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DIE APOSTELGESCHICHTE DES LUKAS

Kapitel 15 - 28







Apostelversammlung in Jerusalem

Kapitel 15

  1. Und etliche kamen herab von Judäa und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht beschneiden lasset nach der Weise des Mose, so könnt ihr nicht selig werden.

  2. Da sich nun ein Zwiespalt erhob und Paulus und Barnabas einen nicht geringen Streit mit ihnen hatten, ordneten sie an, daß Paulus und Barnabas und etliche andre von ihnen hinaufzögen nach Jerusalem zu den Aposteln und Ältesten um dieser Frage willen.

  3. Und sie wurden von der Gemeinde geleitet und zogen durch Phönizien und Samarien und erzählten von der Bekehrung der Heiden und machten große Freude allen Brüdern.

  4. Als sie aber hinkamen nach Jerusalem, wurden sie empfangen von der Gemeinde und von den Aposteln und von den Ältesten. Und sie verkündigten, wieviel Gott, der mit ihnen war, getan hatte.

  5. Da traten auf etliche von der Pharisäer Sekte, die gläubig geworden waren, und sprachen: Man muß sie beschneiden und ihnen gebieten, zu halten das Gesetz des Mose.

  6. Aber die Apostel und die Ältesten kamen zusammen, über diese Sache sich zu beraten.

Die Verhandlungen

  1. Da man sich aber lange gestritten hatte, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: Ihr Männer, liebe Brüder, ihr wisset, daß Gott mich lange vor dieser Zeit unter euch erwählt hat, daß durch meinen Mund die Heiden das Wort des Evangeliums hörten und glaubten.

  2. Und Gott, der die Herzen kennt, gab Zeugnis für sie, denn er gab ihnen den heiligen Geist gleichwie auch uns

  3. und machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen, nachdem er ihre Herzen gereinigt hatte durch den Glauben.

  4. Was versucht ihr denn nun Gott dadurch, daß ihr ein Joch auf der Jünger Hälse legt, welches weder unsre Väter noch wir haben tragen können?

  5. Vielmehr glauben wir, durch die Gnade des Herrn Jesus selig zu werden, gleicherweise wie auch sie.

  6. Da schwieg die ganze Menge stille und hörte Paulus und Barnabas zu, die da erzählten, wie große Zeichen und Wunder Gott durch sie getan hatte unter den Heiden.

  7. Danach, als sie schwiegen, antwortete Jakobus und sprach: Ihr Männer, liebe Brüder, höret mir zu!

  8. Simon hat erzählt, wie Gott zum ersten Mal die Heiden heimgesucht hat und angenommen aus ihnen ein Volk für seinen Namen.

  9. Und dazu stimmen der Propheten Reden, wie geschrieben steht (Amos 9,11.12):

  10. «Danach will ich mich wieder zu ihnen wenden und will wieder bauen die Hütte Davids, die zerfallen ist, und ihre Trümmer will ich wieder bauen und will sie aufrichten,

  11. auf daß, was übrig ist von Menschen, nach dem Herrn frage, dazu alle Heiden, über welche mein Name genannt ist, spricht der Herr,

  12. der solches kundtut von alters her.»

  13. Darum urteile ich, daß man denen, die aus den Heiden zu Gott sich bekehren, nicht Unruhe mache,

  14. sondern schreibe ihnen, daß sie sich enthalten sollen von Befleckung durch Götzen und von Unzucht und vom Erstickten und vom Blut.

  15. Denn Mose hat von langen Zeiten her in allen Städten solche, die ihn predigen, und wird alle Sabbattage in den Synagogen gelesen.

Beschluß der Apostel und Ältesten

  1. Und es beschlossen die Apostel und Ältesten samt der ganzen Gemeinde, aus ihrer Mitte Männer zu erwählen und nach Antiochien zu senden mit Paulus und Barnabas, nämlich Judas, mit dem Zunamen Barsabas, und Silas, angesehene Männer unter den Brüdern.

  2. Und sie gaben ein Schreiben in ihre Hand, also lautend:

    Wir, die Apostel und Ältesten, eure Brüder, wünschen Heil den Brüdern aus den Heiden, die zu Antiochien und Syrien und Cilicien sind.

  3. Weil wir gehört haben, daß etliche von den Unsern, denen wir doch nichts befohlen hatten, euch mit Lehren irre gemacht und eure Seelen verwirrt haben,

  4. so haben wir einmütig versammelt beschlossen, Männer zu erwählen und zu euch zu senden mit unsern geliebten Barnabas und Paulus,

  5. Männern, die ihr Leben eingesetzt haben für den Namen unsers Herrn Jesus Christus.

  6. So haben wir gesandt Judas und Silas, welche euch auch mündlich dasselbe verkündigen werden.

  7. Denn beschlossen haben der heilige Geist und wir, euch keine Last weiter aufzulegen als nur diese nötigen Stücke:

  8. daß ihr euch enthaltet vom Götzenopfer und vom Blut und vom Erstickten und von Unzucht; wenn ihr euch vor diesen bewahret, tut ihr recht. Gehabt euch wohl!

Benachrichtigung der Gemeinde in Antiochien

  1. So ließ man sie ziehen, und sie kamen nach Antiochien und versammelten die Menge und übergaben den Brief.

  2. Da sie den lasen, wurden sie des Zuspruchs froh.

  3. Judas aber und Silas, die auch Propheten waren, ermahnten die Brüder mit vielen Reden und stärkten sie.

  4. Und da sie verweilt hatten eine Zeitlang, ließen die Brüder sie mit Frieden ziehen zu denen, die sie gesandt hatten.

  5. <Es schien aber Silas gut, dort zu bleiben.>

  6. Paulus aber und Barnabas blieben in Antiochien, lehrten und predigten samt vielen andern des Herrn Wort.

Beginn der zweiten Missionsreise

  1. Nach etlichen Tagen aber sprach Paulus zu Barnabas: Laß uns wiederum ziehen und nach unsern Brüdern sehen in allen Städten, in welchen wir des Herrn Wort verkündigt haben, wie es um sie steht.

  2. Barnabas aber wollte, daß sie mit sich nähmen auch Johannes, mit dem Zunamen Markus.

  3. Paulus aber erachtete es nicht für billig, daß sie jemand mit sich nähmen, der in Pamphylien von ihnen gewichen war und nicht mit ihnen gezogen war zu dem Werk.

  4. Und sie kamen scharf aneinander, so daß sie sich trennten. Barnabas nahm zu sich den Markus und fuhr nach Cypern.

  5. Paulus aber wählte den Silas und zog hin, der Gnade Gottes befohlen von den Brüdern.

  6. Er zog aber durch Syrien und Cilicien und stärkte die Gemeinden.

Besuch der Gemeinden in Kleinasien

Kapitel 16

  1. Er kam aber nach Derbe und Lystra; und siehe, ein Jünger war daselbst mit Namen Timotheus, Sohn einer jüdischen Frau, die gläubig war, aber eines griechischen Vaters.

  2. Der hatte einen guten Ruf bei den Brüdern zu Lystra und zu Ikonion.

  3. Diesen wollte Paulus mit sich ziehen lassen und nahm und beschnitt ihn um der Juden willen, die an jenen Orten waren; denn sie wußten alle, daß sein Vater ein Grieche war.

  4. Als sie aber durch die Städte zogen, übergaben sie ihnen die Satzung, welche von den Aposteln und den Ältesten zu Jerusalem beschlossen war, daß sie sie halten sollten.

  5. Da wurden die Gemeinden im Glauben befestigt und nahmen täglich zu an Zahl.

  6. Sie zogen aber durch Phrygien und das Land Galatien, da ihnen vom heiligen Geist gewehrt ward, zu reden das Wort in der Landschaft Asien.

  7. Als sie aber kamen bis nach Mysien, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen; und der Geist Jesu ließ es ihnen nicht zu.

  8. Da zogen sie an Mysien vorüber und kamen hinab nach Troas.

In Troas. Der Ruf nach Mazedonien

  1. Und dem Paulus erschien ein Gesicht bei der Nacht; das war ein Mann aus Mazedonien, der stand da und bat ihn und sprach: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!

  2. Als er aber das Gesicht gesehen hatte, da trachteten wir alsbald, zu reisen nach Mazedonien, gewiß, daß uns Gott dahin berufen hätte, ihnen das Evangelium zu predigen.

In Philippi

  1. Da fuhren wir aus von Troas; und geradeswegs kamen wir nach Samothrake, des andern Tages nach Neapolis

  2. und von da nach Philippi, welches ist die Hauptstadt dieses Teils von Mazedonien und eine römische Kolonie. Wir blieben aber in dieser Stadt etliche Tage.

  3. Am Tage des Sabbats gingen wir hinaus vor die Stadt an das Wasser, wo wir dachten, daß man pflegte zu beten, und setzten uns und redeten zu den Frauen, die da zusammenkamen.

Bekehrung der Lydia

  1. Und eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurkrämerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; dieser tat der Herr das Herz auf, daß sie darauf achthatte, was von Paulus geredet ward.

  2. Als sie aber mit ihrem Hause getauft ward, bat sie uns und sprach: Wenn ihr mich achtet, daß ich gläubig bin an den Herrn, so kommt in mein Haus und bleibet allda. Und sie nötigte uns.

Die Magd mit dem Wahrsagegeist

  1. Es geschah aber, da wir zu dem Gebet gingen, daß eine Magd uns begegnete, die hatte einen Wahrsagegeist und trug ihren Herren viel Gewinn ein mit ihrem Wahrsagen.

  2. Die folgte allenthalben Paulus und uns nach, schrie und sprach: Diese Menschen sind Knechte des allerhöchsten Gottes, die euch den Weg des Heils verkündigen.

    Markus 1,24.34.

  3. Solches tat sie manchen Tag. Paulus aber tat das wehe, und er wandte sich um und sprach zu dem Geist: Ich gebiete dir in dem Namen Jesu Christi, daß du von ihr ausfahrest. Und er fuhr aus zu derselben Stunde.

