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DAS BUCH JESUS SIRACH.

Kapitel 1 – 18





Vorrede.

  1. Vieles und Großes ist uns gegeben durch das Gesetz und die Propheten und die andern, so denselbigen nachgefolget; daher man muß Israel billig loben um solche Weisheit und Lehre.

    Lukas 24,44.

  2. Darum sollen nicht allein die, so es haben und lesen, weise daraus werden, sondern auch denen in der Fremde dienen mit Lehren und Schreiben.

  3. So hat mein Großvater Jesus, nachdem er sich sonderlich befleißiget, zu lesen das Gesetz, die Propheten und die andern Bücher, so uns von unsern Vätern gelassen sind, und sich wohl drinnen geübt hatte, sich vorgenommen, auch etwas zu schreiben von Weisheit und guten Sitten;

  4. auf daß die, so gerne lernen und klug werden wollten, desto verständiger und geschickter würden, ein gut Leben zu führen.

  5. Darum bitte ich, ihr wollet es freundlich annehmen, und mit Fleiß lesen, und uns zugut halten, so wir etwa in einigen Worten gefehlt haben, obwohl wir allen Fleiß getan haben, recht zu dolmetschen.

  6. Denn was in hebräischer Sprache geschrieben ist, das lautet nicht so wohl, wenn man's bringet in eine andere Sprache;

  7. nicht allein dieses mein Buch, sondern auch das Gesetz selber und die Propheten und die übrigen Bücher lauten gar viel anders, wenn sie in ihrer eigenen Sprache geredet werden.

  8. Als ich nun gen Ägypten kam, im achtunddreißigsten Jahr des Königs Ptolemäus Euergetes, und drinnen blieb, gewann ich Raum, viel Gutes zu lesen und zu schreiben.

  9. Darum sah ich's für gut und not an, daß ich den Fleiß und die Mühe drauf legete, und dies Buch verdolmetschte.

  10. Und dieweil ich Zeit hatte, arbeitete ich, und kehrte Fleiß an, daß ich dies Buch fertig machte, und an den Tag brächte, auf daß auch die in der Fremde, so lernen wollen, sich zu guten Sitten gewöhnen, auf daß sie nach dem Gesetze des Herrn leben mögen.

Das 1. Kapitel.

Ruhm der Weisheit und der Furcht Gottes.

  1. Alle Weisheit ist von Gott, dem Herrn, und ist bei ihm ewiglich.

    Sprüche 2,6; 8,22.

  2. Wer hat zuvor gedacht, wie viel Sand im Meer, wie viel Tropfen im Regen und wie viel Tage der Welt werden sollten?

  3. Wer hat zuvor gemessen, wie hoch der Himmel, wie breit die Erde, wie tief das Meer sein sollte? Wer hat Gott je gelehret, was er machen sollte?

    Jesaja 40,12-14.

  4. Denn seine Weisheit ist vor allen Dingen.

  5. Das Wort Gottes, des Allerhöchsten, ist der Brunnen der Weisheit, und das ewige Gebot ist ihre Quelle.

  6. Wer könnte sonst wissen, wie man die Weisheit und Klugheit erlangen sollte?

  7. Einer ist weise, der Allerhöchste, der Schöpfer aller Dinge, allmächtig, ein gewaltiger König und sehr erschrecklich,

  8. der auf seinem Thron sitzet, ein herrschender Gott;

  9. der hat sie durch seinen heiligen Geist verkündiget, der hat alles zuvor gedacht, gewußt und gemessen;

  10. und hat die Weisheit ausgeschüttet über alle seine Werke und über alles Fleisch nach seiner Gnade, und gibt sie denen, so ihn lieben.

  11. Die Furcht des Herrn ist Ehre und Ruhm, Freude und eine schöne Krone.

  12. Die Furcht des Herrn macht das Herz fröhlich, und gibt Freude und Wonne ewiglich.

  13. Wer den Herrn fürchtet, dem wird's wohlgehen in der letzten Not, und wird endlich den Segen behalten.

  14. Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit,

  15. und wer sie ersiehet, der liebt sie; denn er siehet, welch große Wunder sie tut.

  16. Die * Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang, und ist im Herzensgrund allein bei den Gläubigen, und wohnet allein bei den auserwähleten Weibern, und man findet sie allein bei den Gerechten und Gläubigen.

    *Psalm 111,10; Sprüche 1,7; 9,10.

  17. Die Furcht des Herrn ist der rechte Gottesdienst;

  18. der behütet und macht das Herz fromm, und gibt Freude und Wonne.

  19. Wer den Herrn fürchtet, dem wird's wohlgehen, und wenn er Trostes bedarf, wird er gesegnet sein.

  20. Gott fürchten ist die Weisheit, die reich machet, und bringet alles Gute mit sich.

  21. Sie erfüllet das ganze Haus mit ihren Gaben und alle Gemächer mit ihrem Schatz.

  22. Die Furcht des Herrn ist eine Krone der Weisheit,

  23. und gibt reichen Frieden und Heil.

  24. Diese Weisheit macht recht kluge Leute; und wer an ihr festhält, dem hilft sie aus mit Ehren.

  25. Den Herrn fürchten ist die Wurzel der Weisheit, und ihre Zweige grünen ewiglich.

  26. Die Furcht des Herrn wehret der Sünde.

    1. Mose 39,9.

  27. Denn wer ohne Furcht fähret, der gefällt Gott nicht, und seine Frechheit wird ihn stürzen.

  28. Aber ein Demütiger erharret der Zeit, die ihn trösten wird.

  29. Denn wiewohl seine Sache eine Zeit lang unterdrückt wird,

  30. so werden doch die Frommen seine Weisheit rühmen.

  31. Dem Gottlosen ist Gottes Wort ein Greuel; denn es ist ein Schatz der Weisheit, der ihm verborgen ist.

  32. Mein Sohn, willst du weise werden, so halte die Gebote, so wird dir Gott die Weisheit geben.

  33. Denn die * Furcht des Herrn ist die rechte Weisheit und Zucht; und Glaube und Geduld gefallen Gott wohl.

    *Sprüche 15,33.

  34. Siehe zu, daß deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei, und diene ihm nicht mit falschem Herzen.

  35. Suche nicht Ruhm bei den Leuten durch Heuchelei, und siehe zu, was du redest.

  36. Und wirf dich selbst nicht auf, daß du nicht fallest und zu Schanden werdest,

  37. und der Herr deine Tücke offenbare, und stürze dich öffentlich vor den Leuten;

  38. darum daß du nicht in rechter Furcht Gott gedienet hast, und dein Herz falsch gewesen ist.

Das 2. Kapitel.

Vermahnung zur Geduld in Trübsal.

  1. Mein Kind, willst du Gottes Diener sein, so schicke dich zur Anfechtung.

    Sprüche 3,11.

  2. Halte fest und leide dich, und wanke nicht, wenn man dich davonlocket.

  3. Halt dich an Gott, und weiche nicht, auf daß du immer stärker werdest.

  4. Alles, was dir widerfähret, das leide, und sei geduldig in allerlei Trübsal.

  5. Denn gleichwie das Gold durchs Feuer, also werden die, so Gott gefallen, durchs Feuer der Trübsal bewährt.

    Sprüche 17,3; 1. Petrus 1,7; 4,12.

  6. Vertraue Gott, so wird er dir aushelfen; richte deine Wege, und hoffe auf ihn!

    Psalm 37,5.

  7. Die ihr den Herrn fürchtet, vertrauet ihm; denn es wird euch nicht fehlen.

  8. Die ihr den Herrn fürchtet, hoffet des Besten von ihm, so wird euch Gnade und Trost allezeit widerfahren.

  9. Die ihr den Herrn fürchtet, harret seiner Gnade, und weichet nicht, auf daß ihr nicht zu Grund gehet.

  10. Sehet an die Beispiele der Alten, und merket sie.

  11. Wer ist jemals zu Schanden worden, der auf ihn gehoffet hat?

  12. Wer ist jemals verlassen, der in der Furcht Gottes blieben ist? Oder wer ist jemals von ihm verschmähet, der ihn angerufen hat?

  13. Denn der Herr ist * gnädig und barmherzig, und vergibt Sünden, und hilft in der Not.

    *2. Mose 34,6.7.

  14. Weh denen, so an Gott verzagen, und nicht festhalten, und dem Gottlosen, der hin und wieder wanket!

  15. Weh den Verzagten! denn sie glauben nicht, darum werden sie auch nicht beschirmet.

  16. Weh denen, so nicht beharren!

  17. Wie will es ihnen gehen, wenn sie der Herr heimsuchen wird?

  18. Die den Herrn fürchten, glauben seinem Wort; und die ihn lieb haben, halten seine Gebote.

  19. Die den Herrn fürchten, tun was ihm wohlgefällt;

  20. und die ihn lieb haben, halten das Gesetz recht.

