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DIE BIBEL
Heilige
Schrift
DAS
EVANGELIUM NACH JOHANNES
Kapitel 11 -
21
Auferweckung des Lazarus
Kapitel 11
Es lag aber einer
krank mit Namen Lazarus aus Bethanien, dem Dorfe Marias und ihrer
Schwester Martha.
Maria aber war es, die den Herrn gesalbt hat mit Salbe und
seine Füße getrocknet mit ihrem Haar. Deren Bruder
Lazarus war krank.
Da sandten seine Schwestern zu ihm und ließen ihm
sagen: Herr, siehe, den du lieb hast, der liegt krank.
Da Jesus das hörte, sprach er: Diese Krankheit ist
nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes, daß der
Sohn Gottes dadurch verherrlicht werde.
Jesus aber hatte Martha lieb und ihre Schwester und
Lazarus.
Als er nun hörte, daß er krank war, blieb er
noch zwei Tage an dem Ort, da er war;
danach aber spricht er zu seinen Jüngern: Laßt
uns wieder nach Judäa ziehen!
Seine Jünger sprachen zu ihm: Meister, vor kurzem
erst wollten die Juden dich steinigen, und du willst wieder dahin
ziehen?
Jesus antwortete: Sind nicht des Tages zwölf Stunden?
Wer des Tages wandelt, der stößt sich nicht; denn er
sieht das Licht dieser Welt.
Wer aber des Nachts wandelt, der stößt sich;
denn es ist kein Licht in ihm.
Solches sagte er, und danach spricht er zu ihnen:
Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, daß
ich ihn aufwecke.
Da sprachen seine Jünger: Herr, schläft er, so
wird's besser mit ihm.
Jesus aber sprach von seinem Tode; sie meinten aber, er
rede vom leiblichen Schlaf.
Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist
gestorben;
und ich bin froh um euretwillen, daß ich nicht
dagewesen bin, auf daß ihr glaubet. Aber lasset uns zu ihm
ziehen!
Da sprach Thomas, der genannt ist Zwilling, zu den
Jüngern: Laßt uns mitziehen, daß wir mit ihm
sterben!
Da kam Jesus und
fand ihn schon vier Tage im Grabe liegen.
Bethanien aber war nahe bei Jerusalem, bei einer halben
Stunde.
Und viele Juden waren zu Martha und Maria gekommen, sie zu
trösten über ihren Bruder.
Als Martha nun hörte, daß Jesus kommt,
ging sie ihm entgegen; Maria aber blieb daheim sitzen.
Da sprach Martha zu Jesus: Herr, wärest du hier
gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben.
Aber auch jetzt noch weiß ich, daß, was du
bittest von Gott, das wird dir Gott geben.
Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.
Martha spricht zu ihm: Ich weiß wohl, daß er
auferstehen wird in der Auferstehung am Jüngsten Tage.
Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das
Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe;
und wer da lebet und glaubet an mich, der wird
nimmermehr sterben. Glaubst du das?
Sie spricht zu ihm: Herr, ja;
ich glaube, daß du bist der Christus, der Sohn Gottes, der
in die Welt gekommen ist.
Und da sie das gesagt
hatte, ging sie hin und rief ihre Schwester Maria heimlich und
sprach: Der Meister ist da und ruft dich.
Dieselbe, als sie das hörte,
stand sie eilends auf und kam zu ihm.
Jesus aber war noch nicht in
das Dorf gekommen, sondern war noch an dem Ort, da ihm Martha
entgegengekommen war.
Die Juden, die bei ihr im
Hause waren und sie trösteten, da sie sahen, daß Maria
eilends aufstand und hinausging, folgten sie ihr nach und
dachten: Sie geht hin zum Grabe, daß sie daselbst weine.
Als nun Maria dahin
kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie zu seinen Füßen
und sprach zu ihm: Herr, wärest du hier gewesen, mein Bruder
wäre nicht gestorben.
Als Jesus sie sah weinen und
die Juden auch weinen, die mit ihr kamen, ergrimmte er im Geist
und ward betrübt in sich selbst
und sprach: Wo habt ihr ihn
hingelegt? Sie sprachen zu ihm: Herr, komm und sieh es!
Und Jesus gingen die Augen
über.
Da sprachen die Juden: Siehe,
wie hat er ihn so lieb gehabt!
Etliche aber unter ihnen
sprachen: Konnte, der dem Blinden die Augen aufgetan hat, nicht
schaffen, daß auch dieser nicht stürbe?
Da ergrimmte Jesus abermals in
sich selbst und kam zum Grabe. Es war aber eine Höhle, und
ein Stein davor gelegt.
Jesus sprach: Hebt den Stein
weg! Spricht zu ihm Martha, die Schwester des Verstorbenen: Herr,
er stinkt schon; denn er hat vier Tage gelegen.
Jesus spricht zu ihr: Habe
ich dir nicht gesagt: wenn du glaubtest, so würdest du die
Herrlichkeit Gottes sehen?
Da hoben sie den Stein weg.
Jesus aber hob seine Augen empor und sprach: Vater, ich danke
dir, daß du mich erhört hast.
Ich wußte wohl, daß
du mich allezeit hörst; aber um des Volks willen, das
umhersteht, habe ich geredet, damit sie glauben, daß du
mich gesandt hast.
Da er das gesagt hatte, rief
er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!
Und der Verstorbene kam
heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und
Händen und sein Angesicht verhüllt mit einem
Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: Löset die Binden
und lasset ihn gehen!
Viele nun von den Juden, die
zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus tat, glaubten an
ihn.
Jesu Feinde beschließen seinen Tod
Etliche aber von ihnen gingen
hin zu den Pharisäern und sagten ihnen, was Jesus getan
hatte.
Da versammelten die
Hohenpriester und die Pharisäer den Rat und sprachen: Was
tun wir? Dieser Mensch tut viele Zeichen.
Lassen wir ihn so, dann werden
sie alle an ihn glauben, und es werden die Römer kommen und
nehmen uns Land und Leute.
Einer aber unter ihnen,
Kaiphas, der desselben Jahres Hoherpriester war, sprach zu ihnen:
Ihr wisset nichts;
ihr bedenket auch nicht: Es
ist euch besser, ein Mensch sterbe für das Volk, als
daß das ganze Volk verderbe.