  4. Da aber ihre Herren sahen, daß die Hoffnung ihres Gewinnes ausgefahren war, griffen sie Paulus und Silas, zogen sie auf den Markt vor die Obersten

  5. und führten sie vor die Stadtrichter und sprachen: Diese Menschen bringen unsre Stadt in Aufruhr; sie sind Juden

  6. und verkündigen eine Weise, welche uns nicht ziemt anzunehmen noch zu tun, weil wir Römer sind.

  7. Und das Volk ward erregt wider sie; und die Stadtrichter ließen ihnen die Kleider abreißen und hießen sie mit Ruten schlagen.

Der Kerkermeister

  1. Und da man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und gebot dem Kerkermeister, daß er sie wohl verwahrte.

  2. Der, da er solches Gebot empfangen hatte, warf sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Stock.

  3. Um die Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie die Gefangenen.

  4. Plötzlich aber ward ein großes Erdbeben, so daß sich bewegten die Grundfesten des Gefängnisses. Und alsbald wurden alle Türen aufgetan und die Fesseln aller gelöst.

  5. Als aber der Kerkermeister aus dem Schlafe fuhr und sah die Türen des Gefängnisses aufgetan, zog er das Schwert und wollte sich selbst töten; denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen.

  6. Paulus aber rief laut und sprach: Tu dir nichts Übles; denn wir sind alle hier!

  7. Er forderte aber ein Licht und sprang hinein und fing an zu zittern und fiel Paulus und Silas zu Füßen

  8. und führte sie heraus und sprach: Liebe Herren, was soll ich tun, daß ich gerettet werde?

  9. Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!

  10. Und sie sagten ihm das Wort Gottes und allen, die in seinem Hause waren.

  11. Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen ab. Und er ließ sich taufen und alle die Seinen alsbald

  12. und führte sie in sein Haus und deckte ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, daß er an Gott gläubig geworden war.

  13. Und da es Tag ward, sandten die Stadtrichter die Amtsdiener und sprachen: Laß die Menschen gehen!

  14. Und der Kerkermeister verkündete diese Rede dem Paulus: Die Stadtrichter haben hergesandt, daß ihr frei sein sollt. Nun ziehet aus und gehet hin mit Frieden!

  15. Paulus aber sprach zu ihnen: Sie haben uns ohne Recht und Urteil öffentlich geschlagen, die wir doch römische Bürger sind, und in das Gefängnis geworfen, und sollten uns nun heimlich fortschicken? Nicht also; sondern lasset sie selbst kommen und uns hinausführen!

  16. Die Amtsdiener verkündeten diese Worte den Stadtrichtern. Und sie fürchteten sich, da sie hörten, daß sie römische Bürger wären,

  17. und kamen und redeten ihnen zu, führten sie heraus und baten sie, daß sie auszögen aus der Stadt.

  18. Da gingen sie aus dem Gefängnis und gingen zu der Lydia. Und da sie die Brüder gesehen und ihnen zugesprochen hatten, zogen sie fort.

In Thessalonich

Kapitel 17

  1. Nachdem sie aber durch Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie nach Thessalonich; da war eine Synagoge der Juden.

  2. Wie nun Paulus gewohnt war, ging er zu ihnen hinein und redete zu ihnen an drei Sabbaten aus der Schrift,

  3. tat sie ihnen auf und legte ihnen dar, daß Christus mußte leiden und auferstehen von den Toten und daß dieser Jesus, den ich – sprach er – euch verkündige, der Christus ist.

  4. Und etliche unter ihnen fielen ihm zu und gesellten sich zu Paulus und Silas, auch der gottesfürchtigen Griechen eine große Menge, dazu der angesehensten Frauen nicht wenige.

  5. Aber die Juden wurden voll Neid und nahmen zu sich etliche üble Männer aus dem Pöbel, rotteten sich zusammen und richteten einen Aufruhr in der Stadt an und zogen vor das Haus Jasons und suchten sie, um sie vor das Volk zu führen.

  6. Sie fanden sie aber nicht. Da schleiften sie den Jason und etliche Brüder vor die Obersten der Stadt und schrien: Diese, die den ganzen Weltkreis erregen, sind auch hierher gekommen;

  7. die beherbergt Jason. Und diese alle handeln wider des Kaisers Gebote, sagen, ein anderer sei König, nämlich Jesus.

  8. Sie erregten aber das Volk und die Obersten der Stadt, die solches hörten.

  9. Und erst nachdem ihnen Bürgschaft von Jason und den andern geleistet war, ließen sie sie los.

In Beröa

  1. Die Brüder aber ließen alsbald bei der Nacht Paulus und Silas nach Beröa ziehen. Da sie dahin kamen, gingen sie in die Synagoge der Juden.

  2. Diese aber waren besser als die zu Thessalonich; die nahmen das Wort auf ganz willig und forschten täglich in der Schrift, ob sich's so verhielte.

  3. So glaubten nun viele von ihnen, auch nicht wenige von den angesehenen Frauen und Männern unter den Griechen.

  4. Als aber die Juden von Thessalonich erfuhren, daß auch zu Beröa das Wort Gottes von Paulus verkündigt würde, kamen sie und erregten und verwirrten auch allda das Volk.

  5. Da ließen die Brüder Paulus alsbald ziehen, daß er ginge bis an das Meer; Silas aber und Timotheus blieben da.

  6. Die aber Paulus geleiteten, führten ihn bis nach Athen. Und nachdem sie Befehl empfangen hatten an Silas und Timotheus, daß sie aufs schnellste zu ihm kämen, kehrten sie zurück.

In Athen

  1. Als aber Paulus auf sie zu Athen wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, da er sah die Stadt voller Götzenbilder.

  2. Und er redete zu den Juden und Gottesfürchtigen in der Synagoge, auch auf dem Markte alle Tage zu denen, die sich herzufanden.

  3. Etliche Philosophen aber, Epikureer und Stoiker, stritten mit ihm. Und etliche sprachen: Was will dieser Schwätzer sagen? Etliche aber: Es sieht aus, als wolle er fremde Götter verkündigen. Er hatte ihnen nämlich das Evangelium von Jesus und von der Auferstehung verkündigt.

  4. Sie nahmen ihn aber und führten ihn auf den Areopag und sprachen: Können wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du lehrest?

  5. Denn du bringst etwas Neues vor unsere Ohren; so wollen wir gerne wissen, was das sei.

  6. Die Athener aber alle, auch die Fremdlinge, die bei ihnen wohnten, waren gerichtet auf nichts andres, als etwas Neues zu sagen oder zu hören.

  7. Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, daß ihr in allen Stücken gar sehr die Götter fürchtet.

  8. Ich bin umhergegangen und habe gesehen eure Heiligtümer und fand einen Altar, darauf war geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.

  9. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der ein Herr ist Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln mit Händen gemacht;

  10. auch läßt er sich nicht von Menschenhänden dienen, als bedürfe er jemandes, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.

  11. Und er hat gemacht, daß von Einem aller Menschen Geschlechter stammen, die auf dem ganzen Erdboden wohnen, und hat bestimmt, wie lange und wie weit sie wohnen sollen,

  12. damit sie Gott suchen sollten, ob sie wohl ihn fühlen und finden möchten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns.

  13. Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch etliche Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.

  14. So wir denn göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht.

  15. Die Zeit der Unwissenheit zwar hat Gott übersehen; nun aber gebietet er den Menschen, daß alle an allen Enden Buße tun.

  16. Denn er hat einen Tag gesetzt, an welchem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn auferweckt hat von den Toten.

  17. Da sie hörten von der Auferstehung der Toten, da hatten's etliche ihren Spott; etliche aber sprachen: Wir wollen dich davon ein andermal hören.

  18. So ging Paulus von ihnen.

  19. Etliche Männer aber hingen ihm an und wurden gläubig, unter welchen auch war Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

In Korinth

Kapitel 18

  1. Danach schied Paulus von Athen und kam nach Korinth

  2. und fand einen Juden mit Namen Aquila, von Geburt aus Pontus, welcher samt seiner Frau Priscilla kürzlich aus Italien gekommen war, darum daß der Kaiser Klaudius allen Juden geboten hatte, Rom zu verlassen.

  3. Zu denen ging Paulus; und weil er gleichen Handwerks war, blieb er bei ihnen und arbeitete mit ihnen. Sie waren aber ihres Handwerks Zeltmacher.

  4. Und er lehrte in der Synagoge an allen Sabbaten und überzeugte Juden und Griechen.

  5. Da aber Silas und Timotheus aus Mazedonien kamen, richtete sich Paulus ganz auf die Verkündigung des Wortes und bezeugte den Juden, daß Jesus der Christus sei.

  6. Da sie aber widerstrebten und lästerten, schüttelte er die Kleider aus und sprach zu ihnen: Euer Blut komme über euer Haupt; rein gehe ich von nun an zu den Heiden!

  7. Und machte sich von dannen und kam in das Haus eines Mannes mit Namen Titius Justus, der gottesfürchtig war; dessen Haus war neben der Synagoge.

  8. Krispus aber, der Vorsteher der Synagoge, kam zum Glauben an den Herrn mit seinem ganzen Hause; und viele Korinther, die zuhörten, wurden gläubig und ließen sich taufen.

  9. Es sprach aber der Herr durch ein Gesicht in der Nacht zu Paulus: Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht!

  10. denn ich bin mit dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden; denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt.

  11. Und er blieb daselbst ein Jahr und sechs Monate und lehrte unter ihnen das Wort Gottes.

  12. Als aber Gallio Landvogt war in Achaja, empörten sich die Juden einmütig wider Paulus und führten ihn vor den Richterstuhl

  13. und sprachen: Dieser Mensch überredet die Leute, Gott zu dienen dem Gesetze zuwider.

  14. Als aber Paulus wollte den Mund auftun, sprach Gallio zu den Juden: Wenn es ein Frevel oder ein Vergehen wäre, ihr Juden, so hörte ich euch billig;

  15. weil es aber Fragen sind von der Lehre und von Personen und von dem Gesetz unter euch, so sehet ihr selber zu; ich gedenke, darüber nicht Richter zu sein.

  16. Und trieb sie von dem Richterstuhl.

  17. Da ergriffen sie alle Sosthenes, den Vorsteher der Synagoge, und schlugen ihn vor dem Richterstuhl, und Gallio kümmerte sich nicht darum.

