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DAS BUCH JESUS SIRACH.

Kapitel 19 – 40





Das 19. Kapitel.

Böse Lust, Geschwätz und Arglistigkeit zu meiden.

  1. Ein Arbeiter, der sich gern voll säuft, der wird nicht reich; und wer ein Geringes nicht zu Rat hält, der nimmt für und für ab.

  2. Wein und * Weiber betören die Weisen;

    *1. Könige 11,3.4. Kapitel 9,9.

  3. und die sich an Huren hängen, werden wild, und kriegen Motten und Würmer zu Lohn, und verdorren, den andern zum merklichen Beispiel.

  4. Wer bald glaubet, der ist leichtfertig, und tut sich, wenn er sich so verführen läßt, selbst Schaden.

  5. Wer sich freuet, daß er Schalkheit treiben kann, der wird verachtet; wer aber solche unnütze Schwätzer hasset, der verhütet Schaden.

  6. Hörest du was Böses, das sage nicht nach, denn Schweigen schadet dir nicht.

  7. Du sollst's weder Freund noch Feinde sagen;

  8. und offenbare es nicht, wo du es ohne böses Gewissen verschweigen kannst.

  9. Denn man höret dir wohl zu und merket drauf; aber man hasset dich gleichwohl.

  10. Hast du etwas gehöret, laß es mit dir sterben, so hast du ein ruhig Gewissen; denn du wirst ja nicht davon bersten.

  11. Aber ein Narr bricht heraus, wie ein zeitig Kind heraus will.

  12. Wenn ein Wort im Narren steckt, so ist's eben, als wenn ein Pfeil in der Hüfte steckt.

  13. Sprich deinen Nächsten drum an, vielleicht hat er's nicht getan; oder hat er's getan, daß er's nicht mehr tue.

  14. Sprich deinen Nächsten drum an, vielleicht hat er's nicht geredet; hat er's aber geredet, daß er's nicht mehr tue.

  15. Sprich deinen Freund drum an, denn man lüget gern auf die Leute; drum glaube nicht alles, was du hörest.

  16. Es entfähret oft einem ein Wort, und meinet's doch nicht also; denn wer ist, dem nicht zuweilen ein Wort entfähret?

    Jakobus 3,2.

  17. Sprich deinen Nächsten drum an, ehe du mit ihm pochest, und denke an Gottes Gebot.

  18. Denn die Furcht Gottes machet weislich tun in allen Sachen, und Gottes Gebot lehret klüglich fahren in allem Handel.

    Psalm 111,10.

  19. Arglistigkeit ist nicht Weisheit, und der Gottlosen Tücken sind keine Klugheit;

  20. sondern es ist eine Bosheit und Abgötterei und eitel Torheit und Unweisheit.

  21. Es ist besser geringe Klugheit mit Gottesfurcht denn große Klugheit mit Gottesverachtung.

  22. Es ist mancher scharfsinnig, aber ein Schalk, und kann die Sache drehen, wie er's haben will.

  23. Derselbe Schalk kann den Kopf hängen und ernst sehen, und ist doch eitel Betrug.

  24. Er schläget die Augen nieder, und horchet mit Schalksohren, und wo du nicht acht auf ihn hast, so wird er dich übereilen.

  25. Und ob er zu schwach ist, dir Schaden zu tun, so * wird er dich doch, wenn er seine Zeit siehet, berücken.

    *2. Samuel 13,28.

  26. Man siehet's einem wohl an, was er für ein Mann ist, und einen Vernünftigen merkt man an seinen Gebärden.

  27. Denn eines Mannes Kleidung, Lachen und Gang zeigen, was an ihm ist.

Das 20. Kapitel.

Vermischte Lehren und Warnungen, besonders vor Vergehungen mit der Zunge.

  1. Es strafet einer oft seinen Nächsten zur Unzeit, und täte weislicher, daß er schwiege.

  2. Es ist besser, frei strafen, denn heimlich Haß tragen.

  3. Und wer's zu Dank annimmt, dem bringet's Frommen.

  4. Wer Gewalt übet im Gericht, der ist eben als einer, der eine Jungfrau schändet, die er bewahren soll.

  5. Der eine schweiget, und wird weise erfunden; der andre wird gehasset, weil er viel wäschet.

  6. Der eine schweiget darum, daß er sich nicht kann verantworten; der andere aber schweiget, und wartet * seiner Zeit.

    *Prediger 3,7.

  7. Ein weiser Mann schweiget, bis er seine Zeit ersiehet; aber ein jäher Narr kann der Zeit nicht erharren.

  8. Wer viel plaudert, der macht sich feindselig, und wer sich viel anmaßet, dem wird man gram.

  9. Es glückt manchem in bösen Sachen; aber es gedeihet ihm zum Verderben.

  10. Es gibt oft einer etwas, da er's übel anlegt; dagegen gibt einer, da er's sehr wohl anlegt.

  11. Wer sehr pranget, der verdirbt drüber; wer sich aber bücket, der kommt empor.

  12. Mancher kaufet am ersten wohlfeil; aber hernach muß er's teuer genug bezahlen.

  13. Ein weiser Mann machet sein Geschenk wert mit lieblichen Worten; aber was die Narren schenken, machen sie selbst unwert.

  14. Des Narren Geschenk wird dir nicht viel frommen; denn mit einem Auge gibt er, und mit sieben Augen siehet er, was er dafür kriege.

  15. Er gibt wenig, und rücket einem viel auf, und schreiet's aus als ein Ausrufer.

    Kapitel 18,18.

  16. Heute leihet er, morgen will er's wieder haben. Das sind feindselige Leute.

  17. Der Narr klagt: „Mir ist niemand treu, niemand dankt mir für meine Wohltaten.

  18. Auch die mein Brot essen, reden nichts Gutes von mir.“

  19. O, wie oft und von vielen wird er verspottet!

  20. Er fällt fährlicher durch seine Rede, denn so er vom Söller fiele; also gehet's den Bösen, daß sie doch zuletzt plötzlich fallen müssen.

  21. Ein grober, ungezogner Mensch plaudert unvorsichtiglich, und wäscht immerfort, wie es ihm einfällt.

  22. Wenn ein Narr schon etwas Gutes redet, so taugt es doch nicht; denn er redet's nicht zu rechter Zeit.

  23. Manchem wehret seine Armut, daß er nichts Übels tut; davon hat er den Vorteil, daß er kein böses Gewissen hat.

  24. Mancher tut lieber das Ärgste, denn daß er seine Ehre verliere, und tut's um gottloser Leute willen.

  25. Mancher scheut sich, und ist dem Freunde willfährig, und eben damit krieget er ihn zum Feinde.

  26. Die Lüge ist ein häßlicher Schandfleck an einem Menschen, und ist gemein bei ungezognen Leuten.

  27. Ein Dieb ist nicht so böse als ein Mensch, der sich zu Lügen gewöhnet; aber zuletzt kommen sie beide an den Galgen.

  28. Lügen ist dem Menschen ein schändlich Ding, und er kann damit nimmermehr zu Ehren kommen.

  29. Ein weiser Mann bringet sich selbst zu Ehren durch seine weise Rede; und ein kluger Mann ist lieb und wert bei Fürsten.

    1. Mose 41,37.38.

  30. Wer * seinen Acker fleißig bauet, der macht seinen Haufen groß; und wer bei Fürsten sich hält, daß er lieb und wert ist, der kann vielem Bösen zuvorkommen.

    *Sprüche 12,11; 28,19.

  31. Geschenke und Gaben verblenden die Weisen, und legen ihnen einen Zaum ins Maul, daß sie nicht strafen können.

    2. Mose 23,8.

  32. Ein weiser Mann, der sich nicht brauchen läßt, und ein vergrabener Schatz, wozu sind sie beide nütze?

  33. Es ist besser, daß sich der Unweise verkrieche denn der Weise.

Das 21. Kapitel.

Warnung vor der Sünde. Unterschied zwischen dem Weisen und dem Toren.

  1. Mein Kind, hast du gesündiget, so höre auf und bitte, daß dir die vorigen auch vergeben werden.

  2. Fleuch (Flieh) vor der Sünde wie vor einer Schlange; denn so du ihr zu nahe kommest, so sticht sie dich.

  3. Ihre Zähne sind wie Löwenzähne, und töten den Menschen.

  4. Eine jegliche Sünde ist wie ein zweischneidig Schwert, und verwundet, daß es niemand heilen kann.

  5. Wer Gewalt und Unrecht tut, muß zuletzt zum Bettler werden; und wer * stolz ist, kommt zuletzt von Haus und Hofe.

    *Kapitel 10,17.18.

  6. Denn sobald der * Elende ruft, so höret's Gott, und die Rache wird eilend kommen.

    *Psalm 34,7.

  7. Wer sich nichts sagen läßt, der ist schon auf der Bahn des Gottlosen; und wer Gott fürchtet, der nimmt's zu Herzen.

  8. Wer seine Zunge wohl brauchen kann, den kennet man von fern; aber ein Kluger merkt wohl, wenn derselbe fehlet.

  9. Wer sein Haus bauet mit andrer Leute Gut, der sammelt Steine ihm zum Grabe.

  10. Die Rotte der Gottlosen ist wie ein Haufe Wergs, das mit Feuer verzehret wird.

    1. Mose 19,24. Jesaja 1,31.

  11. Die Gottlosen gehen zwar auf einem feinen Pflaster; aber desselbigen Ende ist der Hölle Abgrund.

  12. Wer Gottes Gebot hält, der folget seinem eignen Kopf nicht;

  13. und Gott mit Ernst fürchten, ist Weisheit.

    Kapitel 1,16.

  14. Wo nicht Vernunft innen ist, das läßt sich nicht ziehen.

  15. Etliche sind vernünftig genug, richten aber damit viel Unglücks an.

  16. Eines weisen Manns Lehre fleußt (fließt) daher wie eine Flut und wie eine lebendige Quelle.

  17. Des Narren Herz ist wie ein Topf, der da rinnet, und kann keine Lehre halten.

  18. Wenn ein Vernünftiger eine gute Lehre höret, so lobet er sie, und breitet sie aus; höret sie aber ein Mutwilliger, so mißfällt sie ihm, und wirft sie hinter sich.

  19. Die Rede des Narren drücket wie eine Last auf dem Wege; aber wenn ein Weiser redet, das ist lieblich zu hören.

  20. Im Rat hat man acht, was der Weise redet; und was er rät, das gilt.

  21. Des Narren Rede siehet wie ein eingefallen Haus; und des Unverständigen Rat kann man nicht wissen, was es ist.

  22. Wenn man den Narren ziehen will, so stellet er sich, als wollte man ihm Fesseln an Hände und Füße legen;

  23. aber ein Weiser achtet's für einen güldnen Schmuck und für ein Geschmeide am rechten Arm.

  24. Ein Narr läuft frei einem ins Haus; aber ein Vernünftiger scheuet sich.

  25. Ein Narr gucket frei einem zum Fenster hinein; aber ein Vernünftiger bleibt draußen stehen.

  26. Es ist eine Ungezogenheit, einem an der Tür horchen; ein Vernünftiger hielte es für eine Schmach.

  27. Die unnützen Wäscher plaudern, das nichts zur Sache dienet; die Weisen aber wägen ihre Worte mit der Goldwaage.

  28. Die Narren haben ihr Herz im Maul; aber die * Weisen haben ihren Mund im Herzen.

    *Kapitel 39,11.

