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Apokryphen
DAS BUCH
TOBIAS.
Kapitel 1 –
14
Das 1. Kapitel.
Des alten Tobias Gottesfurcht und Kreuz.
Es war ein Mann mit
Namen Tobias, aus dem Stamme Naphthali, aus Thisbe, einer Stadt
in Ober-Galiläa, über Aser, an der Straße zur
linken Seite gegen das Meer.
Derselbige * ward mit gefangen
zu den Zeiten Salmanassers, des Königs in Assyrien. Und
wiewohl er also unter Fremden gefangen war, ist er dennoch von
Gottes Wort nicht abgefallen.
*2. Könige
17,6; 18,9-11.
Und alles, was er hatte,
teilte er seinen mitgefangenen Brüdern und Verwandten mit.
Und wiewohl er der jüngste
Mann war des Stamms Naphthali, so hielt er sich doch nicht
kindisch.
Und da sonst jedermann den
güldnen Kälbern dienete, welche * Jerobeam, der König
Israels, hatte machen lassen, mied er doch solchen Greuel,
*1. Könige
12,28.
und hielt sich zum Tempel und
Gottesdienst zu Jerusalem, und diente da dem Herrn; und betete an
den Gott Israels, gab auch * seine Erstlinge und + Zehnten ganz
treulich,
*2. Mose
23,19 +5. Mose 14,22.
also daß er allezeit im
dritten Jahr den Fremdlingen, Witwen und Waisen ihren Zehnten
gab.
5. Mose
14,28.29.
Solches hielt er von Jugend
auf nach dem Gesetz des Herrn.
Da er nun erwachsen
war, nahm er ein Weib, auch aus dem Stamm Naphthali, mit Namen
Hanna, und zeugete mit ihr einen Sohn, welchen er auch Tobias
nannte;
und lehrete ihn Gottes Wort
von Jugend auf, daß er Gott fürchtete, und die Sünde
miede.
2. Timotheus
3,15.
Und als er mit seinem ganzen
Stamm, mit seinem Weib und Sohne unter den Gefangenen weggeführt
ward in die Stadt Ninive,
und jedermann aß von den
Opfern und Speisen der Heiden, hütete er sich, und *
verunreinigte sich nicht mit solcher Speise.
*Daniel 1,8.
Und weil er von ganzem Herzen
den Herrn fürchtete, gab ihm Gott Gnade vor Salmanasser, dem
Könige zu Assyrien,
daß er ihm erlaubte,
frei zu gehen, wo er hin wollte, und auszurichten, was er zu tun
hatte.
So zog er nun zu allen, die
gefangen waren, und tröstete sie mit Gottes Wort.
Und er kam in die Stadt Rages
in Medien, und hatte bei sich zehn Pfund Silbers, damit ihn der
König begabt hatte.
Und da er unter andern
Israeliten sah einen mit Namen Gabael aus seinem Stamm, der sehr
arm war, lieh er ihm dasselbige Geld, und nahm eine Handschrift
von ihm.
Lang aber hernach, nach
dem Tod Salmanassers, da sein Sohn Sanherib nach ihm regierte,
welcher den Kindern Israel feind war,
ging Tobias täglich zu
allen Israeliten, und tröstete sie, und teilte einem
jeglichen mit von seinen Gütern, was er vermochte.
Die Hungrigen speiste er, die
Nackten kleidete er, die Erschlagenen und Toten begrub er
sorglich.
Sanherib aber, der König,
war geflohen aus Judäa, da * ihn Gott geschlagen hatte um
seiner Lästerung willen. Da er nun wiederkam, war er
ergrimmet, und ließ viel der Kinder Israel töten;
derselbigen Leichname pflegte Tobias zu begraben.
*Jesaja
37,36.37.
Als aber solches der König
erfuhr, hieß er ihn töten, und nahm ihm alle seine
Güter.
Tobias aber floh mit seinem
Weibe und Sohne, und hielt sich heimlich bei guten Freunden.
Aber nach fünfundvierzig
Tagen * ward der König von seinen eigenen Söhnen
erschlagen.
*Jesaja
37,38.
Und Tobias kam wieder heim,
und all sein Gut ward ihm wiedergegeben.
Das 2. Kapitel.
Tobias wird blind und zeigt gegen seine Freunde und seine
Gattin sein Gottvertrauen.
Danach am Feste der
Pfingsten, da Tobias in seinem Hause ein herrlich Mahl
zugerichtet hatte, sprach er zu seinem Sohne: Gehe hin und lade
etliche Gottesfürchtige aus unserm Stamme, daß sie mit
uns essen.
Und als er wieder heimkam,
sagte er dem Vater Tobias, daß einer auf der Gasse
erschlagen läge.
Da stund Tobias alsbald auf
vom Tisch, vor dem Essen, und ging * zu dem Leichnam, und hub ihn
auf, und trug ihn heimlich in ein Haus, daß er ihn des
Nachts heimlich begrübe.
*Kapitel
1,20.
Und als er die Leiche heimlich versteckt hatte, wusch er
sich, und aß sein Brot mit Trauern,
und dachte an das Wort, welches der Herr geredet hatte *
durch Amos, den Propheten:
*Amos
8,10.
Eure Feiertage sollen zu Trauertagen werden.
Und des Nachts ging er hin, und begrub den Toten.
Seine Freunde aber alle strafeten ihn und sprachen: Jetzt
neulich hat dich der König um der Sache willen * heißen
töten, und bist kaum davonkommen, und dennoch begräbst
du die Toten.
*Kapitel
1,22.23.
Tobias aber fürchtete * Gott mehr denn den König,
und trug heimlich zusammen die Erschlagenen, und hielt sie
heimlich in dem Hause, und des Nachts begrub er sie.
*Apostelgeschichte
5,29.
Es begab sich aber auf einen Tag, da er heimkam,
als er Tote begraben hatte, und müde war, und sich an die
Wand des Hofes legte, weil er * verunreinigt war, und entschlief,
*4.
Mose 19,11.
schmeißte eine Schwalbe aus ihrem Nest; das fiel ihm
also heiß in die Augen; davon ward er blind.
Solche Trübsal aber ließ Gott über ihn
kommen, daß die Nachkommen ein Beispiel der Geduld hätten
wie * an dem heiligen Hiob.
