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Schrift
DIE
APOSTELGESCHICHTE DES LUKAS
Kapitel 15 -
28
Apostelversammlung in Jerusalem
Kapitel 15
Und etliche kamen
herab von Judäa und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch
nicht beschneiden lasset nach der Weise des Mose, so könnt
ihr nicht selig werden.
Da sich nun ein Zwiespalt erhob und Paulus und Barnabas
einen nicht geringen Streit mit ihnen hatten, ordneten sie an,
daß Paulus und Barnabas und etliche andre von ihnen
hinaufzögen nach Jerusalem zu den Aposteln und Ältesten
um dieser Frage willen.
Und sie wurden von der Gemeinde geleitet und zogen durch
Phönizien und Samarien und erzählten von der Bekehrung
der Heiden und machten große Freude allen Brüdern.
Als sie aber hinkamen nach Jerusalem, wurden sie empfangen
von der Gemeinde und von den Aposteln und von den Ältesten.
Und sie verkündigten, wieviel Gott, der mit ihnen war, getan
hatte.
Da traten auf etliche von der Pharisäer Sekte, die
gläubig geworden waren, und sprachen: Man muß sie
beschneiden und ihnen gebieten, zu halten das Gesetz des Mose.
Aber die Apostel und die Ältesten kamen zusammen,
über diese Sache sich zu beraten.
Die Verhandlungen
Da man sich aber lange
gestritten hatte, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: Ihr
Männer, liebe Brüder, ihr wisset, daß Gott mich
lange vor dieser Zeit unter euch erwählt hat, daß
durch meinen Mund die Heiden das Wort des Evangeliums hörten
und glaubten.
Und Gott, der die Herzen
kennt, gab Zeugnis für sie, denn er gab ihnen den heiligen
Geist gleichwie auch uns
und machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen,
nachdem er ihre Herzen gereinigt hatte durch den Glauben.
Was versucht ihr denn nun Gott dadurch, daß ihr ein
Joch auf der Jünger Hälse legt, welches weder unsre
Väter noch wir haben tragen können?
Vielmehr glauben wir, durch
die Gnade des Herrn Jesus selig zu werden, gleicherweise wie auch
sie.
Da schwieg die ganze Menge stille und hörte Paulus
und Barnabas zu, die da erzählten, wie große Zeichen
und Wunder Gott durch sie getan hatte unter den Heiden.
Danach, als sie schwiegen, antwortete Jakobus und
sprach: Ihr Männer, liebe Brüder, höret mir zu!
Simon hat erzählt, wie Gott zum ersten Mal die Heiden
heimgesucht hat und angenommen aus ihnen ein Volk für seinen
Namen.
Und dazu stimmen der Propheten Reden, wie geschrieben
steht (Amos 9,11.12):
«Danach will ich mich wieder zu ihnen wenden und
will wieder bauen die Hütte Davids, die zerfallen ist, und
ihre Trümmer will ich wieder bauen und will sie aufrichten,
auf daß, was übrig ist von Menschen, nach dem
Herrn frage, dazu alle Heiden, über welche mein Name genannt
ist, spricht der Herr,
der solches kundtut von alters her.»
Darum urteile ich, daß man denen, die aus den Heiden
zu Gott sich bekehren, nicht Unruhe mache,
sondern schreibe ihnen, daß sie sich enthalten
sollen von Befleckung durch Götzen und von Unzucht und vom
Erstickten und vom Blut.
Denn Mose hat von langen Zeiten her in allen Städten
solche, die ihn predigen, und wird alle Sabbattage in den
Synagogen gelesen.
Beschluß der Apostel und Ältesten
Und es beschlossen die Apostel
und Ältesten samt der ganzen Gemeinde, aus ihrer Mitte
Männer zu erwählen und nach Antiochien zu senden mit
Paulus und Barnabas, nämlich Judas, mit dem Zunamen
Barsabas, und Silas, angesehene Männer unter den Brüdern.
Und sie gaben ein Schreiben in
ihre Hand, also lautend:
Wir, die Apostel und
Ältesten, eure Brüder, wünschen Heil den Brüdern
aus den Heiden, die zu Antiochien und Syrien und Cilicien sind.
Weil wir gehört haben,
daß etliche von den Unsern, denen wir doch nichts befohlen
hatten, euch mit Lehren irre gemacht und eure Seelen verwirrt
haben,
so haben wir einmütig
versammelt beschlossen, Männer zu erwählen und zu euch
zu senden mit unsern geliebten Barnabas und Paulus,
Männern, die ihr Leben
eingesetzt haben für den Namen unsers Herrn Jesus Christus.
So haben wir gesandt Judas und
Silas, welche euch auch mündlich dasselbe verkündigen
werden.
Denn beschlossen haben der
heilige Geist und wir, euch keine Last weiter aufzulegen als nur
diese nötigen Stücke:
daß ihr euch enthaltet
vom Götzenopfer und vom Blut und vom Erstickten und von
Unzucht; wenn ihr euch vor diesen bewahret, tut ihr recht. Gehabt
euch wohl!
Benachrichtigung der Gemeinde in Antiochien
So ließ man sie ziehen,
und sie kamen nach Antiochien und versammelten die Menge und
übergaben den Brief.
Da sie den lasen, wurden sie
des Zuspruchs froh.
Judas aber und Silas, die auch
Propheten waren, ermahnten die Brüder mit vielen Reden und
stärkten sie.
Und da sie verweilt hatten
eine Zeitlang, ließen die Brüder sie mit Frieden
ziehen zu denen, die sie gesandt hatten.
<Es
schien aber Silas gut, dort zu bleiben.>
Paulus aber und Barnabas
blieben in Antiochien, lehrten und predigten samt vielen andern
des Herrn Wort.
Beginn der zweiten Missionsreise
Nach etlichen Tagen aber
sprach Paulus zu Barnabas: Laß uns wiederum ziehen und nach
unsern Brüdern sehen in allen Städten, in welchen wir
des Herrn Wort verkündigt haben, wie es um sie steht.
Barnabas aber wollte, daß
sie mit sich nähmen auch Johannes, mit dem Zunamen Markus.
Paulus aber erachtete es nicht
für billig, daß sie jemand mit sich nähmen, der
in Pamphylien von ihnen gewichen war und nicht mit ihnen gezogen
war zu dem Werk.
Und sie kamen scharf
aneinander, so daß sie sich trennten. Barnabas nahm zu sich
den Markus und fuhr nach Cypern.
Paulus aber wählte den
Silas und zog hin, der Gnade Gottes befohlen von den Brüdern.
Er zog aber durch Syrien und
Cilicien und stärkte die Gemeinden.
Besuch der Gemeinden in Kleinasien
Kapitel 16
Er kam aber nach Derbe und
Lystra; und siehe, ein Jünger war daselbst mit Namen
Timotheus, Sohn einer jüdischen Frau, die gläubig war,
aber eines griechischen Vaters.
Der hatte einen guten Ruf bei
den Brüdern zu Lystra und zu Ikonion.
Diesen wollte Paulus mit sich
ziehen lassen und nahm und beschnitt ihn um der Juden willen, die
an jenen Orten waren; denn sie wußten alle, daß sein
Vater ein Grieche war.
Als sie aber durch die Städte
zogen, übergaben sie ihnen die Satzung, welche von den
Aposteln und den Ältesten zu Jerusalem beschlossen war, daß
sie sie halten sollten.
Da wurden die Gemeinden im
Glauben befestigt und nahmen täglich zu an Zahl.
Sie zogen aber durch
Phrygien und das Land Galatien, da ihnen vom heiligen Geist
gewehrt ward, zu reden das Wort in der Landschaft Asien.
Als sie aber kamen bis nach
Mysien, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen; und der Geist
Jesu ließ es ihnen nicht zu.
Da zogen sie an Mysien vorüber
und kamen hinab nach Troas.
In Troas. Der Ruf nach Mazedonien
Und dem Paulus erschien ein
Gesicht bei der Nacht; das war ein Mann aus Mazedonien, der stand
da und bat ihn und sprach: Komm herüber nach Mazedonien und
hilf uns!
Als er aber das Gesicht
gesehen hatte, da trachteten wir alsbald, zu reisen nach
Mazedonien, gewiß, daß uns Gott dahin berufen hätte,
ihnen das Evangelium zu predigen.
In Philippi
Da fuhren wir aus von Troas;
und geradeswegs kamen wir nach Samothrake, des andern Tages nach
Neapolis
und von da nach Philippi,
welches ist die Hauptstadt dieses Teils von Mazedonien und eine
römische Kolonie. Wir blieben aber in dieser Stadt etliche
Tage.
Am Tage des Sabbats gingen wir
hinaus vor die Stadt an das Wasser, wo wir dachten, daß man
pflegte zu beten, und setzten uns und redeten zu den Frauen, die
da zusammenkamen.
Bekehrung der Lydia
Und eine gottesfürchtige
Frau mit Namen Lydia, eine Purpurkrämerin aus der Stadt
Thyatira, hörte zu; dieser tat der Herr das Herz auf, daß
sie darauf achthatte, was von Paulus geredet ward.
Als sie aber mit ihrem Hause
getauft ward, bat sie uns und sprach: Wenn ihr mich achtet, daß
ich gläubig bin an den Herrn, so kommt in mein Haus und
bleibet allda. Und sie nötigte uns.
Die Magd mit dem Wahrsagegeist
Es geschah aber, da wir zu dem
Gebet gingen, daß eine Magd uns begegnete, die hatte einen
Wahrsagegeist und trug ihren Herren viel Gewinn ein mit ihrem
Wahrsagen.
Die folgte allenthalben Paulus
und uns nach, schrie und sprach: Diese Menschen sind Knechte des
allerhöchsten Gottes, die euch den Weg des Heils
verkündigen.
Markus
1,24.34.
Solches tat sie manchen Tag.
Paulus aber tat das wehe, und er wandte sich um und sprach zu dem
Geist: Ich gebiete dir in dem Namen Jesu Christi, daß du
von ihr ausfahrest. Und er fuhr aus zu derselben Stunde.
