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DIE BIBEL
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Apokryphen
DAS BUCH
JESUS SIRACH.
Kapitel 19 –
40
Das 19. Kapitel.
Böse Lust, Geschwätz und Arglistigkeit zu meiden.
Ein Arbeiter, der sich gern voll säuft, der
wird nicht reich; und wer ein Geringes nicht zu Rat hält,
der nimmt für und für ab.
Wein und * Weiber betören die Weisen;
*1. Könige 11,3.4. Kapitel 9,9.
und die sich an Huren hängen, werden wild, und
kriegen Motten und Würmer zu Lohn, und verdorren, den andern
zum merklichen Beispiel.
Wer bald glaubet, der ist leichtfertig, und tut
sich, wenn er sich so verführen läßt, selbst
Schaden.
Wer sich freuet, daß er Schalkheit treiben kann, der
wird verachtet; wer aber solche unnütze Schwätzer
hasset, der verhütet Schaden.
Hörest du was Böses, das sage nicht nach, denn
Schweigen schadet dir nicht.
Du sollst's weder Freund noch Feinde sagen;
und offenbare es nicht, wo du es ohne böses Gewissen
verschweigen kannst.
Denn man höret dir wohl zu und merket drauf; aber man
hasset dich gleichwohl.
Hast du etwas gehöret, laß es mit dir sterben,
so hast du ein ruhig Gewissen; denn du wirst ja nicht davon
bersten.
Aber ein Narr bricht heraus, wie ein zeitig Kind heraus
will.
Wenn ein Wort im Narren steckt, so ist's eben, als wenn
ein Pfeil in der Hüfte steckt.
Sprich deinen Nächsten drum an, vielleicht hat er's
nicht getan; oder hat er's getan, daß er's nicht mehr tue.
Sprich deinen Nächsten drum an, vielleicht hat er's
nicht geredet; hat er's aber geredet, daß er's nicht mehr
tue.
Sprich deinen Freund drum an, denn man lüget gern auf
die Leute; drum glaube nicht alles, was du hörest.
Es entfähret oft einem ein Wort, und meinet's doch
nicht also; denn wer ist, dem nicht zuweilen ein Wort entfähret?
Jakobus 3,2.
Sprich deinen Nächsten drum an, ehe du mit ihm
pochest, und denke an Gottes Gebot.
Denn die Furcht Gottes machet weislich tun in allen
Sachen, und Gottes Gebot lehret klüglich fahren in allem
Handel.
Psalm 111,10.
Arglistigkeit ist nicht Weisheit, und der Gottlosen Tücken
sind keine Klugheit;
sondern es ist eine Bosheit und Abgötterei und eitel
Torheit und Unweisheit.
Es ist besser geringe Klugheit mit Gottesfurcht denn große
Klugheit mit Gottesverachtung.
Es ist mancher scharfsinnig, aber ein Schalk, und kann die
Sache drehen, wie er's haben will.
Derselbe Schalk kann den Kopf hängen und ernst sehen,
und ist doch eitel Betrug.
Er schläget die Augen nieder, und horchet mit
Schalksohren, und wo du nicht acht auf ihn hast, so wird er dich
übereilen.
Und ob er zu schwach ist, dir Schaden zu tun, so * wird er
dich doch, wenn er seine Zeit siehet, berücken.
*2. Samuel 13,28.
Man siehet's einem wohl an, was er für ein Mann ist,
und einen Vernünftigen merkt man an seinen Gebärden.
Denn eines Mannes Kleidung, Lachen und Gang zeigen, was an
ihm ist.
Das 20. Kapitel.
Vermischte Lehren und Warnungen, besonders vor Vergehungen
mit der Zunge.
Es strafet einer oft
seinen Nächsten zur Unzeit, und täte weislicher, daß
er schwiege.
Es ist besser, frei strafen,
denn heimlich Haß tragen.
Und wer's zu Dank annimmt, dem
bringet's Frommen.
Wer Gewalt übet im
Gericht, der ist eben als einer, der eine Jungfrau schändet,
die er bewahren soll.
Der eine schweiget, und wird
weise erfunden; der andre wird gehasset, weil er viel wäschet.
Der eine schweiget darum, daß
er sich nicht kann verantworten; der andere aber schweiget, und
wartet * seiner Zeit.
*Prediger
3,7.
Ein weiser Mann schweiget, bis
er seine Zeit ersiehet; aber ein jäher Narr kann der Zeit
nicht erharren.
Wer viel plaudert, der macht
sich feindselig, und wer sich viel anmaßet, dem wird man
gram.
Es glückt manchem
in bösen Sachen; aber es gedeihet ihm zum Verderben.
Es gibt oft einer etwas, da
er's übel anlegt; dagegen gibt einer, da er's sehr wohl
anlegt.
Wer sehr pranget, der verdirbt
drüber; wer sich aber bücket, der kommt empor.
Mancher kaufet am ersten
wohlfeil; aber hernach muß er's teuer genug bezahlen.
Ein weiser Mann machet
sein Geschenk wert mit lieblichen Worten; aber was die Narren
schenken, machen sie selbst unwert.
Des Narren Geschenk wird dir
nicht viel frommen; denn mit einem Auge gibt er, und mit sieben
Augen siehet er, was er dafür kriege.
Er gibt wenig, und rücket
einem viel auf, und schreiet's aus als ein Ausrufer.
Kapitel
18,18.
Heute leihet er, morgen will
er's wieder haben. Das sind feindselige Leute.
Der Narr klagt: „Mir ist
niemand treu, niemand dankt mir für meine Wohltaten.
Auch die mein Brot essen,
reden nichts Gutes von mir.“
O, wie oft und von vielen wird
er verspottet!
Er fällt fährlicher
durch seine Rede, denn so er vom Söller fiele; also gehet's
den Bösen, daß sie doch zuletzt plötzlich fallen
müssen.
Ein grober, ungezogner
Mensch plaudert unvorsichtiglich, und wäscht immerfort, wie
es ihm einfällt.
Wenn ein Narr schon etwas
Gutes redet, so taugt es doch nicht; denn er redet's nicht zu
rechter Zeit.
Manchem wehret seine Armut,
daß er nichts Übels tut; davon hat er den Vorteil, daß
er kein böses Gewissen hat.
Mancher tut lieber das Ärgste,
denn daß er seine Ehre verliere, und tut's um gottloser
Leute willen.
Mancher scheut sich, und ist
dem Freunde willfährig, und eben damit krieget er ihn zum
Feinde.
Die Lüge ist ein
häßlicher Schandfleck an einem Menschen, und ist
gemein bei ungezognen Leuten.
Ein Dieb ist nicht so böse
als ein Mensch, der sich zu Lügen gewöhnet; aber
zuletzt kommen sie beide an den Galgen.
Lügen ist dem Menschen
ein schändlich Ding, und er kann damit nimmermehr zu Ehren
kommen.
Ein weiser Mann bringet sich
selbst zu Ehren durch seine weise Rede; und ein kluger Mann ist
lieb und wert bei Fürsten.
1. Mose
41,37.38.
Wer * seinen Acker fleißig
bauet, der macht seinen Haufen groß; und wer bei Fürsten
sich hält, daß er lieb und wert ist, der kann vielem
Bösen zuvorkommen.
*Sprüche
12,11; 28,19.
Geschenke und Gaben verblenden
die Weisen, und legen ihnen einen Zaum ins Maul, daß sie
nicht strafen können.
2. Mose
23,8.
Ein weiser Mann, der sich
nicht brauchen läßt, und ein vergrabener Schatz, wozu
sind sie beide nütze?
Es ist besser, daß sich
der Unweise verkrieche denn der Weise.
Das 21. Kapitel.
Warnung vor der Sünde. Unterschied zwischen dem Weisen
und dem Toren.
Mein Kind, hast du
gesündiget, so höre auf und bitte, daß dir die
vorigen auch vergeben werden.
Fleuch (Flieh)
vor der Sünde wie vor einer Schlange; denn so du ihr zu nahe
kommest, so sticht sie dich.
Ihre Zähne sind wie Löwenzähne, und
töten den Menschen.
Eine jegliche Sünde ist
wie ein zweischneidig Schwert, und verwundet, daß es
niemand heilen kann.
Wer Gewalt und Unrecht
tut, muß zuletzt zum Bettler werden; und wer * stolz ist,
kommt zuletzt von Haus und Hofe.
*Kapitel
10,17.18.
Denn sobald der * Elende ruft,
so höret's Gott, und die Rache wird eilend kommen.
*Psalm 34,7.
Wer sich nichts sagen läßt,
der ist schon auf der Bahn des Gottlosen; und wer Gott fürchtet,
der nimmt's zu Herzen.
Wer seine Zunge wohl brauchen
kann, den kennet man von fern; aber ein Kluger merkt wohl, wenn
derselbe fehlet.
Wer
sein Haus bauet mit andrer Leute Gut, der sammelt Steine ihm zum
Grabe.
Die
Rotte der Gottlosen ist wie ein Haufe Wergs, das mit Feuer
verzehret wird.
1.
Mose 19,24. Jesaja 1,31.
Die
Gottlosen gehen zwar auf einem feinen Pflaster; aber desselbigen
Ende ist der Hölle Abgrund.
Wer
Gottes Gebot hält, der folget seinem eignen Kopf nicht;
und
Gott mit Ernst fürchten, ist Weisheit.
Kapitel
1,16.
Wo
nicht Vernunft innen ist, das läßt sich nicht ziehen.
Etliche
sind vernünftig genug, richten aber damit viel Unglücks
an.
Eines
weisen Manns Lehre fleußt (fließt)
daher wie eine Flut und wie eine lebendige Quelle.
Des
Narren Herz ist wie ein Topf, der da rinnet, und kann keine Lehre
halten.
Wenn
ein Vernünftiger eine gute Lehre höret, so lobet er
sie, und breitet sie aus; höret sie aber ein Mutwilliger, so
mißfällt sie ihm, und wirft sie hinter sich.
Die
Rede des Narren drücket wie eine Last auf dem Wege; aber
wenn ein Weiser redet, das ist lieblich zu hören.
Im Rat
hat man acht, was der Weise redet; und was er rät, das gilt.
Des
Narren Rede siehet wie ein eingefallen Haus; und des
Unverständigen Rat kann man nicht wissen, was es ist.
Wenn
man den Narren ziehen will, so stellet er sich, als wollte man
ihm Fesseln an Hände und Füße legen;
aber
ein Weiser achtet's für einen güldnen Schmuck und für
ein Geschmeide am rechten Arm.
Ein
Narr läuft frei einem ins Haus; aber ein Vernünftiger
scheuet sich.
Ein
Narr gucket frei einem zum Fenster hinein; aber ein Vernünftiger
bleibt draußen stehen.
Es ist
eine Ungezogenheit, einem an der Tür horchen; ein
Vernünftiger hielte es für eine Schmach.
Die
unnützen Wäscher plaudern, das nichts zur Sache dienet;
die Weisen aber wägen ihre Worte mit der Goldwaage.