Solches aber redete er nicht
von sich selbst, sondern, weil er desselben Jahres Hoherpriester
war, weissagte er. Denn Jesus sollte sterben für das Volk,
und nicht für das Volk
allein, sondern damit er auch die Kinder Gottes, die zerstreut
waren, zusammenbrächte.
Von dem Tage an war es für
sie beschlossen, daß sie ihn töteten.
Jesus aber wandelte nicht mehr
öffentlich unter den Juden, sondern ging von dannen in eine
Gegend nahe bei der Wüste, in eine Stadt, genannt Ephraim,
und blieb daselbst mit seinen Jüngern.
Es war aber nahe das Ostern
der Juden; und es gingen aus der Gegend viele hinauf nach
Jerusalem vor Ostern, daß sie sich reinigten.
Da standen sie und fragten
nach Jesus und redeten miteinander im Tempel: Was dünkt
euch? Wird er wohl kommen auf das Fest?
Es hatten aber die
Hohenpriester und Pharisäer ein Gebot ausgehen lassen: wenn
jemand wüßte, wo er wäre, solle er's anzeigen,
damit sie ihn greifen könnten.
Salbung in Bethanien
Kapitel 12
Sechs Tage vor Ostern kam
Jesus nach Bethanien, wo Lazarus war, welchen Jesus auferweckt
hatte von den Toten.
Daselbst machten sie ihm ein
Mahl, und Martha diente; Lazarus aber war deren einer, die mit
ihm zu Tische lagen.
Da nahm Maria ein Pfund Salbe
von unverfälschter, köstlicher Narde und salbte die
Füße Jesu und trocknete mit ihrem Haar seine Füße;
das Haus aber ward voll vom Geruch der Salbe.
Da sprach seiner Jünger
einer, Judas Ischarioth, der ihn hernach verriet:
Warum ist diese Salbe nicht
verkauft um dreihundert Silbergroschen und den Armen gegeben?
Das sagte er aber nicht, weil
er nach den Armen fragte, sondern er war ein Dieb und hatte den
Beutel und nahm an sich, was gegeben ward.
Da sprach Jesus: Laß sie
mit Frieden! Mag es gelten für den Tag meines Begräbnisses.
Denn Arme habt ihr allezeit
bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit.
Da erfuhr viel Volks
der Juden, daß er daselbst war, und kamen nicht allein um
Jesu willen, sondern damit sie auch Lazarus sähen, welchen
er von den Toten erweckt hatte.
Aber die Hohenpriester
beschlossen, daß sie auch Lazarus töteten;
denn um seinetwillen gingen
viele Juden hin und glaubten an Jesus.
Einzug in Jerusalem
Des andern Tages, da viel
Volks, das aufs Fest gekommen war, hörte, daß Jesus
käme nach Jerusalem,
nahmen sie Palmenzweige und
gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei,
der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!
Jesus aber fand ein
Eselsfüllen und ritt darauf; wie denn geschrieben steht
(Sacharja 9,9):
«Fürchte
dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt,
reitend auf einem Eselsfüllen.»
Solches aber verstanden seine
Jünger zuerst nicht; aber als Jesus verherrlicht ward, da
dachten sie daran, daß solches von ihm geschrieben war und
man solches ihm getan hatte.
Das Volk aber, das mit ihm
war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten
auferweckte, rühmte die Tat.
Darum ging ihm auch das Volk
entgegen, da sie hörten, er hätte solches Zeichen
getan.
Die Pharisäer aber
sprachen untereinander: Ihr sehet, daß ihr nichts
ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach!
Die Verherrlichung naht
Es waren aber etliche Griechen
unter denen, die hinaufgekommen waren, daß sie anbeteten
auf dem Fest.
Die traten zu Philippus, der
von Bethsaida aus Galiläa war, baten ihn und sprachen: Herr,
wir wollten Jesus gerne sehen.
Philippus kommt und sagt's
Andreas, und Philippus und Andreas sagten's Jesus weiter.
Jesus aber antwortete ihnen
und sprach: Die Zeit ist gekommen, daß des Menschen Sohn
verherrlicht werde.
Wahrlich, wahrlich, ich sage
euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und
erstirbt, so bleibt's allein; wenn es aber erstirbt, so bringt es
viel Frucht.
Wer sein Leben lieb hat, der
wird's verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasset, der
wird's erhalten zum ewigen Leben.
Wer mir dienen will, der folge
mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer
mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.
Jetzt ist meine Seele
betrübt. Und was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus dieser
Stunde? Nein, darum bin ich in diese Stunde gekommen.
Vater, verherrliche deinen
Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verherrlicht
und will ihn abermals verherrlichen.
Da sprach das Volk, das
dabeistand und zuhörte: Es donnerte. Die andern sprachen: Es
redete ein Engel mit ihm.
Jesus antwortete und sprach:
Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um
euretwillen.
Jetzt geht das Gericht über
die Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen
werden.
Und ich, wenn ich * erhöht
werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen.
*Kapitel
8,28.
Das sagte er aber, zu zeigen,
welches Todes er sterben würde.
Da antwortete ihm das
Volk: Wir haben gehört im Gesetz, daß der Christus
ewiglich bleibe; und wie sagst du denn: Des Menschen Sohn muß
erhöht werden? Wer ist dieser Menschensohn?
Da sprach Jesus zu ihnen: Es
ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, solange
ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle.
Wer in der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er
hingeht.
Glaubet an das Licht, solange
ihr's habt, auf daß ihr des Lichtes Kinder werdet.
Unglaube des Volkes
Solches redete Jesus und ging weg
und verbarg sich vor ihnen.
Und ob er wohl
solche Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie doch nicht an
ihn;
auf daß erfüllt würde der Spruch des
Propheten Jesaja, den er sagte (Jesaja
53,1): «Herr, wer
glaubt unserm Predigen? Und wem ist der Arm des Herrn offenbart?»
Darum konnten sie nicht glauben, denn Jesaja sagte
abermals (Jesaja 6,9.10):
«Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz
verstockt, daß sie mit den Augen nicht sehen noch mit dem
Herzen vernehmen und sich bekehren, und ich ihnen hülfe.»
Solches sagte Jesaja, da er seine Herrlichkeit sah, und
redete von ihm.
Doch auch der Obersten glaubten viele an ihn; aber um der
Pharisäer willen bekannten sie es nicht, auf daß sie
nicht in den Bann getan würden.