Da aber ihre Herren sahen, daß
die Hoffnung ihres Gewinnes ausgefahren war, griffen sie Paulus
und Silas, zogen sie auf den Markt vor die Obersten
und führten sie vor die
Stadtrichter und sprachen: Diese Menschen bringen unsre Stadt in
Aufruhr; sie sind Juden
und verkündigen eine
Weise, welche uns nicht ziemt anzunehmen noch zu tun, weil wir
Römer sind.
Und das Volk ward erregt wider
sie; und die Stadtrichter ließen ihnen die Kleider abreißen
und hießen sie mit Ruten schlagen.
Der Kerkermeister
Und da man sie hart geschlagen
hatte, warf man sie ins Gefängnis und gebot dem
Kerkermeister, daß er sie wohl verwahrte.
Der, da er solches Gebot
empfangen hatte, warf sie in das innerste Gefängnis und
legte ihre Füße in den Stock.
Um die Mitternacht aber
beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie
die Gefangenen.
Plötzlich aber ward ein
großes Erdbeben, so daß sich bewegten die Grundfesten
des Gefängnisses. Und alsbald wurden alle Türen
aufgetan und die Fesseln aller gelöst.
Als aber der Kerkermeister aus
dem Schlafe fuhr und sah die Türen des Gefängnisses
aufgetan, zog er das Schwert und wollte sich selbst töten;
denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen.
Paulus aber rief laut und
sprach: Tu dir nichts Übles; denn wir sind alle hier!
Er forderte aber ein Licht und
sprang hinein und fing an zu zittern und fiel Paulus und Silas zu
Füßen
und führte sie heraus und
sprach: Liebe Herren, was soll ich tun, daß ich gerettet
werde?
Sie sprachen: Glaube an den
Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!
Und sie sagten ihm das Wort
Gottes und allen, die in seinem Hause waren.
Und er nahm sie zu sich in
derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen ab. Und
er ließ sich taufen und alle die Seinen alsbald
und führte sie in sein
Haus und deckte ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen
Hause, daß er an Gott gläubig geworden war.
Und da es Tag ward, sandten
die Stadtrichter die Amtsdiener und sprachen: Laß die
Menschen gehen!
Und der Kerkermeister
verkündete diese Rede dem Paulus: Die Stadtrichter haben
hergesandt, daß ihr frei sein sollt. Nun ziehet aus und
gehet hin mit Frieden!
Paulus aber sprach zu ihnen:
Sie haben uns ohne Recht und Urteil öffentlich geschlagen,
die wir doch römische Bürger sind, und in das Gefängnis
geworfen, und sollten uns nun heimlich fortschicken? Nicht also;
sondern lasset sie selbst kommen und uns hinausführen!
Die Amtsdiener verkündeten
diese Worte den Stadtrichtern. Und sie fürchteten sich, da
sie hörten, daß sie römische Bürger wären,
und kamen und redeten ihnen
zu, führten sie heraus und baten sie, daß sie auszögen
aus der Stadt.
Da gingen sie aus dem
Gefängnis und gingen zu der Lydia. Und da sie die Brüder
gesehen und ihnen zugesprochen hatten, zogen sie fort.
In Thessalonich
Kapitel 17
Nachdem sie aber durch
Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie nach
Thessalonich; da war eine Synagoge der Juden.
Wie nun Paulus gewohnt war,
ging er zu ihnen hinein und redete zu ihnen an drei Sabbaten aus
der Schrift,
tat sie ihnen auf und legte
ihnen dar, daß Christus mußte leiden und auferstehen
von den Toten und daß dieser Jesus, den ich – sprach
er – euch verkündige, der Christus ist.
Und etliche unter ihnen fielen
ihm zu und gesellten sich zu Paulus und Silas, auch der
gottesfürchtigen Griechen eine große Menge, dazu der
angesehensten Frauen nicht wenige.
Aber die Juden wurden voll
Neid und nahmen zu sich etliche üble Männer aus dem
Pöbel, rotteten sich zusammen und richteten einen Aufruhr in
der Stadt an und zogen vor das Haus Jasons und suchten sie, um
sie vor das Volk zu führen.
Sie fanden sie aber nicht. Da
schleiften sie den Jason und etliche Brüder vor die Obersten
der Stadt und schrien: Diese, die den ganzen Weltkreis erregen,
sind auch hierher gekommen;
die beherbergt Jason. Und
diese alle handeln wider des Kaisers Gebote, sagen, ein anderer
sei König, nämlich Jesus.
Sie erregten aber das Volk und
die Obersten der Stadt, die solches hörten.
Und erst nachdem ihnen
Bürgschaft von Jason und den andern geleistet war, ließen
sie sie los.
In Beröa
Die Brüder aber ließen
alsbald bei der Nacht Paulus und Silas nach Beröa ziehen. Da
sie dahin kamen, gingen sie in die Synagoge der Juden.
Diese aber waren besser als
die zu Thessalonich; die nahmen das Wort auf ganz willig und
forschten täglich in der Schrift, ob sich's so verhielte.
So glaubten nun viele von
ihnen, auch nicht wenige von den angesehenen Frauen und Männern
unter den Griechen.
Als aber die Juden von
Thessalonich erfuhren, daß auch zu Beröa das Wort
Gottes von Paulus verkündigt würde, kamen sie und
erregten und verwirrten auch allda das Volk.
Da ließen die Brüder
Paulus alsbald ziehen, daß er ginge bis an das Meer; Silas
aber und Timotheus blieben da.
Die aber Paulus geleiteten,
führten ihn bis nach Athen. Und nachdem sie Befehl empfangen
hatten an Silas und Timotheus, daß sie aufs schnellste zu
ihm kämen, kehrten sie zurück.
In Athen
Als aber Paulus auf sie zu
Athen wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, da er sah die Stadt
voller Götzenbilder.
Und er redete zu den Juden und
Gottesfürchtigen in der Synagoge, auch auf dem Markte alle
Tage zu denen, die sich herzufanden.
Etliche Philosophen aber,
Epikureer und Stoiker, stritten mit ihm. Und etliche sprachen:
Was will dieser Schwätzer sagen? Etliche aber: Es sieht aus,
als wolle er fremde Götter verkündigen. Er hatte ihnen
nämlich das Evangelium von Jesus und von der Auferstehung
verkündigt.
Sie nahmen ihn aber und
führten ihn auf den Areopag und sprachen: Können wir
erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du lehrest?
Denn du bringst etwas Neues
vor unsere Ohren; so wollen wir gerne wissen, was das sei.
Die Athener aber alle, auch
die Fremdlinge, die bei ihnen wohnten, waren gerichtet auf nichts
andres, als etwas Neues zu sagen oder zu hören.
Paulus aber stand
mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich
sehe, daß ihr in allen Stücken gar sehr die Götter
fürchtet.
Ich bin umhergegangen und habe
gesehen eure Heiligtümer und fand einen Altar, darauf war
geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch,
was ihr unwissend verehrt.
Gott, der die Welt gemacht hat
und alles, was darinnen ist, er, der ein Herr ist Himmels und der
Erde, wohnt nicht in Tempeln mit Händen gemacht;
auch läßt er sich
nicht von Menschenhänden dienen, als bedürfe er
jemandes, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles
gibt.
Und er hat gemacht, daß
von Einem aller Menschen Geschlechter stammen, die auf dem
ganzen Erdboden wohnen, und hat bestimmt, wie lange und wie weit
sie wohnen sollen,
damit sie Gott suchen sollten,
ob sie wohl ihn fühlen und finden möchten; und fürwahr,
er ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns.
Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch
etliche Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines
Geschlechts.
So wir denn göttlichen
Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei
gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch
menschliche Kunst und Gedanken gemacht.
Die Zeit der Unwissenheit zwar
hat Gott übersehen; nun aber gebietet er den Menschen, daß
alle an allen Enden Buße tun.
Denn er hat einen Tag gesetzt,
an welchem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch
einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann
den Glauben angeboten, indem er ihn auferweckt hat von den Toten.
Da sie hörten von
der Auferstehung der Toten, da hatten's etliche ihren Spott;
etliche aber sprachen: Wir wollen dich davon ein andermal hören.
So ging Paulus von ihnen.
Etliche Männer aber
hingen ihm an und wurden gläubig, unter welchen auch war
Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und
andere mit ihnen.
In Korinth
Kapitel 18
Danach schied
Paulus von Athen und kam nach Korinth
und fand einen Juden mit Namen Aquila, von Geburt aus
Pontus, welcher samt seiner Frau Priscilla kürzlich aus
Italien gekommen war, darum daß der Kaiser Klaudius allen
Juden geboten hatte, Rom zu verlassen.
Zu denen ging Paulus; und weil er gleichen Handwerks war,
blieb er bei ihnen und arbeitete mit ihnen. Sie waren aber ihres
Handwerks Zeltmacher.
Und er lehrte in der Synagoge an allen Sabbaten und
überzeugte Juden und Griechen.
Da aber Silas und Timotheus aus Mazedonien kamen, richtete
sich Paulus ganz auf die Verkündigung des Wortes und
bezeugte den Juden, daß Jesus der Christus sei.
Da sie aber widerstrebten und lästerten, schüttelte
er die Kleider aus und sprach zu ihnen: Euer Blut komme über
euer Haupt; rein gehe ich von nun an zu den Heiden!
Und machte sich von dannen und kam in das Haus eines
Mannes mit Namen Titius Justus, der gottesfürchtig war;
dessen Haus war neben der Synagoge.
Krispus aber, der Vorsteher der Synagoge, kam zum Glauben
an den Herrn mit seinem ganzen Hause; und viele Korinther, die
zuhörten, wurden gläubig und ließen sich taufen.
Es sprach aber der Herr durch ein Gesicht in der
Nacht zu Paulus: Fürchte dich nicht, sondern rede und
schweige nicht!
denn ich bin mit dir, und niemand soll sich
unterstehen, dir zu schaden; denn ich habe ein großes Volk
in dieser Stadt.
Und er blieb daselbst ein Jahr
und sechs Monate und lehrte unter ihnen das Wort Gottes.
Als aber Gallio
Landvogt war in Achaja, empörten sich die Juden einmütig
wider Paulus und führten ihn vor den Richterstuhl
und sprachen: Dieser Mensch
überredet die Leute, Gott zu dienen dem Gesetze zuwider.
