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DAS BUCH HIOB

Kapitel 1 - 27







Hiobs Frömmigkeit und Glück

Kapitel 1

  1. Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Der war fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse.

  2. Und er zeugte sieben Söhne und drei Töchter,

  3. und er besaß siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder und fünfhundert Eselinnen und sehr viel Gesinde, und er war reicher als alle, die im Osten wohnten.

  4. Und seine Söhne gingen hin und machten ein Festmahl, ein jeder in seinem Hause an seinem Tag, und sie sandten hin und luden ihre drei Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken.

  5. Und wenn die Tage des Mahles um waren, sandte Hiob hin und heiligte sie und machte sich früh am Morgen auf und opferte Brandopfer nach ihrer aller Zahl; denn Hiob dachte: Meine Söhne könnten gesündigt und Gott abgesagt haben in ihrem Herzen. So tat Hiob allezeit.

Hiob bewährt sich in schwerer Prüfung

  1. Es begab sich aber eines Tages, da die Gottessöhne kamen und vor den HERRN traten, kam auch der Satan unter ihnen.

  2. Der HERR aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Ich habe die Erde hin und her durchzogen.

  3. Der HERR sprach zum Satan: Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht auf Erden, fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse.

  4. Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Meinst du, daß Hiob Gott umsonst fürchtet?

  5. Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz hat sich ausgebreitet im Lande.

  6. Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat: was gilt's, er wird dir ins Angesicht absagen!

  7. Der HERR sprach zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur an ihn selbst lege deine Hand nicht. Da ging der Satan hinaus von dem HERRN.

  8. An dem Tage aber, da seine Söhne und Töchter aßen und Wein tranken im Hause ihres Bruders, des Erstgeborenen,

  9. kam ein Bote zu Hiob und sprach: Die Rinder pflügten, und die Eselinnen gingen neben ihnen auf der Weide,

  10. da fielen die aus Saba ein und nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts, und ich allein bin entronnen, daß ich dir's ansagte.

  11. Als der noch redete, kam ein anderer und sprach: Feuer Gottes fiel vom Himmel und traf Schafe und Knechte und verzehrte sie, und ich allein bin entronnen, daß ich dir's ansagte.

  12. Als der noch redete, kam einer und sprach: Die Chaldäer machten drei Abteilungen und fielen über die Kamele her und nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts, und ich allein bin entronnen, daß ich dir's ansagte.

  13. Als der noch redete, kam einer und sprach: Deine Söhne und Töchter aßen und tranken im Hause ihres Bruders, des Erstgeborenen,

  14. und siehe, da kam ein großer Wind von der Wüste her und stieß an die vier Ecken des Hauses; da fiel es auf die jungen Leute, daß sie starben, und ich allein bin entronnen, daß ich dir's ansagte.

  15. Da stand Hiob auf und zerriß sein Kleid und schor sein Haupt und fiel auf die Erde und neigte sich tief

  16. und sprach: Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt! -

  17. In diesem allen sündigte Hiob nicht und tat nichts Törichtes wider Gott.

Hiob bewährt sich erneut in schwerer Prüfung

Kapitel 2

  1. Es begab sich aber eines Tages, da die Gottessöhne kamen und vor den HERRN traten, daß auch der Satan unter ihnen kam und vor den HERRN trat.

  2. Da sprach der HERR zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Ich habe die Erde hin und her durchzogen.

  3. Der HERR sprach zu dem Satan: Hast du acht auf meinen Knecht Hiob gehabt? Denn es ist seinesgleichen auf Erden nicht, fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse und hält noch fest an seiner Frömmigkeit; du aber hast mich bewogen, ihn ohne Grund zu verderben.

  4. Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Haut für Haut! und alles, was ein Mann hat, läßt er für sein Leben.

  5. Aber strecke deine Hand aus und taste sein Gebein und Fleisch an: was gilt's, er wird dir ins Angesicht absagen!

  6. Der HERR sprach zu dem Satan: Siehe da, er sei in deiner Hand, doch schone sein Leben!

  7. Da ging der Satan hinaus vom Angesicht des HERRN und schlug Hiob mit bösen Geschwüren von der Fußsohle an bis auf seinen Scheitel.

  8. Und er nahm eine Scherbe und schabte sich und saß in der Asche.

  9. Und seine Frau sprach zu ihm: Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Sage Gott ab und stirb!

  10. Er aber sprach zu ihr: Du redest, wie die törichten Weiber reden. Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? In diesem allen versündigte sich Hiob nicht mit seinen Lippen.

Hiob wird von drei Freunden besucht

  1. Als aber die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie, ein jeder aus seinem Ort: Eliphas von Teman, Bildad von Schuach und Zophar von Naama. Denn sie waren eins geworden hinzugehen, um ihn zu beklagen und zu trösten.

  2. Und als sie ihre Augen aufhoben von ferne, erkannten sie ihn nicht und erhoben ihre Stimme und weinten, und ein jeder zerriß sein Kleid, und sie warfen Staub gen Himmel auf ihr Haupt

  3. und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, daß der Schmerz sehr groß war.

Hiobs Klage

Kapitel 3

  1. Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag.

  2. Und Hiob sprach:

  3. Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin, und die Nacht, da man sprach: Ein Knabe kam zur Welt!

  4. Jener Tag soll finster sein, und Gott droben frage nicht nach ihm! Kein Glanz soll über ihm scheinen!

  5. Finsternis und Dunkel sollen ihn überwältigen und düstere Wolken über ihm bleiben, und Verfinsterung am Tage mache ihn schrecklich!

  6. Jene Nacht – das Dunkel nehme sie hinweg, sie soll sich nicht unter den Tagen des Jahres freuen noch in die Zahl der Monde kommen!

  7. Siehe, jene Nacht sei unfruchtbar und kein Jauchzen darin!

  8. Es sollen sie verfluchen, die einen Tag verfluchen können, und die da kundig sind, den Leviathan zu wecken!

  9. Ihre Sterne sollen finster sein in ihrer Dämmerung. Die Nacht hoffe aufs Licht, doch es komme nicht, und sie sehe nicht die Wimpern der Morgenröte,

  10. weil sie nicht verschlossen hat den Leib meiner Mutter und nicht verborgen das Unglück vor meinen Augen!

  11. Warum bin ich nicht gestorben bei meiner Geburt? Warum bin ich nicht umgekommen, als ich aus dem Mutterleib kam?

  12. Warum hat man mich auf den Schoß genommen? Warum bin ich an den Brüsten gesäugt?

  13. Dann läge ich da und wäre still, dann schliefe ich und hätte Ruhe

  14. mit den Königen und Ratsherren auf Erden, die sich Grüfte erbauten,

  15. oder mit den Fürsten, die Gold hatten und deren Häuser voll Silber waren;

  16. wie eine Fehlgeburt, die man verscharrt hat, hätte ich nie gelebt, wie Kinder, die das Licht nie gesehen haben.

  17. Dort haben die Gottlosen aufgehört mit Toben; dort ruhen, die viel Mühe gehabt haben.

  18. Da haben die Gefangenen allesamt Frieden und hören nicht die Stimme des Treibers.

  19. Da sind klein und groß gleich, und der Knecht ist frei von seinem Herrn.

  20. Warum gibt Gott das Licht dem Mühseligen und das Leben den betrübten Herzen

  21. - die auf den Tod warten, und er kommt nicht, und nach ihm suchen mehr als nach Schätzen,

  22. die sich sehr freuten und fröhlich wären, wenn sie ein Grab bekämen -,

  23. dem Mann, dessen Weg verborgen ist, dem Gott den Pfad ringsum verzäunt hat?

  24. Denn wenn ich essen soll, muß ich seufzen, und mein Schreien fährt heraus wie Wasser.

  25. Denn was ich gefürchtet habe, ist über mich gekommen, und wovor mir graute, hat mich getroffen.

  26. Ich hatte keinen Frieden, keine Rast, keine Ruhe, da kam schon wieder ein Ungemach!

HIOBS GESPRÄCHE MIT SEINEN FREUNDEN (Kapitel 4 – 27)

Des Eliphas erste Rede

Kapitel 4

  1. Da hob Eliphas von Teman an und sprach:

  2. Du hast's vielleicht nicht gern, wenn man versucht, mit dir zu reden; aber Worte zurückhalten, wer kann's?

  3. Siehe, du hast viele unterwiesen und matte Hände gestärkt;

  4. deine Rede hat die Strauchelnden aufgerichtet, und die bebenden Knie hast du gekräftigt.

  5. Nun es aber an dich kommt, wirst du weich, und nun es dich trifft, erschrickst du!

  6. Ist nicht deine Gottesfurcht dein Trost, und die Unsträflichkeit deiner Wege deine Hoffnung?

  7. Bedenke doch: Wo ist ein Unschuldiger umgekommen? Oder wo wurden die Gerechten je vertilgt?

  8. Wohl aber habe ich gesehen: Die da Frevel pflügten und Unheil säten, ernteten es auch ein.

  9. Durch den Odem Gottes sind sie umgekommen und vom Schnauben seines Zorns vertilgt.

  10. Das Brüllen der Löwen und die Stimme der Leuen und die Zähne der jungen Löwen sind dahin.

  11. Der Löwe kommt um, wenn er keine Beute hat, und die Jungen der Löwin werden zerstreut.

  12. Zu mir ist heimlich ein Wort gekommen, und von ihm hat mein Ohr ein Flüstern empfangen

  13. beim Nachsinnen über Gesichte in der Nacht, wenn tiefer Schlaf auf die Leute fällt;

  14. da kam mich Furcht und Zittern an, und alle meine Gebeine erschraken.