Denn sie hatten lieber die Ehre bei den Menschen als die
Ehre bei Gott.
Jesus aber rief und sprach: Wer an mich glaubt, der
glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat.
Und wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat.
Ich bin gekommen in die Welt ein Licht, damit, wer an mich
glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.
Und wer meine Worte hört und bewahrt sie nicht, den
werde ich nicht richten; denn ich bin nicht gekommen, daß
ich die Welt richte, sondern daß ich die Welt rette.
Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht auf, der
hat schon seinen Richter: Das Wort, welches ich geredet habe, das
wird ihn richten am Jüngsten Tage.
Denn ich habe nicht von mir selber geredet; sondern der
Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was
ich sagen und reden soll.
Und ich weiß: sein Gebot ist das ewige Leben. Darum,
was ich rede, das rede ich so, wie mir der Vater gesagt hat.
Die Fußwaschung
Kapitel 13
Vor dem Osterfest aber
erkannte Jesus, daß seine Stunde gekommen war, daß er
aus dieser Welt ginge zum Vater; und wie er hatte geliebt die
Seinen, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.
Und bei dem Abendessen, da
schon der Teufel hatte dem Judas, Simons Sohn, dem Ischarioth,
ins Herz gegeben, daß er ihn verriete,
und Jesus wußte, daß
ihm der Vater hatte alles in seine Hände gegeben und daß
er von Gott gekommen war und zu Gott ging:
stand er vom Abendmahl auf,
legte seine Kleider ab und nahm einen Schurz und umgürtete
sich.
Danach goß er Wasser in
ein Becken, hob an, den Jüngern die Füße zu
waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet
war.
Da kam er zu Simon Petrus; der
sprach zu ihm: Herr, solltest du mir meine Füße
waschen?
Jesus antwortete und sprach zu
ihm: Was ich tue, das weißt du jetzt nicht; du wirst es
aber hernach erfahren.
Da sprach Petrus zu ihm:
Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus
antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, so hast du kein
Teil an mir.
Spricht zu ihm Simon Petrus:
Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände
und das Haupt!
Spricht Jesus zu ihm: Wer
gewaschen ist, der bedarf nichts als noch die Füße
waschen; denn er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht
alle.
Denn er wußte seinen
Verräter wohl; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein.
Da er nun ihre Füße
gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder
nieder und sprach abermals zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch
getan habe?
Ihr heißet mich Meister
und Herr und saget recht daran, denn ich bin's auch.
Wenn nun ich, euer Herr und
Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt ihr
auch euch untereinander die Füße waschen.
Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr tut,
wie ich euch getan habe.
Wahrlich, wahrlich, ich sage
euch: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch
der Apostel größer als der, der ihn gesandt hat.
Wenn ihr solches wisset, selig
seid ihr, wenn ihr's tut.
Nicht rede ich von euch
allen; ich weiß, welche ich erwählt habe. Aber es muß
die Schrift erfüllt werden (Psalm
41,10): «Der mein Brot
isset, der tritt mich mit Füßen.»
Jetzt sage ich's euch, ehe
denn es geschieht, damit, wenn es geschehen ist, ihr glaubet, daß
ich es bin.
Wahrlich, wahrlich, ich sage
euch: Wer aufnimmt, wenn ich jemand senden werde, der nimmt mich
auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt
hat.
Jesus und der Verräter
Da Jesus solches gesagt hatte,
ward er betrübt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich,
wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.
Da sahen sich die Jünger
untereinander an, und ward ihnen bange, von welchem er redete.
Es war aber einer unter seinen
Jüngern, welchen Jesus lieb hatte, der lag bei Tische an der
Brust Jesu.
Dem winkte Simon Petrus und
sprach zu ihm: Sag, wer ist's, von dem er redet!
Der lehnte sich an die Brust
Jesu und sprach zu ihm: Herr, wer ist's?
Jesus antwortete: Der ist's,
dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er tauchte den Bissen
ein, nahm ihn und gab ihn dem Judas, des Simon Ischarioth Sohn.
Und nach dem Bissen fuhr der
Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald!
Es wußte aber niemand am
Tische, wozu er's ihm sagte.
Etliche meinten, weil Judas
den Beutel hatte, Jesus spräche zu ihm: Kaufe, was uns not
ist zum Fest, oder daß er den Armen etwas gäbe.
Da er nun den Bissen genommen
hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.
JESU ABSCHIEDSREDEN (Kapitel 13,31
– 16,33)
Die Verherrlichung
Da Judas aber hinausgegangen
war, spricht Jesus: Nun ist des Menschen Sohn verherrlicht, und
Gott ist verherrlicht in ihm.
Ist Gott verherrlicht in ihm,
so wird ihn Gott auch verherrlichen in sich und wird ihn alsbald
verherrlichen.
Liebe Kinder, ich bin noch
eine kleine Weile bei euch. Ihr werdet mich suchen; und wie ich
zu den Juden sagte: Wo ich hingehe, da könnt ihr nicht
hinkommen, so sage ich jetzt auch euch.
Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch
untereinander liebet, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr
einander lieb habet.
Daran wird jedermann erkennen, daß ihr meine
Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt.
Ankündigung der Verleugnung des Petrus
Spricht Simon Petrus zu ihm:
Herr, wo gehst du hin? Jesus antwortete ihm: Wo ich hingehe,
kannst du mir diesmal nicht folgen; aber du wirst mir nachmals
folgen.
Petrus spricht zu ihm: Herr,
warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für
dich lassen.
Jesus antwortete ihm: Solltest
du dein Leben für mich lassen? Wahrlich, wahrlich, ich sage
dir: Der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal habest
verleugnet.
Jesu Hingang zum Vater
Kapitel 14
Euer Herz erschrecke nicht!
Glaubet an Gott und glaubet an mich!
In meines Vaters Hause sind
viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, würde ich dann
zu euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch die Stätte zu
bereiten?
Und wenn ich hingehe, euch die
Stätte zu bereiten, so will ich wieder kommen und euch zu
mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin.
Und wo ich hingehe, - den Weg
wisset ihr.
Spricht zu ihm Thomas:
Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; und wie können wir
den Weg wissen?
Jesus spricht zu ihm: Ich
bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum
Vater denn durch mich.
Wenn ihr mich kenntet, so
kenntet ihr auch meinen Vater. Und von nun an kennet ihr ihn und
habt ihn gesehen.