  29. Ein Narr lachet überlaut; ein Weiser lächelt ein wenig.

  30. Wenn der Gottlose einem Schalk flucht, so flucht er sich selber.

  31. Die Ohrenbläser tun ihnen selbst Schaden, und hat sie niemand gern um sich.

Das 22. Kapitel.

Unglück der Toren und Gottlosen. Vom Umgang mit Freunden.

  1. Ein fauler Mensch ist gleich wie ein Stein, der im Kot liegt;

  2. wer ihn aufhebt, der muß die Hände wieder wischen.

  3. Ein ungezogner Sohn ist seinem Vater eine Unehre, und eine törichte Tochter ein Schade.

    Sprüche 17,25.

  4. Eine vernünftige Tochter kriegt wohl einen Mann; aber eine ungeratene Tochter läßt man sitzen, und sie bekümmert ihren Vater.

  5. Und welche wild ist, die ist dem Vater und dem Mann eine Unehre, und wird von beiden gehasset.

  6. Eine Rede, so zur Unzeit geschieht, reimet sich eben wie ein Saitenspiel, wenn einer traurig ist. Strafe und Lehre soll man zu rechter Zeit üben.

  7. Wer einen Narren lehret, der flicket Scherben zusammen, und tut eben, als wenn man einen aus einem tiefen Schlaf weckt.

  8. Wer mit einem Narren redet, der redet mit einem Schlafenden;

  9. wenn's aus ist, so spricht er: Was ist's?

  10. Über einen Toten pfleget man zu trauern, denn er hat das Licht nicht mehr; aber über einen Narren sollte man trauern, daß er keinen Verstand hat.

  11. Man soll nicht zu sehr trauern über den Toten; denn er ist zu Ruhe kommen.

  12. Aber des Narren Leben ist ärger denn der Tod.

  13. * Sieben Tage trauert man über einen Toten, aber über einen Narren und Gottlosen ihr Leben lang.

    *1. Mose 50,10.

  14. Rede nicht viel mit einem Narren, und gehe nicht viel um mit einem Unverständigen.

  15. Halte dich von ihm, daß du nicht Mühe von ihm habest, und von seinem Unflat befleckt werdest.

  16. Weiche nur von ihm, so bleibest du mit Frieden, und kommest nicht in Angst und Not über seiner Torheit.

  17. Was ist schwerer denn Blei? und wie will man einen Narren anders heißen denn Blei?

  18. Es ist leichter, Sand, Salz und Eisen tragen denn einen unverständigen Menschen.

    Sprüche 27,3.

  19. Gleichwie ein Haus, das fest in einander verbunden ist, nicht zerfällt vom Sturmwind, also auch ein Herz, das seiner Sache gewiß ist, das fürchtet sich vor keinem Schrecken.

  20. Gleichwie eine gute Tünche an ebener Wand, also ist ein Herz, welches festhält an verständiger Erkenntnis.

  21. Wie ein Zaun auf hohem Berge wider den Wind nicht kann bestehen,

  22. also stehet das blöde Herz des Narren in seinem Vornehmen wider kein Erschrecken.

  23. Wenn man das Auge drückt, so gehen Tränen heraus;

  24. und wenn man einem das Herz trifft, so läßt er sich's merken.

  25. Wer unter die Vögel wirft, der scheucht sie weg; und wer seinen Freund schmähet, der zertrennet die Freundschaft.

  26. Wenn du gleich ein Schwert zückest gegen deinen Freund, so gib die Hoffnung nicht auf; denn ihr könnet wohl wieder Freunde werden.

  27. Hast du gegen deinen Freund den Mund aufgetan, so sei ohne Sorge; denn man kann alles versöhnen, ausgenommen die Schmach, Verachtung, * Offenbarung der Heimlichkeit und böse Tücke. Solche Stücke verjagen den Freund.

    *Kapitel 27,23.24.

  28. Bleib treu deinem Freund in seiner Armut, daß du dich mit ihm freuen mögest, wenn's ihm wohlgehet.

  29. Halt fest bei ihm, wenn's ihm übel gehet, auf daß du seines Glücks auch genießen mögest.

  30. Ein Rauch und Dampf gehet vorher, wenn ein Feuer brennen will; also kommt's vom Schmähen zum Blutvergießen.

  31. Schäme dich nicht, deinen Freund zu schützen, und meide ihn nicht.

  32. Widerfähret dir etwas Böses von ihm, so wird sich vor ihm hüten, wer's höret.

Gebet um Beistand Gottes zur Bezähmung der Begierden. Warnung vor leichtsinnigem Schwören und vor Unzucht.

  1. O, daß * ich könnte ein Schloß an meinen Mund legen, und ein fest Siegel auf meine Lippen drücken, daß ich dadurch nicht zu Fall käme, und meine Zunge mich nicht verderbte!

    *Kapitel 28,28. Psalm 141,3.

Das 23. Kapitel.

  1. Herr, Gott, Vater und Herr meines Lebens, laß mich nicht unter die Lästerer geraten, und laß mich nicht unter ihnen verderben!

  2. O, daß ich meine Gedanken könnte im Zaum halten, und mein Herz mit Gottes Wort züchtigen, und ich mein nicht schonte, wo ich fehlete,

  3. auf daß ich nicht Sünden anrichtete, und großen Irrtum stiftete, und viel Übels beginge, damit ich nicht untergehen müßte vor meinen Feinden, und ihnen zum Spott würde!

  4. Herr, Gott, Vater und Herr meines Lebens,

  5. behüte mich vor unzüchtigem Gesicht, und wende von mir alle böse Lüste!

  6. Laß mich nicht in Schlemmen und Unkeuschheit geraten, und behüte mich vor unverschämtem Herzen!

  7. Lieben Kinder, lernet das Maul halten; denn wer es hält, der wird sich mit Worten nicht vergreifen,

  8. wie die Gottlosen darin gefangen werden, und die Lästerer und Stolzen dadurch fallen.

  9. Gewöhne deinen Mund nicht zum Schwören, und * Gottes Namen zu führen.

    *2. Mose 20,7.

  10. Denn gleichwie ein Knecht, der oft gestäupt (geschlagen) wird, nicht ohne Striemen ist,

  11. also kann der auch nicht rein von Sünden sein, der oft schwöret, und Gottes Namen führet.

  12. Wer oft schwöret, der sündiget oft, und die Plage wird von seinem Hause nicht bleiben.

  13. Schwöret er, und verstehet's nicht, so sündiget er gleichwohl; verstehet er's, und verachtet's, so sündiget er zwiefältig;

  14. schwöret er aber fälschlich, so wird er nicht losgesprochen; sein Haus wird hart gestraft werden.

  15. Es ist auch ein tödlicher Fluch; davor behüte Gott das Haus Jakob!

  16. Und die Gottesfürchtigen fliehen solches, und besudeln sich nicht mit dieser Sünde.

  17. Gewöhne deinen Mund nicht zu leichtfertigen und unreinen Reden, denn solche sind sündlich.

  18. Vergiß nicht deines Vaters und deiner Mutter, wenn du unter Herren sitzest;

  19. vergiß ihrer nicht vor ihnen, daß du nicht gewohnest der Narrheit, und zuletzt wollest, * du wärest nie geboren, und verfluchest den Tag deiner Geburt.

    *Hiob 3,3.

  20. Wer sich gewöhnet zu schmähen, der bessert sich seine Lebtage nicht.

  21. Zweierlei Art machet der Sünden viel, die dritte bringt Strafe über sich:

  22. wer in der Brunst stecket, der ist wie ein brennend Feuer, und höret nicht auf, bis er sich selbst verbrenne.

  23. Ein unkeuscher Mensch hat keine Ruhe an seinem Leibe, bis er ein Feuer anzünde.

  24. Einem unkeuschen Menschen ist alle Speise süß, und lässet nicht ab, bis er ein Ende nimmt.

  25. Ein Mann, der seine Ehe bricht, und denket bei sich selbst: Wer siehet mich?

    Hiob 24,15.

  26. Es ist finster um mich, und die Wände verbergen mich, daß mich niemand siehet; wen soll ich scheuen? * Der Allerhöchste achtet meiner Sünden nicht -

    *Kapitel 16,15. Psalm 94,7.

  27. solcher scheuet allein der Menschen Augen,

  28. und denket nicht, daß die Augen des Herrn viel tausendmal heller sind denn die Sonne, und sehen alles, was die Menschen tun, und schauen auch in die heimlichen Winkel;

    Hebräer 4,13.

  29. alle Dinge sind ihm bekannt, ehe sie geschaffen werden, also wohl, als wenn sie geschaffen sind.

  30. Derselbe Mann wird öffentlich in der Stadt gestraft werden,

  31. und wird erhascht werden, wenn er sich's am wenigsten versiehet.

  32. Also wird's auch gehen dem Weibe, die ihren Mann verläßt, und einen Erben von einem andern krieget.

  33. Erstlich * ist sie dem Gebot Gottes ungehorsam; zum andern sündiget sie wider ihren Mann; zum dritten bringet sie durch ihren Ehebruch Kinder von einem andern.

    *2. Mose 20,14. 5. Mose 22,22.

  34. Eine solche wird man aus der Gemeine werfen, und ihre Kinder müssen's entgelten.

  35. Ihre Kinder werden nicht wurzeln, und ihre Zweige werden nicht Frucht bringen.

    Weisheit 3,16.

  36. Sie läßt ein verflucht Gedächtnis hinter sich, und ihre Schande wird nimmermehr vertilget.

  37. Daran lernen die Nachkommen, daß nichts besser sei, denn Gott fürchten, und nichts süßer, denn auf Gottes Gebote achten.

Das 24. Kapitel.

Ruhm der Weisheit und der heiligen Schrift.

  1. Die Weisheit preiset sich, und unter dem Volk rühmet sie sich.

  2. Sie prediget in der Gemeine Gottes,

  3. und lobet sich in seinem Reich,

  4. und spricht also: Ich bin vom Munde des Höchsten ausgegangen,

    Kapitel 1,5.

  5. und schwebte über der ganzen Erde wie die Wolken.

  6. Mein Gezelt war in der Höhe, und mein Stuhl in den Wolken.

  7. Ich allein wandelte allenthalben, so weit der Himmel ist,

    Kapitel 1,10. Sprüche 3,19.20.

  8. und so tief der Abgrund ist,

  9. allenthalben im Meer, allenthalben auf Erden,

  10. unter allen Leuten, unter allen Heiden.

  11. Bei diesen allen habe ich Wohnung gesucht, daß ich etwo eine Statt fände.

  12. Da gebot mir der Schöpfer aller Dinge, und der mich geschaffen hat, bestellte mir eine Wohnung

  13. und sprach: In Jakob sollst du wohnen, und in Israel soll dein Erbe sein.

  14. Vor der Welt, von Anfang bin ich geschaffen, und werde ewiglich bleiben.

    Kapitel 1,4. Sprüche 8,22.

  15. Ich habe vor ihm in der heiligen Hütte gedienet, und danach zu Zion eine gewisse Stätte gefunden; er hat mich in die heilige Stadt gesetzt, daß ich zu Jerusalem regieren sollte.