  15. Und ein Hauch fuhr an mir vorüber; es standen mir die Haare zu Berge an meinem Leibe.

  16. Da stand ein Gebilde vor meinen Augen, doch ich erkannte seine Gestalt nicht; es war eine Stille, und ich hörte eine Stimme:

  17. Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott oder ein Mann rein sein vor dem, der ihn gemacht hat?

  18. Siehe, seinen Dienern traut er nicht, und seinen Boten wirft er Torheit vor:

  19. wieviel mehr denen, die in Lehmhäusern wohnen und auf Staub gegründet sind und wie Motten zerdrückt werden!

  20. Es währt vom Morgen bis zum Abend, so werden sie zerschlagen, und ehe man's gewahr wird, sind sie ganz dahin.

  21. Ihr Zelt wird abgebrochen, und sie sterben unversehens.

Kapitel 5

  1. Rufe doch, ob einer dir antwortet! Und an welchen von den Heiligen willst du dich wenden?

  2. Denn einen Toren tötet der Unmut, und den Unverständigen bringt der Eifer um.

  3. Ich sah einen Toren Wurzel schlagen, doch plötzlich schwand er von seiner Stätte dahin.

  4. Seinen Kindern bleibt Hilfe fern, und sie werden zerschlagen im Tor; denn kein Erretter ist da.

  5. Seine Ernte verzehrt der Hungrige, und auch aus den Hecken holt er sie, und nach seinem Gut lechzen die Durstigen.

  6. Denn Frevel geht nicht aus der Erde hervor, und Unheil wächst nicht aus dem Acker;

  7. sondern der Mensch erzeugt sich selbst das Unheil, wie Funken hoch emporfliegen.

  8. Ich aber würde mich zu Gott wenden und meine Sache vor ihn bringen,

  9. der große Dinge tut, die nicht zu erforschen sind, und Wunder, die nicht zu zählen sind,

  10. der den Regen aufs Land gibt und Wasser kommen läßt auf die Gefilde,

  11. der die Niedrigen erhöht und den Betrübten emporhilft.

  12. Er macht zunichte die Pläne der Klugen, so daß ihre Hand sie nicht ausführen kann.

  13. Er fängt die Weisen in ihrer Klugheit und stürzt den Rat der Verkehrten,

  14. daß sie am Tage in Finsternis laufen und tappen am Mittag wie in der Nacht.

  15. Er hilft dem Armen vom Schwert und den Elenden von der Hand des Mächtigen.

  16. Dem Armen wird Hoffnung zuteil, und die Bosheit muß ihren Mund zuhalten.

  17. Siehe, selig ist der Mensch, den Gott zurechtweist; darum widersetze dich der Zucht des Allmächtigen nicht.

  18. Denn er verletzt und verbindet; er zerschlägt, und seine Hand heilt.

  19. In sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in sieben wird dich kein Übel anrühren.

  20. In der Hungersnot wird er dich vom Tod erlösen und im Kriege von des Schwertes Gewalt.

  21. Er wird dich verbergen vor der Geißel der Zunge, daß du dich nicht fürchten mußt, wenn Verderben kommt.

  22. Über Verderben und Hunger wirst du lachen und dich vor den wilden Tieren im Lande nicht fürchten.

  23. Denn dein Bund wird sein mit den Steinen auf dem Felde, und die wilden Tiere werden Frieden mit dir halten,

  24. und du wirst erfahren, daß deine Hütte Frieden hat, und du wirst deine Stätte überschauen und nichts vermissen,

  25. und du wirst erfahren, daß deine Kinder sich mehren und deine Nachkommen wie das Gras auf Erden sind,

  26. und du wirst im Alter zu Grabe kommen, wie Garben eingebracht werden zur rechten Zeit.

  27. Siehe, das haben wir erforscht, so ist es; darauf höre und merke du dir's.

Hiobs erste Antwort an Eliphas

Kapitel 6

  1. Hiob antwortete und sprach:

  2. Wenn man doch meinen Kummer wägen und mein Leiden zugleich auf die Waage legen wollte!

  3. Denn nun ist es schwerer als Sand am Meer; darum sind meine Worte noch unbedacht.

  4. Denn die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir; mein Geist muß ihr Gift trinken, und die Schrecknisse Gottes sind auf mich gerichtet.

  5. Schreit denn der Wildesel, wenn er Gras hat, oder brüllt der Stier, wenn er sein Futter hat?

  6. Ißt man denn Fades, ohne es zu salzen, oder hat Eiweiß Wohlgeschmack?

  7. Meine Seele sträubt sich, es anzurühren; es ist, als wäre mein Brot unrein.

  8. Könnte meine Bitte doch geschehen und Gott mir geben, was ich hoffe!

  9. Daß mich doch Gott erschlagen wollte und seine Hand ausstreckte und mir den Lebensfaden abschnitte!

  10. So hätte ich noch diesen Trost und wollte fröhlich springen – ob auch der Schmerz mich quält ohne Erbarmen -, daß ich nicht verleugnet habe die Worte des Heiligen.

  11. Was ist meine Kraft, daß ich ausharren könnte; und welches Ende wartet auf mich, daß ich geduldig sein sollte?

  12. Ist doch meine Kraft nicht aus Stein und mein Fleisch nicht aus Erz.

  13. Hab ich denn keine Hilfe mehr, und gibt es keinen Rat mehr für mich?

  14. Wer Barmherzigkeit seinem Nächsten verweigert, der gibt die Furcht vor dem Allmächtigen auf.

  15. Meine Brüder trügen wie ein Bach, wie das Bett der Bäche, die versickern,

  16. die erst trübe sind vom Eis, darin der Schnee sich birgt,

  17. doch zur Zeit, wenn die Hitze kommt, versiegen sie; wenn es heiß wird, vergehen sie von ihrer Stätte:

  18. Ihr Weg windet sich dahin und verläuft, sie gehen hin ins Nichts und verschwinden.

  19. Die Karawanen von Tema blickten aus auf sie, die Karawanen von Saba hofften auf sie;

  20. aber sie wurden zuschanden über ihrer Hoffnung und waren betrogen, als sie dahin kamen.

  21. So seid ihr jetzt für mich geworden; weil ihr Schrecknisse seht, fürchtet ihr euch.

  22. Hab ich denn gesagt: Schenkt mir etwas und bezahlt für mich von eurem Vermögen

  23. und errettet mich aus der Hand des Feindes und kauft mich los von der Hand der Gewalttätigen?

  24. Belehret mich, so will ich schweigen, und worin ich geirrt habe, darin unterweist mich!

  25. Wie kräftig sind doch redliche Worte! Aber euer Tadeln, was beweist das?

  26. Gedenkt ihr, Worte zu rügen? Aber die Rede eines Verzweifelnden verhallt im Wind.

  27. Ihr freilich könntet wohl über eine arme Waise das Los werfen und euren Nächsten verschachern.

  28. Nun aber hebt doch an und seht auf mich, ob ich euch ins Angesicht lüge.

  29. Kehrt doch um, damit nicht Unrecht geschehe! Kehrt um! Noch habe ich recht darin!

  30. Ist denn auf meiner Zunge Unrecht, oder sollte mein Gaumen Böses nicht merken?

Kapitel 7

  1. Muß nicht der Mensch immer im Dienst stehen auf Erden, und sind seine Tage nicht wie die eines Tagelöhners?

  2. Wie ein Knecht sich sehnt nach dem Schatten und ein Tagelöhner auf seinen Lohn wartet,

  3. so hab ich wohl ganze Monate vergeblich gearbeitet, und viele elende Nächte sind mir geworden.

  4. Wenn ich mich niederlegte, sprach ich: Wann werde ich aufstehen? Bin ich aufgestanden, so wird mir's lang bis zum Abend und mich quälte die Unruhe bis zur Dämmerung.

  5. Mein Fleisch ist um und um eine Beute des Gewürms und faulig, meine Haut ist verschrumpft und voller Eiter.

  6. Meine Tage sind schneller dahingeflogen als ein Weberschiffchen und sind vergangen ohne Hoffnung.

  7. Bedenke, daß mein Leben ein Hauch ist und meine Augen nicht wieder Gutes sehen werden.

  8. Und kein lebendiges Auge wird mich mehr schauen; sehen deine Augen nach mir, so bin ich nicht mehr.

  9. Eine Wolke vergeht und fährt dahin: so kommt nicht wieder herauf, wer zu den Toten hinunterfährt;

  10. er kommt nicht zurück, und seine Stätte kennt ihn nicht mehr.

  11. Darum will auch ich meinem Munde nicht wehren. Ich will reden in der Angst meines Herzens und will klagen in der Betrübnis meiner Seele.