Rückkehr nach Antiochien

  1. Paulus aber blieb noch eine Zeitlang daselbst. Danach nahm er Abschied von den Brüdern und wollte nach Syrien fahren und mit ihm Priscilla und Aquila. Und er schor sein Haupt zu Kenchreä, denn er hatte ein Gelübde.

  2. Und sie kamen nach Ephesus, und er ließ sie daselbst; er aber ging in die Synagoge und redete mit den Juden.

  3. Sie baten ihn aber, daß er längere Zeit bei ihnen bliebe. Doch er willigte nicht ein,

  4. sondern nahm Abschied von ihnen und sprach: Will's Gott, so will ich wieder zu euch kommen. Und fuhr weg von Ephesus

  5. und kam nach Cäsarea und ging hinauf nach Jerusalem und grüßte die Gemeinde und zog hinab nach Antiochien.

Beginn der dritten Missionsreise

  1. Und nachdem er etliche Zeit verweilt hatte, brach er wieder auf und durchzog nacheinander das galatische Land und Phrygien und stärkte alle Jünger.

Apollos in Ephesus

  1. Es kam aber nach Ephesus ein Jude mit Namen Apollos, von Geburt aus Alexandrien, ein beredter Mann und mächtig in der Schrift.

  2. Dieser war unterwiesen in der Lehre des Herrn und redete brennend im Geist und lehrte richtig von Jesus, wußte aber nur von der Taufe des Johannes.

  3. Dieser fing an, frei öffentlich zu predigen in der Synagoge. Da ihn aber Aquila und Priscilla hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm die Lehre Gottes noch genauer aus.

  4. Da er aber wollte nach Achaja reisen, bestärkten ihn die Brüder und schrieben an die Jünger, daß sie ihn aufnähmen. Und als er dahin gekommen war, half er viel denen, die gläubig geworden waren durch die Gnade.

  5. Denn er überwand die Juden mit Kraft und erwies öffentlich durch die Schrift, daß Jesus der Christus sei.

Paulus in Ephesus

Kapitel 19

  1. Es geschah aber, als Apollos zu Korinth war, daß Paulus durchwanderte das obere Land und kam nach Ephesus und fand etliche Jünger;

  2. zu denen sprach er: Habt ihr den heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie sprachen zu ihm: Wir haben noch nie gehört, daß ein heiliger Geist ist.

  3. Und er sprach zu ihnen: Worauf seid ihr dann getauft? Sie sprachen: Auf des Johannes Taufe.

  4. Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und sagte dem Volk, daß sie sollten glauben an den, der nach ihm kommen sollte, das ist an Jesus.

  5. Da sie das hörten, ließen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesus.

  6. Und da Paulus die Hände auf sie legte, kam der heilige Geist auf sie, und sie redeten in Zungen und weissagten.

  7. Es waren aber zusammen etwa zwölf Männer.

  8. Er ging aber in die Synagoge und predigte frei öffentlich drei Monate lang, lehrte und überzeugte sie von dem Reich Gottes.

  9. Da aber etliche verstockt waren und nicht glaubten und übel redeten über die Lehre vor der Menge, wich er von ihnen und sonderte die Jünger ab und redete täglich in der Schule des Tyrannus.

  10. Und das geschah zwei Jahre lang, so daß alle, die in der Landschaft Asien wohnten, das Wort des Herrn hörten, beide, Juden und Griechen.

  11. Und Gott wirkte nicht geringe Taten durch die Hand des Paulus,

  12. so daß sie auch von seiner Haut die Schweißtüchlein oder Binden über die Kranken hielten und die Krankheiten von ihnen wichen und die bösen Geister von ihnen ausfuhren.

  13. Es unterstanden sich aber etliche der umherziehenden Juden, die da Beschwörer waren, den Namen des Herrn Jesus zu nennen über denen, die da böse Geister hatten, und sprachen: Ich beschwöre euch bei dem Jesus, den Paulus predigt.

  14. Es waren ihrer aber sieben Söhne eines jüdischen Hohenpriesters Skevas, die solches taten.

  15. Aber der böse Geist antwortete und sprach: Jesus kenne ich wohl, und von Paulus weiß ich wohl; wer seid ihr aber?

  16. Und der Mensch, in dem der böse Geist war, sprang auf sie und ward ihrer aller mächtig und warf sie unter sich, so daß sie nackt und verwundet aus dem Hause entflohen.

  17. Das aber ward kund allen, die zu Ephesus wohnten, sowohl Juden als Griechen; und es fiel eine Furcht über sie alle, und der Name des Herrn Jesus ward hoch gelobt.

  18. Es kamen auch viele derer, die gläubig waren geworden, und bekannten und verkündeten, was sie getrieben hatten.

  19. Viele aber, die da Zauberei getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich und überrechneten, was sie wert waren, und fanden des Geldes fünfzigtausend Silbergroschen.

  20. So wuchs das Wort durch die Kraft des Herrn und ward mächtig.

  21. Da das ausgerichtet war, setzte sich Paulus im Geiste vor, durch Mazedonien und Achaja zu ziehen und nach Jerusalem zu reisen, und sprach: Hernach, wenn ich daselbst gewesen bin, muß ich auch Rom sehen.

  22. Und er sandte zwei, die ihm dienten, Timotheus und Erastus, nach Mazedonien; er aber blieb noch eine Weile in der Landschaft Asien.

Der Aufruhr des Demetrius

  1. Es erhob sich aber um diese Zeit eine nicht geringe Unruhe über die neue Lehre.

  2. Denn einer mit Namen Demetrius, ein Goldschmied, der machte silberne Tempel der Diana und wandte denen vom Handwerk nicht geringen Gewinn zu.

  3. Dieselben und die Beiarbeiter dieses Handwerks versammelte er und sprach: Liebe Männer, ihr wisset, daß wir großen Gewinn von diesem Gewerbe haben;

  4. und ihr sehet und höret, daß nicht allein zu Ephesus, sondern auch fast in der ganzen Landschaft Asien dieser Paulus viel Volks abfällig macht, überredet und spricht: Was von Händen gemacht ist, das sind keine Götter.

  5. Aber es droht nicht nur unser Gewerbe dahin zu geraten, daß es nichts mehr gilt, sondern auch der Tempel der großen Göttin Diana wird für nichts geachtet werden, und sogar ihre göttliche Majestät wird untergehen, welcher doch die ganze Landschaft Asien und der Weltkreis Anbetung erzeigt.

  6. Als sie das hörten, wurden sie voll Zorn, schrien und sprachen: Groß ist die Diana der Epheser!

  7. Und die ganze Stadt ward voll Getümmel; sie stürmten aber einmütig zum Theater und ergriffen Gajus und Aristarchus aus Mazedonien, des Paulus Gefährten.

  8. Da aber Paulus wollte unter das Volk gehen, ließen's ihm die Jünger nicht zu.

  9. Auch etliche der Obersten in der Landschaft Asien, die ihm freundlich gesinnt waren, sandten zu ihm und ermahnten ihn, daß er sich nicht zum Theater begäbe.

  10. Etliche schrien so, etliche anders, und die Versammlung war in Verwirrung, und die meisten wußten nicht, warum sie zusammengekommen waren.

  11. Etliche vom Volk zogen den Alexander nach vorn, den die Juden vorschickten. Alexander aber winkte mit der Hand und wollte vor dem Volke reden.

  12. Da sie aber innewurden, daß er ein Jude war, erhob sich eine Stimme von allen, und schrien bei zwei Stunden: Groß ist die Diana der Epheser!

  13. Da aber der Kanzler das Volk beruhigt hatte, sprach er: Ihr Männer von Ephesus, wo ist ein Mensch, der nicht wisse, daß die Stadt Ephesus sei eine Hüterin der großen Göttin Diana und ihres Bildes, das vom Himmel gefallen ist?

  14. Weil nun das unwidersprechlich ist, so sollt ihr ja stille sein und nichts Unbedachtes tun.

  15. Ihr habt diese Menschen hergeführt, die weder Tempelräuber noch Lästerer unserer Göttin sind.

  16. Hat aber Demetrius und die mit ihm sind vom Handwerk an jemanden einen Anspruch, so gibt es Gerichte und sind Landvögte da; lasset sie sich untereinander verklagen.

  17. Wollt ihr aber noch etwas darüber hinaus, so mag man es ausrichten in einer ordentlichen Volksversammlung.

  18. Denn wir stehen in der Gefahr, daß wir um des heutigen Tages willen des Aufruhrs verklagt werden möchten, und ist doch keine Sache vorhanden, womit wird solchen Aufruhr entschuldigen könnten. Und da er solches gesagt, ließ er die Versammlung gehen.

Paulus in Mazedonien und Griechenland

Kapitel 20

  1. Da nun das Getümmel aufgehört hatte, rief Paulus die Jünger zu sich und ermahnte sie, nahm Abschied und zog aus, zu reisen nach Mazedonien.

  2. Und als er diese Länder durchzogen und sie ermahnt hatte mit vielen Worten, kam er nach Griechenland und verweilte allda drei Monate.

  3. Da ihm aber die Juden nachstellten, als er zu Schiff nach Syrien wollte fahren, beschloß er, zurückzukehren durch Mazedonien.

  4. Es zogen aber mit ihm Sopater aus Beröa, des Pyrrhus Sohn, aus Thessalonich aber Aristarchus und Sekundus, und Gajus aus Derbe und Timotheus, aus der Landschaft Asien aber Tychikus und Trophimus.

  5. Diese gingen voran und harrten unser zu Troas.

In Troas

  1. Wir aber fuhren nach den Tagen der ungesäuerten Brote mit dem Schiff von Philippi ab und kamen am fünften Tag zu ihnen nach Troas und blieben daselbst sieben Tage.

  2. Am ersten Tage der Woche aber, da wir versammelt waren, das Brot zu brechen, predigte ihnen Paulus und wollte des andern Tages weiterreisen und zog die Rede hin bis zur Mitternacht.

