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DIE BIBEL
Heilige
Schrift
DER BRIEF DES
PAULUS AN DIE RÖMER
Kapitel 1 -
16
Paulus der Apostel der Heiden
Kapitel 1
Paulus, ein Knecht Jesu
Christi, berufen zum Apostel, ausgesondert, zu predigen das
Evangelium Gottes,
welches er zuvor verheißen
hat durch seine Propheten in der heiligen Schrift,
von seinem Sohn Jesus
Christus, unserm Herrn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids
nach dem Fleisch,
und nach dem Geist, der da
heiligt, eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft durch die
Auferstehung von den Toten.
Durch ihn haben wir empfangen
Gnade und Apostelamt, in seinem Namen den Gehorsam des Glaubens
aufzurichten unter allen Heiden,
zu denen auch ihr gehört,
berufen von Jesus Christus,
allen Geliebten Gottes
und berufenen Heiligen zu Rom:
Gnade sei mit euch und
Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Des Apostels Verlangen, nach Rom zu kommen
Aufs erste danke ich meinem
Gott durch Jesus Christus euer aller halben, daß man von
eurem Glauben in aller Welt spricht.
Denn Gott ist mein Zeuge,
welchem ich diene in meinem Geist am Evangelium von seinem Sohn,
daß ich ohne Unterlaß euer gedenke
und allezeit in meinem Gebet
flehe, ob sich's einmal zutragen wollte durch Gottes Willen, daß
ich zu euch käme.
Denn mich verlangt, euch zu
sehen, auf daß ich euch mitteile etwas von geistlicher
Gabe, euch zu stärken,
das heißt, daß ich
samt euch getröstet würde durch euren und meinen
Glauben, den wir miteinander haben.
Ich will euch aber
nicht verschweigen, liebe Brüder, daß ich mir oft habe
vorgesetzt, zu euch zu kommen – bin aber verhindert bisher
-, damit ich auch unter euch Frucht schaffte gleichwie unter
andern Heiden.
Ich bin ein Schuldner der
Griechen und der Nichtgriechen, der Weisen und der Nichtweisen;
darum, soviel an mir ist, bin
ich wohl willens, auch euch zu Rom das Evangelium zu predigen.
Bekenntnis zum Evangelium
Denn ich schäme mich
des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist eine Kraft
Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben, die Juden
vornehmlich und auch die Griechen.
Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor
Gott gilt*,
welche kommt aus Glauben in Glauben; wie denn geschrieben steht
(Habakuk 2,4):
«Der Gerechte wir aus Glauben leben.»
*Wörtlich:
«Gottes Gerechtigkeit»
(vergleiche Römer 3,26).
Die Gottlosigkeit der Heiden
Denn Gottes Zorn vom Himmel
wird offenbart über alles gottlose Wesen und Ungerechtigkeit
der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit gefangen
halten.
Denn was man von Gott erkennen
kann, ist unter ihnen offenbar; Gott hat es ihnen offenbart.
Denn Gottes unsichtbares
Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen seit
der Schöpfung der Welt und wahrgenommen an seinen Werken, so
daß sie keine Entschuldigung haben.
Sie wußten, daß
ein Gott ist, und haben ihn nicht gepriesen als einen Gott noch
ihm gedankt, sondern haben ihre Gedanken dem Nichtigen zugewandt,
und ihr unverständiges Herz ist verfinstert.
Da sie sich für weise
hielten, sind sie zu Narren geworden
und haben verwandelt die
Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in ein Bild gleich
dem eines vergänglichen Menschen und der Vögel und der
vierfüßigen und der kriechenden Tiere.
Darum hat sie auch Gott
dahingegeben in ihrer Herzen Gelüste, in Unreinigkeit, zu
schänden ihre eigenen Leiber an sich selbst,
sie, die Gottes Wahrheit
verwandelt haben in Lüge und haben geehrt und gedient dem
Geschöpf statt dem Schöpfer, der da gelobt ist in
Ewigkeit. Amen.
Darum hat sie Gott auch
dahingegeben in schändliche Lüste; denn ihre Weiber
haben verwandelt den natürlichen Umgang in den
unnatürlichen;
desgleichen auch die Männer
haben verlassen den natürlichen Umgang mit dem Weibe und
sind aneinander entbrannt in ihren Lüsten und haben Mann mit
Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja
sein mußte, an sich selbst empfangen.
Und gleichwie sie es
für nichts geachtet haben, daß sie Gott erkannten, hat
sie auch Gott dahingegeben in verworfenen Sinn, zu tun, was nicht
taugt,
voll alles Unrechten,
Schlechtigkeit, Habsucht, Bosheit, voll Neides, Mordes, Haders,
List, Tücke; Ohrenbläser,
Verleumder, Gottesverächter,
Frevler, hoffärtig, ruhmredig, auf Böses sinnend, den
Eltern ungehorsam,
unvernünftig, treulos,
lieblos, unbarmherzig.
Sie wissen, daß, die
solches tun, nach Gottes Recht des Todes würdig sind; aber
sie tun es nicht allein, sondern haben auch Gefallen an denen,
die es tun.
Die Schuld der Juden
Kapitel 2
Darum, o Mensch, kannst du
dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der da richtet. Denn
worin du den andern richtest, verdammst du dich selbst, weil du
ebendasselbe tust, was du richtest.
Wir aber Wissen, daß
Gottes Urteil ist recht über die, so solches tun.
Denkst du aber, o Mensch, der
du richtest die, so solches tun, und tust auch dasselbe, daß
du dem Urteil Gottes entrinnen werdest?
Oder verachtest du den
Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmütigkeit? Weißt
du nicht, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet?
Du aber nach deinem
verstockten und unbußfertigen Herzen häufest dir
selbst den Zorn auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des
gerechten Gerichtes Gottes,
welcher geben wird einem
jeglichen nach seinen Werken:
ewiges Leben denen, die in
aller Geduld mit guten Werken trachten nach Preis und Ehre und
unvergänglichem Wesen;
Ungnade und Zorn aber denen,
die da zänkisch sind und der Wahrheit nicht gehorchen,
gehorchen aber der Ungerechtigkeit.
Trübsal und Angst über
alle Seelen der Menschen, die da Böses tun, vornehmlich der
Juden und auch der Griechen;
Preis aber und Ehre und Friede
allen denen, die da Gutes tun, vornehmlich den Juden und auch den
Griechen.
Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott.
Welche ohne Gesetz
gesündigt haben, die werden auch ohne Gesetz verloren gehen;
und welche unter dem Gesetz gesündigt haben, die werden
durchs Gesetz verurteilt werden.
Denn vor Gott sind nicht, die
das Gesetz hören, gerecht, sondern die das Gesetz
tun, werden gerecht sein.
Denn wenn die Heiden, die das
Gesetz nicht haben, doch von Natur tun des Gesetzes Werk, so sind
sie, obwohl sie das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz;
denn sie beweisen, des
Gesetzes Werk sei geschrieben in ihrem Herzen, da ja ihr Gewissen
es ihnen bezeugt, dazu auch die Gedanken, die sich untereinander
verklagen oder auch entschuldigen,
an dem Tag, da Gott das
Verborgene der Menschen durch Jesus Christus richten wird, wie es
mein Evangelium bezeugt.
Gesetz und Beschneidung
Du aber heißest
ein Jude und verlässest dich aufs Gesetz und rühmst
dich Gottes
und weißt seinen Willen; und weil du aus dem Gesetz
unterrichtet bist, prüfst du, was das Beste zu tun sei,
und willst dich vermessen, ein Leiter zu sein der Blinden,
ein Licht derer, die in Finsternis sind,
ein Erzieher der Törichten, ein Lehrer der
Einfältigen, hast im Gesetz vor Augen, was zu erkennen und
wahr ist.