  21. Die den Herrn fürchten, bereiten ihr Herz, und demütigen sich vor ihm und sprechen:

  22. Wir wollen lieber in die Hände des Herrn fallen denn in die Hände der Menschen;

    2. Samuel 24,14.

  23. denn seine Barmherzigkeit ist ja so groß, als er selber ist.

Das 3. Kapitel.

Vom Gehorsam gegen die Eltern und von wahrer Demut.

  1. Lieben Kinder, gehorchet mir, eurem Vater,

  2. und lebet also, auf daß es euch wohlgehe.

    5. Mose 5,16.

  3. Denn der Herr will den Vater von den Kindern geehret haben; und was eine Mutter die Kinder heißet, will er gehalten haben.

    2. Mose 20,12.

  4. Wer seinen Vater ehret, des Sünden wird Gott nicht strafen;

  5. und wer seine Mutter ehret, der sammelt einen guten Schatz.

  6. Wer seinen Vater ehret, der wird auch Freude an seinen Kindern haben; und wenn er betet, so wird er erhöret.

  7. Wer seinen Vater ehret, der wird desto länger leben; und wer um des Herrn willen gehorsam ist, an dem hat die Mutter einen Trost.

  8. Wer den Herrn fürchtet, der ehret auch den Vater, und dienet seinen Eltern, und hält sie für seine Herrn.

  9. Ehre Vater und Mutter mit der Tat, mit Worten und Geduld;

  10. auf daß ihr Segen über dich komme.

  11. Denn des Vaters Segen bauet den Kindern Häuser, aber der Mutter Fluch reißet sie nieder.

  12. Spotte deines Vaters Gebrechen nicht; denn es ist dir keine Ehre.

    1. Mose 9,25.

  13. Denn den Vater ehren, ist deine eigne Ehre, und deine Mutter verachten, ist deine eigne Schande.

  14. Liebes Kind, * pflege deines Vaters im Alter, und betrübe ihn ja nicht, solange er lebet;

    *Sprüche 23,22.

  15. und halt ihm zugut, ob er kindisch würde, und verachte ihn ja nicht darum, daß du geschickter bist.

  16. Denn der Wohltat, dem Vater erzeigt, wird nimmermehr vergessen werden; und wird dir Gutes geschehen, ob du auch wohl ein Sünder bist.

  17. Und dein wird gedacht werden in der Not, und deine Sünden werden vergehen wie das Eis vor der Sonne.

  18. Wer seinen Vater verläßt, der ist, als der Gott lästert; und wer seine Mutter betrübet, der ist verflucht vom Herrn.

    Sprüche 19,26.

  19. Liebes Kind, bleib gern im niedrigen Stande; das ist besser denn alles, da die Welt nach trachtet.

    Römer 12,16.

  20. Je höher du bist, je mehr demütige dich, so wird dir der Herr hold sein.

  21. Denn der Herr ist der Allerhöchste und tut doch große Dinge durch die Demütigen.

  22. Stehe nicht nach höherm Stande, und denke nicht über dein Vermögen;

  23. sondern was Gott dir befohlen hat, des nimm dich stets an. Denn es frommet dir nichts, daß du gaffest nach dem, das dir nicht befohlen ist.

  24. Und was deines Amts nicht ist, da laß deinen Vorwitz.

  25. Denn dir ist schon mehr befohlen, als du kannst ausrichten.

  26. Solcher Dünkel hat viele betrogen; und ihre Vermessenheit hat sie gestürzt.

  27. Denn wer sich gern in Fahr (Gefahr) gibt, der verdirbt drinnen;

  28. und einem vermessnen Menschen gehet's endlich übel aus.

  29. Ein vermessner Mensch macht ihm selbst viel Unglücks, und richtet einen Jammer nach dem andern an.

  30. Denn Hochmut tut nimmer gut, und kann nichts denn Arges draus erwachsen.

    Kapitel 10,15; Tobias 4,14.

  31. Ein vernünftiger Mensch lernet Gottes Wort gern;

  32. und wer die Weisheit lieb hat, der höret gerne zu.

  33. Wie das Wasser ein brennend Feuer löscht, also tilget das Almosen die Sünden.

    Daniel 4,24; Tobias 4,11.

  34. Und der oberste * Vergelter wird's hernachmals gedenken, und wird ihn im Unfall erhalten.

    *Matthäus 6,3.4.

Das 4. Kapitel.

Ermahnung zur Wohltätigkeit. Hoher Wert der Weisheit. Wahre und falsche Scham.

  1. Liebes Kind, laß den Armen nicht Not leiden, und sei nicht hart gegen den Dürftigen.

    Kapitel 14,13.14.

  2. Verachte den Hungrigen nicht, und betrübe den Dürftigen nicht in seiner Armut.

  3. Einem betrübten Herzen mache nicht mehr Leides, und verzeuch die Gabe dem Dürftigen nicht.

  4. Die Bitte des Elenden schlage nicht ab, und wende dein Angesicht nicht von dem Armen.

    Tobias 4,7.

  5. Wende deine Augen nicht von dem Dürftigen, auf daß er nicht über dich klage.

  6. Denn der ihn gemacht hat, erhöret sein Gebet, wenn er mit traurigem Herzen über dich klaget.

    Sprüche 22,2.

  7. Sei nicht zänkisch vor Gericht, und halte den Richter in Ehren.

  8. Höre den Armen gerne, und antworte ihm freundlich und sanft.

  9. Errette den, dem Gewalt geschieht, von dem, der ihm Unrecht tut; und sei unerschrocken, wenn du urteilen sollst.

  10. Halt dich gegen die Waisen wie ein Vater, und nimm dich ihrer Mutter an wie ihr Mann,

    Hiob 29,16; 31,16-18.

  11. so wirst du sein wie ein Sohn des Allerhöchsten, und er wird dich lieber haben, denn dich deine Mutter hat.

  12. Die Weisheit erhöhet die Kinder, und nimmt die auf, die sie suchen.

  13. Wer sie lieb hat, der hat das Leben lieb; und wer sie fleißig suchet, wird große Freude haben.

  14. Wer fest an ihr hält, der wird große Ehre erlangen; und was er vornimmt, da wird der Herr Glück zu geben.

  15. Wer ihr dienet, der tut den * rechten Gottesdienst; und wer sie lieb hat, den hat der Herr auch lieb.

    *1. Samuel 15,22.

  16. Wer ihr gehorchet, der kann andre Leute lehren; und wer sich zu ihr hält, der wird sicher wohnen.

  17. Wer ohne Falsch ist, der wird sie erlangen, und seine Nachkommen werden gedeihen.

  18. Und ob sie zum ersten sich anders gegen ihm stellet,

  19. und macht ihm angst und bange, und prüfet ihn mit ihrer Rute, und versucht ihn mit ihrer Züchtigung, bis sie befindet, daß er ohne Falsch sei:

  20. so wird sie dann wieder zu ihm kommen auf dem rechten Wege, und ihn erfreuen,

  21. und wird ihm offenbaren ihr Geheimnis.

  22. Wo er aber falsch befunden wird, wird sie ihn verlassen, daß er verderben muß.

  23. Liebes Kind, brauche der Zeit, und hüte dich vor unrechter Sache,

  24. und schäme dich nicht für deine Seele, das Recht zu bekennen.

  25. Denn man kann sich so schämen, daß man Sünde dran tut, und kann sich auch also schämen, daß man Gnade und Ehre davon hat.

    Kapitel 41,19; Markus 8,38.

  26. Laß dich keine Person bewegen dir zum Schaden, noch erschrecken dir zum Verderben,

  27. sondern bekenne das Recht frei,

  28. wenn man den Leuten helfen soll.

  29. Denn durch Bekenntnis wird die Wahrheit und das Recht offenbar.

  30. Rede nicht wider die Wahrheit, sondern laß den Hohn über dich gehen, wo du in der Sache gefehlet hast.

  31. Schäme dich nicht zu bekennen, wo du gefehlet hast, und strebe nicht wider den Strom.

  32. Diene einem Narren in seiner Sache nicht, und siehe seine Gewalt nicht an;

  33. sondern verteidige die Wahrheit bis in den Tod, so wird Gott der Herr für dich streiten.