  3. Und es waren viele Lampen in dem Obergemach, wo wir versammelt waren.

  4. Es saß aber ein Jüngling mit Namen Eutychus in einem Fenster und sank in einen tiefen Schlaf, weil Paulus so lange redete, und ward vom Schlaf überwältigt und fiel hinunter vom dritten Stockwerk und ward tot aufgehoben.

  5. Paulus aber ging hinab und legte sich auf ihn, umfing ihn und sprach: Machet kein Getümmel; denn seine Seele ist in ihm.

  6. Dann ging er hinauf und brach das Brot und aß und redete viel mit ihnen, bis der Tag anbrach; und so zog er hinweg.

  7. Sie brachten aber den Knaben lebendig und wurden nicht wenig getröstet.

  8. Wir aber zogen voraus zum Schiff und fuhren nach Assos und wollten daselbst Paulus zu uns nehmen; denn er hatte es so befohlen, weil er selbst wollte zu Fuß gehen.

  9. Als er nun uns traf zu Assos, nahmen wir ihn zu uns und kamen nach Mitylene.

  10. Und von da fuhren wir weiter und kamen des andern Tages hin gegen Chios; und des folgenden Tages erreichten wir Samos; und des nächsten Tages kamen wir nach Milet.

  11. Denn Paulus hatte beschlossen, an Ephesus vorüberzufahren, damit er nicht müßte in der Landschaft Asien Zeit zubringen; denn er eilte, auf den Pfingsttag zu Jerusalem zu sein, so es ihm möglich wäre.

In Milet. Abschied von den Ältesten von Ephesus

  1. Aber von Milet sandte er nach Ephesus und ließ rufen die Ältesten von der Gemeinde.

  2. Als aber die zu ihm kamen, sprach er zu ihnen: Ihr wisset, wie ich von dem ersten Tage an, da ich bin in die Landschaft Asien gekommen, allezeit bei euch gewesen bin

  3. und dem Herrn gedient habe mit aller Demut und mit Tränen und Anfechtungen, die mir sind widerfahren von den Juden, die mir nachstellten.

  4. Ich habe euch nichts vorenthalten, was da nützlich ist, daß ich's euch nicht verkündigt hätte und euch gelehrt öffentlich und in den Häusern

  5. und habe bezeugt den Juden und Griechen die Bekehrung zu Gott und den Glauben an unsern Herrn Jesus.

  6. Und nun siehe, im Geiste gebunden fahre ich hin nach Jerusalem, weiß nicht, was mir daselbst begegnen wird,

  7. nur daß der heilige Geist in allen Städten mir bezeugt und spricht, Gefängnis und Trübsale warten mein.

  8. Aber ich achte für mich selbst mein Leben keiner Rede wert, wenn ich nur vollende meinen Lauf und das Amt, das ich empfangen habe von dem Herrn Jesus, zu bezeugen das Evangelium von der Gnade Gottes.

  9. Und nun siehe, ich weiß, daß ihr mein Angesicht nicht mehr sehen werdet, ihr alle, zu welchen ich hingekommen bin und das Reich gepredigt habe.

  10. Darum bezeuge ich euch an diesem heutigen Tage, daß ich rein bin von aller Blut;

  11. denn ich habe nicht unterlassen, euch zu verkündigen den ganzen Ratschluß Gottes.

  12. So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, unter welche euch der heilige Geist gesetzt hat zu Bischöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, welche er durch sein eigen Blut erworben hat.

  13. Denn das weiß ich, daß nach meinem Abscheiden werden unter euch kommen greuliche Wölfe, die die Herde nicht verschonen werden.

  14. Auch aus euch selbst werden aufstehen Männer, die da verkehrte Lehren reden, die Jünger an sich zu ziehen.

  15. Darum seid wachsam und denket daran, daß ich nicht abgelassen habe drei Jahre, Tag und Nacht, einen jeglichen mit Tränen zu vermahnen.

  16. Und nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen und zu geben das Erbe unter allen, die geheiligt sind.

  17. Ich habe von niemand unter euch Silber oder Gold oder Kleidung begehrt.

  18. Denn ihr wisset selber, daß mir diese Hände zum Unterhalt gedient haben für mich und die, die mit mir gewesen sind.

  19. Ich habe euch in allen Stücken gezeigt, daß man so arbeiten und sich der Schwachen annehmen müsse und gedenken an das Wort des Herrn Jesus, da er gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen.

  20. Und als er solches gesagt, kniete er nieder und betete mit ihnen allen.

  21. Es ward aber viel Weinen unter ihnen allen, und sie fielen Paulus um den Hals und küßten ihn,

  22. am allermeisten betrübt über das Wort, das er sagte, sie würden sein Angesicht nicht mehr sehen; und geleiteten ihn auf das Schiff.

Von Milet nach Cäsarea. Agabus

Kapitel 21

  1. Als wir uns nun von ihnen losgerissen hatten und dahinfuhren, kamen wir geradeswegs nach Kos und am folgenden Tage nach Rhodus und von da nach Patara.

  2. Und da wir ein Schiff fanden, das nach Phönizien fuhr, stiegen wir ein und fuhren hin.

  3. Als aber Cypern in Sicht kam, ließen wir es zur linken Hand und fuhren nach Syrien und kamen an in Tyrus, denn daselbst sollte das Schiff die Ware ausladen.

  4. Und als wir die Jünger fanden, blieben wir daselbst sieben Tage. Die sagten Paulus durch den Geist, er sollte nicht hinauf nach Jerusalem ziehen.

  5. Und es geschah, da wir die Tage zugebracht hatten, machten wir uns auf und reisten weiter. Und sie geleiteten uns alle mit Frauen und Kindern bis hinaus vor die Stadt, und wir knieten nieder am Ufer und beteten.

  6. Und als wir voneinander Abschied genommen hatten, stiegen wir ins Schiff; jene aber wandten sich wieder heimwärts.

  7. Wir aber fuhren mit dem Schiff und kamen von Tyrus nach Ptolemais und grüßten die Brüder und blieben einen Tag bei ihnen.

  8. Des andern Tages zogen wir weiter und kamen nach Cäsarea und gingen in das Haus des Philippus, des Evangelisten, der einer von den Sieben war, und blieben bei ihm.

  9. Der hatte vier Töchter, die waren Jungfrauen und weissagten.

  10. Und als wir mehrere Tage dablieben, kam herab aus Judäa ein Prophet mit Namen Agabus.

  11. Und als er zu uns kam, nahm er den Gürtel des Paulus und band sich die Füße und Hände und sprach: Das sagt der heilige Geist: Den Mann, des der Gürtel ist, werden die Juden so binden zu Jerusalem und überantworten in der Heiden Hände.

  12. Als wir aber solches hörten, baten wir und die aus dem Ort waren, daß er nicht hinauf nach Jerusalem zöge.

  13. Paulus aber antwortete: Was macht ihr, daß ihr weinet und brechet mir mein Herz? Denn ich bin bereit, nicht allein mich binden zu lassen, sondern auch zu sterben zu Jerusalem um des Namens willen des Herrn Jesus.

  14. Da er aber sich nicht überreden ließ, schwiegen wir und sprachen: Des Herrn Wille geschehe.

Ankunft in Jerusalem

  1. Und nach diesen Tagen machten wir uns fertig und zogen hinauf nach Jerusalem.

  2. Es kamen aber mit uns auch etliche Jünger von Cäsarea und führten uns zu einem mit Namen Mnason aus Cypern, der ein alter Jünger war, bei dem wir herbergen sollten.

  3. Als wir nun nach Jerusalem kamen, nahmen uns die Brüder mit Freuden auf.

  4. Des andern Tages aber ging Paulus mit uns zu Jakobus, und es kamen die Ältesten alle dahin.

  5. Und als er sie begrüßt hatte, erzählte er eines nach dem andern, was Gott getan hatte unter den Heiden durch seinen Dienst.

  6. Da sie aber das hörten, lobten sie Gott und sprachen zu ihm: Bruder, du siehst, wieviel tausend Juden gläubig geworden sind, und sind alle Eiferer für das Gesetz;

  7. ihnen ist aber berichtet worden über dich, daß du alle Juden, die unter den Heiden wohnen, lehrest von Mose abfallen und sagest, sie sollen ihre Kinder nicht beschneiden, auch nicht nach jüdischer Weise leben.

  8. Was nun? Auf jeden Fall werden sie hören, daß du gekommen bist.

  9. So tu nun dies, was wir dir sagen.

  10. Wir haben vier Männer, die haben ein Gelübde auf sich; die nimm zu dir und lasse dich reinigen mit ihnen und trage die Kosten für sie, daß sie ihr Haupt scheren können; so werden alle erkennen, daß es nicht so sei, wie ihnen über dich berichtet ist, sondern daß du selber auch nach dem Gesetz lebst und es hältst.

  11. Denn nur den Gläubigen aus den Heiden haben wir geschrieben und beschlossen, daß sie sich bewahren sollen vor dem Götzenopfer, vor Blut, vor Ersticktem und vor Unzucht.

  12. Da nahm Paulus die Männer zu sich und reinigte sich des andern Tages mit ihnen und ging in den Tempel und zeigte an, daß die Tage der Reinigung vollendet seien, sobald für einen jeglichen unter ihnen das Opfer gebracht wäre.

Gefangennahme des Paulus

  1. Als aber die sieben Tage zu Ende gingen, sahen ihn die Juden aus der Landschaft Asien im Tempel und erregten das ganze Volk, legten die Hände an ihn und schrien:

  2. Ihr Männer von Israel, helft! Dies ist der Mensch, der alle Menschen an allen Enden lehrt wider unser Volk, wider das Gesetz und wider diese Stätte; dazu hat er auch Griechen in den Tempel geführt und diese heilige Stätte entweiht.

  3. Denn sie hatten mit ihm in der Stadt Trophimus, den Epheser, gesehen; den, meinten sie, hätte Paulus in den Tempel geführt.

  4. Und die ganze Stadt ward erregt, und ward ein Auflauf des Volkes. Sie griffen aber Paulus und zogen ihn zum Tempel hinaus. Und alsbald wurden die Türen zugeschlossen.

  5. Da sie ihn aber töten wollten, kam die Kunde hinauf vor den obersten Hauptmann der Schar, wie das ganze Jerusalem in Aufruhr sei.