Spricht zu ihm
Philippus: Herr, zeige uns den Vater, so ist's uns genug.
Jesus spricht zu ihm: So lange
bin ich bei euch, und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich
sieht, der sieht den Vater! Wie sprichst du denn: Zeige uns den
Vater?
Glaubst du nicht, daß
ich im Vater und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch
rede, die rede ich nicht von mir selbst. Der Vater aber, der in
mir wohnt, der tut seine Werke.
Glaubet mir, daß ich im
Vater und der Vater in mir ist; wo nicht, so glaubet mir doch um
der Werke willen.
Wahrlich, wahrlich, ich
sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die
ich tue, und wird größere als diese tun, denn ich gehe
zum Vater.
Und was ihr bitten werdet in
meinem Namen, das will ich tun, auf daß der Vater
verherrlicht werde in dem Sohne.
Was ihr mich bitten werdet in
meinem Namen, das will ich tun.
Verheißung des heiligen Geistes
Liebet ihr mich, so werdet ihr
meine Gebote halten.
Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen
andern Tröster
geben, daß er bei euch sei ewiglich:
den Geist der Wahrheit,
welchen die Welt nicht kann empfangen, denn sie sieht ihn nicht
und kennt ihn nicht. Ihr aber kennet ihn, denn er bleibt bei euch
und wird in euch sein.
Ich will euch nicht als Waisen
zurücklassen; ich komme zu euch.
Es ist noch um ein kleines,
dann wird mich die Welt nicht mehr sehen. Ihr aber sollt mich
sehen, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben.
An demselben Tage werdet ihr
erkennen, daß ich in meinem Vater bin und ihr in mir und
ich in euch.
Wer meine Gebote hat und hält
sie, der ist's, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von
meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich
ihm offenbaren.
Spricht zu ihm Judas,
nicht der Ischarioth: Herr, was ist's, daß du dich uns
willst offenbaren und nicht der Welt?
Jesus antwortete und sprach zu
ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater
wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm
machen.
Vers 21.
Kapitel 13,34. Sprüche 8,17. Epheser 3,17.
Wer aber mich nicht liebt, der
hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret,
ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat.
Solches habe ich zu
euch geredet, während ich bei euch gewesen bin.
Aber der Tröster, der
heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen,
der wird euch alles lehren und euch erinnern alles des, was ich
euch gesagt habe.
Der Friede Christi
Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich
euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz
erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
Ihr habt gehört, daß
ich euch gesagt habe: Ich gehe hin und komme wieder zu euch.
Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß
ich zum Vater gehe, denn der Vater ist größer als ich.
Und nun habe ich's euch
gesagt, ehe es geschieht, auf daß ihr glaubet, wenn es nun
geschehen wird.
Ich werde nicht mehr
viel mit euch reden, denn es kommt der Fürst der Welt. Er
hat keine Macht über mich,
aber die Welt soll erkennen,
daß ich den Vater liebe und tue, wie mir der Vater geboten
hat. Stehet auf und lasset uns von hinnen gehen.
Der rechte Weinstock
Kapitel 15
Ich bin der rechte Weinstock,
und mein Vater der Weingärtner.
Eine jegliche Rebe an mir, die
nicht Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jegliche, die da
Frucht bringt, wird er reinigen, daß sie mehr Frucht
bringe.
Ihr seid schon rein um des
Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
Bleibet in mir und ich in
euch. Gleichwie die Rebe kann keine Frucht bringen von sich
selber, sie bleibe denn am Weinstock, so auch ihr nicht, ihr
bleibet denn in mir.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir
bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich
könnt ihr nichts tun.
Wer nicht in mir bleibt, der
wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie
und wirft sie ins Feuer, und müssen brennen.
Wenn ihr in mir bleibet und
meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt,
und es wird euch widerfahren.
Darin wird mein Vater
verherrlicht, daß ihr viel Frucht bringet und werdet meine
Jünger.
Bleibet in meiner Liebe!
Gleichwie mich mein Vater
liebt, so liebe ich euch auch. Bleibet in meiner Liebe!
Wenn ihr meine Gebote haltet,
so bleibet ihr in meiner Liebe, gleichwie ich meines Vaters
Gebote halte und bleibe in seiner Liebe.
Solches rede ich zu euch,
damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen
werde.
Das ist mein Gebot, daß
ihr euch untereinander liebet, gleichwie ich euch liebe.
Niemand hat größere Liebe denn die, daß
er sein Leben läßt für seine Freunde.
Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch
gebiete.
Ich sage hinfort nicht, daß
ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr
tut. Euch aber habe ich gesagt, daß ihr Freunde seid; denn
alles, was ich habe von meinem Vater gehört, habe ich euch
kundgetan.
Ihr habt mich nicht erwählt, sondern ich habe euch
erwählt und gesetzt, daß ihr hingehet und Frucht
bringet und eure Frucht bleibe, damit, wenn ihr den Vater bittet
in meinem Namen, er's euch gebe.
Das gebiete ich euch,
daß ihr euch untereinander liebet.
Der Haß der Welt
Wenn euch die Welt hasset, so
wisset, daß sie mich vor euch gehaßt hat.
Wäret ihr von der Welt,
so hätte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der
Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum
hasset euch die Welt.
Gedenket an mein Wort, das ich
euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein
Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen;
haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten.
Aber das alles werden sie euch
tun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der mich
gesandt hat.
Wenn ich nicht gekommen
wäre und hätte es ihnen gesagt, so hätten sie
keine Sünde; nun aber können sie nichts vorwenden, ihre
Sünde zu entschuldigen.
Wer mich hasset, der hasset
auch meinen Vater.
Hätte ich nicht die Werke
getan unter ihnen, die kein anderer getan hat, so hätten sie
keine Sünde. Nun aber haben sie es gesehen und hassen doch
beide, mich und meinen Vater.
Doch muß erfüllt
werden der Spruch, in ihrem Gesetz geschrieben (Psalm
69,5): «Sie hassen mich
ohne Ursache.»
Wenn aber der Tröster
kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist
der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir.
Und auch ihr werdet meine
Zeugen sein, denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen.
Kapitel 16
Solches habe ich zu
euch geredet, damit ihr nicht Ärgernis nehmt.
Sie werden euch in den Bann
tun. Ja, es kommt die Stunde, daß wer euch tötet, wird
meinen, er tue Gott einen Dienst damit.