Die
Narren haben ihr Herz im Maul; aber die * Weisen haben ihren Mund
im Herzen.
*Kapitel
39,11.
Ein
Narr lachet überlaut; ein Weiser lächelt ein wenig.
Wenn
der Gottlose einem Schalk flucht, so flucht er sich selber.
Die
Ohrenbläser tun ihnen selbst Schaden, und hat sie niemand
gern um sich.
Das 22.
Kapitel.
Unglück der Toren und
Gottlosen. Vom Umgang mit Freunden.
Ein
fauler Mensch ist gleich wie ein Stein, der im Kot liegt;
wer ihn
aufhebt, der muß die Hände wieder wischen.
Ein
ungezogner Sohn ist seinem Vater eine Unehre, und eine törichte
Tochter ein Schade.
Sprüche
17,25.
Eine
vernünftige Tochter kriegt wohl einen Mann; aber eine
ungeratene Tochter läßt man sitzen, und sie bekümmert
ihren Vater.
Und
welche wild ist, die ist dem Vater und dem Mann eine Unehre, und
wird von beiden gehasset.
Eine
Rede, so zur Unzeit geschieht, reimet sich eben wie ein
Saitenspiel, wenn einer traurig ist. Strafe und Lehre soll man zu
rechter Zeit üben.
Wer
einen Narren lehret, der flicket Scherben zusammen, und tut eben,
als wenn man einen aus einem tiefen Schlaf weckt.
Wer mit
einem Narren redet, der redet mit einem Schlafenden;
wenn's
aus ist, so spricht er: Was ist's?
Über
einen Toten pfleget man zu trauern, denn er hat das Licht nicht
mehr; aber über einen Narren sollte man trauern, daß
er keinen Verstand hat.
Man
soll nicht zu sehr trauern über den Toten; denn er ist zu
Ruhe kommen.
Aber
des Narren Leben ist ärger denn der Tod.
*
Sieben Tage trauert man über einen Toten, aber über
einen Narren und Gottlosen ihr Leben lang.
*1.
Mose 50,10.
Rede
nicht viel mit einem Narren, und gehe nicht viel um mit einem
Unverständigen.
Halte
dich von ihm, daß du nicht Mühe von ihm habest, und
von seinem Unflat befleckt werdest.
Weiche
nur von ihm, so bleibest du mit Frieden, und kommest nicht in
Angst und Not über seiner Torheit.
Was ist
schwerer denn Blei? und wie will man einen Narren anders heißen
denn Blei?
Es ist
leichter, Sand, Salz und Eisen tragen denn einen unverständigen
Menschen.
Sprüche
27,3.
Gleichwie
ein Haus, das fest in einander verbunden ist, nicht zerfällt
vom Sturmwind, also auch ein Herz, das seiner Sache gewiß
ist, das fürchtet sich vor keinem Schrecken.
Gleichwie
eine gute Tünche an ebener Wand, also ist ein Herz, welches
festhält an verständiger Erkenntnis.
Wie ein
Zaun auf hohem Berge wider den Wind nicht kann bestehen,
also
stehet das blöde Herz des Narren in seinem Vornehmen wider
kein Erschrecken.
Wenn
man das Auge drückt, so gehen Tränen heraus;
und
wenn man einem das Herz trifft, so läßt er sich's
merken.
Wer
unter die Vögel wirft, der scheucht sie weg; und wer seinen
Freund schmähet, der zertrennet die Freundschaft.
Wenn du
gleich ein Schwert zückest gegen deinen Freund, so gib die
Hoffnung nicht auf; denn ihr könnet wohl wieder Freunde
werden.
Hast du
gegen deinen Freund den Mund aufgetan, so sei ohne Sorge; denn
man kann alles versöhnen, ausgenommen die Schmach,
Verachtung, * Offenbarung der Heimlichkeit und böse Tücke.
Solche Stücke verjagen den Freund.
*Kapitel
27,23.24.
Bleib
treu deinem Freund in seiner Armut, daß du dich mit ihm
freuen mögest, wenn's ihm wohlgehet.
Halt
fest bei ihm, wenn's ihm übel gehet, auf daß du seines
Glücks auch genießen mögest.
Ein
Rauch und Dampf gehet vorher, wenn ein Feuer brennen will; also
kommt's vom Schmähen zum Blutvergießen.
Schäme
dich nicht, deinen Freund zu schützen, und meide ihn nicht.
Widerfähret
dir etwas Böses von ihm, so wird sich vor ihm hüten,
wer's höret.
Gebet um Beistand Gottes zur
Bezähmung der Begierden. Warnung vor leichtsinnigem Schwören
und vor Unzucht.
O,
daß * ich könnte ein Schloß an meinen Mund
legen, und ein fest Siegel auf meine Lippen drücken, daß
ich dadurch nicht zu Fall käme, und meine Zunge mich nicht
verderbte!
*Kapitel
28,28. Psalm 141,3.
Das 23.
Kapitel.
Herr, Gott, Vater und Herr meines Lebens, laß mich
nicht unter die Lästerer geraten, und laß mich nicht
unter ihnen verderben!
O, daß ich meine Gedanken könnte im Zaum
halten, und mein Herz mit Gottes Wort züchtigen, und ich
mein nicht schonte, wo ich fehlete,
auf daß ich nicht Sünden anrichtete, und großen
Irrtum stiftete, und viel Übels beginge, damit ich nicht
untergehen müßte vor meinen Feinden, und ihnen zum
Spott würde!
Herr, Gott, Vater und Herr meines Lebens,
behüte mich vor unzüchtigem Gesicht, und
wende von mir alle böse Lüste!
Laß mich nicht in Schlemmen und Unkeuschheit
geraten, und behüte mich vor unverschämtem Herzen!
Lieben Kinder, lernet
das Maul halten; denn wer es hält, der wird sich mit Worten
nicht vergreifen,
wie die Gottlosen darin
gefangen werden, und die Lästerer und Stolzen dadurch
fallen.
Gewöhne deinen Mund nicht zum Schwören, und
* Gottes Namen zu führen.
*2. Mose
20,7.
Denn gleichwie ein Knecht, der
oft gestäupt (geschlagen)
wird, nicht ohne Striemen ist,
also kann der auch nicht rein
von Sünden sein, der oft schwöret, und Gottes Namen
führet.
Wer oft schwöret, der
sündiget oft, und die Plage wird von seinem Hause nicht
bleiben.
Schwöret er, und
verstehet's nicht, so sündiget er gleichwohl; verstehet
er's, und verachtet's, so sündiget er zwiefältig;
schwöret er aber
fälschlich, so wird er nicht losgesprochen; sein Haus wird
hart gestraft werden.
Es ist auch ein tödlicher
Fluch; davor behüte Gott das Haus Jakob!
Und die Gottesfürchtigen
fliehen solches, und besudeln sich nicht mit dieser Sünde.
Gewöhne deinen Mund nicht
zu leichtfertigen und unreinen Reden, denn solche sind sündlich.
Vergiß nicht deines
Vaters und deiner Mutter, wenn du unter Herren sitzest;
vergiß ihrer nicht vor
ihnen, daß du nicht gewohnest der Narrheit, und zuletzt
wollest, * du wärest nie geboren, und verfluchest den Tag
deiner Geburt.
*Hiob 3,3.
Wer sich gewöhnet zu
schmähen, der bessert sich seine Lebtage nicht.
Zweierlei Art machet
der Sünden viel, die dritte bringt Strafe über sich:
wer in der Brunst stecket, der
ist wie ein brennend Feuer, und höret nicht auf, bis er sich
selbst verbrenne.
Ein unkeuscher Mensch hat
keine Ruhe an seinem Leibe, bis er ein Feuer anzünde.
Einem unkeuschen Menschen ist
alle Speise süß, und lässet nicht ab, bis er ein
Ende nimmt.
Ein Mann, der seine Ehe
bricht, und denket bei sich selbst: Wer siehet mich?
Hiob 24,15.
Es ist finster um mich, und
die Wände verbergen mich, daß mich niemand siehet; wen
soll ich scheuen? * Der Allerhöchste achtet meiner Sünden
nicht -
*Kapitel
16,15. Psalm 94,7.
solcher scheuet allein der
Menschen Augen,
und denket nicht, daß
die Augen des Herrn viel tausendmal heller sind denn die Sonne,
und sehen alles, was die Menschen tun, und schauen auch in die
heimlichen Winkel;
Hebräer
4,13.
alle Dinge sind ihm bekannt,
ehe sie geschaffen werden, also wohl, als wenn sie geschaffen
sind.
Derselbe Mann wird öffentlich
in der Stadt gestraft werden,
und wird erhascht werden, wenn
er sich's am wenigsten versiehet.
Also wird's auch gehen dem
Weibe, die ihren Mann verläßt, und einen Erben von
einem andern krieget.
Erstlich * ist sie dem Gebot
Gottes ungehorsam; zum andern sündiget sie wider ihren Mann;
zum dritten bringet sie durch ihren Ehebruch Kinder von einem
andern.
*2. Mose
20,14. 5. Mose 22,22.
Eine solche wird man aus der
Gemeine werfen, und ihre Kinder müssen's entgelten.
Ihre Kinder werden nicht
wurzeln, und ihre Zweige werden nicht Frucht bringen.
Weisheit
3,16.
Sie läßt ein
verflucht Gedächtnis hinter sich, und ihre Schande wird
nimmermehr vertilget.
Daran lernen die Nachkommen,
daß nichts besser sei, denn Gott fürchten, und nichts
süßer, denn auf Gottes Gebote achten.
Das 24. Kapitel.
Ruhm der Weisheit und der heiligen Schrift.
Die Weisheit preiset
sich, und unter dem Volk rühmet sie sich.
Sie prediget in der Gemeine
Gottes,
und lobet sich in seinem
Reich,
und spricht also: Ich bin vom
Munde des Höchsten ausgegangen,
Kapitel 1,5.
und schwebte über der
ganzen Erde wie die Wolken.
Mein Gezelt war in der Höhe,
und mein Stuhl in den Wolken.
Ich allein wandelte
allenthalben, so weit der Himmel ist,
Kapitel
1,10. Sprüche 3,19.20.
und so tief der Abgrund ist,
allenthalben im Meer,
allenthalben auf Erden,
unter allen Leuten, unter
allen Heiden.
Bei diesen allen habe ich
Wohnung gesucht, daß ich etwo eine Statt fände.
Da gebot mir der Schöpfer
aller Dinge, und der mich geschaffen hat, bestellte mir eine
Wohnung
und sprach: In Jakob sollst du
wohnen, und in Israel soll dein Erbe sein.
Vor der Welt, von Anfang bin
ich geschaffen, und werde ewiglich bleiben.
Kapitel 1,4.
Sprüche 8,22.
Ich habe vor ihm in der heiligen Hütte gedienet, und
danach zu Zion eine gewisse Stätte gefunden; er hat mich in
die heilige Stadt gesetzt, daß ich zu Jerusalem regieren
sollte.