  16. Ich bin eingewurzelt bei einem geehreten Volk, das Gottes Erbteil ist.

  17. Ich bin hoch gewachsen wie eine Zeder auf dem Libanon und wie eine Zypresse auf dem Gebirge Hermon.

  18. Ich bin aufgewachsen wie ein Palmbaum am Wasser und wie die Rosenstöcke, so man zu Jericho zeucht,

  19. wie ein schöner Ölbaum auf freiem Felde; ich bin aufgewachsen wie Ahorne.

  20. Ich gab einen leiblichen Geruch von mir wie Zimmet und köstliche Würze und wie die beste Myrrhe,

  21. wie Galban und Onyx und Stakte und wie der Weihrauch in dem Tempel.

  22. Ich breitete meine Zweige aus wie eine Eiche; und meine Zweige waren schön und lustig.

  23. Ich sproßte lieblich wie der Weinstock;

  24. und meine Blüte brachte herrliche und reiche Frucht.

  25. Kommet her zu mir, alle, die ihr mein begehrt,

    Matthäus 11,28.

  26. und sättiget euch von meinen Früchten.

  27. Mein gedenken ist süßer denn Honig, und mich haben süßer denn Honigseim.

    Psalm 19,11; 119,103.

  28. Wer von mir isset, den hungert immer nach mir,

  29. und wer von mir trinket, den dürstet immer nach mir.

  30. Wer mir gehorchet, der wird nicht zu Schanden,

  31. und wer mir folget, der wird unschuldig bleiben.

  32. Dies alles ist eben das Buch des Bundes, mit dem höchsten Gotte gemacht,

  33. nämlich das Gesetz, welches Mose dem Hause Jakob zum Schutz befohlen hat,

  34. daraus die Weisheit geflossen ist wie * das Wasser Pison (Pischon), wenn es groß ist,

    *1. Mose 2,11.

  35. und wie das Wasser Tigris, wenn es übergehet im Lenze;

  36. daraus der Verstand geflossen ist wie der Euphrat, wenn er groß ist, und wie * der Jordan in der Ernte.

    *Josua 3,15.

  37. Aus demselben ist hervorgebrochen die Zucht wie das Licht und wie das Wasser Nilus im Herbst.

  38. Er ist nie gewesen, der es ausgelernet hätte, und wird nimmermehr werden, der es ausgründen möchte.

  39. Denn sein Sinn ist reicher denn kein Meer, und sein Wort * tiefer den kein Abgrund.

    *Römer 11,33.

  40. Ich aber ging hervor wie ein Bächlein aus dem Strom und wie eine Wasserleitung in den Lustgarten.

  41. Ich sprach: Ich will wässern meinen Garten,

  42. und tränken meine Wiese.

  43. Da ward mein Bächlein zum Strom,

  44. und mein Strom ward zum Meer.

  45. Denn meine Lehre leuchtet so weit als der lichte Morgen, und scheinet ferne.

  46. Auch schüttet meine Lehre Weissagung aus, die ewig bleiben muß.

  47. Da sehet ihr, daß ich nicht allein für mich arbeite, sondern für alle, die der Weisheit begehren.

Das 25. Kapitel.

Lob der Eintracht, der Weisheit, besonders im Alter, und der Gottesfurcht. Schilderung des bösen Weibes.

  1. Drei schöne Dinge sind, die Gott und den Menschen wohlgefallen:

  2. wenn * Brüder eins sind, und die Nachbarn sich lieb haben, und Mann und Weib mit einander wohl umgehen.

    *Psalm 133,1.

  3. Drei Stücke sind, denen ich von Herzen feind bin, und ihr Wesen verdreußt mich übel:

  4. wenn ein Armer hoffärtig ist, und ein Reicher gern lüget, und ein alter Narr ein Ehebrecher ist.

  5. Wenn du in der Jugend nicht sammelst, was willst du im Alter finden?

  6. O wie fein stehet's, wenn die grauen Häupter weise, und die Alten klug,

  7. und die Herren vernünftig und vorsichtig sind!

  8. Das ist der Alten Krone, wenn sie viel erfahren haben; und ihre Ehre ist, wenn sie Gott fürchten.

  9. Neun Stücke sind, die ich in meinem Herzen hoch zu loben halte, und das zehnte will ich mit meinem Munde preisen:

  10. Ein Mann, der Freude an seinen Kindern hat. Wer erlebet, daß er seine Feinde untergehen siehet.

  11. Wohl dem, der * ein vernünftig Weib hat! Wer mit seinem Reden keinen Schaden tut. Wer nicht dienen muß denen, so es nicht wert sind.

    *Kapitel 26,1.

  12. Wohl dem, der * einen treuen Freund hat! Wohl dem, der klug ist! Und der da lehret, da man's gern höret!

    *Kapitel 6,14.

  13. O wie groß ist der, so weise ist!

  14. Aber wer Gott fürchtet, über den ist niemand;

    Kapitel 10,27.

  15. denn die Furcht Gottes gehet über alles.

  16. Wer dieselbige festhält, wem kann man den vergleichen?

  17. Es ist kein Wehe so groß als Herzeleid.

  18. Es ist keine List über Frauenlist.

  19. Es ist kein Lauern über des Neidharts * Lauern.

    *Neiders.

  20. Es ist keine Rachgier über der Feinde Rachgier.

  21. Es ist kein Kopf so listig als der Schlange Kopf, und ist kein Zorn so bitter als Frauenzorn.

  22. Ich wollte lieber bei Löwen und Drachen wohnen denn bei einem bösen Weibe.

  23. Wenn sie böse wird, so * verstellet sie ihre Gebärde, und wird so finster wie ein schwarzer Sack.

    *1. Mose 4,6.

  24. Ihr Mann muß sich ihrer schämen; und wenn man's ihm vorwirft, so tut's ihm im Herzen weh.

  25. Alle Bosheit ist gering gegen der Weiber Bosheit; es geschehe ihr, was den Gottlosen geschieht.

  26. Ein schwätzig Weib ist einem stillen Mann wie ein sandiger Weg den Berg hinauf einem alten Mann.

  27. Laß dich nicht betrügen, daß sie schön ist, und begehre ihrer nicht darum.

  28. Wenn das Weib den Mann reich macht,

  29. so ist da eitel Hader, Verachtung und große Schmach.

  30. Ein böses Weib macht ein betrübt Herz, traurig Angesicht und das Herzeleid.

  31. Ein Weib, da der Mann keine Freude an hat, die macht ihn verdrossen zu allen Dingen.

  32. Die Sünde kommt her von einem Weibe, und um ihretwillen müssen wir alle sterben.

    1. Mose 3,6.

  33. Wie man dem Wasser nicht Raum lassen soll, also soll man einem bösen Weibe seinen Willen nicht lassen.

  34. Will sie dir nicht zur Hand gehen, so scheide dich von ihr.

Das 26. Kapitel.

Lob des guten Weibes, Tadel des bösen.

  1. Wohl dem, der ein tugendsam Weib hat, des lebet er noch eins so lange.

  2. Ein häuslich Weib ist ihrem Manne eine Freude, und macht ihm ein fein ruhig Leben.

  3. Ein tugendsam Weib ist eine edle Gabe, und wird dem gegeben, der Gott fürchtet.

    Sprüche 18,22; 19,14.

  4. Er sei reich oder arm, so ist's ihm ein Trost, und macht ihn allezeit fröhlich.

  5. Drei Dinge sind schrecklich, und das vierte ist greulich:

  6. Verräterei, Aufruhr, Afterreden;

  7. welche alle ärger sind denn der Tod.

  8. Das ist aber das Herzeleid, wenn ein Weib wider das andre eifert, und schändet sie bei jedermann.

  9. Wenn einer ein böses Weib hat, so ist's eben als ein ungleich Paar Ochsen, die neben einander ziehen sollen.

  10. Wer sie krieget, der krieget einen Skorpion.

  11. Ein trunken Weib ist eine große Plage, denn sie kann ihre Schande nicht decken.

  12. Ein hurisch Weib kennet man bei ihrem unzüchtigen Gesicht und an ihren Augen.

  13. Ist deine Tochter nicht schamhaft, so halte sie hart, auf daß sie nicht ihren Mutwillen treibe, wenn sie so frei ist.

  14. Wenn du merkest, daß sie frech um sich siehet, so siehe dich wohl vor; wo nicht, und sie sündiget wider dich, so laß dich's auch nicht wundern.

  15. Wie ein Fußgänger, der durstig ist, lechzet sie, und trinkt das nächste Wasser, das sie krieget, und setzet sich, wo sie einen Stock findet, und nimmt an, was ihr werden kann.

  16. Ein freundlich Weib erfreuet ihren Mann, und wenn sie vernünftig mit ihm umgehet, erfrischt sie ihm sein Herz.

  17. Ein Weib, das schweigen kann, das ist eine Gabe Gottes.

  18. Ein wohlgezogen Weib ist nicht zu bezahlen.

    Sprüche 31,10.

  19. Es ist nichts Liebers auf Erden denn ein züchtig Weib,

  20. und ist nichts Köstlichers denn ein keusches Weib.

  21. Wie die Sonne, wenn sie aufgegangen ist, an dem hohen Himmel des Herrn eine Zierde ist, also ist ein tugendsam Weib eine Zierde in ihrem Hause.

  22. Ein schön Weib, das fromm bleibt, ist wie die helle Lampe auf dem heiligen Leuchter.

  23. Ein Weib, das ein beständig Gemüt hat,

  24. ist wie die güldnen Säulen auf den silbernen Füßen.

Betrug im Handel. Weisheit im Reden. Heiligkeit der Geheimnisse. Hinterlist.

  1. Zwei Stücke sind, die mich verdrießen, und das dritte erregt mir Zorn:

  2. wenn man einen streitbaren Mann zuletzt Armut leiden läßt; und die * weisen Räte zuletzt verachtet;

    *1. Könige 12,8.

  3. und wer von der Gerechtigkeit abfällt zur Sünde; diesen hat Gott zum Schwert verdammt.

  4. Ein Kaufmann kann sich schwerlich hüten vor Unrecht, und ein Krämer vor Sünden.

Das 27. Kapitel.

  1. Denn um eitlen Gutes willen tun viele unrecht; und die * reich werden wollen, wenden die Augen ab.

    *Kapitel 31,5. 1. Timotheus 6,9.

  2. Wie ein Nagel in der Mauer zwischen zween Steinen steckt,

  3. also steckt auch Sünde zwischen Käufer und Verkäufer.

  4. Hält er sich nicht mit Fleiß in der Furcht des Herrn, so wird sein Haus bald zerstöret werden.

  5. Wenn man siebet, so bleibet Unrat drinnen; also, was der Mensch vornimmt, so klebet immer etwas Unreines dran.

  6. Gleichwie der Ofen bewährt die neuen Töpfe, also bewährt die Trübsal des Menschen Sinn.

    Kapitel 2,5.

  7. An den Früchten merket man, wie des Baums gewartet ist; also merket man an der Rede, wie das Herz geschickt ist.

  8. Du sollst niemand loben, du habest ihn denn gehöret; denn an der Rede erkennet man den Mann.

  9. Folgest du der Gerechtigkeit nach, so wirst du sie kriegen, und anziehen wie einen schönen Rock.

  10. Die Vögel gesellen sich zu ihresgleichen; also hält sich die Wahrheit zu denen, die ihr gehorchen.

  11. Wie der Löwe auf den Raub lauert, also ergreifet zuletzt die Sünde den Übeltäter.

    Kapitel 21,3.