  12. Bin ich denn das Meer oder der Drache, daß du eine Wache gegen mich aufstellst?

  13. Wenn ich dachte, mein Bett soll mich trösten, mein Lager soll mir meinen Jammer erleichtern,

  14. so erschrecktest du mich mit Träumen und machtest mir Grauen durch Gesichte,

  15. daß ich mir wünschte, erwürgt zu sein, und den Tod lieber hätte als meine Schmerzen.

  16. Ich vergehe! Ich leb' ja nicht ewig. Laß ab von mir, denn meine Tage sind nur noch ein Hauch.

  17. Was ist der Mensch, daß du ihn groß achtest und dich um ihn bekümmerst?

  18. Jeden Morgen suchst du ihn heim und prüfst ihn alle Stunden.

  19. Warum blickst du nicht einmal von mir weg und läßt mir keinen Atemzug Ruhe?

  20. Hab ich gesündigt, was tue ich dir damit an, du Menschenhüter? Warum machst du mich zum Ziel deiner Anläufe, daß ich mir selbst eine Last bin?

  21. Und warum vergibst du mir meine Sünde nicht oder läßt meine Schuld hingehen? Denn nun werde ich mich in die Erde legen, und wenn du mich suchst, werde ich nicht mehr dasein.

Bildads erste Rede

Kapitel 8

  1. Da hob Bildad von Schuach an und sprach:

  2. Wie lange willst du so reden und sollen die Reden deines Mundes so ungestüm daherfahren?

  3. Meinst du, daß Gott unrecht richtet oder der Allmächtige das Recht verkehrt?

  4. Haben deine Söhne vor ihm gesündigt, so hat er sie verstoßen um ihrer Sünde willen.

  5. Wenn du aber dich beizeiten zu Gott wendest und zu dem Allmächtigen flehst,

  6. wenn du rein und fromm bist, so wird er deinetwegen aufwachen und wird wieder aufrichten deine Wohnung, wie es dir zusteht.

  7. Und was du zuerst wenig gehabt hast, wird hernach sehr zunehmen.

  8. Denn frage die früheren Geschlechter und merke auf das, was ihre Väter erforscht haben,

  9. denn wir sind von gestern her und wissen nichts; unsere Tage sind ein Schatten auf Erden.

  10. Sie werden dich's lehren und dir sagen und ihre Rede aus ihrem Herzen hervorbringen:

  11. «Kann auch Rohr aufwachsen, wo es nicht feucht ist, oder Schilf wachsen ohne Wasser?

  12. Noch steht's in Blüte, bevor man es schneidet, da verdorrt es schon vor allem Gras.

  13. So geht es jedem, der Gott vergißt, und die Hoffnung des Ruchlosen wird verloren sein.

  14. Denn seine Zuversicht vergeht, und seine Hoffnung ist ein Spinnweb.

  15. Er verläßt sich auf sein Haus, aber es hält nicht stand; er hält sich daran, aber es bleibt nicht stehen.

  16. Er steht voll Saft im Sonnenschein, und seine Reiser wachsen hinaus über seinen Garten.

  17. Über Steinhaufen schlingen sich seine Wurzeln und halten sich zwischen Steinen fest.

  18. Wenn man ihn aber vertilgt von seiner Stätte, so wird sie ihn verleugnen, als kennte sie ihn nicht.

  19. Siehe, das ist das Glück seines Lebens, und aus dem Staube werden andre wachsen.»

  20. Siehe, Gott verwirft die Frommen nicht und hält die Hand der Boshaften nicht fest,

  21. bis er deinen Mund voll Lachens mache und deine Lippen voll Jauchzens.

  22. Die dich aber hassen, müssen sich in Schmach kleiden, und die Hütte der Gottlosen wird nicht bestehen.

Hiobs erste Antwort an Bildad

Kapitel 9

  1. Hiob antwortete und sprach:

  2. Ja, ich weiß sehr gut, daß es so ist und daß ein Mensch nicht recht behalten kann gegen Gott.

  3. Hat er Lust, mit ihm zu streiten, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten.

  4. Gott ist weise und mächtig; wem ist's je gelungen, der sich gegen ihn gestellt hat?

  5. Er versetzt Berge, ehe sie es innewerden; er kehrt sie um in seinem Zorn.

  6. Er bewegt die Erde von ihrem Ort, daß ihre Pfeiler zittern.

  7. Er spricht zur Sonne, so geht sie nicht auf, und versiegelt die Sterne.

  8. Er allein breitet den Himmel aus und geht auf den Wogen des Meers.

  9. Er macht den Wagen am Himmel und den Orion und das Siebengestirn und die Sterne des Südens.

  10. Er tut große Dinge, die nicht zu erforschen, und Wunder, die nicht zu zählen sind.

  11. Siehe, er geht an mir vorüber, ohne daß ich's gewahr werde, und wandelt vorbei, ohne daß ich's merke.

  12. Siehe, wenn er wegrafft, wer will ihm wehren? Wer will zu ihm sagen: Was machst du?

  13. Gott wehrt seinem Zorn nicht; unter ihn mußten sich beugen die Helfer Rahabs.

  14. Wie sollte denn ich ihm antworten und Worte finden vor ihm?

  15. Wenn ich auch recht habe, so kann ich ihm doch nicht antworten, sondern ich müßte um mein Recht flehen.

  16. Wenn ich ihn auch anrufe, daß er mir antwortet, so glaube ich nicht, daß er meine Stimme hört,

  17. vielmehr greift er nach mir im Wettersturm und schlägt mir viele Wunden ohne Grund.

  18. Er läßt mich nicht Atem schöpfen, sondern sättigt mich mit Bitternis.

  19. Geht es um Macht und Gewalt: Er hat sie. Geht es um Recht: Wer will ihn vorladen?

  20. Wäre ich gerecht, so müßte mich doch mein Mund verdammen; wäre ich unschuldig, so würde er mich doch schuldig sprechen.

  21. Ich bin unschuldig! Ich möchte nicht mehr leben; ich verachte mein Leben.

  22. Es ist eins, darum sage ich: Er bringt den Frommen um wie den Gottlosen.

  23. Wenn seine Geißel plötzlich tötet, so spottet er über die Verzweiflung der Unschuldigen.

  24. Er hat die Erde unter gottlose Hände gegeben, und das Antlitz ihrer Richter verhüllt er. Wenn nicht er, wer anders sollte es tun?

  25. Meine Tage sind schneller gewesen als ein Läufer; sie sind dahingeflohen und haben nichts Gutes erlebt.

  26. Sie sind dahingefahren wie schnelle Schiffe, wie ein Adler herabstößt auf die Beute.

  27. Wenn ich denke: Ich will meine Klage vergessen und mein Angesicht ändern und heiter bleiben,

  28. so fürchte ich doch wieder alle meine Schmerzen, weil ich weiß, daß du mich nicht unschuldig sprechen wirst.

  29. Ich soll ja doch schuldig sein! Warum mühe ich mich denn so vergeblich?

  30. Wenn ich mich auch mit Schneewasser wüsche und reinigte meine Hände mit Lauge,

  31. so wirst du mich doch eintauchen in die Grube, daß sich meine Kleider vor mir ekeln.

  32. Denn er ist nicht ein Mensch wie ich, dem ich antworten könnte, daß wir miteinander vor Gericht gingen.

  33. Daß es doch zwischen uns einen Schiedsmann gäbe, der seine Hand auf uns beide legte!

  34. Daß er seine Rute von mir nehme und mich nicht mehr ängstige!

  35. So wollte ich reden und mich nicht vor ihm fürchten, denn ich bin mir keiner Schuld bewußt.

Kapitel 10

  1. Mich ekelt mein Leben an. Ich will meiner Klage ihren Lauf lassen und reden in der Betrübnis meiner Seele

  2. und zu Gott sagen: Verdamme mich nicht! Laß mich wissen, warum du mich vor Gericht ziehst.

  3. Gefällt dir's, daß du Gewalt tust und verwirfst mich, den deine Hände gemacht haben, und bringst der Gottlosen Vorhaben zu Ehren?

  4. Hast du denn Menschenaugen, oder siehst du, wie ein Sterblicher sieht?

  5. Oder ist deine Zeit wie eines Menschen Zeit oder deine Jahre wie eines Mannes Jahre,

  6. daß du nach meiner Schuld fragst und nach meiner Sünde suchst,

  7. wo du doch weißt, daß ich nicht schuldig bin und niemand da ist, der aus deiner Hand erretten kann?

  8. Deine Hände haben mich gebildet und bereitet; danach hast du dich abgewandt und willst mich verderben?

  9. Bedenke doch, daß du mich aus Erde gemacht hast, und läßt mich wieder zum Staub zurückkehren?

  10. Hast du mich nicht wie Milch hingegossen und wie Käse gerinnen lassen?

  11. Du hast mir Haut und Fleisch angezogen; mit Knochen und Sehnen hast du mich zusammengefügt;

  12. Leben und Wohltat hast du an mir getan, und deine Obhut hat meinen Odem bewahrt.

  13. Aber du verbargst in deinem Herzen – ich weiß, du hattest das im Sinn -,

  14. daß du darauf achten wolltest, wenn ich sündigte, und mich von meiner Schuld nicht lossprechen.

  15. Wäre ich schuldig, dann wehe mir! Und wäre ich schuldlos, so dürfte ich doch mein Haupt nicht erheben, gesättigt mit Schmach und getränkt mit Elend.