  34. Sei nicht wie die, so sich mit hohen Worten erbieten, und tun doch gar nichts dazu.

  35. Sei nicht ein Löwe in deinem Hause, und nicht ein Wüterich gegen dein Gesinde.

  36. Deine Hand soll nicht aufgetan sein, immer zu nehmen, und zugeschlossen, nimmer zu geben.

Das 5. Kapitel.

Warnung vor gefährlicher Sicherheit und vor Unvorsichtigkeit im Reden.

  1. Verlaß dich nicht auf deinen Reichtum, und denke nicht: Ich habe genug für mich.

  2. Folge deinem Mutwillen nicht, ob du es gleich vermagst, und tue nicht, was dich gelüstet,

  3. und denke nicht: „Wer will mir's wehren?“ Denn der Herr, der oberste Rächer wird's rächen.

  4. Denke nicht: „Ich habe wohl mehr gesündiget, und ist mir nichts Böses widerfahren;“ denn der Herr ist wohl geduldig, aber er wird dich nicht ungestraft lassen.

  5. Und sei nicht so sicher, ob deine Sünde noch nicht gestraft ist, daß du darum für und für sündigen wolltest.

  6. Denke auch nicht: Gott ist sehr barmherzig, er wird mich nicht strafen, ich sündige, wie viel ich will.

  7. Er kann bald also zornig werden, als gnädig er ist; und sein Zorn über die Gottlosen hat kein Aufhören.

  8. Darum * verzeuch nicht, dich zum Herrn zu bekehren, und schieb es nicht von einem Tage auf den andern.

    *Kapitel 18,22.

  9. Denn sein Zorn kommet plötzlich, und wird's rächen und dich verderben.

  10. Auf unrecht Gut verlaß dich nicht; denn es hilft dich nichts, wenn die Anfechtungen kommen werden.

  11. Laß dich nicht einen jeglichen Wind führen, und folge nicht einem jeglichen Wege, wie die unbeständigen Herzen tun,

  12. sondern sei beständig in deinem Sinn, und bleibe bei einerlei Rede.

  13. Sei schnell, zu hören, und antworte, was recht ist, und übereile dich nicht.

    Jakobus 1,19.

  14. Verstehest du die Sache, so unterrichte deinen Nächsten; wo nicht, so halt dein Maul zu.

  15. Denn Reden bringet Ehre, und Reden bringet auch Schande; und den Menschen fället seine eigne Zunge.

  16. Sei nicht ein Ohrenbläser, und verleumde nicht mit deiner Zunge.

  17. Ein Dieb ist ein schändlich Ding; aber ein Verleumder ist viel schändlicher.

  18. Achte es nicht geringe, es sei klein oder groß.

Das 6. Kapitel.

Warnung vor Unbescheidenheit. Vorschriften des Umgangs mit Freunden und Feinden. Ermahnung, nach der Weisheit zu streben.

  1. Laß dich nicht bewegen, daß du deinem Freund gram werdest; denn solcher Verleumder wird endlich zu Schanden.

  2. Laß dich nicht zu klug dünken, jedermann zu tadeln,

  3. daß deine Blätter nicht verwelken, und deine Früchte verderben, und auch dermaleinst werdest wie ein dürrer Baum.

  4. Denn ein solcher giftiger Mensch schadet ihm selber, und wird seinen Feinden ein Spott.

  5. Wiederum, wer alles zum besten auslegt, der machet sich viel Freunde; und wer das Beste zur Sache redet, von dem redet man wiederum das Beste.

  6. Halt's mit jedermann freundlich; aber zum Ratgeber nimm unter tausend nur einen.

  7. Vertraue keinem Freunde, du habest ihn denn erkannt in der Not.

  8. Denn es sind viele Freunde, solange sie es genießen können; aber in der Not halten sie nicht.

    Kapitel 37,4.

  9. Und ist mancher Freund, der wird bald Feind, und machet den Streit kund, dir zur Schmach.

  10. Es sind auch etliche Tischfreunde, und halten nicht in der Not.

  11. Solange dir's wohlgehet, so ist er dein Geselle, und lebet in deinem Hause, als wäre er auch Hausherr;

  12. gehet dir's aber übel, so stehet er wider dich, und läßt sich nirgend finden.

  13. Tue dich von deinen Feinden, und hüte dich gleichwohl auch vor Freunden.

  14. Ein treuer Freund ist ein starker Schutz; wer den hat, der hat einen großen Schatz.

  15. Ein treuer Freund ist mit keinem Geld noch Gut zu bezahlen.

  16. Ein treuer Freund ist ein Trost des Lebens; wer Gott fürchtet, der kriegt solchen Freund.

    Kapitel 25,12.

  17. Denn wer Gott fürchtet, dem wird's gelingen mit Freunden; und wie er ist, also wird sein Freund auch sein.

  18. Liebes Kind, laß dich die Weisheit ziehen von Jugend auf, so wird ein weiser Mann aus dir.

  19. Stelle dich zu ihr wie einer, der da ackert und säet, und erwarte ihre guten Früchte.

  20. Du mußt eine kleine Zeit um ihretwillen Mühe und Arbeit haben; aber gar bald wirst du ihrer Früchte genießen.

  21. Bitter ist sie den ungebrochnen Menschen, und ein Unverständiger bleibet nicht an ihr.

  22. Denn sie ist ihm ein harter Prüfestein, und er wirft sie bald von sich.

  23. Sie rühmen wohl viel von der Weisheit, aber wissen wenig drum.

  24. Liebes Kind, gehorche meiner Lehre, und verachte nicht meinen Rat.

  25. Ergib deine Füße in ihre Fesseln, und deinen Hals in ihr Halseisen.

  26. Bücke deine Schultern, und trage sie, und sperre dich wider ihre Bande nicht.

  27. Halte dich zu ihr von ganzem Herzen, und bleibe mit allen Kräften auf ihrem Wege.

  28. Forsche ihr nach, und suche sie, so wirst du sie finden; und wenn du sie kriegest, so laß sie nicht von dir.

  29. Denn endlich wirst du Trost an ihr haben, und wird dir dein Leib in Freude gekehret werden,

  30. und ihre Fesseln werden dir ein starker Schirm, und ihr Halseisen ein herrlich Kleid werden.

  31. Sie hat eine güldene Krone mit einer Purpurhaube.

  32. Dasselbige Kleid wirst du anziehen, und dieselbige * schöne Krone wirst du aufsetzen.

    *Sprüche 1,9.

  33. Liebes Kind, willst du folgen, so wirst du weise; und nimmst du es zu Herzen, so wirst du klug.

  34. Wirst du gern gehorchen, so wirst du sie kriegen; und wirst du deine Ohren neigen, so wirst du weise werden.

  35. Sei gern bei den Alten, und wo ein weiser Mann ist, zu dem halte dich. Höre gern jegliches Wort Gottes, und merke die guten Sprüche der Weisheit.

  36. Wo du einen vernünftigen Mann siehest, zu dem komm mit Fleiß, und gehe stets aus und ein bei ihm.

  37. Betrachte immerdar Gottes Gebote, und gedenke stets an sein Wort; der wird dein Herz vollkommen machen, und dir geben Weisheit, wie du begehrest.

    Psalm 1,2.

Das 7. Kapitel.

Warnung vor Ungerechtigkeit und vor dem Streben nach Macht und Ansehen. Vermischte Regeln der Lebensweisheit und Frömmigkeit.

  1. Tue nichts Böses, so widerfähret dir nichts Böses.

  2. Halt dich vom Ungerechten, so trifft dich nicht Unglück.

  3. Säe nicht auf den Acker der Ungerechtigkeit, so wirst du sie nicht ernten siebenfältig.

    Sprüche 22,8.

  4. Dringe dich nicht in Ämter vor Gott, und ringe nicht nach Gewalt beim Könige.

  5. Laß dich's nicht dünken vor Gott, du seiest tüchtig genug dazu, und laß dich nicht dünken beim Könige, du seiest weise genug dazu.

  6. Laß dich nicht verlangen, Richter zu sein; denn durch dein Vermögen wirst du nicht alles Unrecht zu Recht bringen. Du möchtest dich entsetzen vor einem Gewaltigen, und das Recht mit Schanden fallen lassen.

  7. Richte nicht Aufruhr an in der Stadt, und hänge dich nicht an den Pöbel,

  8. auf daß du nicht tragen müssest zweifältige Schuld; denn es wird keine ungestraft bleiben.

  9. Denke auch nicht: Gott wird dafür mein groß Opfer ansehen, und wenn ich dafür dem allerhöchsten Gott opfere, so wird er's annehmen.

    Hosea 8,13.

  10. Wenn du * betest, so zweifle nicht,

    *Jakobus 1,6.

  11. und sei nicht laß, Almosen zu geben.