Du lehrst nun andere, und lehrst dich selber nicht? Du
predigst, man solle nicht stehlen, und du stiehlst?
Du sprichst, man solle nicht ehebrechen, und du brichst
die Ehe? Du verabscheust die Götzen, und beraubst ihre
Tempel?
Du rühmst dich des Gesetzes, und schändest Gott
durch Übertretung des Gesetzes?
Denn «eurethalben wird Gottes Name gelästert
unter den Heiden», wie geschrieben steht (Jesaja
52,5).
Die Beschneidung ist wohl nütze, wenn du das
Gesetz hältst; hältst du aber das Gesetz nicht, so bist
du aus einem Beschnittenen schon ein Unbeschnittener geworden.
Wenn nun der Unbeschnittene hält, was nach dem Gesetz
recht ist, meinst du nicht, daß dann der Unbeschnittene
wird dem Beschnittenen gleichgeachtet?
Und so wird, der von Natur unbeschnitten ist und das
Gesetz vollbringt, dir ein Richter sein, der du unter dem
Buchstaben und der Beschneidung stehst und das Gesetz
übertrittst.
Denn nicht das ist ein Jude, der auswendig ein Jude ist,
auch ist nicht das eine Beschneidung, die auswendig am Fleisch
geschieht;
sondern das ist ein Jude, der's inwendig verborgen ist,
und die Beschneidung des Herzens ist eine Beschneidung, die im
Geist und nicht im Buchstaben geschieht. Eines solchen Lob ist
nicht von Menschen, sondern von Gott.
Israels Untreue und Gottes Treue
Kapitel 3
Was haben denn die Juden für
einen Vorzug, oder was nützt die Beschneidung?
Sehr viel und auf jegliche
Weise. Zum ersten: ihnen ist anvertraut, was Gott geredet hat.
Daß aber etliche nicht
treu waren, was liegt daran? Sollte ihre Untreue Gottes Treue
aufheben?
Das sei ferne! Es bleibe
vielmehr so: Gott ist wahrhaftig und alle Menschen Lügner;
wie geschrieben steht (Psalm 51,6):
«Auf daß du gerecht erfunden werdest in deinen Worten
und obsiegest, wenn man mit dir rechtet.»
Ist's aber so, daß unsre
Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit ins Licht stellt, was wollen
wir sagen? Ist Gott dann nicht ungerecht, wenn er über uns
zürnt? - Ich rede so nach Menschenweise. -
Das sei ferne! Wie könnte
sonst Gott die Welt richten?
Wenn aber die Wahrheit Gottes
durch meine Lüge herrlicher wird zu seinem Preis, warum
sollte ich dann noch als ein Sünder gerichtet werden?
Sollten wir's dann nicht
vielmehr so halten, wie wir verlästert werden und wie
etliche vorgeben, daß wir sagen: Lasset uns Übles tun,
auf daß Gutes daraus komme? Deren Verdammnis ist ganz
recht.
Alle Menschen schuldig vor Gott
Was sagen wir
denn nun? Haben wir einen Vorzug? Gar keinen. Denn wir haben
soeben bewiesen, daß beide, Juden und Griechen, alle unter
der Sünde sind,
wie denn geschrieben steht (Psalm
14,1-3; 53,2-4): «Da
ist keiner, der gerecht sei, auch nicht einer.
Da ist keiner, der verständig
sei; da ist keiner, der nach Gott frage.
Sie sind alle abgewichen und
allesamt untüchtig geworden. Da ist keiner, der Gutes tue,
auch nicht einer.»
«Ihr Schlund ist ein
offenes Grab; mit ihren Zungen handeln sie trüglich.
Otterngift ist unter ihren Lippen» (Psalm
5,10; 140,4);
«ihr Mund ist voll
Fluchens und Bitterkeit» (Psalm
10,7).
«Ihre Füße
sind eilend, Blut zu vergießen;
auf ihren Wegen ist lauter
Schaden und Herzeleid,
und den Weg des Friedens
wissen sie nicht» (Jesaja 59,7.8).
«Es ist keine Furcht
Gottes bei ihnen» (Psalm 36,2).
Wir wissen aber: was das
Gesetz sagt, das sagt es denen, die unter dem Gesetz sind, auf
daß aller Mund gestopft werde und alle Welt vor Gott
schuldig sei,
weil kein Fleisch durch des
Gesetzes Werke vor ihm gerecht sein kann. Denn durch das Gesetz
kommt Erkenntnis der Sünde.
Die Rechtfertigung allein durch Glauben
Nun aber ist ohne Zutun des
Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt
durch das Gesetz und die Propheten.
Ich rede aber von solcher
Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus
Christus zu allen, die da glauben.
Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allzumal
Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben
sollten,
und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade
durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.
Den hat Gott für den
Glauben hingestellt in seinem Blut als Sühnopfer, damit Gott
erweise seine Gerechtigkeit. Denn er hat die Sünden
vergangener Zeiten getragen in göttlicher Geduld,
um nun zu diesen Zeiten seine
Gerechtigkeit zu erweisen, auf daß er allein gerecht sei
und gerecht mache den, der da ist des Glaubens an Jesus.
Wo bleibt nun der Ruhm?
Er ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch der Werke
Gesetz? Nicht also! Sondern durch des Glaubens Gesetz.
So halten wir nun dafür, daß der Mensch
gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.
Oder ist Gott allein der Juden
Gott? Ist er nicht auch der Heiden Gott? Ja freilich, auch der
Heiden Gott.
Denn es ist der eine Gott,
der da gerecht macht die Juden aus dem Glauben und die Heiden
durch den Glauben.
Wie? Heben wir denn das Gesetz
auf durch den Glauben? Das sei ferne! Sondern wir richten das
Gesetz auf.
Abrahams Beispiel und Davids Zeugnis
Kapitel 4
Was sagen wir denn von
Abraham, unserm Vater nach dem Fleisch, daß er erlangt
habe?
Das sagen wir: Ist Abraham
durch die Werke gerecht, so hat er wohl Ruhm, aber nicht vor
Gott.
Denn was sagt die Schrift (1.
Mose 15,6)? «Abraham
hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.»
Dem aber, der mit Werken
umgeht, wird der Lohn nicht aus Gnade zugerechnet, sondern aus
Pflicht.
Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an
den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube
gerechnet zur Gerechtigkeit.
Wie ja auch David sagt,
daß die Seligkeit sei allein des Menschen, welchem
Gott zurechnet die Gerechtigkeit ohne Zutun der Werke, wenn er
spricht (Psalm 32,1.2):
«Selig sind die, welchen
ihre Ungerechtigkeiten vergeben sind und welchen ihre Sünden
bedeckt sind!
Selig ist der Mann, welchem
der Herr die Sünde nicht zurechnet!»
Diese Seligpreisung
nun, gilt sie den Beschnittenen oder auch den Unbeschnittenen?
Wir sagen doch: «Dem Abraham ist sein Glaube zur
Gerechtigkeit gerechnet.»
Wie ist er ihm denn
zugerechnet? Als er beschnitten oder als er noch unbeschnitten
war? Ohne Zweifel: nicht als er beschnitten, sondern als er
unbeschnitten war.
Das Zeichen der Beschneidung
aber empfing er zum Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens,
welchen er hatte, als er noch nicht beschnitten war. So sollte er
ein Vater werden aller, die da glauben und nicht beschnitten
sind, damit ihnen ihr Glaube gerechnet werde zur Gerechtigkeit;
und sollte auch ein Vater
werden der Beschnittenen, derer nämlich, die nicht allein
beschnitten sind, sondern auch wandeln in den Fußtapfen des
Glaubens, welcher war in unserm Vater Abraham, als er noch nicht
beschnitten war.
