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Heilige Schrift

DAS EVANGELIUM NACH JOHANNES

Kapitel 1 - 10









Das Wort ward Fleisch

Kapitel 1

  1. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.

  2. Dasselbe war im Anfang bei Gott.

  3. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.

  4. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

  5. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen.

  6. Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes.

  7. Der kam zum Zeugnis, daß er von dem Licht zeugte, auf daß sie alle durch ihn glaubten.

  8. Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht.

  9. Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.

  10. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht.

  11. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.

  12. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben,

  13. welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.

  14. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

  15. Johannes zeugt von ihm, ruft und spricht: Dieser war es, vom dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich.

  16. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.

  17. Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.

  18. Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborne Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.

Des Täufers Zeugnis von sich selbst

  1. Und dies ist das Zeugnis des Johannes, da die Juden zu ihm sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du?

  2. Und er bekannte und leugnete nicht, und er bekannte: Ich bin nicht der Christus.

  3. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elia? Er sprach: Ich bin's nicht. Bist du der Prophet? Und er antwortete: Nein.

  4. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst?

  5. Er sprach: «Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Richtet den Weg des Herrn!» wie der Prophet Jesaja gesagt hat (Jesaja 40,3).

  6. Und es kamen, die gesandt waren von den Pharisäern.

  7. Die fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufst du denn, wenn du nicht der Christus bist noch Elia noch der Prophet?

  8. Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet.

  9. Der ist's, der nach mir kommen wird, des ich nicht wert bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse.

  10. Dies geschah zu Bethanien jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.

Des Täufers Zeugnis vom Lamm Gottes

  1. Des andern Tages sieht Johannes Jesus kommen und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!

  2. Dieser ist's, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, welcher vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich.

  3. Und ich kannte ihn nicht; sondern auf daß er offenbar würde in Israel, darum bin ich gekommen, zu taufen mit Wasser.

  4. Und Johannes bezeugte und sprach: Ich sah, daß der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm,

  5. und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte, zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Über welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist's, der mit dem heiligen Geist tauft.

  6. Und ich sah es und bezeugte, daß dieser ist Gottes Sohn.

Die ersten Jünger

  1. Des andern Tages stand abermals Johannes und zwei seiner Jünger;

  2. und als er sah Jesus wandeln, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm!

  3. Und die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach.

  4. Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen: Was suchet ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi – das ist verdolmetscht: Meister -, wo bist du zur Herberge?

  5. Er sprach zu ihnen: Kommt und sehet! Sie kamen und sahen's und blieben den Tag bei ihm. Es war aber um die zehnte Stunde.

  6. Einer von den zweien, die es von Johannes hörten und Jesus nachfolgten, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus.

  7. Der findet zuerst seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden, das ist verdolmetscht: der Gesalbte,

  8. und führte ihn zu Jesus. Da ihn Jesus sah, sprach er: Du bist Simon, des Johannes Sohn; du sollst Kephas heißen, das wird verdolmetscht: Fels.

  9. Des andern Tages wollte Jesus wieder nach Galiläa ziehen und findet Philippus und spricht zu ihm: Folge mir nach!

  10. Philippus aber war von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus.

  11. Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von welchem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, Josephs Sohn von Nazareth.

  12. Und Nathanael sprach zu ihm: Was kann von Nazareth Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh es!

  13. Jesus sah Nathanael kommen und spricht von ihm: Siehe, ein rechter Israelit, in welchem kein Falsch ist.

  14. Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Ehe denn dich Philippus rief, da du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich.

  15. Nathanael antwortete ihm: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel!

  16. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du glaubst, weil ich dir gesagt habe, daß ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum; du wirst noch Größeres als das sehen.

  17. Und spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf und herab fahren auf des Menschen Sohn.

Hochzeit zu Kana

Kapitel 2

  1. Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da.

  2. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen.

  3. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein.

  4. Jesus spricht zu ihr: Weib, was geht's dich an, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.

  5. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut.

  6. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt nach der Sitte der jüdischen Reinigung, und es gingen in jeden zwei oder drei Maß.

  7. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan.

  8. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun und bringet's dem Speisemeister! Und sie brachten's.

  9. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, woher er kam – die Diener aber wußten's, die das Wasser geschöpft hatten -, ruft der Speisemeister den Bräutigam

  10. und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken geworden sind, alsdann den geringern; du hast den guten Wein bisher behalten.

  11. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen zu Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

  12. Danach zog er hinab nach Kapernaum, er, seine Mutter, seine Brüder und seine Jünger, und blieben nicht lange daselbst.

Reinigung des Tempels

  1. Und der Juden Ostern war nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.

  2. Und er fand im Tempel sitzen, die da Ochsen, Schafe und Tauben feilhielten, und die Wechsler.

  3. Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Ochsen und verschüttete den Wechslern das Geld und stieß die Tische um

  4. und sprach zu denen, die die Tauben feilhielten: Traget das von dannen und machet nicht meines Vaters Haus zum Kaufhause!