  16. Und wenn ich es aufrichtete, so würdest du mich jagen wie ein Löwe und wiederum erschreckend an mir handeln.

  17. Du würdest immer neue Zeugen gegen mich stellen und deinen Zorn auf mich noch mehren und immer neue Heerhaufen gegen mich senden.

  18. Warum hast du mich aus meiner Mutter Leib kommen lassen? Ach daß ich umgekommen wäre und mich nie ein Auge gesehen hätte!

  19. So wäre ich wie die, die nie gewesen sind, vom Mutterleib weg zum Grabe gebracht.

  20. Ist denn mein Leben nicht kurz? So höre auf und laß ab von mir, daß ich ein wenig erquickt werde,

  21. ehe denn ich hingehe – und komme nicht zurück – ins Land der Finsternis und des Dunkels,

  22. ins Land, wo es stockfinster ist und dunkel ohne alle Ordnung, und wenn's hell wird, so ist es immer noch Finsternis.

Zophars erste Rede

Kapitel 11

  1. Da hob Zophar von Naama an und sprach:

  2. Muß langes Gerede ohne Antwort bleiben? Muß denn ein Schwätzer immer recht haben?

  3. Müssen Männer zu deinem leeren Gerede schweigen, daß du spottest und niemand dich beschämt?

  4. Du sprichst: «Meine Rede ist rein, und lauter bin ich vor deinen Augen.»

  5. Ach, daß Gott mit dir redete und täte seine Lippen auf

  6. und zeigte dir die Tiefen der Weisheit – denn sie ist zu wunderbar für jede Erkenntnis -, damit du weißt, daß er noch nicht an alle deine Sünden denkt.

  7. Meinst du, daß du weißt, was Gott weiß, oder kannst du alles so vollkommen treffen wie der Allmächtige?

  8. Die Weisheit ist höher als der Himmel: was willst du tun? tiefer als die Hölle: was kannst du wissen?

  9. länger als die Erde und breiter als das Meer:

  10. wenn er daherfährt und gefangen legt und Gericht hält – wer will's ihm wehren?

  11. Denn er kennt die heillosen Leute; er sieht den Frevel und sollte es nicht merken?

  12. Kann ein Hohlkopf verständig werden, kann ein junger Wildesel als Mensch zur Welt kommen?

  13. Wenn aber du dein Herz auf ihn richtest und deine Hände zu ihm ausbreitest,

  14. wenn du den Frevel in deiner Hand von dir wegtust, daß in deiner Hütte kein Unrecht bliebe:

  15. so könntest du dein Antlitz aufheben ohne Tadel und würdest fest sein und dich nicht fürchten.

  16. Dann würdest du alle Mühsal vergessen und so wenig daran denken wie an Wasser, das verrinnt,

  17. und dein Leben würde aufgehen wie der Mittag, und das Finstre würde ein lichter Morgen werden,

  18. und du dürftest dich trösten, daß Hoffnung da ist, würdest rings um dich blicken und dich in Sicherheit schlafen legen,

  19. würdest ruhen, und niemand würde dich aufschrecken, und viele würden deine Gunst erbitten.

  20. Aber die Augen der Gottlosen werden verschmachten, und sie werden nicht entrinnen können, und als ihre Hoffnung bleibt, die Seele auszuhauchen.

Hiobs erste Antwort an Zophar

Kapitel 12

  1. Da antwortete Hiob und sprach:

  2. Ja, ihr seid die Leute, mit euch wird die Weisheit sterben!

  3. Ich hab ebenso Verstand wie ihr und bin nicht geringer als ihr; wer wüßte das nicht?

  4. Ich muß von meinem Nächsten verlacht sein, der ich Gott anrief und den er erhörte. Der Gerechte und Fromme muß verlacht sein.

  5. Dem Unglück gebührt Verachtung, so meint der Sichere; ein Stoß denen, deren Fuß schon wankt!

  6. Die Hütten der Verwüster stehen ganz sicher, und Ruhe haben, die wider Gott toben, die Gott in ihrer Faust führen.

  7. Frage doch das Vieh, das wird dich's lehren, und die Vögel unter dem Himmel, die werden dir's sagen,

  8. oder die Sträucher der Erde, die werden dich's lehren, und die Fische im Meer werden dir's erzählen.

  9. Wer erkennte nicht an dem allen, daß des HERRN Hand das gemacht hat,

  10. daß in seiner Hand ist die Seele von allem, was lebt, und der Lebensodem aller Menschen?

  11. Prüft nicht das Ohr die Rede, wie der Mund die Speise schmeckt?

  12. Bei den Großvätern nur soll Weisheit sein und Verstand nur bei den Alten?

  13. Bei Gott ist Weisheit und Gewalt, sein ist Rat und Verstand.

  14. Siehe, wenn er zerbricht, so hilft kein Bauen; wenn er jemand einschließt, kann niemand aufmachen.

  15. Siehe, wenn er das Wasser zurückhält, so wird alles dürr, und wenn er's losläßt, so wühlt es das Land um.

  16. Bei ihm ist Kraft und Einsicht. Sein ist, der da irrt und der irreführt.

  17. Er führt die Ratsherren gefangen und macht die Richter zu Toren.

  18. Er macht frei von den Banden der Könige und umgürtet Lenden mit einem Gurt.

  19. Er führt die Priester barfuß davon und bringt zu Fall die alten Geschlechter.

  20. Er entzieht die Sprache den Verläßlichen und nimmt weg den Verstand der Alten.

  21. Er schüttet Verachtung auf die Fürsten und zieht den Gewaltigen die Rüstung aus.

  22. Er öffnet die finstern Schluchten und bringt heraus das Dunkel ans Licht.

  23. Er macht Völker groß und bringt sie wieder um; er breitet ein Volk aus und treibt's wieder weg.

  24. Er nimmt den Häuptern des Volks im Lande den Mut und führt sie irre, wo kein Weg ist,

  25. daß sie in der Finsternis tappen ohne Licht, und macht sie irre wie die Trunkenen.

Kapitel 13

  1. Siehe, das hat alles mein Auge gesehen und mein Ohr gehört, und ich hab's verstanden.

  2. Was ihr wißt, das weiß ich auch, und ich bin nicht geringer als ihr.

  3. Doch ich wollte gern zu dem Allmächtigen reden und wollte rechten mit Gott.

  4. Aber ihr seid Lügentüncher und seid alle unnütze Ärzte.

  5. Wollte Gott, daß ihr geschwiegen hättet, so wäret ihr weise geblieben.

  6. Hört doch, wie ich mich verantworte, und merkt auf die Streitsache, von der ich rede!

  7. Wollt ihr Gott verteidigen mit Unrecht und Trug für ihn reden?

  8. Wollt ihr für ihn Partei nehmen? Wollt ihr Gottes Sache vertreten?

  9. Wird's euch auch wohlgehen, wenn er euch verhören wird? Meint ihr, daß ihr ihn täuschen werdet, wie man einen Menschen täuscht?

  10. Er wird euch hart zurechtweisen, wenn ihr heimlich Partei ergreift.

  11. Werdet ihr euch nicht entsetzen, wenn er sich erhebt, und wird sein Schrecken nicht über euch fallen?

  12. Was ihr zu bedenken gebt, sind Sprüche aus Asche; eure Bollwerke werden zu Lehmhaufen.

  13. Schweigt still und laßt mich reden; es komme über mich, was da will.

  14. Was soll ich mein Fleisch mit meinen Zähnen festhalten und mein Leben aufs Spiel setzen?

  15. Siehe, er wird mich doch umbringen, und ich habe nichts zu hoffen; doch will ich meine Wege vor ihm verantworten.

  16. Auch das muß mir zum Heil sein; denn es kommt kein Ruchloser vor ihn.

  17. Hört meine Rede und, was ich darlege, mit euren Ohren!

  18. Siehe, ich bin zum Rechtsstreit gerüstet; ich weiß, daß ich recht behalten werde.

  19. Wer ist, der mit mir rechten könnte? Denn dann wollte ich schweigen und zugrunde gehen.

  20. Nur zweierlei tu mir nicht, so will ich mich vor dir nicht verbergen:

  21. laß deine Hand fern von mir sein, und dein Schrecken erschrecke mich nicht;

  22. dann rufe, ich will dir antworten, oder ich will reden, dann antworte du mir!

  23. Wie groß ist meine Schuld und Sünde? Laß mich wissen meine Übertretung und Sünde.

  24. Warum verbirgst du dein Antlitz und hältst mich für deinen Feind?

  25. Willst du ein verwehendes Blatt schrecken und einen dürren Halm verfolgen,

  26. daß du so Bitteres über mich verhängst und über mich bringst die Sünden meiner Jugend?

  27. Du hast meinen Fuß in den Block gelegt und hast acht auf alle meine Pfade und siehst auf die Fußtapfen meiner Füße,

  28. der ich doch wie Moder vergehe und wie ein Kleid, das die Motten fressen.

Kapitel 14

  1. Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe,

  2. geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht.