Denn die Verheißung,
daß er sollte der Welt Erbe sein, ist Abraham oder seinen
Nachkommen nicht geschehen durchs Gesetz, sondern durch die
Gerechtigkeit des Glaubens.
Denn wenn die vom Gesetz Erben
sind, so ist der Glaube nichts, und die Verheißung ist
abgetan.
Denn das Gesetz richtet nur
Zorn an; wo aber das Gesetz nicht ist, da ist auch keine
Übertretung.
Derhalben muß die
Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, auf daß sie sei aus
Gnaden und die Verheißung fest bleibe allen Nachkommen,
nicht denen allein, die unter dem Gesetz sind, sondern auch
denen, die des Glaubens Abrahams sind. Der ist unser aller Vater
- wie geschrieben steht (1.
Mose 17,5): «Ich habe
dich gesetzt zum Vater vieler Völker» - vor Gott, dem
er geglaubt hat, der da lebendig macht die Toten und ruft dem,
was nicht ist, daß es sei.
Und er hat geglaubt auf
Hoffnung, da nichts zu hoffen war, auf daß er würde
ein Vater vieler Völker, wie denn zu ihm gesagt ist (1.
Mose 15,5): «So soll
dein Geschlecht sein.»
Und er ward nicht schwach im
Glauben, sah auch nicht an seinen eigenen Leib, welcher schon
erstorben war, weil er fast hundertjährig war, noch den
erstorbenen Leib der Sara.
Denn er zweifelte nicht durch
Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern ward stark im
Glauben und gab Gott die Ehre
und wußte aufs
allergewisseste: was Gott verheißt, das kann er auch tun.
Darum «ist's ihm auch
zur Gerechtigkeit gerechnet» (1. Mose
15,6).
Das ist aber geschrieben nicht
allein um seinetwillen, daß es ihm zugerechnet ist,
sondern auch um unsertwillen,
welchen es soll zugerechnet werden, wenn wir glauben an den, der
unsern Herrn Jesus auferweckt hat von den Toten,
welcher ist um unsrer Sünden willen dahingegeben
und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt.
Friede und Gewißheit des künftigen Heils
Kapitel 5
Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben,
so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus,
durch welchen wir im Glauben
den Zugang haben zu dieser Gnade, darin wir stehen, und rühmen
uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott
geben wird.
Nicht allein aber das, sondern
wir rühmen uns auch der Trübsale, weil wir wissen,
daß Trübsal Geduld bringt;
Geduld aber bringt Bewährung; Bewährung aber
bringt Hoffnung;
Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden,
denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den
heiligen Geist, welcher uns gegeben ist.
Denn Christus ist ja zu der
Zeit, da wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben.
Nun stirbt kaum jemand um
eines Gerechten willen; um des Guten willen wagt er vielleicht
sein Leben.
Gott aber erweist seine Liebe
gegen uns darin, daß Christus für uns gestorben ist,
als wir noch Sünder waren.
Um wieviel mehr werden wir
durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch
sein Blut gerecht geworden sind!
Denn wenn wir mit Gott
versöhnt sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch
Feinde waren, um wieviel mehr werden wir selig werden durch sein
Leben, nachdem wir nun versöhnt sind!
Nicht allein aber das, sondern
wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus
Christus, durch welchen wir jetzt die Versöhnung empfangen
haben.
Adam und Christus
Derhalben, wie durch einen
Menschen die Sünde ist in die Welt gekommen und der Tod
durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen
durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.
Denn die Sünde war wohl
in der Welt, ehe das Gesetz kam; aber wo kein Gesetz ist, da wird
Sünde nicht zugerechnet.
Gleichwohl herrschte der Tod
von Adam an bis auf Mose auch über die, die nicht gesündigt
hatten mit gleicher Übertretung wie Adam, welcher ist ein
Bild des, der kommen sollte.
Aber nicht verhält sich's mit der Gabe wie mit der
Sünde. Denn wenn an eines Sünde viele gestorben
sind, so ist viel mehr Gottes Gnade und Gabe vielen
überschwenglich widerfahren durch die Gnade des einen
Menschen Jesus Christus.
Und nicht ist die Gabe so gekommen, wie durch den einen
Sünder das Verderben. Denn das Urteil hat aus des einen
Sünde geführt zur Verdammnis; die Gnade aber hilft
aus vielen Sünden zur Gerechtigkeit.
Denn wenn um des einen Sünde willen der Tod
geherrscht hat durch den einen, wieviel mehr werden die,
welche empfangen die Fülle der Gnade und der Gabe zur
Gerechtigkeit, herrschen im Leben durch den einen, Jesus
Christus.
Wie nun durch eines Sünde die Verdammnis über
alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch eines Gerechtigkeit
die Rechtfertigung zum Leben für alle Menschen gekommen.
Denn gleichwie durch eines
Menschen Ungehorsam viele zu Sündern geworden sind, so
werden auch durch eines Gehorsam viele zu Gerechten.
Das Gesetz aber ist
neben eingekommen, auf daß die Sünde mächtiger
würde. Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da
ist die Gnade viel mächtiger geworden,
auf daß, gleichwie die
Sünde geherrscht hat zum Tode, so auch herrsche die Gnade
durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesus Christus,
unsern Herrn.
Das neue Leben
Kapitel 6
Was wollen wir hierzu sagen?
Sollen wir denn in der Sünde beharren, auf daß die
Gnade desto mächtiger werde?
Das sei ferne! Wie sollten wir
in der Sünde leben wollen, der wir abgestorben sind?
Oder wisset ihr nicht, daß
alle, die wir in Jesus Christus getauft sind, die sind in seinen
Tod getauft?
So sind wir ja mit ihm
begraben durch die Taufe in den Tod, damit, gleichwie Christus
ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters,
also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln.
Denn wenn wir in ihn
eingepflanzt sind zu gleichem Tode, so werden wir ihm auch in der
Auferstehung gleich sein,
weil wir ja wissen, daß
unser alter Mensch samt ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der
Sünde aufhöre, daß wir hinfort der Sünde
nicht dienen.
Denn wer gestorben ist, der
ist gerechtfertigt und frei von der Sünde.
Sind wir aber mit Christus
gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben
werden,
und wissen, daß
Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod
kann hinfort über ihn nicht herrschen.
Denn was er gestorben ist, das
ist er der Sünde gestorben ein für allemal; was er aber
lebt, das lebt er Gott.
Also auch ihr, haltet euch
dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid und lebet
Gott in Christus Jesus.
So lasset nun die Sünde
nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, Gehorsam zu leisten
seinen Gelüsten.
Auch ergebet nicht der Sünde
eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern ergebet euch
selbst Gott, als die da aus den Toten lebendig sind, und eure
Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit.
Denn die Sünde wird nicht
herrschen können über euch, die ihr ja nicht unter dem
Gesetze seid, sondern unter der Gnade.
Wie nun? Sollen wir
sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der
Gnade sind? Das sei ferne!
Wisst ihr nicht: welchem ihr
euch als Knechte ergebet zum Gehorsam, dessen Knechte seid ihr
und müsset ihm gehorsam sein, es sei der Sünde zum Tode
oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit?
Gott sei aber gedankt, daß
ihr Knechte der Sünde gewesen seid, aber nun gehorsam
geworden von Herzen dem Bild der Lehre, welchem ihr ergeben seid.
Denn nun ihr frei geworden
seid von der Sünde, seid ihr Knechte geworden der
Gerechtigkeit.
Ich muß
menschlich davon reden um der Schwachheit willen eures Fleisches.
Gleichwie ihr eure Glieder ergeben hattet zum Dienst der
Unreinigkeit und von einer Ungerechtigkeit zu der andern, so
ergebet auch nun eure Glieder zum Dienst der Gerechtigkeit, daß
sie heilig werden.
