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DIE BIBEL
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DAS ZWEITE
BUCH SAMUEL
Kapitel 1 -
12
David läßt den Überbringer von Sauls Krone
töten
Kapitel 1
Nach dem Tode Sauls, als David aus der Schlacht mit den
Amalekitern zurückgekommen und zwei Tage in Ziklag geblieben
war,
siehe, da kam am dritten Tage ein Mann aus dem Heer von
Saul mit zerrissenen Kleidern und mit Erde auf seinem Haupt. Und
als er zu David kam, fiel er nieder zur Erde und huldigte ihm.
David aber sprach zu ihm: Wo kommst du her? Er sprach zu
ihm: Aus dem Heer Israels bin ich entronnen.
David sprach zu ihm: Sage mir, wie steht es? Er sprach:
Das Volk ist geflohen aus der Schlacht, und es sind viele vom
Volk gefallen; dazu ist auch Saul tot und sein Sohn Jonathan.
David sprach zu dem jungen Mann, der ihm das sagte: Woher
weißt du, daß Saul und sein Sohn Jonathan tot sind?
Der junge Mann, der ihm das sagte, sprach: Ich kam von
ungefähr aufs Gebirge Gilboa, und siehe, Saul lehnte sich
auf seinen Spieß, und die Wagen mit ihren Kämpfern
waren hart an ihm.
Und er wandte sich um und sah mich und rief mich. Und ich
sprach: Hier bin ich.
Und er sprach zu mir: Wer bist du? Ich sprach zu ihm: Ich
bin ein Amalekiter.
Und er sprach zu mir: Tritt her zu mir und töte mich;
denn mir wird schwarz vor den Augen, aber mein Leben ist noch
ganz in mir.
Da trat ich zu ihm und tötete ihn, denn ich wußte,
daß er nicht leben könnte nach seinem Fall; und ich
nahm die Krone von seinem Haupt und das Armgeschmeide von seinem
Arm und habe es hergebracht zu dir, meinem Herrn.
Da faßte David seine Kleider und zerriß sie,
und ebenso taten alle Männer, die bei ihm waren,
und sie hielten Totenklage und weinten und fasteten bis
zum Abend um Saul und seinen Sohn Jonathan und um das Volk des
HERRN und um das Haus Israel, weil sie durchs Schwert gefallen
waren.
Und David sprach zu dem jungen Mann, der es ihm angesagt
hatte: Wo bist du her? Er sprach: Ich bin der Sohn eines
Fremdlings, eines Amalekiters.
David sprach zu ihm: Wie, du hast dich nicht gefürchtet,
deine Hand zu erheben gegen den Gesalbten des HERRN, um ihn zu
töten!
Und David rief einen seiner Leute und sprach: Komm her und
schlag ihn nieder! Und er schlug ihn nieder, daß er starb.
Und David sprach zu ihm: Dein Blut komme auf dein Haupt;
denn dein Mund hat gegen dich selbst geredet, als du sagtest: Ich
habe den Gesalbten des HERRN getötet.
Davids Klagelied über Saul und Jonathan
Und David sang dies Klagelied über Saul und Jonathan,
seinen Sohn,
und befahl, man solle die Kinder Juda das Bogenlied
lehren. Siehe, es steht geschrieben im Buch des Redlichen:
Die Edelsten in Israel sind auf deinen Höhen
erschlagen. Wie sind die Helden gefallen!
Sagt's nicht an in Gath, verkündet's nicht auf den
Gassen in Askalon, daß sich nicht freuen die Töchter
der Philister, daß nicht frohlocken die Töchter der
Unbeschnittenen.
Ihr Berge von Gilboa, es soll weder tauen noch regnen auf
euch, ihr trügerischen Gefilde; denn daselbst ist der Helden
Schild verworfen, der Schild Sauls, als sei er nicht gesalbt mit
Öl.
Der Bogen Jonathans hat nie gefehlt, und das Schwert Sauls
ist nie leer zurückgekommen von dem Blut der Erschlagenen
und vom Mark der Helden.
Saul und Jonathan, geliebt und einander zugetan, im Leben
und im Tod nicht geschieden; schneller waren sie als die Adler
und stärker als die Löwen.
Ihr Töchter Israels, weinet über Saul, der euch
kleidete mit kostbarem Purpur und euch schmückte mit
goldenen Kleinoden an euren Kleidern.
Wie sind die Helden gefallen im Streit! Jonathan ist auf
deinen Höhen erschlagen!
Es ist mir leid um dich, mein Bruder Jonathan, ich habe
große Freude und Wonne an dir gehabt; deine Liebe ist mir
wundersamer gewesen, als Frauenliebe ist.
Wie sind die Helden gefallen und die Streitbaren
umgekommen!
David wird König über Juda,
Isch-Boscheth über Israel
Kapitel 2
Bald danach befragte David den HERRN und sprach: Soll ich
hinauf in eine der Städte Judas ziehen? Und der HERR sprach
zu ihm: Zieh hinauf! David sprach: Wohin? Er sprach: Nach Hebron.
So zog David dorthin mit seinen beiden Frauen, Ahinoam,
der Jesreeliterin, und mit Abigail, der Frau Nabals, des
Karmeliters.
Auch die Männer, die bei ihm waren, führte David
hinauf, einen jeden mit seinem Hause, und sie wohnten in den
Städten von Hebron.
Und die Männer Judas kamen und salbten dort David zum
König über das Haus Juda.
Und als David angesagt wurde, daß die Männer
von Jabesch in Gilead Saul begraben hatten,
sandte er Boten zu ihnen und ließ ihnen sagen:
Gesegnet seid ihr vom HERRN, weil ihr solche Barmherzigkeit an
Saul, eurem Herrn, getan und ihn begraben habt.
So tue nun der HERR an euch Barmherzigkeit und Treue, und
auch ich will euch Gutes tun, weil ihr das getan habt.
Seid nun getrosten Mutes und wackere Männer; denn
Saul, euer Herr, ist tot, und mich hat das Haus Juda über
sich zum König gesalbt.
Abner aber, der Sohn Ners, der Sauls Feldhauptmann
war, nahm Isch-Boscheth*, Sauls Sohn, und führte ihn nach
Mahanajim
*Der Name lautet in 1. Chronik 8,33;
9,39 Eschbaal, in 1. Samuel 14,49 Jischwi.
und machte ihn zum König über Gilead, Asser,
Jesreel, Ephraim, Benjamin und über ganz Israel.
Und Isch-Boscheth, Sauls Sohn, war vierzig Jahre alt, als
er König wurde über Israel, und regierte zwei Jahre.
Doch das Haus Juda hielt es mit David.
Die Zeit aber, die David König war zu Hebron über
das Haus Juda, war sieben Jahre und sechs Monate.