Als aber Paulus wollte den
Mund auftun, sprach Gallio zu den Juden: Wenn es ein Frevel oder
ein Vergehen wäre, ihr Juden, so hörte ich euch billig;
weil es aber Fragen sind von
der Lehre und von Personen und von dem Gesetz unter euch, so
sehet ihr selber zu; ich gedenke, darüber nicht Richter zu
sein.
Und trieb sie von dem
Richterstuhl.
Da ergriffen sie alle
Sosthenes, den Vorsteher der Synagoge, und schlugen ihn vor dem
Richterstuhl, und Gallio kümmerte sich nicht darum.
Rückkehr nach Antiochien
Paulus aber blieb noch eine
Zeitlang daselbst. Danach nahm er Abschied von den Brüdern
und wollte nach Syrien fahren und mit ihm Priscilla und Aquila.
Und er schor sein Haupt zu Kenchreä, denn er hatte ein
Gelübde.
Und sie kamen nach Ephesus,
und er ließ sie daselbst; er aber ging in die Synagoge und
redete mit den Juden.
Sie baten ihn aber, daß
er längere Zeit bei ihnen bliebe. Doch er willigte nicht
ein,
sondern nahm Abschied von
ihnen und sprach: Will's Gott, so will ich wieder zu euch kommen.
Und fuhr weg von Ephesus
und kam nach Cäsarea und
ging hinauf nach Jerusalem und grüßte die Gemeinde und
zog hinab nach Antiochien.
Beginn der dritten Missionsreise
Und nachdem er etliche Zeit
verweilt hatte, brach er wieder auf und durchzog nacheinander das
galatische Land und Phrygien und stärkte alle Jünger.
Apollos in Ephesus
Es kam aber nach Ephesus ein
Jude mit Namen Apollos, von Geburt aus Alexandrien, ein beredter
Mann und mächtig in der Schrift.
Dieser war unterwiesen in der
Lehre des Herrn und redete brennend im Geist und lehrte richtig
von Jesus, wußte aber nur von der Taufe des Johannes.
Dieser fing an, frei
öffentlich zu predigen in der Synagoge. Da ihn aber Aquila
und Priscilla hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm
die Lehre Gottes noch genauer aus.
Da er aber wollte nach Achaja
reisen, bestärkten ihn die Brüder und schrieben an die
Jünger, daß sie ihn aufnähmen. Und als er dahin
gekommen war, half er viel denen, die gläubig geworden waren
durch die Gnade.
Denn er überwand die
Juden mit Kraft und erwies öffentlich durch die Schrift, daß
Jesus der Christus sei.
Paulus in Ephesus
Kapitel 19
Es geschah aber, als Apollos
zu Korinth war, daß Paulus durchwanderte das obere Land und
kam nach Ephesus und fand etliche Jünger;
zu denen sprach er: Habt ihr
den heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie
sprachen zu ihm: Wir haben noch nie gehört, daß ein
heiliger Geist ist.
Und er sprach zu ihnen: Worauf
seid ihr dann getauft? Sie sprachen: Auf des Johannes Taufe.
Paulus aber sprach: Johannes
hat getauft mit der Taufe der Buße und sagte dem Volk, daß
sie sollten glauben an den, der nach ihm kommen sollte, das ist
an Jesus.
Da sie das hörten, ließen
sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesus.
Und da Paulus die Hände
auf sie legte, kam der heilige Geist auf sie, und sie redeten in
Zungen und weissagten.
Es waren aber zusammen etwa
zwölf Männer.
Er ging aber in die
Synagoge und predigte frei öffentlich drei Monate lang,
lehrte und überzeugte sie von dem Reich Gottes.
Da aber etliche verstockt
waren und nicht glaubten und übel redeten über die
Lehre vor der Menge, wich er von ihnen und sonderte die Jünger
ab und redete täglich in der Schule des Tyrannus.
Und das geschah zwei Jahre
lang, so daß alle, die in der Landschaft Asien wohnten, das
Wort des Herrn hörten, beide, Juden und Griechen.
Und Gott wirkte nicht geringe
Taten durch die Hand des Paulus,
so daß sie auch von
seiner Haut die Schweißtüchlein oder Binden über
die Kranken hielten und die Krankheiten von ihnen wichen und die
bösen Geister von ihnen ausfuhren.
Es unterstanden sich
aber etliche der umherziehenden Juden, die da Beschwörer
waren, den Namen des Herrn Jesus zu nennen über denen, die
da böse Geister hatten, und sprachen: Ich beschwöre
euch bei dem Jesus, den Paulus predigt.
Es waren ihrer aber sieben
Söhne eines jüdischen Hohenpriesters Skevas, die
solches taten.
Aber der böse Geist
antwortete und sprach: Jesus kenne ich wohl, und von Paulus weiß
ich wohl; wer seid ihr aber?
Und der Mensch, in dem der
böse Geist war, sprang auf sie und ward ihrer aller mächtig
und warf sie unter sich, so daß sie nackt und verwundet aus
dem Hause entflohen.
Das aber ward kund allen, die
zu Ephesus wohnten, sowohl Juden als Griechen; und es fiel eine
Furcht über sie alle, und der Name des Herrn Jesus ward hoch
gelobt.
Es kamen auch viele
derer, die gläubig waren geworden, und bekannten und
verkündeten, was sie getrieben hatten.
Viele aber, die da Zauberei
getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen und
verbrannten sie öffentlich und überrechneten, was sie
wert waren, und fanden des Geldes fünfzigtausend
Silbergroschen.
So wuchs das Wort durch die
Kraft des Herrn und ward mächtig.
Da das ausgerichtet
war, setzte sich Paulus im Geiste vor, durch Mazedonien und
Achaja zu ziehen und nach Jerusalem zu reisen, und sprach:
Hernach, wenn ich daselbst gewesen bin, muß ich auch Rom
sehen.
Und er sandte zwei, die ihm
dienten, Timotheus und Erastus, nach Mazedonien; er aber blieb
noch eine Weile in der Landschaft Asien.
Der Aufruhr des Demetrius
Es erhob sich aber um diese
Zeit eine nicht geringe Unruhe über die neue Lehre.
Denn einer mit Namen
Demetrius, ein Goldschmied, der machte silberne Tempel der Diana
und wandte denen vom Handwerk nicht geringen Gewinn zu.
Dieselben und die Beiarbeiter
dieses Handwerks versammelte er und sprach: Liebe Männer,
ihr wisset, daß wir großen Gewinn von diesem Gewerbe
haben;
und ihr sehet und höret,
daß nicht allein zu Ephesus, sondern auch fast in der
ganzen Landschaft Asien dieser Paulus viel Volks abfällig
macht, überredet und spricht: Was von Händen gemacht
ist, das sind keine Götter.
Aber es droht nicht nur unser
Gewerbe dahin zu geraten, daß es nichts mehr gilt, sondern
auch der Tempel der großen Göttin Diana wird für
nichts geachtet werden, und sogar ihre göttliche Majestät
wird untergehen, welcher doch die ganze Landschaft Asien und der
Weltkreis Anbetung erzeigt.
Als sie das hörten,
wurden sie voll Zorn, schrien und sprachen: Groß ist die
Diana der Epheser!
Und die ganze Stadt ward voll
Getümmel; sie stürmten aber einmütig zum Theater
und ergriffen Gajus und Aristarchus aus Mazedonien, des Paulus
Gefährten.
Da aber Paulus wollte unter
das Volk gehen, ließen's ihm die Jünger nicht zu.
Auch etliche der Obersten in
der Landschaft Asien, die ihm freundlich gesinnt waren, sandten
zu ihm und ermahnten ihn, daß er sich nicht zum Theater
begäbe.
Etliche schrien so, etliche
anders, und die Versammlung war in Verwirrung, und die meisten
wußten nicht, warum sie zusammengekommen waren.
Etliche vom Volk zogen den
Alexander nach vorn, den die Juden vorschickten. Alexander aber
winkte mit der Hand und wollte vor dem Volke reden.
Da sie aber innewurden, daß
er ein Jude war, erhob sich eine Stimme von allen, und
schrien bei zwei Stunden: Groß ist die Diana der Epheser!
Da aber der Kanzler das Volk
beruhigt hatte, sprach er: Ihr Männer von Ephesus, wo ist
ein Mensch, der nicht wisse, daß die Stadt Ephesus sei eine
Hüterin der großen Göttin Diana und ihres Bildes,
das vom Himmel gefallen ist?
Weil nun das unwidersprechlich
ist, so sollt ihr ja stille sein und nichts Unbedachtes tun.
Ihr habt diese Menschen
hergeführt, die weder Tempelräuber noch Lästerer
unserer Göttin sind.
Hat aber Demetrius und die mit
ihm sind vom Handwerk an jemanden einen Anspruch, so gibt es
Gerichte und sind Landvögte da; lasset sie sich
untereinander verklagen.
Wollt ihr aber noch etwas
darüber hinaus, so mag man es ausrichten in einer
ordentlichen Volksversammlung.
Denn wir stehen in der Gefahr,
daß wir um des heutigen Tages willen des Aufruhrs verklagt
werden möchten, und ist doch keine Sache vorhanden, womit
wird solchen Aufruhr entschuldigen könnten. Und da er
solches gesagt, ließ er die Versammlung gehen.
Paulus in Mazedonien und Griechenland
Kapitel 20
Da nun das Getümmel
aufgehört hatte, rief Paulus die Jünger zu sich und
ermahnte sie, nahm Abschied und zog aus, zu reisen nach
Mazedonien.
Und als er diese Länder
durchzogen und sie ermahnt hatte mit vielen Worten, kam er nach
Griechenland und verweilte allda drei Monate.
Da ihm aber die Juden
nachstellten, als er zu Schiff nach Syrien wollte fahren,
beschloß er, zurückzukehren durch Mazedonien.
Es zogen aber mit ihm Sopater
aus Beröa, des Pyrrhus Sohn, aus Thessalonich aber
Aristarchus und Sekundus, und Gajus aus Derbe und Timotheus, aus
der Landschaft Asien aber Tychikus und Trophimus.
Diese gingen voran und harrten
unser zu Troas.