Ich bin eingewurzelt bei einem geehreten Volk, das Gottes
Erbteil ist.
Ich bin hoch gewachsen wie eine Zeder auf dem Libanon und
wie eine Zypresse auf dem Gebirge Hermon.
Ich bin aufgewachsen wie ein Palmbaum am Wasser und wie
die Rosenstöcke, so man zu Jericho zeucht,
wie ein schöner Ölbaum auf freiem Felde; ich bin
aufgewachsen wie Ahorne.
Ich gab einen leiblichen Geruch von mir wie Zimmet und
köstliche Würze und wie die beste Myrrhe,
wie Galban und Onyx und Stakte und wie der Weihrauch in
dem Tempel.
Ich breitete meine Zweige aus wie eine Eiche; und meine
Zweige waren schön und lustig.
Ich sproßte lieblich wie der Weinstock;
und meine Blüte brachte herrliche und reiche Frucht.
Kommet her zu mir, alle, die ihr mein begehrt,
Matthäus 11,28.
und sättiget euch von meinen Früchten.
Mein gedenken ist süßer denn Honig, und mich
haben süßer denn Honigseim.
Psalm 19,11; 119,103.
Wer von mir isset, den hungert immer nach mir,
und wer von mir trinket, den dürstet immer nach mir.
Wer mir gehorchet, der wird nicht zu Schanden,
und wer mir folget, der wird unschuldig bleiben.
Dies alles ist eben das Buch des Bundes, mit dem
höchsten Gotte gemacht,
nämlich das Gesetz, welches Mose dem Hause Jakob zum
Schutz befohlen hat,
daraus die Weisheit geflossen ist wie * das Wasser Pison
(Pischon),
wenn es groß ist,
*1. Mose 2,11.
und wie das Wasser Tigris, wenn es übergehet im
Lenze;
daraus der Verstand geflossen ist wie der Euphrat, wenn er
groß ist, und wie * der Jordan in der Ernte.
*Josua 3,15.
Aus demselben ist hervorgebrochen die Zucht wie das Licht
und wie das Wasser Nilus im Herbst.
Er ist nie gewesen, der es ausgelernet hätte, und
wird nimmermehr werden, der es ausgründen möchte.
Denn sein Sinn ist reicher denn kein Meer, und sein Wort *
tiefer den kein Abgrund.
*Römer 11,33.
Ich aber ging hervor wie ein Bächlein aus dem
Strom und wie eine Wasserleitung in den Lustgarten.
Ich sprach: Ich will wässern meinen Garten,
und tränken meine Wiese.
Da ward mein Bächlein zum Strom,
und mein Strom ward zum Meer.
Denn meine Lehre leuchtet so weit als der lichte Morgen,
und scheinet ferne.
Auch schüttet meine Lehre Weissagung aus, die ewig
bleiben muß.
Da sehet ihr, daß ich nicht allein für mich
arbeite, sondern für alle, die der Weisheit begehren.
Das 25. Kapitel.
Lob der Eintracht, der Weisheit, besonders im Alter, und der
Gottesfurcht. Schilderung des bösen Weibes.
Drei schöne Dinge
sind, die Gott und den Menschen wohlgefallen:
wenn * Brüder eins sind,
und die Nachbarn sich lieb haben, und Mann und Weib mit einander
wohl umgehen.
*Psalm
133,1.
Drei Stücke sind,
denen ich von Herzen feind bin, und ihr Wesen verdreußt
mich übel:
wenn ein Armer hoffärtig
ist, und ein Reicher gern lüget, und ein alter Narr ein
Ehebrecher ist.
Wenn du in der Jugend nicht
sammelst, was willst du im Alter finden?
O wie fein stehet's, wenn die
grauen Häupter weise, und die Alten klug,
und die Herren vernünftig
und vorsichtig sind!
Das ist der Alten Krone, wenn
sie viel erfahren haben; und ihre Ehre ist, wenn sie Gott
fürchten.
Neun Stücke sind,
die ich in meinem Herzen hoch zu loben halte, und das zehnte will
ich mit meinem Munde preisen:
Ein Mann, der Freude an seinen
Kindern hat. Wer erlebet, daß er seine Feinde untergehen
siehet.
Wohl dem, der * ein vernünftig
Weib hat! Wer mit seinem Reden keinen Schaden tut. Wer nicht
dienen muß denen, so es nicht wert sind.
*Kapitel
26,1.
Wohl dem, der * einen treuen
Freund hat! Wohl dem, der klug ist! Und der da lehret, da man's
gern höret!
*Kapitel
6,14.
O wie groß ist der, so
weise ist!
Aber wer Gott fürchtet,
über den ist niemand;
Kapitel
10,27.
denn die Furcht Gottes gehet
über alles.
Wer dieselbige festhält,
wem kann man den vergleichen?
Es ist kein Wehe so
groß als Herzeleid.
Es ist keine List über
Frauenlist.
Es ist kein Lauern über
des Neidharts * Lauern.
*Neiders.
Es ist keine Rachgier über
der Feinde Rachgier.
Es ist kein Kopf so listig als
der Schlange Kopf, und ist kein Zorn so bitter als Frauenzorn.
Ich wollte lieber bei Löwen
und Drachen wohnen denn bei einem bösen Weibe.
Wenn sie böse wird, so *
verstellet sie ihre Gebärde, und wird so finster wie ein
schwarzer Sack.
*1. Mose
4,6.
Ihr Mann muß sich ihrer
schämen; und wenn man's ihm vorwirft, so tut's ihm im Herzen
weh.
Alle Bosheit ist gering gegen
der Weiber Bosheit; es geschehe ihr, was den Gottlosen geschieht.
Ein schwätzig Weib ist
einem stillen Mann wie ein sandiger Weg den Berg hinauf einem
alten Mann.
Laß dich nicht betrügen,
daß sie schön ist, und begehre ihrer nicht darum.
Wenn das Weib den Mann reich
macht,
so ist da eitel Hader,
Verachtung und große Schmach.
Ein böses Weib macht ein
betrübt Herz, traurig Angesicht und das Herzeleid.
Ein Weib, da der Mann keine
Freude an hat, die macht ihn verdrossen zu allen Dingen.
Die Sünde kommt her von
einem Weibe, und um ihretwillen müssen wir alle sterben.
1. Mose 3,6.
Wie man dem Wasser nicht Raum
lassen soll, also soll man einem bösen Weibe seinen Willen
nicht lassen.
Will sie dir nicht zur Hand
gehen, so scheide dich von ihr.
Das 26. Kapitel.
Lob des guten Weibes, Tadel des bösen.
Wohl dem, der ein
tugendsam Weib hat, des lebet er noch eins so lange.
Ein häuslich Weib ist
ihrem Manne eine Freude, und macht ihm ein fein ruhig Leben.
Ein tugendsam Weib ist eine
edle Gabe, und wird dem gegeben, der Gott fürchtet.
Sprüche
18,22; 19,14.
Er sei reich oder arm, so
ist's ihm ein Trost, und macht ihn allezeit fröhlich.
Drei Dinge sind
schrecklich, und das vierte ist greulich:
Verräterei, Aufruhr,
Afterreden;
welche alle ärger sind
denn der Tod.
Das ist aber das Herzeleid,
wenn ein Weib wider das andre eifert, und schändet sie bei
jedermann.
Wenn einer ein böses Weib
hat, so ist's eben als ein ungleich Paar Ochsen, die neben
einander ziehen sollen.
Wer sie krieget, der krieget
einen Skorpion.
Ein trunken Weib ist eine
große Plage, denn sie kann ihre Schande nicht decken.
Ein hurisch Weib kennet man
bei ihrem unzüchtigen Gesicht und an ihren Augen.
Ist deine Tochter nicht
schamhaft, so halte sie hart, auf daß sie nicht ihren
Mutwillen treibe, wenn sie so frei ist.
Wenn du merkest, daß sie
frech um sich siehet, so siehe dich wohl vor; wo nicht, und sie
sündiget wider dich, so laß dich's auch nicht wundern.
Wie ein Fußgänger,
der durstig ist, lechzet sie, und trinkt das nächste Wasser,
das sie krieget, und setzet sich, wo sie einen Stock findet, und
nimmt an, was ihr werden kann.
Ein freundlich Weib
erfreuet ihren Mann, und wenn sie vernünftig mit ihm
umgehet, erfrischt sie ihm sein Herz.
Ein Weib, das schweigen kann,
das ist eine Gabe Gottes.
Ein wohlgezogen Weib ist nicht
zu bezahlen.
Sprüche
31,10.
Es ist nichts Liebers auf
Erden denn ein züchtig Weib,
und ist nichts Köstlichers
denn ein keusches Weib.
Wie die Sonne, wenn sie
aufgegangen ist, an dem hohen Himmel des Herrn eine Zierde ist,
also ist ein tugendsam Weib eine Zierde in ihrem Hause.
Ein schön Weib, das fromm
bleibt, ist wie die helle Lampe auf dem heiligen Leuchter.
Ein Weib, das ein beständig
Gemüt hat,
ist wie die güldnen
Säulen auf den silbernen Füßen.
Betrug im Handel. Weisheit im Reden. Heiligkeit der
Geheimnisse. Hinterlist.
Zwei Stücke sind,
die mich verdrießen, und das dritte erregt mir Zorn:
wenn man einen streitbaren
Mann zuletzt Armut leiden läßt; und die * weisen Räte
zuletzt verachtet;
*1. Könige
12,8.
und wer von der Gerechtigkeit abfällt zur Sünde;
diesen hat Gott zum Schwert verdammt.
Ein Kaufmann kann sich
schwerlich hüten vor Unrecht, und ein Krämer vor
Sünden.
Das 27. Kapitel.
Denn um eitlen Gutes willen tun viele unrecht; und die *
reich werden wollen, wenden die Augen ab.
*Kapitel 31,5. 1. Timotheus 6,9.
Wie ein Nagel in der Mauer zwischen zween Steinen steckt,
also steckt auch Sünde zwischen Käufer und
Verkäufer.
Hält er sich nicht mit Fleiß in der Furcht des
Herrn, so wird sein Haus bald zerstöret werden.
Wenn man siebet, so bleibet Unrat drinnen; also,
was der Mensch vornimmt, so klebet immer etwas Unreines dran.
Gleichwie der Ofen bewährt die neuen Töpfe, also
bewährt die Trübsal des Menschen Sinn.
Kapitel 2,5.
An den Früchten merket man, wie des Baums gewartet
ist; also merket man an der Rede, wie das Herz geschickt ist.
Du sollst niemand loben, du habest ihn denn gehöret;
denn an der Rede erkennet man den Mann.
Folgest du der Gerechtigkeit nach, so wirst du sie
kriegen, und anziehen wie einen schönen Rock.
Die Vögel gesellen sich zu ihresgleichen; also hält
sich die Wahrheit zu denen, die ihr gehorchen.
Wie der Löwe auf den Raub lauert, also ergreifet
zuletzt die Sünde den Übeltäter.
Kapitel 21,3.