Bruderkrieg zwischen Israel und Juda
Und Abner, der Sohn Ners, zog aus mit den Männern
Isch-Boscheths, des Sohnes Sauls, von Mahanajim nach Gibeon,
und Joab, der Sohn der Zeruja, zog aus mit den Männern
Davids. Und sie stießen aufeinander am Teich von Gibeon und
lagerten sich, die einen auf dieser Seite des Teiches, die andern
auf jener.
Und Abner sprach zu Joab: Laß die jungen Männer
sich aufmachen zum Kampfspiel vor uns! Joab sprach: Es sei!
Da machten sich auf und gingen hin zwölf an der Zahl
aus Benjamin auf der Seite Isch-Boscheths, des Sohnes Sauls, und
zwölf von den Männern Davids.
Und ein jeder ergriff den andern bei dem Kopf und stieß
ihm sein Schwert in die Seite, und sie fielen miteinander. Daher
wird der Ort «Helkath-Hazzurim»*
genannt; er liegt bei Gibeon.
*d. h. «Feld der Felsen»,
vermutlich verschrieben aus «Feld der Seiten».
Und es erhob sich ein sehr harter Kampf an diesem
Tage. Abner aber und die Männer von Israel wurden geschlagen
von den Männern Davids.
Es waren aber die drei Söhne der Zeruja dabei, Joab,
Abisai und Asahel. Asahel aber war schnellfüßig wie
ein Reh auf dem Felde
und jagte Abner nach und wich nicht von ihm weder zur
Rechten noch zur Linken.
Da wandte sich Abner um und sprach: Bist du es, Asahel? Er
sprach: Ja.
Abner sprach zu ihm: Wende dich zur Rechten oder zur
Linken und mach dich an einen der Männer heran und nimm ihm
seine Waffen. Aber Asahel wollte nicht von ihm ablassen.
Da sprach Abner noch einmal zu Asahel: Laß ab von
mir! Warum willst du, daß ich dich zu Boden schlage? Wie
dürfte ich dann mein Antlitz aufheben vor deinem Bruder
Joab?
Aber er weigerte sich, von ihm abzulassen. Da stieß
ihn Abner mit dem Schaft des Spießes in den Leib, so daß
der Spieß hinten herauskam; und er fiel hin und starb an
eben der Stelle. Und wer an die Stelle kam, wo Asahel tot lag,
der blieb stehen.
Aber Joab und Abisai jagten Abner nach, bis die Sonne
unterging. Und als sie auf den Hügel Amma kamen, der vor
Giach liegt auf dem Wege zur Steppe von Geba,
versammelten sich die Benjaminiter um Abner und bildeten
eine Schar und traten oben auf den Hügel.
Und Abner rief Joab zu und sprach: Soll denn das Schwert
ohne Ende fressen? Weißt du nicht, daß daraus am Ende
nur Jammer kommen wird? Wie lange willst du dem Volk nicht sagen,
daß es ablassen soll von seinen Brüdern?
Joab sprach: So wahr Gott lebt: wenn du das eher gesagt
hättest, so hätte schon heute morgen jeder im Volk von
seinem Bruder abgelassen.
Und Joab ließ die Posaune blasen, und das ganze Volk
stand still und jagte Israel nicht mehr nach und kämpfte
auch nicht weiter.
Abner aber und seine Männer gingen die ganze Nacht
durchs Jordantal und gingen über den Jordan und zogen durchs
ganze Bithron, bis sie nach Mahanajim kamen.
Joab aber wandte sich von Abner ab und sammelte das ganze
Volk, und es fehlten von den Männern Davids neunzehn Mann
und Asahel.
Aber die Männer Davids hatten von Benjamin und den
Männern Abners dreihundertundsechzig Mann erschlagen.
Und sie hoben Asahel auf und begruben ihn in seines Vaters
Grab in Bethlehem. Und Joab und seine Männer zogen weiter
die ganze Nacht, bis ihnen das Tageslicht anbrach in Hebron.
Davids Söhne
Kapitel 3
Und es war ein langer Kampf zwischen dem Hause Sauls und
dem Hause Davids. David aber nahm immer mehr zu an Macht, und das
Haus Sauls nahm immer mehr ab.
Und es wurden David Söhne geboren zu Hebron. Sein
erstgeborener Sohn war Amnon, von Ahinoam, der Jesreeliterin;
der zweite: Kilab, von Abigail, der Frau des Karmeliters
Nabal; der dritte: Absalom, der Sohn der Maacha, der Tochter
Talmais, des Königs von Geschur;
der vierte: Adonia, der Sohn der Haggith; der fünfte:
Schephatja, der Sohn der Abital;
der sechste: Jithream, von Egla, der Frau Davids. Diese
wurden David geboren zu Hebron.
Abner geht zu David über
Solange der Kampf währte zwischen dem Hause Sauls und
dem Hause Davids, stärkte Abner das Haus Sauls.
Und Saul hatte eine Nebenfrau, die hieß Rizpa, eine
Tochter Ajjas. Und Isch-Boscheth sprach zu Abner: Warum bist du
zu meines Vaters Nebenfrau eingegangen?
Da wurde Abner sehr zornig über die Worte
Isch-Boscheths und sprach: Bin ich denn ein Hundskopf aus Juda?
Heute erweise ich mich freundlich dem Hause Sauls, deines Vaters,
und seinen Brüdern und Freunden und habe dich nicht in
Davids Hände gegeben, und du rechnest mir heute eine Schuld
an wegen eines Weibes?
Gott tue Abner dies und das, wenn ich nicht tue, wie der
HERR dem David geschworen hat,
daß das Königtum vom Hause Sauls genommen und
der Thron Davids aufgerichtet werde über Israel und Juda von
Dan bis Beerseba!
Da konnte er Abner kein Wort mehr antworten, so fürchtete
er sich vor ihm.
Und Abner sandte Boten für sich zu David und
ließ ihm sagen: Wem gehört das Land? Schließe du
einen Bund mit mir; siehe, meine Hand soll mit dir sein, daß
ich dir ganz Israel zuführe.
David sprach: Gut, ich will einen Bund mit dir schließen.
Aber eins fordere ich von dir: Du sollst mein Angesicht nicht
sehen, es sei denn, du bringst Michal, Sauls Tochter, zu mir,
wenn du kommst, mein Angesicht zu sehen.
Auch sandte David Boten zu Isch-Boscheth, dem Sohn Sauls,
und ließ ihm sagen: Gib mir meine Frau Michal, die ich mir
gewonnen habe mit hundert Vorhäuten der Philister.
Isch-Boscheth sandte hin und ließ sie wegnehmen
ihrem Mann Paltiël,
dem Sohn des Lajisch.
Und ihr Mann ging mit ihr und weinte hinter ihr her bis
Bahurim. Da sprach Abner zu ihm: Kehre um und geh heim! Und er
kehrte um.
Und Abner besprach sich mit den Ältesten in
Israel und sprach: Ihr habt schon längst danach verlangt,
daß David König über euch sei.
So tut's nun, denn der HERR hat von David gesagt: Durch
die Hand meines Knechtes David will ich mein Volk Israel erretten
aus der Hand der Philister und aller seiner Feinde.
