERR groß ist und unser HERR über allen Göttern.

  6. Alles, was er will, das tut er im Himmel und auf Erden, im Meer und in allen Tiefen;

  7. der die Wolken läßt aufsteigen vom Ende der Erde, der die Blitze samt dem Regen macht, der den Wind herausführt aus seinen Kammern;

  8. der die Erstgeburten schlug in Ägypten bei den Menschen und beim Vieh

  9. und ließ Zeichen und Wunder kommen über dich, Ägyptenland, über den Pharao und alle seine Knechte;

  10. der viele Völker schlug und tötete mächtige Könige,

  11. Sihon, den König der Amoriter, und Og, den König von Basan, und alle Königreiche in Kanaan,

  12. und gab ihr Land zum Erbe, zum Erbe seinem Volk Israel.

  13. HERR, dein Name währet ewiglich, dein Ruhm, HERR, währet für und für.

  14. Denn der HERR schafft Recht seinem Volk und wird seinen Knechten gnädig sein.

  15. Die Götzen der Heiden sind Silber und Gold, gemacht von Menschenhänden.

  16. Sie haben Mäuler und reden nicht, sie haben Augen und sehen nicht,

  17. sie haben Ohren und hören nicht, auch ist kein Odem in ihrem Munde.

  18. Die solche Götzen machen, sind ihnen gleich, alle, die auf sie hoffen.

  19. Das Haus Israel lobe den HERRN! Lobet den HERRN, ihr vom Hause Aaron!

  20. Ihr vom Hause Levi, lobet den HERRN! Die ihr den HERRN fürchtet, lobet den HERRN!

  21. Gelobt sei der HERR aus Zion, der zu Jerusalem wohnt! Halleluja!

Gottes Wunder in seiner Schöpfung und in der Geschichte seines Volkes

Psalm 136

  1. Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, denn seine Güte währet ewiglich.

  2. Danket dem Gott aller Götter, denn seine Güte währet ewiglich.

  3. Danket dem Herrn aller Herren, denn seine Güte währet ewiglich.

  4. Der allein große Wunder tut, denn seine Güte währet ewiglich.

  5. Der die Himmel mit Weisheit gemacht hat, den seine Güte währet ewiglich.

  6. Der die Erde über den Wassern ausgebreitet hat, denn seine Güte währet ewiglich.

  7. Der große Lichter gemacht hat, denn seine Güte währet ewiglich:

  8. die Sonne, den Tag zu regieren, denn seine Güte währet ewiglich;

  9. den Mond und die Sterne, die Nacht zu regieren, denn seine Güte währet ewiglich.

  10. Der die Erstgeborenen schlug in Ägypten, denn seine Güte währet ewiglich;

  11. und führte Israel von dort heraus, denn seine Güte währet ewiglich;

  12. mit starker Hand und ausgerecktem Arm, denn seine Güte währet ewiglich.

  13. Der das Schilfmeer teilte in zwei Teile, denn seine Güte währet ewiglich;

  14. und ließ Israel mitten hindurchgehen, denn seine Güte währet ewiglich;

  15. der den Pharao und sein Heer ins Schilfmeer stieß, denn seine Güte währet ewiglich.

  16. Der sein Volk führte durch die Wüste, denn seine Güte währet ewiglich.

  17. Der große Könige schlug, denn seine Güte währet ewiglich;

  18. und brachte mächtige Könige um, denn seine Güte währet ewiglich;

  19. Sihon, den König der Amoriter, denn seine Güte währet ewiglich;

  20. und Og, den König von Basan, denn seine Güte währet ewiglich;

  21. und gab ihr Land zum Erbe, denn seine Güte währet ewiglich;

  22. zum Erbe seinem Knecht Israel, denn seine Güte währet ewiglich.

  23. Der an uns dachte, als wir unterdrückt waren, denn seine Güte währet ewiglich;

  24. und uns erlöste von unsern Feinden, denn seine Güte währet ewiglich.

  25. Der Speise gibt allem Fleisch, denn seine Güte währet ewiglich.

  26. Danket dem Gott des Himmels, denn seine Güte währet ewiglich.

Klage der Gefangenen zu Babel

Psalm 137

  1. An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten.

  2. Unsere Harfen hängten wir an die Weiden dort im Lande.

  3. Denn die uns gefangen hielten, hießen uns dort singen und in unserm Heulen fröhlich sein: «Singet uns ein Lied von Zion!»

  4. Wie könnten wir des HERRN Lied singen in fremdem Lande?

  5. Vergesse ich dich, Jerusalem, so verdorre meine Rechte.

  6. Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Freude sein.

  7. HERR, vergiß den Söhnen Edom nicht, was sie sagten am Tage Jerusalems: «Reißt nieder, reißt nieder bis auf den Grund!»

  8. Tochter Babel, du Verwüsterin, wohl dem, der dir vergilt, was du uns angetan hast!

  9. Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und sie am Felsen zerschmettert!

Dank für Gottes Hilfe

Psalm 138

  1. VON DAVID. Ich danke dir von ganzem Herzen, vor den Göttern will ich dir lobsingen.

  2. Ich will anbeten vor deinem heiligen Tempel und deinen Namen preisen für deine Güte und Treue; denn du hast deinen Namen und dein Wort herrlich gemacht über alles.

  3. Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft.

  4. Es danken dir, HERR, alle Könige auf Erden, daß sie hören das Wort deines Mundes;

  5. sie singen von den Wegen des HERRN, daß die Herrlichkeit des HERRN so groß ist.

  6. Denn der HERR ist hoch und sieht auf den Niedrigen und kennt den Stolzen von ferne.

  7. Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickest du mich und reckst deine Hand gegen den Zorn meiner Feinde und hilfst mir mit deiner Rechten.

  8. Der HERR wird meine Sache hinausführen. HERR, deine Güte ist ewig. Das Werk deiner Hände wollest du nicht lassen.

Gott der Allwissende und Allgegenwärtige

Psalm 139

  1. EIN PSALM DAVIDS, VORZUSINGEN. HERR, du erforschest mich und kennest mich.

  2. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

  3. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

  4. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüßtest.

  5. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

  6. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

  7. Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

  8. Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

  9. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,

  10. so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

  11. Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein -,

  12. so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

  13. Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.

  14. Ich danke dir dafür, daß ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

  15. Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde.

  16. Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

  17. Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!

  18. Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir.

  19. Ach Gott, wolltest du doch die Gottlosen töten! Daß doch die Blutgierigen von mir wichen!

  20. Denn sie reden von dir lästerlich, und deine Feinde erheben sich mit frechem Mut.

  21. Sollte ich nicht hassen, HERR, die dich hassen, und verabscheuen, die sich gegen dich erheben?

  22. Ich hasse sie mit ganzem Ernst; sie sind mir zu Feinden geworden.

  23. Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine.

  24. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

    Psalm 27,11

PSALM 140 - 150