*Jakobus
5,11.
Denn nachdem er von Jugend auf Gott gefürchtet, und
seine Gebote gehalten hatte, zürnte noch murrte er nicht
wider Gott, daß er ihn hatte lassen blind werden, sondern
blieb beständig in der Furcht Gottes, und dankte Gott all
sein Leben lang.
Und wie die Könige des heiligen Hiob spotteten, also
verlachten Tobias seine eignen Freunde und sprachen:
* Wo ist nun dein Vertrauen, darum du dein Almosen
gegeben, und so viel Tote begraben hast?
*Hiob
4,6.
Und Tobias strafte sie und sprach:
Saget nicht also; denn * wir sind Kinder der Heiligen,
und warten auf ein Leben,
*Kapitel
8,5.
welches Gott geben wird denen, so im *
Glauben stark und fest bleiben vor ihm.
*Hebräer
10,39.
Hanna aber, sein Weib,
die arbeitete fleißig mit ihrer Hand, und ernährte ihn
mit Spinnen.
So begab es sich, daß
sie eine junge Ziege heimbrachte, die sie bekommen hatte.
Und da sie ihr Mann Tobias
hörte blöken, sprach er: Sehet zu, daß es nicht
gestohlen sei! Gebet's dem rechten Herrn wieder; denn uns gebührt
nicht, zu essen vom gestohlnen Gut, oder dasselbe anzurühren.
Über diese Rede ward *
seine Hausfrau zornig, antwortete und sprach: Da siehet man, daß
dein Vertrauen nichts ist, und deine Almosen verloren sind
*Hiob 2,9.
Mit solchen und andern Worten
mehr warf sie ihm sein Elend vor.
Das 3. Kapitel.
Gebet des alten Tobias in Ninive und der gekränkten
Sara in Ekbatana.
Da seufzte Tobias tief,
und hub an zu weinen und zu beten, und sprach:
Herr, du bist gerecht, und all
dein Tun ist recht und eitel Güte und Treue.
Und nun, mein Herr, sei mir
gnädig, und räche nicht meine Sünden, * gedenke
nicht meiner oder meiner Väter Missetaten.
*Psalm 79,8.
Denn weil wir deine Gebote
nicht gehalten haben, so sind wir auch dahingegeben unsern *
Feinden, daß sie uns berauben, gefangen halten, und töten,
und sind zu Schanden und Spott und Hohn worden den Fremden, dahin
du uns zerstreuet hast.
*5. Mose
28,48.
Und nun, Herr, schrecklich
sind deine Gerichte, weil wir deine Gebote nicht gehalten, und
nicht recht gewandelt haben vor dir.
Ach, Herr, erzeige mir Gnade,
und nimm meinen Geist weg im Frieden; denn ich will viel lieber
tot sein, denn leben.
Und es begab sich
desselbigen Tages, daß Sara, die Tochter Raguels, in der
Meder Stadt Ekbatana auch übel geschmähet und
gescholten ward von einer Magd ihres Vaters.
Man hatte ihr nämlich
sieben Männer nach einander gegeben, und ein böser
Geist, Asmodi genannt, hatte sie alle getötet, alsbald wenn
sie sich zu ihr tun sollten.
Da nun Sara die Magd wegen
einer Verschuldung schalt, antwortete diese und sprach:
Gott gebe, daß wir
nimmer einen Sohn oder Tochter von dir sehen auf Erden, du
Männermörderin!
Willst du mich auch töten,
wie du die sieben Männer getötet hast?
Auf solche Worte ging sie in
eine Kammer oben im Haus, und aß noch trank nicht drei Tage
und drei Nächte, und hielt an mit Beten und Weinen, und bat
Gott, daß er sie von der Schmach erlösen wollte.
Danach am dritten Tage, da sie
ihr Gebet vollendet hatte, lobte sie Gott und sprach:
Gelobet sei dein Name, Herr,
du Gott unsrer Väter; * denn wenn du gezürnet hast,
erzeigest du Gnade und Güte, und in der Trübsal
vergibst du Sünden denen, die dich anrufen.
*Jesaja
54,8; Habakuk 3,2.
Zu dir, mein Herr, kehre ich
mein Angesicht, zu dir hebe ich meine Augen auf
und bitte dich, daß du
mich erlösest aus dieser schweren Schmach, oder mich von
hinnen nehmest.
Du weißt, Herr, daß
ich keines Mannes begehrt habe, und meine Seele rein behalten von
aller böser Lust,
und habe mich nie zu
unzüchtiger und leichtfertiger Gesellschaft gehalten.
Einen Mann aber zu nehmen,
habe ich gewilliget in deiner Furcht, und nicht aus Vorwitz;
und entweder bin ich ihrer,
oder sie sind mein nicht wert gewesen, und du hast mich
vielleicht einem andern Manne behalten.
Denn dein Rat stehet nicht in
Menschen Gewalt.
Das weiß ich aber
fürwahr: Wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung
getröstet, und aus der Trübsal erlöset, und nach
der Züchtigung findet er Gnade.
Denn du hast nicht Lust an
unserm Verderben. Denn nach dem Ungewitter läßt du die
Sonne wieder scheinen, und nach dem Heulen und Weinen
überschüttest du uns mit Freuden. Deinem Namen sei
ewiglich Ehre und Lob, du Gott Israels.
In * der Stunde ward
dieser beider Gebet erhöret von dem Herrn im Himmel.
*Daniel
9,20.21.
Und der heilige * Raphael, der
Engel des Herrn, ward gesandt, daß er ihnen beiden hülfe,
weil ihr Gebet gleich auf eine Zeit vor dem Herrn vorgebracht
ward.
*Kapitel
5,6.18; 12,15.
Das 4. Kapitel.
Des Tobias letzter Wille an seinen Sohn.
Da nun Tobias gedachte, daß sein Gebet also
erhöret wäre, daß er sterben würde, rief er
seinen Sohn zu sich, und sprach zu ihm:
Lieber Sohn, höre meine Worte, und behalte sie fest
in deinem Herzen.
Wenn Gott wird meine Seele wegnehmen, so begrabe meinen
Leib, und ehre deine Mutter all dein Leben lang;
denke dran, was sie für Fahr (Gefahr)
ausgestanden hat, da sie dich unter ihrem Herzen trug;
und wenn sie gestorben ist, so begrabe sie neben mich.