Denn als ihr der Sünde
Knechte waret, da waret ihr frei von der Gerechtigkeit.
Was hattet ihr nun damals für
Frucht? Deren ihr euch jetzt schämt; denn das Ende derselben
heißt Tod.
Nun ihr aber seid von der
Sünde frei und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure
Frucht, daß ihr heilig werdet, das Ende aber ist ewiges
Leben.
Denn der Sünde Sold
ist Tod; Gottes Gabe aber ist ewiges Leben in Christus Jesus,
unserm Herrn.
Geltung und Grenze des Gesetzes
Kapitel 7
Wisset ihr nicht,
liebe Brüder – denn ich rede mit solchen, die das
Gesetz wissen -, daß das Gesetz nur herrscht über den
Menschen, solange er lebt?
Denn eine Frau ist an ihren Mann gebunden durch das
Gesetz, solange der Mann lebt; wenn aber der Mann stirbt, so ist
sie los vom Gesetz, das sie an den Mann bindet.
Wenn sie nun eines anderen Mannes wird, solange ihr Mann
lebt, wird sie eine Ehebrecherin geheißen; wenn aber ihr
Mann stirbt, ist sie frei vom Gesetz, so daß sie nicht eine
Ehebrecherin ist, wenn sie eines anderen Mannes wird.
Also seid auch ihr, meine Brüder, getötet dem
Gesetz durch den Leib Christi, damit ihr einem andern angehöret,
nämlich dem, der von den Toten auferweckt ist, auf daß
wir Gott Frucht bringen.
Denn solange wir im Fleisch waren, da waren die sündlichen
Lüste, welche durchs Gesetz sich erregten, kräftig in
unsern Gliedern, dem Tode Frucht zu bringen.
Nun aber sind wir dem abgestorben, das uns gefangen hielt,
und vom Gesetz los, so daß wir dienen im neuen Wesen des
Geistes und nicht im alten Wesen des Buchstabens.
Was wollen wir denn nun sagen? Ist das Gesetz
Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde erkannte ich nicht
außer durchs Gesetz. Denn ich wußte nichts von der
Lust, hätte das Gesetz nicht gesagt (2.
Mose 20,17): «Laß
dich nicht gelüsten!»
Es nahm aber die Sünde Anlaß am Gebot und
erregte in mir jegliche Lust; denn ohne das Gesetz ist die Sünde
tot.
Ich aber lebte vormals ohne Gesetz; als aber das Gebot
kam, ward die Sünde lebendig,
ich aber starb; und es fand sich, daß das Gebot mir
zum Tode gereichte, das mir doch zum Leben gegeben war.
Denn die Sünde nahm Anlaß am Gebot und betrog
mich und tötete mich durch dasselbe Gebot.
So ist also das Gesetz heilig, und das Gebot ist heilig,
recht und gut.
Ist denn, was doch gut ist, mir zum Tod geworden? Das sei
ferne! Sondern die Sünde, auf daß sie recht als Sünde
erscheine, hat mir durch das Gute den Tod gewirkt, damit die
Sünde überaus sündig würde durchs Gebot.
Denn wir wissen, daß das Gesetz geistlich
ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft.
Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue
nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich.
Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so gebe ich zu,
daß das Gesetz gut sei.
So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in
mir wohnt.
Denn ich weiß, daß in mir, das ist in meinem
Fleische, wohnt nichts Gutes. Wollen habe ich wohl, aber
vollbringen das Gute finde ich nicht.
Denn das Gute, das ich will,
das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das
tue ich.
Wenn ich aber tue, was ich
nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in
mir wohnt.
So finde ich nun ein Gesetz,
daß mir, der ich will das Gute tun, das Böse anhanget.
Denn ich habe Lust an Gottes
Gesetz nach dem inwendigen Menschen;
ich sehe aber ein ander Gesetz
in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem
Gemüte und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz,
welches ist in meinen Gliedern.
Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem
Leibe dieses Todes?
Ich danke Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!
So diene ich nun mit dem
Gemüte dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleische dem Gesetz
der Sünde.
Das Leben im Geist
Kapitel 8
So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in
Christus Jesus sind.
Denn das Gesetz des Geistes,
der da lebendig macht in Christus Jesus, hat mich frei gemacht
von dem Gesetz der Sünde und des Todes.
Denn was dem Gesetz unmöglich
war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott:
er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen
Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde
im Fleisch,
auf daß die
Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde,
die wir nun nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem
Geist.
Denn die da fleischlich sind,
die sind fleischlich gesinnt; die aber geistlich sind, die sind
geistlich gesinnt.
Aber fleischlich gesinnt sein
ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede.
Denn fleischlich gesinnt sein
ist Feindschaft wider Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes
nicht untertan ist; denn es vermag's auch nicht.
Die aber fleischlich sind,
können Gott nicht gefallen.
Ihr aber seid nicht
fleischlich, sondern geistlich, wenn anders Gottes Geist in euch
wohnt. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.
Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot
um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der
Gerechtigkeit willen.
Wenn nun der Geist des, der Jesus von den Toten auferweckt
hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Jesus Christus von den
Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig
machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.
So sind wir nun, liebe Brüder, Schuldner nicht
dem Fleisch, daß wir nach dem Fleisch leben.
Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr
sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist des Fleisches
Geschäfte tötet, so werdet ihr leben.
Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes
Kinder.
Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen,
daß ihr euch abermals fürchten müßtet;
sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen
wir rufen: Abba,
lieber Vater!
Der Geist selbst gibt Zeugnis
unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind.
Sind wir aber Kinder,
so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben
Christi, wenn anders wir mit leiden, auf daß wir auch mit
zur Herrlichkeit erhoben werden.
Hoffnung und Gewißheit
Denn ich halte dafür, daß
dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht wert sei, die an uns
soll offenbart werden.
Denn das ängstliche
Harren der Kreatur wartet, daß Gottes Kinder offenbar
werden.
Es ist ja die Kreatur
unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen,
sondern um des willen, der sie unterworfen hat – auf
Hoffnung;
denn auch die Kreatur wird
frei werden von der Knechtschaft des vergänglichen Wesens zu
der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.
Denn wir wissen, daß
alle Kreatur sehnet sich mit uns und ängstet sich noch
immerdar.
Nicht allein aber sie, sondern
auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlingsgabe, sehnen
uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft und warten auf unsers
Leibes Erlösung.
Denn wir sind wohl gerettet,
doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht
Hoffnung; denn wie kann man des hoffen, das man sieht?
Wenn wir aber des hoffen, das
wir nicht sehen, so warten wir sein in Geduld.
Desgleichen hilft auch
der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir
beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst
vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.
Der aber die Herzen erforscht,
der weiß, was des Geistes Sinnen sei; denn er vertritt die
Heiligen, wie es Gott gefällt.
Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle
Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen
sind.
Denn welche er zuvor ersehen
hat, die hat er auch verordnet, daß sie gleich sein sollten
dem Ebenbilde seines Sohnes, auf daß derselbe der
Erstgeborne sei unter vielen Brüdern.
Welche er aber verordnet hat,
die hat er auch berufen; welche er aber berufen hat, die hat er
auch gerecht gemacht; welche er aber hat gerecht gemacht, die hat
er auch herrlich gemacht.
Was wollen wir nun
hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?
Psalm 118,6.
welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat
verschonet, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben; wie
sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen?
Gott ist hier, der da gerecht macht.
Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben
ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur
Rechten Gottes und vertritt uns.
Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal
oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder
Fährlichkeit oder Schwert?
wie geschrieben steht (Psalm 44,23):
«Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag;
wir sind geachtet wie Schlachtschafe.»
