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STÜCKE
ZU ESTHER.
Aus
der griechischen Übersetzung des Buches Esther
Kapitel 1 –
7
Das 1. Kapitel.
Zusatz zu
Esther Kapitel 3.
Des Königs Artaxerxes
Blutbefehl
So
lautete aber der Brief: Der große König Artaxerxes
entbietet den hundertundsiebenundzwanzig Fürsten von Indien
bis an Mohrenland samt den Amtleuten, die ihnen untergeben sind,
seinen Gruß.
Wiewohl
ich ein mächtiger König bin und der größte
Herr auf Erden, hab ich doch mich meiner Gewalt nicht wollen
überheben, sondern mich geflissen, gnädiglich und sanft
zu regieren, und den lieben Frieden, des sich jedermann freuet,
zu halten, damit ein jeglicher ruhiglich leben und werben möchte.
Demnach hielt ich mit
meinen Fürsten Rat, wie solches geschehen möchte. Da
zeigte mir an Haman, mein klügster, liebster und treuester
Rat, der nach dem König der Höchste ist, wie ein
Volk sei, das, in allen Landen zerstreuet, sonderliche Gesetze
halte wider aller Lande und Leute Weise, und stets der Könige
Gebote verachte, dadurch sie Frieden und Einigkeit im Reich
verhindern.
Da wir nun vernahmen, daß sich ein einiges Volk
wider alle Welt sperrete, und seine eigne Weise hielte, und
unsern Geboten ungehorsam wäre, dadurch sie großen
Schaden täten, und Frieden und Einigkeit in unserm Reich
zerstöreten: befahlen wir, daß, welche Haman, der
oberste Fürst und der Höchste nach dem Könige,
unser zweiter Vater, anzeigen wird, mit Weib und Kind durch ihrer
Feinde Schwert ohne alle Barmherzigkeit umgebracht, und niemand
verschonet werde; und das auf den vierzehnten Tag Adars, des
zwölften Monats, in diesem Jahre; auf daß, die von
alters her bis jetzt ungehorsam gewesen sind, alle auf Einen Tag
erschlagen werden, und ein beständiger Friede in unserm
Reich bleiben möge.
Das 2. Kapitel.
Zusatz zu Esther Kapitel 4.
Mardochais Gebet.
Und Mardochai betete
zum Herrn, und gedachte aller seiner Wunderwerke, und sprach:
Herr, Gott, du bist der allmächtige König; es stehet
alles in deiner Macht, und deinem Willen kann niemand
widerstehen, wenn du Israel helfen willst.
Du hast Himmel und Erde
gemacht und alles, was wunderbar ist unter dem Himmel.
Du bist aller Herr, und
niemand kann dir widerstehen.
Du weißt alle Dinge, und
hast's gesehen, daß ich aus keinem Trotz noch Hoffart, noch
Ehrgeiz vor dem stolzen Haman nicht habe niederfallen wollen;
denn ich wäre bereit, Israel zugut auch seine Füße
williglich zu küssen; sondern habe es getan aus Furcht, daß
ich nicht die Ehre, so meinem Gotte gebühret, einem Menschen
gäbe, und vor niemand anders niederfiele denn vor meinem
Gott.
Und nun, Herr, du König,
Gott Abrahams, erbarme dich über dein Volk; denn unsere
Feinde wollen uns vertilgen und dein Erbe, daß du von
Anfang gehabt hast, ausrotten.
Verachte dein Häuflein
nicht, das du aus Ägypten erlöset hast.
Erhöre mein Gebet, und
sei gnädig deinem Volk, und wende unser Trauern in Freude,
auf daß wir leben und deinen Namen preisen; und laß
den Mund nicht verderben derer, so dich loben!
Und das ganze Israel rief aus
allen Kräften zum Herrn; denn sie waren in Todesnöten.
Das 3. Kapitel.
Fortsetzung des vorigen Zusatzes.
Gebet der Königin Esther.
Und die Königin
Esther kehrte sich auch zum Herrn in solchem Todeskampf,
und legte ihre königlichen
Kleider ab, und zog Trauerkleider an, und statt des edlen Wassers
und Balsams streute sie Asche und Staub auf ihr Haupt, und
demütigte ihren Leib mit Fasten; und überall, da sie
zuvor fröhlich gewesen war, raufte sie ihr Haar aus.