  12. Spotte des Betrübten nicht; denn es ist einer, der kann beides, niedrigen und erhöhen.

  13. Stifte nicht Lüge wider deinen Bruder, noch wider deinen Freund.

  14. Gewöhne dich nicht an die Lüge; denn das ist eine schädliche Gewohnheit.

  15. Sei nicht schwätzig bei den Alten; und * wenn du betest, so mache nicht viel Worte.

    *Matthäus 6,7.

  16. Ob dir's sauer wird mit deiner Nahrung und Ackerwerk, das laß dich nicht verdrießen; * denn Gott hat's so geschaffen.

    *1. Mose 3,17-19.

  17. Verlaß dich nicht drauf, daß der Haufe groß ist, mit denen du übel tust,

  18. sondern gedenke, daß dir die Strafe nicht ferne ist.

  19. Darum demütige dich von Herzen; denn * Feuer und Würmer ist Rache über die Gottlosen.

    *Jesaja 66,24.

  20. Übergib deinen Freund um keines Guts willen, noch deinen treuen Bruder um des besten Golds willen.

  21. Scheide dich nicht von einer vernünftigen und frommen Frau; denn sie ist edler als Gold.

  22. Einen treuen Knecht und fleißigen Arbeiter halt nicht übel.

  23. Einen frommen Knecht habe lieb, und hindere ihn nicht, wo er frei werden kann.

  24. Hast du Vieh, so warte sein, und träget dir's Nutz, so behalt es.

  25. Hast du Kinder, so zeuch (erzieh) sie, und beuge ihren Hals von Jugend auf.

  26. Hast du Töchter, so bewahre ihren Leib, und verwöhne sie nicht.

  27. Verheirate deine Tochter, so hast du ein groß Werk getan, und gib sie einem vernünftigen Mann.

  28. Hast du ein Weib nach deinem Herzen, so laß dich nicht von ihr wenden, sie zu verstoßen; und vertraue der Feindseligen nicht.

  29. Ehre deinen Vater von ganzem Herzen, und vergiß nicht, wie sauer du deiner Mutter worden bist;

  30. und denke, daß du von ihnen geboren bist; und was kannst du ihnen dafür tun, das sie an dir getan haben?

  31. Fürchte den Herrn von ganzem Herzen, und halt seine Priester in allen Ehren. Liebe den, der dich gemacht hat, von allen Kräften; und seine Diener verlaß nicht.

  32. Fürchte den Herrn, und ehre den Priester;

  33. und gib ihm sein Teil, wie * dir geboten ist,

    *4. Mose 18,8-21; 5. Mose 12,19.

  34. Erstlinge und Schuldopfer

  35. und Hebopfer, und was mehr geheiliget wird zum Opfer, und allerlei heilige Erstlinge.

  36. Reiche dem Armen deine Hand, auf daß du reichlich gesegnet werdest,

    Kapitel 14,16.

  37. und deine Wohltat dich angenehm mache vor allen lebendigen Menschen; ja, * beweise auch an den Toten deine Wohltat.

    *2. Samuel 2,5.

  38. Laß die Weinenden nicht ohne Trost, sondern traure mit den Traurigen.

    Römer 12,15.

  39. Laß dich's nicht verdrießen, die Kranken zu besuchen, denn um deswillen wirst du geliebet werden.

  40. Was du tust, so bedenke das Ende, so wirst du nimmermehr Übels tun.

Das 8. Kapitel.

Regeln eines klugen und rechtschaffenen Betragens gegen andere.

  1. Zanke nicht mit einem Gewaltigen, daß du ihm nicht in die Hände fallest.

  2. Zanke nicht mit einem Reichen, daß er dich nicht überwiege.

  3. Denn viele lassen sich mit Geld bestechen, und es beweget auch wohl der Könige Herz.

  4. Zanke nicht mit einem Schwätzer, daß du nicht Holz zutragest zu seinem Feuer.

  5. Scherze nicht mit einem groben Menschen, daß er dein Geschlecht nicht schmähe.

  6. Rücke dem nicht auf seine Sünde, der sich bessert, und gedenke, daß wir alle auch Schuld auf uns haben.

  7. Verachte das Alter nicht; denn wir gedenken auch, alt zu werden.

  8. * Freue dich nicht, daß dein Feind stirbt; gedenke, daß wir alle sterben müssen.

    *Hiob 31,29.

  9. Verachte nicht, was die Weisen reden, sondern richte dich nach ihren Sprüchen.

    Kapitel 6,34-36.

  10. Denn von ihnen kannst du Zucht lernen, und wie du dich halten sollst gegen große Leute.

  11. Laß dich nicht klüger dünken denn die Alten, denn sie haben auch von ihren Vätern gelernet;

  12. denn von ihnen kannst du lernen, wie du sollst antworten, wo es not ist.

  13. Blase dem Gottlosen nicht sein Feuer auf, daß du nicht auch mit verbrennest.

  14. Lege dich nicht an einen Lästerer, daß er dir deine Worte nicht verkehre.

  15. Leihe nicht einem Gewaltigern, denn du bist; leihest du aber, so achte es als verloren.

  16. Werde nicht Bürge über dein Vermögen; wirst du aber Bürge, so denke, daß du bezahlest.

  17. Rechte nicht mit dem Richter; denn man spricht das Urteil, wie er will.

  18. Wandere nicht mit einem Tollkühnen, daß er dich nicht in Unglück bringe; denn er richtet an, was er will, so mußt du dann um seiner Torheit willen Schaden leiden.

  19. Hadere nicht mit einem Zornigen, und gehe nicht allein mit ihm über Feld; denn er achtet Blutvergießen wie nichts; wenn du dann keine Hilfe hast, so erwürget er dich.

  20. Mit Narren halt keinen Rat, denn sie können kein Wort bei sich behalten.

  21. Vor einem Fremden tue nichts, das du heimlich halten willst; denn du weißt nicht, was draus kommen möchte.

  22. Offenbare dein Herz nicht jedermann; er möchte dir übel danken.

Das 9. Kapitel.

Vorsicht im Umgang mit Weibern und Freunden.

  1. Eifre nicht über das Weib, das dir vertraut ist; denn solch hartes Aufsehen bringt nichts Gutes.

  2. Laß deinem Weibe nicht Gewalt über dich, daß sie nicht dein Herr werde.

  3. Fleuch die Buhlerin, daß du nicht in ihre Stricke fallest.

  4. Gewöhne dich nicht zu der Sängerin, daß sie dich nicht fahe mit ihrem Reizen.

  5. Siehe nicht nach den Mägden, daß du nicht entzündet werdest gegen sie.

    1. Mose 34,1.2; Hiob 31,1; Matthäus 5,28.

  6. Hänge dich nicht an die Huren, daß du nicht um das Deine kommest.

  7. Gaffe nicht in der Stadt hin und wieder, und laufe nicht durch alle Winkel.

  8. Wende dein Angesicht von schönen Frauen, und siehe nicht nach der Gestalt anderer Weiber.

  9. Denn schöne Weiber haben manchen betöret,

    2. Samuel 11,2; Judith 12,17.

  10. und böse Lust entbrennet davon wie ein Feuer.

  11. Sitze nicht bei eines andern Weib,

  12. und herze dich nicht mit ihr,

  13. und prasse nicht mit ihr, daß dein Herz nicht an sie gerate, und deine Sinne nicht betöret werden.

  14. Gib einen alten Freund nicht auf; denn du weißt nicht, ob du so viel am neuen kriegest.

  15. Ein neuer Freund ist ein neuer Wein; laß ihn alt werden, so wird er dir wohlschmecken.

  16. Eifre nicht über des Gottlosen große Ehren; denn du weißt nicht, wie es ein * Ende nehmen wird.

    *Psalm 73,17-20.

  17. Laß dir nicht gefallen der Gottlosen Vornehmen; denn sie werden nicht ungestraft bleiben bis in die Hölle hinein.

  18. Halt dich fern von dem, so Gewalt hat zu töten, so darfst du dich nicht besorgen, daß er dich töte.

  19. Mußt du aber um ihn sein, so vergreif dich nicht, daß er dir nicht das Leben nehme, da du dich's am wenigsten versiehest;

  20. und wisse, daß du unter Stricken wandelst, und gehest auf eitel hohen Spitzen.

  21. Erlerne mit allem Fleiß deinen Nächsten, und wo du Rat bedarfst, so suche es bei weisen Leuten.

  22. Und besprich dich mit den Verständigen, und richte alle deine Sachen nach Gottes Wort.

  23. * Geselle dich zu frommen Leuten, und + sei fröhlich, doch mit Gottesfurcht.