Ein Gottesfürchtiger redet allezeit, das heilsam ist;
ein Narr aber ist wandelbar wie der Mond.
Wenn du unter den Unweisen bist, so merke, was die Zeit
leiden will; aber unter den Weisen magst du fortfahren.
Des Narren Rede ist über die Maßen
verdrießlich, und ihr Lachen ist eitel Sünde, und
kitzeln sich doch damit.
Wo man viel schwören höret, da gehen einem die
Haare zu Berge; und ihr Hadern macht, daß man die Ohren
zuhalten muß.
Wenn die Hoffärtigen mit einander hadern, so folget
Blutvergießen danach; und ist verdrießlich zu hören,
wenn sie sich so zerschelten.
Wer Heimlichkeit offenbart, der verliert den
Glauben, und wird nimmermehr einen treuen Freund kriegen.
Kapitel 19,10. Sprüche 20,19; 25,9.
Halt deinen Freund wert, und halt ihm Glauben.
Wo du aber seine Heimlichkeit offenbarest, so wirst du ihn
nicht wieder kriegen.
Wer seinen Freund verliert, dem geschieht wohl so übel,
als dem sein Feind entgehet.
Gleich als wenn du einen Vogel aus der Hand lässest,
also ist's, wenn du deinen Freund verlässest.
Du fähest ihn nicht wieder, du darfst ihm nicht
nachlaufen; er ist zu fern weg, er ist entsprungen wie ein Reh
aus dem Netze.
Wunden kann man verbinden, Scheltworte kann man sühnen;
aber wer Heimlichkeit offenbart, mit dem ist's aus.
Vers 17. Kapitel 22,27.
Wer mit den Augen winket, der hat Böses im
Sinn, und lässet sich nicht davon wenden.
Sprüche 10,10; 16,30.
Vor dir kann er süß reden, und lobet sehr, was
du redest; aber hinterwärts redet er anders, und verkehret
dir deine Worte.
Ich bin keinem Ding so feind als dem; und der Herr ist ihm
auch feind.
Wer den Stein in die Höhe wirft, dem fällt
er auf den Kopf; wer heimlich sticht, der verwundet sich selbst.
Wer eine Grube gräbt, der fällt selbst drein;
wer einem andern eine Falle stellet, der fähet sich selbst.
Psalm 7,16.
Wer dem andern Schaden tun will, dem kommt's selbst über
seinen Hals, daß er nicht weiß, woher.
Die Hoffärtigen höhnen und spotten; aber die
Rache lauert auf sie wie ein Löwe.
Die sich freuen, wenn's den Frommen übel gehet,
werden im Strick gefangen; das Herzeleid wird sie verzehren, ehe
sie sterben.
Zorn und Wüten sind Greuel, und der Gottlose treibt
sie.
Das 28. Kapitel.
Warnung vor Rachsucht, vor Hader und Verleumdung.
Wer sich rächet,
an dem wird sich der Herr wieder rächen, und wird ihm seine
Sünden auch behalten.
Vergib deinem Nächsten,
was er dir zu leide getan hat, und bitte dann, so werden dir
deine Sünden auch vergeben.
Matthäus
6,14. Markus 11,25.
Ein Mensch hält gegen den
andern den Zorn, und will bei dem Herrn Gnade suchen!
Er ist unbarmherzig gegen
seinesgleichen, und will für seine Sünden bitten!
Er ist nur Fleisch und Blut,
und hält den Zorn; wer will denn ihm seine Sünden
vergeben?
Gedenke an das Ende, und laß
die Feindschaft fahren.
Kapitel
18,24.
Gedenke an den Tod und das
Verderben, und bleibe in den Geboten.
Gedenke an die Gebote, und laß
dein Dräuen (Drohen)
wider deinen Nächsten.
Gedenke an den Bund des
Höchsten, und vergib die Unwissenheit.
Laß ab vom Hader,
so unterbleiben viel Sünden.
Denn * ein zorniger Mensch
zündet Hader an, und der Gottlose verwirret gute Freunde,
und hetzet wider einander, die guten Frieden haben.
*Sprüche
26,21; 29,22.
Wenn des Holzes viel ist, wird
des Feuers desto mehr; und wenn die Leute gewaltig sind, wird der
Zorn desto größer; und wenn die Leute reich sind, wird
der Zorn desto heftiger; und wenn der Hader lange währet, so
brennet's desto mehr.
Jäh sein zu Hader, zündet
Feuer an, und jäh sein zu zanken, vergeußt (vergießt)
Blut.
Bläsest du ins Fünklein,
so wird ein groß Feuer draus; speiest du aber ins Fünklein,
so verlöscht es; und beides kann aus deinem Munde kommen.
Die Ohrenbläser
und falsche böse Mäuler sind verflucht; denn sie
verwirren viele, die guten Frieden haben.
Ein böses Maul macht viel
Leute uneins, und treibet sie aus einem Land ins andre.
Es zerbricht feste Städte,
und zerstöret Fürstentümer.
Ein böses Maul verstößet
redliche Weiber,
und beraubt sie alles, das
ihnen sauer worden ist.
Wer ihm gehorcht, der hat
nimmer Ruhe, und kann nirgend mit Frieden bleiben.
Die Geißel macht
Striemen; aber ein böses * Maul zerschmettert das Gebein.
*Sprüche
18,8.
Viele sind gefallen durch die
Schärfe des Schwerts, aber nirgend so viele als durch böse
Mäuler.
Wohl dem, der vor bösem
Maul bewahret ist, und von ihm ungeplagt bleibt, und sein Joch
nicht tragen muß, und in seinen Stricken nicht gebunden
ist!
Denn sein Joch ist eisern, und
seine Stricke ehern.
Seine Plage ist bitterer denn
der Tod und ärger denn die Hölle.
Aber es wird den
Gottesfürchtigen nicht unterdrücken, und er wird in
desselben Feuer nicht brennen.
Wer den Herrn verlässet,
der wird drein fallen, und drin brennen, und es wird nicht
ausgelöschet werden; es wird ihn überfallen wie ein
Löwe, und aufreiben wie ein Parder.
Du verzäunest deine Güter
mit Dornen; warum * machst du nicht vielmehr deinem Munde Tür
und Riegel?
*Kapitel
22,33.
Du wägest dein Gold und
Silber ein; warum wägest du nicht auch deine Worte auf der
Goldwaage?
Hüte dich, daß du
nicht dadurch gleitest, und fallest vor deinen Feinden, die auf
dich lauern.
Das 29. Kapitel.
Empfehlung der Wohltätigkeit und Genügsamkeit, der
Vorsicht im Leihen und Bürgewerden.
Wer seinem Nächsten
* leihet, der tut ein Werk der Barmherzigkeit, und wer Güter
hat, der soll solches tun.
*Psalm
37,26.
Leihe deinem Nächsten,
wenn er's bedarf; und du andrer, gib's auch wieder zu bestimmter
Zeit.
Halt, was du geredet hast, und
handle nicht betrüglich mit ihm, so findest du allezeit
deine Notdurft.
Mancher meinet, es sei
gefunden, was er borget, und machet den unwillig, so ihm geholfen
hat.
Er küsset einem die Hand,
dieweil man ihm leihet, und redet so demütiglich um des
Nächsten Geld;
aber wenn er's soll
wiedergeben, so verzeucht er's, und klagt sehr, es sei schwere
Zeit.
Und ob er's wohl vermag, gibt
er's kaum die Hälfte wieder, und rechnet's jenem für
einen Gewinn zu.
Vermag er's aber nicht, so
bringt er jenen ums Geld. Derselbe hat ihm dann selber einen
Feind gekauft mit seinem eignen Gelde;
und jener bezahlet ihn mit
Fluchen und Schelten, und gibt im Schmähworte für Dank.
Mancher leihet ungerne um
solcher Bosheit willen; denn er muß fürchten, er komme
um das Seine.
Doch * habe Geduld mit deinem
Nächsten in der Not, und laß ihn auf das Almosen nicht
zu lange warten.
*Matthäus
18,29.
Hilf dem Armen um des * Gebots
willen, und laß ihn in der Not nicht leer von dir.
*5. Mose
15,11.
Verlier gerne dein Geld um
deines Bruders und Nächsten willen, und vergrabe es nicht
unter einen Stein, da es doch umkommt.
* Sammle dir einen Schatz nach
dem Gebot des Allerhöchsten; der wird dir besser sein denn
kein Gold.
*Matthäus
6,20. 5. Mose 15,10.
Lege dein Almosen an einen
besondern Ort; dasselbe wird dich erretten aus allem Unglück.
Es wird für dich streiten
wider deinen Feind,
besser denn kein Schild oder
Spieß.
Ein frommer Mann wird
Bürge für seinen Nächsten;
aber ein Unverschämter
läßt seinen Bürgen stecken.
Vergiß nicht der Wohltat
deines Bürgen;
denn er hat sich selbst für
dich versetzt.
Der Gottlose bringt seinen
Bürgen in Schaden,
und ein Undankbarer läßt
seinen Erlöser stecken.
Bürge werden hat viel
reiche Leute * verderbt, und hin und wieder geworfen wie die
Wellen im Meer.
*Sprüche
11,15.
Es hat große Leute
vertrieben, daß sie in fremden Landen mußten in der
Irre gehen.
Ein Gottloser, so er Bürge
ist worden, und gehet mit Ränken um, daß er sich
auswickele, der wird der Strafe nicht entgehen.
Hilf deinem Nächsten aus,
soviel du kannst; und siehe dich vor, daß du nicht selbst
drüber zu Schaden kommst.
Es ist genug zu diesem
Leben, wer Wasser und Brot, Kleider und Haus hat, damit er seine
Notdurft decken kann.
1. Timotheus
6,8.
Es ist besser geringe Nahrung
unter einem bretternen eignen Dach denn köstlicher Tisch
unter den Fremden.
Laß dir's gefallen, du habest wenig oder viel; denn
es ist ein schändlich Leben, von Haus zu Haus ziehen.
Und wo einer fremd ist, darf er sein Maul nicht auftun;
er muß herbergen, und mit ihm trinken lassen, und
keinen Dank haben;
muß dazu bittere Worte hören, nämlich: Du
Fremder, gehe hin und bereite den Tisch, laß mich mit dir
essen, was du hast.
Oder: Zeuch (Zieh)
aus, ich habe einen werten Gast gekriegt; ich muß das Haus
haben, mein Bruder zeucht (zieht)
zu mir ein.
Solches ist schwer einem vernünftigen Mann, daß
er um der Herberge willen solche Worte fressen muß, und daß
man ihm aufrücket, wenn man ihm geliehen hat.
Das 30. Kapitel.
Lob guter Kinderzucht. Wert der Gesundheit.
Wer sein Kind lieb hat,
der hält es stets unter der Rute, daß er hernach
Freude an ihm erlebe.
Sprüche
13,24; 23,13; 29,15.17.
Wer sein Kind in der Zucht
hält, der wird sich sein freuen, und darf sich sein bei den
Bekannten nicht schämen.