  12. Ein Gottesfürchtiger redet allezeit, das heilsam ist; ein Narr aber ist wandelbar wie der Mond.

  13. Wenn du unter den Unweisen bist, so merke, was die Zeit leiden will; aber unter den Weisen magst du fortfahren.

  14. Des Narren Rede ist über die Maßen verdrießlich, und ihr Lachen ist eitel Sünde, und kitzeln sich doch damit.

  15. Wo man viel schwören höret, da gehen einem die Haare zu Berge; und ihr Hadern macht, daß man die Ohren zuhalten muß.

  16. Wenn die Hoffärtigen mit einander hadern, so folget Blutvergießen danach; und ist verdrießlich zu hören, wenn sie sich so zerschelten.

  17. Wer Heimlichkeit offenbart, der verliert den Glauben, und wird nimmermehr einen treuen Freund kriegen.

    Kapitel 19,10. Sprüche 20,19; 25,9.

  18. Halt deinen Freund wert, und halt ihm Glauben.

  19. Wo du aber seine Heimlichkeit offenbarest, so wirst du ihn nicht wieder kriegen.

  20. Wer seinen Freund verliert, dem geschieht wohl so übel, als dem sein Feind entgehet.

  21. Gleich als wenn du einen Vogel aus der Hand lässest, also ist's, wenn du deinen Freund verlässest.

  22. Du fähest ihn nicht wieder, du darfst ihm nicht nachlaufen; er ist zu fern weg, er ist entsprungen wie ein Reh aus dem Netze.

  23. Wunden kann man verbinden, Scheltworte kann man sühnen;

  24. aber wer Heimlichkeit offenbart, mit dem ist's aus.

    Vers 17. Kapitel 22,27.

  25. Wer mit den Augen winket, der hat Böses im Sinn, und lässet sich nicht davon wenden.

    Sprüche 10,10; 16,30.

  26. Vor dir kann er süß reden, und lobet sehr, was du redest; aber hinterwärts redet er anders, und verkehret dir deine Worte.

  27. Ich bin keinem Ding so feind als dem; und der Herr ist ihm auch feind.

  28. Wer den Stein in die Höhe wirft, dem fällt er auf den Kopf; wer heimlich sticht, der verwundet sich selbst.

  29. Wer eine Grube gräbt, der fällt selbst drein; wer einem andern eine Falle stellet, der fähet sich selbst.

    Psalm 7,16.

  30. Wer dem andern Schaden tun will, dem kommt's selbst über seinen Hals, daß er nicht weiß, woher.

  31. Die Hoffärtigen höhnen und spotten; aber die Rache lauert auf sie wie ein Löwe.

  32. Die sich freuen, wenn's den Frommen übel gehet, werden im Strick gefangen; das Herzeleid wird sie verzehren, ehe sie sterben.

  33. Zorn und Wüten sind Greuel, und der Gottlose treibt sie.

Das 28. Kapitel.

Warnung vor Rachsucht, vor Hader und Verleumdung.

  1. Wer sich rächet, an dem wird sich der Herr wieder rächen, und wird ihm seine Sünden auch behalten.

  2. Vergib deinem Nächsten, was er dir zu leide getan hat, und bitte dann, so werden dir deine Sünden auch vergeben.

    Matthäus 6,14. Markus 11,25.

  3. Ein Mensch hält gegen den andern den Zorn, und will bei dem Herrn Gnade suchen!

  4. Er ist unbarmherzig gegen seinesgleichen, und will für seine Sünden bitten!

  5. Er ist nur Fleisch und Blut, und hält den Zorn; wer will denn ihm seine Sünden vergeben?

  6. Gedenke an das Ende, und laß die Feindschaft fahren.

    Kapitel 18,24.

  7. Gedenke an den Tod und das Verderben, und bleibe in den Geboten.

  8. Gedenke an die Gebote, und laß dein Dräuen (Drohen) wider deinen Nächsten.

  9. Gedenke an den Bund des Höchsten, und vergib die Unwissenheit.

  10. Laß ab vom Hader, so unterbleiben viel Sünden.

  11. Denn * ein zorniger Mensch zündet Hader an, und der Gottlose verwirret gute Freunde, und hetzet wider einander, die guten Frieden haben.

    *Sprüche 26,21; 29,22.

  12. Wenn des Holzes viel ist, wird des Feuers desto mehr; und wenn die Leute gewaltig sind, wird der Zorn desto größer; und wenn die Leute reich sind, wird der Zorn desto heftiger; und wenn der Hader lange währet, so brennet's desto mehr.

  13. Jäh sein zu Hader, zündet Feuer an, und jäh sein zu zanken, vergeußt (vergießt) Blut.

  14. Bläsest du ins Fünklein, so wird ein groß Feuer draus; speiest du aber ins Fünklein, so verlöscht es; und beides kann aus deinem Munde kommen.

  15. Die Ohrenbläser und falsche böse Mäuler sind verflucht; denn sie verwirren viele, die guten Frieden haben.

  16. Ein böses Maul macht viel Leute uneins, und treibet sie aus einem Land ins andre.

  17. Es zerbricht feste Städte, und zerstöret Fürstentümer.

  18. Ein böses Maul verstößet redliche Weiber,

  19. und beraubt sie alles, das ihnen sauer worden ist.

  20. Wer ihm gehorcht, der hat nimmer Ruhe, und kann nirgend mit Frieden bleiben.

  21. Die Geißel macht Striemen; aber ein böses * Maul zerschmettert das Gebein.

    *Sprüche 18,8.

  22. Viele sind gefallen durch die Schärfe des Schwerts, aber nirgend so viele als durch böse Mäuler.

  23. Wohl dem, der vor bösem Maul bewahret ist, und von ihm ungeplagt bleibt, und sein Joch nicht tragen muß, und in seinen Stricken nicht gebunden ist!

  24. Denn sein Joch ist eisern, und seine Stricke ehern.

  25. Seine Plage ist bitterer denn der Tod und ärger denn die Hölle.

  26. Aber es wird den Gottesfürchtigen nicht unterdrücken, und er wird in desselben Feuer nicht brennen.

  27. Wer den Herrn verlässet, der wird drein fallen, und drin brennen, und es wird nicht ausgelöschet werden; es wird ihn überfallen wie ein Löwe, und aufreiben wie ein Parder.

  28. Du verzäunest deine Güter mit Dornen; warum * machst du nicht vielmehr deinem Munde Tür und Riegel?

    *Kapitel 22,33.

  29. Du wägest dein Gold und Silber ein; warum wägest du nicht auch deine Worte auf der Goldwaage?

  30. Hüte dich, daß du nicht dadurch gleitest, und fallest vor deinen Feinden, die auf dich lauern.

Das 29. Kapitel.

Empfehlung der Wohltätigkeit und Genügsamkeit, der Vorsicht im Leihen und Bürgewerden.

  1. Wer seinem Nächsten * leihet, der tut ein Werk der Barmherzigkeit, und wer Güter hat, der soll solches tun.

    *Psalm 37,26.

  2. Leihe deinem Nächsten, wenn er's bedarf; und du andrer, gib's auch wieder zu bestimmter Zeit.

  3. Halt, was du geredet hast, und handle nicht betrüglich mit ihm, so findest du allezeit deine Notdurft.

  4. Mancher meinet, es sei gefunden, was er borget, und machet den unwillig, so ihm geholfen hat.

  5. Er küsset einem die Hand, dieweil man ihm leihet, und redet so demütiglich um des Nächsten Geld;

  6. aber wenn er's soll wiedergeben, so verzeucht er's, und klagt sehr, es sei schwere Zeit.

  7. Und ob er's wohl vermag, gibt er's kaum die Hälfte wieder, und rechnet's jenem für einen Gewinn zu.

  8. Vermag er's aber nicht, so bringt er jenen ums Geld. Derselbe hat ihm dann selber einen Feind gekauft mit seinem eignen Gelde;

  9. und jener bezahlet ihn mit Fluchen und Schelten, und gibt im Schmähworte für Dank.

  10. Mancher leihet ungerne um solcher Bosheit willen; denn er muß fürchten, er komme um das Seine.

  11. Doch * habe Geduld mit deinem Nächsten in der Not, und laß ihn auf das Almosen nicht zu lange warten.

    *Matthäus 18,29.

  12. Hilf dem Armen um des * Gebots willen, und laß ihn in der Not nicht leer von dir.

    *5. Mose 15,11.

  13. Verlier gerne dein Geld um deines Bruders und Nächsten willen, und vergrabe es nicht unter einen Stein, da es doch umkommt.

  14. * Sammle dir einen Schatz nach dem Gebot des Allerhöchsten; der wird dir besser sein denn kein Gold.

    *Matthäus 6,20. 5. Mose 15,10.

  15. Lege dein Almosen an einen besondern Ort; dasselbe wird dich erretten aus allem Unglück.

  16. Es wird für dich streiten wider deinen Feind,

  17. besser denn kein Schild oder Spieß.

  18. Ein frommer Mann wird Bürge für seinen Nächsten;

  19. aber ein Unverschämter läßt seinen Bürgen stecken.

  20. Vergiß nicht der Wohltat deines Bürgen;

  21. denn er hat sich selbst für dich versetzt.

  22. Der Gottlose bringt seinen Bürgen in Schaden,

  23. und ein Undankbarer läßt seinen Erlöser stecken.

  24. Bürge werden hat viel reiche Leute * verderbt, und hin und wieder geworfen wie die Wellen im Meer.

    *Sprüche 11,15.

  25. Es hat große Leute vertrieben, daß sie in fremden Landen mußten in der Irre gehen.

  26. Ein Gottloser, so er Bürge ist worden, und gehet mit Ränken um, daß er sich auswickele, der wird der Strafe nicht entgehen.

  27. Hilf deinem Nächsten aus, soviel du kannst; und siehe dich vor, daß du nicht selbst drüber zu Schaden kommst.

  28. Es ist genug zu diesem Leben, wer Wasser und Brot, Kleider und Haus hat, damit er seine Notdurft decken kann.

    1. Timotheus 6,8.

  29. Es ist besser geringe Nahrung unter einem bretternen eignen Dach denn köstlicher Tisch unter den Fremden.

  30. Laß dir's gefallen, du habest wenig oder viel; denn es ist ein schändlich Leben, von Haus zu Haus ziehen.

  31. Und wo einer fremd ist, darf er sein Maul nicht auftun;

  32. er muß herbergen, und mit ihm trinken lassen, und keinen Dank haben;

  33. muß dazu bittere Worte hören, nämlich: Du Fremder, gehe hin und bereite den Tisch, laß mich mit dir essen, was du hast.

  34. Oder: Zeuch (Zieh) aus, ich habe einen werten Gast gekriegt; ich muß das Haus haben, mein Bruder zeucht (zieht) zu mir ein.

  35. Solches ist schwer einem vernünftigen Mann, daß er um der Herberge willen solche Worte fressen muß, und daß man ihm aufrücket, wenn man ihm geliehen hat.

Das 30. Kapitel.

Lob guter Kinderzucht. Wert der Gesundheit.

  1. Wer sein Kind lieb hat, der hält es stets unter der Rute, daß er hernach Freude an ihm erlebe.

    Sprüche 13,24; 23,13; 29,15.17.

  2. Wer sein Kind in der Zucht hält, der wird sich sein freuen, und darf sich sein bei den Bekannten nicht schämen.

  3. Wenn einer sein Kind zeucht (zieht), das verdreußt seinen Feind, und erfreuet seine Freunde;

  4. denn wo sein Vater stirbt, so ist's, als wäre er nicht gestorben; denn er hat seinesgleichen hinter sich gelassen.