  6. Der nahm alsbald Kriegsknechte und Hauptleute zu sich und lief hinunter zu ihnen. Da sie aber den Oberhauptmann und die Kriegsknechte sahen, hörten sie auf, Paulus zu schlagen.

  7. Als aber der Oberhauptmann nahe herzukam, nahm er ihn an sich und hieß ihn binden mit zwei Ketten und fragte, wer er wäre und was er getan hätte.

  8. Einer aber rief dies, der andre das im Volk. Da er aber nichts Gewisses erfahren konnte um des Getümmels willen, hieß er ihn in die Burg führen.

  9. Und als er an die Stufen kam, mußten ihn die Kriegsknechte tragen wegen des Ungestüms des Volkes,

  10. denn es folgte viel Volks nach und schrie: Weg mit ihm!

  11. Als aber Paulus in die Burg geführt werden sollte, sprach er zu dem Oberhauptmann: Darf ich mit dir reden? Er aber sprach: Kannst du Griechisch?

  12. Bist du nicht der Ägypter, der vor diesen Tagen einen Aufruhr gemacht hat und führte in die Wüste hinaus viertausend Meuchelmörder?

  13. Paulus aber sprach: Ich bin ein jüdischer Mann von Tarsus, ein Bürger einer namhaften Stadt in Cilicien. Ich bitte dich, erlaube mir, zu reden zu dem Volk.

  14. Als er aber es ihm erlaubte, trat Paulus auf die Stufen und winkte dem Volk mit der Hand. Da nun eine große Stille ward, redete er zu ihnen auf hebräisch und sprach:

Paulus verantwortet sich vor dem Volk

Kapitel 22

  1. Ihr Männer, liebe Brüder und Väter, höret mir zu, wenn ich mich jetzt vor euch verantworte.

  2. Da sie aber hörten, daß er auf hebräisch zu ihnen redete, wurden sie noch stiller. Und er sprach:

  3. Ich bin ein jüdischer Mann, geboren zu Tarsus in Cilicien, aber erzogen in dieser Stadt, zu den Füßen Gamaliels unterwiesen mit allem Fleiß im väterlichen Gesetz, und war ein Eiferer für Gott, gleichwie ihr heute alle seid.

  4. Ich habe die neue Lehre verfolgt bis auf den Tod; ich band und überantwortete ins Gefängnis Männer und Frauen,

  5. wie mir auch der Hohepriester und die Ältesten alle bezeugen. Denn von ihnen empfing ich Briefe an die Brüder und reiste nach Damaskus, daß ich auch, die daselbst waren, gebunden führte nach Jerusalem, damit sie bestraft würden.

Paulus berichtet seine Bekehrung

  1. Es geschah aber, da ich hinzog und nahe an Damaskus kam, umleuchtete mich plötzlich um den Mittag ein großes Licht vom Himmel.

  2. Und ich fiel zu Boden und hörte eine Stimme, die sprach zu mir: Saul, Saul, was verfolgst du mich?

  3. Ich antwortete aber: Herr, wer bist du? Und er sprach zu mir: Ich bin Jesus von Nazareth, den du verfolgst.

  4. Die aber mit mir waren, sahen das Licht; die Stimme aber des, der mit mir redete, hörten sie nicht.

    Kapitel 9,7.

  5. Ich sprach aber: Herr, was soll ich tun? Und der Herr sprach zu mir: Stehe auf und gehe nach Damaskus. Da wird man dir sagen von allem, was dir zu tun verordnet ist.

  6. Als ich aber wegen der Klarheit dieses Lichtes nicht sehen konnte, ward ich an der Hand geleitet von denen, die mit mir waren, und kam nach Damaskus.

  7. Es war aber ein gottesfürchtiger Mann nach dem Gesetz, Ananias, der einen guten Ruf hatte bei allen Juden, die daselbst wohnten.

  8. Der kam zu mir und trat her und sprach zu mir: Saul, lieber Bruder, sei sehend! Und zu derselben Stunde konnte ich ihn sehen.

  9. Er aber sprach: Der Gott unserer Väter hat dich verordnet, daß du seinen Willen erkennen sollst und sehen den Gerechten und hören die Stimme aus seinem Munde;

  10. denn du wirst für ihn vor allen Menschen Zeuge sein von dem, was du gesehen und gehört hast.

  11. Und nun, was zögerst du? Stehe auf und rufe seinen Namen an und laß dich taufen und abwaschen deine Sünden!

  12. Es geschah aber, da ich wieder nach Jerusalem kam und betete im Tempel, daß ich verzückt ward und ihn sah.

  13. Da sprach er zu mir: Eile und mache dich behende von Jerusalem hinaus; denn sie werden nicht annehmen dein Zeugnis über mich.

  14. Und ich sprach: Herr, sie wissen selbst, daß ich die, die an dich glaubten, gefangen legte und peinigte in den Synagogen hin und her.

  15. Und da das Blut des Stephanus, deines Zeugen, vergossen ward, stand ich auch dabei und hatte Wohlgefallen daran und verwahrte denen die Kleider, die ihn töteten.

  16. Und er sprach zu mir: Gehe hin; denn ich will dich ferne unter die Heiden senden!

  17. Sie hörten aber ihm zu bis zu diesem Wort und erhoben ihre Stimme und sprachen: Hinweg mit diesem von der Erde! Denn er darf nicht mehr leben.

Paulus vor dem römischen Oberhauptmann

  1. Da sie aber schrien und ihre Kleider abwarfen und Staub in die Luft wirbelten,

  2. hieß ihn der Oberhauptmann in die Burg führen und sagte, daß man ihn geißeln und verhören sollte, auf daß er erführe, um welcher Ursache willen sie so über ihn schrien.

  3. Als man ihn aber zum Geißeln festband, sprach Paulus zu dem Hauptmann, der dabeistand: Dürft ihr einen Menschen, der römischer Bürger ist, ohne Urteil geißeln?

  4. Da das der Hauptmann hörte, ging er zu dem Oberhauptmann und berichtete ihm und sprach: Was willst du tun? Dieser Mensch ist römischer Bürger.

  5. Da kam zu ihm der Oberhauptmann und sprach zu ihm: Sage mir, bist du römischer Bürger? Er aber sprach: Ja.

  6. Und der Oberhauptmann antwortete: Ich habe dies Bürgerrecht um eine große Summe erworben. Paulus aber sprach: Ich aber bin römisch geboren.

  7. Da ließen alsbald von ihm ab, die ihn verhören sollten. Und der Oberhauptmann fürchtete sich, da er vernahm, daß er römischer Bürger war, und er ihn hatte festbinden lassen.

  8. Des andern Tages wollte er sicher erkunden, warum er verklagt würde von den Juden, und ließ ihn losbinden und hieß die Hohenpriester und den ganzen Hohen Rat zusammenkommen und führte Paulus hinunter und stellte ihn vor sie.

Paulus vor dem Hohen Rat

Kapitel 23

  1. Paulus aber sah den Hohen Rat an und sprach: Ihr Männer, liebe Brüder, ich bin mit allem guten Gewissen gewandelt vor Gott bis auf diesen Tag.

  2. Der Hohepriester Ananias aber befahl denen, die um ihn standen, daß sie ihn auf den Mund schlügen.

  3. Da sprach Paulus zu ihm: Gott wird dich schlagen, du getünchte Wand! Sitzest du, mich zu richten nach dem Gesetz, und heißest mich schlagen wider das Gesetz?

  4. Die aber umherstanden, sprachen: Schiltst du den Hohenpriester Gottes?

  5. Und Paulus sprach: Liebe Brüder, ich wußte es nicht, daß er Hoherpriester ist. Denn es steht geschrieben (2. Mose 22,27): «Den Obersten deines Volkes sollst du nicht schmähen.»

  6. Da aber Paulus wußte, daß ein Teil Sadduzäer war und der andere Teil Pharisäer, rief er im Rat: Ihr Männer, liebe Brüder, ich bin ein Pharisäer und eines Pharisäers Sohn. Ich werde angeklagt um der Hoffnung und um der Auferstehung der Toten willen.

  7. Da er aber das sagte, ward eine Zwietracht unter den Pharisäern und Sadduzäern, und die Versammlung spaltete sich.

  8. Denn die Sadduzäer sagen, es gebe keine Auferstehung noch einen Engel noch einen Geist; die Pharisäer aber lehren das alles.

  9. Es ward aber ein großes Geschrei; und etliche Schriftgelehrte von der Pharisäer Partei standen auf, stritten und sprachen: Wir finden nichts Arges an diesem Menschen; vielleicht hat doch ein Geist oder ein Engel mit ihm geredet.

  10. Da aber die Zwietracht groß ward, befürchtete der oberste Hauptmann, sie möchten Paulus zerreißen, und hieß das Kriegsvolk hinabgehen und ihn von ihnen reißen und in die Burg führen.

  11. In der folgenden Nacht aber stand der Herr bei ihm und sprach: Sei getrost! denn wie du für mich Zeuge warst in Jerusalem, so mußt du auch in Rom Zeuge sein.

Mordanschlag gegen Paulus

  1. Als es aber Tag ward, taten sich etliche Juden zusammen und verschworen sich, weder zu essen noch zu trinken, bis daß sie Paulus getötet hätten.

  2. Ihrer aber waren mehr als vierzig, die solchen Bund machten.

  3. Die traten zu den Hohenpriestern und Ältesten und sprachen: Wir haben uns hart verschworen, nichts zu essen, bis wir Paulus getötet haben.

  4. So wirkt nun ihr mit dem Hohen Rat bei dem Oberhauptmann dahin, daß er ihn zu euch herunterführe, als wolltet ihr ihn besser verhören; wir aber sind bereit, ihn zu töten, ehe denn er vor euch kommt.

  5. Da aber des Paulus Schwestersohn von dem Anschlag hörte, ging er hin und kam in die Burg und berichtete es Paulus.

  6. Paulus aber rief zu sich einen von den Hauptleuten und sprach: Diesen Jüngling führe hin zu dem Oberhauptmann, denn er hat ihm etwas zu sagen.