Wenn einer sein Kind zeucht
(zieht),
das verdreußt seinen Feind, und erfreuet seine Freunde;
denn wo sein Vater stirbt, so
ist's, als wäre er nicht gestorben; denn er hat
seinesgleichen hinter sich gelassen.
Da er lebete, sah er seine
Lust, und hatte Freude an ihm; da er starb, durfte er nicht
sorgen;
denn er hat hinter sich
gelassen einen Schutz wider seine Feinde, und der den Freunden
wieder dienen kann.
Wer aber seinem Kinde zu weich
ist, der klaget seine Striemen, und erschrickt, so oft es weinet.
Ein verwöhnet Kind wird
mutwillig wie ein wild Pferd.
Zärtle mit deinem Kinde,
so mußt du dich hernach vor ihm fürchten; spiele mit
ihm, so wird es dich hernach betrüben.
Scherze nicht mit ihm, auf daß
du nicht mit ihm hernach trauern und zuletzt die Zähne
zusammenbeißen müssest.
Laß ihm seinen Willen
nicht in der Jugend, und entschuldige seine Torheit nicht.
Beuge ihm den Hals, weil es
noch jung ist; bleue ihm den Rücken, weil es noch klein ist,
auf daß es nicht halsstarrig und dir ungehorsam werde.
Zeuch (Zieh)
dein Kind, und laß es nicht * müßig gehen, daß
du nicht über ihm zu Schanden werdest.
*Kapitel
33,29.
Es ist besser, einer
sei arm und dabei frisch und gesund denn reich und ungesund.
Gesund und frisch sein ist
besser denn Gold, und ein gesunder Leib ist besser denn groß
Gut.
Es ist kein Reichtum zu
vergleichen einem gesunden Leibe, und keine Freude des Herzens
Freude gleich.
Der Tod ist besser denn ein
siech Leben oder stäte Krankheit.
Es ist eben als ein gut
Gericht vor einem Maul, das nicht essen kann, und wie die Speise,
so man bei eines Toten Grab setzt.
Denn was ist dem Götzen
das Opfer nütze? Kann er doch weder essen noch riechen.
So ist's mit dem Reichen auch,
den Gott siech macht.
Er siehet es wohl mit den
Augen, und seufzet danach, und ist wie ein Verschnittener, der
eine Jungfrau in den Armen hält, und seufzet.
Mache dich selbst nicht
traurig, und plage dich nicht selbst mit deinen eignen Gedanken.
Denn ein fröhlich Herz
ist des Menschen Leben, und seine Freude ist sein langes Leben.
Sprüche
15,13.15; 17,22.
Tue dir Gutes, und tröste
dein Herz, und treibe Traurigkeit fern von dir.
Denn Traurigkeit tötet
viel Leute, und dienet doch nirgend zu.
2. Korinther
7,10.
Eifer und Zorn verkürzen
das Leben, und Sorge macht alt vor der Zeit.
Einem fröhlichen Menschen
schmeckt alles wohl, was er isset.
Das 31. Kapitel.
Gefahr des Geizes. Warnung vor Unmäßigkeit.
Wachen nach Reichtum verzehret den Leib, und darum
sorgen, läßt nicht schlafen.
Wenn einer liegt und sorget, so wachet er immer auf,
gleichwie große Krankheit immer aufweckt.
Der ist reich, der da arbeitet, und sammelt Geld, und
höret auf, und genießt sein auch.
Der ist aber arm, der da arbeitet, und es gedeihet nicht;
und wenn er schon aufhöret, so ist er doch ein Bettler.
Wer Geld lieb hat, der bleibet nicht ohne Sünde; und
wer Vergängliches sucht, der wird mit vergehen.
Viele kommen zu Unfall um Geldes willen, und verderben
drüber vor ihren Augen.
1. Timotheus 6,9.
Die ihm opfern, die stürzt es, und die Unvorsichtigen
fähet es.
Wohl dem Reichen, der unsträflich gefunden wird, der
nicht das Geld sucht!
Wo ist der? so wollen wir ihn loben; denn er tut große
Dinge unter seinem Volk.
Der bewährt hierin und rechtschaffen erfunden ist,
der wird billig gelobet. Er konnte wohl Übels tun, und tat's
doch nicht; Schaden tun, und tat's auch nicht.
Darum bleiben seine Güter, und die Gemeine preiset
seine Almosen.
Wenn du bei eines reichen Mannes Tisch sitzest, so
sperre deinen Rachen nicht auf
Sprüche 23,1.
und denke nicht: Hie ist viel zu fressen;
sondern gedenke, daß ein neidisches Auge ein arges
Ding ist;
denn was ist neidischer als das Auge? Darum weinet es, wo
es siehet einen zugreifen.
Greif nicht nach dem, wohin der andre siehet;
und nimm nicht, das vor ihm in der Schüssel liegt.
Nimm's bei dir selbst ab, was dein Nächster gern oder
ungern hat, und halte dich vernünftig in allen Stücken.
Iß wie ein Mensch, was dir vorgesetzt ist; und friß
nicht zu sehr, auf daß man dir nicht gram werde.
Um der Zucht willen höre du am ersten auf, und sei
nicht ein unersättlicher Fraß, daß du nicht
Ungunst erlangest.
Wenn du bei vielen sitzest, so greif nicht am ersten zu.
Ein sittiger Mensch läßt sich am Geringen
genügen; drum darf er in seinem Bette nicht so keuchen.
Und wenn der Magen mäßig gehalten wird, so
schläft man sanft, so kann einer des Morgens früh
aufstehen, und ist fein bei sich selbst.
Aber ein unersättlicher Fraß schläft
unruhig, und hat das Grimmen und Bauchwehe.
Wenn du genötigt worden bist, viel zu essen, so stehe
auf und gehe weg, so wirst du Ruhe haben.
Mein Kind, gehorche mir, und verachte mich nicht, so wirst
du zuletzt meine Worte wahr finden.
Nimm dir etwas vor zu arbeiten, so widerfähret dir
keine Krankheit.
Einen gastfreien Mann loben die Leute und sagen, er sei
ein trefflicher Mann; und solches ist ein guter Ruhm;
aber von einem kargen Filze redet die ganze Stadt übel,
und man saget recht daran.
Sei nicht ein Weinsäufer; denn der Wein
bringet viel Leute um.
Die Esse prüfet den Stahl, wenn er in Wasser getaucht
ist; also prüfet der Wein der Frevler Herzen, wenn sie
trunken sind.
Der Wein erquickt den Menschen das Leben, so man ihn
mäßiglich trinkt.
Psalm 104,15.
Und was ist das Leben, da kein Wein ist?
Der Wein ist geschaffen, daß er die Menschen
fröhlich soll machen.
Der Wein, zur Notdurft getrunken, erfreuet Leib und Seele.
Aber so man sein zu viel trinket, bringet er das
Herzeleid, dieweil man sich reizet und wider einander streitet.
Die Trunkenheit macht einen tollen Narren noch toller,
daß er trotzt und pocht, bis er wohl gebleuet,
geschlagen und verwundet wird.
Schilt deinen Nächsten nicht beim Wein, und schmähe
ihn nicht in seiner Freude.
Gib ihm nicht böse Worte, und dränge ihn nicht,
zu bezahlen, was er dir schuldig ist.
Das 32. Kapitel.
Regeln der Bescheidenheit und Gottesfurcht.
Hat man dich zum Speisemeister bestellt, so
überhebe dich des nicht, sondern halte dich gleich wie ihrer
einen. Sorge erst für sie, dann magst du dich setzen.
Und wenn du alles getan hast, was dir zu tun gebührt,
dann setze dich zu ihnen;
auf daß sie mit dir fröhlich sein mögen,
damit du die Ehre davon kriegst, daß man dich einen
sittigen, holdseligen Mann heißet.
Der Älteste soll reden, denn es gebühret ihm,
als der erfahren ist.
Und irre die Spielleute nicht.
Und wenn man Lieder singet, so wasche nicht drein, und
spare deine Weisheit bis zur andern Zeit.
Wie ein Rubin in feinem Golde leuchtet, also zieret ein
Gesang das Mahl.
Wie ein Smaragd in schönem Golde stehet,
also zieren die Lieder beim guten Wein.
Ein Jüngling mag auch wohl reden einmal oder zwei,
wenn's not ist;
und wenn man ihn fragt, soll er's kurz machen,
und sich halten, als der nicht viel wisse, und lieber
schweige;
und soll sich nicht den Herren gleich achten; und wenn ein
Alter redet, nicht drein waschen.
Vor dem Donner leuchtet der Blitz, so geht vor dem
Verschämten Lieblichkeit einher.
Stehe auch beizeit auf, und sei nicht der letzte;
sondern gehe eilend heim und sei nicht mutwillig; dort
scherze und tue, was du willst; doch das du nichts Übels
tust durch übermütige Rede;
sondern danke für das alles dem, der dich geschaffen
und mit seinen Gütern gesättiget hat.
Wer den Herrn fürchtet, der lässet sich
gern ziehen, und wer sich frühe dazu schickt, der wird Gnade
finden.
Wer nach Gottes Wort fraget, der wird's reichlich
überkommen; wer's aber nicht mit Ernst meinet, der wird nur
ärger dadurch.
Wer den Herrn fürchtet, der trifft die rechte Lehre,
und macht die Gerechtigkeit leuchten wie ein Licht.
Ein Gottloser * läßt sich nicht strafen, und
weiß sich zu helfen mit andrer Leute Beispiel in seinem
Vornehmen.
*Sprüche 12,1.
Ein vernünftiger Mann verachtet nicht guten Rat;
aber ein wilder und hoffärtiger fürchtet sich
nicht, und hat er was angerichtet, so weiß er sich selbst
nicht zu raten.
Tue nichts ohne Rat, so gereuet's dich nicht nach der Tat.
Gehe nicht den Weg, da du fallen möchtest, noch da du
dich an die Steine stoßen möchtest.
Verlaß dich nicht drauf, daß der Weg eben sei;
ja, hüte dich auch vor deinen eignen Kindern.
Was du vornimmst, so traue dir selbst; denn auch das ist
ein Halten der Gebote.
Wer Gottes Wort glaubet, der achtet die Gebote; und wer
dem Herrn vertrauet, * dem wird nichts mangeln.
*Psalm 23,1; 84,12.
Das 33. Kapitel.
Von Gottes wunderbaren Wegen. Regeln fürs häusliche
Leben.
Wer Gott fürchtet,
dem widerfähret kein Leid; sondern wenn er angefochten ist,
wird er wieder erlöset werden.
Ein Weiser läßt ihm
Gottes Wort nicht verleiden; aber ein Heuchler schwebet wie ein
Schiff auf dem ungestümen Meer.
Ein verständiger Mensch *
hält fest an Gottes Wort, und Gottes Wort ist ihm gewiß
wie eine klare Rede.
*Titus 1,9.
Werde der Sache gewiß,
danach rede davon; laß dich zuvor wohl lehren, so kannst du
antworten.
Des Narren Herz ist wie ein
Rad am Wagen, und seine Gedanken laufen um wie die Nabe.