    *Kapitel 37,15 +Tobias 9,12.

Lob weiser Regenten. Warnung vor Stolz und Übermut.

  1. Das Werk lobet den Meister, und einen weisen Fürsten seine Rede.

  2. Es ist ein fährlich Ding in einem Regiment um einen Schwätzer; und ein jäher Wäscher wird zu Schanden.

Das 10. Kapitel.

  1. Ein weiser Regent hält sein Volk in Zucht; und wo eine verständige Obrigkeit ist, * da gehet es ordentlich zu.

    *Sprüche 28,12.

  2. Wie der Regent ist, so sind auch seine Amtleute; wie der Rat ist, so sind auch die Bürger.

  3. Ein König, der selber nicht Zucht gelernet hat, verderbet Land und Leute; wenn aber die Gewaltigen klug sind, so gedeihet die Stadt.

  4. Das Regiment im Lande stehet in Gottes Händen; derselbige gibt ihm zur rechten Zeit einen tüchtigen Regenten.

  5. Es stehet in Gottes Händen, daß es einem Regenten gerate; derselbe gibt ihm einen löblichen Kanzler.

  6. Räche nicht an deinem Nächsten alle Missetat; und kühle dein Mütlein nicht, wenn du strafen sollst.

  7. Den Hoffärtigen ist Gott und die Welt feind; denn sie handeln vor allen beiden unrecht.

  8. Um Gewalt, Unrechts und Geizes willen kommt ein Königreich von einem Volk aufs andre.

  9. Was erhebet sich die arme * Erde und Asche?

    *1. Mose 18,27.

  10. Ist er doch ein eitel schändlicher Kot, dieweil er lebet.

  11. Und wenn der Arzt schon lange dran flickt,

  12. so gehet's doch endlich also: Heute König, morgen tot.

  13. Und wenn der Mensch tot ist, so fressen ihn Schlangen und wilde Tiere und Würmer.

    Hiob 17,14.

  14. Da kommt alle Hoffart her, wenn ein Mensch von Gott abfällt, und sein Herz von seinem Schöpfer weichet.

  15. Und Hoffart treibet zu allen Sünden; und wer darin steckt, der richtet viel Greuel an.

  16. Darum hat der Herr allezeit den Hochmut geschändet und endlich gestürzet.

  17. Gott hat die Hoffärtigen Fürsten vom Stuhl heruntergeworfen, und Demütige drauf gesetzt.

    Lukas 1,52.

  18. Gott hat der stolzen Heiden Wurzel ausgerottet, und Demütige an ihre Stätte gepflanzet.

  19. Gott hat der Heiden Land umgekehret und zu Grund verderbet.

  20. Er hat sie verdorren lassen, und verstöret, und ihren Namen vertilget auf Erden.

  21. Daß die Leute hoffärtig und grimmig sind, das ist von Gott nicht geschaffen.

  22. Der Mensch ist nicht böse geschaffen,

  23. sondern welcher Gott fürchtet, der wird mit Ehren bestehen; welcher aber Gottes Gebote übertritt, der wird zu Schanden.

  24. Und die, so Gott fürchten, halten ihren Regenten in Ehren; darum behütet er sie.

  25. Es soll sich der Reiche und Arme, der Große und Kleine, keines andern rühmen, denn daß sie Gott fürchten.

    Jeremia 9,22.23.

  26. Es taugt gar nichts, daß man einen armen Verständigen verschmähe und einen reichen Gottlosen ehre.

    Jakobus 2,5.6.

  27. Fürsten, Herrn und Regenten sind in großen Ehren; aber so groß sind sie nicht als der, so Gott fürchtet.

    Kapitel 25,14.

  28. Einem weisen Knecht müssen Freie dienen, und ein vernünftiger Mann murret nicht drum.

  29. Stehe nicht auf deinem eignen Kopf in deinem Tun, und mache dich nicht stolz, wenn du anderer bedarfst;

  30. es ist besser, daß einer seines Tuns warte, dabei er gedeihet, denn sich viel vermesse, und dabei ein Bettler bleibe.

  31. Mein Kind, in Demut achte deine Seele hoch, und halte dich selbst in Ehren nach Gebühr.

  32. Denn wer wider seine Seele sündigt, wer will den gerecht sprechen? und wer will den bei Ehren erhalten, der sein eignes Leben unehret?

  33. Der Arme wird geehret um seiner Klugheit willen, und der Reiche um seiner Güter willen.

  34. Ist aber die Klugheit löblich an einem Armen, wie viel mehr an einem Reichen! Und was einem Reichen übel anstehet, das stehet viel mehr dem Armen übel an.

Das 11. Kapitel.

In demütigem Aufsehen auf Gott muß man sein Glück suchen, unter den Menschen aber Vorsicht gebrauchen.

  1. Die Weisheit des Geringen bringet ihn zu Ehren, und setzet ihn mitten unter die Fürsten.

    1. Mose 41,40; Daniel 2,48.

  2. Du sollst niemand rühmen um seines großen Ansehens willen, noch jemand verachten um seines geringen Ansehens willen.

  3. Denn die Biene ist ein klein Vögelein, und gibt doch die allersüßeste Frucht.

  4. Überhebe dich nicht deiner Kleider, und sei nicht stolz in deinen Ehren; denn der Herr ist wunderbarlich in seinen Werken, und niemand weiß, was er tun will.

  5. Viel Tyrannen haben müssen herunter auf die Erde sitzen, und ist dem die Krone aufgesetzt, auf den man nicht gedacht hätte.

  6. Viel großer Herrn sind zu Boden gegangen, und gewaltige Könige sind andern in die Hände kommen.

  7. Verdamme niemand, ehe du die Sache zuvor erkennest; erkenne es zuvor, und strafe es dann.

  8. Du sollst nicht urteilen, ehe du die Sache hörest, und laß die Leute zuvor ausreden.

  9. Menge dich nicht in fremde Sache, und sitze nicht bei unrechtem Urteil.

  10. Mein Kind, stecke dich nicht in mancherlei Händel; denn wo du dir mancherlei vornimmst, wirst du nicht viel dran gewinnen. Wenn du gleich sehr danach ringest, so erlangest du es doch nicht; und wenn du auch davonlaufen wolltest, so kommst du doch nicht heraus.

  11. Mancher läßt es sich sauer werden, und eilet zum Reichtum, und hindert sich nur selber damit.

  12. Dagegen tut mancher gemach, der wohl Hilfe bedürfte, ist dazu schwach und arm:

  13. den siehet Gott an mit Gnaden, und hilft ihm aus dem Elend, und bringt ihn zu Ehren, daß sich sein viele verwundern.

  14. Es kommt alles von Gott, Glück und Unglück, Leben und Tod, Armut und Reichtum.

    Hiob 1,21; 2,10.

  15. Den Frommen gibt Gott Güter, die da bleiben;

  16. und was er bescheret, das gedeihet immerdar.

  17. Mancher karget und sparet, und wird dadurch reich,

  18. und denket, er habe etwas vor sich gebracht,

  19. und spricht: Nun will ich gut Leben haben, essen und trinken von meinen Gütern; und er weiß nicht, daß sein Stündlein so nahe ist, und muß alles andern lassen und sterben.

    Lukas 12,19.20.

  20. Bleibe in Gottes Wort, und übe dich drinnen, und beharre in deinem Beruf; und laß dich nicht irren, wie die Gottlosen nach Gut trachten.

  21. Vertraue du Gott, und bleibe in deinem Beruf;

  22. denn es ist dem Herrn gar leicht, einen Armen reich zu machen.

  23. Gott segnet den Frommen ihre Güter, und wenn die Zeit kommt, gedeihen sie bald.

  24. Sprich nicht: Was hilft mich's und was hab ich nun davon?

  25. Sprich nicht: Ich habe genug, wie kann mir's nun fehlen?

    Kapitel 5,1.

  26. Wenn dir's wohlgehet, so gedenke, daß dir's wieder übel gehen kann; und wenn dir's übel gehet, so gedenke, daß dir's wider wohlgehen kann.

    Kapitel 18,25.

  27. Denn der Herr kann einem jeglichen leichtlich vergelten im Tod, wie er's verdienet hat.

    Kapitel 17,19.

  28. Eine böse Stunde machet, daß man aller Freude vergisset; und wenn der Mensch stirbt, so wird er inne, wie er gelebt hat.