  7. Der nahm ihn und führte ihn zum Oberhauptmann und sprach: Der Gefangene Paulus rief mich zu sich und bat mich, diesen Jüngling zu dir zu führen, der dir etwas zu sagen habe.

  8. Da nahm ihn der Oberhauptmann bei der Hand und trat beiseite und fragte ihn: Was ist's, das du mir zu sagen hast?

  9. Er aber sprach: Die Juden sind eins geworden, dich zu bitten, daß du morgen Paulus vor den Hohen Rat herunterbringen lassest, als wollten sie ihn besser verhören.

  10. Du aber traue ihnen nicht; denn es lauern auf ihn mehr als vierzig Männer von ihnen, die haben sich verschworen, weder zu essen noch zu trinken, bis sie ihn getötet hätten; und sind jetzt bereit und warten auf deine Zusage.

  11. Da ließ der Oberhauptmann den Jüngling von sich und gebot ihm, niemand zu sagen, daß er ihm solches eröffnet hätte.

Paulus wird nach Cäsarea gebracht

  1. Und der Oberhauptmann rief zu sich zwei Hauptleute und sprach: Rüstet zweihundert Kriegsknechte, daß sie nach Cäsarea ziehen, und siebzig Reiter und zweihundert Schützen auf die dritte Stunde der Nacht;

  2. und haltet Tiere bereit, daß sie Paulus draufsetzen und bringen ihn wohlbewahrt zu Felix, dem Landpfleger.

  3. Und schrieb einen Brief, der lautete so:

  4. Klaudius Lysias dem edlen Landpfleger Felix, Gruß zuvor!

  5. Diesen Mann hatten die Juden gegriffen und wollten ihn töten. Da kam ich mit dem Kriegsvolk dazu und riß ihn von ihnen, als ich erfuhr, daß er ein römischer Bürger ist.

  6. Da ich aber erkunden wollte die Ursache, um derentwillen sie ihn beschuldigten, führte ich ihn hinunter vor ihren Hohen Rat.

  7. Da fand ich, daß er beschuldigt ward wegen Fragen ihres Gesetzes, aber keine Anklage gegen sich hatte, des Todes oder des Gefängnisses wert.

  8. Und da vor mich kam, daß etliche auf ihn lauerten, sandte ich ihn alsbald zu dir und wies auch die Kläger an, daß sie vor dir sagten, was sie wider ihn hätten.

  9. Die Kriegsknechte, wie ihnen befohlen war, nahmen Paulus und führten ihn bei der Nacht nach Antipatris.

  10. Des andern Tages aber ließen sie die Reiter mit ihm ziehen und kehrten wieder in die Burg zurück.

  11. Als aber jene nach Cäsarea kamen, übergaben sie den Brief dem Landpfleger und überantworteten ihm auch Paulus.

  12. Da der Landpfleger den Brief las, fragte er, aus welchem Lande er wäre. Und da er erfuhr, daß er aus Cilicien wäre, sprach er:

  13. Ich will dich verhören, wenn deine Verkläger auch da sind. Und hieß ihn verwahren in dem Palast des Herodes.

Vor dem Landpfleger Felix

Kapitel 24

  1. Nach fünf Tagen zog hinab der Hohepriester Ananias mit einigen Ältesten und mit dem Anwalt Tertullus; die erschienen vor dem Landpfleger wider Paulus.

  2. Als der aber herbeigerufen ward, fing Tertullus an, ihn zu verklagen, und sprach:

  3. Daß wir in großem Frieden leben unter dir und viel Wohltaten diesem Volk widerfahren durch deine Fürsorge, edelster Felix, das erkennen wir an allewege und allenthalben mit aller Dankbarkeit.

  4. Auf daß ich aber dich nicht zu lange aufhalte, bitte ich dich, du wollest uns in Kürze hören nach deiner Geneigtheit.

  5. Wir haben diesen Mann erfunden als eine Pest und als einen, der Aufruhr erregt unter allen Juden auf dem ganzen Erdboden, und als einen Anführer der Sekte der Nazarener.

  6. Er hat auch versucht, den Tempel zu entweihen. Ihn haben wir gegriffen, <und wir wollten ihn richten nach unserem Gesetz,

  7. aber Lysias, der Oberhauptmann, kam dazu und führte ihn mit großer Gewalt aus unseren Händen

  8. und hieß seine Ankläger zu dir kommen>. Wenn du ihn verhörst, kannst du selbst das alles von ihm erkunden, weswegen wir ihn verklagen.

  9. Die Juden aber redeten auch dazu und sprachen, es verhielte sich so.

  10. Paulus aber, als ihm der Landpfleger winkte zu reden, antwortete: Weil ich weiß, daß du in diesem Volk nun viele Jahre Richter bist, will ich unerschrocken mich verantworten.

  11. Du kannst erfahren, daß es nicht mehr als zwölf Tage sind, daß ich bin hinauf nach Jerusalem gekommen, anzubeten.

  12. Und sie haben mich weder im Tempel noch in den Synagogen noch in der Stadt gefunden mit jemand streiten oder einen Aufruhr machen im Volk.

  13. Sie können dir auch nicht beweisen, dessen sie mich verklagen.

  14. Das bekenne ich dir aber, daß ich nach der Lehre, die sie eine Sekte heißen, dem Gott meiner Väter so diene, daß ich glaube allem, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten,

  15. und habe die Hoffnung zu Gott, auf welche auch sie selbst warten, nämlich daß es geben wird eine Auferstehung der Gerechten und Ungerechten.

  16. Dabei übe ich mich, zu haben ein unverletzt Gewissen allenthalben gegen Gott und die Menschen.

  17. Nach mehreren Jahren aber bin ich gekommen, um Almosen für mein Volk zu bringen und zu opfern.

  18. Dabei haben mich, wie ich mich gereinigt hatte im Tempel ohne allen Lärm und Getümmel,

  19. etliche Juden aus der Landschaft Asien gefunden, welche sollten hier sein vor dir und mich verklagen, wenn sie etwas wider mich hätten.

  20. Oder laß diese hier selbst sagen, was für ein Unrecht sie gefunden haben, als ich stand vor dem Hohen Rat;

  21. es wäre denn dies eine Wort, da ich unter ihnen stand und rief: Um der Auferstehung der Toten willen werde ich von euch heute angeklagt.

Die Verschleppung des Prozesses

  1. Felix aber zog sie hin; denn er wußte gar wohl um diese Lehre und sprach: Wenn Lysias, der Oberhauptmann, herabkommt, so will ich eure Sache entscheiden.

  2. Er befahl aber dem Hauptmann, Paulus gefangen zu behalten, doch in leichtem Gewahrsam, und daß er niemand von den Seinen wehrte, ihm zu dienen.

  3. Nach etlichen Tagen aber kam Felix mit Drusilla, seiner Frau, die eine Jüdin war, und ließ Paulus kommen und hörte ihn über den Glauben an Christus Jesus.

  4. Da aber Paulus redete von Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit und von dem zukünftigen Gericht, erschrak Felix und antwortete: Gehe hin für diesmal; wenn ich gelegene Zeit habe, will ich dich wieder rufen lassen.

  5. Er hoffte aber daneben, daß ihm von Paulus sollte Geld gegeben werden; darum ließ er ihn auch oft kommen und besprach sich mit ihm.

  6. Als aber zwei Jahre um waren, kam Porcius Festus an des Felix Statt. Felix aber wollte den Juden eine Gunst erzeigen und ließ Paulus gefangen zurück.

Gerichtsverhandlung vor Festus

Kapitel 25

  1. Als nun Festus ins Land gekommen war, zog er nach drei Tagen hinauf von Cäsarea nach Jerusalem.

  2. Da erschienen vor ihm die Hohenpriester und die Vornehmsten der Juden wider Paulus und drangen in ihn

  3. und baten um die Gunst wider ihn, daß er ihn kommen ließe nach Jerusalem, und wollten ihm einen Hinterhalt legen, auf daß sie ihn unterwegs umbrächten.

  4. Da antwortete Festus, Paulus bleibe in Gewahrsam zu Cäsarea; er selber aber würde in kurzem wieder dahin ziehen.

  5. Welche nun unter euch, sprach er, Macht haben, die lasset mit hinabziehen und den Mann verklagen, wenn etwas Unrechtes an ihm ist.

  6. Nachdem aber Festus bei ihnen nicht mehr als acht oder zehn Tage gewesen war, zog er hinab nach Cäsarea; und des andern Tages setzte er sich auf den Richterstuhl und hieß Paulus holen.

  7. Als der aber vor ihn kam, traten um ihn her die Juden, die von Jerusalem herabgekommen waren, und brachten viele und schwere Klagen vor, welche sie nicht konnten beweisen,

  8. da Paulus sich verantwortete und sagte: Ich habe weder an der Juden Gesetz noch an dem Tempel noch am Kaiser mich versündigt.

Des Paulus Berufung auf den Kaiser

  1. Festus aber wollte den Juden eine Gunst erzeigen und antwortete Paulus und sprach: Willst du hinauf nach Jerusalem und daselbst über diese Sachen dich vor mir richten lassen?

  2. Paulus aber sprach: Ich stehe vor des Kaisers Gericht, da muß ich gerichtet werden! Den Juden habe ich kein Unrecht getan, wie auch du aufs beste weißt.

  3. Habe ich aber Unrecht getan und des Todes wert gehandelt, so weigere ich mich nicht zu sterben; ist aber nichts an dem, dessen sie mich verklagen, so darf mich auch niemand ihnen preisgeben. Ich berufe mich auf den Kaiser!

  4. Da besprach sich Festus mit seinen Ratgebern und antwortete: Auf den Kaiser hast du dich berufen, zum Kaiser sollst du ziehen.

König Agrippa

  1. Aber nach etlichen Tagen kamen der König Agrippa und Bernice nach Cäsarea, Festus zu begrüßen.

  2. Und als sie etliche Tage daselbst gewesen waren, legte Festus dem König die Sache des Paulus vor und sprach: Es ist ein Mann von Felix zurückgelassen als Gefangener,

  3. um welches willen die Hohenpriester und Ältesten der Juden vor mir erschienen, als ich zu Jerusalem war, und baten, ich sollte ihn richten lassen.