Wie ein Schelhengst, der unter
jeglichem Reiter wiehert, also ist ein Freund, der Lust zu
Spötterei hat.
Warum muß ein Tag
heiliger sein denn der andre, so doch die Sonne zugleich alle
Tage im Jahr macht?
Die Weisheit des Herrn hat sie
so unterschieden, und er hat die Zeiten und Feiertage also
geordnet.
Er hat etliche auserwählet
und geheiliget vor andern Tagen,
gleichwie alle Menschen aus
der Erde und Adam aus dem Staube geschaffen ist,
1. Mose 2,7.
und doch der Herr sie
unterschieden hat nach seiner mannigfaltigen Weisheit, und hat
mancherlei Weise unter ihnen geordnet.
Etliche hat er gesegnet,
erhöhet und geheiliget, und zu seinem Dienst gefördert;
etliche aber hat er verflucht und geniedriget, und aus ihrem
Stande gestürzt.
Denn sie sind in seiner Hand
wie der Ton in des Töpfers Hand; er macht alle seine Werke,
wie es ihm gefällt;
Jesaja 45,9.
also sind auch die Menschen in
der Hand des, der sie gemacht hat, und gibt einem jeglichen, wie
es ihn gut deucht.
Also ist das Gute wider das
Böse, und das Leben wider den Tod, und der Gottesfürchtige
wider den Gottlosen geordnet.
Also schaue alle Werke des
Höchsten: so sind * immer zwei und zwei, und eines wider das
andre geordnet.
*Kapitel
42,25.
Ich bin am letzten
erwachet, wie einer, der im Herbst nachlieset; und Gott hat mir
den Segen dazu gegeben, daß ich meine Kelter auch voll
gemachet habe wie im vollen Herbst.
Schauet, wie ich nicht für
mich gearbeitet habe, sondern für alle, die gern lernen
wollten.
Gehorcht mir, ihr großen
Herrn, und ihr, Regenten im Volk, nehmet's zu Herzen.
Weisheit
6,2.3.
Laß dem Sohn, der
Frau, dem Bruder, dem Freunde nicht Gewalt über dich, weil
du lebest; und übergib niemand deine Güter, daß
dich's nicht gereue, und müssest sie darum bitten.
Dieweil du lebest und Odem
hast, untergib dich keinem andern Menschen.
Es ist besser, daß deine
Kinder dein bedürfen, denn daß du ihnen müssest
in die Hände sehen.
Bleib du der Oberste in deinen
Gütern, und laß dir deine Ehre nicht nehmen.
Wenn dein Ende kommt, daß
du davon mußt, alsdann teile dein Erbe aus.
Dem Esel gehört sein
Futter, Geißel und Last; also dem Knecht sein Brot, Strafe
und Arbeit.
Halt den Knecht zur Arbeit, so
hast du Ruhe vor ihm; lässest du ihn müßig gehen,
so will er Junker sein.
Das Joch und die Seile beugen
den Hals; einem bösen Knechte Stock und Knüttel!
Treibe ihn zur Arbeit, daß
er nicht müßig gehe.
Müßiggang lehret
viel Böses.
Lege ihm Arbeiten auf, die
einem Knecht gebühren; gehorcht er dann nicht, so setze ihn
in den Stock; doch lege keinem zu viel auf, und halt Maß in
allen Dingen.
Hast du einen Knecht, so halt
über ihm, als über dir selbst; denn wer ihm was tut,
der meinet dein Leib und Leben. Hast du einen Knecht, so laß
ihn halten, als wärest du's selber; denn du bedarfst sein
wie deines eignen Lebens.
Kapitel
7,22.
Hältst du ihn aber übel,
daß er sich erhebt, und von dir läuft: wo willst du
ihn wieder suchen?
Das 34. Kapitel.
Täuschung durch Träume. Wert des Vertrauens auf
Gott. Warnung vor falschem Opfer.
Unweise Leute betrügen
sich selbst mit törichten Hoffnungen, und Narren verlassen
sich auf Träume.
Wer auf Träume hält,
der greift nach dem Schatten, und will den Wind haschen.
Träume sind nichts anders
denn Bilder ohne Wesen.
Was unrein ist, wie kann das
rein sein? Und was falsch ist, wie kann das wahr sein?
Eigne Weissagung und Deutung
und Träume sind nichts, und machen doch einem schwere
Gedanken,
und wo es nicht kommt durch
Eingebung des Höchsten, so halt nichts davon.
Denn Träume betrügen
viel Leute, und es fehlet denen, die darauf bauen.
Man bedarf keiner Lüge
dazu, daß man das Gebot halte; und man hat genug am Wort
Gottes, wenn man recht lehren will.
Ein wohlgeübter
Mann verstehet viel, und ein wohlerfahrner kann von Weisheit
reden.
Wer nicht geübt ist,
verstehet wenig,
wer aber weit herumkommen ist,
der ist voll Klugheit.
Dieweil ich weit herumkam,
konnte ich viel lernen, und ich weiß mehr, denn ich sage.
Oft bin ich in Fahr (Gefahr)
des Todes kommen, und durch solches daraus erlöset worden.
Der Geist der Gottesfürchtigen
wird beim Leben erhalten;
denn ihre Hoffnung stehet auf
dem, der ihnen helfen kann.
Wer den Herrn fürchtet,
der darf vor nichts erschrecken, noch sich entsetzen; denn er ist
seine Zuversicht.
Psalm
112,7.8.
Wohl dem, der den Herrn
fürchtet!
Worauf verlässet er sich?
Wer ist sein Trotz?
* Die Augen des Herrn sehen
auf die, so ihn lieb haben. Er ist ein gewaltiger Schutz,
eine große Stärke, ein Schirm wider die Hitze, eine +
Hütte wider den heißen Mittag, eine Hut wider das
Straucheln, eine Hilfe wider den Fall;
*Kapitel
15,20. Psalm 33,18. +Jesaja
4,6.
der das Herz erfreuet, und das
Angesicht fröhlich macht, und gibt Gesundheit, Leben und
Segen.
Wer von unrechtem Gut
opfert, des Opfer ist ein Gespött;
Sprüche
21,27.
und solch Gespött der
Gottlosen gefällt Gott nimmermehr.
Die Gaben der Gottlosen
gefallen dem Höchsten gar nicht; und Sünden lassen sich
nicht versöhnen mit viel Opfern.
Wer von des Armen Gut Opfert,
der tut eben, als der den Sohn vor des Vaters Augen schlachtet.
Der Arme hat nichts denn ein
wenig Brots; wer ihn darum bringet, der ist ein Mörder.
Wer einem seine Nahrung nimmt,
der tötet seinen Nächsten.
Wer dem Arbeiter seinen Lohn
nicht gibt, der ist ein Bluthund.
Wenn einer bauet, und der
andre einreißt: was haben sie davon denn Arbeit?
Wenn einer betet, und der
andre flucht: wes Stimme soll der Herr erhören?
Wer * sich wäscht, wenn
er einen Toten angerühret hat, und rühret ihn wieder
an: was hilft den sein Waschen?
*4. Mose
19,18.19.
Also ist der Mensch, der für
seine Sünden fastet, und sündiget immer wieder: wer
soll des Gebet erhören, und was hilft ihn sein Fasten?
Das 35. Kapitel.
Gott wohlgefällige Opfer. Erhörung des Gebets.
Gottes Gebote halten, das ist ein reich Opfer.
1. Samuel 15,22.
Gottes Gebote groß achten, das ist das rechte
Dankopfer.
Wer Gott dankt, das ist das rechte Semmelopfer.
Wer Barmherzigkeit übet, das ist das rechte Lobopfer.
Hebräer 13,16.
Von Sünden lassen, das ist ein Gottesdienst, der dem
Herrn gefällt; und aufhören, unrecht zu tun, das ist
ein recht Sühnopfer.
Du sollst aber darum nicht leer vor dem Herrn erscheinen;
5. Mose 16,16.
denn solches muß man auch tun um Gottes Gebots
willen.
Des Gerechten Opfer machet den Altar reich, und sein *
Geruch ist süß vor dem Höchsten.
*1. Mose 8,21.
Des Gerechten Opfer ist angenehm, und desselben wird
nimmermehr vergessen.
Gib Gott seine Ehre mit fröhlichen Augen, und * deine
Erstlinge, ohne zu kargen.
*2. Mose 23,19.
Was du gibst, das gib gern, und heilige deine * Zehnten
fröhlich.
*3. Mose 27,30.32.
Gib dem Höchsten, nach dem er dir bescheret hat; und
was deine Hand vermag, das * gib mit fröhlichen Augen.
*2. Korinther 9,7.
Denn der Herr, der ein Vergelter ist, wird dir's
siebenfältig vergelten.
Verstümmle deine Gabe nicht; denn es ist nicht
angenehm.
3. Mose 22,20.
Suche nicht Vorteil, wenn du opfern sollst; denn der Herr
ist ein Rächer, und vor ihm gilt kein Ansehen der Person.
Er hilft dem Armen, und siehet keine Person an, und
erhöret das Gebet des Beleidigten.
Er verachtet des Waisen Gebet nicht, noch die Witwe, wenn
sie klagt.
2. Mose 22,22.
Die Tränen der Witwe fließen wohl die Backen
herab;
sie schreien aber über sich wider den, der sie
herausdringet.
Wer Gott dienet mit Lust, der ist angenehm, und sein Gebet
reicht bis in die Wolken.
Das Gebet der Elenden dringet durch die Wolken, und lässet
nicht ab, bis es hinzukomme, und höret nicht auf, bis der
Höchste dreinsehe.
Und der Herr wird recht richten, und strafen, und nicht
verziehen, noch es die Länge leiden, bis er den
Unbarmherzigen die Lenden zerschmettere,
und sich an solchen Leuten räche, und vertilge alle,
die jene beleidigen, und die Gewalt der Ungerechten stürze,
und gebe einem jeglichen nach seinen Werken, und lohne
ihnen, wie sie es verdienet haben,
und räche sein Volk, und erfreue sie mit seiner
Barmherzigkeit.
Gleichwie der Regen wohl kommt, wenn es dürre ist,
also kommt die Barmherzigkeit auch in der Not zu rechter Zeit.
Das 36. Kapitel.
Gebet des Volks Gottes um Hilfe.
Herr, allmächtiger
Gott, erbarme dich unser!
Und * siehe drein, und
erschrecke alle Völker.
*Psalm
80,17.
Hebe deine Hand auf über
die Fremden, daß sie deine Macht sehen.
Wie du vor ihren Augen dich
heilig erwiesen hast an uns, also erzeige dich herrlich an ihnen
vor unsern Augen,
auf daß sie erkennen,
gleichwie wir erkennen, daß kein andrer Gott sei, denn du,
Herr.
2. Könige
19,19.
Tue neue Zeichen und neue
Wunder.
Erzeige deine Hand und rechten
Arm herrlich.
Errege den Grimm, und schütte
Zorn aus.