  3. Doch du tust deine Augen über einen solchen auf, daß du mich vor dir ins Gericht ziehst.

  4. Kann wohl ein Reiner kommen von Unreinen? Auch nicht einer!

  5. Sind seine Tage bestimmt, steht die Zahl seiner Monde bei dir und hast du ein Ziel gesetzt, das er nicht überschreiten kann:

  6. so blicke doch weg von ihm, damit er Ruhe hat, bis sein Tag kommt, auf den er sich wie ein Tagelöhner freut.

  7. Denn ein Baum hat Hoffnung, auch wenn er abgehauen ist; er kann wieder ausschlagen, und seine Schößlinge bleiben nicht aus.

  8. Ob seine Wurzel in der Erde alt wird und sein Stumpf im Boden erstirbt,

  9. so grünt er doch wieder vom Geruch des Wassers und treibt Zweige wie eine junge Pflanze.

  10. Stirbt aber ein Mann, so ist er dahin; kommt ein Mensch um – wo ist er?

  11. Wie Wasser ausläuft aus dem See, und wie ein Strom versiegt und vertrocknet,

  12. so ist ein Mensch, wenn er sich niederlegt, er wird nicht wieder aufstehen; er wird nicht aufwachen, solange der Himmel bleibt, noch von seinem Schlaf erweckt werden.

  13. Ach daß du mich im Totenreich verwahren und verbergen wolltest, bis dein Zorn sich legt, und mir ein Ziel setzen und dann an mich denken wolltest!

  14. Meinst du, ein toter Mensch wird wieder leben? Alle Tage meines Dienstes wollte ich harren, bis meine Ablösung kommt.

  15. Du würdest rufen und ich dir antworten; es würde dich verlangen nach dem Werk deiner Hände.

  16. Dann würdest du meine Schritte zählen, aber hättest doch nicht acht auf meine Sünden.

  17. Du würdest meine Übertretung in ein Bündlein versiegeln und meine Schuld übertünchen.

  18. Ein Berg kann zerfallen und vergehen und ein Fels von seiner Stätte weichen,

  19. Wasser wäscht Steine weg, und seine Fluten schwemmen die Erde weg: so machst du die Hoffnung des Menschen zunichte.

  20. Du überwältigst ihn für immer, daß er davon muß, entstellst sein Antlitz und läßt ihn dahinfahren.

  21. Sind seine Kinder in Ehren, das weiß er nicht, oder ob sie verachtet sind, das wird er nicht gewahr.

  22. Nur sein eigenes Fleisch macht ihm Schmerzen, und nur um ihn selbst trauert seine Seele.

Des Eliphas zweite Rede

Kapitel 15

  1. Da antwortete Eliphas von Teman und sprach:

  2. Soll ein weiser Mann so aufgeblasene Worte reden und seinen Bauch so blähen mit leeren Reden?

  3. Du verantwortest dich mit Worten, die nichts taugen, und dein Reden ist nichts nütze.

  4. Du selbst zerstörst die Gottesfurcht und raubst dir die Andacht vor Gott.

  5. Denn deine Schuld lehrt deinen Mund, und du hast erwählt eine listige Zunge.

  6. Dein Mund verdammt dich und nicht ich, deine Lippen zeugen gegen dich.

  7. Bist du als der erste Mensch geboren? Kamst du vor den Hügeln zur Welt?

  8. Hast du im heimlichen Rat Gottes zugehört und die Weisheit an dich gerissen?

  9. Was weißt du, das wir nicht wissen? Was verstehst du, das uns nicht bekannt ist?

  10. Es sind Ergraute und Alte unter uns, die länger gelebt haben als dein Vater.

  11. Gelten Gottes Tröstungen so gering bei dir und ein Wort, das sanft mit dir verfuhr?

  12. Was reißt dein Herz dich fort? Was funkeln deine Augen,

  13. daß sich dein Mut wider Gott richtet und du solche Reden aus deinem Munde läßt?

  14. Was ist der Mensch, daß er rein sein sollte, und daß der gerecht sein sollte, der vom Weibe geboren ist?

  15. Siehe, seinen Heiligen traut Gott nicht, und selbst die Himmel sind nicht rein vor ihm.

  16. Wieviel weniger der Mensch, der greulich und verderbt ist, der Unrecht säuft wie Wasser!

  17. Ich will dir's zeigen, höre mir zu, und ich will dir erzählen, was ich gesehen habe,

  18. was die Weisen gesagt und ihre Väter ihnen nicht verborgen haben,

  19. denen allein das Land gegeben war, so daß kein Fremder unter ihnen umherzog:

  20. Der Gottlose bebt sein Leben lang, und dem Tyrannen ist die Zahl seiner Jahre verborgen.

  21. Stimmen des Schreckens hört sein Ohr, und mitten im Frieden kommt der Verderber über ihn.

  22. Er glaubt nicht, daß er dem Dunkel entrinnen könne, und fürchtet immer das Schwert.

  23. Er zieht hin und her nach Brot und weiß, daß ihm der Tag der Finsternis bereitet ist.

  24. Angst und Not schrecken ihn und schlagen ihn nieder wie ein König, der angreift.

  25. Denn er hat seine Hand gegen Gott ausgereckt und dem Allmächtigen getrotzt.

  26. Er läuft mit dem Kopf gegen ihn an und ficht halsstarrig wider ihn.

  27. Er brüstet sich wie ein fetter Wanst und macht sich feist und dick.

  28. Er wohnt in zerstörten Städten, in Häusern, wo man nicht bleiben soll, die zu Steinhaufen bestimmt sind.

  29. Doch wird er nicht reich bleiben, und sein Gut wird nicht bestehen, und sein Besitz wird sich nicht ausbreiten im Lande.

  30. Er wird der Finsternis nicht entrinnen. Die Flamme wird seine Zweige verdorren, und Gott wird ihn durch den Hauch seines Mundes wegraffen.

  31. Er traue nicht auf Trug, sonst wird er betrogen sein, und Trug wird sein Lohn werden.

  32. Er wird ihm voll ausgezahlt werden noch vor der Zeit, und sein Zweig wird nicht mehr grünen.

  33. Er gleicht dem Weinstock, der die Trauben unreif abstößt, und dem Ölbaum, der seine Blüte abwirft.

  34. Denn die Rotte der Ruchlosen wird unfruchtbar bleiben, und das Feuer wird die Hütten der Bestechlichen fressen.

  35. Sie gehen schwanger mit Mühsal und gebären Unglück, und ihr Schoß bringt Trug zur Welt.

Hiobs zweite Antwort an Eliphas

Kapitel 16

  1. Hiob antwortete und sprach:

  2. Ich habe das schon oft gehört. Ihr seid allzumal leidige Tröster!

  3. Wollen die leeren Worte kein Ende haben? Oder was reizt dich, so zu reden?

  4. Auch ich könnte wohl reden wie ihr, wärt ihr an meiner Stelle. Auch ich könnte Worte gegen euch zusammenbringen und mein Haupt über euch schütteln.

  5. Ich würde euch stärken mit dem Munde und mit meinen Lippen trösten.

  6. Aber wenn ich schon redete, so würde mich mein Schmerz nicht verschonen; hörte ich auf zu reden, so bliebe er dennoch bei mir.

  7. Nun aber hat Er mich müde gemacht und alles verstört, was um mich ist.

  8. Er hat mich runzlig gemacht, das zeugt wider mich, und mein Siechtum steht wider mich auf und verklagt mich ins Angesicht.

  9. Sein Grimm hat mich zerrissen, und er war mir feind; er knirschte mit den Zähnen gegen mich; mein Widersacher funkelt mich mit seinen Augen an.

  10. Sie haben ihren Mund aufgesperrt wider mich und haben mich schmählich auf meine Backen geschlagen. Sie haben ihren Mut miteinander an mir gekühlt.

  11. Gott hat mich übergeben dem Ungerechten und hat mich in die Hände der Gottlosen kommen lassen.

  12. Ich war in Frieden, aber er hat mich zunichte gemacht; er hat mich beim Genick genommen und zerschmettert. Er hat mich als seine Zielscheibe aufgerichtet;

  13. seine Pfeile schwirren um mich her. Er hat meine Nieren durchbohrt und nicht verschont; er hat meine Galle auf die Erde geschüttet.

  14. Er schlägt in mich eine Bresche nach der andern; er läuft gegen mich an wie ein Kriegsmann.

  15. Ich habe einen Sack um meinen Leib gelegt und mein Haupt in den Staub gebeugt.

  16. Mein Antlitz ist gerötet vom Weinen, auf meinen Wimpern liegt Dunkelheit,

  17. obwohl kein Frevel in meiner Hand und mein Gebet rein ist.

  18. Ach Erde, bedecke mein Blut nicht, und mein Schreien finde keine Ruhestatt!

  19. Siehe, auch jetzt noch ist mein Zeuge im Himmel, und mein Fürsprecher ist in der Höhe.

  20. Meine Freunde verspotten mich; unter Tränen blickt mein Auge zu Gott auf,

  21. daß er Recht verschaffe dem Mann bei Gott, dem Menschen vor seinem Freund.