  5. Da er lebete, sah er seine Lust, und hatte Freude an ihm; da er starb, durfte er nicht sorgen;

  6. denn er hat hinter sich gelassen einen Schutz wider seine Feinde, und der den Freunden wieder dienen kann.

  7. Wer aber seinem Kinde zu weich ist, der klaget seine Striemen, und erschrickt, so oft es weinet.

  8. Ein verwöhnet Kind wird mutwillig wie ein wild Pferd.

  9. Zärtle mit deinem Kinde, so mußt du dich hernach vor ihm fürchten; spiele mit ihm, so wird es dich hernach betrüben.

  10. Scherze nicht mit ihm, auf daß du nicht mit ihm hernach trauern und zuletzt die Zähne zusammenbeißen müssest.

  11. Laß ihm seinen Willen nicht in der Jugend, und entschuldige seine Torheit nicht.

  12. Beuge ihm den Hals, weil es noch jung ist; bleue ihm den Rücken, weil es noch klein ist, auf daß es nicht halsstarrig und dir ungehorsam werde.

  13. Zeuch (Zieh) dein Kind, und laß es nicht * müßig gehen, daß du nicht über ihm zu Schanden werdest.

    *Kapitel 33,29.

  14. Es ist besser, einer sei arm und dabei frisch und gesund denn reich und ungesund.

  15. Gesund und frisch sein ist besser denn Gold, und ein gesunder Leib ist besser denn groß Gut.

  16. Es ist kein Reichtum zu vergleichen einem gesunden Leibe, und keine Freude des Herzens Freude gleich.

  17. Der Tod ist besser denn ein siech Leben oder stäte Krankheit.

  18. Es ist eben als ein gut Gericht vor einem Maul, das nicht essen kann, und wie die Speise, so man bei eines Toten Grab setzt.

  19. Denn was ist dem Götzen das Opfer nütze? Kann er doch weder essen noch riechen.

  20. So ist's mit dem Reichen auch, den Gott siech macht.

  21. Er siehet es wohl mit den Augen, und seufzet danach, und ist wie ein Verschnittener, der eine Jungfrau in den Armen hält, und seufzet.

  22. Mache dich selbst nicht traurig, und plage dich nicht selbst mit deinen eignen Gedanken.

  23. Denn ein fröhlich Herz ist des Menschen Leben, und seine Freude ist sein langes Leben.

    Sprüche 15,13.15; 17,22.

  24. Tue dir Gutes, und tröste dein Herz, und treibe Traurigkeit fern von dir.

  25. Denn Traurigkeit tötet viel Leute, und dienet doch nirgend zu.

    2. Korinther 7,10.

  26. Eifer und Zorn verkürzen das Leben, und Sorge macht alt vor der Zeit.

  27. Einem fröhlichen Menschen schmeckt alles wohl, was er isset.

Das 31. Kapitel.

Gefahr des Geizes. Warnung vor Unmäßigkeit.

  1. Wachen nach Reichtum verzehret den Leib, und darum sorgen, läßt nicht schlafen.

  2. Wenn einer liegt und sorget, so wachet er immer auf, gleichwie große Krankheit immer aufweckt.

  3. Der ist reich, der da arbeitet, und sammelt Geld, und höret auf, und genießt sein auch.

  4. Der ist aber arm, der da arbeitet, und es gedeihet nicht; und wenn er schon aufhöret, so ist er doch ein Bettler.

  5. Wer Geld lieb hat, der bleibet nicht ohne Sünde; und wer Vergängliches sucht, der wird mit vergehen.

  6. Viele kommen zu Unfall um Geldes willen, und verderben drüber vor ihren Augen.

    1. Timotheus 6,9.

  7. Die ihm opfern, die stürzt es, und die Unvorsichtigen fähet es.

  8. Wohl dem Reichen, der unsträflich gefunden wird, der nicht das Geld sucht!

  9. Wo ist der? so wollen wir ihn loben; denn er tut große Dinge unter seinem Volk.

  10. Der bewährt hierin und rechtschaffen erfunden ist, der wird billig gelobet. Er konnte wohl Übels tun, und tat's doch nicht; Schaden tun, und tat's auch nicht.

  11. Darum bleiben seine Güter, und die Gemeine preiset seine Almosen.

  12. Wenn du bei eines reichen Mannes Tisch sitzest, so sperre deinen Rachen nicht auf

    Sprüche 23,1.

  13. und denke nicht: Hie ist viel zu fressen;

  14. sondern gedenke, daß ein neidisches Auge ein arges Ding ist;

  15. denn was ist neidischer als das Auge? Darum weinet es, wo es siehet einen zugreifen.

  16. Greif nicht nach dem, wohin der andre siehet;

  17. und nimm nicht, das vor ihm in der Schüssel liegt.

  18. Nimm's bei dir selbst ab, was dein Nächster gern oder ungern hat, und halte dich vernünftig in allen Stücken.

  19. Iß wie ein Mensch, was dir vorgesetzt ist; und friß nicht zu sehr, auf daß man dir nicht gram werde.

  20. Um der Zucht willen höre du am ersten auf, und sei nicht ein unersättlicher Fraß, daß du nicht Ungunst erlangest.

  21. Wenn du bei vielen sitzest, so greif nicht am ersten zu.

  22. Ein sittiger Mensch läßt sich am Geringen genügen; drum darf er in seinem Bette nicht so keuchen.

  23. Und wenn der Magen mäßig gehalten wird, so schläft man sanft, so kann einer des Morgens früh aufstehen, und ist fein bei sich selbst.

  24. Aber ein unersättlicher Fraß schläft unruhig, und hat das Grimmen und Bauchwehe.

  25. Wenn du genötigt worden bist, viel zu essen, so stehe auf und gehe weg, so wirst du Ruhe haben.

  26. Mein Kind, gehorche mir, und verachte mich nicht, so wirst du zuletzt meine Worte wahr finden.

  27. Nimm dir etwas vor zu arbeiten, so widerfähret dir keine Krankheit.

  28. Einen gastfreien Mann loben die Leute und sagen, er sei ein trefflicher Mann; und solches ist ein guter Ruhm;

  29. aber von einem kargen Filze redet die ganze Stadt übel, und man saget recht daran.

  30. Sei nicht ein Weinsäufer; denn der Wein bringet viel Leute um.

  31. Die Esse prüfet den Stahl, wenn er in Wasser getaucht ist; also prüfet der Wein der Frevler Herzen, wenn sie trunken sind.

  32. Der Wein erquickt den Menschen das Leben, so man ihn mäßiglich trinkt.

    Psalm 104,15.

  33. Und was ist das Leben, da kein Wein ist?

  34. Der Wein ist geschaffen, daß er die Menschen fröhlich soll machen.

  35. Der Wein, zur Notdurft getrunken, erfreuet Leib und Seele.

  36. Aber so man sein zu viel trinket, bringet er das Herzeleid, dieweil man sich reizet und wider einander streitet.

  37. Die Trunkenheit macht einen tollen Narren noch toller,

  38. daß er trotzt und pocht, bis er wohl gebleuet, geschlagen und verwundet wird.

  39. Schilt deinen Nächsten nicht beim Wein, und schmähe ihn nicht in seiner Freude.

  40. Gib ihm nicht böse Worte, und dränge ihn nicht, zu bezahlen, was er dir schuldig ist.

Das 32. Kapitel.

Regeln der Bescheidenheit und Gottesfurcht.

  1. Hat man dich zum Speisemeister bestellt, so überhebe dich des nicht, sondern halte dich gleich wie ihrer einen. Sorge erst für sie, dann magst du dich setzen.

  2. Und wenn du alles getan hast, was dir zu tun gebührt, dann setze dich zu ihnen;

  3. auf daß sie mit dir fröhlich sein mögen, damit du die Ehre davon kriegst, daß man dich einen sittigen, holdseligen Mann heißet.

  4. Der Älteste soll reden, denn es gebühret ihm, als der erfahren ist.

  5. Und irre die Spielleute nicht.

  6. Und wenn man Lieder singet, so wasche nicht drein, und spare deine Weisheit bis zur andern Zeit.

  7. Wie ein Rubin in feinem Golde leuchtet, also zieret ein Gesang das Mahl.

  8. Wie ein Smaragd in schönem Golde stehet,

  9. also zieren die Lieder beim guten Wein.

  10. Ein Jüngling mag auch wohl reden einmal oder zwei, wenn's not ist;

  11. und wenn man ihn fragt, soll er's kurz machen,

  12. und sich halten, als der nicht viel wisse, und lieber schweige;

  13. und soll sich nicht den Herren gleich achten; und wenn ein Alter redet, nicht drein waschen.

  14. Vor dem Donner leuchtet der Blitz, so geht vor dem Verschämten Lieblichkeit einher.

  15. Stehe auch beizeit auf, und sei nicht der letzte;

  16. sondern gehe eilend heim und sei nicht mutwillig; dort scherze und tue, was du willst; doch das du nichts Übels tust durch übermütige Rede;

  17. sondern danke für das alles dem, der dich geschaffen und mit seinen Gütern gesättiget hat.

  18. Wer den Herrn fürchtet, der lässet sich gern ziehen, und wer sich frühe dazu schickt, der wird Gnade finden.

  19. Wer nach Gottes Wort fraget, der wird's reichlich überkommen; wer's aber nicht mit Ernst meinet, der wird nur ärger dadurch.

  20. Wer den Herrn fürchtet, der trifft die rechte Lehre, und macht die Gerechtigkeit leuchten wie ein Licht.

  21. Ein Gottloser * läßt sich nicht strafen, und weiß sich zu helfen mit andrer Leute Beispiel in seinem Vornehmen.

    *Sprüche 12,1.

  22. Ein vernünftiger Mann verachtet nicht guten Rat;

  23. aber ein wilder und hoffärtiger fürchtet sich nicht, und hat er was angerichtet, so weiß er sich selbst nicht zu raten.

  24. Tue nichts ohne Rat, so gereuet's dich nicht nach der Tat.

  25. Gehe nicht den Weg, da du fallen möchtest, noch da du dich an die Steine stoßen möchtest.

  26. Verlaß dich nicht drauf, daß der Weg eben sei; ja, hüte dich auch vor deinen eignen Kindern.

  27. Was du vornimmst, so traue dir selbst; denn auch das ist ein Halten der Gebote.

  28. Wer Gottes Wort glaubet, der achtet die Gebote; und wer dem Herrn vertrauet, * dem wird nichts mangeln.

    *Psalm 23,1; 84,12.

Das 33. Kapitel.

Von Gottes wunderbaren Wegen. Regeln fürs häusliche Leben.

  1. Wer Gott fürchtet, dem widerfähret kein Leid; sondern wenn er angefochten ist, wird er wieder erlöset werden.

  2. Ein Weiser läßt ihm Gottes Wort nicht verleiden; aber ein Heuchler schwebet wie ein Schiff auf dem ungestümen Meer.

  3. Ein verständiger Mensch * hält fest an Gottes Wort, und Gottes Wort ist ihm gewiß wie eine klare Rede.

    *Titus 1,9.