Das tat Abner auch Benjamin kund und ging dann hin, um
auch David in Hebron alles kundzutun, was Israel und das ganze
Haus Benjamin für gut hielten.
Als nun Abner nach Hebron zu David kam und mit ihm zwanzig
Mann, machte ihnen David ein Mahl.
Und Abner sprach zu David: Ich will mich aufmachen und
hingehen, um ganz Israel zu meinem Herrn, dem König, zu
sammeln, damit sie einen Bund mit dir schließen, auf daß
du König seist, wie es dein Herz begehrt. Dann entließ
David den Abner, so daß er hinging mit Frieden.
Abners Tod
Und siehe, die Männer Davids und Joab kamen von einem
Streifzug zurück und brachten eine große Beute mit.
Abner aber war nicht mehr bei David in Hebron, sondern er hatte
ihn entlassen, so daß er mit Frieden weggegangen war.
Als aber Joab und das ganze Heer mit ihm kam, wurde ihm
angesagt, daß Abner, der Sohn Ners, zum König gekommen
sei, und der habe ihn entlassen, so daß er mit Frieden
weggegangen war.
Da ging Joab zum König hinein und sprach: Was hast du
getan? Siehe, Abner ist zu dir gekommen; warum hast du ihn
fortgelassen, daß er weggegangen ist?
Kennst du Abner, den Sohn Ners, nicht? Er ist gekommen,
dich zu überlisten, daß er erkunde dein Kommen und
Gehen und alles erfahre, was du tust.
Und als Joab von David wegging, sandte er Abner Boten
nach, um ihn zurückzuholen von Bor-Hassira; aber David wußte
nichts davon.
Als nun Abner nach Hebron zurückkam, führte ihn
Joab im Tor beiseite, um heimlich mit ihm zu reden, und stach ihn
dort in den Leib, daß er starb, um des Blutes seines
Bruders Asahel willen.
Als David das hernach erfuhr, sprach er: Ich und mein
Königtum sind unschuldig vor dem HERRN ewiglich an dem Blut
Abners, des Sohnes Ners;
es falle aber auf den Kopf Joabs und auf das ganze Haus
seines Vaters, und es soll nicht aufhören im Hause Joabs,
daß einer Eiterfluß und Aussatz habe oder am Stabe
gehe oder durchs Schwert falle oder an Brot Mangel habe!
Joab und sein Bruder Abisai hatten Abner nach dem Leben
getrachtet, weil er ihren Bruder Asahel im Kampf bei Gibeon
getötet hatte.
David aber sprach zu Joab und allem Volk, das bei
ihm war: Zerreißt eure Kleider und gürtet euch den
Sack um und haltet die Totenklage um Abner! Und der König
folgte der Bahre.
Und als sie Abner begruben in Hebron, erhob der König
seine Stimme und weinte bei dem Grabe Abners, und auch alles Volk
weinte.
Und der König klagte um Abner und sprach: Mußte
Abner sterben, wie ein Gottloser stirbt?
Deine Hände waren nicht gebunden, deine Füße
waren nicht in Ketten gelegt. Und doch bist du gefallen, wie man
vor Ruchlosen fällt.
Da beweinte ihn alles Volk noch mehr.
Als nun alles Volk kam, während es noch Tag war, um
David zum Essen zu nötigen, schwor David und sprach: Gott
tue mir dies und das, wenn ich Brot oder sonst etwas zu mir
nehme, ehe die Sonne untergeht!
Und alles Volk nahm es wahr, und es gefiel ihnen gut, wie
alles, was der König tat, dem ganzen Volke wohlgefiel.
Und alles Volk und ganz Israel merkten an diesem Tage, daß
es nicht vom König ausgegangen war, daß Abner, der
Sohn Ners, getötet wurde.
Und der König sprach zu seinen Männern: Wißt
ihr nicht, daß an diesem Tag ein Fürst und Großer
gefallen ist in Israel?
Ich aber bin heute noch schwach, obwohl ich zum König
gesalbt bin. Aber diese Männer, die Söhne der Zeruja,
sind härter als ich. Der HERR vergelte dem, der Böses
tut, nach seiner Bosheit.
Isch-Boscheths Ende
Kapitel 4
Als aber der Sohn Sauls hörte, daß Abner in
Hebron umgekommen war, entfiel ihm der Mut, und ganz Israel
erschrak.
Es hatte aber der Sohn Sauls zwei Männer als
Hauptleute der Streifscharen; der eine hieß Baana, der
andere Rechab, Söhne Rimmons von Beeroth aus dem Stamm
Benjamin. Denn Beeroth wurde auch zu Benjamin gerechnet;
dann aber flohen die Beerothiter nach Gittajim und wohnten
dort gastweise bis auf den heutigen Tag.
Auch hatte Jonathan, der Sohn Sauls, einen Sohn, der war
lahm an beiden Füßen; er war nämlich fünf
Jahre alt, als die Kunde von Saul und Jonathan aus Jesreel kam,
und seine Amme hatte ihn aufgehoben und war geflohen, und während
sie eilends floh, fiel er hin und war fortan lahm. Er hieß
Mephiboscheth*.
*Der Name lautet in 1.Chronik 8,34; 9,40
Merib-Baal.
So gingen nun Rechab und Baana, die Söhne Rimmons von
Beeroth, hin und kamen zum Hause Isch-Boscheths, als der Tag am
heißesten war; und er schlief auf seinem Lager am Mittag.
Und die Pförtnerin des Hauses hatte Weizen gereinigt
und war fest eingeschlafen. Da schlichen sich Rechab und sein
Bruder Baana hinein und
kamen ins Haus. Da lag er auf seinem Bett in seiner
Schlafkammer. Und sie stachen ihn tot und hieben ihm den Kopf ab
und nahmen seinen Kopf und gingen durch das Jordantal die ganze
Nacht
und brachten das Haupt Isch-Boscheths zu David nach Hebron
und sprachen zum König: Siehe, da ist das Haupt
Isch-Boscheths, des Sohnes Sauls, deines Feindes, der dir nach
dem Leben getrachtet hat. Der HERR hat heute meinen Herrn, den
König, gerächt an Saul und an seinem Geschlecht.
Da antwortete ihnen David: So wahr der HERR lebt, der mich
aus aller Bedrängnis erlöst hat:
ich habe den, der mir verkündete: Saul ist tot, und
meinte, er sei ein guter Bote, ergriffen und getötet in
Ziklag, dem ich doch Lohn für eine gute Botschaft hätte
geben sollen.
Und diese gottlosen Leute haben einen gerechten Mann in
seinem Hause auf seinem Lager getötet – sollte ich
sein Blut nicht fordern von euren Händen und euch von der
Erde vertilgen?
Und David gebot seinen Leuten; die schlugen sie nieder und
hieben ihnen Hände und Füße ab und hängten
sie auf am Teich bei Hebron. Aber das Haupt Isch-Boscheths nahmen
sie und begruben es in Abners Grab in Hebron.