  4. Denen antwortete ich: Es ist der Römer Weise nicht, daß ein Mensch preisgegeben werde, ehe denn der Verklagte seinen Klägern gegenüberstand und Gelegenheit hatte, sich auf die Anklage zu verantworten.

  5. Als sie aber hier zusammenkamen, machte ich keinen Aufschub und hielt des andern Tages Gericht und hieß den Mann vorführen.

  6. Und als seine Verkläger auftraten, brachten sie der schlimmen Klagen keine vor, die ich erwartete.

  7. Sie hatten aber etliche Streitfragen wider ihn von ihrem Glauben und von einem verstorbenen Jesus, von welchem Paulus sagte, er lebe.

  8. Da ich aber mich auf die Frage nicht verstand, sprach ich, ob er wollte nach Jerusalem reisen und daselbst sich darüber lassen richten.

  9. Da aber Paulus sich darauf berief, daß er für des Kaisers Entscheidung im Gewahrsam behalten werde, hieß ich ihn behalten, bis daß ich ihn zum Kaiser sende.

  10. Agrippa aber sprach zu Festus: Ich möchte den Menschen auch gerne hören. Er aber sprach: Morgen sollst du ihn hören.

  11. Und am andern Tage kamen Agrippa und Bernice mit großem Gepränge und gingen in das Richthaus mit den Hauptleuten und vornehmsten Männern der Stadt, und da es Festus befahl, ward Paulus gebracht.

  12. Und Festus sprach: König Agrippa und alle ihr Männer, die ihr mit uns hier seid, da sehet ihr den, um welchen mich die ganze Menge der Juden angegangen hat zu Jerusalem und auch hier und schrien, er dürfe nicht länger leben.

  13. Ich aber, da ich erkannte, daß er nichts getan hatte, was des Todes wert sei, und er auch selber sich auf den Kaiser berief, habe ich beschlossen, ihn dorthin zu senden.

  14. Etwas Gewisses aber habe ich über ihn nicht, das ich meinem Herrn schreibe. Darum habe ich ihn lassen herbringen vor euch, allermeist aber vor dich, König Agrippa, auf daß ich nach geschehenem Verhör etwas habe, was ich schreiben kann.

  15. Denn es erscheint mir unsinnig, einen Gefangenen zu schicken und keine Beschuldigung wider ihn anzuzeigen.

Paulus verantwortet sich vor Festus und Agrippa

Kapitel 26

  1. Agrippa aber sprach zu Paulus: Es ist dir erlaubt, für dich zu reden. Da reckte Paulus die Hand aus und verantwortete sich:

  2. Es ist mir sehr lieb, König Agrippa, daß ich mich heute vor dir verantworten soll über alles, dessen ich von den Juden beschuldigt werde,

  3. allermeist weil du kundig bist aller Sitten und Fragen der Juden. Darum bitte ich, du wollest mich geduldig hören.

  4. Zwar mein Leben von Jugend auf, wie ich es von Anfang an unter meinem Volk und in Jerusalem zugebracht habe, ist allen Juden bekannt,

  5. die mich von früher kennen, wenn sie es wollten bezeugen. Denn nach der allerstrengsten Sekte unsers Glaubens habe ich gelebt als Pharisäer.

  6. Und nun stehe ich und werde angeklagt wegen der Hoffnung auf die Verheißung, die gegeben ist von Gott unsern Vätern

  7. und zu welcher hoffen zu kommen die zwölf Stämme der Unsern mit unablässigem Gottesdienst Tag und Nacht. Dieser Hoffnung halben werde ich, o König, von den Juden beschuldigt.

  8. Warum wird das für unglaublich bei euch geachtet, daß Gott Tote auferweckt?

  9. Zwar meinte auch ich bei mir selbst, ich müßte viel zuwider tun dem Namen Jesu von Nazareth,

  10. wie ich denn auch zu Jerusalem getan habe, wo ich viele Heilige ins Gefängnis brachte, wozu ich Vollmacht von den Hohenpriestern empfangen hatte; und wenn sie getötet wurden, half ich das Urteil sprechen.

  11. Und in allen Synagogen peinigte ich sie oft und zwang sie zu lästern; und war überaus unsinnig auf sie, verfolgte sie auch bis in die fremden Städte.

Paulus schildert seine Bekehrung

  1. Und als ich nach Damaskus reiste mit Vollmacht und Befehl von den Hohenpriestern,

  2. sah ich mitten am Tage, o König, auf dem Wege ein Licht vom Himmel, heller als der Sonne Glanz, das mich und die mit mir reisten umleuchtete.

  3. Als wir aber alle zur Erde niederfielen, hörte ich eine Stimme reden zu mir, die sprach auf hebräisch: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Es wird dir schwer sein, wider den Stachel zu löcken*.

    *d. h. ausschlagen.

  4. Ich aber sprach: Herr, wer bist du? Der Herr sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst; aber stehe auf und tritt auf deine Füße.

  5. Denn dazu bin ich dir erschienen, daß ich dich verordne zum Diener und Zeugen dessen, was du von mir gesehen hast und was ich dir noch will erscheinen lassen.

  6. Und ich will dich erretten von dem Volk und von den Heiden, unter welche ich dich sende,

  7. aufzutun ihre Augen, daß sie sich bekehren von der Finsternis zu dem Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott, um zu empfangen Vergebung der Sünden und das Erbteil samt denen, die geheiligt sind durch den Glauben an mich.

  8. Daher, König Agrippa, war ich der himmlischen Erscheinung nicht ungehorsam,

  9. sondern verkündigte zuerst denen zu Damaskus und zu Jerusalem und im ganzen jüdischen Land und auch den Heiden, daß sie Buße täten und sich bekehrten zu Gott und täten rechtschaffene Werke der Buße.

  10. Um deswillen haben mich die Juden im Tempel gegriffen und versuchten, mich zu töten.

  11. Aber mit Gottes Hilfe stehe ich da bis auf diesen Tag und gebe Zeugnis den Kleinen und Großen und sage nichts, als was die Propheten und Mose gesagt haben, daß es geschehen sollte:

  12. daß der Christus sollte leiden und der erste sein aus der Auferstehung von den Toten und verkündigen das Licht dem Volk und den Heiden.

  13. Da er aber solches zur Verantwortung vorbrachte, sprach Festus mit lauter Stimme: Paulus, du rasest! Das große Wissen macht dich rasend.

  14. Paulus aber sprach: Edler Festus, ich rase nicht, sondern ich rede wahre und vernünftige Worte.

  15. Denn der König weiß solches wohl, zu welchem ich freimütig rede. Denn ich achte, ihm sei der keines verborgen; denn solches ist nicht im Winkel geschehen.

    Johannes 18,20.

  16. Glaubst du, König Agrippa, den Propheten? Ich weiß, daß du glaubst.

  17. Agrippa aber sprach zu Paulus: Es fehlt nicht viel, du wirst mich noch bereden und mich zum Christen machen.

  18. Paulus aber sprach: Ich wünschte vor Gott, es fehle nun viel oder wenig, daß nicht allein du, sondern alle, die mich heute hören, solche würden, wie ich bin, ausgenommen diese Fesseln.

  19. Da stand der König auf und der Landpfleger und Bernice und die mit ihnen saßen

  20. und gingen beiseite, redeten miteinander und sprachen: Dieser Mensch hat nichts getan, was des Todes oder der Fesseln wert sei.

  21. Agrippa aber sprach zu Festus: Dieser Mensch hätte können losgegeben werden, wenn er sich nicht auf den Kaiser berufen hätte.

Paulus auf der Fahrt nach Rom

Kapitel 27

  1. Da es aber beschlossen war, daß wir nach Italien fahren sollten, übergaben sie Paulus und etliche andre Gefangene einem Hauptmann mit Namen Julius von der kaiserlichen Schar.

  2. Wir bestiegen aber ein adramyttisches Schiff, das die Küstenstädte der Landschaft Asien anlaufen sollte, und fuhren ab vom Lande; und mit uns war Aristarchus, ein Mazedonier von Thessalonich.

  3. Und des andern Tages kamen wir an zu Sidon; und Julius hielt sich freundlich gegen Paulus und erlaubte ihm, zu seinen Freunden zu gehen und sich pflegen zu lassen.

  4. Und von da stießen wir ab und fuhren im Schutz von Cypern hin, darum daß uns die Winde entgegen waren,

  5. und fuhren durch das offene Meer bei Cilicien und Pamphylien und kamen nach Myra in Lycien.

  6. Und daselbst fand der Hauptmann ein Schiff von Alexandrien, das nach Italien ging, und ließ uns darauf übersteigen.

  7. Da wir aber in vielen Tagen langsam fuhren und nur mit Mühe bis Knidus kamen, denn der Wind wehrte uns, segelten wir im Schutz von Kreta hin bei Salmone

  8. und kamen kaum daran vorüber und gelangten an eine Stätte, die heißt Gutfurt; dabei war nahe die Stadt Lasäa.

  9. Da nun viel Zeit vergangen war und nunmehr die Schiffahrt gefährlich war, darum daß auch die Fastenzeit schon vorüber war, vermahnte sie Paulus

  10. und sprach zu ihnen: Liebe Männer, ich sehe, daß die Fahrt nur mit Leid und großem Schaden vor sich gehen wird, nicht allein für die Ladung und das Schiff, sondern auch für unser Leben.

  11. Aber der Hauptmann glaubte dem Steuermann und dem Schiffsherrn mehr als dem, was Paulus sagte.

  12. Und da der Hafen ungelegen war zum Überwintern, bestanden die meisten von ihnen auf dem Plan, weiterzufahren, ob sie zum Überwintern bis nach Phönix kommen könnten, welches ist ein Hafen auf Kreta, offen gegen Südwest und Nordwest.

Seesturm und Schiffbruch

  1. Da aber der Südwind wehte, meinten sie, sie könnten nun ihr Vorhaben ausführen, und lichteten die Anker und fuhren ganz nahe an Kreta hin.