  4. Werde der Sache gewiß, danach rede davon; laß dich zuvor wohl lehren, so kannst du antworten.

  5. Des Narren Herz ist wie ein Rad am Wagen, und seine Gedanken laufen um wie die Nabe.

  6. Wie ein Schelhengst, der unter jeglichem Reiter wiehert, also ist ein Freund, der Lust zu Spötterei hat.

  7. Warum muß ein Tag heiliger sein denn der andre, so doch die Sonne zugleich alle Tage im Jahr macht?

  8. Die Weisheit des Herrn hat sie so unterschieden, und er hat die Zeiten und Feiertage also geordnet.

  9. Er hat etliche auserwählet und geheiliget vor andern Tagen,

  10. gleichwie alle Menschen aus der Erde und Adam aus dem Staube geschaffen ist,

    1. Mose 2,7.

  11. und doch der Herr sie unterschieden hat nach seiner mannigfaltigen Weisheit, und hat mancherlei Weise unter ihnen geordnet.

  12. Etliche hat er gesegnet, erhöhet und geheiliget, und zu seinem Dienst gefördert; etliche aber hat er verflucht und geniedriget, und aus ihrem Stande gestürzt.

  13. Denn sie sind in seiner Hand wie der Ton in des Töpfers Hand; er macht alle seine Werke, wie es ihm gefällt;

    Jesaja 45,9.

  14. also sind auch die Menschen in der Hand des, der sie gemacht hat, und gibt einem jeglichen, wie es ihn gut deucht.

  15. Also ist das Gute wider das Böse, und das Leben wider den Tod, und der Gottesfürchtige wider den Gottlosen geordnet.

  16. Also schaue alle Werke des Höchsten: so sind * immer zwei und zwei, und eines wider das andre geordnet.

    *Kapitel 42,25.

  17. Ich bin am letzten erwachet, wie einer, der im Herbst nachlieset; und Gott hat mir den Segen dazu gegeben, daß ich meine Kelter auch voll gemachet habe wie im vollen Herbst.

  18. Schauet, wie ich nicht für mich gearbeitet habe, sondern für alle, die gern lernen wollten.

  19. Gehorcht mir, ihr großen Herrn, und ihr, Regenten im Volk, nehmet's zu Herzen.

    Weisheit 6,2.3.

  20. Laß dem Sohn, der Frau, dem Bruder, dem Freunde nicht Gewalt über dich, weil du lebest; und übergib niemand deine Güter, daß dich's nicht gereue, und müssest sie darum bitten.

  21. Dieweil du lebest und Odem hast, untergib dich keinem andern Menschen.

  22. Es ist besser, daß deine Kinder dein bedürfen, denn daß du ihnen müssest in die Hände sehen.

  23. Bleib du der Oberste in deinen Gütern, und laß dir deine Ehre nicht nehmen.

  24. Wenn dein Ende kommt, daß du davon mußt, alsdann teile dein Erbe aus.

  25. Dem Esel gehört sein Futter, Geißel und Last; also dem Knecht sein Brot, Strafe und Arbeit.

  26. Halt den Knecht zur Arbeit, so hast du Ruhe vor ihm; lässest du ihn müßig gehen, so will er Junker sein.

  27. Das Joch und die Seile beugen den Hals; einem bösen Knechte Stock und Knüttel!

  28. Treibe ihn zur Arbeit, daß er nicht müßig gehe.

  29. Müßiggang lehret viel Böses.

  30. Lege ihm Arbeiten auf, die einem Knecht gebühren; gehorcht er dann nicht, so setze ihn in den Stock; doch lege keinem zu viel auf, und halt Maß in allen Dingen.

  31. Hast du einen Knecht, so halt über ihm, als über dir selbst; denn wer ihm was tut, der meinet dein Leib und Leben. Hast du einen Knecht, so laß ihn halten, als wärest du's selber; denn du bedarfst sein wie deines eignen Lebens.

    Kapitel 7,22.

  32. Hältst du ihn aber übel, daß er sich erhebt, und von dir läuft: wo willst du ihn wieder suchen?

Das 34. Kapitel.

Täuschung durch Träume. Wert des Vertrauens auf Gott. Warnung vor falschem Opfer.

  1. Unweise Leute betrügen sich selbst mit törichten Hoffnungen, und Narren verlassen sich auf Träume.

  2. Wer auf Träume hält, der greift nach dem Schatten, und will den Wind haschen.

  3. Träume sind nichts anders denn Bilder ohne Wesen.

  4. Was unrein ist, wie kann das rein sein? Und was falsch ist, wie kann das wahr sein?

  5. Eigne Weissagung und Deutung und Träume sind nichts, und machen doch einem schwere Gedanken,

  6. und wo es nicht kommt durch Eingebung des Höchsten, so halt nichts davon.

  7. Denn Träume betrügen viel Leute, und es fehlet denen, die darauf bauen.

  8. Man bedarf keiner Lüge dazu, daß man das Gebot halte; und man hat genug am Wort Gottes, wenn man recht lehren will.

  9. Ein wohlgeübter Mann verstehet viel, und ein wohlerfahrner kann von Weisheit reden.

  10. Wer nicht geübt ist, verstehet wenig,

  11. wer aber weit herumkommen ist, der ist voll Klugheit.

  12. Dieweil ich weit herumkam, konnte ich viel lernen, und ich weiß mehr, denn ich sage.

  13. Oft bin ich in Fahr (Gefahr) des Todes kommen, und durch solches daraus erlöset worden.

  14. Der Geist der Gottesfürchtigen wird beim Leben erhalten;

  15. denn ihre Hoffnung stehet auf dem, der ihnen helfen kann.

  16. Wer den Herrn fürchtet, der darf vor nichts erschrecken, noch sich entsetzen; denn er ist seine Zuversicht.

    Psalm 112,7.8.

  17. Wohl dem, der den Herrn fürchtet!

  18. Worauf verlässet er sich? Wer ist sein Trotz?

  19. * Die Augen des Herrn sehen auf die, so ihn lieb haben. Er ist ein gewaltiger Schutz, eine große Stärke, ein Schirm wider die Hitze, eine + Hütte wider den heißen Mittag, eine Hut wider das Straucheln, eine Hilfe wider den Fall;

    *Kapitel 15,20. Psalm 33,18. +Jesaja 4,6.

  20. der das Herz erfreuet, und das Angesicht fröhlich macht, und gibt Gesundheit, Leben und Segen.

  21. Wer von unrechtem Gut opfert, des Opfer ist ein Gespött;

    Sprüche 21,27.

  22. und solch Gespött der Gottlosen gefällt Gott nimmermehr.

  23. Die Gaben der Gottlosen gefallen dem Höchsten gar nicht; und Sünden lassen sich nicht versöhnen mit viel Opfern.

  24. Wer von des Armen Gut Opfert, der tut eben, als der den Sohn vor des Vaters Augen schlachtet.

  25. Der Arme hat nichts denn ein wenig Brots; wer ihn darum bringet, der ist ein Mörder.

  26. Wer einem seine Nahrung nimmt, der tötet seinen Nächsten.

  27. Wer dem Arbeiter seinen Lohn nicht gibt, der ist ein Bluthund.

  28. Wenn einer bauet, und der andre einreißt: was haben sie davon denn Arbeit?

  29. Wenn einer betet, und der andre flucht: wes Stimme soll der Herr erhören?

  30. Wer * sich wäscht, wenn er einen Toten angerühret hat, und rühret ihn wieder an: was hilft den sein Waschen?

    *4. Mose 19,18.19.

  31. Also ist der Mensch, der für seine Sünden fastet, und sündiget immer wieder: wer soll des Gebet erhören, und was hilft ihn sein Fasten?

Das 35. Kapitel.

Gott wohlgefällige Opfer. Erhörung des Gebets.

  1. Gottes Gebote halten, das ist ein reich Opfer.

    1. Samuel 15,22.

  2. Gottes Gebote groß achten, das ist das rechte Dankopfer.

  3. Wer Gott dankt, das ist das rechte Semmelopfer.

  4. Wer Barmherzigkeit übet, das ist das rechte Lobopfer.

    Hebräer 13,16.

  5. Von Sünden lassen, das ist ein Gottesdienst, der dem Herrn gefällt; und aufhören, unrecht zu tun, das ist ein recht Sühnopfer.

  6. Du sollst aber darum nicht leer vor dem Herrn erscheinen;

    5. Mose 16,16.

  7. denn solches muß man auch tun um Gottes Gebots willen.

  8. Des Gerechten Opfer machet den Altar reich, und sein * Geruch ist süß vor dem Höchsten.

    *1. Mose 8,21.

  9. Des Gerechten Opfer ist angenehm, und desselben wird nimmermehr vergessen.

  10. Gib Gott seine Ehre mit fröhlichen Augen, und * deine Erstlinge, ohne zu kargen.

    *2. Mose 23,19.

  11. Was du gibst, das gib gern, und heilige deine * Zehnten fröhlich.

    *3. Mose 27,30.32.

  12. Gib dem Höchsten, nach dem er dir bescheret hat; und was deine Hand vermag, das * gib mit fröhlichen Augen.

    *2. Korinther 9,7.

  13. Denn der Herr, der ein Vergelter ist, wird dir's siebenfältig vergelten.

  14. Verstümmle deine Gabe nicht; denn es ist nicht angenehm.

    3. Mose 22,20.

  15. Suche nicht Vorteil, wenn du opfern sollst; denn der Herr ist ein Rächer, und vor ihm gilt kein Ansehen der Person.

  16. Er hilft dem Armen, und siehet keine Person an, und erhöret das Gebet des Beleidigten.

  17. Er verachtet des Waisen Gebet nicht, noch die Witwe, wenn sie klagt.

    2. Mose 22,22.

  18. Die Tränen der Witwe fließen wohl die Backen herab;

  19. sie schreien aber über sich wider den, der sie herausdringet.

  20. Wer Gott dienet mit Lust, der ist angenehm, und sein Gebet reicht bis in die Wolken.

  21. Das Gebet der Elenden dringet durch die Wolken, und lässet nicht ab, bis es hinzukomme, und höret nicht auf, bis der Höchste dreinsehe.

  22. Und der Herr wird recht richten, und strafen, und nicht verziehen, noch es die Länge leiden, bis er den Unbarmherzigen die Lenden zerschmettere,

  23. und sich an solchen Leuten räche, und vertilge alle, die jene beleidigen, und die Gewalt der Ungerechten stürze,

  24. und gebe einem jeglichen nach seinen Werken, und lohne ihnen, wie sie es verdienet haben,

  25. und räche sein Volk, und erfreue sie mit seiner Barmherzigkeit.

  26. Gleichwie der Regen wohl kommt, wenn es dürre ist, also kommt die Barmherzigkeit auch in der Not zu rechter Zeit.

Das 36. Kapitel.

Gebet des Volks Gottes um Hilfe.

  1. Herr, allmächtiger Gott, erbarme dich unser!

  2. Und * siehe drein, und erschrecke alle Völker.

    *Psalm 80,17.

  3. Hebe deine Hand auf über die Fremden, daß sie deine Macht sehen.

  4. Wie du vor ihren Augen dich heilig erwiesen hast an uns, also erzeige dich herrlich an ihnen vor unsern Augen,

  5. auf daß sie erkennen, gleichwie wir erkennen, daß kein andrer Gott sei, denn du, Herr.