  5. Seine Jünger aber gedachten daran, daß geschrieben steht (Psalm 69,10): «Der Eifer um dein Haus hat mich gefressen.»

  6. Da hoben nun die Juden an und sprachen zu ihm: Was zeigst du uns für ein Zeichen, daß du solches tun darfst?

  7. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brechet diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten.

  8. Da sprachen die Juden: Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren erbaut; und du willst ihn in drei Tagen aufrichten?

  9. Er aber redete von dem Tempel seines Leibes.

  10. Da er nun auferstanden war von den Toten, gedachten seine Jünger daran, daß er dies gesagt hatte, und glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesagt hatte.

  11. Als er aber zu Jerusalem war am Osterfest, glaubten viele an seinen Namen, da sie die Zeichen sahen, die er tat.

  12. Aber Jesus vertraute sich ihnen nicht an; denn er kannte sie alle

  13. und bedurfte nicht, daß jemand ihm Zeugnis gäbe von einem Menschen; denn er wußte wohl, was im Menschen war.

Jesus und Nikodemus

Kapitel 3

  1. Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster unter den Juden.

  2. Der kam zu Jesus bei der Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.

  3. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

  4. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?

  5. Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

  6. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist.

  7. Laß dich's nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem geboren werden.

  8. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.

  9. Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann solches zugehen?

  10. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel und weißt das nicht?

  11. Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben; ihr aber nehmt unser Zeugnis nicht an.

  12. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage?

  13. Und niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel herniedergekommen ist, nämlich des Menschen Sohn.

  14. Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muß des Menschen Sohn erhöht werden,

  15. auf daß alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

  16. Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

  17. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde.

  18. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes.

  19. Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.

  20. Wer Arges tut, der hasset das Licht und kommt nicht zu dem Licht, auf daß seine Werke nicht an den Tag kommen.

  21. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, daß seine Werke offenbar werden, denn sie sind in Gott getan.

Des Täufers letztes Zeugnis von Jesus

  1. Danach kam Jesus mit seinen Jüngern in das Land Judäa und blieb daselbst eine Weile mit ihnen und taufte.

  2. Johannes aber taufte auch noch zu Änon, nahe bei Salim, denn es war viel Wasser daselbst; und sie kamen dahin und ließen sich taufen.

  3. Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis gelegt.

  4. Da erhob sich ein Streit zwischen den Jüngern des Johannes und einem Juden über die Reinigung.

  5. Und sie kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Meister, der bei dir war jenseits des Jordan, von dem du zeugtest, siehe, der tauft, und jedermann kommt zu ihm.

  6. Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann nichts nehmen, es werde ihm denn gegeben vom Himmel.

  7. Ihr selbst seid meine Zeugen, daß ich gesagt habe, ich sei nicht der Christus, sondern vor ihm her gesandt.

  8. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund aber des Bräutigams steht und hört ihm zu und freut sich hoch über des Bräutigams Stimme. Diese meine Freude ist nun erfüllt.

  9. Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.

  10. Der von oben her kommt, ist über alle. Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde. Der vom Himmel kommt, der ist über alle

  11. und bezeugt, was er gesehen und gehört hat; und sein Zeugnis nimmt niemand an.

  12. Wer es aber annimmt, der besiegelt's, daß Gott wahrhaftig ist.

  13. Denn welchen Gott gesandt hat, der redet Gottes Worte; denn Gott gibt den Geist nicht nach dem Maß.

  14. Der Vater hat den Sohn lieb und hat ihm alles in seine Hand gegeben.

  15. Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.

Jesus und die Samariterin

Kapitel 4

  1. Da nun der Herr inneward, daß vor die Pharisäer gekommen war, wie Jesus mehr zu Jüngern machte und taufte als Johannes,

  2. wiewohl Jesus selber nicht taufte, sondern seine Jünger,

  3. verließ er Judäa und zog wieder nach Galiläa.

  4. Er mußte aber durch Samarien reisen.

  5. Da kam er in eine Stadt Samariens, die heißt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Joseph gab.

  6. Es war aber daselbst Jakobs Brunnen. Da nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich auf den Brunnen; und es war um die sechste Stunde.

  7. Da kommt eine Frau aus Samarien, Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken!

  8. Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, daß sie Speise kauften.

  9. Spricht nun die samaritische Frau zu ihm: Wie bittest du von mir zu trinken, der du ein Jude bist, und ich ein samaritisch Weib? - Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern.

  10. Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken! du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser.

  11. Spricht zu ihm die Frau: Herr, hast du doch nichts, womit du schöpfest, und der Brunnen ist tief; woher hast du denn lebendiges Wasser?

  12. Bist du mehr als unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? Und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh.

  13. Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten;

  14. wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.

  15. Spricht die Frau zu ihm: Herr, gib mir solches Wasser, auf daß mich nicht dürste und ich nicht mehr herkommen müsse, zu schöpfen!

  16. Jesus spricht zu ihr: Gehe hin, rufe deinen Mann und komm her!

  17. Die Frau antwortete und sprach: Ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: Du hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann.

  18. Fünf Männer hast du gehabt, und den du nun hast, der ist nicht dein Mann; da hast du recht gesagt.

  19. Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, daß du ein Prophet bist.