  22. Denn nur wenige Jahre noch, und ich gehe den Weg, den ich nicht wiederkommen werde.

Kapitel 17

  1. Mein Geist ist zerbrochen, meine Tage sind ausgelöscht; das Grab ist da.

  2. Fürwahr, Gespött umgibt mich, und auf ihrem Hadern muß mein Auge weilen.

  3. Sei du selbst mein Bürge bei dir – wer will mich sonst vertreten?

  4. Denn du hast ihrem Herzen den Verstand verborgen, darum wirst du ihnen den Sieg nicht geben.

  5. Zum Teilen lädt einer Freunde ein, doch die Augen seiner Kinder müssen verschmachten.

  6. Er hat mich zum Sprichwort unter den Leuten gemacht, und ich muß mir ins Angesicht speien lassen.

  7. Mein Auge ist dunkel geworden vor Trauern, und alle meine Glieder sind wie ein Schatten.

  8. Darüber entsetzen sich die Gerechten, und die Unschuldigen entrüsten sich über die Ruchlosen.

  9. Aber der Gerechte hält fest an seinem Weg, und wer reine Hände hat, nimmt an Stärke zu.

  10. Wohlan, kehrt euch alle wieder her und kommt; ich werde dennoch keinen Weisen unter euch finden!

  11. Meine Tage sind vergangen; zerrissen sind meine Pläne, die mein Herz besessen haben.

  12. Nacht will man mir zum Tag machen: Licht sei näher als Finsternis.

  13. Wenn ich auch lange warte, so ist doch bei den Toten mein Haus, und in der Finsternis ist mein Bett gemacht.

  14. Das Grab nenne ich meinen Vater und die Würmer meine Mutter und meine Schwester.

  15. Worauf soll ich denn hoffen? Und wer sieht noch Hoffnung für mich?

  16. Hinunter zu den Toten wird sie fahren, wenn alle miteinander im Staub liegen.

Bildads zweite Rede

Kapitel 18

  1. Da antwortete Bildad von Schuach und sprach:

  2. Wie lange wollt ihr auf Worte Jagd machen? Habt doch Einsicht; danach wollen wir reden!

  3. Warum werden wir geachtet wie Vieh und sind so töricht in euren Augen?

  4. Willst du vor Zorn bersten? Soll um deinetwillen die Erde veröden und der Fels von seiner Stätte weichen?

  5. Dennoch wird das Licht der Gottlosen verlöschen, und der Funke seines Feuers wird nicht leuchten.

  6. Das Licht wird finster werden in seiner Hütte und seine Leuchte über ihm verlöschen.

  7. Seine kräftigen Schritte werden kürzer, und sein eigener Plan wird ihn fällen.

  8. Ins Garn bringen ihn seine Füße, und über Fanggruben führt sein Weg.

  9. Das Netz wird seine Ferse festhalten, und die Schlinge wird ihn fangen.

  10. Sein Strick ist versteckt in der Erde und seine Falle auf seinem Weg.

  11. Um und um schreckt ihn jähe Angst, daß er nicht weiß, wo er hinaus soll.

  12. Unheil hungert nach ihm, und Unglück steht bereit zu seinem Sturz.

  13. Die Glieder seines Leibes werden verzehrt; seine Glieder wird verzehren der Erstgeborne des Todes.

  14. Er wird aus seiner Hütte verjagt, auf die er vertraute, und hingetrieben zum König des Schreckens.

  15. In seiner Hütte wird wohnen, was nicht zu ihm gehört; über seine Stätte wird Schwefel gestreut.

  16. Unten verdorren seine Wurzeln, und oben verwelken seine Zweige.

  17. Sein Andenken wird vergehen im Lande, und er wird keinen Namen haben auf der Gasse.

  18. Er wird vom Licht in die Finsternis vertrieben und vom Erdboden verstoßen werden.

  19. Er wird keine Kinder haben und keine Enkel unter seinem Volk; es wird ihm keiner übrigbleiben in seinen Wohnungen.

  20. Die im Westen werden sich über seinen Gerichtstag entsetzen, und die im Osten wird Furcht ankommen.

  21. Ja, so geht's der Wohnung des Ungerechten und der Stätte dessen, der Gott nicht achtet.

Hiobs zweite Antwort an Bildad

Kapitel 19

  1. Hiob antwortete und sprach:

  2. Wie lange plagt ihr doch meine Seele und peinigt mich mit Worten!

  3. Ihr habt mich nun zehnmal verhöhnt und schämt euch nicht, mir so zuzusetzen.

  4. Habe ich wirklich geirrt, so trage ich meinen Irrtum selbst.

  5. Wollt ihr euch wahrlich über mich erheben und wollt mir meine Schande beweisen?

  6. So merkt doch endlich, daß Gott mir unrecht getan hat und mich mit seinem Jagdnetz umgeben hat.

  7. Siehe, ich schreie: «Gewalt!» und werde doch nicht gehört; ich rufe, aber kein Recht ist da.

  8. Er hat meinen Weg vermauert, daß ich nicht hinüber kann, und hat Finsternis auf meinen Steig gelegt.

  9. Er hat mir mein Ehrenkleid ausgezogen und die Krone von meinem Haupt genommen.

  10. Er hat mich zerbrochen um und um, daß ich dahinfuhr, und hat meine Hoffnung ausgerissen wie einen Baum.

  11. Sein Zorn ist über mich entbrannt, und er achtet mich seinen Feinden gleich.

  12. Vereint kommen seine Kriegsscharen und haben ihren Weg gegen mich gebaut und sich um meine Hütte her gelagert.

  13. Er hat meine Brüder von mir entfernt, und meine Verwandten sind mir fremd geworden.

  14. Meine Nächsten haben sich zurückgezogen, und meine Freunde haben mich vergessen.

  15. Meinen Hausgenossen und meinen Mägden gelte ich als Fremder; ich bin ein Unbekannter in ihren Augen.

  16. Ich rief meinen Knecht, und er antwortete mir nicht; ich mußte ihn anflehen mit eigenem Munde.

  17. Mein Odem ist zuwider meiner Frau, und den Söhnen meiner Mutter ekelt's vor mir.

  18. Selbst die Kinder geben nichts auf mich; stelle ich mich gegen sie, so geben sie mir böse Worte.

  19. Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt.

  20. Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon*.

    *Wörtlich: nur mit meiner Zähne Haut bin ich davongekommen.

  21. Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen!

  22. Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch?

  23. Ach daß meine Reden aufgeschrieben würden! Ach daß sie aufgezeichnet würden als Inschrift,

  24. mit einem eisernen Griffel in Blei geschrieben, zu ewigem Gedächtnis in einen Fels gehauen!

  25. Aber ich weiß, daß mein Erlöser* lebt, und als der letzte wird er über dem Staub sich erheben.

    *d. i. hier: Gott als Anwalt, der sich zu meiner Verteidigung und Erlösung erhebt. - Luther übersetzte: «Ich weiß, daß mein Erlöser lebet, und er wird mich hernach aus der Erden aufwecken. Und werde danach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen.»

  26. Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen.

  27. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

  28. Wenn ihr sprecht: Wie wollen wir ihn verfolgen und eine Sache gegen ihn finden!,

  29. so fürchtet euch selbst vor dem Schwert; denn das sind Missetaten, die das Schwert straft, damit ihr wißt, daß es ein Gericht gibt.

Zophars zweite Rede

Kapitel 20

  1. Da antwortete Zophar von Naama und sprach:

  2. Darum muß ich antworten, und deswegen kann ich nicht schweigen;

  3. denn ich muß hören, wie man mich schmäht und tadelt, aber der Geist aus meiner Einsicht lehrt mich antworten.

  4. Weißt du nicht, daß es allezeit so gegangen ist, seitdem Menschen auf Erden gewesen sind,

  5. daß das Frohlocken der Gottlosen nicht lange währt und die Freude des Ruchlosen nur einen Augenblick?

  6. Wenn auch sein Scheitel in den Himmel reicht und sein Haupt an die Wolken rührt,

  7. so wird er doch für immer vergehen wie sein Kot, und die ihn gesehen haben, werden sagen: Wo ist er?

  8. Wie ein Traum wird er verfliegen und nicht mehr zu finden sein und wie ein Nachtgesicht verschwinden.

  9. Das Auge, das ihn gesehen hat, wird ihn nicht mehr sehen, und seine Stätte wird ihn nicht mehr schauen.

  10. Seine Söhne werden bei den Armen betteln gehen, und seine Hände müssen seine Habe wieder hergeben.

  11. Sind auch seine Gebeine voll Jugendkraft, so muß sie sich doch mit ihm in den Staub legen.

  12. Wenn ihm auch das Böse in seinem Munde wohlschmeckt, daß er es birgt unter seiner Zunge,

  13. daß er es hegt und nicht losläßt und es zurückhält in seinem Gaumen,

  14. so wird sich doch seine Speise verwandeln in seinem Leibe und wird Otterngift in seinem Bauch.

  15. Die Güter, die er verschlungen hat, muß er wieder ausspeien, und Gott treibt sie aus seinem Bauch heraus.

  16. Er wird Otterngift saugen, und die Zunge der Schlange wird ihn töten.

  17. Er wird nicht sehen die Ströme noch die Bäche, die mit Honig und Milch fließen.

  18. Er wird erwerben und doch nichts davon genießen und über seine eingetauschten Güter nicht froh werden.

  19. Denn er hat unterdrückt und verlassen den Armen; er hat Häuser an sich gerissen, die er nicht erbaut hat.

  20. Denn sein Wanst konnte nicht voll genug werden; mit seinem köstlichen Gut wird er nicht entrinnen.

  21. Nichts entging seiner Freßgier; darum wird sein gutes Leben keinen Bestand haben.

  22. Wenn er auch die Fülle und genug hat, wird ihm doch angst werden; alle Gewalt der Mühsal wird über ihn kommen.

  23. Es soll geschehen: damit er genug bekommt, wird Gott den Grimm seines Zorns über ihn senden und wird über ihn regnen lassen seine Schrecknisse.