David wird König über ganz Israel
Kapitel 5
Und es kamen alle Stämme Israels zu David
nach Hebron und sprachen: Siehe, wir sind von deinem Gebein und
deinem Fleisch.
Schon früher, als Saul über uns König
war, führtest du Israel ins Feld und wieder heim. Dazu hat
der HERR dir gesagt: Du sollst mein Volk Israel weiden und sollst
Fürst sein über Israel.
Und es kamen alle Ältesten in Israel zum
König nach Hebron. Und der König David schloß mit
ihnen einen Bund in Hebron vor dem HERRN, und sie salbten David
zum König über Israel.
Dreißig Jahre war David alt, als er König
wurde, und regierte vierzig Jahre.
Zu Hebron regierte er sieben Jahre und sechs
Monate über Juda, und zu Jerusalem regierte er
dreiunddreißig Jahre über ganz Israel und Juda.
David erobert Jerusalem
Und der König zog mit seinen Männern
vor Jerusalem gegen die Jebusiter, die im Lande wohnten. Sie aber
sprachen zu David: Du wirst nicht hier hereinkommen, sondern
Blinde und Lahme werden dich abwehren. Damit meinten sie, daß
David nicht dort hineinkommen könnte.
David aber eroberte die Burg Zion; das ist
Davids Stadt.
Da sprach David an diesem Tage: Wer die
Jebusiter schlägt und durch den Schacht hinaufsteigt und die
Lahmen und Blinden erschlägt, die David verhaßt sind,
der soll Hauptmann und Oberster sein. Da stieg Joab, der Sohn der
Zeruja, zuerst hinauf und wurde Hauptmann.* Daher spricht man:
Laß keinen Blinden und Lahmen ins Haus!
*Dieser Text wurde aus 1.
Chronik 11,6 eingesetzt.
So wohnte David auf der Burg und nannte sie
«Stadt Davids». Und David baute ringsumher, vom Millo
an nach innen zu.
Und Davids Macht nahm immer mehr zu, und der
HERR, der Gott Zebaoth, war mit ihm.
Und Hiram, der König von Tyrus,
sandte Boten zu David mit Zedernholz, dazu Zimmerleute und
Steinmetzen, daß sie David ein Haus bauten.
Und David erkannte, daß der HERR ihn zum
König über Israel bestätigt und sein Königtum
erhöht hatte um seines Volkes Israel willen.
Und David nahm noch mehr Frauen und
Nebenfrauen in Jerusalem, nachdem er von Hebron gekommen war, und
es wurden ihm noch mehr Söhne und Töchter geboren.
Dies sind die Namen der Söhne, die ihm zu
Jerusalem geboren sind: Schammua, Schobab, Nathan, Salomo,
Jibhar, Elischua, Nepheg, Japhia,
Elischama, Eljada, Eliphelet.
Davids Siege über die Philister
Als die Philister hörten, daß man
David zum König über Israel gesalbt hatte, zogen sie
alle herauf, um sich Davids zu bemächtigen. Sobald das David
erfuhr, zog er hinab nach der Bergfeste.
Aber die Philister kamen und breiteten sich aus
in der Ebene Rephaim.
Und David befragte den HERRN und sprach: Soll
ich hinaufziehen gegen die Philister? Wirst du sie in meine Hand
geben? Der HERR sprach zu David: Zieh hinauf, ich werde die
Philister in deine Hand geben.
Und David kam nach Baal-Perazim und schlug sie
dort und sprach: Der HERR hat meine Feinde vor mir durchbrochen,
wie Wasserfluten durchbrechen. Daher nannte man den Ort
«Baal-Perazim»*.
*d. h. Herr der Durchbrüche.
Und sie ließen ihre Götzenbilder
dort zurück; David aber und seine Männer nahmen sie
mit.
Die Philister aber zogen abermals herauf
und breiteten sich aus in der Ebene Rephaim.
Und David befragte den HERRN; der sprach: Du
sollst nicht hinaufziehen ihnen entgegen, sondern komm von hinten
über sie, daß du sie angreifst vom Bakawalde her.
Und wenn du hörst, wie das Rauschen in den
Wipfeln der Bakabäume einhergeht, so eile; denn dann ist der
HERR ausgezogen vor dir her, zu schlagen das Heer der Philister.
David tat, wie der HERR ihm geboten hatte, und
schlug die Philister von Gibeon an bis hin nach Geser.
David holt die Bundeslade nach Jerusalem
Kapitel 6
Und David sammelte abermals die ganze junge
Mannschaft in Israel, dreißigtausend Mann,
und machte sich auf und zog mit dem ganzen
Volk, das bei ihm war, nach Baala in Juda, um die Lade Gottes von
dort heraufzuholen; diese ist genannt nach dem Namen des HERRN
Zebaoth, der über den Cherubim thront.
Und sie setzten die Lade Gottes auf einen neuen
Wagen und holten sie aus dem Hause Abinadabs, der auf dem Hügel
wohnte. Usa aber und Achjo, die Söhne Abinadabs, führten
den neuen Wagen.
Und als sie ihn mit der Lade Gottes aus dem
Hause Abinadabs führten, der auf dem Hügel wohnte, und
Achjo vor der Lade herging,
tanzten David und ganz Israel vor dem HERRN her
mit aller Macht im Reigen, mit Liedern, mit Harfen und Psaltern
und Pauken und Schellen und Zimbeln.
Und als sie zur Tenne Nachons kamen, griff Usa
zu und hielt die Lade Gottes fest, denn die Rinder glitten aus.
Da entbrannte des HERRN Zorn über Usa, und
Gott schlug ihn dort, weil er seine Hand nach der Lade
ausgestreckt hatte, so daß er dort starb bei der Lade
Gottes.
Da ergrimmte David, daß der HERR den Usa
so wegriß, und man nannte die Stätte «Perez-Usa»*
bis auf diesen Tag.
*d. h. Wegreißen Usas.
Und David fürchtete sich vor dem HERRN an
diesem Tage und sprach: Wie soll die Lade des HERRN zu mir
kommen?
Und er wollte sie nicht zu sich bringen lassen
in die Stadt Davids, sondern ließ sie bringen ins Haus
Obed-Edoms, des Gathiters.
So blieb die Lade des HERRN drei Monate im
Hause Obed-Edoms, des Gathiters, und der HERR segnete ihn und
sein ganzes Haus.
Und es wurde dem König David
angesagt, daß der HERR das Haus Obed-Edoms segnete und
alles, was er hatte, um der Lade Gottes willen. Da ging er hin
und holte die Lade Gottes aus dem Hause Obed-Edoms herauf in die
Stadt Davids mit Freuden.
Und als die Träger mit der Lade des HERRN
sechs Schritte gegangen waren, opferte man einen Stier und ein
fettes Kalb.