  20. Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, zu Jerusalem sei die Stätte, da man anbeten solle.

  21. Jesus spricht zu ihr: Weib, glaube mir, es kommt die Zeit, daß ihr weder auf diesem Berge noch zu Jerusalem werdet den Vater anbeten.

  22. Ihr wisset nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden.

  23. Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, daß die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit; denn der Vater will haben, die ihn also anbeten.

  24. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.

  25. Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, daß der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn derselbe kommen wird, so wird er's uns alles verkündigen.

  26. Jesus spricht zu ihr: Ich bin's, der mit dir redet.

  27. Und über dem kamen seine Jünger, und es nahm sie wunder, daß er mit einem Weibe redete. Doch sprach niemand: Was fragst du? oder: Was redest du mit ihr?

  28. Da ließ die Frau ihren Krug stehen und ging hin in die Stadt und spricht zu den Leuten:

  29. Kommt, sehet einen Menschen, der mir gesagt hat alles, was ich getan habe, ob er nicht der Christus sei!

  30. Da gingen sie aus der Stadt und kamen zu ihm.

  31. Indes aber ermahnten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iß!

  32. Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, von der ihr nicht wisset.

  33. Da sprachen die Jünger untereinander: Hat ihm jemand zu essen gebracht?

  34. Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.

  35. Saget ihr nicht: Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebet eure Augen auf und sehet in das Feld, denn es ist weiß zur Ernte.

  36. Schon empfängt Lohn, der da schneidet, und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf daß sich miteinander freuen, der da sät und der da schneidet.

  37. Denn hier ist der Spruch wahr: Dieser sät, der andere schneidet.

  38. Ich habe euch gesandt, zu schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.

  39. Es glaubten aber an ihn viele der Samariter aus dieser Stadt um der Rede der Frau willen, welche bezeugte: Er hat mir gesagt alles, was ich getan habe.

  40. Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, daß er bei ihnen bliebe; und er blieb zwei Tage da.

  41. Und viel mehr glaubten um seines Wortes willen

  42. und sprachen zu der Frau: Wir glauben hinfort nicht um deiner Rede willen; wir haben selber gehört und erkannt, daß dieser ist wahrlich der Welt Heiland.

Heilung des Sohnes eines königlichen Beamten

  1. Aber nach zwei Tagen zog er aus von dannen nach Galiläa.

  2. Denn er selber, Jesus, bezeugte, daß ein Prophet daheim nichts gilt.

  3. Da er nun nach Galiläa kam, nahmen ihn die Galiläer auf, die gesehen hatten alles, was er zu Jerusalem auf dem Fest getan hatte; denn sie waren auch zum Fest gekommen.

  4. Und Jesus kam abermals nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser hatte zu Wein gemacht.

  5. Und es war ein Mann in des Königs Dienst, des Sohn lag krank zu Kapernaum. Dieser hörte, daß Jesus kam aus Judäa nach Galiläa, und ging hin zu ihm und bat ihn, daß er hinabkäme und hülfe seinem Sohn; denn der war todkrank.

  6. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.

  7. Der Mann sprach zu ihm: Herr, komm hinab, ehe denn mein Kind stirbt!

  8. Jesus spricht zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebt! Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin.

  9. Und indem er hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sprachen: Dein Kind lebt.

  10. Da erforschte er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm geworden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber.

  11. Da merkte der Vater, daß es um die Stunde war, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause.

  12. Das ist nun das zweite Zeichen, das Jesus tat, als er aus Judäa nach Galiläa kam.

Heilung eines Kranken am Teich Bethesda

Kapitel 5

  1. Danach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.

  2. Es ist aber zu Jerusalem bei dem Schaftor ein Teich, der heißt auf hebräisch Bethesda und hat fünf Hallen,

  3. in welchen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte, <die warteten, wann sich das Wasser bewegte.

  4. Denn ein Engel des Herrn fuhr herab von Zeit zu Zeit in den Teich und bewegte das Wasser. Wer nun zuerst, nachdem das Wasser bewegt war, hineinstieg, der ward gesund, mit welcherlei Leiden er behaftet war>.

  5. Es war aber daselbst ein Mensch, der lag schon achtunddreißig Jahre krank.

  6. Da Jesus den sah liegen und vernahm, daß er schon lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden?

  7. Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, wenn das Wasser sich bewegt, der mich in den Teich bringe; wenn ich aber komme, so steigt ein anderer vor mir hinein.

  8. Jesus spricht zu ihm: Stehe auf, nimm dein Bett und gehe hin!

  9. Und alsbald ward der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin.

    Es war aber an dem Tage der Sabbat.

  10. Da sprachen die Juden zu dem, der gesund geworden war: Es ist heute Sabbat; du darfst nicht das Bett tragen.

  11. Er antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sprach zu mir: Nimm dein Bett und gehe hin!

  12. Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: Nimm dein Bett und gehe hin?