  2. Nicht lange aber danach erhob sich von der Insel her eine Windsbraut, die man nennt Nordost.

  3. Und da das Schiff ergriffen ward und konnte sich nicht wider den Wind halten, gaben wir nach und trieben dahin.

  4. Wir fuhren aber hin unter dem Schutz einer kleinen Insel, die heißt Klauda; da konnten wir kaum das Beiboot in unsre Gewalt bekommen.

  5. Sie zogen es herauf und umspannten zum Schutz das Schiff mit Seilen. Da sie aber fürchteten, es möchte in die Syrte geraten, ließen sie die Treibanker herunter und trieben so dahin.

  6. Und da wir großes Ungewitter erlitten, warfen sie des nächsten Tages Ladung ins Meer.

  7. Und am dritten Tage warfen sie mit eigenen Händen das Schiffsgerät hinaus.

  8. Da aber in vielen Tagen weder Sonne noch Sterne erschienen und ein gewaltiges Ungewitter uns bedrängte, war alle Hoffnung auf Rettung dahin.

  9. Und da man lange nicht gegessen hatte, trat Paulus mitten unter sie und sprach: Liebe Männer, man sollte mir gehorcht haben und nicht von Kreta aufgebrochen sein und uns dieses Leides und Schadens überhoben haben.

  10. Doch nun ermahne ich euch, daß ihr unverzagt seid; denn keiner von euch wird umkommen, nur das Schiff.

  11. Denn diese Nacht ist bei mir gestanden der Engel Gottes, des ich bin und dem ich diene,

  12. und sprach: Fürchte dich nicht, Paulus, du mußt vor den Kaiser gestellt werden; und siehe, Gott hat dir geschenkt alle, die mit dir fahren.

  13. Darum, liebe Männer, seid unverzagt; denn ich glaube Gott, es wird also geschehen, wie mir gesagt ist.

  14. Wir müssen aber anfahren an eine Insel.

  15. Als aber die vierzehnte Nacht kam, seit wir im Adria-Meer fuhren, wähnten die Schiffsleute um die Mitternacht, sie kämen an ein Land.

  16. Und sie warfen das Senkblei aus und fanden zwanzig Klafter tief; und ein wenig davon senkten sie abermals und fanden fünfzehn Klafter.

  17. Da fürchteten sie, wir würden an Klippen stoßen, und warfen hinten vom Schiffe vier Anker und wünschten, daß es Tag würde.

  18. Da aber die Schiffsleute zu fliehen suchten aus dem Schiffe und das Beiboot niederließen in das Meer und vorgaben, sie wollten die Anker vorn aus dem Schiffe lassen,

  19. sprach Paulus zu dem Hauptmann und zu den Kriegsknechten: Wenn diese nicht im Schiffe bleiben, so könnt ihr nicht gerettet werden.

  20. Da hieben die Kriegsknechte die Stricke ab von dem Boot und ließen es fallen.

  21. Und da es anfing hell zu werden, ermahnte sie Paulus alle, daß sie Speise nähmen, und sprach: Es ist heute der vierzehnte Tag, daß ihr wartet und ohne Speise geblieben seid und habt nichts zu euch genommen.

  22. Darum ermahne ich euch, Speise zu nehmen, denn das dient zu eurer Rettung; es wird euer keinem ein Haar vom Haupt fallen.

  23. Und da er das gesagt, nahm er ein Brot, dankte Gott vor ihnen allen und brach's und fing an zu essen.

  24. Da wurden sie alle guten Mutes und nahmen auch Speise.

  25. Unser waren aber alle zusammen im Schiff zweihundertsechsundsiebzig Seelen.

  26. Und nachdem sie satt geworden, erleichterten sie das Schiff und warfen das Getreide in das Meer.

  27. Als es aber Tag ward, kannten sie das Land nicht; eine Bucht aber wurden sie gewahr, die hatte ein flaches Ufer. Da hinan wollten sie das Schiff treiben, wenn es möglich wäre.

  28. Und sie hieben die Anker ab und ließen sie dem Meer, banden zugleich die Steuerruder los und richteten das Segel nach dem Winde und hielten auf das Ufer zu.

  29. Und da sie auf eine Sandbank gerieten, ließen sie das Schiff auflaufen, und das Vorderschiff blieb feststehen unbeweglich, aber das Hinterschiff zerbrach von der Gewalt der Wellen.

  30. Die Kriegsknechte aber hatten vor, die Gefangenen zu töten, auf daß nicht jemand fortschwimme und entfliehe.

  31. Aber der Hauptmann wollte Paulus erhalten und wehrte ihrem Vorhaben und hieß, die da schwimmen könnten, sich zuerst in das Meer werfen und entrinnen an das Land,

  32. die andern aber etliche auf Brettern, etliche auf den Trümmern des Schiffes. Und so geschah es, daß sie alle gerettet ans Land kamen.

Auf der Insel Malta

Kapitel 28

  1. Und als wir gerettet waren, erfuhren wir, daß die Insel Malta hieß.

  2. Die Leute aber erzeigten uns nicht geringe Freundschaft, zündeten ein Feuer an und nahmen uns alle auf um des Regens, der über uns gekommen war, und um der Kälte willen.

  3. Als aber Paulus einen Haufen Reiser zusammenraffte und legte sie aufs Feuer, kam eine Otter von der Hitze hervor und fuhr Paulus an seine Hand.

  4. Da aber die Leute sahen das Tier an seiner Hand hangen, sprachen sie untereinander: Dieser Mensch muß ein Mörder sein, welchen die Rache nicht leben läßt, ob er gleich dem Meer entgangen ist.

  5. Er aber schlenkerte das Tier ins Feuer, und ihm widerfuhr nichts Übles.

  6. Sie aber warteten, daß er anschwellen würde oder plötzlich tot niederfallen. Da sie aber lange warteten und sahen, daß ihm nichts Schlimmes widerfuhr, wurden sie andren Sinnes und sprachen, er wäre ein Gott.

  7. In dieser Gegend aber hatte der Oberste der Insel, mit Namen Publius, ein Landgut; der nahm uns auf und beherbergte uns drei Tage freundlich.

  8. Es geschah aber, daß der Vater des Publius am Fieber und an der Ruhr lag. Zu dem ging Paulus hinein und betete und legte die Hände auf ihn und machte ihn gesund.

  9. Da das geschah, kamen auch die andern auf der Insel herzu, die Krankheiten hatten, und ließen sich gesund machen.

  10. Und sie taten uns große Ehre; und als wir abreisten, luden sie auf, was uns not war.

Von Malta nach Rom

  1. Nach drei Monaten aber fuhren wir ab in einem Schiffe von Alexandrien, welches bei der Insel überwintert hatte und das Zeichen der Zwillinge führte.

  2. Und als wir nach Syrakus kamen, blieben wir drei Tage da.

  3. Von da fuhren wir herum und kamen nach Regium; und da am nächsten Tag der Südwind sich erhob, kamen wir in zwei Tagen nach Puteoli.

  4. Da fanden wir Brüder und wurden von ihnen gebeten, daß wir sieben Tage dablieben. Und so kamen wir nach Rom.

  5. Und von dort, da die Brüder von uns hörten, gingen sie uns entgegen bis nach Forum Appii und Tres Tabernä. Da Paulus sie sah, dankte er Gott und gewann Zuversicht.

  6. Als wir aber nach Rom kamen, <überantwortete der Unterhauptmann die Gefangenen dem obersten Hauptmann. Aber es> ward Paulus erlaubt zu wohnen, wo er wollte, mit einem Kriegsknechte, der ihn bewachte.

Paulus in Rom

  1. Es geschah aber nach drei Tagen, daß Paulus zusammenrief die Vornehmsten der Juden. Da die zusammenkamen, sprach er zu ihnen: Ihr Männer, liebe Brüder, ich habe nichts getan wider unser Volk noch wider väterliche Sitten und bin doch als Gefangener aus Jerusalem übergeben in der Römer Hände,

  2. die mich, nachdem sie mich verhört hatten, losgeben wollten, weil nichts an mir war, das den Tod verdient hätte.

  3. Da aber die Juden dawider redeten, ward ich genötigt, mich auf den Kaiser zu berufen; nicht, als hätte ich mein Volk um etwas zu verklagen.

  4. Um dieser Ursache willen habe ich euch gebeten, daß ich euch sehen und sprechen dürfte; denn um der Hoffnung Israels willen trage ich diese Kette.

  5. Sie aber sprachen zu ihm: Wir haben weder Briefe empfangen aus Judäa deinethalben, noch ist ein Bruder gekommen, der von dir etwas Arges berichtet oder gesagt hätte.

  6. Doch wollen wir von dir hören, was du denkst; denn von dieser Sekte ist uns kund, daß ihr wird an allen Enden widersprochen.

  7. Und da sie ihm einen Tag bestimmt hatten, kamen viele zu ihm in die Herberge, welchen er auslegte und bezeugte das Reich Gottes, und predigte ihnen von Jesus aus dem Gesetz des Mose und aus den Propheten von frühmorgens an bis an den Abend.

  8. Und etliche fielen dem zu, was er sagte; etliche aber glaubten nicht.

  9. Sie waren aber untereinander uneins und gingen weg, als Paulus das eine Wort redete: Sehr recht hat der heilige Geist gesagt durch den Propheten Jesaja zu euren Vätern

  10. und gesprochen (Jesaja 6,9.10): «Gehe hin zu diesem Volk und sprich: Mit den Ohren werdet ihr's hören, und nicht verstehen; und mit den Augen werdet ihr's sehen, und nicht erkennen.

  11. Denn das Herz dieses Volks ist verstockt, und sie hören schwer mit den Ohren und ihre Augen haben sie verschlossen, auf daß sie nicht etwa sehen mit den Augen und hören mit den Ohren und verständig werden im Herzen und sich bekehren und ich ihnen hülfe.»

  12. So sei es euch kundgetan, daß den Heiden gesandt ist dies Heil Gottes; und sie werden's hören.

  13. <Und da er solches redete, gingen die Juden hin und hatten viele Fragen untereinander.>

  14. Paulus aber blieb zwei volle Jahre in seiner eigenen Wohnung und nahm auf alle, die zu ihm kamen,

  15. predigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit allem Freimut ungehindert.

DER BRIEF DES PAULUS AN DIE RÖMER