In Troas
Wir aber fuhren nach den Tagen
der ungesäuerten Brote mit dem Schiff von Philippi ab und
kamen am fünften Tag zu ihnen nach Troas und blieben
daselbst sieben Tage.
Am ersten Tage der
Woche aber, da wir versammelt waren, das Brot zu brechen,
predigte ihnen Paulus und wollte des andern Tages weiterreisen
und zog die Rede hin bis zur Mitternacht.
Und es waren viele Lampen in
dem Obergemach, wo wir versammelt waren.
Es saß aber ein Jüngling
mit Namen Eutychus in einem Fenster und sank in einen tiefen
Schlaf, weil Paulus so lange redete, und ward vom Schlaf
überwältigt und fiel hinunter vom dritten Stockwerk und
ward tot aufgehoben.
Paulus aber ging hinab und
legte sich auf ihn, umfing ihn und sprach: Machet kein Getümmel;
denn seine Seele ist in ihm.
Dann ging er hinauf und brach
das Brot und aß und redete viel mit ihnen, bis der Tag
anbrach; und so zog er hinweg.
Sie brachten aber den Knaben
lebendig und wurden nicht wenig getröstet.
Wir aber zogen voraus
zum Schiff und fuhren nach Assos und wollten daselbst Paulus zu
uns nehmen; denn er hatte es so befohlen, weil er selbst wollte
zu Fuß gehen.
Als er nun uns traf zu Assos,
nahmen wir ihn zu uns und kamen nach Mitylene.
Und von da fuhren wir weiter und kamen des andern Tages
hin gegen Chios; und des folgenden Tages erreichten wir Samos;
und des nächsten Tages kamen wir nach Milet.
Denn Paulus hatte beschlossen, an Ephesus vorüberzufahren,
damit er nicht müßte in der Landschaft Asien Zeit
zubringen; denn er eilte, auf den Pfingsttag zu Jerusalem zu
sein, so es ihm möglich wäre.
In Milet. Abschied von den Ältesten von Ephesus
Aber von Milet sandte er nach
Ephesus und ließ rufen die Ältesten von der Gemeinde.
Als aber die zu ihm kamen,
sprach er zu ihnen: Ihr wisset, wie ich von dem ersten Tage an,
da ich bin in die Landschaft Asien gekommen, allezeit bei euch
gewesen bin
und dem Herrn gedient habe mit
aller Demut und mit Tränen und Anfechtungen, die mir sind
widerfahren von den Juden, die mir nachstellten.
Ich habe euch nichts
vorenthalten, was da nützlich ist, daß ich's euch
nicht verkündigt hätte und euch gelehrt öffentlich
und in den Häusern
und habe bezeugt den Juden und
Griechen die Bekehrung zu Gott und den Glauben an unsern Herrn
Jesus.
Und nun siehe, im Geiste
gebunden fahre ich hin nach Jerusalem, weiß nicht, was mir
daselbst begegnen wird,
nur daß der heilige
Geist in allen Städten mir bezeugt und spricht, Gefängnis
und Trübsale warten mein.
Aber ich achte für mich
selbst mein Leben keiner Rede wert, wenn ich nur vollende meinen
Lauf und das Amt, das ich empfangen habe von dem Herrn Jesus, zu
bezeugen das Evangelium von der Gnade Gottes.
Und nun siehe, ich weiß,
daß ihr mein Angesicht nicht mehr sehen werdet, ihr alle,
zu welchen ich hingekommen bin und das Reich gepredigt habe.
Darum bezeuge ich euch an
diesem heutigen Tage, daß ich rein bin von aller Blut;
denn ich habe nicht
unterlassen, euch zu verkündigen den ganzen Ratschluß
Gottes.
So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze
Herde, unter welche euch der heilige Geist gesetzt hat zu
Bischöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, welche er durch
sein eigen Blut erworben hat.
Denn das weiß ich, daß
nach meinem Abscheiden werden unter euch kommen greuliche Wölfe,
die die Herde nicht verschonen werden.
Auch aus euch selbst werden
aufstehen Männer, die da verkehrte Lehren reden, die Jünger
an sich zu ziehen.
Darum seid wachsam und denket
daran, daß ich nicht abgelassen habe drei Jahre, Tag und
Nacht, einen jeglichen mit Tränen zu vermahnen.
Und nun befehle ich euch Gott
und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu
erbauen und zu geben das Erbe unter allen, die geheiligt sind.
Ich habe von niemand unter
euch Silber oder Gold oder Kleidung begehrt.
Denn ihr wisset selber, daß
mir diese Hände zum Unterhalt gedient haben für mich
und die, die mit mir gewesen sind.
Ich habe euch in allen Stücken
gezeigt, daß man so arbeiten und sich der Schwachen
annehmen müsse und gedenken an das Wort des Herrn Jesus, da
er gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen.
Und als er solches gesagt,
kniete er nieder und betete mit ihnen allen.
Es ward aber viel Weinen unter
ihnen allen, und sie fielen Paulus um den Hals und küßten
ihn,
am allermeisten betrübt
über das Wort, das er sagte, sie würden sein Angesicht
nicht mehr sehen; und geleiteten ihn auf das Schiff.
Von Milet nach Cäsarea. Agabus
Kapitel 21
Als wir uns nun
von ihnen losgerissen hatten und dahinfuhren, kamen wir
geradeswegs nach Kos und am folgenden Tage nach Rhodus und von da
nach Patara.
Und da wir ein Schiff fanden, das nach Phönizien
fuhr, stiegen wir ein und fuhren hin.
Als aber Cypern in Sicht kam, ließen wir es zur
linken Hand und fuhren nach Syrien und kamen an in Tyrus, denn
daselbst sollte das Schiff die Ware ausladen.
Und als wir die Jünger fanden, blieben wir daselbst
sieben Tage. Die sagten Paulus durch den Geist, er sollte nicht
hinauf nach Jerusalem ziehen.
Und es geschah, da wir die Tage zugebracht hatten, machten
wir uns auf und reisten weiter. Und sie geleiteten uns alle mit
Frauen und Kindern bis hinaus vor die Stadt, und wir knieten
nieder am Ufer und beteten.
Und als wir voneinander Abschied genommen hatten, stiegen
wir ins Schiff; jene aber wandten sich wieder heimwärts.
Wir aber fuhren mit dem Schiff und kamen von Tyrus nach
Ptolemais und grüßten die Brüder und blieben
einen Tag bei ihnen.
Des andern Tages zogen wir weiter und kamen nach
Cäsarea und gingen in das Haus des Philippus, des
Evangelisten, der einer von den Sieben war, und blieben bei ihm.
Der hatte vier Töchter, die waren Jungfrauen und
weissagten.
Und als wir mehrere Tage dablieben, kam herab aus Judäa
ein Prophet mit Namen Agabus.
Und als er zu uns kam, nahm er den Gürtel des Paulus
und band sich die Füße und Hände und sprach: Das
sagt der heilige Geist: Den Mann, des der Gürtel ist, werden
die Juden so binden zu Jerusalem und überantworten in der
Heiden Hände.
Als wir aber solches hörten, baten wir und die aus
dem Ort waren, daß er nicht hinauf nach Jerusalem zöge.
Paulus aber antwortete: Was macht ihr, daß ihr
weinet und brechet mir mein Herz? Denn ich bin bereit, nicht
allein mich binden zu lassen, sondern auch zu sterben zu
Jerusalem um des Namens willen des Herrn Jesus.
Da er aber sich nicht überreden ließ, schwiegen
wir und sprachen: Des Herrn Wille geschehe.
Ankunft in Jerusalem
Und nach diesen Tagen machten
wir uns fertig und zogen hinauf nach Jerusalem.
Es kamen aber mit uns auch
etliche Jünger von Cäsarea und führten uns zu
einem mit Namen Mnason aus Cypern, der ein alter Jünger war,
bei dem wir herbergen sollten.
Als wir nun nach Jerusalem
kamen, nahmen uns die Brüder mit Freuden auf.
Des andern Tages aber
ging Paulus mit uns zu Jakobus, und es kamen die Ältesten
alle dahin.
Und als er sie begrüßt
hatte, erzählte er eines nach dem andern, was Gott getan
hatte unter den Heiden durch seinen Dienst.
Da sie aber das hörten,
lobten sie Gott und sprachen zu ihm: Bruder, du siehst, wieviel
tausend Juden gläubig geworden sind, und sind alle Eiferer
für das Gesetz;
ihnen ist aber berichtet
worden über dich, daß du alle Juden, die unter den
Heiden wohnen, lehrest von Mose abfallen und sagest, sie sollen
ihre Kinder nicht beschneiden, auch nicht nach jüdischer
Weise leben.
Was nun? Auf jeden Fall werden
sie hören, daß du gekommen bist.
So tu nun dies, was wir dir
sagen.
Wir haben vier Männer,
die haben ein Gelübde auf sich; die nimm zu dir und lasse
dich reinigen mit ihnen und trage die Kosten für sie, daß
sie ihr Haupt scheren können; so werden alle erkennen, daß
es nicht so sei, wie ihnen über dich berichtet ist, sondern
daß du selber auch nach dem Gesetz lebst und es hältst.
Denn nur den Gläubigen
aus den Heiden haben wir geschrieben und beschlossen, daß
sie sich bewahren sollen vor dem Götzenopfer, vor Blut, vor
Ersticktem und vor Unzucht.
Da nahm Paulus die Männer
zu sich und reinigte sich des andern Tages mit ihnen und ging in
den Tempel und zeigte an, daß die Tage der Reinigung
vollendet seien, sobald für einen jeglichen unter ihnen das
Opfer gebracht wäre.
Gefangennahme des Paulus
Als aber die sieben Tage zu
Ende gingen, sahen ihn die Juden aus der Landschaft Asien im
Tempel und erregten das ganze Volk, legten die Hände an ihn
und schrien:
Ihr Männer von Israel,
helft! Dies ist der Mensch, der alle Menschen an allen Enden
lehrt wider unser Volk, wider das Gesetz und wider diese Stätte;
dazu hat er auch Griechen in den Tempel geführt und diese
heilige Stätte entweiht.