  13. Der aber gesund geworden war, wußte nicht, wer es war; denn Jesus war entwichen, da so viel Volks an dem Ort war.

  14. Danach fand ihn Jesus im Tempel und sprach zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Ärgeres widerfahre.

  15. Der Mensch ging hin und verkündete den Juden, es sei Jesus, der ihn gesund gemacht habe.

  16. Darum verfolgten die Juden Jesus, weil er solches getan hatte am Sabbat.

  17. Jesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirket bis auf diesen Tag, und ich wirke auch.

  18. Darum trachteten ihm die Juden noch viel mehr nach, daß sie ihn töteten, weil er nicht allein den Sabbat brach, sondern auch sagte, Gott sei sein Vater, und machte dadurch sich selbst Gott gleich.

Der Sohn Gottes macht lebendig

  1. Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selber tun, sondern nur was er sieht den Vater tun; und was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn.

  2. Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er tut, und wird ihm noch größere Werke zeigen, daß ihr euch verwundern werdet.

  3. Denn wie der Vater die Toten auferweckt und macht sie lebendig, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will.

  4. Denn der Vater richtet niemand; sondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben,

  5. damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.

  6. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.

  7. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, daß die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören, und die sie hören werden, die werden leben.

  8. Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber,

  9. und hat ihm Macht gegeben, das Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist.

  10. Verwundert euch des nicht. Denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören,

  11. und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Übles getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.

  12. Ich kann nichts von mir selber tun. Wie ich höre, so richte ich, und mein Gericht ist recht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen des, der mich gesandt hat.

Zeugen für den Sohn Gottes

  1. Wenn ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht wahr.

  2. Ein anderer ist's, der von mir zeugt; und ich weiß, daß das Zeugnis wahr ist, das er von mir zeugt.

  3. Ihr schicktet zu Johannes, und er zeugte von der Wahrheit.

  4. Ich aber nehme nicht Zeugnis von einem Menschen; sondern solches sage ich, damit ihr selig werdet.

  5. Er war ein brennend und scheinend Licht; ihr aber wolltet eine kleine Weile fröhlich sein in seinem Lichte.

  6. Ich aber habe ein größeres Zeugnis als des Johannes Zeugnis; denn die Werke, die mir der Vater gegeben hat, daß ich sie vollende, eben diese Werke, die ich tue, zeugen von mir, daß mich der Vater gesandt hat.

  7. Und der Vater, der mich gesandt hat, der hat von mir gezeugt. Ihr habt niemals weder seine Stimme gehört noch seine Gestalt gesehen,

  8. und sein Wort habt ihr nicht in euch wohnen; denn ihr glaubet dem nicht, den er gesandt hat.

  9. Ihr suchet in der Schrift; denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist es, die von mir zeuget;

  10. aber doch wollt ihr nicht zu mir kommen, daß ihr das Leben hättet.

  11. Ich nehme nicht Ehre von Menschen;

  12. aber ich kenne euch, daß ihr nicht Gottes Liebe in euch habt.

  13. Ich bin gekommen in meines Vaters Namen, und ihr nehmet mich nicht an. Wenn ein anderer wird in seinem eignen Namen kommen, den werdet ihr annehmen.

  14. Wie könnet ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmet? Aber die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, suchet ihr nicht.

  15. Ihr sollt nicht meinen, daß ich euch vor dem Vater verklagen werde; es ist einer, der euch verklagt: Mose, auf welchen ihr hoffet.

  16. Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben.

    1. Mose 3,15; 49,10. 5. Mose 18,15.

  17. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubet, wie werdet ihr meinen Worten glauben?

Speisung der Fünftausend

Kapitel 6

  1. Danach fuhr Jesus weg über das Galiläische Meer, daran die Stadt Tiberias liegt.

  2. Und es zog ihm viel Volks nach, darum daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.

  3. Jesus aber ging hinauf auf den Berg und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern.

  4. Es war aber nahe Ostern, der Juden Fest.

  5. Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, daß diese essen?

  6. Das sagte er aber, ihn zu prüfen; denn er wußte wohl, was er tun wollte.

  7. Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug unter sie, daß ein jeglicher ein wenig nehme.

  8. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus:

  9. Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das unter so viele?

  10. Jesus aber sprach: Schaffet, daß sich das Volk lagere. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich bei fünftausend Mann.

  11. Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, wieviel sie wollten.

  12. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, daß nichts umkomme.

  13. Da sammelten sie und füllten von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit Brocken, die übrigblieben denen, die gespeist worden.

  14. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll.

  15. Da Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn greifen, damit sie ihn zum König machten, entwich er abermals auf den Berg, er selbst allein.

Jesus wandelt auf dem Meer

  1. Am Abend aber gingen die Jünger hinab an das Meer

  2. und traten in ein Schiff und kamen über das Meer nach Kapernaum. Und es war schon finster geworden, und Jesus war nicht zu ihnen gekommen.

  3. Und das Meer erhob sich von einem großen Winde.

  4. Da sie nun gerudert hatten bei einer Stunde, sahen sie Jesus auf dem Meere dahergehen und nahe zum Schiff kommen; und sie fürchteten sich.