Und dein Leben lang habe Gott vor Augen und im Herzen,
und hüte dich, daß du in keine Sünde willigst,
und tust wider Gottes Gebote.
Von deinen Gütern hilf
dem Armen, und wende dich nicht vom Armen, so wird dich Gott
wieder gnädig ansehen.
Sprüche
3,27; Sirach 4,1; 14,13.
Wo du kannst, da hilf den
Dürftigen.
Hast du *
viel, so gib reichlich; hast du wenig, so gib doch das Wenige
mit treuem Herzen.
*Sirach
35,11.12.
Denn du wirst sammeln einen rechten Lohn in der Not.
Denn die Almosen erlösen von allen Sünden, auch
vom Tode, und lassen nicht in der Not.
Sirach 3,33; 29,15.
Almosen ist ein großer Trost vor dem höchsten
Gott.
Sprüche 19,17.
Hüte dich, mein Sohn, vor aller Hurerei, und nimm dir
ein Weib aus dem Geschlechte deiner Väter.
Hoffart laß weder in deinem Herzen noch in deinen
Worten herrschen, denn sie ist ein Anfang alles Verderbens.
Sirach 3,20.
Wer dir arbeitet, dem gib
alsbald seinen Lohn, und behalt niemand seinen verdienten Lohn
vor.
3. Mose
19,13.
Was du nicht willst, daß
man dir tue, das tu einem andern auch nicht.
Matthäus
7,12.
Teile dein Brot den Hungrigen
mit, und bedecke die Nackten mit deinen Kleidern.
Jesaja 58,7;
Hesekiel 18,7; Matthäus 25,35.36.
Gib Almosen von deinem Brot
und Wein bei dem Begräbnis der Frommen; und iß noch
trinke nicht mit den Sündern.
Allezeit suche Rat bei den
Weisen.
Und danke allezeit Gott, und
bete, daß er dich regiere, und du in alle deinem Vornehmen
seinem Wort folgest.
Du sollst auch wissen, mein
Sohn, daß ich * zehn Pfund Silbers, da du noch ein Kind
warest, geliehen habe dem Gabael in der Stadt Rages in Medien;
und seine Handschrift habe ich bei mir. Darum denke, wie du zu
ihm kommest, und solch Geld forderst, und ihm seine Handschrift
wiedergebest.
*Kapitel
1,16.17.
Sorge nur nichts, mein Sohn. Wir sind wohl arm, aber *
wir werden viel Gutes haben, so wir Gott werden fürchten,
die Sünde meiden, und Gutes tun.
*Sirach
11,21-23; 1. Timotheus 6,6.
Das 5. Kapitel.
Der junge Tobias erhält einen Engel zum Geleitsmann
nach Medien.
Da antwortete der junge Tobias seinem Vater und
sprach: Alles, was du mir gesagt hast, mein Vater, das will ich
tun.
Wie ich aber das Geld einmahnen soll, das weiß ich
nicht; er kennet mich nicht, so kenne ich ihn auch nicht. Was
soll ich ihm für ein Zeichen bringen, daß er mir
Glauben gebe? So weiß ich auch den Weg nicht dahin.
Da antwortete ihm sein Vater und sprach: Seine Handschrift
habe ich bei mir; wenn du die ihm weisen wirst, so wird er dir
alsbald das Geld geben.
Gehe nun hin und suche einen treuen Gesellen, der um
seinen Lohn mit dir ziehe, daß du solch Geld bei meinem
Leben wiederkriegest.
Da ging der junge Tobias hinaus, und fand einen
feinen jungen Gesellen stehen, der hatte sich angezogen und
bereitet zu wandern;
und wußte nicht, daß es ein * Engel Gottes
war, grüßte ihn und sprach: Von wannen (woher)
bist du, guter Gesell?
*Vers
18.
Und er sprach: Ich bin ein Israeliter.
Und Tobias sprach zu ihm: Weißt du den Weg ins Land
Medien?
Er antwortete: Ich weiß ihn wohl, und bin ihn oft
gezogen, und bin zur Herberge gelegen bei unserm Bruder * Gabael,
welcher wohnet in der Stadt Rages in Medien.
*Kapitel
1,16.17; 4,21.
Und Tobias sprach zu ihm: Verzeuch doch ein wenig, bis daß
ich dies meinem Vater wieder sage.
Und Tobias ging hinein, und sagte solches seinem Vater;
und der Vater verwunderte sich, und bat den Jüngling, daß
er hineinginge.
Und er ging zum Alten hinein
und grüßte ihn und sprach: Gott gebe dir Freude!
Und Tobias sprach zu ihm: Was soll ich für Freude
haben, der ich im Finstern sitzen muß, und das Licht des
Himmels nicht sehen kann?
Und der Jüngling sprach zu ihm: Habe Geduld, Gott
wird dir bald helfen.
Und Tobias sprach zu ihm: Willst du meinen Sohn geleiten
in die Stadt Rages in Medien zu Gabael, so will ich dir deinen
Lohn geben, wenn du wiederkommest.
Und der Engel sprach zu ihm: Ich will ihn hinführen,
und wieder zu dir herbringen.
Und Tobias sprach zu ihm: Ich bitte dich, zeige mir an,
aus welchem Geschlecht und von welchem Stamme bist du?
Und der * Engel Raphael sprach: Sei zufrieden! Ist's nicht
genug, daß du einen Boten hast? Was darfst du wissen, woher
ich bin?
*Kapitel
3,25.
Doch, daß du desto weniger sorgen dürfest, so
will ich dir's sagen: Ich bin Asarja, des großen Ananja
Sohn.
Und Tobias sprach: Du bist aus einem guten Geschlechte;
ich bitte dich, du wollest nicht zürnen, daß
ich nach deinem Geschlecht gefragt habe.
Und der Engel sprach: Ich will deinen Sohn gesund hin und
her wieder führen.
Tobias antwortete: So ziehet hin! Gott sei mit euch auf
dem Wege, und sein Engel geleite euch!
Da schickte sich Tobias mit allem, was er mit
wollte nehmen, und gesegnete Vater und Mutter, und zog mit seinem
Gesellen dahin.