Denn sie hatten mit ihm in der
Stadt Trophimus, den Epheser, gesehen; den, meinten sie, hätte
Paulus in den Tempel geführt.
Und die ganze Stadt ward erregt, und ward ein Auflauf des
Volkes. Sie griffen aber Paulus und zogen ihn zum Tempel hinaus.
Und alsbald wurden die Türen zugeschlossen.
Da sie ihn aber töten wollten, kam die Kunde
hinauf vor den obersten Hauptmann der Schar, wie das ganze
Jerusalem in Aufruhr sei.
Der nahm alsbald Kriegsknechte und Hauptleute zu sich und
lief hinunter zu ihnen. Da sie aber den Oberhauptmann und die
Kriegsknechte sahen, hörten sie auf, Paulus zu schlagen.
Als aber der Oberhauptmann nahe herzukam, nahm er ihn an
sich und hieß ihn binden mit zwei Ketten und fragte, wer er
wäre und was er getan hätte.
Einer aber rief dies, der andre das im Volk. Da er aber
nichts Gewisses erfahren konnte um des Getümmels willen,
hieß er ihn in die Burg führen.
Und als er an die Stufen kam, mußten ihn die
Kriegsknechte tragen wegen des Ungestüms des Volkes,
denn es folgte viel Volks nach und schrie: Weg mit ihm!
Als aber Paulus in die Burg geführt werden sollte,
sprach er zu dem Oberhauptmann: Darf ich mit dir reden? Er aber
sprach: Kannst du Griechisch?
Bist du nicht der Ägypter, der vor diesen Tagen einen
Aufruhr gemacht hat und führte in die Wüste hinaus
viertausend Meuchelmörder?
Paulus aber sprach: Ich bin ein jüdischer Mann von
Tarsus, ein Bürger einer namhaften Stadt in Cilicien. Ich
bitte dich, erlaube mir, zu reden zu dem Volk.
Als er aber es ihm erlaubte, trat Paulus auf die Stufen
und winkte dem Volk mit der Hand. Da nun eine große Stille
ward, redete er zu ihnen auf hebräisch und sprach:
Paulus verantwortet sich vor dem Volk
Kapitel 22
Ihr Männer, liebe Brüder
und Väter, höret mir zu, wenn ich mich jetzt vor euch
verantworte.
Da sie aber hörten, daß
er auf hebräisch zu ihnen redete, wurden sie noch stiller.
Und er sprach:
Ich bin ein jüdischer
Mann, geboren zu Tarsus in Cilicien, aber erzogen in dieser
Stadt, zu den Füßen Gamaliels unterwiesen mit allem
Fleiß im väterlichen Gesetz, und war ein Eiferer für
Gott, gleichwie ihr heute alle seid.
Ich habe die neue Lehre
verfolgt bis auf den Tod; ich band und überantwortete ins
Gefängnis Männer und Frauen,
wie mir auch der Hohepriester
und die Ältesten alle bezeugen. Denn von ihnen empfing ich
Briefe an die Brüder und reiste nach Damaskus, daß ich
auch, die daselbst waren, gebunden führte nach Jerusalem,
damit sie bestraft würden.
Paulus berichtet seine Bekehrung
Es geschah aber, da ich hinzog
und nahe an Damaskus kam, umleuchtete mich plötzlich um den
Mittag ein großes Licht vom Himmel.
Und ich fiel zu Boden und
hörte eine Stimme, die sprach zu mir: Saul, Saul, was
verfolgst du mich?
Ich antwortete aber: Herr, wer
bist du? Und er sprach zu mir: Ich bin Jesus von Nazareth, den du
verfolgst.
Die aber mit mir waren, sahen
das Licht; die Stimme aber des, der mit mir redete, hörten
sie nicht.
Kapitel 9,7.
Ich sprach aber: Herr, was
soll ich tun? Und der Herr sprach zu mir: Stehe auf und gehe nach
Damaskus. Da wird man dir sagen von allem, was dir zu tun
verordnet ist.
Als ich aber wegen der
Klarheit dieses Lichtes nicht sehen konnte, ward ich an der Hand
geleitet von denen, die mit mir waren, und kam nach Damaskus.
Es war aber ein
gottesfürchtiger Mann nach dem Gesetz, Ananias, der einen
guten Ruf hatte bei allen Juden, die daselbst wohnten.
Der kam zu mir und trat her
und sprach zu mir: Saul, lieber Bruder, sei sehend! Und zu
derselben Stunde konnte ich ihn sehen.
Er aber sprach: Der Gott
unserer Väter hat dich verordnet, daß du seinen Willen
erkennen sollst und sehen den Gerechten und hören die Stimme
aus seinem Munde;
denn du wirst für ihn vor
allen Menschen Zeuge sein von dem, was du gesehen und gehört
hast.
Und nun, was zögerst du?
Stehe auf und rufe seinen Namen an und laß dich taufen und
abwaschen deine Sünden!
Es geschah aber, da ich
wieder nach Jerusalem kam und betete im Tempel, daß ich
verzückt ward und ihn sah.
Da sprach er zu mir: Eile und
mache dich behende von Jerusalem hinaus; denn sie werden nicht
annehmen dein Zeugnis über mich.
Und ich sprach: Herr, sie
wissen selbst, daß ich die, die an dich glaubten, gefangen
legte und peinigte in den Synagogen hin und her.
Und da das Blut des Stephanus,
deines Zeugen, vergossen ward, stand ich auch dabei und hatte
Wohlgefallen daran und verwahrte denen die Kleider, die ihn
töteten.
Und er sprach zu mir: Gehe
hin; denn ich will dich ferne unter die Heiden senden!
Sie hörten aber
ihm zu bis zu diesem Wort und erhoben ihre Stimme und sprachen:
Hinweg mit diesem von der Erde! Denn er darf nicht mehr leben.
Paulus vor dem römischen Oberhauptmann
Da sie aber schrien und ihre
Kleider abwarfen und Staub in die Luft wirbelten,
hieß ihn der
Oberhauptmann in die Burg führen und sagte, daß man
ihn geißeln und verhören sollte, auf daß er
erführe, um welcher Ursache willen sie so über ihn
schrien.
Als man ihn aber zum Geißeln
festband, sprach Paulus zu dem Hauptmann, der dabeistand: Dürft
ihr einen Menschen, der römischer Bürger ist, ohne
Urteil geißeln?
Da das der Hauptmann hörte,
ging er zu dem Oberhauptmann und berichtete ihm und sprach: Was
willst du tun? Dieser Mensch ist römischer Bürger.
Da kam zu ihm der
Oberhauptmann und sprach zu ihm: Sage mir, bist du römischer
Bürger? Er aber sprach: Ja.
Und der Oberhauptmann
antwortete: Ich habe dies Bürgerrecht um eine große
Summe erworben. Paulus aber sprach: Ich aber bin römisch
geboren.
Da ließen alsbald von
ihm ab, die ihn verhören sollten. Und der Oberhauptmann
fürchtete sich, da er vernahm, daß er römischer
Bürger war, und er ihn hatte festbinden lassen.
Des andern Tages wollte
er sicher erkunden, warum er verklagt würde von den Juden,
und ließ ihn losbinden und hieß die Hohenpriester und
den ganzen Hohen Rat zusammenkommen und führte Paulus
hinunter und stellte ihn vor sie.
Paulus vor dem Hohen Rat
Kapitel 23
Paulus aber sah den Hohen Rat
an und sprach: Ihr Männer, liebe Brüder, ich bin mit
allem guten Gewissen gewandelt vor Gott bis auf diesen Tag.
Der Hohepriester Ananias aber
befahl denen, die um ihn standen, daß sie ihn auf den Mund
schlügen.
Da sprach Paulus zu ihm: Gott
wird dich schlagen, du getünchte Wand! Sitzest du, mich zu
richten nach dem Gesetz, und heißest mich schlagen wider
das Gesetz?
Die aber umherstanden,
sprachen: Schiltst du den Hohenpriester Gottes?
Und Paulus sprach: Liebe
Brüder, ich wußte es nicht, daß er Hoherpriester
ist. Denn es steht geschrieben (2. Mose
22,27): «Den Obersten
deines Volkes sollst du nicht schmähen.»
Da aber Paulus wußte,
daß ein Teil Sadduzäer war und der andere Teil
Pharisäer, rief er im Rat: Ihr Männer, liebe Brüder,
ich bin ein Pharisäer und eines Pharisäers Sohn. Ich
werde angeklagt um der Hoffnung und um der Auferstehung der Toten
willen.
Da er aber das sagte, ward
eine Zwietracht unter den Pharisäern und Sadduzäern,
und die Versammlung spaltete sich.
Denn die Sadduzäer sagen,
es gebe keine Auferstehung noch einen Engel noch einen Geist; die
Pharisäer aber lehren das alles.
Es ward aber ein großes
Geschrei; und etliche Schriftgelehrte von der Pharisäer
Partei standen auf, stritten und sprachen: Wir finden nichts
Arges an diesem Menschen; vielleicht hat doch ein Geist oder ein
Engel mit ihm geredet.
Da aber die Zwietracht groß
ward, befürchtete der oberste Hauptmann, sie möchten
Paulus zerreißen, und hieß das Kriegsvolk hinabgehen
und ihn von ihnen reißen und in die Burg führen.
In der folgenden Nacht aber
stand der Herr bei ihm und sprach: Sei getrost! denn wie du für
mich Zeuge warst in Jerusalem, so mußt du auch in Rom Zeuge
sein.
Mordanschlag gegen Paulus
Als es aber Tag ward, taten
sich etliche Juden zusammen und verschworen sich, weder zu essen
noch zu trinken, bis daß sie Paulus getötet hätten.
Ihrer aber waren mehr als
vierzig, die solchen Bund machten.
Die traten zu den
Hohenpriestern und Ältesten und sprachen: Wir haben uns hart
verschworen, nichts zu essen, bis wir Paulus getötet haben.
So wirkt nun ihr mit dem Hohen
Rat bei dem Oberhauptmann dahin, daß er ihn zu euch
herunterführe, als wolltet ihr ihn besser verhören; wir
aber sind bereit, ihn zu töten, ehe denn er vor euch kommt.