  5. Er aber sprach zu ihnen: Ich bin's; fürchtet euch nicht!

  6. Da wollten sie ihn in das Schiff nehmen; und alsbald war das Schiff am Lande, wohin sie fuhren.

Jesus das Brot des Lebens

  1. Des andern Tages sah das Volk, das drüben am Meer stand, daß kein anderes Schiff daselbst war als das eine, und daß Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Schiff getreten war, sondern seine Jünger waren allein weggefahren.

  2. Es kamen aber andere Schiffe von Tiberias nahe zu der Stätte, wo sie das Brot gegessen hatten unter des Herrn Danksagung.

  3. Da nun das Volk sah, daß Jesus nicht da war noch seine Jünger, traten sie auch in die Schiffe und kamen nach Kapernaum und suchten Jesus.

  4. Und da sie ihn fanden jenseits des Meeres, sprachen sie zu ihm: Rabbi, wann bist du hergekommen?

  5. Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr suchet mich nicht darum, daß ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und seid satt geworden.

  6. Schaffet euch Speise, nicht, die vergänglich ist, sondern die da bleibt in das ewige Leben, welche euch des Menschen Sohn geben wird; denn auf dem ist das Siegel Gottes des Vaters.

  7. Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir tun, daß wir Gottes Werke wirken?

  8. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist Gottes Werk, daß ihr an den glaubet, den er gesandt hat.

  9. Da sprachen sie zu ihm: Was tust du denn für ein Zeichen, auf daß wir sehen und glauben dir? Was wirkest du?

  10. Unsre Väter haben das Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht (Psalm 78,24): «Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.»

  11. Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das rechte Brot vom Himmel.

  12. Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben.

  13. Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allewege solch Brot.

  14. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

  15. Aber ich habe es euch gesagt, daß ihr mich gesehen habt und glaubet doch nicht.

  16. Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.

  17. Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen des, der mich gesandt hat.

  18. Das ist aber der Wille des, der mich gesandt hat, daß ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern daß ich's auferwecke am Jüngsten Tage.

  19. Denn das ist der Wille meines Vaters, daß, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, habe das ewige Leben; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.

  20. Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist,

  21. und sprachen: Ist dieser nicht Jesus, Josephs Sohn, des Vater und Mutter wir kennen? Wie spricht er denn: Ich bin vom Himmel gekommen?

  22. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Murret nicht untereinander.

  23. Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, daß ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.

  24. Es steht geschrieben in den Propheten (Jesaja 54,13): «Sie werden alle von Gott gelehrt sein.» Wer es nun hört vom Vater und lernt es, der kommt zu mir.

  25. Nicht daß jemand den Vater gesehen hat außer dem, der von Gott ist; der hat den Vater gesehen.

  26. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben.

  27. Ich bin das Brot des Lebens.

  28. Eure Väter haben das Manna gegessen in der Wüste und sind gestorben.

  29. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, auf daß, wer davon isset, nicht sterbe.

  30. Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, das ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt.

  31. Da stritten die Juden untereinander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben?

  32. Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohnes und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch.

  33. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken.

  34. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trank.

  35. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm.

  36. Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isset, leben um meinetwillen.

  37. Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Nicht, wie die Väter haben gegessen und sind gestorben: wer dies Brot isset, der wird leben in Ewigkeit.

  38. Solches sagte er in der Synagoge, als er lehrte zu Kapernaum.

Scheidung unter den Jüngern

  1. Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören?

  2. Da Jesus aber bei sich selbst merkte, daß seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Ist euch das ein Ärgernis?

  3. Wie, wenn ihr nun sehen werdet des Menschen Sohn auffahren dahin, wo er zuvor war?

  4. Der Geist ist's, der da lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben.

  5. Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wußte von Anfang wohl, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde.

  6. Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn von meinem Vater gegeben.

Bekenntnis des Petrus

  1. Von da an wandten seiner Jünger viele sich ab und wandelten hinfort nicht mehr mit ihm.

  2. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen?

  3. Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens;

  4. und wir haben geglaubt und erkannt, daß du bist der Heilige Gottes*.

    *Luther übersetzte nach anderer Überlieferung: «daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes».

  5. Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch Zwölf erwählt? Und euer einer ist ein Teufel.

  6. Er redete aber von Judas, des Simon Ischarioth Sohn. Der verriet ihn hernach und war der Zwölfe einer.

Reise zum Laubhüttenfest

Kapitel 7

  1. Danach zog Jesus umher in Galiläa; denn er wollte nicht in Judäa umherziehen, weil ihm die Juden nach dem Leben trachteten.

  2. Es war aber nahe der Juden Laubhüttenfest.

  3. Da sprachen seine Brüder zu ihm: Mache dich auf von dannen und gehe nach Judäa, auf daß auch deine Jünger sehen die Werke, die du tust.

  4. Niemand tut etwas im Verborgenen und will doch gelten öffentlich. Willst du solches, so offenbare dich vor der Welt.

  5. Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn.