Aber in dem allem überwinden wir weit durch den, der
uns geliebet hat.
Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch
Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten,
weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,
weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur kann
uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist,
unserm Herrn.
GOTTES WEG MIT ISRAEL (Kapitel
9-11)
Israels Gotteskindschaft
Kapitel 9
Ich sage die Wahrheit in
Christus und lüge nicht, wie mir Zeugnis gibt mein Gewissen
in dem heiligen Geist,
daß ich große
Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterlaß in meinem Herzen
habe.
Ich selber möchte
verflucht und von Christus geschieden sein meinen Brüdern
zugut, die meine Stammverwandten sind nach dem Fleisch;
die da sind von Israel,
welchen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und der
Bund und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen;
welcher auch sind die Väter,
und aus welchen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist
Gott über alles, gelobt in Ewigkeit. Amen.
Die Verheißung an das wahre Israel
Aber nicht sage
ich solches, als ob Gottes Wort nun aus sei. Denn nicht alle sind
Israeliten, die von Israel stammen;
auch nicht alle, die Abrahams Nachkommen sind, sind darum
auch Kinder. Sondern nur «was von Isaak stammt, soll dein
Geschlecht heißen» (1. Mose
21,12),
das heißt: nicht das sind Gottes Kinder, die nach
dem Fleisch Kinder sind; sondern nur die Kinder der Verheißung
werden als sein Geschlecht gerechnet.
Denn dies ist ein Wort der Verheißung, da er spricht
(1. Mose 18,10):
«Um diese Zeit will ich kommen, und Sara soll einen Sohn
haben.»
Aber nicht allein hier ist es so, sondern auch bei
Rebekka, die von einem, unserm Vater Isaak, schwanger ward.
Ehe die Kinder geboren waren und weder Gutes noch Böses
getan hatten, da ward – auf daß der Vorsatz Gottes
bestehen bliebe und seine freie Wahl,
nicht aus Verdienst der Werke, sondern aus Gnade des
Berufers – zu ihr gesagt (1. Mose
25,23): «Der Ältere
soll dienstbar werden dem Jüngeren»,
wie denn geschrieben steht (Maleachi
1,2.3): «Jakob habe ich
geliebt, aber Esau habe ich gehaßt.»
Gottes freie Gnadenwahl
Was wollen wir denn hierzu
sagen? Ist denn Gott ungerecht? Das sei ferne!
Denn er spricht zu Mose (2.
Mose 33,19): «Welchem
ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich
erbarme, des erbarme ich mich.»
So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen,
sondern an Gottes Erbarmen.
Denn die Schrift sagt zum
Pharao (2. Mose 9,16):
«Ebendarum habe ich dich erweckt, daß ich an dir
meine Macht erzeige, auf daß mein Name verkündigt
werde in allen Landen.»
So erbarmt er sich nun, wessen
er will, und verstockt, welchen er will.
Nun sagst du zu mir:
Was beschuldigt er uns dann noch? Wer kann denn seinem Ratschluß
widerstehen?
Ja, lieber Mensch, wer bist du
denn, daß du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Werk
zu seinem Meister: Warum machst du mich so?
Hat nicht ein Töpfer
Macht, aus einem Klumpen zu machen ein Gefäß zu
Ehren und das andre zu Unehren?
Derhalben, wiewohl Gott wollte
Zorn erzeigen und kundtun seine Macht, hat er mit großer
Geduld getragen die Gefäße des Zorns, die da
zugerichtet sind zur Verdammnis,
auf daß er kundtäte
den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der
Barmherzigkeit, die er zuvor bereitet hat zur Herrlichkeit.
Das sind wir, die er berufen
hat, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Heiden.
Wie er denn auch durch Hosea
spricht (Hosea 2,25; 2,1):
«Ich will das mein Volk heißen, das nicht mein Volk
war, und meine Liebste, die nicht die Liebste war.»
«Und soll geschehen:
Anstatt daß zu ihnen gesagt ward: <Ihr seid nicht mein
Volk>, sollen sie Kinder des lebendigen Gottes genannt
werden.»
Jesaja aber ruft aus über
Israel (Jesaja 10,22.23):
«Wenn die Zahl der Kinder Israel würde sein wie der
Sand am Meer, so wird doch nur der Rest gerettet werden;
denn in Kürze wird der
Herr sein Wort vollenden und ausrichten auf Erden.»
Und wie Jesaja zuvor gesagt
hat (Jesaja 1,9):
«Wenn uns nicht der Herr Zebaoth hätte lassen
Nachkommen übrigbleiben, so wären wir wie Sodom
geworden und gleichwie Gomorra.»
Israels falsche Entscheidung
Was wollen wir nun hierzu
sagen? Das wollen wir sagen: Die Heiden, die nicht haben nach der
Gerechtigkeit getrachtet, haben die Gerechtigkeit erlangt; ich
rede aber von der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt.
Israel aber hat dem Gesetz der
Gerechtigkeit nachgetrachtet und hat das Gesetz der Gerechtigkeit
nicht erreicht.
Warum das? Weil es sie nicht
aus dem Glauben sucht, sondern als ob sie aus den Werken komme.
Sie haben sich gestoßen an dem Stein des Anstoßes,
wie geschrieben steht (Jesaja
8,14; 28,16): «Siehe
da, ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen
Fels des Ärgernisses; und wer an ihn glaubt, der soll nicht
zuschanden werden.»
Kapitel 10
Liebe Brüder,
meines Herzens Wunsch ist, und ich flehe auch zu Gott für
Israel, daß sie gerettet werden.
Denn ich gebe ihnen das
Zeugnis, daß sie eifern um Gott, aber mit Unverstand.
Denn sie erkennen die
Gerechtigkeit nicht, die Gottes ist, und trachten, ihre eigene
Gerechtigkeit aufzurichten, und sind so der Gerechtigkeit Gottes
nicht untertan.
Denn Christus ist des
Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht.
Mose nämlich schreibt von
der Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt (3.
Mose 18,5): «Welcher
Mensch sie tut, der wird durch sie leben.»
Aber die Gerechtigkeit aus dem
Glauben spricht so (5. Mose 30,11-14):
«Sprich nicht in deinem Herzen: Wer will hinauf gen Himmel
fahren?» - nämlich Christus herabzuholen -
oder: «Wer will hinab in
die Tiefe fahren?» - nämlich Christus von den Toten
heraufzuholen -,
sondern was sagt sie? «Das
Wort ist dir nahe, in deinem Munde und in deinem Herzen.»
Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen.
Denn so du mit deinem Munde
bekennst Jesus, daß er der Herr sei, und glaubst in deinem
Herzen, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst
du gerettet.
Denn wenn man von Herzen
glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt,
so wird man gerettet.
Denn die Schrift spricht
(Jesaja 28,16):
«Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.»
Es ist hier kein Unterschied
zwischen Juden und Griechen; es ist über sie allzumal der
eine Herr, reich für alle, die ihn anrufen.
Denn «wer den Namen des
Herrn wird anrufen, soll gerettet werden» (Joel
3,5).
Wie sollen sie aber den
anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den
glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie
aber hören ohne Prediger?
Wie sollen sie aber predigen,
wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jesaja
52,7): «Wie lieblich
sind die Füße derer, die gute Botschaft verkündigen!»
Aber sie sind nicht alle der
guten Botschaft gehorsam. Denn Jesaja spricht (Jesaja
53,1): «Herr, wer
glaubt unserm Predigen?»
So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber
durch das Wort Christi.
Ich sage aber: Haben sie es
nicht gehört? Wohl, es ist ja «in alle Lande
ausgegangen ihr Schall und ihr Wort bis an der Welt Ende»
(Psalm 19,5).