Da aber des Paulus
Schwestersohn von dem Anschlag hörte, ging er hin und kam in
die Burg und berichtete es Paulus.
Paulus aber rief zu sich einen
von den Hauptleuten und sprach: Diesen Jüngling führe
hin zu dem Oberhauptmann, denn er hat ihm etwas zu sagen.
Der nahm ihn und führte
ihn zum Oberhauptmann und sprach: Der Gefangene Paulus rief mich
zu sich und bat mich, diesen Jüngling zu dir zu führen,
der dir etwas zu sagen habe.
Da nahm ihn der Oberhauptmann
bei der Hand und trat beiseite und fragte ihn: Was ist's, das du
mir zu sagen hast?
Er aber sprach: Die Juden sind
eins geworden, dich zu bitten, daß du morgen Paulus vor den
Hohen Rat herunterbringen lassest, als wollten sie ihn besser
verhören.
Du aber traue ihnen nicht;
denn es lauern auf ihn mehr als vierzig Männer von ihnen,
die haben sich verschworen, weder zu essen noch zu trinken, bis
sie ihn getötet hätten; und sind jetzt bereit und
warten auf deine Zusage.
Da ließ der
Oberhauptmann den Jüngling von sich und gebot ihm, niemand
zu sagen, daß er ihm solches eröffnet hätte.
Paulus wird nach Cäsarea gebracht
Und der Oberhauptmann rief zu
sich zwei Hauptleute und sprach: Rüstet zweihundert
Kriegsknechte, daß sie nach Cäsarea ziehen, und
siebzig Reiter und zweihundert Schützen auf die dritte
Stunde der Nacht;
und haltet Tiere bereit, daß
sie Paulus draufsetzen und bringen ihn wohlbewahrt zu Felix, dem
Landpfleger.
Und schrieb einen Brief, der
lautete so:
Klaudius Lysias dem edlen
Landpfleger Felix, Gruß zuvor!
Diesen Mann hatten die Juden
gegriffen und wollten ihn töten. Da kam ich mit dem
Kriegsvolk dazu und riß ihn von ihnen, als ich erfuhr, daß
er ein römischer Bürger ist.
Da ich aber erkunden wollte
die Ursache, um derentwillen sie ihn beschuldigten, führte
ich ihn hinunter vor ihren Hohen Rat.
Da fand ich, daß er
beschuldigt ward wegen Fragen ihres Gesetzes, aber keine Anklage
gegen sich hatte, des Todes oder des Gefängnisses wert.
Und da vor mich kam, daß
etliche auf ihn lauerten, sandte ich ihn alsbald zu dir und wies
auch die Kläger an, daß sie vor dir sagten, was sie
wider ihn hätten.
Die Kriegsknechte, wie
ihnen befohlen war, nahmen Paulus und führten ihn bei der
Nacht nach Antipatris.
Des andern Tages aber ließen
sie die Reiter mit ihm ziehen und kehrten wieder in die Burg
zurück.
Als aber jene nach Cäsarea
kamen, übergaben sie den Brief dem Landpfleger und
überantworteten ihm auch Paulus.
Da der Landpfleger den Brief
las, fragte er, aus welchem Lande er wäre. Und da er erfuhr,
daß er aus Cilicien wäre, sprach er:
Ich will dich verhören,
wenn deine Verkläger auch da sind. Und hieß ihn
verwahren in dem Palast des Herodes.
Vor dem Landpfleger Felix
Kapitel 24
Nach fünf
Tagen zog hinab der Hohepriester Ananias mit einigen Ältesten
und mit dem Anwalt Tertullus; die erschienen vor dem Landpfleger
wider Paulus.
Als der aber herbeigerufen ward, fing Tertullus an, ihn zu
verklagen, und sprach:
Daß wir in großem Frieden leben unter dir und
viel Wohltaten diesem Volk widerfahren durch deine Fürsorge,
edelster Felix, das erkennen wir an allewege und allenthalben mit
aller Dankbarkeit.
Auf daß ich aber dich nicht zu lange aufhalte, bitte
ich dich, du wollest uns in Kürze hören nach deiner
Geneigtheit.
Wir haben diesen Mann erfunden als eine Pest und als
einen, der Aufruhr erregt unter allen Juden auf dem ganzen
Erdboden, und als einen Anführer der Sekte der Nazarener.
Er hat auch versucht, den Tempel zu entweihen. Ihn haben
wir gegriffen, <und
wir wollten ihn richten nach unserem Gesetz,
aber Lysias, der Oberhauptmann, kam dazu und führte
ihn mit großer Gewalt aus unseren Händen
und hieß seine Ankläger zu dir kommen>.
Wenn du ihn verhörst, kannst du selbst das alles von ihm
erkunden, weswegen wir ihn verklagen.
Die Juden aber redeten auch dazu und sprachen, es
verhielte sich so.
Paulus aber, als
ihm der Landpfleger winkte zu reden, antwortete: Weil ich weiß,
daß du in diesem Volk nun viele Jahre Richter bist, will
ich unerschrocken mich verantworten.
Du kannst erfahren, daß es nicht mehr als zwölf
Tage sind, daß ich bin hinauf nach Jerusalem gekommen,
anzubeten.
Und sie haben mich weder im Tempel noch in den Synagogen
noch in der Stadt gefunden mit jemand streiten oder einen Aufruhr
machen im Volk.
Sie können dir auch nicht beweisen, dessen sie mich
verklagen.
Das bekenne ich dir aber, daß ich nach der Lehre,
die sie eine Sekte heißen, dem Gott meiner Väter so
diene, daß ich glaube allem, was geschrieben steht im
Gesetz und in den Propheten,
und habe die Hoffnung zu Gott, auf welche auch sie selbst
warten, nämlich daß es geben wird eine Auferstehung
der Gerechten und Ungerechten.
Dabei übe ich mich, zu haben ein unverletzt
Gewissen allenthalben gegen Gott und die Menschen.
Nach mehreren Jahren aber bin
ich gekommen, um Almosen für mein Volk zu bringen und zu
opfern.
Dabei haben mich, wie ich mich
gereinigt hatte im Tempel ohne allen Lärm und Getümmel,
etliche Juden aus der
Landschaft Asien gefunden, welche sollten hier sein vor dir und
mich verklagen, wenn sie etwas wider mich hätten.
Oder laß diese hier
selbst sagen, was für ein Unrecht sie gefunden haben, als
ich stand vor dem Hohen Rat;
es wäre denn dies eine
Wort, da ich unter ihnen stand und rief: Um der Auferstehung der
Toten willen werde ich von euch heute angeklagt.
Die Verschleppung des Prozesses
Felix aber zog sie hin; denn
er wußte gar wohl um diese Lehre und sprach: Wenn Lysias,
der Oberhauptmann, herabkommt, so will ich eure Sache
entscheiden.
Er befahl aber dem Hauptmann,
Paulus gefangen zu behalten, doch in leichtem Gewahrsam, und daß
er niemand von den Seinen wehrte, ihm zu dienen.
Nach etlichen Tagen
aber kam Felix mit Drusilla, seiner Frau, die eine Jüdin
war, und ließ Paulus kommen und hörte ihn über
den Glauben an Christus Jesus.
Da aber Paulus redete von
Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit und von dem zukünftigen
Gericht, erschrak Felix und antwortete: Gehe hin für
diesmal; wenn ich gelegene Zeit habe, will ich dich wieder rufen
lassen.
Er hoffte aber daneben,
daß ihm von Paulus sollte Geld gegeben werden; darum ließ
er ihn auch oft kommen und besprach sich mit ihm.
Als aber zwei Jahre um waren,
kam Porcius Festus an des Felix Statt. Felix aber wollte den
Juden eine Gunst erzeigen und ließ Paulus gefangen zurück.
Gerichtsverhandlung vor Festus
Kapitel 25
Als nun Festus ins Land
gekommen war, zog er nach drei Tagen hinauf von Cäsarea nach
Jerusalem.
Da erschienen vor ihm die
Hohenpriester und die Vornehmsten der Juden wider Paulus und
drangen in ihn
und baten um die Gunst wider
ihn, daß er ihn kommen ließe nach Jerusalem, und
wollten ihm einen Hinterhalt legen, auf daß sie ihn
unterwegs umbrächten.
Da antwortete Festus, Paulus
bleibe in Gewahrsam zu Cäsarea; er selber aber würde in
kurzem wieder dahin ziehen.
Welche nun unter euch, sprach
er, Macht haben, die lasset mit hinabziehen und den Mann
verklagen, wenn etwas Unrechtes an ihm ist.
Nachdem aber Festus bei
ihnen nicht mehr als acht oder zehn Tage gewesen war, zog er
hinab nach Cäsarea; und des andern Tages setzte er sich auf
den Richterstuhl und hieß Paulus holen.
Als der aber vor ihn kam,
traten um ihn her die Juden, die von Jerusalem herabgekommen
waren, und brachten viele und schwere Klagen vor, welche sie
nicht konnten beweisen,
da Paulus sich verantwortete
und sagte: Ich habe weder an der Juden Gesetz noch an dem Tempel
noch am Kaiser mich versündigt.
Des Paulus Berufung auf den Kaiser
Festus aber wollte den Juden
eine Gunst erzeigen und antwortete Paulus und sprach: Willst du
hinauf nach Jerusalem und daselbst über diese Sachen dich
vor mir richten lassen?
Paulus aber sprach: Ich stehe
vor des Kaisers Gericht, da muß ich gerichtet werden! Den
Juden habe ich kein Unrecht getan, wie auch du aufs beste weißt.
Habe ich aber Unrecht getan
und des Todes wert gehandelt, so weigere ich mich nicht zu
sterben; ist aber nichts an dem, dessen sie mich verklagen, so
darf mich auch niemand ihnen preisgeben. Ich berufe mich auf den
Kaiser!
Da besprach sich Festus mit
seinen Ratgebern und antwortete: Auf den Kaiser hast du dich
berufen, zum Kaiser sollst du ziehen.
König Agrippa
Aber nach etlichen Tagen kamen
der König Agrippa und Bernice nach Cäsarea, Festus zu
begrüßen.