  6. Da spricht Jesus zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht da; eure Zeit aber ist allewege.

  7. Die Welt kann euch nicht hassen. Mich aber hasset sie, denn ich bezeuge ihr, daß ihre Werke böse sind.

  8. Gehet ihr hinauf auf das Fest! Ich will noch nicht hinaufgehen auf dieses Fest, denn meine Zeit ist noch nicht erfüllt.

  9. Da er aber das zu ihnen gesagt, blieb er in Galiläa.

  10. Als aber seine Brüder hinaufgegangen waren zu dem Fest, da ging er auch hinauf, nicht öffentlich, sondern heimlich.

  11. Da suchten ihn die Juden am Fest und sprachen: Wo ist der?

  12. Und es war ein großes Gemurmel über ihn unter dem Volk. Etliche sprachen: Er ist gut; die andern aber sprachen: Nein, sondern er verführt das Volk.

  13. Niemand aber redete frei heraus von ihm aus Furcht vor den Juden.

Jesus auf dem Fest

  1. Aber mitten im Fest ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte.

  2. Und die Juden verwunderten sich und sprachen: Wie kennt dieser die Schrift, obwohl er sie doch nicht gelernt hat?

  3. Jesus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht mein, sondern des, der mich gesandt hat.

  4. Wenn jemand will des Willen tun, der wird innewerden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede.

  5. Wer von sich selbst redet, der sucht seine eigne Ehre; wer aber sucht die Ehre des, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und ist keine Ungerechtigkeit an ihm.

  6. Hat euch nicht Mose das Gesetz gegeben? Und niemand unter euch tut das Gesetz. Warum suchet ihr mich zu töten?

  7. Das Volk antwortete: Du hast einen bösen Geist; wer sucht dich zu töten?

  8. Jesus antwortete und sprach: Ein einziges Werk habe ich getan, und es wundert euch alle.

  9. Mose hat euch doch gegeben die Beschneidung – nicht daß sie von Mose kommt, sondern von den Vätern -, und ihr beschneidet den Menschen auch am Sabbat.

  10. Wenn nun ein Mensch die Beschneidung empfängt am Sabbat, damit nicht das Gesetz des Mose gebrochen werde, zürnet ihr dann über mich, daß ich den ganzen Menschen habe am Sabbat gesund gemacht?

  11. Richtet nicht nach dem, was vor Augen ist, sondern richtet ein rechtes Gericht.

  12. Da sprachen etliche aus Jerusalem: Ist das nicht der, den sie suchen zu töten?

  13. Und siehe, er redet frei, und sie sagen ihm nichts. Sollten unsre Obersten nun wahrhaftig erkannt haben, daß er der Christus sei?

  14. Doch wir wissen, woher dieser ist; wenn aber der Christus kommen wird, so wird niemand wissen, woher er ist.

  15. Da rief Jesus im Tempel, lehrte und sprach: Ihr kennet mich und wisset, woher ich bin. Aber von mir selbst bin ich nicht gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, welchen ihr nicht kennet.

  16. Ich kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt.

  17. Da suchten sie ihn zu greifen; aber niemand legte die Hand an ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen.

  18. Aber viele vom Volk glaubten an ihn und sprachen: Wenn der Christus kommen wird, wird er etwa mehr Zeichen tun, als dieser tat?

  19. Und es kam vor die Pharisäer, daß im Volk solches Gemurmel über ihn war. Da sandten die Hohenpriester und Pharisäer Knechte aus, daß sie ihn griffen.

  20. Da sprach Jesus zu ihnen: Ich bin noch eine kleine Zeit bei euch, und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat.

  21. Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen.

  22. Da sprachen die Juden untereinander: Wo will dieser hingehen, daß wir ihn nicht finden werden? Will er zu denen gehen, die in der Zerstreuung unter den Griechen wohnen, und die Griechen lehren?

  23. Was ist das für eine Rede, daß er sagte: Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, da könnt ihr nicht hinkommen?

  24. Aber am letzten Tage des Festes, welcher der höchste war, trat Jesus auf, rief und sprach: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!

  25. Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen.

  26. Das sagte er aber von dem Geist, welchen empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da, denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Zwiespalt im Volk

  1. Einige nun vom Volk, die diese Reden hörten, sprachen: Dieser ist wahrlich der Prophet.

  2. Andere sprachen: Er ist der Christus. Etliche aber sprachen: Soll der Christus aus Galiläa kommen?

  3. Spricht nicht die Schrift: von dem Geschlecht Davids und aus dem Orte Bethlehem, wo David war, solle der Christus kommen?

  4. Also ward eine Zwietracht unter dem Volk über ihn.

  5. Es wollten aber etliche ihn greifen; aber niemand legte die Hand an ihn.

  6. Die Knechte kamen zu den Hohenpriestern und Pharisäern; und die sprachen zu ihnen: Warum habt ihr ihn nicht gebracht?

  7. Die Knechte antworteten: Es hat nie ein Mensch so geredet wie dieser Mensch.

  8. Da antworteten ihnen die Pharisäer: Seid ihr auch verführt?

  9. Glaubt auch irgendein Oberster oder Pharisäer an ihn?

  10. Nur das Volk tut's, das nichts vom Gesetz weiß: verflucht ist es!

  11. Spricht zu ihnen Nikodemus, der vormals zu ihm gekommen war, welcher einer von ihnen war:

  12. Richtet unser Gesetz auch einen Menschen, ehe man ihn verhört hat und erkannt, was er tut?

  13. Sie antworteten und sprachen zu ihm: Bist du auch ein Galiläer? Forsche und siehe, aus Galiläa steht kein Prophet auf.