  29. Rühme niemand vor seinem Ende; denn was einer für ein Mann gewesen sei, das findet sich an seinen Nachkommen.

  30. Herberge nicht einen jeglichen in deinem Hause; denn die Welt ist voll Untreue und List.

  31. Ein falsch Herz ist wie ein Lockvogel im Korbe, und lauert, wie er dich fahen (fangen) möge.

  32. Denn was er Gutes siehet, deutet er aufs ärgste, und das Allerbeste schändet er aufs höchste.

  33. Aus einem Funken wird ein groß Feuer, und der Gottlose höret nicht auf, bis er Blut vergieße.

  34. Hüte dich vor solchen Buben, sie haben nichts Gutes im Sinn; daß sie dir nicht eine ewige Schande anhängen.

  35. Nimmst du einen Fremden zu dir ein, so wird er dir Unruhe machen, und dich aus deinem Eigentum treiben.

Das 12. Kapitel.

Wohltätigkeit gegen den Dürftigen, Vorsicht gegen den Feind.

  1. Willst du Gutes tun, so siehe zu, wem du es tust, so verdienst du Dank damit.

  2. Tue dem Frommen Gutes, so wird dir's reichlich vergolten, wo nicht von ihm, so geschieht's gewißlich vom Herrn.

  3. Aber den bösen Buben, die nicht danken für die Wohltat, wird's nicht wohlgehen.

  4. Gib dem Gottesfürchtigen, und erbarme dich des Gottlosen nicht.

  5. Tue Gutes dem Elenden, und gib dem Gottlosen nicht. Behalte dein Brot vor ihm, und gib ihm nichts, daß er dadurch nicht gestärket werde, und dich untertrete.

  6. Du wirst noch eins so viel Bosheit durch ihn empfahen (empfangen), als du ihm Gutes getan hast. Denn auch der Allerhöchste ist den Sündern feind, und wird die Gottlosen strafen.

  7. Wenn's einem wohlgehet, so kann man keinen Freund recht erkennen; wenn's aber übel gehet, so kann sich der Feind auch nicht bergen.

  8. Denn wenn's einem wohlgehet, das verdreußt seinen Feind; wenn's aber übel gehet, so weichen auch die Freunde von ihm.

  9. Traue deinem Feinde nimmermehr.

  10. Denn gleichwie das Eisen immer wieder rostet, also lässet er auch seine Tücke nicht.

  11. Und ob er sich schon neiget und bücket, so halt doch an dich und hüte dich vor ihm. Und wenn du gleich an ihm polierest wie an einem Spiegel, so bleibt er doch rostig.

  12. Zeuch (Zieh) ihn nicht zu dir, daß er dich nicht wegstoße und trete an deine Statt. Setze ihn nicht neben dich, daß er nicht nach deinem Stuhl trachte, und du zuletzt an meine Worte denken müssest, und dich dann gereuen wird.

  13. Gleich als wenn ein Schlangenbeschwörer gebissen wird, das jammert niemand, so wenig als das, so einer mit wilden Tieren umgehet, und von ihnen zerrissen wird: also gehet's dem auch, der sich an die Gottlosen hänget, und sich in ihre Sünden menget.

  14. Er bleibet wohl eine Weile bei dir; aber wenn du strauchelst, so beharret er nicht.

  15. Der Feind gibt wohl gute Worte, und klaget dich sehr, und stellet sich freundlich,

    Jeremia 41,6.7.

  16. kann auch dazu weinen; aber im Herzen denket er, wie er dich in die Grube fälle; und kriegt er Raum, so kann er deines Bluts nicht satt werden.

  17. Will dir jemand Schaden tun, so ist er der erste,

  18. und stellet sich, als wolle er dir helfen, und fället dich meuchlings.

  19. Seinen Kopf wird er schütteln, und in die Faust lachen, dein spotten, und das Maul aufwerfen.

Das 13. Kapitel.

Kluges Betragen gegen Reiche und Vornehme.

  1. Wer Pech angreift, der besudelt sich damit; und wer sich gesellet zum Hoffärtigen, der lernet Hoffart.

  2. Geselle dich nicht zum Gewaltigen und Reichen, du ladest sonst eine schwere Last auf dich.

  3. Was soll der irdene Topf bei dem ehernen Kessel? Denn wo sie an einander stoßen, so zerbricht er.

  4. Der Reiche tut Unrecht, und trotzt noch dazu; aber der Arme muß es leiden und dazu danken.

  5. Solange du ihm nütz bist, brauchet er dein; aber wenn du nicht mehr kannst, so läßt er dich fahren.

  6. Weil du hast, so zehret er mit dir, und bekümmert ihn nichts, daß du verdirbest.

  7. Wenn er dein bedarf, kann er dich fein äffen, und lächelt dich an, verheißt dir viel, und gibt dir die besten Worte und spricht: Bedarfst du etwas?

  8. Und ladet dich einmal oder drei zu Gast betrüglich, bis er dich um das Deine bringe, und spottet dein zuletzt.

  9. Und wenn er gleich deine Not siehet, läßt er dich doch fahren, und * schüttelt den Kopf über dich.

    *Kapitel 12,19.

  10. Darum siehe zu, daß dich deine Einfältigkeit nicht betrüge

  11. und in Unglück bringe.

  12. Wenn dich ein Gewaltiger will zu sich ziehen, so weigere dich, so wird er dich desto mehr zu sich ziehen.

  13. Dränge dich nicht selbst zu ihm, daß du nicht verstoßen werdest; entzeuch (entzieh) dich auch nicht zu sehr, daß man dich zur Not brauchen könne.

  14. Geh nicht darauf aus, mit ihm zu reden wie mit deinesgleichen, und traue nicht seinen vielen Worten; denn er versucht dich damit, und mit seinen freundlichen Gebärden holet er dich aus.

  15. Wenn er ungnädig wird, so bleibet's nicht bei solchen freundlichen Worten,

  16. und scherzet nicht mit Strafen und Gefängnis.

  17. Darum hüte dich und siehe dich wohl vor;

  18. du lebest in großer Fahr (Gefahr).

  19. Ein jeglich Tier hält sich zu seinesgleichen, und jeglicher Mensch zu dem, der ihm am nächsten ist.

  20. Jegliches Fleisch liebt seine eigne Art; so soll auch ein Mann sich gesellen zu seinesgleichen.

  21. Es ist eben, als wenn sich der Wolf zum Schaf gesellte, wenn ein Gottloser sich zum Frommen gesellet.

  22. Wie die Hyäne mit dem Hunde sich gesellet, also auch der Reiche mit dem Armen.

  23. Wie der Löwe das Wild frißt in der Heide, so fressen die Reichen die Armen.

  24. Wie beim Hoffärtigen unwert ist, was gering ist, also ist der Arme dem Reichen auch unwert.

  25. Wenn der Reiche fallen will, so helfen ihm seine Freunde auf; wenn der Arme fällt, stoßen ihn auch seine Freunde zu Boden.

  26. Wenn ein Reicher nicht recht getan hat, so sind viele, die ihm überhelfen; wenn er sich mit Worten vergriffen hat, so muß man's lassen recht sein.

  27. Wenn aber ein Armer nicht recht getan hat, so kann man's aufmutzen; und wenn er gleich weislich redet, so findet's doch keine Statt.

  28. Wenn der Reiche redet, so schweiget jedermann, und sein Wort hebt man in den Himmel.

    Psalm 73,9.

  29. Wenn aber der Arme redet, so spricht man: Wer ist der? und so er fehlet, so muß er herhalten.

  30. Reichtum ist gut, wenn man ihn ohne Sünde brauchet; aber Armut des Gottlosen lehret ihn viel Böses reden.

  31. Was einer im Sinn hat, das siehet man ihm an den Augen an, es sei Gutes oder Böses.

  32. Hat er Gutes im Sinn, so siehet er fröhlich auf; wer aber mit heimlichen Tücken umgehet, kann nicht Ruhe davor haben.

Das 14. Kapitel.

  1. Wohl dem, der nicht bösen Rat gibt, und davon nicht bös Gewissen hat!

  2. Wohl dem, der kein bös Gewissen hat, und seine Zuversicht ihm nicht entfallen ist!

Warnung vor Geiz

  1. Einem Knauser stehet's nicht wohl an, daß er reich ist; und was soll Geld und Gut einem kargen Hunde?

  2. Wer viel sammelt, und ihm selber nichts Gutes tut, der sammelt's andern, und andere werden's verprassen.

    Prediger 2,21; 3,8; 5,12-16; 6,2.

  3. Wer ihm selber nichts Gutes tut, was sollte der andern Gutes tun? Er wird seines Guts nimmer froh.

  4. Es ist kein schändlicher Ding, denn daß einer ihm selbst nichts Gutes gönnet; und das ist die rechte Plage für seine Bosheit.

    Sprüche 11,17.