Und als sie etliche Tage
daselbst gewesen waren, legte Festus dem König die Sache des
Paulus vor und sprach: Es ist ein Mann von Felix zurückgelassen
als Gefangener,
um welches willen die
Hohenpriester und Ältesten der Juden vor mir erschienen, als
ich zu Jerusalem war, und baten, ich sollte ihn richten lassen.
Denen antwortete ich: Es ist
der Römer Weise nicht, daß ein Mensch preisgegeben
werde, ehe denn der Verklagte seinen Klägern gegenüberstand
und Gelegenheit hatte, sich auf die Anklage zu verantworten.
Als sie aber hier
zusammenkamen, machte ich keinen Aufschub und hielt des andern
Tages Gericht und hieß den Mann vorführen.
Und als seine Verkläger
auftraten, brachten sie der schlimmen Klagen keine vor, die ich
erwartete.
Sie hatten aber etliche
Streitfragen wider ihn von ihrem Glauben und von einem
verstorbenen Jesus, von welchem Paulus sagte, er lebe.
Da ich aber mich auf die Frage
nicht verstand, sprach ich, ob er wollte nach Jerusalem reisen
und daselbst sich darüber lassen richten.
Da aber Paulus sich darauf
berief, daß er für des Kaisers Entscheidung im
Gewahrsam behalten werde, hieß ich ihn behalten, bis daß
ich ihn zum Kaiser sende.
Agrippa aber sprach zu Festus:
Ich möchte den Menschen auch gerne hören. Er aber
sprach: Morgen sollst du ihn hören.
Und am andern Tage
kamen Agrippa und Bernice mit großem Gepränge und
gingen in das Richthaus mit den Hauptleuten und vornehmsten
Männern der Stadt, und da es Festus befahl, ward Paulus
gebracht.
Und Festus sprach: König
Agrippa und alle ihr Männer, die ihr mit uns hier seid, da
sehet ihr den, um welchen mich die ganze Menge der Juden
angegangen hat zu Jerusalem und auch hier und schrien, er dürfe
nicht länger leben.
Ich aber, da ich erkannte, daß
er nichts getan hatte, was des Todes wert sei, und er auch selber
sich auf den Kaiser berief, habe ich beschlossen, ihn dorthin zu
senden.
Etwas Gewisses aber habe ich
über ihn nicht, das ich meinem Herrn schreibe. Darum habe
ich ihn lassen herbringen vor euch, allermeist aber vor dich,
König Agrippa, auf daß ich nach geschehenem Verhör
etwas habe, was ich schreiben kann.
Denn es erscheint mir
unsinnig, einen Gefangenen zu schicken und keine Beschuldigung
wider ihn anzuzeigen.
Paulus verantwortet sich vor Festus und Agrippa
Kapitel 26
Agrippa aber sprach zu Paulus:
Es ist dir erlaubt, für dich zu reden. Da reckte Paulus die
Hand aus und verantwortete sich:
Es ist mir sehr lieb, König
Agrippa, daß ich mich heute vor dir verantworten soll über
alles, dessen ich von den Juden beschuldigt werde,
allermeist weil du kundig bist
aller Sitten und Fragen der Juden. Darum bitte ich, du wollest
mich geduldig hören.
Zwar mein Leben von
Jugend auf, wie ich es von Anfang an unter meinem Volk und in
Jerusalem zugebracht habe, ist allen Juden bekannt,
die mich von früher
kennen, wenn sie es wollten bezeugen. Denn nach der
allerstrengsten Sekte unsers Glaubens habe ich gelebt als
Pharisäer.
Und nun stehe ich und werde
angeklagt wegen der Hoffnung auf die Verheißung, die
gegeben ist von Gott unsern Vätern
und zu welcher hoffen zu
kommen die zwölf Stämme der Unsern mit unablässigem
Gottesdienst Tag und Nacht. Dieser Hoffnung halben werde ich, o
König, von den Juden beschuldigt.
Warum wird das für
unglaublich bei euch geachtet, daß Gott Tote auferweckt?
Zwar meinte auch ich bei mir
selbst, ich müßte viel zuwider tun dem Namen Jesu von
Nazareth,
wie ich denn auch zu Jerusalem
getan habe, wo ich viele Heilige ins Gefängnis brachte, wozu
ich Vollmacht von den Hohenpriestern empfangen hatte; und wenn
sie getötet wurden, half ich das Urteil sprechen.
Und in allen Synagogen
peinigte ich sie oft und zwang sie zu lästern; und war
überaus unsinnig auf sie, verfolgte sie auch bis in die
fremden Städte.
Paulus schildert seine Bekehrung
Und als ich nach Damaskus
reiste mit Vollmacht und Befehl von den Hohenpriestern,
sah ich mitten am Tage, o
König, auf dem Wege ein Licht vom Himmel, heller als der
Sonne Glanz, das mich und die mit mir reisten umleuchtete.
Als wir aber alle zur Erde
niederfielen, hörte ich eine Stimme reden zu mir, die sprach
auf hebräisch: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Es wird
dir schwer sein, wider den Stachel zu löcken*.
*d. h.
ausschlagen.
Ich aber sprach: Herr, wer
bist du? Der Herr sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst; aber
stehe auf und tritt auf deine Füße.
Denn dazu bin ich dir
erschienen, daß ich dich verordne zum Diener und Zeugen
dessen, was du von mir gesehen hast und was ich dir noch will
erscheinen lassen.
Und ich will dich erretten von
dem Volk und von den Heiden, unter welche ich dich sende,
aufzutun ihre Augen, daß
sie sich bekehren von der Finsternis zu dem Licht und von der
Gewalt des Satans zu Gott, um zu empfangen Vergebung der Sünden
und das Erbteil samt denen, die geheiligt sind durch den Glauben
an mich.
Daher, König
Agrippa, war ich der himmlischen Erscheinung nicht ungehorsam,
sondern verkündigte
zuerst denen zu Damaskus und zu Jerusalem und im ganzen jüdischen
Land und auch den Heiden, daß sie Buße täten und
sich bekehrten zu Gott und täten rechtschaffene Werke der
Buße.
Um deswillen haben mich die
Juden im Tempel gegriffen und versuchten, mich zu töten.
Aber mit Gottes Hilfe stehe
ich da bis auf diesen Tag und gebe Zeugnis den Kleinen und Großen
und sage nichts, als was die Propheten und Mose gesagt haben, daß
es geschehen sollte:
daß der Christus sollte
leiden und der erste sein aus der Auferstehung von den Toten und
verkündigen das Licht dem Volk und den Heiden.
Da er aber solches zur
Verantwortung vorbrachte, sprach Festus mit lauter Stimme:
Paulus, du rasest! Das große Wissen macht dich rasend.
Paulus aber sprach: Edler
Festus, ich rase nicht, sondern ich rede wahre und vernünftige
Worte.
Denn der König weiß
solches wohl, zu welchem ich freimütig rede. Denn ich achte,
ihm sei der keines verborgen; denn solches ist nicht im Winkel
geschehen.
Johannes
18,20.
Glaubst du, König
Agrippa, den Propheten? Ich weiß, daß du glaubst.
Agrippa aber sprach zu Paulus:
Es fehlt nicht viel, du wirst mich noch bereden und mich zum
Christen machen.
Paulus aber sprach: Ich
wünschte vor Gott, es fehle nun viel oder wenig, daß
nicht allein du, sondern alle, die mich heute hören, solche
würden, wie ich bin, ausgenommen diese Fesseln.
Da stand der König
auf und der Landpfleger und Bernice und die mit ihnen saßen
und gingen beiseite, redeten
miteinander und sprachen: Dieser Mensch hat nichts getan, was des
Todes oder der Fesseln wert sei.
Agrippa aber sprach zu Festus:
Dieser Mensch hätte können losgegeben werden, wenn er
sich nicht auf den Kaiser berufen hätte.
Paulus auf der Fahrt nach Rom
Kapitel 27
Da es aber
beschlossen war, daß wir nach Italien fahren sollten,
übergaben sie Paulus und etliche andre Gefangene einem
Hauptmann mit Namen Julius von der kaiserlichen Schar.
Wir
bestiegen aber ein adramyttisches Schiff, das die Küstenstädte
der Landschaft Asien anlaufen sollte, und fuhren ab vom Lande;
und mit uns war Aristarchus, ein Mazedonier von Thessalonich.
Und des
andern Tages kamen wir an zu Sidon; und Julius hielt sich
freundlich gegen Paulus und erlaubte ihm, zu seinen Freunden zu
gehen und sich pflegen zu lassen.
Und von da
stießen wir ab und fuhren im Schutz von Cypern hin, darum
daß uns die Winde entgegen waren,
und fuhren
durch das offene Meer bei Cilicien und Pamphylien und kamen nach
Myra in Lycien.
Und
daselbst fand der Hauptmann ein Schiff von Alexandrien, das nach
Italien ging, und ließ uns darauf übersteigen.
Da wir
aber in vielen Tagen langsam fuhren und nur mit Mühe bis
Knidus kamen, denn der Wind wehrte uns, segelten wir im Schutz
von Kreta hin bei Salmone
und kamen
kaum daran vorüber und gelangten an eine Stätte, die
heißt Gutfurt; dabei war nahe die Stadt Lasäa.
Da
nun viel Zeit vergangen war und nunmehr die Schiffahrt gefährlich
war, darum daß auch die Fastenzeit schon vorüber war,
vermahnte sie Paulus
und sprach zu ihnen: Liebe Männer, ich sehe, daß
die Fahrt nur mit Leid und großem Schaden vor sich gehen
wird, nicht allein für die Ladung und das Schiff, sondern
auch für unser Leben.
Aber der Hauptmann glaubte dem Steuermann und dem
Schiffsherrn mehr als dem, was Paulus sagte.
Und da der Hafen ungelegen war zum Überwintern,
bestanden die meisten von ihnen auf dem Plan, weiterzufahren, ob
sie zum Überwintern bis nach Phönix kommen könnten,
welches ist ein Hafen auf Kreta, offen gegen Südwest und
Nordwest.
Seesturm und Schiffbruch
Da aber der Südwind wehte, meinten sie, sie könnten
nun ihr Vorhaben ausführen, und lichteten die Anker und
fuhren ganz nahe an Kreta hin.