    2. Könige 19,19.

  6. Tue neue Zeichen und neue Wunder.

  7. Erzeige deine Hand und rechten Arm herrlich.

  8. Errege den Grimm, und schütte Zorn aus.

  9. Reiß den Widersacher dahin, und vertilge den Feind,

  10. und eile damit, und denke an deinen * Eid, daß man deine Wundertaten preise.

    *5. Mose 32,40.41.

  11. Der Zorn des Feuers müsse sie verzehren, die so sicher leben; und die deinem Volk Leid tun, müssen umkommen.

  12. Zerschmettre den Kopf der Fürsten, die uns feind sind und sagen: Wir sind's allein.

  13. Versammle alle Stämme Jakobs, und laß sie dein Erbe sein wie von Anfang.

  14. Erbarme dich deines Volks, das von dir den Namen hat, und des Israel, den du * nennest deinen ersten Sohn.

    *2. Mose 4,22.

  15. Erbarme dich der Stadt Jerusalem, da dein Heiligtum ist, und da du wohnest.

    Psalm 102,14.

  16. Richte Zion wieder an, daß daselbst dein Wort wieder aufgehe, daß deine Ehre im Volk groß werde.

  17. Erzeige dich gegen die, so von Anfang dein Eigentum gewesen sind; und erfülle die Weissagungen, die in deinem Namen verkündiget sind.

  18. Vergilt denen, so auf dich harren, daß deine Propheten wahrhaftig erfunden werden.

  19. Erhöre, Herr, das Gebet derer, die dich anrufen, nach dem * Segen Aarons über dein Volk; auf daß alle, so auf Erden wohnen, erkennen, daß du, Herr, der ewige Gott bist.

    *4. Mose 6,23-26.

Lob der guten Hausfrau. Warnung vor falschen Freunden und Ratgebern. Ermahnung zur Mäßigkeit.

  1. Der Bauch nimmt allerlei Speise zu sich; doch ist eine Speise besser denn die andre.

  2. Wie die Zunge das Wildbret kostet, also merkt ein verständig Herz die falschen Worte.

  3. Ein tückischer Mensch kann einen in ein Unglück bringen; aber ein erfahrner weiß sich davor zu hüten.

  4. Ein Weib wird jeden Mann annehmen; aber unter den Töchtern nimmt man die eine lieber denn die andre.

  5. Eine schöne Frau erfreuet ihren Mann, und ein Mann hat nichts Liebers.

  6. Wo sie dazu freundlich und fromm ist, so findet man des Manns gleichen nicht.

    Kapitel 26,16.

  7. Wer eine Hausfrau hat, der bringet sein Gut empor, und er hat eine treue Gehilfin und eine Säule, der er sich trösten kann.

  8. Wo kein Zaun ist, wird das Gut verwüstet, und wo keine Hausfrau ist, da gehet's dem Hauswirt, als ginge er in der Irre.

  9. Wie man nicht vertrauet einem Straßenräuber, der von einer Stadt in die andre schleicht, also trauet man auch nicht einem Mann, der kein Nest hat, und einkehren muß, wo er des Abends hinkommt.

Das 37. Kapitel.

  1. Ein jeglicher Freund spricht wohl: „Ich bin auch Freund;“ aber etliche sind allein mit dem Namen Freunde.

  2. Wenn Freunde einander feind werden, so bleibet der Gram bis in den Tod.

  3. Ach, wo kommt doch das böse Ding her, daß alle Welt so voll Falschheit ist?

  4. Wenn's dem Freund wohlgehet, so freuen sie sich mit ihm; wenn's ihm aber übel gehet, werden sie seine Feinde.

    Kapitel 6,8.

  5. Sie mühen sich mit ihm um des Bauchs willen; aber wenn die Not hergehet, so halten sie sich hinter dem Schilde.

  6. Vergiß deines Freundes nicht, wenn du fröhlich bist,

  7. und gedenke an ihn, wenn du reich wirst.

  8. Ein jeglicher Ratgeber will raten; aber etliche raten auf ihren eignen Nutz.

  9. Darum hüte dich vor dem Ratgeber; bedenke zuvor, was sein Vorteil sei. Denn er gedenkt vielleicht, ihm selbst zu raten, und will dich's wagen lassen,

  10. und spricht, du seiest auf der rechten Bahn; und er stehet gleichwohl wider dich, und merkt, wie es dir geraten will.

  11. Halt keinen Rat mit dem, der einen Argwohn zu dir hat, und nimm nicht zu Rat, die dich neiden.

  12. Gleich als wenn du ein Weib um Rat fragest, wie man ihrer Feindin freundlich sein soll, oder einen Verzagten, wie man kriegen soll, oder einen Kaufmann, wie hoch er deine Ware gegen seine achten wolle, oder einen Käufer, wie teuer du geben sollst,

  13. oder einen Neidischen, wie man wohltun, oder einen Unbarmherzigen, wie man Gnade erzeigen soll, oder einen Faulen, wie man viel arbeiten könne,

  14. oder einen Taglöhner, der nirgend ansässig ist, wie man die Arbeit zu Ende bringen soll, oder einen trägen Hausknecht, wie man viel vor sich bringen könne. * Solche Leute nimm nicht zu Rat,

    *Kapitel 9,21.

  15. sondern halt dich stets zu gottesfürchtigen Leuten, da du weißt, daß sie Gottes Gebote halten;

  16. die gesinnet sind, wie du bist, die Mitleiden mit dir haben, wo du strauchelst.

  17. Und bleibe bei derselben Rat; denn du wirst keinen treuern Rat finden.

  18. Und solcher einer kann oft etwas besser ersehen denn sieben Wächter, die oben auf der Warte sitzen.

  19. Doch in dem allem rufe auch den Allerhöchsten an, daß er dein Tun gelingen und nicht fehlen lasse.

  20. Ehe du was anfängest, so frage zuvor; und ehe du was tust, so nimm Rat dazu.

  21. Denn wo man was Neues vorhat, da muß der vier eines kommen: daß es gut oder böse werde, daß Leben oder Tod draus folge; und dies alles regiert allezeit die Zunge.

  22. Mancher ist wohl geschickt, andern zu raten, und ist ihm selber nichts nütze.

  23. Mancher will klüglich raten, und man höret ihn doch nicht gern, und er bleibt ein Bettler;

  24. denn er hat nicht vom Herrn die Gnade dazu, und ist keine Weisheit in ihm.

  25. Mancher ist weise durch eigne Erfahrung; der schafft mit seinem Rat Nutz, und trifft's.

  26. Ein weiser Mann kann sein Volk lehren, und schafft mit seinem Rat Nutz, und trifft's.

  27. Ein weiser Mann wird hoch gelobt, und alle, die ihn sehen, preisen ihn.

  28. * Ein jeglicher hat eine bestimmte Zeit zu leben; aber Israels Zeit hat keine Zahl.

    *Hiob 14,5.

  29. Ein Weiser hat bei seinen Leuten ein groß Ansehen, und sein Name bleibet ewiglich.

  30. Mein Kind, prüfe, was deinem Leibe gesund ist; und siehe, was ihm ungesund ist, das gib ihm nicht.

  31. Denn allerlei dienet nicht jedermann; so mag auch nicht jedermann allerlei.

  32. Überfülle dich nicht mit allerlei leckerer Speise, und friß nicht zu gierig.

  33. Denn viel Fressen macht krank, und ein unersättlicher Fraß kriegt das Grimmen.

    Kapitel 31,24.

  34. Viele haben sich zu Tod gefressen; wer aber mäßig ist, der lebet desto länger.

Das 38. Kapitel.

Lob des Arztes. Trauer über Verstorbene. Von Handarbeit.

  1. Ehre den Arzt mit gebührlicher Verehrung, daß du ihn habest zur Not;

  2. denn der Herr hat ihn geschaffen, und die Arznei kommt von dem Höchsten, und Könige ehren ihn.

  3. Die Kunst des Arztes erhöhet ihn, und macht ihn groß bei Fürsten und Herrn.

  4. Der Herr läßt die Arznei aus der Erde wachsen, und ein Vernünftiger verachtet sie nicht.

  5. Ward * doch das bittre Wasser süß durch ein Holz, auf daß man seine Kraft erkennen sollte.

    *2. Mose 15,25.

  6. Und er hat solche Kunst den Menschen gegeben, daß er gepriesen würde in seinen Wunderwerken.

  7. Damit heilet er, und vertreibt die Schmerzen; und der Apotheker macht Arznei draus.

  8. Gottes Werke kann man nicht alle erzählen; und er gibt alles, was gut ist auf Erden.

  9. Mein Kind, wenn du krank bist, so verachte dies nicht, sondern bitte den Herrn, so wird er dich gesund machen.

  10. Laß von der Sünde, und mache deine Hände unsträflich, und reinige dein Herz von aller Missetat.

    Kapitel 35,5.

  11. Opfre süßen Geruch und Semmelmehl zum Gedenkopfer; und gib ein fett Opfer, als müssest du davon.

  12. Danach laß den Arzt zu dir, denn der Herr hat ihn geschaffen; und laß ihn nicht von dir, weil du sein doch bedarfst.

  13. Es kommen Zeiten, da dem Kranken auch durch jene muß geholfen werden;

  14. denn auch sie werden den Herrn bitten, daß er's ihnen gelingen lasse, auf daß es mit ihm besser werde, und er Gesundheit kriege, länger zu leben.

  15. Wer vor seinem Schöpfer sündigt, der müsse dem Arzt in die Hände kommen!

    Psalm 107,17.18. Johannes 5,14.

  16. Mein Kind, wenn einer stirbt, so beweine ihn, und klage ihn, als sei dir groß Leid geschehen, und verhülle seinen Leib gebührlicherweise, und bestatte ihn ehrlich zum Grabe.

  17. Du sollst bitterlich weinen, und herzlich betrübt sein, und Leid tragen, danach er gewesen ist,

  18. zum wenigsten einen Tag oder zween, auf daß man nicht übel von dir reden möge; und * tröste dich auch wieder, daß du nicht allzu traurig werdest.

    *Kapitel 22,11.

  19. Denn von Trauern kommt der Tod, und des Herzens Traurigkeit schwächet die Kräfte.

    Kapitel 30,25. Sprüche 17,22.

  20. Mit der Anfechtung bleibt auch die Traurigkeit, und Armut tut dem Herzen wehe.

  21. Laß die Traurigkeit nicht in dein Herz, sondern schlage sie von dir, und denke ans Ende, und vergiß es nicht.

  22. Denn da ist kein Wiederkommen; es hilft ihn nichts, und du tust dir Schaden.

  23. Gedenke an ihn; wie er gestorben, so mußt du auch sterben. Gestern war's an mir, heute ist's an dir.

  24. Weil der Tote nun in der Ruhe liegt, so * höre auch auf, sein zu gedenken, und tröste dich wieder über ihn, weil sein Geist von hinnen geschieden ist.

    *2. Samuel 12,20.

  25. Wer die Schrift lernen soll, der kann keiner andern Arbeit warten; und wen man lehren soll, der muß sonst nichts zu tun haben.

  26. Wie kann der der Lehre warten, der pflügen muß, und der gerne die Ochsen mit der Geißel treibet, und mit dergleichen Werken umgehet, und weiß nichts, denn von Ochsen zu reden?

  27. Er muß denken, wie er ackern soll, und muß spät und früh den Kühen Futter geben.

  28. Also auch die Tischler und Zimmerleute, die Tag und Nacht arbeiten, und schnitzen Bildwerke, und Fleiß haben, mancherlei Arbeit zu machen, die müssen denken, daß es recht werde, und früh und spät dran sein, daß sie es vollenden.