Und solches werden sie darum
tun, weil sie weder meinen Vater noch mich erkennen.
Aber solches habe ich zu euch
geredet, damit, wenn die Stunde kommen wird, ihr daran gedenket,
daß ich's euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von
Anfang nicht gesagt, denn ich war bei euch.
Wirken des heiligen Geistes
Nun aber gehe ich
hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand unter euch fragt
mich: Wo gehst du hin?
Sondern weil ich solches zu euch geredet habe, ist euer
Herz voll Trauerns geworden.
Aber ich sage euch die Wahrheit: es ist euch gut, daß
ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Tröster
nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden.
Und wenn derselbe kommt, wird er der Welt die Augen auftun
über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über
das Gericht;
über die Sünde: daß sie nicht glauben an
mich;
über die Gerechtigkeit: daß ich zum Vater gehe
und ihr mich hinfort nicht sehet;
über das Gericht: daß der Fürst dieser
Welt gerichtet ist.
Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt
es jetzt nicht tragen.
Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der
wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich
selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden,
und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.
Derselbe wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird
er's nehmen und euch verkündigen.
Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich
gesagt: Er wird's von dem Meinen nehmen und euch verkündigen.
Jesu Weggang und Wiederkommen
Über ein kleines, dann
werdet ihr mich nicht sehen; und abermals über ein kleines,
dann werdet ihr mich sehen.
Da sprachen etliche unter
seinen Jüngern untereinander: Was ist das, was er sagt zu
uns: Über ein kleines, dann werdet ihr mich nicht sehen; und
abermals über ein kleines, dann werdet ihr mich sehen; und:
Ich gehe zum Vater?
Da sprachen sie: Was ist das,
was er sagt: Über ein kleines? Wir wissen nicht, was er
redet.
Da merkte Jesus, daß sie
ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Darüber fraget ihr
untereinander, daß ich gesagt habe: Über ein kleines,
dann werdet ihr mich nicht sehen; und abermals über ein
kleines, dann werdet ihr mich sehen.
Wahrlich, wahrlich, ich sage
euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich
freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in
Freude verkehrt werden.
Ein Weib, wenn sie gebiert, so
hat sie Traurigkeit, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber
das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der
Freude willen, daß ein Mensch zur Welt geboren ist.
Und auch ihr habt nun
Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll
sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.
Und an demselben Tage werdet
ihr mich nichts fragen.
Wahrlich, wahrlich, ich
sage euch: Wenn ihr den Vater etwas bitten werdet, so wird er's
euch geben in meinem Namen.
Bisher habt ihr nichts gebeten
in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure
Freude vollkommen sei.
Solches habe ich zu
euch in Sprüchen und Bildern geredet. Es kommt aber die
Zeit, daß ich nicht mehr in Bildern mit euch reden werde,
sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater.
An demselben Tage werdet ihr
bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich
den Vater für euch bitten will;
denn er selbst, der Vater, hat
euch lieb, weil ihr mich liebet und glaubet, daß ich von
Gott ausgegangen bin.
Ich bin vom Vater ausgegangen
und gekommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt und gehe
zum Vater.
Sprechen zu ihm seine
Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus und nicht mehr in
Bildern.
Nun wissen wir, daß du
alle Dinge weißt und bedarfst nicht, daß dich jemand
frage; darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist.
Jesus antwortete ihnen: Jetzt
glaubet ihr?
Siehe, es kommt die Stunde und
ist schon gekommen, daß ihr zerstreut werdet, ein jeglicher
in das Seine, und mich allein lasset. Aber ich bin nicht allein,
denn der Vater ist bei mir.
Solches habe ich mit euch
geredet, daß ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt
ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Das hohepriesterliche Gebet
Kapitel 17
Solches redete Jesus und hob
seine Augen auf gen Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da:
verherrliche deinen Sohn, auf daß dich der Sohn
verherrliche,
wie du ihm Macht gegeben hast
über alles Fleisch, damit er das ewige Leben gebe allen, die
du ihm gegeben hast.
Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der
du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus
Christus, erkennen.
Ich habe dich verherrlicht auf
Erden und vollendet das Werk, das du mir gegeben hast, daß
ich es tun sollte.
Und nun verherrliche mich du,
Vater, bei dir selbst mit der Klarheit, die ich bei dir hatte,
ehe die Welt war.
Ich habe deinen Namen
offenbart den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie
waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort
behalten.
Nun wissen sie, daß
alles, was du mir gegeben hast, sei von dir.
Denn die Worte, die du mir
gegeben hast, habe ich ihnen gegeben; und sie haben's angenommen
und erkannt wahrhaftig, daß ich von dir ausgegangen bin,
und glauben, daß du mich gesandt hast.
Ich bitte für sie und
bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir
gegeben hast; denn sie sind dein.
Und alles, was mein ist, das
ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen
verherrlicht.
Und ich bin nicht mehr in der
Welt; sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger
Vater, erhalte sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, daß
sie eins seien gleichwie wir.
Solange ich bei ihnen war,
erhielt ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, und
habe sie bewahrt, und ist keiner von ihnen verloren außer
dem Sohn des Verderbens, auf daß die Schrift erfüllt
würde.
Nun aber komme ich zu dir und
rede solches in der Welt, auf daß sie in sich haben meine
Freude vollkommen.
Ich habe ihnen gegeben dein
Wort, und die Welt haßte sie; denn sie sind nicht von der
Welt, wie denn auch ich nicht von der Welt bin.
Ich bitte nicht, daß du
sie von der Welt nehmest, sondern daß du sie bewahrest vor
dem Bösen.
Sie sind nicht von der Welt,
gleichwie ich auch nicht von der Welt bin.
Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die
Wahrheit.
Gleichwie du mich gesandt hast
in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt.
Ich heilige mich selbst für
sie, auf daß auch sie geheiligt seien in der Wahrheit.
Ich bitte aber nicht
allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr
Wort an mich glauben werden,
auf daß sie alle eins
seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; daß auch
sie in uns seien, damit die Welt glaube, du habest mich gesandt.
Und ich habe ihnen gegeben die
Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, daß sie eins seien,
gleichwie wir eins sind,
ich in ihnen und du in mir,
auf daß sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, daß
du mich gesandt hast und liebst sie, gleichwie du mich liebst.