  24. Flieht er vor dem eisernen Harnisch, so wird ihn der eherne Bogen durchbohren!

  25. Es dringt das Geschoß aus seinem Rücken, der Blitz des Pfeiles aus seiner Galle; Schrecken fahren über ihn hin.

  26. Alle Finsternis ist für ihn aufgespart. Es wird ihn ein Feuer verzehren, das keiner angezündet hat, und wer übriggeblieben ist in seiner Hütte, dem wird's schlimm ergehen.

  27. Der Himmel wird seine Schuld enthüllen, und die Erde wird sich gegen ihn erheben.

  28. Seine Ernte wird weggeführt werden, zerstreut am Tage seines Zorns.

  29. Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bei Gott und das Erbe, das Gott ihm zugesprochen hat.

Hiobs zweite Antwort an Zophar

Kapitel 21

  1. Hiob antwortete und sprach:

  2. Hört doch meiner Rede zu und laßt mir das eure Tröstung sein!

  3. Ertragt mich, daß ich rede, und danach spottet über mich!

  4. Geht denn gegen einen Menschen meine Klage, oder warum sollte ich nicht ungeduldig sein?

  5. Kehrt euch her zu mir; ihr werdet erstarren und die Hand auf den Mund legen müssen.

  6. Wenn ich daran denke, so erschrecke ich, und Zittern kommt meinen Leib an.

  7. Warum bleiben die Gottlosen am Leben, werden alt und nehmen zu an Kraft?

  8. Ihr Geschlecht ist sicher um sie her, und ihre Nachkommen sind bei ihnen.

  9. Ihr Haus hat Frieden ohne Furcht, und Gottes Rute ist nicht über ihnen.

  10. Ihr Stier bespringt, und es mißrät nicht; ihre Kuh kalbt und wirft nicht fehl.

  11. Ihre kleinen Kinder lassen sie hinaus wie eine Herde, und ihre Knaben springen umher.

  12. Sie jauchzen mit Pauken und Harfen und sind fröhlich mit Flöten.

  13. Sie werden alt bei guten Tagen, und in Ruhe fahren sie hinab zu den Toten,

  14. und doch sagen sie zu Gott: «Weiche von uns, wir wollen von deinen Wegen nichts wissen!

  15. Wer ist der Allmächtige, daß wir ihm dienen sollten? Oder was nützt es uns, wenn wir ihn anrufen?»

  16. «Doch siehe, ihr Glück steht nicht in ihren Händen, und der Rat der Gottlosen ist ferne von mir.»

  17. Wie oft geschieht's denn, daß die Leuchte der Gottlosen verlischt und ihr Unglück über sie kommt, daß Gott Herzeleid über sie austeilt in seinem Zorn,

  18. daß sie werden wie Stroh vor dem Winde und wie Spreu, die der Sturmwind wegführt?

  19. «Gott spart das Unglück des Gottlosen auf für dessen Kinder.» Er vergelte es ihm selbst, daß er's spüre!

  20. Seine Augen mögen sein Verderben sehen, und vom Grimm des Allmächtigen möge er trinken!

  21. Denn was liegt ihm an seinem Hause nach seinem Tode, wenn die Zahl seiner Monde zu Ende ist?

  22. Wer will Gott Weisheit lehren, der auch die Hohen richtet?

  23. Der eine stirbt frisch und gesund in allem Reichtum und voller Genüge,

  24. sein Melkfaß ist voll Milch, und sein Gebein wird gemästet mit Mark;

  25. der andere aber stirbt mit verbitterter Seele und hat nie vom Glück gekostet -

  26. und doch liegen beide miteinander in der Erde, und Gewürm deckt sie zu.

  27. Siehe, ich kenne eure Gedanken und eure Ränke, mit denen ihr mir Unrecht antut.

  28. Denn ihr sprecht: «Wo ist das Haus des Fürsten, und wo ist die Hütte, in der die Gottlosen wohnten?»

  29. Habt ihr nicht befragt, die des Weges kommen, und nicht auf ihre Zeichen geachtet,

  30. daß nämlich der Böse erhalten wird am Tage des Verderbens und am Tage des Grimms bleibt?

  31. Wer sagt ihm ins Angesicht, was er verdient? Wer vergilt ihm, was er getan hat?

  32. Wird er doch zu Grabe geleitet, und man hält Wache über seinem Hügel!

  33. Süß sind ihm die Schollen des Grabes, und alle Menschen ziehen ihm nach, und die ihm vorangehen, sind nicht zu zählen.

  34. Wie tröstet ihr mich mit Nichtigkeiten, und von euren Antworten bleibt nichts als Trug!

Des Eliphas letzte Rede

Kapitel 22

  1. Da antwortete Eliphas von Teman und sprach:

  2. Kann denn ein Mann Gott etwas nützen? Nur sich selber nützt ein Kluger.

  3. Meinst du, der Allmächtige habe Vorteil davon, daß du gerecht bist? Was hilft's ihm, selbst wenn deine Wege ohne Tadel sind?

  4. Meinst du: er wird dich wegen deiner Gottesfurcht zurechtweisen und mit dir ins Gericht gehen?

  5. Ist deine Bosheit nicht zu groß, und sind deine Missetaten nicht ohne Ende?

  6. Du hast deinem Bruder ein Pfand abgenommen ohne Grund, du hast den Nackten die Kleider entrissen;

  7. du hast die Durstigen nicht getränkt mit Wasser und hast dem Hungrigen dein Brot versagt;

  8. dem Mächtigen gehört das Land, und sein Günstling darf darin wohnen;

  9. die Witwen hast du leer weggehen lassen und die Arme der Waisen zerbrochen.

  10. Darum bist du von Schlingen umgeben, und Entsetzen hat dich plötzlich erschreckt.

  11. Dein Licht ist Finsternis, so daß du nicht sehen kannst, und die Wasserflut bedeckt dich.

  12. Ist Gott nicht hoch wie der Himmel? Sieh die Sterne an, wie hoch sie sind!

  13. Du sprichst zwar: «Was weiß Gott? Sollte er durchs Gewölk hindurch richten können?

  14. Die Wolken sind seine Hülle, daß er nicht sehen kann; er wandelt am Rande des Himmels.»

  15. Hältst du den Weg der Vorzeit ein, auf dem die Ungerechten gegangen sind,

  16. die fortgerafft wurden, ehe es Zeit war, und das Wasser hat ihren Grund weggewaschen,

  17. die zu Gott sprachen: «Heb dich von uns!»? Was sollte der Allmächtige ihnen antun können?

  18. Hat er doch ihr Haus mit Gütern gefüllt. Aber: «Der Rat der Gottlosen ist ferne von mir.»

  19. Die Gerechten werden's sehen und sich freuen, und der Unschuldige wird sie verspotten:

  20. «Ja, unser Widersacher ist vertilgt, und was er hinterließ, hat das Feuer verzehrt.»

  21. So vertrage dich nun mit Gott und mache Frieden; daraus wird dir viel Gutes kommen.

  22. Nimm doch Weisung an von seinem Munde und fasse seine Worte in dein Herz.

  23. Bekehrst du dich zum Allmächtigen und demütigst du dich und tust das Unrecht weit weg von deiner Hütte

  24. - wirf in den Staub dein Gold und zu den Steinen der Bäche das Gold von Ophir -,

  25. so wird der Allmächtige dein Gold sein und wie Silber, das dir zugehäuft wird.

  26. Dann wirst du deine Lust haben an dem Allmächtigen und dein Antlitz zu Gott erheben.

  27. Wenn du ihn bitten wirst, wird er dich hören, und du wirst deine Gelübde erfüllen.

  28. Was du dir vornimmst, läßt er dir gelingen, und das Licht wird auf deinen Wegen scheinen.

  29. Denn er erniedrigt die Hochmütigen; aber wer seine Augen niederschlägt, dem hilft er.

  30. Auch wer nicht unschuldig ist, wird errettet werden; er wird errettet um der Reinheit deiner Hände willen.

Hiobs dritte Antwort an Eliphas

Kapitel 23

  1. Hiob antwortete und sprach:

  2. Auch heute lehnt sich meine Klage auf; seine Hand drückt schwer, daß ich seufzen muß.

  3. Ach daß ich wüßte, wie ich ihn finden und zu seinem Thron kommen könnte!

  4. So würde ich ihm das Recht darlegen und meinen Mund mit Beweisen füllen

  5. und erfahren die Reden, die er mir antworten, und vernehmen, was er mir sagen würde.