Und David tanzte mit aller Macht vor dem HERRN
her und war umgürtet mit einem leinenen Priesterschurz.
Und David mit dem ganzen Hause Israel führte
die Lade des HERRN herauf mit Jauchzen und Posaunenschall.
Und als die Lade des HERRN in die Stadt Davids
kam, guckte Michal, die Tochter Sauls, durchs Fenster und sah den
König David springen und tanzen vor dem HERRN und verachtete
ihn in ihrem Herzen.
Als sie die Lade des HERRN
hineinbrachten, stellten sie sie an ihren Platz mitten in dem
Zelt, das David für sie aufgeschlagen hatte. Und David
opferte Brandopfer und Dankopfer vor dem HERRN.
Und als David die Brandopfer und Dankopfer
beendet hatte, segnete er das Volk in dem Namen des HERRN
Zebaoth,
und er ließ austeilen allem Volk, der
ganzen Menge Israels, Mann und Frau, einem jeden einen
Brotkuchen, ein Stück Fleisch und einen Rosinenkuchen.
Danach kehrte alles Volk heim, ein jeder in sein Haus.
Als aber David heimkam, seinem Haus den
Segensgruß zu bringen, ging Michal, die Tochter Sauls,
heraus ihm entgegen und sprach: Wie herrlich ist heute der König
von Israel gewesen, als er sich vor den Mägden seiner Männer
entblößt hat, wie sich die losen Leute entblößen!
David aber sprach zu Michal: Ich will vor dem
HERRN tanzen, der mich erwählt hat vor deinem Vater und vor
seinem ganzen Hause, um mich zum Fürsten zu bestellen über
das Volk des HERRN, über Israel,
und ich will noch geringer werden als jetzt und
will niedrig sein in meinen Augen; aber bei den Mägden, von
denen du geredet hast, will ich zu Ehren kommen.
Aber Michal, Sauls Tochter, hatte kein Kind bis
an den Tag ihres Todes.
Gottes Verheißung für David und sein
Königtum
Kapitel 7
Als nun der König in seinem Hause saß
und der HERR ihm Ruhe gegeben hatte vor allen seinen Feinden
umher,
sprach er zu dem Propheten Nathan: Sieh doch,
ich wohne in einem Zedernhause, und die Lade Gottes wohnt unter
Zeltdecken.
Nathan sprach zu dem König: Wohlan, alles,
was in deinem Herzen ist, das tu, denn der HERR ist mit dir.
In der Nacht aber kam das Wort des HERRN
zu Nathan:
Geh hin und sage zu meinem Knecht David: So
spricht der HERR: Solltest du mir ein Haus bauen, daß ich
darin wohne?
Habe ich doch in keinem Hause gewohnt seit dem
Tag, da ich die Kinder Israel aus Ägypten führte, bis
auf diesen Tag, sondern ich bin umhergezogen in einem Zelt als
Wohnung.
Habe ich die ganze Zeit, als ich mit den
Kindern Israel umherzog, je geredet zu einem der Richter Israels,
denen ich befohlen hatte, mein Volk Israel zu weiden, und gesagt:
Warum baut ihr mir nicht ein Zedernhaus?
Darum sollst du nun so zu meinem Knechte David
sagen: So spricht der HERR Zebaoth: Ich habe dich genommen von
den Schafhürden, damit du Fürst über mein Volk
Israel sein sollst,
und bin mit dir gewesen, wo du hingegangen
bist, und habe alle deine Feinde vor dir ausgerottet; und ich
will dir einen großen Namen machen gleich dem Namen der
Großen auf Erden.
Und ich will meinem Volk Israel eine Stätte
geben und will es pflanzen, daß es dort wohne und sich
nicht mehr ängstigen müsse und die Kinder der Bosheit
es nicht mehr bedrängen. Und wie vormals,
seit der Zeit, da ich Richter über mein
Volk Israel bestellt habe, will ich dir Ruhe geben vor allen
deinen Feinden. Und der HERR verkündigt dir, daß
der HERR dir ein Haus bauen will.
Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu
deinen Vätern schlafen legst, will ich dir einen Nachkommen
erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich
sein Königtum bestätigen.
Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und
ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich.
Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn
sein. Wenn er sündigt, will ich ihn mit Menschenruten und
mit menschlichen Schlägen strafen;
aber meine Gnade soll nicht von ihm weichen,
wie ich sie habe weichen lassen von Saul, den ich vor dir
weggenommen habe.
Aber dein Haus und dein Königtum sollen
beständig sein in Ewigkeit vor mir, und dein Thron soll
ewiglich bestehen.
Als Nathan alle diese Worte und dies
Gesicht David gesagt hatte,
kam der König David und setzte sich vor
dem HERRN nieder und sprach: Wer bin ich, Herr HERR, und was
ist mein Haus, daß du mich bis hierher gebracht
hast?
Aber nun hast du das noch für zu wenig
gehalten, Herr HERR, und hast dem Hause deines Knechtes sogar für
die ferne Zukunft Zusagen gegeben, und das nach Menschenweise,
Herr HERR!
Und was soll David noch mehr reden mit dir? Du
kennst ja deinen Knecht, Herr HERR!
Um deines Wortes willen und nach deinem Herzen
hast du alle diese großen Dinge getan, um sie deinem Knecht
kundzutun.
Darum bist du groß, Herr HERR! Denn es
ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir nach allem,
was wir mit unsern Ohren gehört haben.
Und wo ist ein Volk auf Erden wie dein Volk
Israel, um dessentwillen Gott hingegangen ist, es zu erlösen,
daß es sein Volk sei, und ihm einen Namen zu machen und so
große und furchtbare Dinge zu tun, damit du Völker und
ihre Götter vertriebest vor deinem Volk, das du dir aus
Ägypten erlöst hast?
Und du hast dir dein Volk Israel zubereitet,
dir zum Volk für ewig, und du, HERR, bist ihr Gott geworden.
So bekräftige nun, HERR, Gott, das Wort in
Ewigkeit, das du über deinen Knecht und über sein Haus
geredet hast, und tu, wie du geredet hast!
So wird dein Name groß werden in
Ewigkeit, daß man sagen wird: Der HERR Zebaoth ist Gott
über Israel, und das Haus deines Knechtes David wird
bestehen vor dir.
Denn du, HERR Zebaoth, du Gott Israels, hast
das Ohr deines Knechts geöffnet und gesagt: Ich will dir ein
Haus bauen. Darum hat dein Knecht sich ein Herz gefaßt, daß
er dies Gebet zu dir gebetet hat.
Nun, Herr HERR, du bist Gott, und deine Worte
sind Wahrheit. Du hast all dies Gute deinem Knecht zugesagt.
So fange nun an, zu segnen das Haus deines
Knechts, damit es ewiglich vor dir sei; denn du, Herr HERR,
hast's geredet, und mit deinem Segen wird deines Knechtes Haus
gesegnet sein ewiglich.