Reiß den Widersacher
dahin, und vertilge den Feind,
und eile damit, und denke an
deinen * Eid, daß man deine Wundertaten preise.
*5. Mose
32,40.41.
Der Zorn des Feuers müsse
sie verzehren, die so sicher leben; und die deinem Volk Leid tun,
müssen umkommen.
Zerschmettre den Kopf der
Fürsten, die uns feind sind und sagen: Wir sind's allein.
Versammle alle Stämme
Jakobs, und laß sie dein Erbe sein wie von Anfang.
Erbarme dich deines Volks, das
von dir den Namen hat, und des Israel, den du * nennest deinen
ersten Sohn.
*2. Mose
4,22.
Erbarme dich der Stadt
Jerusalem, da dein Heiligtum ist, und da du wohnest.
Psalm
102,14.
Richte Zion wieder an, daß
daselbst dein Wort wieder aufgehe, daß deine Ehre im Volk
groß werde.
Erzeige dich gegen die, so von
Anfang dein Eigentum gewesen sind; und erfülle die
Weissagungen, die in deinem Namen verkündiget sind.
Vergilt denen, so auf dich
harren, daß deine Propheten wahrhaftig erfunden werden.
Erhöre, Herr, das Gebet derer, die dich anrufen, nach
dem * Segen Aarons über dein Volk; auf daß alle, so
auf Erden wohnen, erkennen, daß du, Herr, der ewige Gott
bist.
*4. Mose 6,23-26.
Lob der guten Hausfrau. Warnung vor falschen Freunden und
Ratgebern. Ermahnung zur Mäßigkeit.
Der Bauch nimmt
allerlei Speise zu sich; doch ist eine Speise besser denn die
andre.
Wie die Zunge das Wildbret
kostet, also merkt ein verständig Herz die falschen Worte.
Ein tückischer Mensch
kann einen in ein Unglück bringen; aber ein erfahrner weiß
sich davor zu hüten.
Ein Weib wird jeden
Mann annehmen; aber unter den Töchtern nimmt man die eine
lieber denn die andre.
Eine schöne Frau erfreuet
ihren Mann, und ein Mann hat nichts Liebers.
Wo sie dazu freundlich und
fromm ist, so findet man des Manns gleichen nicht.
Kapitel
26,16.
Wer eine Hausfrau hat, der
bringet sein Gut empor, und er hat eine treue Gehilfin und eine
Säule, der er sich trösten kann.
Wo kein Zaun ist, wird das Gut
verwüstet, und wo keine Hausfrau ist, da gehet's dem
Hauswirt, als ginge er in der Irre.
Wie man nicht vertrauet einem
Straßenräuber, der von einer Stadt in die andre
schleicht, also trauet man auch nicht einem Mann, der kein Nest
hat, und einkehren muß, wo er des Abends hinkommt.
Das 37. Kapitel.
Ein jeglicher Freund
spricht wohl: „Ich bin auch Freund;“ aber etliche
sind allein mit dem Namen Freunde.
Wenn Freunde einander feind
werden, so bleibet der Gram bis in den Tod.
Ach, wo kommt doch das böse
Ding her, daß alle Welt so voll Falschheit ist?
Wenn's dem Freund wohlgehet,
so freuen sie sich mit ihm; wenn's ihm aber übel gehet,
werden sie seine Feinde.
Kapitel 6,8.
Sie mühen sich mit ihm um
des Bauchs willen; aber wenn die Not hergehet, so halten sie sich
hinter dem Schilde.
Vergiß deines Freundes
nicht, wenn du fröhlich bist,
und gedenke an ihn, wenn du
reich wirst.
Ein jeglicher Ratgeber
will raten; aber etliche raten auf ihren eignen Nutz.
Darum hüte dich vor dem
Ratgeber; bedenke zuvor, was sein Vorteil sei. Denn er gedenkt
vielleicht, ihm selbst zu raten, und will dich's wagen lassen,
und spricht, du seiest auf der
rechten Bahn; und er stehet gleichwohl wider dich, und merkt, wie
es dir geraten will.
Halt keinen Rat mit dem, der
einen Argwohn zu dir hat, und nimm nicht zu Rat, die dich neiden.
Gleich als wenn du ein Weib um
Rat fragest, wie man ihrer Feindin freundlich sein soll, oder
einen Verzagten, wie man kriegen soll, oder einen Kaufmann, wie
hoch er deine Ware gegen seine achten wolle, oder einen Käufer,
wie teuer du geben sollst,
oder einen Neidischen, wie man
wohltun, oder einen Unbarmherzigen, wie man Gnade erzeigen soll,
oder einen Faulen, wie man viel arbeiten könne,
oder einen Taglöhner, der
nirgend ansässig ist, wie man die Arbeit zu Ende bringen
soll, oder einen trägen Hausknecht, wie man viel vor sich
bringen könne. * Solche Leute nimm nicht zu Rat,
*Kapitel
9,21.
sondern halt dich stets zu
gottesfürchtigen Leuten, da du weißt, daß sie
Gottes Gebote halten;
die gesinnet sind, wie du
bist, die Mitleiden mit dir haben, wo du strauchelst.
Und bleibe bei derselben Rat;
denn du wirst keinen treuern Rat finden.
Und solcher einer kann oft
etwas besser ersehen denn sieben Wächter, die oben auf der
Warte sitzen.
Doch in dem allem rufe auch
den Allerhöchsten an, daß er dein Tun gelingen und
nicht fehlen lasse.
Ehe du was anfängest, so
frage zuvor; und ehe du was tust, so nimm Rat dazu.
Denn wo man was Neues vorhat,
da muß der vier eines kommen: daß es gut oder böse
werde, daß Leben oder Tod draus folge; und dies alles
regiert allezeit die Zunge.
Mancher ist wohl geschickt,
andern zu raten, und ist ihm selber nichts nütze.
Mancher will klüglich
raten, und man höret ihn doch nicht gern, und er bleibt ein
Bettler;
denn er hat nicht vom Herrn
die Gnade dazu, und ist keine Weisheit in ihm.
Mancher ist weise durch eigne
Erfahrung; der schafft mit seinem Rat Nutz, und trifft's.
Ein weiser Mann kann sein Volk
lehren, und schafft mit seinem Rat Nutz, und trifft's.
Ein weiser Mann wird hoch
gelobt, und alle, die ihn sehen, preisen ihn.
* Ein jeglicher hat eine
bestimmte Zeit zu leben; aber Israels Zeit hat keine Zahl.
*Hiob 14,5.
Ein Weiser hat bei seinen
Leuten ein groß Ansehen, und sein Name bleibet ewiglich.
Mein Kind, prüfe,
was deinem Leibe gesund ist; und siehe, was ihm ungesund ist, das
gib ihm nicht.
Denn allerlei dienet nicht
jedermann; so mag auch nicht jedermann allerlei.
Überfülle dich nicht
mit allerlei leckerer Speise, und friß nicht zu gierig.
Denn viel Fressen macht krank,
und ein unersättlicher Fraß kriegt das Grimmen.
Kapitel
31,24.
Viele haben sich zu Tod
gefressen; wer aber mäßig ist, der lebet desto länger.
Das 38. Kapitel.
Lob des Arztes. Trauer über Verstorbene. Von
Handarbeit.
Ehre den Arzt mit
gebührlicher Verehrung, daß du ihn habest zur Not;
denn der Herr hat ihn
geschaffen, und die Arznei kommt von dem Höchsten, und
Könige ehren ihn.
Die Kunst des Arztes erhöhet
ihn, und macht ihn groß bei Fürsten und Herrn.
Der Herr läßt die
Arznei aus der Erde wachsen, und ein Vernünftiger verachtet
sie nicht.
Ward * doch das bittre Wasser
süß durch ein Holz, auf daß man seine Kraft
erkennen sollte.
*2. Mose
15,25.
Und er hat solche Kunst den
Menschen gegeben, daß er gepriesen würde in seinen
Wunderwerken.
Damit heilet er, und vertreibt
die Schmerzen; und der Apotheker macht Arznei draus.
Gottes Werke kann man nicht
alle erzählen; und er gibt alles, was gut ist auf Erden.
Mein Kind, wenn du
krank bist, so verachte dies nicht, sondern bitte den Herrn, so
wird er dich gesund machen.
Laß von der Sünde,
und mache deine Hände unsträflich, und reinige dein
Herz von aller Missetat.
Kapitel
35,5.
Opfre süßen Geruch
und Semmelmehl zum Gedenkopfer; und gib ein fett Opfer, als
müssest du davon.
Danach laß den Arzt zu
dir, denn der Herr hat ihn geschaffen; und laß ihn nicht
von dir, weil du sein doch bedarfst.
Es kommen Zeiten, da dem
Kranken auch durch jene muß geholfen werden;
denn auch sie werden den Herrn
bitten, daß er's ihnen gelingen lasse, auf daß es mit
ihm besser werde, und er Gesundheit kriege, länger zu leben.
Wer vor seinem Schöpfer
sündigt, der müsse dem Arzt in die Hände kommen!
Psalm
107,17.18. Johannes 5,14.
Mein Kind, wenn einer
stirbt, so beweine ihn, und klage ihn, als sei dir groß
Leid geschehen, und verhülle seinen Leib gebührlicherweise,
und bestatte ihn ehrlich zum Grabe.
Du sollst bitterlich weinen,
und herzlich betrübt sein, und Leid tragen, danach er
gewesen ist,
zum wenigsten einen Tag oder
zween, auf daß man nicht übel von dir reden möge;
und * tröste dich auch wieder, daß du nicht allzu
traurig werdest.
*Kapitel
22,11.
Denn von Trauern kommt der
Tod, und des Herzens Traurigkeit schwächet die Kräfte.
Kapitel
30,25. Sprüche 17,22.
Mit der Anfechtung bleibt auch
die Traurigkeit, und Armut tut dem Herzen wehe.
Laß die Traurigkeit
nicht in dein Herz, sondern schlage sie von dir, und denke ans
Ende, und vergiß es nicht.
Denn da ist kein Wiederkommen;
es hilft ihn nichts, und du tust dir Schaden.
Gedenke an ihn; wie er
gestorben, so mußt du auch sterben. Gestern war's an mir,
heute ist's an dir.
Weil der Tote nun in der Ruhe
liegt, so * höre auch auf, sein zu gedenken, und tröste
dich wieder über ihn, weil sein Geist von hinnen geschieden
ist.
*2. Samuel
12,20.
Wer die Schrift lernen
soll, der kann keiner andern Arbeit warten; und wen man lehren
soll, der muß sonst nichts zu tun haben.
Wie kann der der Lehre warten,
der pflügen muß, und der gerne die Ochsen mit der
Geißel treibet, und mit dergleichen Werken umgehet, und
weiß nichts, denn von Ochsen zu reden?
Er muß denken, wie er
ackern soll, und muß spät und früh den Kühen
Futter geben.
Also auch die Tischler und
Zimmerleute, die Tag und Nacht arbeiten, und schnitzen Bildwerke,
und Fleiß haben, mancherlei Arbeit zu machen, die müssen
denken, daß es recht werde, und früh und spät
dran sein, daß sie es vollenden.