  6. Würde er mit großer Macht mit mir rechten? Nein, er selbst würde achthaben auf mich.

  7. Dann würde ein Redlicher mit ihm rechten, und für immer würde ich entrinnen meinem Richter!

  8. Aber gehe ich nun vorwärts, so ist er nicht da; gehe ich zurück, so spüre ich ihn nicht.

  9. Ist er zur Linken, so schaue ich ihn nicht; verbirgt er sich zur Rechten, so sehe ich ihn nicht.

  10. Er aber kennt meinen Weg gut. Er prüfe mich, so will ich erfunden werden wie das Gold.

  11. Denn ich hielt meinen Fuß auf seiner Bahn und bewahrte seinen Weg und wich nicht ab

  12. und übertrat nicht das Gebot seiner Lippen und bewahrte die Reden seines Mundes bei mir.

  13. Doch er ist der eine – wer will ihm wehren? Und er macht's, wie er will.

  14. Ja, er wird vollenden, was mir bestimmt ist, und hat noch mehr derart im Sinn.

  15. Darum erschrecke ich vor seinem Angesicht, und wenn ich darüber nachdenke, so fürchte ich mich vor ihm.

  16. Gott ist's, der mein Herz mutlos gemacht, und der Allmächtige, der mich erschreckt hat;

  17. denn nicht der Finsternis wegen muß ich schweigen, und nicht, weil Dunkel mein Angesicht deckt.

Kapitel 24

  1. Warum sind von dem Allmächtigen nicht Zeiten vorbehalten, und warum sehen, die ihn kennen, seine Tage nicht?

  2. Die Gottlosen verrücken die Grenzen, rauben die Herde und weiden sie.

  3. Sie treiben den Esel der Waisen weg und nehmen das Rind der Witwe zum Pfande.

  4. Sie stoßen die Armen vom Wege, und die Elenden im Lande müssen sich verkriechen.

  5. Siehe, sie sind wie Wildesel: in der Wüste gehen sie an ihr Werk und suchen Nahrung in der Einöde, als Speise für ihre Kinder.

  6. Sie ernten des Nachts auf dem Acker und halten Nachlese im Weinberg des Gottlosen.

  7. Sie liegen in der Nacht nackt ohne Gewand und haben keine Decke im Frost.

  8. Sie triefen vom Regen in den Bergen; sie müssen sich an die Felsen drücken, weil sie sonst keine Zuflucht haben.

  9. Man reißt das Waisenkind von der Mutterbrust und nimmt den Säugling der Armen zum Pfande.

  10. Nackt gehen sie einher ohne Kleider, und hungrig tragen sie Garben.

  11. Gleich in den Gärten pressen sie Öl, sie treten die Kelter und leiden doch Durst.

  12. Fern der Stadt seufzen Sterbende, und die Seele der Säuglinge schreit. Doch Gott achtet nicht darauf!

  13. Sie sind Feinde des Lichts geworden, kennen Gottes Weg nicht und bleiben nicht auf seinen Pfaden.

  14. Wenn der Tag anbricht, steht der Mörder auf und erwürgt den Elenden und Armen, und des Nachts schleicht der Dieb.

  15. Das Auge des Ehebrechers lauert auf das Dunkel, und er denkt: «Mich sieht kein Auge!» und verdeckt sein Antlitz.

  16. Im Finstern bricht man in die Häuser ein; am Tage verbergen sie sich und scheuen alle das Licht.

  17. Ja, als Morgen gilt ihnen allen die Finsternis, denn sie sind bekannt mit den Schrecken der Finsternis.

  18. Er fährt leicht wie auf dem Wasser dahin, verflucht wird sein Acker im Lande, und man wendet sich seinem Weinberg nicht zu.

  19. Der Tod nimmt weg, die da sündigen, wie die Hitze und Dürre das Schneewasser verzehrt.

  20. Der Mutterschoß vergißt ihn; die Würmer laben sich an ihm. An ihn denkt man nicht mehr; so zerbricht Frevel wie Holz.

  21. Er hat bedrückt die Unfruchtbare, die nicht gebar, und hat der Witwe nichts Gutes getan.

  22. Gott rafft die Gewalttätigen hin durch seine Kraft; steht er auf, so müssen sie am Leben verzweifeln.

  23. Er gibt ihnen, daß sie sicher sind und eine Stütze haben, doch seine Augen wachen über ihren Wegen.

  24. Sie sind hoch erhöht; aber nach einer kleinen Weile sind sie nicht mehr da; sie sinken hin und werden hinweggerafft wie alle; wie die Spitzen der Ähren werden sie abgeschnitten.

  25. Ist's nicht so? Wer will mich lügen strafen und erweisen, daß meine Rede nichts sei?

Bildads letzte Rede

Kapitel 25

  1. Da antwortete Bildad von Schuach und sprach:

  2. Herrschaft und Schrecken ist bei ihm, der Frieden schafft in seinen Höhen.

  3. Wer will seine Scharen zählen? Und über wem geht sein Licht nicht auf?

  4. Und wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott? Und wie kann rein sein ein vom Weibe Geborener?

  5. Siehe, auch der Mond scheint nicht hell, und die Sterne sind nicht rein vor seinen Augen -

  6. wieviel weniger der Mensch, eine Made, und das Menschenkind, ein Wurm!

Hiobs dritte Antwort an Bildad

Kapitel 26

  1. Hiob antwortete und sprach:

  2. Wie sehr stehst du dem bei, der keine Kraft hat, hilfst du dem, der keine Stärke in den Armen hat!

  3. Wie gibst du Rat dem, der keine Weisheit hat, und lehrst ihn Einsicht in Fülle!

  4. Mit wessen Hilfe redest du? Und wessen Geist geht von dir aus?

  5. Die Schatten drunten erbeben, das Wasser und die darin wohnen.

  6. Das Totenreich ist aufgedeckt vor ihm, und der Abgrund hat keine Decke.

  7. Er spannt den Norden aus über dem Leeren und hängt die Erde über das Nichts.

  8. Er faßt das Wasser zusammen in seine Wolken, und die Wolken zerreißen darunter nicht.

  9. Er verhüllt seinen Thron und breitet seine Wolken davor.

  10. Er hat am Rande des Wassers eine Grenze gezogen, wo Licht und Finsternis sich scheiden.

  11. Die Säulen des Himmels zittern und entsetzen sich vor seinem Schelten.

  12. Durch seine Kraft hat er das Meer erregt, und durch seine Einsicht hat er Rahab zerschmettert.

  13. Am Himmel wurde es schön durch seinen Wind, und seine Hand durchbohrte die flüchtige Schlange.

  14. Siehe, das sind nur die Enden seiner Wege, und nur ein leises Wörtlein davon haben wir vernommen. Wer will aber den Donner seiner Macht verstehen?

Kapitel 27

  1. Und Hiob fuhr fort mit seinem Spruch und sprach:

  2. So wahr Gott lebt, der mir mein Recht verweigert, und der Allmächtige, der meine Seele betrübt

  3. - solange noch mein Odem in mir ist und der Hauch von Gott in meiner Nase -:

  4. meine Lippen reden nichts Unrechtes, und meine Zunge sagt keinen Betrug.

  5. Das sei ferne von mir, daß ich euch recht gebe; bis mein Ende kommt, will ich nicht weichen von meiner Unschuld.

  6. An meiner Gerechtigkeit halte ich fest und lasse sie nicht; mein Gewissen beißt mich nicht wegen eines meiner Tage.

  7. Meinem Feind soll es gehen wie dem Gottlosen und dem, der sich gegen mich auflehnt, wie dem Ungerechten.

  8. Denn was ist die Hoffnung des Ruchlosen, wenn Gott mit ihm ein Ende macht und seine Seele von ihm fordert?

  9. Meinst du, daß Gott sein Schreien hören wird, wenn die Angst über ihn kommt?

  10. Oder kann er an dem Allmächtigen seine Lust haben und Gott allezeit anrufen?

  11. Ich will euch über Gottes Tun belehren, und wie der Allmächtige gesinnt ist, will ich nicht verhehlen.

  12. Siehe, ihr habt es selber gesehen; warum bringt ihr denn so unnütze Dinge vor?

  13. Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bei Gott und das Erbe der Tyrannen, das sie vom Allmächtigen bekommen:

  14. werden seine Söhne groß, so werden sie eine Beute des Schwerts; und seine Nachkommen werden an Brot nicht satt.

  15. Die ihm übrigbleiben, wird der Tod ins Grab bringen, und seine Witwen werden nicht weinen.

  16. Wenn er Geld zusammenbringt wie Staub und schafft Kleider an, wie man Lehm aufhäuft,

  17. so wird er's zwar anschaffen, aber der Gerechte wird's anziehen, und dem Unschuldigen wird das Geld zuteil.

  18. Er baut sein Haus wie eine Spinne und wie ein Wächter eine Hütte macht.

  19. Reich legt er sich nieder, aber wird's nicht noch einmal tun können; tut er seine Augen auf, dann ist nichts mehr da.

  20. Es wird ihn Schrecken überfallen wie Wasserfluten; des Nachts nimmt ihn der Sturmwind fort.

  21. Der Ostwind wird ihn wegführen, daß er dahinfährt, und wird ihn von seinem Ort hinwegwehen.

  22. Das wird er über ihn bringen und ihn nicht schonen; vor seiner Gewalt muß er immer wieder fliehen.

  23. Man wird über ihn mit den Händen klatschen und über ihn zischen, wo er gewesen ist.

Hiob 28 - 42