Ich sage aber: Hat es Israel
nicht verstanden? Aufs erste spricht Mose (5.
Mose 32,21): «Ich will
euch eifersüchtig machen auf ein Volk, das nicht ein Volk
ist; und über ein unverständiges Volk will ich euch
zornig machen.»
Jesaja aber wagt es und sagt
(Jesaja 65,1):
«Ich bin gefunden von denen, die mich nicht gesucht haben,
und ich bin erschienen denen, die nicht nach mir gefragt haben.»
Zu Israel aber spricht er
(Jesaja 65,2):
«Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt nach
dem Volk, das sich nichts sagen läßt und
widerspricht.»
Nicht ganz Israel ist verstockt
Kapitel 11
So sage ich nun:
Hat denn Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn ich
bin auch ein Israelit, von dem Geschlecht Abrahams, aus dem
Stamme Benjamin.
Gott hat sein Volk nicht verstoßen, welches er sich
zuvor ersehen hat. Oder wisset ihr nicht, was die Schrift sagt
von Elia, wie er tritt vor Gott wider Israel und spricht (1.
Könige 19,10):
«Herr, sie haben deine Propheten getötet und
haben deine Altäre zerbrochen, und ich bin allein
übriggeblieben, und sie stehen mir nach meinem Leben»?
Aber was sagt ihm die göttliche Antwort (1.
Könige 19,18)? «Ich
habe mir lassen übrigbleiben siebentausend Mann, die ihre
Knie nicht gebeugt haben vor dem Baal.»
So geht es auch jetzt zu dieser Zeit, daß etliche
übriggeblieben sind nach der Wahl der Gnade.
Ist's aber aus Gnaden, so ist's nicht aus Verdienst der
Werke; sonst würde Gnade nicht Gnade sein.
Wie denn nun? Was Israel sucht, das erlangte es nicht; die
Auserwählten aber erlangten es. Die andern sind verstockt,
wie geschrieben steht (Jesaja
29,10): «Gott hat ihnen
gegeben einen Geist der Betäubung, Augen, daß sie
nicht sehen, und Ohren, daß sie nicht hören, bis auf
den heutigen Tag.»
Und David spricht (Psalm 69,23.24):
«Laß ihren Tisch zu einem Fallstrick werden und zu
einer Schlinge und zum Ärgernis, ihnen zur Vergeltung.
Verblende ihre Augen, daß sie nicht sehen, und beuge
ihren Rücken allezeit.»
Israel und die Berufung der Heiden
So sage ich nun: Sind sie
darum gestrauchelt, daß sie fallen sollten? Das sei ferne!
Sondern durch ihren Fall ist den Heiden das Heil widerfahren, auf
daß Israel ihnen nacheifern sollte.
Wenn aber schon ihr Fall der
Welt Reichtum ist und ihr Schade ist der Heiden Reichtum
geworden, wieviel mehr wird es Reichtum sein, wenn Israel in
seiner ganzen Fülle gewonnen wird!
Euch Heiden aber sage ich:
Weil ich der Heiden Apostel bin, will ich mein Amt preisen,
ob ich wohl könnte die,
welche meine Stammverwandten sind, zum Nacheifern reizen und
ihrer etliche retten.
Denn wenn ihre Verwerfung der
Welt Versöhnung ist, was wird ihre Annahme anderes sein als
Leben aus den Toten!
Ist das Erste vom Teig heilig,
so ist auch der ganze Teig heilig; und wenn die Wurzel heilig
ist, so sind auch die Zweige heilig.
Warnung an die Heiden vor Überhebung
Wenn aber nun etliche von den
Zweigen ausgebrochen sind und du, der du ein wilder Ölbaum
warst, bist unter sie gepfropft und teilhaftig geworden der
Wurzel und des Saftes im Ölbaum,
so rühme dich nicht wider
die Zweige. Rühmst du dich aber wider sie, so sollst du
wissen, daß nicht du die Wurzel trägst, sondern die
Wurzel trägt dich.
Nun sprichst du: Die Zweige
sind ausgebrochen, auf daß ich hineingepfropft würde.
Ist wohl geredet! Sie sind
ausgebrochen um ihres Unglaubens willen; du aber stehst durch den
Glauben. Sei nicht stolz, sondern fürchte dich!
Hat Gott die natürlichen
Zweige nicht verschont, wird er dich auch nicht verschonen.
Darum schaue die Güte und
den Ernst Gottes: den Ernst an denen, die gefallen sind, die Güte
Gottes aber an dir, sofern du bei seiner Güte bleibst; sonst
wirst du auch abgehauen werden.
Und wiederum jene, sofern sie
nicht bleiben in dem Unglauben, werden eingepfropft werden; Gott
kann sie wieder einpfropfen.
Denn wenn du aus dem Ölbaum,
der von Natur wild war, bist abgehauen und wider die Natur in den
guten Ölbaum gepfropft, wieviel mehr werden die natürlichen
Zweige wieder eingepfropft werden in ihren eigenen Ölbaum!
Israels endliche Errettung
Ich will euch, liebe Brüder,
nicht verhehlen dieses Geheimnis, auf daß ihr euch nicht
auf eigene Klugheit verlaßt: Blindheit ist Israel zum Teil
widerfahren solange, bis die Fülle der Heiden eingegangen
ist,
und alsdann wird das ganze
Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja
59,20; Jeremia 31,33): «Es
wird kommen aus Zion der Erlöser, der da abwende das
gottlose Wesen von Jakob.
Und dies ist mein Bund mit
ihnen, wenn ich ihre Sünden werde wegnehmen.»
Nach dem Evangelium sind sie
zwar Feinde um euretwillen; aber nach Gottes gnädiger Wahl
sind sie Geliebte um der Väter willen.
Denn Gottes Gaben und Berufung
können ihn nicht gereuen.
Gleicherweise wie ihr zuvor
nicht habt an Gott geglaubt, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt
durch ihren Unglauben,
so haben auch jene jetzt nicht
wollen glauben an die Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist,
damit auch sie Barmherzigkeit erlangen.
Denn Gott hat alle beschlossen
unter den Unglauben, auf daß er sich aller erbarme.
Lobpreis der Wunderwege Gottes
O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit
und der Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine
Gerichte und unerforschlich seine Wege!
Denn «wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer
ist sein Ratgeber gewesen?» (Jesaja
40,13)
Oder «wer hat ihm etwas zuvor gegeben, daß
ihm werde wiedervergolten?» (Hiob
41,3)
Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge.
Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
Des Christen Leben ein Gottesdienst
Kapitel 12
Ich ermahne euch nun, liebe
Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure
Leiber gebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott
wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger
Gottesdienst.
Und stellet euch nicht dieser
Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures
Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, was Gottes
Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und
Vollkommene.
Die Gnadengaben im Dienst der Gemeinde
Denn ich sage durch die Gnade,
die mir gegeben ist, jedermann unter euch, daß niemand
höher von sich halte, als sich's gebührt zu halten,
sondern daß er von sich mäßig halte, ein
jeglicher, wie Gott ausgeteilt hat das Maß des Glaubens.
Denn gleicherweise wie wir an
einem Leibe viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder
einerlei Geschäft haben,
so sind wir viele ein
Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied,
und haben mancherlei Gaben
nach der Gnade, die uns gegeben ist.
Hat jemand Weissagung, so sei
sie dem Glauben gemäß. Hat jemand ein Amt, so warte er
des Amtes. Lehrt jemand, so warte er der Lehre.
Ermahnt jemand, so warte er
des Ermahnens. Gibt jemand, so gebe er mit lauterem Sinn. Regiert
jemand, so sei er sorgfältig. Übt jemand
Barmherzigkeit, so tue er's mit Lust.
Mahnung zu brüderlicher Gemeinschaft
Die Liebe sei ohne Falsch.