Also ein Schmied, der muß
bei seinem Amboß sein, und seiner Schmiede warten, und wird
matt vom Feuer, und arbeitet sich müde über der Esse.
Das Hämmern schlägt
ihm die Ohren voll, und er siehet drauf, wie er das Werk recht
mache,
und muß denken, wie er's
fertige, und früh und spät dran sein, daß er's
fein ausarbeite.
Also ein Töpfer, der muß
bei seiner Arbeit sein, und die Scheibe mit seinen Füßen
umtreiben, und muß immer mit Sorgen sein Werk machen, und
hat sein gewiß Tagwerk.
Er muß mit seinen Armen
aus dem Ton sein Gefäß formieren, und muß sich
zu seinen Füßen müde bücken.
Er muß denken, wie er's
fein glasiere, und früh und spät den Ofen fegen.
Diese alle trösten sich
ihres Handwerks, und ein jeglicher fleißiget sich, daß
er seine Arbeit könne.
Man kann ihrer in der Stadt
nicht entbehren.
Aber man kann sie nirgend
hinschicken; sie können der Ämter auch nicht warten,
noch in der Gemeine regieren.
Sie können den Verstand
nicht haben, die Schrift zu lehren, noch das Recht und
Gerechtigkeit zu predigen.
Weise Sprüche werden bei
ihnen nicht gefunden, sondern sie müssen der zeitlichen
Nahrung warten, und denken nicht weiter, denn was sie mit ihrer
Arbeit gewinnen mögen.
Das 39. Kapitel.
Von Schriftgelehrsamkeit. Ermahnung zum Lob Gottes.
Wer sich aber darauf geben soll, daß er das
Gesetz des Höchsten lerne, der muß die Weisheit aller
Alten erforschen, und in den Propheten studieren.
Er muß die Geschichten der berühmten Leute
merken, und denselben nachdenken, was sie bedeuten und lehren.
Er muß die geistlichen Sprüche lernen, und in
den tiefen Reden sich üben.
Der kann den Fürsten dienen, und bei den Herren sein.
Er kann sich schicken lassen in fremde Lande; denn er hat
versucht, was bei den Leuten taugt oder nicht taugt;
und denkt, wie er früh aufstehe, den Herrn zu suchen,
der ihn geschaffen hat; und betet vor dem Höchsten.
Er tut seinen Mund getrost auf, und betet für seine
Sünden.
Und wenn dann der Herr also versöhnet ist, so * gibt
er ihm den Geist der Weisheit reichlich,
*Jakobus 1,5.
daß er weisen Rat und Lehre geben kann gewaltiglich,
dafür er dem Herrn dankt in seinem Gebet.
Und der Herr gibt Gnade dazu, daß sein Rat und Lehre
fortgehen.
Und er * betrachtet's zuvor bei sich selbst; danach sagt
er seinen Rat und Lehre heraus, und beweiset's mit der heiligen
Schrift.
*Kapitel 6,37.
Und viele verwundern sich seiner Weisheit, und sie wird
nimmermehr untergehen.
Sein wird nimmermehr vergessen, und sein Name bleibet für
und für.
Was er gelehret hat, wird man weiter predigen, und die
Gemeine wird ihn rühmen.
Dieweil er lebt, hat er einen größern Namen
denn andere tausend; und nach seinem Tod bleibt ihm derselbige
Name.
Ich habe noch etwas mehr zu sagen; denn ich bin von
Gedanken voll wie der volle Mond.
Gehorcht mir, ihr heiligen Kinder, und wachset wie die
Rosen, an den Bächlein gepflanzet,
und gebt süßen Geruch von euch wie Weihrauch;
blühet wie die Lilien, und riechet wohl.
Singet löblich und lobet den Herrn in allen seinen
Werken, preiset seinen Namen herrlich.
Danket ihm und lobet ihn mit Singen und Klingen, und
sprecht also im Danken:
Alle * Werke des Herrn sind sehr gut, und was er gebeut,
das geschieht zu rechter Zeit.
*1. Mose 1,31.
Und man darf nicht sagen: Was ist das? was soll das? Denn
zu ihrer Zeit kommen sie alle erwünschet; gleich als da
durch sein Gebot * das Wasser stund wie Mauern, und durch sein
Wort die Wasser stunden, als wären sie gefasset.
*2. Mose 14,22. Josua 3,16.
Denn was er durch sein Gebot schaffet, das ist lieblich,
und man darf über keinen Mangel klagen an seiner Hilfe.
Aller Menschen Werke sind vor ihm, und vor seinen Augen
ist nichts verborgen.
Er siehet alles von Anfang der Welt bis ans Ende der Welt,
und vor ihm ist kein Ding neu.
Kapitel 15,19.
Man darf nicht sagen: Was ist das? was soll das? Denn er
hat ein jegliches geschaffen, daß es zu etwas dienen soll.
Denn sein Segen fleußt daher wie ein Strom, und
tränket die Erde wie eine * Sintflut.
*große Flut.
Wiederum sein Zorn trifft die Heiden, als wenn er ein
wasserreich Land verdorren läßt.
Sein Tun ist bei den Heiligen recht aber die Gottlosen
stoßen sich dran.
Psalm 18,27.
Alles, was von Anfang geschaffen ist, das ist den Frommen
gut, aber den Gottlosen schädlich.
Weisheit 16,24.
Der Mensch bedarf zu seinem Leben Wasser, Feuer, Eisen,
Salz, Mehl, Honig, Milch, Wein, Öl und Kleider.
Solches alles kommt den Frommen zugut, und den Gottlosen
zu Schaden.
Es sind auch die Winde ein Teil zur Rache geschaffen, und
durch ihr Stürmen tun sie Schaden;
und wenn die Strafe kommen soll, so toben sie, und richten
den Zorn aus des, der sie geschaffen hat.
Feuer, Hagel, Hunger, Tod, solches alles ist zur Rache
geschaffen.
Die wilden Tiere, Skorpione, Schlangen und das Schwert
sind auch zur Rache geschaffen, zu verderben * die Gottlosen.
*Kapitel 40,10.
Mit Freuden * tun sie seinen Befehl, und sind bereit, wo
er ihrer bedarf auf Erden; und wenn das Stündlein kommt,
lassen sie nicht ab.
*Psalm 148,8.
Das ist's, das ich anfing und gedachte, zu schreiben:
daß alle Werke des Herrn gut sind, und ein jegliches
zu seiner Zeit nütz ist;
Vers 21.
daß man nicht sagen darf: „Es ist nicht alles
gut;“ denn es ist ein jegliches zu seiner Zeit köstlich.
Darum soll man den Namen des Herrn loben, und danken mit
Herzen und Munde.
Das 40. Kapitel.
Klage über der Menschen Elend. Wert und Unwert
zeitlicher Güter. Vom Bettel.
Es ist ein * elend
jämmerlich Ding um aller Menschen Leben von Mutterleib an,
bis sie in die Erde begraben werden, die unser aller Mutter ist.
*Psalm
90,10.
Da ist immer Sorge, Furcht,
Hoffnung und zuletzt der Tod,
sowohl bei dem, der in hohen
Ehren sitzt, als bei dem Geringsten auf Erden;
sowohl bei dem, der Purpur und
Krone trägt, als bei dem, der einen groben Kittel anhat. Da
ist immer Zorn, Eifer, Widerwärtigkeit, Unfriede und
Todesfurcht, Neid und Zank.
Und wenn einer des Nachts auf
seinem Bette ruhen und schlafen soll, fallen ihm mancherlei
Gedanken ein.
Wenn er gleich ein wenig
ruhet, so ist's doch nichts; denn er erschrickt im Traum, als
sehe er die Feinde kommen.
Und wenn er aufwacht, und
siehet, daß er sicher ist, so ist ihm, als der aus der
Schlacht entronnen ist, und ist wunderfroh, daß die Furcht
nichts ist gewesen.
Solches widerfähret allem
Fleisch, sowohl Menschen als Vieh, aber den Gottlosen siebenmal
mehr:
Mord, Blut, Hader, Schwert,
Unglück, Hunger, Verderben und Plage.
Solches alles ist geordnet
wider die Gottlosen; denn auch * die Sintflut um ihretwillen
kommen mußte.
*1. Mose
6,13.
Alles, was aus der Erde kommt,
* muß wieder zu Erde werden, wie + alle Wasser wieder ins
Meer fließen.
*1. Mose
3,19. +Prediger
1,7.
Alle Geschenke und
unrecht Gut müssen untergehen; aber die Wahrheit bleibet
ewiglich.
Der Gottlosen Güter
versiegen wie ein Bach, wie ein Donner verrauscht im Regen.
Sie sind fröhlich,
solange sie Geschenke nehmen; aber zuletzt gehen sie doch zu
Boden.
Die Nachkommen der Gottlosen
werden keine Zweige kriegen, und der Ungerechten Wurzel stehet
auf einem bloßen Felsen.
Kapitel
23,35.
Und wenn sie gleich sehr
feucht und am Wasser stünden, werden sie doch ausgerottet
eher denn alles Gras.
Wohltun aber ist wie * ein
gesegneter Garten, und Barmherzigkeit bleibt ewiglich.
*Vers 28.
Wer sich mit seiner Arbeit
nähret, und läßt ihm genügen, der hat ein
fein ruhig Leben. Das heißt einen Schatz über alle
Schätze finden.
Kinder zeugen und die Stadt
bessern, machet ein ewig Gedächtnis; aber ein * untadelig
Weib mehr denn beides.
*Sprüche
31,28.
Wein und Saitenspiel erfreuen
das Herz; aber die Weisheit ist lieblicher denn die beide.
Pfeife und Harfe lauten wohl;
aber eine * freundliche Rede besser denn die beide.
*Sprüche
12,25.
Dein Auge siehet gern, was
lieblich und schön ist; aber eine grüne Saat lieber
denn beides.
Ein Freund kommt zum andern in
der Not; aber Mann und Weib viel mehr.
Ein Bruder hilft dem andern in
der Not; aber Barmherzigkeit hilft viel mehr.
Gold und Silber erhalten einen
Mann; aber viel mehr ein guter Rat.
Geld und Gut machet Mut; aber
viel mehr die Furcht des Herrn.
Die Furcht des Herrn mangelt
nichts, und sie bedarf keiner Hilfe.
Die Furcht des Herrn ist * ein
gesegneter Garten, und ist nichts so schön, als sie ist.
*Vers 17.
Mein Kind, gib dich
nicht aufs Betteln; es ist besser sterben, denn betteln.
Wer sich auf eines andern
Tisch verläßt, der gedenkt sich nicht mit Ehren zu
nähren; denn er muß sich versündigen um fremder
Speise willen;
aber davor hütet sich ein
vernünftiger, weiser Mann.
Bettelei schmeckt wohl dem
unverschämten Maul; aber er wird zuletzt ein böses
Fieber davon kriegen.
DAS
BUCH JESUS SIRACH 41 - 51
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