Jesus und die Ehebrecherin

  1. <Und ein jeglicher ging heim.

Kapitel 8

  1. Jesus aber ging an den Ölberg.

  2. Und frühmorgens kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm; und er setzte sich und lehrte sie.

  3. Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten eine Frau zu ihm, im Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte

  4. und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist ergriffen auf frischer Tat im Ehebruch.

  5. Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche zu steinigen. Was sagst du?

    3. Mose 20,10.

  6. Das sprachen sie aber, ihn zu versuchen, auf daß sie eine Sache wider ihn hätten. Aber Jesus bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde.

  7. Als sie nun anhielten, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.

  8. Und bückte sich wieder nieder und schrieb auf die Erde.

  9. Da sie aber das hörten, gingen sie hinaus, einer nach dem andern, von den Ältesten an; und Jesus ward allein gelassen und die Frau in der Mitte stehend.

  10. Jesus aber richtete sich auf und sprach zu ihr: Weib, wo sind sie, deine Verkläger? Hat dich niemand verdammt?

  11. Sie aber sprach: Herr, niemand. Jesus aber sprach: So verdamme ich dich auch nicht; gehe hin und sündige hinfort nicht mehr.>

Jesu Selbstzeugnis

  1. Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

  2. Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Du zeugst von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr.

  3. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Auch wenn ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis wahr; denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wisset nicht, woher ich komme und wohin ich gehe.

  4. Ihr richtet nach dem Fleisch, ich richte niemand.

  5. Wenn ich aber richte, so ist mein Gericht recht; denn ich bin nicht allein, sondern ich und der mich gesandt hat.

  6. Auch steht in eurem Gesetz geschrieben, daß zweier Menschen Zeugnis wahr sei.

  7. Ich bin's, der ich von mir selbst zeuge; und der Vater, der mich gesandt hat, zeugt auch von mir.

  8. Da sprachen sie zu ihm: Wo ist dein Vater? Jesus antwortete: Ihr kennet weder mich noch meinen Vater; wenn ihr mich kenntet, so kenntet ihr auch meinen Vater.

  9. Diese Worte redete Jesus an dem Gotteskasten, da er lehrte im Tempel; und niemand griff ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen.

Jesus weist hin auf seinen Tod

  1. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Ich gehe hinweg, und ihr werdet mich suchen und in eurer Sünde sterben. Wo ich hingehe, da könnt ihr nicht hinkommen.

  2. Da sprachen die Juden: Will er sich denn selbst töten, daß er spricht: Wohin ich gehe, da könnt ihr nicht hinkommen?

  3. Und er sprach zu ihnen: Ihr seid von unten her, ich bin von oben her; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt.

  4. Darum habe ich euch gesagt, daß ihr sterben werdet in euren Sünden; denn wenn ihr nicht glaubet, daß ich es bin, so werdet ihr sterben in euren Sünden.

  5. Da sprachen sie zu ihm: Wer bist du denn? Und Jesus sprach zu ihnen: Was rede ich noch mit euch!

  6. Ich habe viel über euch zu reden und zu richten. Aber der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und was ich von ihm gehört habe, das rede ich zu der Welt.

  7. Sie verstanden aber nicht, daß er ihnen von dem Vater sagte.

  8. Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr des Menschen Sohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, daß ich es bin und nichts von mir selber tue, sondern, wie mich der Vater gelehrt hat, so rede ich.

  9. Und der mich gesandt hat, ist mit mir. Der Vater läßt mich nicht allein; denn ich tue allezeit, was ihm gefällt.

  10. Da er solches redete, glaubten viele an ihn.

Die Wahrheit macht frei

  1. Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr in Wahrheit meine Jünger

  2. und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.

  3. Da antworteten sie ihm: Wir sind Abrahams Kinder und sind niemals jemandes Knechte gewesen. Wie sprichst du denn: Ihr sollt frei werden?

  4. Jesus antwortete ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.

  5. Der Knecht aber bleibt nicht ewiglich im Hause; der Sohn bleibt ewiglich.

  6. Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei.

Widersacher der Wahrheit

  1. Ich weiß wohl, daß ihr Abrahams Kinder seid; aber ihr sucht mich zu töten, denn mein Wort findet bei euch keinen Raum.

  2. Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; und ihr tut, was ihr von eurem Vater gehört habt.

  3. Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wäret, so tätet ihr Abrahams Werke.

  4. Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen solchen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan.

  5. Ihr tut eures Vaters Werke. Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht unehelich geboren; wir haben einen Vater, Gott.

  6. Jesus sprach zu ihnen: Wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich; denn ich bin ausgegangen und komme von Gott; denn ich bin nicht von mir selber gekommen, sondern er hat mich gesandt.