Vater, ich will, daß,
wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, auf
daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast;
denn du hast mich geliebt, ehe denn die Welt gegründet ward.
Gerechter Vater, die Welt
kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt,
daß du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen deinen
Namen kundgetan und will ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du
mich liebst, sei in ihnen und ich in ihnen.
Gefangennahme Jesu
Kapitel 18
Da Jesus solches geredet
hatte, ging er hinaus mit seinen Jüngern über den Bach
Kidron; da war ein Garten, darein ging Jesus und seine Jünger.
Judas aber, der ihn verriet,
wußte den Ort auch, denn Jesus versammelte sich oft
daselbst mit seinen Jüngern.
Da nun Judas zu sich genommen
hatte die Schar der Kriegsknechte und die Diener der
Hohenpriester und Pharisäer, kommt er dahin mit Fackeln,
Lampen und mit Waffen.
Da nun Jesus wußte
alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus und sprach zu
ihnen: Wen suchet ihr?
Sie antworteten ihm: Jesus von
Nazareth. Er spricht zu ihnen: Ich bin's! Judas aber, der ihn
verriet, stand auch bei ihnen.
Als nun Jesus zu ihnen sprach:
Ich bin's! wichen sie zurück und fielen zu Boden.
Da fragte er sie abermals: Wen
suchet ihr? Sie aber sprachen: Jesus von Nazareth.
Jesus antwortete: Ich habe es
euch gesagt, daß ich's bin. Suchet ihr denn mich, so lasset
diese gehen!
auf daß das Wort erfüllt
würde, welches er gesagt hatte: Ich habe derer keinen
verloren, die du mir gegeben hast.
Da hatte Simon Petrus ein
Schwert und zog es heraus und schlug nach des Hohenpriesters
Knecht und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß
Malchus.
Da sprach Jesus zu Petrus:
Stecke dein Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht
trinken, den mir mein Vater gegeben hat?
Jesus vor Hannas und Kaiphas.
Verleugnung des Petrus
Die Schar aber und der
Oberhauptmann und die Diener der Juden nahmen Jesus und banden
ihn
und führten ihn zuerst zu Hannas; der war der
Schwiegervater des Kaiphas, welcher des Jahres Hoherpriester war.
Es war aber Kaiphas, der den Juden geraten hatte, es wäre
gut, daß ein Mensch stürbe für das Volk.
Simon Petrus aber
folgte Jesus nach und ein anderer Jünger. Dieser Jünger
war dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus hinein in des
Hohenpriesters Palast.
Petrus aber stand draußen
vor der Tür. Da ging der andere Jünger, der dem
Hohenpriester bekannt war, hinaus und redete mit der Türhüterin
und führte Petrus hinein.
Da sprach die Magd, die
Türhüterin, zu Petrus: Bist du nicht auch einer von den
Jüngern dieses Menschen? Er sprach: Ich bin's nicht.
Es standen aber die Knechte
und Diener und hatten ein Kohlenfeuer gemacht, denn es war kalt,
und wärmten sich. Petrus aber stand bei ihnen und wärmte
sich.
Aber der Hohepriester
fragte Jesus über seine Jünger und über seine
Lehre.
Jesus antwortete ihm: Ich habe
frei öffentlich geredet vor der Welt. Ich habe allezeit
gelehrt in der Synagoge und in dem Tempel, wo alle Juden
zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet.
Was fragst du mich? Frage die,
die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe. Siehe,
diese wissen, was ich gesagt habe.
Als er aber solches redete,
gab der Diener einer, der dabeistand, Jesus einen Backenstreich
und sprach: Antwortest du so dem Hohenpriester?
Jesus antwortete: Habe ich
übel geredet, so beweise, daß es böse sei; habe
ich aber recht geredet, was schlägst du mich?
Und Hannas sandte ihn gebunden
zu dem Hohenpriester Kaiphas.
Simon Petrus aber stand
und wärmte sich. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht
seiner Jünger einer? Er leugnete aber und sprach: Ich bin's
nicht.
Spricht einer von des
Hohenpriesters Knechten, ein Verwandter des, dem Petrus das Ohr
abgehauen hatte: Sah ich dich nicht im Garten bei ihm?
Da leugnete Petrus abermals,
und alsbald krähte der Hahn.
Der König der Wahrheit
Da führten
sie Jesus von Kaiphas vor das Richthaus. Und es war frühe;
und sie gingen nicht in das Richthaus, damit sie nicht unrein
würden, sondern Ostern
essen könnten.
Da ging Pilatus zu ihnen
heraus und sprach: Was bringet ihr für Klage wider diesen
Menschen?
Sie antworteten und sprachen
zu ihm: Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir
hätten dir ihn nicht überantwortet.
Da sprach Pilatus zu ihnen: So
nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen
die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand töten, -
auf daß erfüllt
würde das Wort Jesu, das er sagte, um zu zeigen, welches
Todes er sterben würde.
Da ging Pilatus wieder
hinein ins Richthaus und rief Jesus und sprach zu ihm: Bist du
der Juden König?
Jesus antwortete: Redest du
das von dir selbst, oder haben's dir andere von mir gesagt?
Pilatus antwortete: Bin ich
ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir
überantwortet. Was hast du getan?
Jesus antwortete: Mein
Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von
dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, daß
ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist
mein Reich nicht von dieser Welt.
Da sprach Pilatus zu ihm: So
bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es,
ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt
gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer
aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.
Spricht Pilatus zu ihm: Was
ist Wahrheit? Und da er das gesagt, ging er wieder hinaus zu den
Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm.
Ihr habt aber eine Gewohnheit,
daß ich euch einen Gefangenen zum Osterfest losgebe; wollt
ihr nun, daß ich euch der Juden König losgebe?
Da schrien sie wieder und
sprachen: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein
Räuber.
Geißelung und Verspottung
Kapitel 19
Da nahm Pilatus Jesus und ließ
ihn geißeln.
Und die Kriegsknechte flochten
eine Krone von Dornen und setzten sie auf sein Haupt und legten
ihm ein Purpurkleid an,
traten zu ihm und sprachen:
Sei gegrüßt, lieber Judenkönig! und gaben ihm
Backenstreiche.
Da ging Pilatus wieder heraus
und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch,
damit ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde.
Da ging Jesus heraus und trug
eine Dornenkrone und ein Purpurkleid. Und Pilatus spricht zu
ihnen: Sehet, welch ein Mensch!