Hasset das Arge, hanget dem Guten an.
Die brüderliche Liebe
untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit
Ehrerbietung zuvor.
Seid nicht träge in dem,
was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dienet dem Herrn.*
*Luther
übersetzte nach anderer Überlieferung: «Schicket
euch in die Zeit.»
Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal,
haltet an am Gebet.
Nehmet euch der Nöte der
Heiligen an. Herberget gerne.
Segnet, die euch verfolgen;
segnet, und fluchet nicht.
Freuet euch mit den Fröhlichen und weinet mit den
Weinenden.
Habt einerlei Sinn
untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet
euch herunter zu den geringen. Haltet euch nicht selbst für
klug.
Vergeltet niemand Böses
mit Bösem. Befleißiget euch der Ehrbarkeit gegen
jedermann.
Ist es möglich, soviel an
euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden.
Rächet euch selber nicht,
meine Lieben, sondern gebet Raum dem Zorn Gottes; denn es steht
geschrieben (5. Mose 32,35):
«Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.»
Vielmehr, «wenn deinen
Feind hungert, so speise ihn; dürstet ihn, so tränke
ihn. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt
sammeln» (Sprüche 25,21.22).
Laß dich nicht vom Bösen
überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Der Christ und die Obrigkeit
Kapitel 13
Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über
ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber
Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet.
Wer sich nun der Obrigkeit
widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung; die aber
widerstreben, werden über sich ein Urteil empfangen.
Denn die Gewalt haben, sind
nicht bei den guten Werken, sondern bei den bösen zu
fürchten. Willst du dich aber nicht fürchten vor der
Obrigkeit, so tue Gutes; so wirst du Lob von ihr haben.
Denn sie ist Gottes Dienerin
dir zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn
sie trägt das Schwert nicht umsonst: sie ist Gottes
Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses
tut.
Darum ist's not, untertan zu
sein, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des
Gewissens willen.
Derhalben gebet ihr ja auch
Steuer; denn sie sind Gottes Diener, auf solchen Dienst beständig
bedacht.
So gebet nun jedermann, was
ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer gebührt; Zoll, dem
der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre,
dem die Ehre gebührt.
Die Liebe des Gesetzes Erfüllung
Seid niemand etwas schuldig,
außer daß ihr euch untereinander liebet; denn wer den
andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt.
Denn was da gesagt ist (2.
Mose 20,13-17): «Du
sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst
nicht stehlen; dich soll nichts gelüsten», und was
noch mehr geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefaßt
(3. Mose 19,18):
«Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.»
Die Liebe tut dem Nächsten
nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes
Erfüllung.
Der kommende Tag
Und das tut, weil ihr die Zeit
wisset, nämlich daß die Stunde da ist, aufzustehen vom
Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher, als da wir gläubig
wurden.
Die Nacht ist vorgerückt,
der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasset uns ablegen die Werke
der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes.
Lasset uns ehrbar wandeln als
am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Wollust und
Unzucht, nicht in Hader und Neid;
sondern ziehet an den Herrn
Jesus Christus und wartet des Leibes nicht so, daß ihr
seinen Begierden verfallet.
Von den Schwachen und Starken im Glauben
Kapitel 14
Des Schwachen im Glauben nehmt
euch an und verwirret die Gewissen nicht.
Einer glaubt, er dürfe
alles essen; wer aber schwach ist, der isset kein Fleisch.
Wer isset, der verachte den
nicht, der da nicht isset; und wer nicht isset, der richte den
nicht, der da isset; denn Gott hat ihn angenommen.
Wer bist du, daß du
einen fremden Knecht richtest? Er steht oder fällt seinem
Herrn. Er wird aber stehen bleiben; denn der Herr kann ihn wohl
aufrecht halten.
Einer hält einen
Tag höher als den andern; der andere aber hält alle
Tage gleich. Ein jeglicher sei in seiner Meinung gewiß.
Wer auf die Tage hält,
der tut's dem Herrn; und wer isset, der isset dem Herrn, denn er
dankt Gott dabei; und wer nicht isset, der isset dem Herrn nicht
und dankt Gott auch.
Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt
sich selber.
Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so
sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir
des Herrn.
Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig
geworden, daß er über Tote und Lebendige Herr sei.
Du aber, was richtest
du deinen Bruder? Oder, du anderer, was verachtest du deinen
Bruder? Wir werden alle vor dem Richterstuhl Gottes dargestellt
werden.
Denn es steht geschrieben
(Jesaja 45,23):
«So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir sollen sich alle
Knie beugen, und alle Zungen sollen Gott bekennen.»
So wird nun ein jeglicher für
sich selbst Gott Rechenschaft geben.
Darum lasset uns nicht mehr
einer den andern richten; sondern richtet vielmehr darauf euern
Sinn, daß niemand seinem Bruder einen Anstoß oder
Ärgernis bereite.
Ich weiß und
bin's gewiß in dem Herrn Jesus, daß nichts unrein ist
an sich selbst; nur dem, der es für unrein hält, dem
ist's unrein.
Wenn aber dein Bruder um
deiner Speise willen betrübt wird, so wandelst du schon
nicht nach der Liebe. Bringe den nicht durch deine Speise ins
Verderben, um welches willen Christus gestorben ist.
Darum schaffet, daß
nicht verlästert werde, was ihr Gutes habt.
Denn das Reich Gottes ist
nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und
Freude in dem heiligen Geist.
Wer darin Christus dient, der
ist Gott gefällig und den Menschen wert.
Darum lasset uns dem
nachstreben, was zum Frieden dient und zur Auferbauung
untereinander.
Zerstöre nicht um der
Speise willen Gottes Werk. Es ist zwar alles rein; aber es ist
nicht gut für den, der es isset mit schlechtem Gewissen.
Es ist besser, du issest kein
Fleisch und trinkest keinen Wein und tust nichts, daran sich dein
Bruder stößt.
Den Glauben, den du hast,
behalte bei dir selbst vor Gott. Selig ist, der sich selbst kein
Gewissen macht bei dem, was er für recht hält.
Wer aber dabei zweifelt und isset doch, der ist gerichtet,
denn es geht nicht aus dem Glauben. Was aber nicht aus dem
Glauben geht, das ist Sünde.
Kapitel 15
Wir aber, die wir stark sind, sollen der Schwachen
Unvermögen tragen und nicht uns selber zu Gefallen leben.
Es lebe ein jeglicher unter uns so, daß er seinem
Nächsten gefalle zum Guten, zur Auferbauung.
Denn auch Christus hat nicht sich selber zu Gefallen
gelebt, sondern wie geschrieben steht (Psalm
69,10): «Die
Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich
gefallen.»
Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre
geschrieben, auf daß wir durch Geduld und den Trost der
Schrift die Hoffnung festhalten.
Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, daß
ihr einträchtig gesinnt seid untereinander nach Jesus
Christus,
auf daß ihr einmütig mit einem Munde
lobet Gott, den Vater unsers Herrn Jesus Christus.
Darum nehmet einander an, gleichwie uns Christus hat
angenommen zu Gottes Lob.
Denn ich sage: Christus ist ein Diener geworden der
Juden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, zu bestätigen die
Verheißungen, die den Vätern gegeben sind;
die Heiden aber sollen Gott loben um der Barmherzigkeit
willen, wie geschrieben steht (Psalm
18,50): «Darum will ich
dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen.»
Und abermals heißt es (5. Mose
32,43): «Freuet euch,
ihr Heiden, mit seinem Volk!»
Und abermals (Psalm 117,1):
«Lobet den Herrn, alle Heiden, und preiset ihn, alle
Völker!»
Und abermals spricht Jesaja (Jesaja
11,10): «Es wird kommen
die Wurzel Jesse und der aufstehen wird, zu herrschen über
die Heiden; auf den werden die Heiden hoffen.»