Und seine Mutter fing an zu weinen, und sprach: Den Trost
unsers Alters hast du uns genommen und weggeschickt.
Ich wollte, daß das Geld nie gewesen wäre,
darum du ihn weggeschickt hast.
Wir wären wohl zufrieden gewesen mit unsrer Armut;
das wäre ein großer Reichtum, daß unser Sohn bei
uns wäre.
Und Tobias sprach: Weine nicht; unser Sohn wird frisch und
gesund hin und wieder ziehen, und deine Augen werden ihn sehen.
Denn ich glaube, daß ein guter Engel Gottes ihn
geleitet, und alles wohl schicken wird, das er vorhat, also daß
er mit Freuden wird wieder zu uns kommen. Also schwieg seine
Mutter stille, und gab sich zufrieden.
Das 6. Kapitel.
Tobias fängt im Fluß Tigris einen sonderlichen
Fisch.
Und Tobias zog hin, und sein Hündlein lief mit
ihm. Und die erste Tagereise blieb er bei dem Wasser Tigris.
Und ging hin, daß er seine Füße wüsche;
und siehe, ein großer Fisch fuhr heraus, ihn zu
verschlingen.
Vor dem erschrak Tobias, und schrie mit lauter Stimme und
sprach: O Herr, er will mich fressen!
Und der Engel sprach zu ihm: Ergreif ihn bei den
Floßfedern, und zieh ihn heraus!
Und er zog ihn aufs Land; da zappelte er vor seinen Füßen.
Da sprach der Engel: Haue den Fisch von einander; das
Herz, die Galle und die Leber behalte dir, denn sie sind sehr gut
zur Arznei.
Und Tobias tat, wie ihm der Engel gesagt hatte; den Fisch
aber brieten und aßen sie. Und sie reisten weiter mit
einander, bis sie kamen nahe zu Ekbatana.
Da fragte Tobias den Engel und sprach zu ihm: Ich bitte
dich, Asarja, mein Bruder, du wollest mir sagen, was man für
Arznei machen kann von den Stücken, die du hast heißen
behalten.
Da sprach der Engel: Wenn du ein Stücklein vom Herzen
und von der Leber legest auf glühende Kohlen, so vertreibt
solcher Rauch allerlei böse Gespenster von Mann und von
Frau, also daß sie nicht mehr schaden können.
Und die Galle vom Fisch ist gut, die Augen damit zu
salben, daß sie einem den Star vertreibe.
Und Tobias sprach: Wo wollen wir denn einkehren?
Und der Engel antwortete und sprach:
Es ist hie ein Mann mit Namen Raguel, dein Verwandter, von
deinem Stamme, der hat nur eine einige Tochter, die heißt *
Sara, und sonst kein Kind
*Kapitel 3,7.
Dir sind alle seine Güter bescheret, und du wirst die
Tochter nehmen.
Darum wirb um sie bei ihrem Vater, so wird er sie dir
geben zum Weibe.
Da sprach Tobias: Ich habe gehöret, daß sie
bereits * sieben Männern zuvor vertrauet war, die sind alle
tot; und dazu sagt man, ein böser Geist habe sie getötet.
*Kapitel
3,8.
Darum fürchte ich mich, daß mir's nicht auch
also möchte gehen; so würden dann meine Eltern vor
Leide sterben, weil ich ein einiger Sohn bin.
Da sprach der Engel zu ihm: Gedenkest du nicht der Worte,
die dir dein Vater * geboten hat, daß du dir ein Weib aus
deinem Geschlechte nehmest?
*Kapitel
4,13.
Und nun höre mich, Bruder; denn dein Weib wird sie
werden, und um den bösen Geist kümmere dich nicht; denn
in dieser Nacht wird dir diese zum Weibe gegeben werden.
Und wenn du in die Kammer kommest, sollst du glühende
Kohlen nehmen, und von dem Herzen und der Leber des Fisches
darauf legen, und räuchern, so wird der böse Geist es
riechen und fliehen, und in alle Ewigkeit nicht wiederkommen.
Wenn du aber zu ihr nahest, so stehet beide auf, und rufet
zu dem barmherzigen Gott, so wird er euch erretten, und sich
erbarmen.
Fürchte dich nicht; denn dir war sie bestimmt von
Ewigkeit, und du wirst sie erretten, und sie wird mit dir ziehen;
und ich achte, du werdest von ihr Kinder haben.
Und als Tobias das hörte, gewann er sie lieb, und
seine Seele hing sehr an ihr.
Das 7. Kapitel.
Der junge Tobias erhält Sara zum Weibe.
Und sie kehreten bei Raguel ein, und Raguel empfing
sie mit Freuden.
Und er sah Tobias an und sprach zu der Hanna, seinem
Weibe: Wie gleich siehet der junge Gesell unserm Vetter!
Und als er das sagte, sprach er: Von wannen (woher)
seid ihr, lieben Brüder?
Sie sprachen: Aus dem * Stamm Naphthali sind wir, von den
Gefangenen in Ninive.
*Kapitel
1,1.11.
Raguel sprach zu ihnen: Kennet ihr Tobias, meinen Bruder?
Sie sprachen: Ja, wir kennen ihn wohl.
Und als er nun viel Gutes von Tobias redete, sprach der
Engel zu Raguel: Der Tobias, nach dem du fragest, ist dieses
Jünglings Vater.
Und Raguel neigte sich vor ihm, weinte, und fiel ihm um
den Hals, und küßte ihn, und sprach: O mein lieber
Sohn, gesegnet seiest du, denn du bist eines recht frommen Mannes
Sohn!
Und Hanna, sein Weib, und Sara, ihre Tochter, fingen auch
an zu weinen.
Danach hieß Raguel einen Schöps schlachten, und
das Mahl bereiten.
Und als sie sie baten, daß sie sich wollten
zu Tisch setzen, sprach Tobias: Ich will heute nicht essen noch
trinken, du gewährest mir denn eine Bitte, und sagest zu,
mir Sara, deine Tochter, zu geben.
Da das Raguel hörte, erschrak er; denn er dachte, was
den * sieben Männern widerfahren war, welchen er zuvor seine
Tochter gegeben hatte, und fürchtete sich, es möchte
diesem auch also gehen.