  5. Tut er etwas Gutes, so weiß er nichts drum, und zuletzt offenbart er seine Bosheit.

  6. Das ist ein böser Mensch, der nicht sehen mag, daß man den Leuten Gutes tut, sondern wendet sein Angesicht weg, und erbarmet sich niemands.

  7. Ein vorteilischer Mensch läßt sich nimmer genügen an seinem Teil; und der Geiz macht die Seele dürre.

  8. Ein Neidischer siehet nicht gern essen, und tut ihm wehe, wenn er soll zu essen geben.

    Sprüche 23,6-8.

  9. Mein Kind, tue dir selbst Gutes von dem Deinen, und gib dem Herrn Opfer, die ihm gebühren.

  10. Gedenke, daß der Tod nicht säumet; und du weißt ja wohl, daß du keinen Bund mit dem Tod hast.

  11. Tue Gutes dem Freund vor deinem Ende, und * reiche dem Armen nach deinem Vermögen.

    *Tobias 4,8.9.

  12. Vergiß der Armen nicht, wenn du den fröhlichen Tag hast, so wird dir auch Freude widerfahren, die du begehrest.

    Lukas 14,12-14.

  13. Du mußt doch deinen sauren Schweiß andern lassen, und deine Arbeit den Erben übergeben.

  14. * Gib gern, so wirst du wieder empfahen (empfangen), und gönne deiner Seele Gutes.

    *Lukas 6,38.

  15. Denn wenn du tot bist, so hast du ausgezehret.

  16. Alles Fleisch verschleißt wie ein Kleid, denn es ist der alte Bund: Du mußt sterben!

    Jesaja 40,6.

  17. Wie mit den grünen Blättern auf einem schönen Baum – etliche fallen ab, etliche wachsen wieder – also gehet's mit den Leuten auch, etliche sterben, etliche werden geboren.

  18. Alles vergängliche Ding muß ein Ende nehmen;

    1. Johannes 2,17.

  19. und die damit umgehen, fahren auch mit dahin.

Vom Nutzen der Weisheit. Ursache der Sünden.

  1. Wohl dem, der stets mit Gottes Wort umgehet, und dasselbe auslegt und lehret,

    Psalm 1,2.

  2. der's von Herzen betrachtet, und gründlich verstehen lernet, und der Weisheit immer weiter nachforschet, und schleicht ihr nach, wo sie hingehet.

    Sprüche 2,2-6.

  3. Und gucket zu ihrem Fenster hinein, und horcht an der Tür,

  4. sucht Herberge nahe bei ihrem Hause, und richtet an ihrer Wand seine Hütte auf, und ist ihm eine gute Herberge.

  5. Er bringet seine Kinder auch unter ihr Dächlein, und bleibt unter ihrer Laube.

  6. Darunter wird er vor der Hitze beschirmet, und ist ihm eine herrliche Wohnung.

Das 15. Kapitel.

  1. Solches tut niemand, denn der den Herrn fürchtet, und wer sich an Gottes Wort hält, der findet sie.

  2. Und sie wird ihm begegnen wie eine Mutter, und wird ihn empfahen (empfangen) wie eine junge Braut.

  3. Sie wird ihn speisen mit Brot des Verstands, und wird ihn tränken mit Wasser der Weisheit.

  4. Dadurch wird er stark werden, daß er feststehen kann, und wird sich an sie halten, daß er nicht zu Schanden wird.

  5. Sie wird ihn erhöhen über seine Nächsten, und wird ihm seinen Mund auftun in der Gemeine.

  6. Sie wird ihn krönen mit Freuden und Wonne, und mit ewigem Namen begaben.

  7. Aber die Narren finden sie nicht, und die Gottlosen können sie nicht ersehen.

  8. Denn sie ist fern von den Hoffärtigen, und die Heuchler wissen nichts von ihr.

  9. Das Lob Gottes ist nicht lieblich im Munde des Gottlosen; denn es kommt nicht vom Herrn.

  10. Denn zu rechtem Lobe gehöret Weisheit, so gibt Gott Gnade dazu.

  11. Du darfst nicht sagen: „Bin ich abtrünnig worden, so hat's Gott getan.“ Denn was er hasset, das solltest du nicht tun.

    Jakobus 1,13.

  12. Du darfst nicht sagen: „Er hat mich verführet;“ denn er bedarf keines Gottlosen.

  13. Der Herr hasset alle Abgötterei, und wer ihn fürchtet, der scheuet sich davor.

  14. Er hat den Menschen von Anfang geschaffen, und ihm die Wahl gegeben.

    1. Mose 2,7.16.17.

  15. Willst du, so halt die Gebote, und tue was ihm gefällt in rechtem Vertrauen.

  16. Er hat dir Feuer und Wasser vorgestellet; greif zu welchem du willst.

  17. Der Mensch hat vor sich Leben und Tod; welches er will, das wird ihm gegeben werden.

    5. Mose 30,15.

  18. Denn die Weisheit Gottes ist groß, und er ist mächtig,

  19. und siehet alles;

    Kapitel 23,28.

  20. und * seine Augen sehen auf die, so ihn fürchten; und er weiß wohl, was recht getan oder Heuchelei ist.

    Psalm 34,16.

  21. Er heißt niemand gottlos sein, und erlaubt niemand zu sündigen.

Das 16. Kapitel.

Unglück durch mißratene Kinder. Gerechtigkeit Gottes.

  1. Freue dich nicht, daß du viel ungeratener Kinder hast, und poche nicht darauf, daß du viel Kinder hast, wenn sie Gott nicht fürchten.

  2. Verlaß dich nicht darauf, daß sie am Leben bleiben, und traue nicht auf ihr Vermögen.

  3. Denn es ist besser Ein fromm Kind denn tausend gottlose.

  4. Und ist besser, ohne Kinder sterben, denn gottlose Kinder haben.

  5. Ein frommer Mann kann einer Stadt aufhelfen; aber wenn der Gottlosen gleich viel ist, wird sie doch durch sie verwüstet.

  6. Des hab ich meine Tage viel gesehen, und noch viel mehr gehört.

  7. Das Feuer verbrannte den ganzen Haufen der Gottlosen, und der Zorn ging an über die Ungläubigen.

  8. Er verschonte der * alten Riesen nicht, die mit ihrer Stärke zu Boden gingen.

    *1. Mose 6,4-7.

  9. Er schonte auch nicht derer, bei welchen Lot ein Fremdling war, sondern verdammte sie um ihres Hochmuts willen.

    1. Mose 19,9.24.

  10. Und er verderbte ohne Barmherzigkeit das Volk, und ließ es in seinen Sünden umkommen.

  11. Also hat er sechshunderttausend weggerafft, darum daß sie ungehorsam waren; wie sollte denn ein einiger Ungehorsamer ungestraft bleiben?

    4. Mose 26,65; vergleiche 2. Mose 12,37.

  12. Denn * er ist wohl barmherzig, aber er ist auch zornig. Er lässet sich versöhnen, und straft auch greulich. So groß seine Barmherzigkeit ist, so groß ist auch seine Strafe; und er richtet einen jeglichen, wie er's verdienet.

    *2. Mose 20,5.6; 5. Mose 4,24.31.

  13. Der Gottlose wird mit seinem Raube nicht entgehen, und des Frommen Hoffnung wird nicht ausbleiben.

  14. Alle Wohltat wird ihre Stätte finden; und einem * jeglichen wird widerfahren, wie er's verdienet hat.

    *Römer 2,6.

  15. Sprich nicht: Der HERR siehet nach mir nicht; wer fragt im Himmel nach mir?

    Kapitel 23,25.26; Psalm 94,7.

  16. Unter so großem Haufen denket er an mich nicht; was bin ich gegen eine so große Welt?

  17. Denn siehe, der ganze Himmel allenthalben, das Meer und die Erde beben, wenn er darein sieht.

  18. Die Berge allzumal und die Grundfesten der Erde zittern, wenn er heimsucht; sollte er denn in dein Herz nicht sehen?

  19. Aber was er tun will, das siehet niemand, und die Windsbraut, so vorhanden ist, siehet kein Mensch.

  20. Und er kann viel tun, des sich niemand versiehet; und wer kann's aussagen und ertragen, so er richtet?

  21. Aber solch Dräuen (Drohen) ist zu weit aus den Augen;

  22. und wenn's ein roher Mensch höret, bleibet er doch bei seiner Torheit und bei seinem Irrtum.

Gottes Werke in der Schöpfung und Regierung der Welt. Mahnung zur Buße.