Nicht lange aber danach erhob sich von der Insel her eine
Windsbraut, die man nennt Nordost.
Und da das Schiff ergriffen ward und konnte sich nicht
wider den Wind halten, gaben wir nach und trieben dahin.
Wir fuhren aber hin unter dem Schutz einer kleinen Insel,
die heißt Klauda; da konnten wir kaum das Beiboot in unsre
Gewalt bekommen.
Sie zogen es herauf und umspannten zum Schutz das Schiff
mit Seilen. Da sie aber fürchteten, es möchte in die
Syrte geraten, ließen sie die Treibanker herunter und
trieben so dahin.
Und da wir großes Ungewitter erlitten, warfen sie
des nächsten Tages Ladung ins Meer.
Und am dritten Tage warfen sie mit eigenen Händen das
Schiffsgerät hinaus.
Da aber in vielen Tagen weder Sonne noch Sterne erschienen
und ein gewaltiges Ungewitter uns bedrängte, war alle
Hoffnung auf Rettung dahin.
Und da man lange nicht gegessen hatte, trat Paulus
mitten unter sie und sprach: Liebe Männer, man sollte mir
gehorcht haben und nicht von Kreta aufgebrochen sein und uns
dieses Leides und Schadens überhoben haben.
Doch nun ermahne ich euch, daß ihr unverzagt seid;
denn keiner von euch wird umkommen, nur das Schiff.
Denn diese Nacht ist bei mir gestanden der Engel Gottes,
des ich bin und dem ich diene,
und sprach: Fürchte dich nicht, Paulus, du mußt
vor den Kaiser gestellt werden; und siehe, Gott hat dir geschenkt
alle, die mit dir fahren.
Darum, liebe Männer, seid unverzagt; denn ich glaube
Gott, es wird also geschehen, wie mir gesagt ist.
Wir müssen aber anfahren an eine Insel.
Als aber die vierzehnte Nacht kam, seit wir im
Adria-Meer fuhren, wähnten die Schiffsleute um die
Mitternacht, sie kämen an ein Land.
Und sie warfen das Senkblei aus und fanden zwanzig Klafter
tief; und ein wenig davon senkten sie abermals und fanden
fünfzehn Klafter.
Da fürchteten sie, wir würden an Klippen stoßen,
und warfen hinten vom Schiffe vier Anker und wünschten, daß
es Tag würde.
Da aber die Schiffsleute zu fliehen suchten aus dem
Schiffe und das Beiboot niederließen in das Meer und
vorgaben, sie wollten die Anker vorn aus dem Schiffe lassen,
sprach Paulus zu dem Hauptmann und zu den Kriegsknechten:
Wenn diese nicht im Schiffe bleiben, so könnt ihr nicht
gerettet werden.
Da hieben die Kriegsknechte die Stricke ab von dem Boot
und ließen es fallen.
Und da es anfing hell zu werden, ermahnte sie
Paulus alle, daß sie Speise nähmen, und sprach: Es ist
heute der vierzehnte Tag, daß ihr wartet und ohne Speise
geblieben seid und habt nichts zu euch genommen.
Darum ermahne ich euch, Speise zu nehmen, denn das dient
zu eurer Rettung; es wird euer keinem ein Haar vom Haupt fallen.
Und da er das gesagt, nahm er ein Brot, dankte Gott vor
ihnen allen und brach's und fing an zu essen.
Da wurden sie alle guten Mutes und nahmen auch Speise.
Unser waren aber alle zusammen im Schiff
zweihundertsechsundsiebzig Seelen.
Und nachdem sie satt geworden, erleichterten sie das
Schiff und warfen das Getreide in das Meer.
Als es aber Tag ward, kannten sie das Land nicht;
eine Bucht aber wurden sie gewahr, die hatte ein flaches Ufer. Da
hinan wollten sie das Schiff treiben, wenn es möglich wäre.
Und sie hieben die Anker ab und ließen sie dem Meer,
banden zugleich die Steuerruder los und richteten das Segel nach
dem Winde und hielten auf das Ufer zu.
Und da sie auf eine Sandbank gerieten, ließen sie
das Schiff auflaufen, und das Vorderschiff blieb feststehen
unbeweglich, aber das Hinterschiff zerbrach von der Gewalt der
Wellen.
Die Kriegsknechte aber hatten vor, die Gefangenen zu
töten, auf daß nicht jemand fortschwimme und
entfliehe.
Aber der Hauptmann wollte Paulus erhalten und wehrte ihrem
Vorhaben und hieß, die da schwimmen könnten, sich
zuerst in das Meer werfen und entrinnen an das Land,
die andern aber etliche auf Brettern, etliche auf den
Trümmern des Schiffes. Und so geschah es, daß sie alle
gerettet ans Land kamen.
Auf der Insel Malta
Kapitel 28
Und als wir gerettet waren,
erfuhren wir, daß die Insel Malta hieß.
Die Leute aber erzeigten uns
nicht geringe Freundschaft, zündeten ein Feuer an und nahmen
uns alle auf um des Regens, der über uns gekommen war, und
um der Kälte willen.
Als aber Paulus einen Haufen
Reiser zusammenraffte und legte sie aufs Feuer, kam eine Otter
von der Hitze hervor und fuhr Paulus an seine Hand.
Da aber die Leute sahen das
Tier an seiner Hand hangen, sprachen sie untereinander: Dieser
Mensch muß ein Mörder sein, welchen die Rache nicht
leben läßt, ob er gleich dem Meer entgangen ist.
Er aber schlenkerte das Tier
ins Feuer, und ihm widerfuhr nichts Übles.
Sie aber warteten, daß
er anschwellen würde oder plötzlich tot niederfallen.
Da sie aber lange warteten und sahen, daß ihm nichts
Schlimmes widerfuhr, wurden sie andren Sinnes und sprachen, er
wäre ein Gott.
In dieser Gegend aber
hatte der Oberste der Insel, mit Namen Publius, ein Landgut; der
nahm uns auf und beherbergte uns drei Tage freundlich.
Es geschah aber, daß der
Vater des Publius am Fieber und an der Ruhr lag. Zu dem ging
Paulus hinein und betete und legte die Hände auf ihn und
machte ihn gesund.
Da das geschah, kamen auch die
andern auf der Insel herzu, die Krankheiten hatten, und ließen
sich gesund machen.
Und sie taten uns große
Ehre; und als wir abreisten, luden sie auf, was uns not war.
Von Malta nach Rom
Nach drei Monaten aber fuhren
wir ab in einem Schiffe von Alexandrien, welches bei der Insel
überwintert hatte und das Zeichen der Zwillinge führte.
Und als wir nach Syrakus
kamen, blieben wir drei Tage da.
Von da fuhren wir herum und
kamen nach Regium; und da am nächsten Tag der Südwind
sich erhob, kamen wir in zwei Tagen nach Puteoli.
Da fanden wir Brüder und
wurden von ihnen gebeten, daß wir sieben Tage dablieben.
Und so kamen wir nach Rom.
Und von dort, da die Brüder
von uns hörten, gingen sie uns entgegen bis nach Forum Appii
und Tres Tabernä. Da Paulus sie sah, dankte er Gott und
gewann Zuversicht.
Als wir aber nach Rom kamen,
<überantwortete
der Unterhauptmann die Gefangenen dem obersten Hauptmann. Aber
es> ward Paulus
erlaubt zu wohnen, wo er wollte, mit einem Kriegsknechte, der ihn
bewachte.
Paulus in Rom
Es geschah aber nach drei
Tagen, daß Paulus zusammenrief die Vornehmsten der Juden.
Da die zusammenkamen, sprach er zu ihnen: Ihr Männer, liebe
Brüder, ich habe nichts getan wider unser Volk noch wider
väterliche Sitten und bin doch als Gefangener aus Jerusalem
übergeben in der Römer Hände,
die mich, nachdem sie mich
verhört hatten, losgeben wollten, weil nichts an mir war,
das den Tod verdient hätte.
Da aber die Juden dawider
redeten, ward ich genötigt, mich auf den Kaiser zu berufen;
nicht, als hätte ich mein Volk um etwas zu verklagen.
Um dieser Ursache willen habe
ich euch gebeten, daß ich euch sehen und sprechen dürfte;
denn um der Hoffnung Israels willen trage ich diese Kette.
Sie aber sprachen zu ihm: Wir
haben weder Briefe empfangen aus Judäa deinethalben, noch
ist ein Bruder gekommen, der von dir etwas Arges berichtet oder
gesagt hätte.
Doch wollen wir von dir hören,
was du denkst; denn von dieser Sekte ist uns kund, daß ihr
wird an allen Enden widersprochen.
Und da sie ihm einen Tag bestimmt hatten, kamen viele zu
ihm in die Herberge, welchen er auslegte und bezeugte das Reich
Gottes, und predigte ihnen von Jesus aus dem Gesetz des Mose und
aus den Propheten von frühmorgens an bis an den Abend.
Und etliche fielen dem zu, was er sagte; etliche aber
glaubten nicht.
Sie waren aber untereinander uneins und gingen weg,
als Paulus das eine Wort redete: Sehr recht hat der
heilige Geist gesagt durch den Propheten Jesaja zu euren Vätern
und gesprochen (Jesaja
6,9.10): «Gehe
hin zu diesem Volk und sprich: Mit den Ohren werdet ihr's hören,
und nicht verstehen; und mit den Augen werdet ihr's sehen, und
nicht erkennen.
Denn das Herz dieses Volks ist
verstockt, und sie hören schwer mit den Ohren und ihre Augen
haben sie verschlossen, auf daß sie nicht etwa sehen mit
den Augen und hören mit den Ohren und verständig werden
im Herzen und sich bekehren und ich ihnen hülfe.»
So sei es euch kundgetan, daß den Heiden gesandt
ist dies Heil Gottes; und sie werden's hören.
<Und
da er solches redete, gingen die Juden hin und hatten viele
Fragen untereinander.>
Paulus aber blieb zwei
volle Jahre in seiner eigenen Wohnung und nahm auf alle, die zu
ihm kamen,
predigte das Reich Gottes und
lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit allem Freimut
ungehindert.
DER
BRIEF DES PAULUS AN DIE RÖMER
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