  29. Also ein Schmied, der muß bei seinem Amboß sein, und seiner Schmiede warten, und wird matt vom Feuer, und arbeitet sich müde über der Esse.

  30. Das Hämmern schlägt ihm die Ohren voll, und er siehet drauf, wie er das Werk recht mache,

  31. und muß denken, wie er's fertige, und früh und spät dran sein, daß er's fein ausarbeite.

  32. Also ein Töpfer, der muß bei seiner Arbeit sein, und die Scheibe mit seinen Füßen umtreiben, und muß immer mit Sorgen sein Werk machen, und hat sein gewiß Tagwerk.

  33. Er muß mit seinen Armen aus dem Ton sein Gefäß formieren, und muß sich zu seinen Füßen müde bücken.

  34. Er muß denken, wie er's fein glasiere, und früh und spät den Ofen fegen.

  35. Diese alle trösten sich ihres Handwerks, und ein jeglicher fleißiget sich, daß er seine Arbeit könne.

  36. Man kann ihrer in der Stadt nicht entbehren.

  37. Aber man kann sie nirgend hinschicken; sie können der Ämter auch nicht warten, noch in der Gemeine regieren.

  38. Sie können den Verstand nicht haben, die Schrift zu lehren, noch das Recht und Gerechtigkeit zu predigen.

  39. Weise Sprüche werden bei ihnen nicht gefunden, sondern sie müssen der zeitlichen Nahrung warten, und denken nicht weiter, denn was sie mit ihrer Arbeit gewinnen mögen.

Das 39. Kapitel.

Von Schriftgelehrsamkeit. Ermahnung zum Lob Gottes.

  1. Wer sich aber darauf geben soll, daß er das Gesetz des Höchsten lerne, der muß die Weisheit aller Alten erforschen, und in den Propheten studieren.

  2. Er muß die Geschichten der berühmten Leute merken, und denselben nachdenken, was sie bedeuten und lehren.

  3. Er muß die geistlichen Sprüche lernen, und in den tiefen Reden sich üben.

  4. Der kann den Fürsten dienen, und bei den Herren sein.

  5. Er kann sich schicken lassen in fremde Lande; denn er hat versucht, was bei den Leuten taugt oder nicht taugt;

  6. und denkt, wie er früh aufstehe, den Herrn zu suchen, der ihn geschaffen hat; und betet vor dem Höchsten.

  7. Er tut seinen Mund getrost auf, und betet für seine Sünden.

  8. Und wenn dann der Herr also versöhnet ist, so * gibt er ihm den Geist der Weisheit reichlich,

    *Jakobus 1,5.

  9. daß er weisen Rat und Lehre geben kann gewaltiglich, dafür er dem Herrn dankt in seinem Gebet.

  10. Und der Herr gibt Gnade dazu, daß sein Rat und Lehre fortgehen.

  11. Und er * betrachtet's zuvor bei sich selbst; danach sagt er seinen Rat und Lehre heraus, und beweiset's mit der heiligen Schrift.

    *Kapitel 6,37.

  12. Und viele verwundern sich seiner Weisheit, und sie wird nimmermehr untergehen.

  13. Sein wird nimmermehr vergessen, und sein Name bleibet für und für.

  14. Was er gelehret hat, wird man weiter predigen, und die Gemeine wird ihn rühmen.

  15. Dieweil er lebt, hat er einen größern Namen denn andere tausend; und nach seinem Tod bleibt ihm derselbige Name.

  16. Ich habe noch etwas mehr zu sagen; denn ich bin von Gedanken voll wie der volle Mond.

  17. Gehorcht mir, ihr heiligen Kinder, und wachset wie die Rosen, an den Bächlein gepflanzet,

  18. und gebt süßen Geruch von euch wie Weihrauch; blühet wie die Lilien, und riechet wohl.

  19. Singet löblich und lobet den Herrn in allen seinen Werken, preiset seinen Namen herrlich.

  20. Danket ihm und lobet ihn mit Singen und Klingen, und sprecht also im Danken:

  21. Alle * Werke des Herrn sind sehr gut, und was er gebeut, das geschieht zu rechter Zeit.

    *1. Mose 1,31.

  22. Und man darf nicht sagen: Was ist das? was soll das? Denn zu ihrer Zeit kommen sie alle erwünschet; gleich als da durch sein Gebot * das Wasser stund wie Mauern, und durch sein Wort die Wasser stunden, als wären sie gefasset.

    *2. Mose 14,22. Josua 3,16.

  23. Denn was er durch sein Gebot schaffet, das ist lieblich, und man darf über keinen Mangel klagen an seiner Hilfe.

  24. Aller Menschen Werke sind vor ihm, und vor seinen Augen ist nichts verborgen.

  25. Er siehet alles von Anfang der Welt bis ans Ende der Welt, und vor ihm ist kein Ding neu.

    Kapitel 15,19.

  26. Man darf nicht sagen: Was ist das? was soll das? Denn er hat ein jegliches geschaffen, daß es zu etwas dienen soll.

  27. Denn sein Segen fleußt daher wie ein Strom, und tränket die Erde wie eine * Sintflut.

    *große Flut.

  28. Wiederum sein Zorn trifft die Heiden, als wenn er ein wasserreich Land verdorren läßt.

  29. Sein Tun ist bei den Heiligen recht aber die Gottlosen stoßen sich dran.

    Psalm 18,27.

  30. Alles, was von Anfang geschaffen ist, das ist den Frommen gut, aber den Gottlosen schädlich.

    Weisheit 16,24.

  31. Der Mensch bedarf zu seinem Leben Wasser, Feuer, Eisen, Salz, Mehl, Honig, Milch, Wein, Öl und Kleider.

  32. Solches alles kommt den Frommen zugut, und den Gottlosen zu Schaden.

  33. Es sind auch die Winde ein Teil zur Rache geschaffen, und durch ihr Stürmen tun sie Schaden;

  34. und wenn die Strafe kommen soll, so toben sie, und richten den Zorn aus des, der sie geschaffen hat.

  35. Feuer, Hagel, Hunger, Tod, solches alles ist zur Rache geschaffen.

  36. Die wilden Tiere, Skorpione, Schlangen und das Schwert sind auch zur Rache geschaffen, zu verderben * die Gottlosen.

    *Kapitel 40,10.

  37. Mit Freuden * tun sie seinen Befehl, und sind bereit, wo er ihrer bedarf auf Erden; und wenn das Stündlein kommt, lassen sie nicht ab.

    *Psalm 148,8.

  38. Das ist's, das ich anfing und gedachte, zu schreiben:

  39. daß alle Werke des Herrn gut sind, und ein jegliches zu seiner Zeit nütz ist;

    Vers 21.

  40. daß man nicht sagen darf: „Es ist nicht alles gut;“ denn es ist ein jegliches zu seiner Zeit köstlich.

  41. Darum soll man den Namen des Herrn loben, und danken mit Herzen und Munde.

Das 40. Kapitel.

Klage über der Menschen Elend. Wert und Unwert zeitlicher Güter. Vom Bettel.

  1. Es ist ein * elend jämmerlich Ding um aller Menschen Leben von Mutterleib an, bis sie in die Erde begraben werden, die unser aller Mutter ist.

    *Psalm 90,10.

  2. Da ist immer Sorge, Furcht, Hoffnung und zuletzt der Tod,

  3. sowohl bei dem, der in hohen Ehren sitzt, als bei dem Geringsten auf Erden;

  4. sowohl bei dem, der Purpur und Krone trägt, als bei dem, der einen groben Kittel anhat. Da ist immer Zorn, Eifer, Widerwärtigkeit, Unfriede und Todesfurcht, Neid und Zank.

  5. Und wenn einer des Nachts auf seinem Bette ruhen und schlafen soll, fallen ihm mancherlei Gedanken ein.

  6. Wenn er gleich ein wenig ruhet, so ist's doch nichts; denn er erschrickt im Traum, als sehe er die Feinde kommen.

  7. Und wenn er aufwacht, und siehet, daß er sicher ist, so ist ihm, als der aus der Schlacht entronnen ist, und ist wunderfroh, daß die Furcht nichts ist gewesen.

  8. Solches widerfähret allem Fleisch, sowohl Menschen als Vieh, aber den Gottlosen siebenmal mehr:

  9. Mord, Blut, Hader, Schwert, Unglück, Hunger, Verderben und Plage.

  10. Solches alles ist geordnet wider die Gottlosen; denn auch * die Sintflut um ihretwillen kommen mußte.

    *1. Mose 6,13.

  11. Alles, was aus der Erde kommt, * muß wieder zu Erde werden, wie + alle Wasser wieder ins Meer fließen.

    *1. Mose 3,19. +Prediger 1,7.

  12. Alle Geschenke und unrecht Gut müssen untergehen; aber die Wahrheit bleibet ewiglich.

  13. Der Gottlosen Güter versiegen wie ein Bach, wie ein Donner verrauscht im Regen.

  14. Sie sind fröhlich, solange sie Geschenke nehmen; aber zuletzt gehen sie doch zu Boden.

  15. Die Nachkommen der Gottlosen werden keine Zweige kriegen, und der Ungerechten Wurzel stehet auf einem bloßen Felsen.

    Kapitel 23,35.

  16. Und wenn sie gleich sehr feucht und am Wasser stünden, werden sie doch ausgerottet eher denn alles Gras.

  17. Wohltun aber ist wie * ein gesegneter Garten, und Barmherzigkeit bleibt ewiglich.

    *Vers 28.

  18. Wer sich mit seiner Arbeit nähret, und läßt ihm genügen, der hat ein fein ruhig Leben. Das heißt einen Schatz über alle Schätze finden.

  19. Kinder zeugen und die Stadt bessern, machet ein ewig Gedächtnis; aber ein * untadelig Weib mehr denn beides.

    *Sprüche 31,28.

  20. Wein und Saitenspiel erfreuen das Herz; aber die Weisheit ist lieblicher denn die beide.

  21. Pfeife und Harfe lauten wohl; aber eine * freundliche Rede besser denn die beide.

    *Sprüche 12,25.

  22. Dein Auge siehet gern, was lieblich und schön ist; aber eine grüne Saat lieber denn beides.

  23. Ein Freund kommt zum andern in der Not; aber Mann und Weib viel mehr.

  24. Ein Bruder hilft dem andern in der Not; aber Barmherzigkeit hilft viel mehr.

  25. Gold und Silber erhalten einen Mann; aber viel mehr ein guter Rat.

  26. Geld und Gut machet Mut; aber viel mehr die Furcht des Herrn.

  27. Die Furcht des Herrn mangelt nichts, und sie bedarf keiner Hilfe.

  28. Die Furcht des Herrn ist * ein gesegneter Garten, und ist nichts so schön, als sie ist.

    *Vers 17.

  29. Mein Kind, gib dich nicht aufs Betteln; es ist besser sterben, denn betteln.

  30. Wer sich auf eines andern Tisch verläßt, der gedenkt sich nicht mit Ehren zu nähren; denn er muß sich versündigen um fremder Speise willen;

  31. aber davor hütet sich ein vernünftiger, weiser Mann.

  32. Bettelei schmeckt wohl dem unverschämten Maul; aber er wird zuletzt ein böses Fieber davon kriegen.



DAS BUCH JESUS SIRACH 41 - 51