Der Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller
Freude und Frieden im Glauben, daß ihr völlige
Hoffnung habet durch die Kraft des heiligen Geistes.
Des Apostels Vollmacht
Ich weiß
aber selbst gar wohl von euch, liebe Brüder, daß ihr
selber voll guten Sinnes seid, erfüllt mit aller Erkenntnis,
daß ihr euch untereinander könnet ermahnen.
Ich habe es aber dennoch gewagt und euch manches
geschrieben, euch zu erinnern kraft der Gnade, die mir von Gott
gegeben ist,
daß ich soll sein ein Diener Christi Jesu unter den
Heiden, priesterlich zu warten des Evangeliums Gottes, auf daß
die Heiden ein Opfer werden, Gott angenehm, geheiligt durch den
heiligen Geist.
Nun kann ich mich rühmen in Christus Jesus vor Gott.
Denn ich wollte nicht wagen, von etwas zu reden, das
Christus nicht durch mich gewirkt hat, um die Heiden zum Gehorsam
zu bringen durch Wort und Werk,
durch Kraft der Zeichen und Wunder und durch Kraft des
Geistes, so daß ich von Jerusalem an und umher bis Illyrien
das Evangelium Christi voll ausgerichtet habe.
Dabei aber habe ich sonderlich meine Ehre darein gesetzt,
das Evangelium zu predigen, wo Christi Name nicht bekannt war,
auf daß ich nicht auf einen fremden Grund baute,
sondern ich habe getan, wie geschrieben steht (Jesaja
52,15): «Welchen
nicht ist von ihm verkündigt, die sollen's sehen, und welche
nicht gehört haben, sollen's verstehen.»
Reisepläne
Das ist auch die Ursache,
warum ich so vielmal bin verhindert worden, zu euch zu kommen.
Nun ich aber nicht mehr Raum
habe in diesen Ländern, habe aber Verlangen, zu euch zu
kommen, von vielen Jahren her,
so will ich zu euch kommen,
wenn ich reisen werde nach Spanien. Denn ich hoffe, daß ich
bei euch durchreisen und euch sehen werde und von euch dorthin
geleitet werden möge, doch so, daß ich zuvor mich ein
wenig an euch erquicke.
Jetzt aber fahre ich hin nach
Jerusalem den Heiligen zu Dienst.
Denn die aus Mazedonien und
Achaja haben willig eine gemeinsame Gabe zusammengelegt für
die Armen unter den Heiligen zu Jerusalem.
Sie haben's willig getan und
sind auch ihre Schuldner. Denn so die Heiden sind ihrer
geistlichen Güter teilhaftig geworden, ist's billig, daß
sie ihnen auch in leiblichen Gütern Dienst erweisen.
Wenn ich nun solches
ausgerichtet und ihnen diesen Ertrag treulich überantwortet
habe, will ich von euch aus nach Spanien ziehen.
Ich weiß aber, wenn ich
zu euch komme, daß ich mit dem vollen Segen Christi kommen
werde.
Ich ermahne euch aber,
liebe Brüder, durch unsern Herrn Jesus Christus und durch
die Liebe des Geistes, daß ihr mir helfet kämpfen mit
Beten für mich zu Gott,
damit ich errettet werde von
den Ungläubigen in Judäa und mein Dienst, den ich für
Jerusalem tue, angenehm werde den Heiligen,
auf daß ich mit Freuden
zu euch komme durch den Willen Gottes und mich mit euch erquicke.
Der Gott aber des Friedens sei
mit euch allen! Amen.
Empfehlung der Phöbe. Grüße
Kapitel 16
Ich befehle euch
unsere Schwester Phöbe, welche ist im Dienste der Gemeinde
zu Kenchreä,
daß ihr sie aufnehmet in dem Herrn, wie sich's ziemt
den Heiligen, und tut ihr Beistand in allem Geschäfte, darin
sie euer bedarf; denn auch sie hat Beistand vielen getan, auch
mir selbst.
Grüßet die Priska und den Aquila, meine
Gehilfen in Christus Jesus,
welche für mein Leben ihren Hals hingehalten haben,
welchen nicht allein ich danke, sondern alle Gemeinden unter den
Heiden.
Grüßet auch die Gemeinde in ihrem Hause. Grüßet
Epänetus, meinen Lieben, welcher ist der Erstling für
Christus unter denen aus der Landschaft Asien.
Grüßet Maria, welche viel Mühe und Arbeit
um euch gehabt hat.
Grüßet den Andronikus und den Junias, meine
Stammverwandten und Mitgefangenen, welche berühmte Apostel
sind und vor mir in Christus gewesen.
Grüßet Ampliatus, meinen Lieben in dem Herrn.
Grüßet Urban, unsern Gehilfen in Christus, und
Stachys, meinen Lieben.
Grüßet Apelles, den Bewährten in Christus.
Grüßet, die da sind von des Aristobulus Hausgenossen.
Grüßet Herodion, meinen Stammverwandten.
Grüßet, die da sind von des Narzissus Hausgenossen in
dem Herrn.
Grüßet die Tryphäna und die Tryphosa,
welche in dem Herrn arbeiten. Grüßet die Persis, meine
Liebe, welche in dem Herrn viel gearbeitet hat.
Grüßet Rufus, den Auserwählten in dem
Herrn, und seine Mutter, die auch mir eine Mutter war.
Grüßet Asynkritus, Phlegon, Hermes, Patrobas,
Hermas und die Brüder bei ihnen.
Grüßet Philologus und die Julia, Nereus und
seine Schwester und Olympas und alle Heiligen bei ihnen.
Grüßet euch untereinander mit dem heiligen Kuß.
Es grüßen euch alle Gemeinden Christi.
Warnung vor Irrlehrern
Ich ermahne aber euch, liebe
Brüder, daß ihr achtet auf die, die da Zertrennung und
Ärgernis anrichten entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt,
und weichet von ihnen.
Denn solche dienen nicht
unserm Herrn Christus, sondern ihrem Bauche; und durch süße
Worte und prächtige Reden verführen sie die Herzen der
Arglosen.
Denn euer Gehorsam ist bei
jedermann kundgeworden. Derhalben freue ich mich über euch;
ich will aber, daß ihr weise seid zum Guten und unvermengt
mit dem Bösen.
Der Gott des Friedens aber
wird den Satan unter eure Füße treten in kurzem. Die
Gnade unsers Herrn Jesus Christus sei mit euch!
Grüße der Mitarbeiter
Es grüßen euch
Timotheus, mein Gehilfe, und Lucius und Jason und Sosipater,
meine Stammverwandten.
Ich, Tertius, der ich diesen
Brief geschrieben habe, grüße euch in dem Herrn.
Es grüßt euch
Gajus, mein und der ganzen Gemeinde Gastgeber. Es grüßen
euch Erastus, der Stadt Rentmeister, und Quartus, der Bruder.
Die Gnade unsers Herrn Jesus
Christus sei mit euch allen! Amen.
Lobpreis Gottes
Dem aber, der euch stärken
kann laut meines Evangeliums und der Predigt von Jesus Christus,
durch welche das Geheimnis offenbart ist, das von Anbeginn
verschwiegen war,
nun aber offenbart ist, auch
kundgemacht durch der Propheten Schriften nach Befehl des ewigen
Gottes, den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen
Heiden:
dem Gott, der allein weise
ist, sei Ehre durch Jesus Christus von Ewigkeit zu Ewigkeit!
Amen.
An die Römer gesandt von
Korinth durch Phöbe, die im Dienst war der Gemeinde zu
Kenchreä.
DER
ERSTE BRIEF DES PAULUS AN DIE KORINTHER
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