*Kapitel
3,8.
Und da er nicht antworten wollte, sprach der Engel zu ihm:
Scheue dich nicht, ihm die Jungfrau zu geben; deine Tochter ist
ihm bescheret zum Weibe, weil er Gott fürchtet; darum hat *
deine Tochter keinem andern werden können.
*Kapitel
3,20.
Da sprach Raguel: Ich zweifle nicht, daß Gott meine
heißen Tränen und Gebete erhöret habe,
und glaube, daß er euch habe darum lassen zu mir
kommen, daß meine Tochter diesen kriegen wird aus ihrem
Geschlecht nach dem * Gesetz Moses; und nun habe keinen Zweifel,
ich will dir sie geben.
*4.
Mose 36,6-8.
Und nahm die Hand der Tochter, und schlug sie Tobias in
die Hand und sprach: Der * Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der
Gott Jakobs sei mit euch, und helfe euch zusammen, und gebe
seinen Segen reichlich über euch!
*2.
Mose 3,6.
Und sie nahmen einen Brief, und schrieben die Ehestiftung;
und lobten Gott, und hielten Mahlzeit.
Und Raguel rief zu sich Hanna, sein Weib, und hieß
sie die andre Kammer zurichten.
Dieselbe tat also, und führete hinein Sara, ihre
Tochter; und sie weinte.
Und sie sprach zu ihr: Sei getrost, meine Tochter! Der
Herr des Himmels gebe dir Freude für das Leid, das du
erlitten hast.
Das 8. Kapitel.
Wie der junge Tobias seinen Ehestand gottselig angefangen.
Und nach dem Abendmahl führeten sie den jungen
Tobias zu der Jungfrau in die Kammer.
Und Tobias dachte an * die Rede des Engels, und langte aus
seinem Säcklein ein Stücklein von dem Herzen und der
Leber des Fisches, und legte es auf die glühenden Kohlen.
*Kapitel
6,9.19.
Und der * Engel Raphael nahm den Geist gefangen, und band
ihn in die Wüste ferne in Ägypten.
*Kapitel
3,25.
Danach vermahnte Tobias die Jungfrau und sprach:
Schwester, stehe auf, und laß uns beten, daß der Herr
sich unser erbarme.
Kapitel 6,20.
Denn wir * sind Kinder der Heiligen, und uns gebührt
nicht, solchen Stand anzufangen + wie die Heiden, die Gott
verachten.
*Kapitel
2,17 +1. Thessalonicher 4,5.
Und sie stunden auf und beteten beide fleißig, daß
sie Gott behüten wolle.
Und Tobias betete und sprach: Herr, mein Gott, du Gott
unsrer Väter, dich sollen * loben Himmel, Erde, Meer, alle
Wasser und Brunnen und alle Kreaturen, die darinnen sind.
*Psalm
148.
Du hast gemacht * Adam aus einem Erdenkloß, und hast
ihm gegeben Eva zu einer Gehilfin.
*1.
Mose 2,7.18.
Und nun, Herr, * du weißt, daß ich nicht böser
Lust halben diese meine Schwester zum Weibe genommen, sondern daß
ich möge Kinder zeugen, dadurch dein heiliger Name ewiglich
gepriesen und gelobt werde.
*Kapitel
3,17.
Und Sara sprach: Herr, erbarme dich unser, daß wir
beide gesund mögen unser Alter erlangen. Da schliefen die
beiden die Nacht.
Und um Mitternacht rief Raguel seinen Dienern, und
ging mit ihnen, daß sie ein Grab machten.
Denn er sprach: Es möchte ihm vielleicht auch
gegangen sein wie den andern sieben, welche mit ihr vertrauet
gewesen sind.
Und als sie das Grab gemacht hatten, kam Raguel zu seinem
Weibe und sprach:
Schicke hin eine Magd, und laß sehen, ob er auch tot
sei, daß wir ihn vor Tage begraben.
Und die Magd schlich in die Kammer, fand sie beide gesund
und frisch und schlafend bei einander.
Und sie brachte ihnen die gute Botschaft.
Und Raguel und sein Weib Hanna dankten Gott und sprachen:
Wir danken dir, Herr, Du Gott Israels, daß es nicht
geschehen ist, wie wir besorgten. Denn du hast deine
Barmherzigkeit an uns erzeigt, und hast unsern Feind, der uns
Leid tat, vertrieben.
Du hast dich erbarmet über diese zwei einigen Kinder.
Und nun, Herr, gib ihnen, daß sie dich allezeit loben für
solche Gnade, und dir allezeit Preis und Lob opfern, daß
andre Leute an ihnen erkennen, daß du allein Gott bist in
aller Welt.
Und alsbald befahl Raguel, daß sie das Grab wieder
fülleten, ehe es Tag würde.
Und seinem Weibe befahl er, daß sie wieder
ein Mahl zurichtete, und schaffte ihnen alle Notdurft auf den
Weg.
Und er ließ zwei feiste Rinder schlachten und vier
Schafe, und lud alle seine Nachbarn und Freunde zu Gast.
Und Raguel vermahnte und bat Tobias hoch, daß er zwo
Wochen wollte bei ihm verziehen.
Und von all seinen Gütern gab er die Hälfte dem
Tobias, und machte eine Verschreibung, daß nach seinem Tode
die andre Hälfte auch des Tobias werden sollte.
Das 9. Kapitel.
Gabael bezahlt seine Schuld an Tobias und kommt zu dessen
Hochzeit.
Da rief Tobias den Engel zu sich; denn er meinte,
es wäre ein Mensch, und sprach zu ihm: * Asarja, mein
Bruder, ich bitte dich, höre mein Wort;
*Kapitel
5,19.
wenn ich mich dir gleich selbst zu einem eigenen Knecht
gäbe, so wäre es doch nichts gegen deine Wohltat.
Doch bitte ich dich: Nimm diese Knechte und Kamele, und
zeuch (zieh)
zu Gabael gen Rages in Medien, und gib ihm diese * Handschrift,
und nimm von ihm das Geld, und bitte ihn, daß er wolle zu
meiner Hochzeit kommen.
*Kapitel
4,21.