  1. Mein Kind, gehorche mir und lerne Weisheit, und merke auf meine Worte mit Ernst.

  2. Ich will dir eine gewisse Lehre geben, und dich klärlich unterrichten.

  3. Gott hat von Anfang seine Werke wohl geordnet,

  4. und einem jeglichen sein eigen Werk gegeben;

  5. und erhält sie für und für in solcher Ordnung, daß sie ihr Amt immerdar ausrichten, daß sie nicht müde noch matt werden, noch ablassen von ihrem Geschäft,

    Kapitel 43,11.

  6. und keins das andre hindere, sondern sind immerdar seinem Befehl gehorsam.

  7. Weiter hat er auch auf die Erde gesehen, und sie mit seinen Gütern erfüllet,

  8. und machet das Erdreich voll Tiere, welche wieder unter die Erde kommen.

Das 17. Kapitel.

  1. Gott hat den Menschen Geschaffen aus der Erde,

    1. Mose 2,7.

  2. und machte ihn wieder zur Erde;

    1. Mose 3,19.

  3. und bestimmte ihnen die Zeit ihres Lebens, und gab ihnen Macht über das, was auf Erden ist, und kleidete sie mit Kraft nach ihrer Art, und * schuf sie nach seinem Bilde.

    *1. Mose 1,27.

  4. Er gab ihnen, daß alles Fleisch sie fürchten mußte, und sie herrschen sollten über Tiere und Vögel.

  5. Er gab ihnen Vernunft, Sprache, Augen, Ohren und Verstand und Erkenntnis,

  6. und zeigte ihnen beide, Gutes und Böses;

  7. und hat sein Auge sonderlich auf sie gerichtet,

  8. ihnen zu zeigen seine große Majestät, daß sie loben sollen seinen heiligen Namen, und erzählen seine großen Taten.

  9. Er hat sie gelehret und ein Gesetz des Lebens gegeben.

  10. Er hat einen ewigen Bund mit ihnen gemacht und seine Rechte offenbart.

  11. Sie haben mit ihren Augen seine Majestät gesehen und mit ihren Ohren seine herrliche Stimme gehöret.

  12. Und er sprach zu ihnen: Hütet euch vor allem Unrecht! und befahl einem jeglichen seinen Nächsten.

  13. Ihr Wesen ist immer vor ihm und nicht verborgen.

  14. In allen Landen hat er Herrschaften geordnet;

    Römer 13,1.

  15. aber über Israel ist er selbst Herr worden.

    1. Samuel 8,7.

  16. Alle ihre Werke sind vor ihm so offenbar wie die Sonne, und * seine Augen sehen ohne Unterlaß all ihr Wesen.

    *Kapitel 23,28.

  17. Auch sind alle ihre Bosheiten ihm unverborgen, und alle ihre Sünden sind vor ihm offenbar.

  18. Er behält die Wohltat des Menschen wie einen Siegelring, und die guten Werke wie einen Augapfel.

  19. Und zuletzt wird er aufwachen, und einem jeglichen vergelten auf seinen Kopf, wie er's verdienet hat.

    Römer 2,6.

  20. Aber die sich bessern, läßt er zu Gnaden kommen; und die da müde werden, tröstet er, daß sie nicht verzagen.

  21. So bekehre dich nun zum Herrn, und laß dein sündlich Leben.

  22. Bitte den Herrn, und höre auf vom Bösen.

    Kapitel 21,1.

  23. Halte dich zu dem Höchsten, und wende dich vom Unrecht,

  24. und hasse mit Ernst die Abgötterei.

    1. Johannes 5,21.

  25. Wer will den Höchsten loben in der Hölle?

    Psalm 6,6.

  26. Denn allein die Lebendigen können loben; die Toten, als die nicht mehr sind, können nicht loben.

  27. Darum lobe den Herrn, dieweil du lebest und gesund bist.

Gottes unbegreifliche Barmherzigkeit. Von Wohltätigkeit, zeitiger Buße und Behutsamkeit.

  1. O, wie ist die Barmherzigkeit des Herrn so groß, und lässet sich gnädig finden denen, so sich zu ihm bekehren!

    Psalm 103,17.

  2. Denn was kann doch ein Mensch sein, sintemal er nicht unsterblich ist?

  3. Was ist heller denn die Sonne? und dennoch wird sie verfinstert; und was * Fleisch und Blut dichtet, das ist ja böses Ding.

    *1. Mose 8,21.

  4. Das Heer der Himmelshöhe hält er in Ordnung; aber alle Menschen sind * Erde und Staub.

    *Kapitel 10,9.

Das 18. Kapitel.

  1. Der da ewig lebet, alles, was der macht, das ist vollkommen.

    1. Mose 1,31.

  2. Der Herr ist allein gerecht; niemand kann seine Werke aussprechen. Wer kann seine großen Wunder begreifen?

  3. Wer kann seine große Macht messen?

  4. Wer kann seine große Barmherzigkeit erzählen?

  5. Man kann sie weder mindern noch mehren, und kann seine großen Wunder nicht begreifen.

  6. Aber ein Mensch, wenn er gleich sein Bestes getan hat, so ist's noch kaum angefangen; und wenn er meinet, er habe es vollendet, so fehlet es noch weit.

    Lukas 17,10.

  7. Denn was ist der Mensch? Wozu taugt er? Was kann er frommen oder Schaden tun?

  8. Wenn er * lange lebet, so lebet er hundert Jahre. Gleichwie ein Tröpflein Wassers gegen das Meer und wie ein Körnlein gegen den Sand am Meer, so gering sind seine Jahre gegen die Ewigkeit.

    *Psalm 90,10.

  9. Darum hat Gott * Geduld mit ihnen, und schüttet seine Barmherzigkeit aus über sie.

    *2. Petrus 3,9.

  10. Er siehet, und weiß wohl, wie sie alle des Todes sein müssen.

  11. Darum erbarmet er sich desto reichlicher über sie.

  12. Eines Menschen Barmherzigkeit gehet allein über seinen Nächsten; aber * Gottes Barmherzigkeit gehet über alle Welt.

    *Psalm 145,9.

  13. Er strafet und züchtiget, er lehret und pfleget wie ein Hirte seiner Herde.

  14. Er erbarmet sich aller, die sich ziehen lassen, und fleißig Gottes Wort hören.

  15. Mein Kind, wenn du jemand Gutes tust, so tu's nicht mit unnützen Reden; und wenn du etwas gibst, so betrübe ihn nicht mit harten Worten.

  16. Der Tau kühlet die Hitze; also ist ein gut Wort besser denn die Gabe.

  17. Ja, ein Wort ist oft angenehmer denn eine große Gabe; und ein holdseliger Mensch gibt sie alle beide.

  18. Ein Narr aber * rückt's einem unhöflich auf, und eine unfreundliche Gabe macht Tränen fließen.

    *Kapitel 20,15.

  19. Lerne zuvor selbst, ehe du andre lehrest.

  20. Hilf dir zuvor selber, ehe du andere arzneiest.

  21. Strafe dich zuvor selbst, ehe du andere richtest, so wirst du Gnade finden, wenn andere gestraft werden.

  22. Spare deine Buße nicht, bis du krank werdest, sondern bessere dich, weil du noch sündigen kannst. Verzeuch nicht, fromm zu werden, und harre nicht mit Besserung deines Lebens bis in den Tod.

    Kapitel 5,8.

  23. Und willst du Gott dienen, so laß dir's ernst sein, auf daß du Gott nicht versuchest.

  24. Gedenke an den Zorn, der am Ende kommen wird, und an die Rache, wenn du davon mußt.

  25. Denn wenn man satt ist, soll man gleichwohl denken, daß man wieder hungern kann; und wenn man reich ist, soll man denken, daß man wieder arm werden kann.

  26. Denn es kann vor abends wohl anders werden, als es am Morgen war; und solches alles geschieht bald vor Gott.

  27. Ein weiser Mensch ist in diesem allem sorgfältig, und hütet sich vor Sünden, weil er noch sündigen kann.

  28. Wer verständig ist, der nimmt solche Weisheit an, und wer sie kriegt, der lobet sie.

  29. Wer solche Lehre recht gelernet hat, der kann sich weislich halten, und wohl davon reden zur Besserung.

  30. Folge nicht deinen bösen Lüsten, sondern brich deinen Willen.

  31. Denn wo du deinen bösen Lüsten folgest, so wirst du dich deinen Feinden selbst zum Spott machen.

  32. Sei nicht ein Prasser, und gewöhne dich nicht zum Schlemmen,

  33. auf daß du nicht zum Bettler werdest, und wenn du nimmer Geld im Säckel hast, auf Wucher nehmen müssest.



DAS BUCH JESUS SIRACH 19 - 40