Davids Kriege und Siege
Kapitel 8
Und es begab sich danach, daß David die Philister
schlug und sie unterwarf und daß er den Dienstzaum den
Philistern aus der Hand nahm.
Er schlug auch die Moabiter und ließ sie sich auf
den Boden legen und maß sie mit der Meßschnur ab; und
er maß zwei Schnurlängen ab, so viele tötete er,
und eine volle Schnurlänge, so viele ließ er am Leben.
So wurden die Moabiter David untertan, daß sie ihm Abgaben
bringen mußten.
David schlug auch Hadad-Eser, den Sohn Rehobs, den
König von Zoba, als er hinzog, um seine Macht wieder
aufzurichten am Euphratstrom.
Und David nahm von ihnen gefangen tausendundsiebenhundert
Gespanne und zwanzigtausend Mann Fußvolk und lähmte
alle Pferde und behielt hundert übrig.
Es kamen aber die Aramäer von Damaskus, um
Hadad-Eser, dem König von Zoba, zu helfen. Und David schlug
von den Aramäern zweiundzwanzigtausend Mann.
Und er setzte Statthalter ein im Aramäerreich von
Damaskus. So wurde Aram David untertan, daß sie ihm Abgaben
bringen mußten; denn der HERR half David, wo er auch
hinzog.
Und David nahm die goldenen Schilde, die Hadad-Esers
Männer gehabt hatten, und brachte sie nach Jerusalem.
Und von Betach und Berothai, den Städten Hadad-Esers,
nahm der König David sehr viel Kupfer.
Als aber Toï,
der König von Hamath, hörte, daß David die ganze
Streitmacht Hadad-Esers geschlagen hatte,
sandte er seinen Sohn Joram zum König David, ihm
Frieden und Segen zu wünschen, weil er gegen Hadad-Eser
gekämpft und ihn geschlagen hatte – denn Toï
führte Krieg mit Hadad-Eser -, und Joram brachte mit sich
silberne, goldene und kupferne Kleinode.
Auch diese heiligte der König David dem HERRN samt
dem Silber und Gold, das er geheiligt hatte von allen Heiden, die
er unterworfen hatte,
von Edom, von Moab, von den Ammonitern, von den
Philistern, von Amalek und von dem, was er erbeutet hatte von
Hadad-Eser, dem Sohn Rehobs, dem König von Zoba.
So machte sich David einen Namen. Als er zurückkam
vom Sieg über die Aramäer, schlug er die Edomiter im
Salztal, achtzehntausend Mann,
und setzte in ganz Edom Statthalter ein, und ganz Edom
wurde David untertan; denn der HERR half David, wo er auch
hinzog.
Davids Beamte
So war David König über ganz Israel,
und er schaffte Recht und Gerechtigkeit seinem ganzen Volk.
Joab, der Sohn der Zeruja, war über das
Heer gesetzt; Josaphat aber, der Sohn Ahiluds, war Kanzler;
Zadok, der Sohn Ahitubs, und Ahimelech, der
Sohn Abjathars, waren Priester; Seraja war Schreiber;
Benaja, der Sohn Jojadas, war über die
Krether und Plether gesetzt; auch die Söhne Davids sind
Priester gewesen.
David holt Mephiboscheth an seinen Hof
Kapitel
9
Und David sprach: Ist noch jemand übriggeblieben von dem
Hause Sauls, damit ich Barmherzigkeit an ihm tue um Jonathans
willen?
Es war aber ein Knecht vom Hause Sauls, der hieß Ziba; den
riefen sie zu David. Und der König sprach zu ihm: Bist du
Ziba? Er sprach: Ja, dein Knecht ist es.
Der König sprach: Ist da noch jemand vom Hause Sauls, damit
ich Gottes Barmherzigkeit an ihm tue? Ziba sprach zum König:
Es ist noch ein Sohn Jonathans da, lahm an den Füßen.
Der König sprach zu ihm: Wo ist er? Ziba
sprach zum König: Siehe, er ist in Lo-Dabar im Hause
Machirs, des Sohnes Ammiëls.
Da sandte der König David hin und ließ
ihn holen von Lo-Dabar aus dem Hause Machirs, des Sohnes Ammiëls.
Als nun Mephiboscheth, der Sohn Jonathans, des
Sohnes Sauls, zu David kam, fiel er auf sein Angesicht und
huldigte ihm. David aber sprach: Mephiboscheth! Er sprach: Hier
bin ich, dein Knecht.
David sprach zu ihm: Fürchte dich nicht,
denn ich will Barmherzigkeit an dir tun um deines Vaters Jonathan
willen und will dir den ganzen Besitz deines Vaters Saul
zurückgeben; du aber sollst täglich an meinem Tisch
essen.
Er aber fiel nieder und sprach: Wer bin ich,
dein Knecht, daß du dich wendest zu einem toten Hunde, wie
ich es bin?
Da rief der König den Ziba, den Knecht
Sauls, und sprach zu ihm: Alles, was Saul gehört hat und
seinem ganzen Hause, hab ich dem Sohn deines Herrn gegeben.
So bearbeite ihm nun seinen Acker, du und deine
Söhne und deine Knechte, und bring die Ernte ein, damit es
das Brot sei des Sohnes deines Herrn und er sich davon nähre;
aber Mephiboscheth, der Sohn deines Herrn, soll täglich an
meinem Tisch essen. Ziba aber hatte fünfzehn Söhne und
zwanzig Knechte.
Und Ziba sprach zum König: Ganz so, wie
mein Herr, der König, seinem Knechte geboten hat, wird dein
Knecht tun. Und Mephiboscheth, sprach David, esse an meinem
Tische wie einer der Königssöhne.
Und Mephiboscheth hatte einen kleinen Sohn, der
hieß Micha. Und alle, die im Hause Zibas wohnten, dienten
Mephiboscheth.
Mephiboscheth aber wohnte hinfort in Jerusalem,
denn er aß täglich an des Königs Tisch. Und er
war lahm an seinen beiden Füßen.
Davids Kampf mit den Ammonitern
Kapitel 10
Und es begab sich danach, daß der König
der Ammoniter starb, und sein Sohn Hanun wurde König an
seiner Statt.
Da sprach David: Ich will Hanun, dem Sohn des
Nahasch, Freundschaft erweisen, wie sein Vater mir Freundschaft
erwiesen hat. Und er sandte hin und ließ ihn durch seine
Gesandten über seinen Vater trösten. Als nun die
Gesandten Davids ins Land der Ammoniter kamen,
sprachen die Obersten der Ammoniter zu ihrem
Herrn Hanun: Meinst du, daß David deinen Vater vor deinen
Augen ehren wolle, wenn er Tröster zu dir gesandt hat?
Meinst du nicht, daß er dazu seine Boten zu dir gesandt
hat, damit er die Stadt erforsche und erkunde und zerstöre?
Da nahm Hanun die Gesandten Davids und ließ
ihnen den Bart halb abscheren und die Kleider halb abschneiden
bis unter den Gürtel und ließ sie gehen.