Denn du weißt, mein Vater zählet Stunden und
Tage; und wenn ich einen Tag zu lang außen bliebe, so würde
seine Seele betrübt.
Und du weißt, * wie sehr mich Raguel gebeten hat,
daß ich's ihm nicht kann abschlagen.
*Kapitel
8,22.
Da nahm der Engel Raphael vier der Knechte Raguels und
zwei Kamele, und zog gen Rages, und fand den Gabael, und gab ihm
die Handschrift, und empfing das Geld von ihm.
Und zeigte ihm an vom Sohne des Tobias alles, was
geschehen war, und bat ihn zur Hochzeit.
Und da sie mit einander kamen in das Haus Raguels,
fanden sie Tobias über Tisch; und siehe, er stund vor ihnen
auf, und sie küsseten einander. Und Gabael weinete, und
lobte Gott und sprach:
Es * segne dich der Gott Israels! denn du bist eines
frommen, gerechten und gottesfürchtigen Mannes Sohn, der den
Armen viel Gutes getan hat.
*Kapitel
7,7.
Gesegnet sei dein Weib und eure Eltern!
Und Gott gebe, daß ihr sehet eure Kinder und eure
Kindeskinder bis in das dritte und vierte Geschlecht; und
gesegnet sei dein Same von dem Gott Israels, der da herrschet und
regieret ewiglich!
Und als sie alle Amen gesprochen, setzten sie sich zu
Tische; aber das * Mahl und die Freude hielten sie in
Gottesfurcht.
*Sirach
9,23.
Das 10. Kapitel.
Des jungen Tobias Heimfahrt zu seinen besorgten Eltern.
Als aber der junge
Tobias seiner Hochzeit halben lange außen war, fing der
alte Tobias, sein Vater, an zu sorgen, und sprach: Warum wird
mein Sohn so lange außen sein, und was hält ihn auf?
Vielleicht ist Gabael
gestorben, und niemand will ihm das Geld wiedergeben.
Und wurden sehr traurig,
Tobias und Hanna, seine Hausfrau, und weineten beide, daß
ihr Sohn auf die bestimmte Zeit nicht wieder heimkam.
* Und seine Mutter weinete,
daß sie sich nicht wollte trösten lassen, und sprach:
*Kapitel
5,25.
Ach, mein Sohn, ach, mein
Sohn! Warum haben wir dich lassen wandern, unsrer Augen Licht,
unser einiger Trost in unserm Alter, unser Herz und unser Erbe!
Wir hätten Schatzes genug
gehabt, wenn wir dich nicht hätten weggelassen.
Und Tobias sprach zu ihr:
Schweige und sei getrost! Unserm Sohn gehet's, ob Gott will,
wohl; er hat einen treuen Gesellen mit sich.
Sie aber wollte sich nicht
trösten lassen, und lief alle Tage hinaus, und sah auf alle
Straßen, da er herkommen sollte, ob sie ihn von ferne
ersähe.
Raguel aber sprach zu
seinem Eidam Tobias: Bleib bei uns; ich will einen Boten schicken
zu Tobias, deinem Vater, und ihn wissen lassen, daß dir's
wohlgehet.
Und Tobias sprach: Ich weiß,
daß mein Vater und Mutter jetzund alle Tage und Stunden
zählen, und sind meinethalben hoch bekümmert.
Und als Raguel mit vielen
Worten Tobias bat, und er in keinem Weg drein willigen wollte,
befahl er ihm Sara, und gab ihm die Hälfte aller seiner
Güter an Knechten, Mägden, an Vieh, Kamelen und Rindern
und viel Geld, und ließ ihn gesund und fröhlich von
sich ziehen und sprach:
Der heilige Engel des Herrn
sei bei dir auf dem Wege, und bringe dich gesund wieder heim, daß
du deine Eltern gesund findest; und Gott gebe, daß meine
Augen mögen eure Kinder sehen, ehe ich sterbe.
Und die Eltern nahmen die
Tochter, und küsseten sie, und ließen sie von sich,
und vermahneten sie, daß sie ja wollte ihres Mannes Eltern
ehren, als ihre eignen Eltern, ihren Mann lieben, das Gesinde
fleißig regieren, und sich selbst züchtiglich halten.
Das 11. Kapitel.
Tobias wird von seinen Eltern mit großer Freude
empfangen und heilt die Blindheit seines Vaters.
Und auf dem Wege, da
sie gen Haran kamen, welches auf halbem Wege ist gegen Ninive, am
elften Tage,
sprach der Engel: Tobias, mein
Bruder, du weißt, wie wir deinen Vater verlassen haben;
wenn dir's gefiele, so wollten
wir vorhinziehen, und dein Weib so gemach lassen hernachziehen
mit dem Gesinde und Vieh.
Und als Tobias solches gefiel,
sprach Raphael: Nimm zu dir * von des Fisches Galle, denn du
wirst ihrer bedürfen.
*Kapitel
6,10.
Da nahm Tobias des Fisches
Galle zu sich, und zogen also vorhin.
Hanna aber saß
täglich am Wege auf einem Berge, daß sie konnte weit
um sich sehen. Und als sie an dem Ort nach ihm sah, ward sie
ihres Sohns gewahr von ferne, und kannte ihn alsbald, und lief
hin und sagte es ihrem Manne und sprach: Siehe, dein Sohn kommt.
Und Raphael sprach zu Tobias:
Sobald du wirst ins Haus kommen, so bete, und rufe zum Herrn und
danke ihm, und gehe danach zu deinem Vater, und küsse ihn;
und alsbald salbe ihm die
Augen mit der Galle vom Fische, welche du bei dir hast, so werden
von Stund an seine Augen geöffnet werden, und dein Vater
wird das Licht des Himmels schauen, und über deinen Anblick
sich freuen.
Da * lief der Hund voran,
welchen sie mit sich genommen hatten, und wedelte mit seinem
Schwanz, sprang und stellte sich fröhlich.
*Kapitel
6,1.
Und sein blinder Vater stund
eilend auf, und eilte, daß er sich stieß. Da rief er
einem Knecht, der ihn bei der Hand führte seinem Sohn
entgegen.
Dergleichen tat die Mutter,
und küsseten ihn, und weineten beide * vor Freuden.
*Kapitel
5,29.