Und betete zu dem Gott Israels
und sprach:
Herr,
der du allein unser König bist, hilf mir Elenden. Ich habe
keinen andern Helfer denn dich; und die Not ist vor Augen.
Ich
habe von Kind auf in meines Vaters Geschlechte gehöret,
Herr, daß du Israel aus allen Heiden gesondert, und unsre
Väter von alters her zum ewigen Erbe angenommen, und ihnen
gehalten, was du geredet hast.
Wir
haben vor dir gesündigt; darum hast du uns übergeben in
unsrer Feinde Hände. Herr, du bist gerecht; denn wir haben
ihre Götter geehret.
Aber
nun lassen sie sich nicht dran genügen, daß sie uns in
großem Zwang halten, sondern sie haben ihre Hände
gelegt auf ihrer Götzen Hände, daß sie wollen
deine Verheißung zunichte machen, und dein Erbe ausrotten,
und den Mund derer, so dich loben, verstopfen, und die Ehre
deines Tempels und Altars vertilgen, und den Heiden das Maul
auftun, zu preisen die Macht der Götzen, und ewiglich zu
rühmen einen sterblichen König.
Herr,
gib nicht dein Zepter denen, die nichts sind, daß sie nicht
unsers Jammers spotten, sondern wende ihr Vornehmen wider sie und
zeichne den, der das wider uns anrichtete.
Gedenke
an uns, Herr, und erzeige dich in unsrer Not, und stärke
mich, Herr, du König aller Götter und Herrschaften.
Lehre mich, wie ich reden soll vor dem Löwen, und wende sein
Herz, daß er unserm Feinde gram werde, auf daß
derselbe samt seinem Anhang umkomme.
Und
errette uns durch deine Hand, und hilf mir, deiner Magd, die
keine andre Hilfe hat denn dich, Herr, allein, der du alle Dinge
weißt,
und erkennest, daß ich keine Freude habe an der
Ehre, die ich bei den Gottlosen habe, auch keine Lust an der
heidnischen und fremden Heirat. Du weißt, daß ich's
tun muß, und nicht achte den herrlichen Schmuck, den ich
auf meinem Haupte trage, wenn ich prangen muß, sondern
halte es wie ein unrein Tuch, und trage es nicht außer dem
Gepränge. Auch hab ich nie mit Haman gegessen, noch Freude
gehabt am königlichen Tisch, noch getrunken vom Opferwein.
Und deine Magd hat sich nie gefreuet, seit ich bin hieher
gebracht, bis auf diese Zeit,
ohne dein allein, Herr, du Gott Abrahams. Erhöre die
Stimme der Verlassenen, du starker Gott über alle, und
errette uns von der Gottlosen Hand, und erlöse mich aus
meinen Nöten.
Das 4. Kapitel.
Zusatz zu Esther Kapitel 5.
Esther geht zum Könige.
Und am dritten Tage legte sie die Bußkleider
ab, und zog ihren königlichen Schmuck an;
und war sehr schön, und rief Gott, den Heiland, an,
der alles siehet; und nahm zwo Mägde mit sich, und lehnte
sich zierlich auf die eine; die andre aber folgte ihr, und trug
ihr die Schleppe am Rocke.
Und ihr Angesicht war sehr schön, lieblich und
fröhlich gestaltet; aber ihr Herz war voll Angst und Sorge.
Und da sie durch alle Türen hineinkam, trat sie gegen
den König, da er saß auf seinem königlichen Stuhl
in seinen königlichen Kleidern, die voll Gold und Edelsteine
waren, und war schrecklich anzusehen.
Da er nun sein Angesicht erhub, das von Herrlichkeit
strahlte, und sah sie zorniglich an, erblaßte die Königin,
und sank in eine Ohnmacht, und legte das Haupt auf die Magd.
Da wandelte Gott dem Könige sein Herz zur Güte,
und ihm ward bange für sie, und sprang von seinem Stuhl, und
umfing sie mit seinen Armen, bis sie wieder zu sich kam, und
sprach sie freundlich an: Was ist dir, Esther? Ich bin dein
Bruder, fürchte dich nicht; du sollst nicht sterben. Denn
dies Verbot betrifft alle andre, aber dich nicht.
Tritt herzu!