Als das David angesagt wurde, sandte er ihnen
Boten entgegen; denn die Männer waren sehr geschändet.
Und der König ließ ihnen sagen: Bleibt in Jericho, bis
euer Bart gewachsen ist; dann kommt zurück.
Als aber die Ammoniter sahen, daß
sie sich bei David in Verruf gebracht hatten, sandten sie hin und
warben an die Aramäer von Beth-Rehob und die Aramäer
von Zoba, zwanzigtausend Mann Fußvolk, und von dem König
von Maacha tausend Mann und von Tob zwölftausend Mann.
Als das David hörte, sandte er Joab mit
dem ganzen Heer der Kriegsleute.
Und die Ammoniter zogen aus und stellten sich
auf zum Kampf vor dem Eingang des Tores. Die Aramäer aber
von Zoba, von Rehob, von Tob und von Maacha standen für sich
auf freiem Feld.
Als Joab nun sah, daß der Angriff gegen
ihn gerichtet war von vorn und von hinten, wählte er aus der
ganzen jungen Mannschaft in Israel einen Teil aus und stellte
sich den Aramäern entgegen.
Und das übrige Kriegsvolk tat er unter die
Hand seines Bruders Abisai, daß er sie gegen die Ammoniter
aufstelle,
und sprach: Werden mir die Aramäer
überlegen sein, so komm mir zu Hilfe; werden aber die
Ammoniter dir überlegen sein, so will ich dir zu Hilfe
kommen.
Sei ganz getrost, damit wir die Stärkeren
bleiben für unser Volk und die Städte unseres Gottes.
Der HERR aber tue, was ihm gefällt.
Und Joab rückte an mit dem Volk, das bei
ihm war, um gegen die Aramäer zu kämpfen, und sie
flohen vor ihm.
Und als die Ammoniter sahen, daß die
Aramäer flohen, flohen sie auch vor Abisai in die Stadt
hinein. Da ließ Joab ab von den Ammonitern und kam nach
Jerusalem.
Und als die Aramäer sahen, daß
sie von Israel geschlagen waren, sammelten sie sich.
Und Hadad-Eser sandte hin und ließ die
Aramäer jenseits des Stromes ausziehen, und sie kamen nach
Helam, und Schobach, der Feldhauptmann Hadad-Esers, an ihrer
Spitze.
Als das David angesagt wurde, sammelte er ganz
Israel und zog über den Jordan und kam nach Helam. Und die
Aramäer stellten sich gegen David auf, um mit ihm zu
kämpfen.
Aber die Aramäer flohen vor Israel, und
David vernichtete von den Aramäern siebenhundert Wagen und
vierzigtausend Mann; und Schobach, den Feldhauptmann, erschlug
er, daß er dort starb.
Als aber alle Könige, die unter Hadad-Eser
waren, sahen, daß sie von Israel geschlagen waren, machten
sie Frieden mit Israel und wurden ihm untertan. Und die Aramäer
fürchteten sich, den Ammonitern hinfort zu helfen.
Davids Ehebruch und Blutschuld
Kapitel 11
Und als das Jahr um war, zur Zeit, da die
Könige ins Feld zu ziehen pflegen, sandte David Joab und
seine Männer mit ihm und ganz Israel, damit sie das Land der
Ammoniter verheerten und Rabba belagerten. David aber blieb in
Jerusalem.
Und es begab sich, daß David um den Abend
aufstand von seinem Lager und sich auf dem Dach des Königshauses
erging; da sah er vom Dach aus eine Frau sich waschen; und die
Frau war von sehr schöner Gestalt.
Und David sandte hin und ließ nach der
Frau fragen, und man sagte: Das ist doch Bathseba, die Tochter
Eliams, die Frau Urias, des Hethiters.
Und David sandte Boten hin und ließ sie
holen. Und als sie zu ihm kam, wohnte er ihr bei; sie aber hatte
sich gerade gereinigt von ihrer Unreinheit. Und sie kehrte in ihr
Haus zurück.
Und die Frau ward schwanger und sandte hin und
ließ David sagen: Ich bin schwanger geworden.
David aber sandte zu Joab: Sende zu mir
Uria, den Hethiter. Und Joab sandte Uria zu David.
Und als Uria zu ihm kam, fragte David, ob es
mit Joab und mit dem Heer und mit dem Krieg gut stünde.
Und David sprach zu Uria: Geh hinab in dein
Haus und wasch deine Füße. Und als Uria aus des Königs
Haus hinausging, wurde ihm ein Geschenk des Königs
nachgetragen.
Aber Uria legte sich schlafen vor der Tür
des Königshauses, wo alle Kriegsleute seines Herrn lagen,
und ging nicht hinab in sein Haus.
Als man aber David ansagte: Uria ist nicht
hinab in sein Haus gegangen, sprach David zu ihm: Bist du nicht
von weither gekommen? Warum bist du nicht hinab in dein Haus
gegangen?
Uria aber sprach zu David: Die Lade und Israel
und Juda wohnen in Zelten, und Joab, mein Herr, und meines Herrn
Kriegsleute liegen auf freiem Felde, und ich sollte in mein Haus
gehen, um zu essen und zu trinken und bei meinem Weibe zu liegen?
So wahr der HERR lebt und so wahr du lebst: ich tue so etwas
nicht.
David sprach zu Uria: Bleib heute hier, morgen
will ich dich gehen lassen. So blieb Uria in Jerusalem an diesem
Tage und auch am nächsten.
Und David lud ihn ein, so daß er bei ihm
aß und trank, und machte ihn betrunken. Aber am Abend ging
er hinaus, um sich schlafen zu legen auf sein Lager bei den
Männern seines Herrn, und ging nicht hinab in sein Haus.
Am andern Morgen schrieb David einen
Brief an Joab und sandte ihn durch Uria.
Er schrieb aber in dem Brief: Stellt Uria
vornehin, wo der Kampf am härtesten ist, und zieht euch
hinter ihm zurück, daß er erschlagen werde und sterbe.
Als nun Joab die Stadt belagerte, stellte er
Uria dorthin, wo er wußte, daß streitbare Männer
standen.
Und als die Männer der Stadt einen Ausfall
machten und mit Joab kämpften, fielen einige vom Volk, von
den Männern Davids, und Uria, der Hethiter, starb auch.
Da sandte Joab hin und ließ David alles
sagen, was sich bei dem Kampf begeben hatte,
und gebot dem Boten: Wenn du dem König
alles bis zu Ende gesagt hast, was sich bei dem Kampf begeben
hat,
und siehst, daß der König zornig
wird und zu dir spricht: Warum seid ihr so nahe an die Stadt
herangerückt im Kampf? Wißt ihr nicht, daß von
der Mauer geschossen wird?
Wer erschlug Abimelech, den Sohn Jerubbaals?