Und als sie gebetet hatten,
und Gott gedankt, setzten sie sich zusammen nieder.
Da nahm Tobias von der
Galle des Fisches, und salbte dem Vater seine Augen. Und er litt
das fast eine halbe Stunde.
Und der Star ging ihm von den
Augen wie ein Häutlein von einem Ei.
Und Tobias nahm es, und zog es
von seinen Augen, und alsbald ward er wieder sehend.
Und sie priesen Gott, er und
sein Weib und alle, die es erfuhren.
Und Tobias sprach: Ich danke
dir, Herr, du Gott Israels, daß du mich * gezüchtiget
hast, und doch mir wieder geholfen, daß ich meinen lieben
Sohn wieder sehen kann.
*Kapitel
3,22.
Und nach sieben Tagen
kam auch Sara, seines Sohns Weib, mit alle ihrem Gesinde, Vieh
und Kamelen, und brachte viel Geldes mit sich, und auch das Geld,
das er empfangen hatte von dem Gabael. Und Tobias erzählte
seinen Eltern so viel Gutes, das Gott bei ihm getan hatte durch
den Gesellen, der mit ihm gezogen war.
Und Achior und Nabath, des
Tobias Vettern, kamen zu ihm, und wünscheten ihm Glück,
freueten sich mit ihm alles des Glücks, das ihm Gott gegeben
hatte.
Und sieben Tage lang aßen
sie mit einander, und waren fröhlich.
Das 12. Kapitel.
Der bisherige Begleiter des jungen Tobias gibt sich als
Engel Raphael zu erkennen und verschwindet.
Danach rief Tobias
seinen Sohn zu sich und sprach: Was sollen doch wir dem heiligen
Manne, deinem Gesellen, geben, der mit dir gezogen ist?
Und Tobias antwortete seinem
Vater: Wie können wir die großen Wohltaten, die er mir
getan hat, vergelten?
Er hat * mich gesund hin und
wieder gebracht, hat das Geld selbst bei Gabael geholet, hat mir
zu diesem Weibe geholfen; dazu hat er den bösen Geist
vertrieben, und ihre Eltern erfreuet.
*Kapitel
5,22.
Ja, mich selbst hat er
errettet, da mich der große Fisch fressen wollte, und hat
dir wieder geholfen zu deinem Gesichte, und hat uns über die
Maßen viel Gutes getan.
Wie können wir ihm denn
solche große Wohltaten vergelten? Aber ich bitte dich, mein
Vater: Beut (Biet)
ihm an die Hälfte aller Habe, die wir mit uns gebracht
haben, daß er's wolle annehmen.
Und beide, Vater und Sohn,
forderten ihn auf einen Ort, und baten ihn, daß er wolle
annehmen die Hälfte aller Güter, die sie mit sich
gebracht hatten.
Und er sagte heimlich
zu ihnen: Lobet und danket ihr dem Gott des Himmels bei
jedermann, daß er euch solche Gnade erzeiget hat.
Der Könige und Fürsten
Rat und Heimlichkeit soll man verschweigen; aber Gottes Werke
soll man herrlich preisen und offenbaren.
Ein solch Gebet mit Fasten und
Almosen ist besser, denn viel Golds zum Schatz sammeln; denn die
Almosen erlösen vom Tode, tilgen die Sünden, erhalten
bei dem Leben.
Kapitel
4,11.
Die * Gottlosen aber bringen
sich selber um ihr Leben.
*Sprüche
14,34.
So will ich nun die Wahrheit
offenbaren, und den heimlichen Befehl euch nicht verbergen.
Da du * so heiß
weinetest und betetest, stundest von der Mahlzeit auf, und
begrubest die Toten, hieltest die Leichen heimlich in einem
Hause, und begrubest sie bei der Nacht, da brachte ich dein Gebet
vor den Herrn.
*Kapitel
3,1.24.
Und * weil du Gott lieb
warest, so mußte es so sein: + ohne Anfechtung solltest du
nicht bleiben, auf daß du bewähret würdest.
*Sprüche
3,12 +1.
Petrus 1,6.7.
Und nun hat mich Gott
geschickt, daß ich dich solle heilen, und den bösen
Geist vertreiben, der um Sara, deines Sohns Weib, war.
Und ich bin * Raphael, einer
von den sieben Engeln, die wir vor dem Herrn stehen.
*Kapitel
3,25.
Als sie das höreten,
erschraken sie, zitterten, und fielen auf ihr Angesicht zur Erde.
Und der Engel sprach zu ihnen:
Seid getrost und fürchtet euch nicht!
Denn Gott hat's so haben
wollen, daß ich bei euch gewesen bin; den lobet und danket!
Es * schien wohl, als äße
und tränke ich mit euch; aber ich brauche unsichtbarer
Speise und eines Trankes, den kein Mensch sehen kann.
*Richter
13,16.
Und nun ist's Zeit, daß
ich zu dem wieder hingehe, der mich gesandt hat. Danket ihr Gott,
und verkündiget seine Wunder!
Und als er das gesagt hatte,
verschwand er vor ihren Augen, und sie sahen ihn nimmer.
Und sie fielen nieder drei
Stunden lang, und dankten Gott; und danach stunden sie auf, und
sagten solches nach, und verkündigten seine großen
Wunder.
Das 13. Kapitel.
Lobgesang des Tobias.
Der alte Tobias aber
tat seinen Mund auf, lobte Gott und sprach:
Herr, du bist ein großer,
starker Gott, und dein Reich währet ewiglich. Du züchtigest,
und tröstest wieder; * du kannst in die Hölle stoßen,
und wieder herausführen; deiner Hand kann niemand
entfliehen.
*Weisheit
16,13.15.
Ihr Kinder Israel, lobet den
Herrn, und vor den Heiden preiset ihn! Denn darum hat er euch
zerstreuet unter die Heiden, welche ihn nicht kennen, daß
ihr seine Wunder verkündiget, und die Heiden erkennen, daß
kein allmächtiger Gott ist denn er allein.
Er hat uns * gezüchtiget
um unsrer Sünden willen, und durch seine Güte hilft er
uns wieder.
*Kapitel
3,4.
Sehet, was er an uns getan
hat. Mit Furcht und Zittern lobet ihn in seinen Werken, und
preiset den, der ewiglich herrschet!