Und er hub den güldnen Zepter auf, und legte ihn auf
ihre Achsel, und küßte sie und sprach: Sage an!
Und sie antwortete: Da ich dich ansah, o Herr, deuchte
mich, ich * sähe einen Engel Gottes; darum erschrak ich vor
deiner großen Majestät.
*2. Samuel 19,28.
Denn du bist sehr schrecklich, und deine Gestalt ist ganz
herrlich.
Und als sie so redete, sank sie abermal in eine Ohnmacht,
und fiel danieder.
Der König aber erschrak samt seinen Dienern, und
trösteten sie.
Das 5. Kapitel.
Zusatz zu Esther Kapitel 8.
Artaxerxes nimmt seinen Befehl gegen die Juden zurück.
Artaxerxes, der große
König, entbietet den hundertundsiebenundzwanzig Fürsten
von Indien bis an Mohrenland samt den Landpflegern und allen, die
es mit uns wohlmeinen, seinen Gruß.
Wir befinden, daß viele
sind, welche der Fürsten Gnade mißbrauchen, und von
der Ehre, so ihnen widerfähret, stolz und böse werden,
also daß sie nicht allein die Untertanen drängen,
sondern auch gedenken, die Herren selbst, von denen sie erhöhet
sind, unter die Füße zu treten;
und tun nicht allein wider
natürliche Billigkeit durch Undankbarkeit, sondern sind
durch Hoffart so verblendet, daß sie auch meinen, Gott, der
auf die Frommen siehet, strafe solche Untreue nicht.
Sie betrügen auch fromme
Fürsten, auf daß sie unschuldig Blut vergießen,
und diejenigen, so treulich und redlich dienen, in alles Unglück
bringen möchten.
Davon man Beispiele findet
nicht allein in den alten Geschichten, sondern auch noch täglich
erfähret, wie viel solche untreue Räte Unglück
stiften.
Weil uns denn gebührt,
darauf zu sehen, daß hinfort Friede im Reich bleibe,
müssen wir nach
Gelegenheit der Sachen zuweilen die Gebote ändern, wo wir's
anders finden, denn wir berichtet waren, und nicht zu geschwind
fahren.
Nachdem nun Haman, der Sohn Hammedathas, aus Macedonien,
und nicht der Perser Geblüt, auch nicht unsrer gütigen
Art, sondern bei uns ein Gast ist, dem wir, wie wir pflegen gegen
alle Nationen, alle Gnade erzeigt, und ihn also erhöhet
haben, daß wir ihn unsern Vater nannten, und von jedermann
als der nächste nach dem Könige geehret ward, ist er so
stolz worden, daß er sich unterstanden hat, uns um unser
Königreich und Leben zu bringen.
Denn er hat Mardochai, der durch seine Treue und Wohltat
unser Leben errettet hat, und unser unschuldig Gemahl, die
Königin Esther, samt ihrem ganzen Volk fälschlich und
böslich verklaget, daß sie alle sollten umgebracht
werden. Und alsdann, wenn die hin weg wären, die uns
bewahren, hat er gedacht, uns auch zu erwürgen, und der
Perser Reich an die Macedonier zu bringen.
Wir befinden aber, daß die Juden, welche der
verruchte Bube wollte töten lassen, unschuldig sind, die
besten Gesetze haben, und Kinder des höchsten, größesten
und ewigen Gottes sind, der unsern Vorfahren und uns dies Reich
gegeben hat, und noch erhält.
Darum sollt ihr euch nicht halten nach dem Briefe, welchen
Haman ausgebracht hat.
Denn um solcher Tat willen ist er mit alle seinem
Geschlecht vor dem Tor zu Susan an den Galgen gehängt; und
hat ihm also Gott bald vergolten, wie er's verdienet hat.
Aber dies Gebot, das wir euch jetzt zuschicken, sollt ihr
in allen Städten verkündigen, daß die Juden mögen
ihr Gesetz frei halten.
Und wo man ihnen Gewalt tun wollte am dreizehnten Tage des
zwölften Monats, der da heißet Adar, da sollt ihr sie
schützen, daß sie sich an jenen rächen mögen.
Denn denselbigen Tag hat ihnen der allmächtige Gott zur
Freude gemacht, daran sie, das auserwählete Volk, sollten
umkommen sein.