Die Verurteilung
Da ihn die Hohenpriester und
die Diener sahen, schrien sie und sprachen: Kreuzige! kreuzige!
Pilatus spricht zu ihnen: Nehmt ihr ihn hin und kreuzigt ihn,
denn ich finde keine Schuld an ihm.
Die Juden antworteten ihm: Wir
haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muß er sterben, denn
er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht.
Da Pilatus das Wort hörte,
fürchtete er sich noch mehr
und ging wieder hinein in das
Richthaus und spricht zu Jesus: Woher bist du? Aber Jesus gab ihm
keine Antwort.
Da sprach Pilatus zu ihm:
Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich
Macht habe, dich loszugeben, und Macht habe, dich zu kreuzigen?
Jesus antwortete: Du hättest
keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben
her gegeben. Darum: der mich dir überantwortet hat, der hat
größere Sünde.
Von da an trachtete Pilatus,
wie er ihn losließe. Die Juden aber schrien und sprachen:
Läßt du diesen los, so bist du des Kaisers Freund
nicht; denn wer sich zum König macht, der ist wider den
Kaiser.
Da Pilatus das Wort hörte,
führte er Jesus heraus und setzte sich auf den Richterstuhl
an der Stätte, die da heißt Steinpflaster, auf
hebräisch Gabbatha.
Es war aber der Rüsttag
auf Ostern um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden:
Sehet, das ist euer König!
Sie schrien aber: Weg, weg mit
dem! Kreuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König
kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König
denn den Kaiser.
Da überantwortete er
ihnen Jesus, daß er gekreuzigt würde.
Kreuzigung und Tod
Sie nahmen ihn aber,
und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte,
die da heißt Schädelstätte, welche heißt
auf hebräisch Golgatha.
Allda kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden
Seiten, Jesus aber mitten inne.
Pilatus aber schrieb eine Überschrift und setzte sie
auf das Kreuz; und war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden
König.
Diese Überschrift lasen viele Juden, denn die Stätte,
da Jesus gekreuzigt ward, war nahe bei der Stadt. Und es war
geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer
Sprache.
Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus:
Schreibe nicht: Der Juden König, sondern daß er gesagt
habe: Ich bin der Juden König.
Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich
geschrieben.
Die Kriegsknechte aber, da sie Jesus gekreuzigt
hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, einem
jeglichen Kriegsknecht einen Teil, dazu auch den Rock. Der Rock
aber war ungenäht, von obenan gewebt durch und durch.
Da sprachen sie untereinander: Lasset uns den nicht
zerteilen, sondern darum losen, wes er sein soll, - auf daß
erfüllt würde die Schrift (Psalm
22,19): «Sie haben
meine Kleider unter sich geteilt und haben über meinen Rock
das Los geworfen.» Solches taten die Kriegsknechte.
Es stand aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und
seiner Mutter Schwester, Maria, des Kleopas Frau, und Maria
Magdalena.
Da nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger
dabeistehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter:
Weib, siehe, das ist dein Sohn!
Danach spricht er zu dem
Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der
Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Danach, da Jesus wußte,
daß schon alles vollbracht war, auf daß die Schrift
erfüllt würde, spricht er: Mich dürstet!
Da stand ein Gefäß
voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und
steckten ihn auf einen Ysop und hielten es ihm dar zum Munde.
Da nun Jesus den Essig
genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte
das Haupt und verschied.
Die Juden aber, weil es
Rüsttag war, damit nicht die Leichname am Kreuze blieben den
Sabbat über, denn es war ein großer Sabbat, baten sie
den Pilatus, daß ihnen die Beine gebrochen und sie
abgenommen würden.
Da kamen die Kriegsknechte und
brachen dem ersten die Beine und dem andern, der mit ihm
gekreuzigt war.
Als sie aber zu Jesus kamen
und sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die
Beine nicht;
sondern der Kriegsknechte
einer öffnete seine Seite mit einem Speer, und alsbald ging
Blut und Wasser heraus.
Und der das gesehen hat, der
hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, daß
er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubet.
Denn solches ist geschehen,
daß die Schrift erfüllt würde (2.
Mose 12,46): «Ihr sollt
ihm kein Bein zerbrechen.»
Und abermals spricht die
Schrift (Sacharja 12,10):
«Sie werden sehen auf den, in welchen sie gestochen haben.»
Jesu Grablegung
Danach bat den Pilatus Joseph
von Arimathia, der ein Jünger Jesu war, doch heimlich aus
Furcht vor den Juden, daß er den Leichnam Jesu dürfte
abnehmen. Und Pilatus erlaubte es. Da kam er und nahm den
Leichnam Jesu herab.
Es kam aber auch Nikodemus,
der vormals bei der Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte
Myrrhe und Aloe untereinander gemengt, bei hundert Pfunden.
Da nahmen sie den Leichnam
Jesu und banden ihn in leinene Tücher mit den Spezereien,
wie die Juden pflegen zu begraben.
Es war aber an der Stätte,
da er gekreuzigt ward, ein Garten und im Garten ein neues Grab,
in welches niemand je gelegt war.
Dahin legten sie Jesus um des Rüsttages
willen der Juden, weil das Grab nahe war.
Der Ostermorgen
Kapitel 20
An dem ersten Tage der Woche
kommt Maria Magdalena frühe, da es noch finster war, zum
Grabe und sieht, daß der Stein vom Grabe hinweg war.
Da läuft sie und kommt zu
Simon Petrus und zu dem andern Jünger, welchen Jesus lieb
hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn weggenommen aus
dem Grabe, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.
Da ging Petrus und der andere
Jünger hinaus und kamen zum Grabe.
Es liefen aber die zwei
miteinander, und der andere Jünger lief voraus, schneller
als Petrus, und kam zuerst zum Grabe,
schaut hinein und sieht die
leinenen Binden gelegt; er ging aber nicht hinein.
Da kam Simon Petrus ihm nach
und ging hinein in das Grab und sieht die Binden gelegt
und das Schweißtuch, das
Jesus um das Haupt gebunden war, nicht zu den Binden gelegt,
sondern beiseits, zusammengewickelt, an einen besonderen Ort.
Da ging auch der andere Jünger
hinein, der zuerst zum Grabe gekommen war, und sah und glaubte.