Und ich will ihn auch preisen
in diesem Lande, darin wir gefangen sind; denn er hat seine
Wunder über ein sündlich Volk erzeigt.
Darum bekehret euch, ihr
Sünder, und tut Gutes vor Gott, und glaubt, daß er
euch Güte erzeigt.
Und ich will mich nun von
Herzen freuen in Gott.
Lobet den Herrn, ihr seine
Auserwähleten, haltet Freudentage, und preiset ihn.
Jerusalem, du Gottesstadt,
Gott wird dich * züchtigen um deiner Werke willen; aber er
wird sich wieder dein erbarmen.
*Vers 4.
Lobe den Herrn um seine Gaben,
und preise den ewigen Gott, daß er seine Hütte in dir
wieder baue, und alle deine Gefangnen wieder hole, daß du
ewiglich dich freuen mögest.
Du wirst wie ein heller Glanz
leuchten, und an allen Enden auf Erden wird man dich ehren.
Von fernen Landen wird man zu
dir kommen und Geschenke bringen.
Jesaja
60,4.9.
In dir werden sie den Herrn anbeten, und du wirst das
Heiligtum heißen; den großen Namen des Herrn werden
sie in dir anrufen.
Verflucht werden sein alle, die dich verachten; verdammt
werden sein alle, die dich lästern; gesegnet werden sein
alle, die dich bauen.
Du aber wirst dich freuen über deinen Kindern; denn
sie werden alle gesegnet, und zum Herrn gebracht werden.
Wohl denen, die dich lieben, und die dir * wünschen,
daß dir's wohlgehe!
*Psalm
122,6.
Meine Seele lobe den Herrn; denn der Herr, unser Gott,
wird die Stadt Jerusalem von allen Trübsalen erlösen.
Wohl mir, so die übrigen von meinem Samen sehen
werden Jerusalem in seiner Herrlichkeit!
Die Pforten Jerusalems werden von Saphir und Smaragd
gebauet werden, und aus Edelsteinen ringsum all ihre Mauern.
Jesaja 54,11.12.
Mit weißem und reinem Marmor werden alle ihre Gassen
gepflastert werden, und in allen Straßen wird man Halleluja
singen.
Gelobt sei Gott, der sie erhöhet hat; und sein Reich
bleibe ewiglich über sie! Amen.
Das 14. Kapitel.
Abschied des Vaters Tobias von seinem Sohn. Tod der Eltern
und des Sohnes.
Nach dieser Geschichte,
als * Tobias war wieder sehend worden, lebte er noch
zweiundvierzig Jahre, und sah seine Kindeskinder.
*Kapitel
11,14.15.
Und als er nun hundertundzwei
Jahre alt war, ward er mit Ehren begraben zu Ninive.
Denn da er sechsundfünfzig
Jahre alt war,* ward er blind; und im sechzigsten Jahr ward er
wieder sehend;
*Kapitel
2,11.
und hat die übrige Zeit
seines Lebens fröhlich zugebracht, und nahm zu in
Gottesfurcht, und starb in gutem Frieden.
Vor seinem Tod aber * forderte
er Tobias, seinen Sohn, zu sich, und sieben junge Knaben, seines
Sohns Kinder, und sprach zu ihm:
*1. Mose
49,1; 50,24.
Zeuch (Zieh)
nach Medien, mein Sohn! Ninive wird bald zu Boden gehen, denn *
das Wort des Herrn wird nicht fehlen; aber in Medien wird alsdann
noch eine Zeit lang Friede sein. Und unsere Brüder, die noch
im Lande sind, werden zerstreuet werden aus dem guten Lande. Und
Jerusalem wird wüste sein, und das Haus Gottes darin
verbrannt werden, und wird wüste sein eine Zeit lang.
*Nahum 3;
Zephanja 2,13.
Aber Gott wird sich ihrer
wieder erbarmen, und sie in das Land zurückführen; und
sie werden das Haus bauen, * nicht so wie das erste gewesen ist,
bis der Zeit Lauf erfüllet ist. Und danach werden sie
zurückkehren aus ihren Gefängnissen, und Jerusalem
herrlich aufbauen; und das Gotteshaus darin wird prächtig
erbauet werden auf ewige Zeiten, + wie die Propheten von ihr
geredet haben.
*Esra 3,12
+Jesaja 2,2.3.
Und auch die Heiden werden
sich bekehren, daß sie Gott den Herrn wahrhaftiglich
fürchten, und werden ihre Götzen verlassen und gen
Jerusalem kommen und da wohnen.
Und alle Heiden und Könige
werden sich in ihr freuen, und anbeten den Gott Israels.
So höret nun, meine
Söhne, euren Vater: Dienet dem Herrn in der Wahrheit, und
haltet euch zu ihm rechtschaffen.
Tut, was er geboten hat, und
lehret solches eure Kinder, daß sie auch Almosen geben, daß
sie Gott allezeit fürchten, und trauen von ganzem Herzen.
Und, liebe Kinder, höret
mich, und bleibet nicht hie zu Ninive; sondern wenn ihr eure
Mutter auch begraben habt neben mich in meinem Grabe, alsdann
macht euch auf, daß ihr von hinnen ziehet.
Denn ich sehe, daß die
Sünde Ninives wird's mit ihr ein Ende machen.
Und alsbald nach seiner
Mutter Tod zog Tobias von Ninive mit seinem Weib, Kindern und
Kindeskindern, und zog * gen Medien zu seinem + Schwäher und
seines Weibes Freunden;
*Vers 6
+Schwiegervater.
und fand sie frisch und gesund
in einem guten, ruhlichen Alter; und er pflegte ihrer. Und als
sie starben, drückte er ihnen auch ihre Augen zu, und
kriegte also das ganze Erbe und Güter Raguels; und lebte bis
in das fünfte Geschlecht, und sah seine Kinder und
Kindeskinder.
Und als er neunundneunzig
Jahre alt war, welche er in Gottesfurcht fröhlich zugebracht
hatte, begruben ihn seine Freunde.
Und all sein Geschlecht blieb
in heiligem Wandel und Leben, also daß sie angenehm waren
vor Gott und den Leuten und allen, die im Lande wohneten.
DAS
BUCH JESUS SIRACH
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