Warf nicht ein Weib einen Mühlstein auf ihn von der Mauer,
so daß er in Tebez starb? Warum seid ihr so nahe an die
Mauer herangerückt?, - so sollst du sagen: Auch dein Knecht
Uria, der Hethiter, ist tot.
Der Bote ging hin und kam und sagte David
alles, weswegen Joab ihn gesandt hatte.
Und der Bote sprach zu David: Die Männer
waren uns übermächtig und zogen heraus aufs Feld gegen
uns; wir aber gingen gegen sie an bis an den Eingang des Tores.
Und die Schützen schossen von der Mauer
auf deine Knechte und töteten einige von den Männern
des Königs, und auch Uria, dein Knecht, der Hethiter, ist
tot.
David sprach zum Boten: So sollst du Joab
sagen: «Laß dir das nicht leid sein, denn das Schwert
frißt bald diesen, bald jenen. Fahre fort mit dem Kampf
gegen die Stadt und zerstöre sie.»
So sollst du ihm Mut zusprechen.
Und als Urias Frau hörte, daß
ihr Mann Uria tot war, hielt sie die Totenklage um ihren
Eheherrn.
Sobald sie aber ausgetrauert hatte, sandte
David hin und ließ sie in sein Haus holen, und sie wurde
seine Frau und gebar ihm einen Sohn. Aber dem HERRN mißfiel
die Tat, die David getan hatte.
Nathans Strafrede. David bekennt seine Sünde
und empfängt Vergebung
Kapitel 12
Und der HERR sandte Nathan zu David. Als der zu ihm kam,
sprach er zu ihm: Es waren zwei Männer in einer Stadt, der
eine reich, der andere arm.
Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder;
aber der Arme hatte nichts als ein einziges kleines
Schäflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es, daß
es groß wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Es aß
von seinem Bissen und trank aus seinem Becher und schlief in
seinem Schoß, und er hielt's wie eine Tochter.
Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er's
nicht über sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen,
um dem Gast etwas zuzurichten, der zu ihm gekommen war, sondern
er nahm das Schaf des armen Mannes und richtete es dem Mann zu,
der zu ihm gekommen war.
Da geriet David in großen Zorn über den Mann
und sprach zu Nathan: So wahr der HERR lebt: der Mann ist ein
Kind des Todes, der das getan hat!
Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das
getan und sein eigenes geschont hat.
Da sprach Nathan zu David: Du bist der Mann! So
spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe dich zum König
gesalbt über Israel und habe dich errettet aus der Hand
Sauls
und habe dir deines Herrn Haus gegeben, dazu seine Frauen,
und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben; und ist das zu
wenig, will ich noch dies und das dazu tun.
Warum hast du denn das Wort des HERRN verachtet, daß
du getan hast, was ihm mißfiel? Uria, den Hethiter, hast du
erschlagen mit dem Schwert, seine Frau hast du dir zur Frau
genommen, ihn aber hast du umgebracht durchs Schwert der
Ammoniter.
Nun, so soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr
lassen, weil du mich verachtet und die Frau Urias, des Hethiters,
genommen hast, daß sie deine Frau sei.
So spricht der HERR: Siehe, ich will Unheil über dich
kommen lassen aus deinem eigenen Hause und will deine Frauen
nehmen vor deinen Augen und will sie deinem Nächsten geben,
daß er bei ihnen liegen soll an der lichten Sonne.
Denn du hast's heimlich getan, ich aber will dies tun vor
ganz Israel und im Licht der Sonne.
Da sprach David zu Nathan: Ich habe gesündigt
gegen den HERRN. Nathan sprach zu David: So hat auch der HERR
deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben.
Aber weil du die Feinde des HERRN durch diese Sache zum
Lästern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren ist,
des Todes sterben.
Und Nathan ging heim.
Und der HERR schlug das Kind, das Urias Frau David
geboren hatte, so daß es todkrank wurde.
Und David suchte Gott um des Knäbleins willen und
fastete, und wenn er heimkam, lag er über Nacht auf der
Erde.
Da traten herzu die Ältesten seines Hauses und
wollten ihn aufrichten von der Erde; er aber wollte nicht und aß
auch nicht mit ihnen.
Am siebenten Tage aber starb das Kind. Und die Männer
Davids fürchteten sich, ihm zu sagen, daß das Kind tot
sei; denn sie dachten: Siehe, als das Kind noch am Leben war,
redeten wir mit ihm, und er hörte nicht auf uns; wie könnten
wir ihm nun sagen: Das Kind ist tot! Er könnte ein Unheil
anrichten.
Als aber David sah, daß seine Männer leise
redeten, merkte er, daß das Kind tot sei, und sprach zu
seinen Männern: Ist das Kind tot? Sie sprachen: Ja.
Da stand David von der Erde auf und wusch sich und salbte
sich und zog andere Kleider an und ging in das Haus des HERRN und
betete an. Und als er wieder heimkam, ließ er sich Speise
auftragen und aß.
Da sprachen seine Männer zu ihm: Was soll das, was du
tust? Als das Kind lebte, hast du gefastet und geweint; nun es
aber gestorben ist, stehst du auf und issest?
Er sprach: Als das Kind noch lebte, fastete ich und
weinte; denn ich dachte: Wer weiß, ob mir der HERR nicht
gnädig wird und das Kind am Leben bleibt.
Nun es aber tot ist, was soll ich fasten? Kann ich es
wieder zurückholen?
Ich werde wohl zu ihm fahren; es kommt aber nicht wieder zu
mir zurück.
Und als David seine Frau Bathseba getröstet hatte,
ging er zu ihr hinein und wohnte ihr bei. Und sie gebar einen
Sohn, den nannte er Salomo. Und der HERR liebte ihn.
Und er tat ihn unter die Hand des Propheten Nathan; der
nannte ihn Jedidja
um des HERRN willen.
Eroberung der Hauptstadt der Ammoniter
So kämpfte nun Joab gegen
Rabba, die Stadt der Ammoniter, und eroberte die Königsstadt
und sandte Boten zu David und
ließ ihm sagen: Ich habe gekämpft gegen Rabba und
schon die Wasserstadt eingenommen.
So bring nun das übrige
Kriegsvolk zusammen und belagere die Stadt und erobere sie, damit
nicht ich sie erobere und mein Name über ihr ausgerufen
werde.
So brachte David das ganze
Kriegsvolk zusammen und zog hin und kämpfte gegen Rabba und
eroberte es
und nahm seinem König die
Krone vom Haupt; die war an Gewicht einen Zentner Gold schwer,
und an ihr war ein Edelstein; und sie wurde David aufs Haupt
gesetzt. Und er führte aus der Stadt viel Beute weg.
Aber das Volk darin führte
er heraus und stellte sie als Fronarbeiter an die Sägen, die
eisernen Pickel und an die eisernen Äxte und ließ sie
an den Ziegelöfen arbeiten. So tat er mit allen Städten
der Ammoniter. Danach kehrten David und das ganze Kriegsvolk nach
Jerusalem zurück.
2.
Samuel 13-24
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