Denn sie verstanden die
Schrift noch nicht, daß er von den Toten auferstehen müßte.
Da gingen die Jünger
wieder heim.
Maria aus Magdala
Maria aber stand vor dem Grabe
und weinte draußen. Als sie nun weinte, schaute sie in das
Grab
und sieht zwei Engel in weißen
Kleidern sitzen, einen zu den Häupten und den andern zu den
Füßen, da sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten.
Und dieselben sprachen zu ihr:
Weib, was weinest du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen
Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt
haben.
Und als sie das sagte, wandte
sie sich zurück und sieht Jesus stehen und weiß nicht,
daß es Jesus ist.
Spricht Jesus zu ihr: Weib,
was weinest du? Wen suchest du? Sie meint, es sei der Gärtner,
und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir,
wo hast du ihn hingelegt, so will ich ihn holen.
Spricht Jesus zu ihr: Maria!
Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf hebräisch:
Rabbuni! das heißt: Meister!
Spricht Jesus zu ihr: Rühre
mich nicht an! denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater.
Gehe aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre
auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu
eurem Gott.
Maria Magdalena kommt und
verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und
solches hat er zu mir gesagt.
Der Auferstandene im Jüngerkreis
Am Abend aber desselben ersten
Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen
verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat
mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!
Und als er das gesagt hatte,
zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die
Jünger froh, daß sie den Herrn sahen.
Da sprach Jesus abermals zu
ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat,
so sende ich euch.
Und da er das gesagt hatte,
blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmet hin den heiligen
Geist!
Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie
erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.
Thomas
Thomas aber, der Zwölfe
einer, der da heißt Zwilling, war nicht bei ihnen, als
Jesus kam.
Da sagten die andern Jünger
zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen:
Wenn ich nicht in seinen Händen sehe die Nägelmale und
lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in
seine Seite, kann ich's nicht glauben.
Und über acht Tage waren
abermals seine Jünger drinnen und Thomas mit ihnen. Kommt
Jesus, da die Türen verschlossen waren, und tritt mitten ein
und spricht: Friede sei mit euch!
Danach spricht er zu Thomas:
Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände und reiche
deine Hand her und lege sie in meine Seite und sei nicht
ungläubig, sondern gläubig!
Thomas antwortete und sprach
zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
Spricht Jesus zu ihm: Weil du
mich gesehen hast, Thomas, so glaubst du. Selig sind, die
nicht sehen und doch glauben!
Noch viele andere
Zeichen tat Jesus vor den Jüngern, die nicht geschrieben
sind in diesem Buch.
Diese aber sind geschrieben,
daß ihr glaubet, Jesus sei der Christus, der Sohn Gottes,
und daß ihr durch den Glauben das Leben habet in seinem
Namen.
Der Auferstandene am See Tiberias
Kapitel 21
Danach offenbarte sich Jesus
abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich
aber so:
Es waren beieinander Simon
Petrus und Thomas, der da heißt Zwilling, und Nathanael von
Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und
andere zwei seiner Jünger.
Spricht Simon Petrus zu ihnen:
Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit
dir gehen. Sie gingen hinaus und traten in das Schiff, und in
derselben Nacht fingen sie nichts.
Als es aber schon Morgen
wurde, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wußten
nicht, daß es Jesus war.
Spricht Jesus zu ihnen:
Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
Er aber sprach zu ihnen:
Werfet das Netz zur Rechten des Schiffs, so werdet ihr finden. Da
warfen sie und konnten's nicht mehr ziehen vor der Menge der
Fische.
Da spricht der Jünger,
welchen Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Da Simon
Petrus hörte, daß es der Herr war, gürtete er den
Rock um, denn er war nackt, und warf sich ins Meer.
Die andern Jünger aber
kamen mit dem Schiff, denn sie waren nicht ferne vom Lande,
sondern bei zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den
Fischen.
Als sie nun ausstiegen auf das
Land, sahen sie Kohlen gelegt und Fische darauf und Brot.
Spricht Jesus zu ihnen:
Bringet her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!
Simon Petrus stieg hinein und
zog das Netz auf das Land voll großer Fische,
hundertdreiundfünfzig. Und wiewohl ihrer so viel waren,
zerriß doch das Netz nicht.
Spricht Jesus zu ihnen: Kommt
und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte,
ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wußten, daß es
der Herr war.
Da kommt Jesus und nimmt das
Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch die Fische.
Das ist nun das dritte Mal,
daß Jesus offenbart ward den Jüngern, nachdem er von
den Toten auferstanden war.
Petrus und Johannes
Als sie nun das Mahl gehalten
hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, des Johannes Sohn,
hast du mich lieber, als mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja,
Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus
zu ihm: Weide meine Lämmer!
Spricht er zum zweiten Mal zu
ihm: Simon, des Johannes Sohn, hast du mich lieb? Er spricht zu
ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe.
Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!
Spricht er zum dritten Mal zu
ihm: Simon, des Johannes Sohn, hast du mich lieb? Petrus ward
traurig, daß er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich
lieb? und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du
weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm:
Weide meine Schafe!
Wahrlich, wahrlich, ich
sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst
und wandeltest, wo du hin wolltest; wenn du aber alt wirst, wirst
du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten
und führen, wo du nicht hin willst.
Das sagte er aber, zu zeigen,
mit welchem Tode er Gott preisen würde. Und als er das
gesagt, spricht er zu ihm: Folge mir nach!
Petrus aber wandte sich
um und sah den Jünger folgen, welchen Jesus lieb hatte, der
auch an seiner Brust beim Abendessen gelegen hatte und gesagt:
Herr, wer ist's, der dich verrät?
Da Petrus diesen sah, spricht
er zu Jesus: Herr, was wird aber mit diesem?
Jesus spricht zu ihm: Wenn ich
will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an?
Folge du mir nach!
Da ging die Rede aus unter den
Brüdern: Dieser Jünger stirbt nicht. Aber Jesus sprach
nicht zu ihm: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, daß
er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an?
Dies ist der Jünger,
der von diesen Dingen zeugt und dies geschrieben hat, und wir
wissen, daß sein Zeugnis wahrhaftig ist.
Es sind auch viele andere
Dinge, die Jesus getan hat. Wenn sie aber sollten eins nach dem
andern geschrieben werden, achte ich, die Welt würde die
Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären.
DIE
APOSTELGESCHICHTE DES LUKAS 1 - 14
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