Darum sollt auch ihr neben andern Feiertagen diesen Tag
feiern in allen Freuden, auf daß es uns wohlgehe und allen,
so den Persern treu sind, und ein Beispiel sei, wie Untreue
gestraft werde.
Welches Land aber oder Stadt dies Gebot nicht halten wird,
die soll mit Schwert und Feuer vertilget werden, also daß
weder Mensch noch Tier noch Vogel hinfort drinnen wohnen könne.
Das 6. Kapitel.
In der griechischen Übersetzung vor Esther Kapitel 1.
Traum des Mardochai.
Im andern Jahr des
großen Königs Artaxerxes, am ersten Tage des Monats
Nisan, hatte Mardochai einen Traum, der ein Jude war, ein Sohn
Jaïrs, des Sohns
Simeïs, des Sohns
des Kis, vom Stamm Benjamin, und wohnte in der Stadt Susan, ein
vornehmer Mann und am königlichen Hofe wohlgehalten.
Er war aber der Gefangenen
einer, so Nebukadnezar, der König zu Babel, weggeführet
hatte von Jerusalem, mit * Jechonja, dem Könige Judas. Und
das war sein Traum:
*2. Könige
24,15.
Es erhub sich ein Geschrei und
Getümmel, Donner und Erdbeben und ein Schrecken auf Erden.
Und siehe, da waren zween große Drachen, die gingen gegen
einander, zu streiten.
Und das Geschrei war so groß,
daß alle Länder sich aufmachten, zu streiten wider ein
heilig Volk.
Und es war ein Tag großer
Finsternis, Trübsal und Angst, und war ein großer
Jammer und Schrecken auf Erden.
Und das heilige Volk war hoch
betrübt, und fürchteten sich vor ihrem Unglück,
und verzagten an ihrem Leben.
Und sie schrieen zu Gott. Und
nach solchem Geschrei ergoß sich ein großer
Wasserstrom aus einem kleinen Brunnen.
Und die Sonne ging auf, und es
ward helle; und die Elenden gewannen, und brachten um die
Stolzen.
Als nun Mardochai erwachte
nach dem Traum, dachte er, was Gott damit meinte, und behielt den
Traum in seinem Herzen, und dachte ihm nach bis in die Nacht, und
hätte gern gewußt, was er bedeutete.
Das 7. Kapitel.
Zusatz zu Esther Kapitel 10.
Auslegung des Traums von der
Rettung der Juden.
Und
Mardochai sprach: Gott hat das alles geschickt.
Ich
denke an meinen Traum; und es ist eben ergangen, wie mir
geträumet hat.
Der
kleine Brunnen, der ein großer Wasserstrom ward, da die
Sonne schien, und es helle ward, das ist Esther, welche der König
zum Gemahl genommen, und zur Königin gemacht hat.
Die
zween Drachen sind ich und Haman.
Der
eine bedeutet die Heiden, so zusammenkamen und den Namen der
Juden austilgen wollten;
der
andre bedeutet mein Volk Israel, welches zum Herrn rief, und der
Herr half seinem Volk, und erlöste uns von diesem Unglück.
Er tut große Zeichen und Wunder unter den Heiden. Denn er
hat allezeit Unterschied gehalten zwischen seinem Volk und den
Heiden. Und wenn das Stündlein kommen ist, daß die
Heiden am stolzesten, und wir am schwächsten gewesen sind,
und daß Gott hat richten sollen, so hat er an sein Volk
gedacht, und seinem Erbe den Sieg gegeben.
Und
diese Tage soll man halten im Monat Adar, auf den vierzehnten und
fünfzehnten Tag desselben Monats, in allen Freuden und mit
hohem Fleiß, wenn das Volk zusammenkommt; und soll ewiglich
also gehalten werden im Volk Israel.
Unterschrift des Buches Esther
in der griechischen Übersetzung.
(Sonst
Kapitel 5)
Im vierten
Jahr des Königs Ptolemäus und der Kleopatra brachten
Dositheus, welcher sich für einen Priester aus dem Stamm Levi
ausgab, und Ptolemäus, sein Sohn, diesen Brief der Purim, und
sagten, daß Lysimachus, ein Sohn des Ptolemäus,
denselbigen verdolmetscht hätte zu Jerusalem.
GESCHICHTE
VON DER SUSANNA UND DANIEL
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