  7. Warum versteht ihr denn meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht könnt hören!

  8. Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang und steht nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er von seinem Eignen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.

  9. Ich aber, weil ich die Wahrheit sage, so glaubet ihr mir nicht.

Das Geheimnis der Person Jesu

  1. Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? Wenn ich aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht?

  2. Wer von Gott ist, der hört Gottes Wort; darum höret ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott.

  3. Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist und hast einen bösen Geist?

  4. Jesus antwortete: Ich habe keinen bösen Geist, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr verunehrt mich.

  5. Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber einer, der sie sucht und richtet.

  6. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich.

  7. Da sprachen die Juden zu ihm: Nun erkennen wir, daß du einen bösen Geist hast. Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sprichst: So jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich.

  8. Bist du mehr als unser Vater Abraham, welcher gestorben ist? Und die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst?

  9. Jesus antwortete: Wenn ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehrt, von welchem ihr sprecht: Er ist unser Gott,

  10. und kennet ihn nicht; ich aber kenne ihn. Und wenn ich wollte sagen: Ich kenne ihn nicht, - so würde ich ein Lügner, gleichwie ihr seid. Aber ich kenne ihn und halte sein Wort.

  11. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich.

  12. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen?

  13. Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe denn Abraham ward, bin ich.

  14. Da hoben sie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber Jesus verbarg sich und ging zum Tempel hinaus.

Heilung eines Blindgeborenen

Kapitel 9

  1. Und Jesus ging vorüber und sah einen, der blind geboren war.

  2. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er ist blind geboren?

  3. Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt, noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.

  4. Ich muß wirken die Werke des, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.

  5. Dieweil ich bin in der Welt, bin ich das Licht der Welt.

  6. Da er solches gesagt, spie er auf die Erde und machte einen Brei aus dem Speichel und legte den Brei auf des Blinden Augen

  7. und sprach zu ihm: Gehe hin zu dem Teich Siloah, das ist verdolmetscht: gesandt, und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend.

  8. Die Nachbarn und die ihn zuvor gesehen hatten, daß er ein Bettler war, sprachen: Ist dieser nicht, der dasaß und bettelte?

  9. Etliche sprachen: Er ist's, etliche aber: Nein, aber er ist ihm ähnlich. Er selbst aber sprach: Ich bin's.

  10. Da sprachen sie zu ihm: Wie sind deine Augen aufgetan?

  11. Er antwortete: Der Mensch, der Jesus heißt, machte einen Brei und legte ihn auf meine Augen und sprach: Gehe hin zu dem Teich Siloah und wasche dich! Ich ging hin und wusch mich und ward sehend.

  12. Da sprachen sie zu ihm: Wo ist er? Er sprach: Ich weiß nicht.

  13. Da führten sie ihn, der zuvor blind war, zu den Pharisäern.

  14. Es war aber Sabbat an dem Tage, da Jesus den Brei machte und seine Augen öffnete.

  15. Da fragten sie ihn abermals, auch die Pharisäer, wie er wäre sehend geworden. Er aber sprach zu ihnen: Einen Brei legte er mir auf die Augen, und ich wusch mich und bin nun sehend.

  16. Da sprachen etliche der Pharisäer: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Die andern aber sprachen: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? Und es ward eine Zwietracht unter ihnen.

  17. Sie sprachen wieder zu dem Blinden: Was sagst du von ihm, daß er hat deine Augen aufgetan? Er aber sprach: Er ist ein Prophet.

  18. Die Juden glaubten nicht von ihm, daß er blind gewesen und sehend geworden wäre, bis daß sie riefen die Eltern des, der sehend geworden war,

  19. fragten sie und sprachen: Ist das euer Sohn, von welchem ihr sagt, er sei blind geboren? Wie ist er denn nun sehend?

  20. Seine Eltern antworteten ihnen und sprachen: Wir wissen, daß dieser unser Sohn ist und daß er blind geboren ist.

  21. Wie er aber nun sehend ist, wissen wir nicht; oder wer ihm hat seine Augen aufgetan, wissen wir auch nicht. Er ist alt genug, fragt ihn, laßt ihn selbst für sich reden.

  22. Solches sagten seine Eltern, denn sie fürchteten sich vor den Juden. Denn die Juden hatten sich schon geeinigt: wenn jemand ihn als den Christus bekennte, der sollte in den Bann getan werden.

  23. Darum sprachen seine Eltern: Er ist alt genug, fraget ihn.

  24. Da riefen sie zum andern Mal den Menschen, der blind gewesen war, und sprachen zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist.

  25. Er antwortete: Ist er ein Sünder? Das weiß ich nicht; eines aber weiß ich: daß ich blind war und bin nun sehend.

  26. Da sprachen sie zu ihm: Was tat er dir? Wie tat er deine Augen auf?

  27. Er antwortete ihnen: Ich habe es euch schon gesagt, und ihr habt's nicht gehört! Was wollt ihr's abermals hören? Wollt ihr auch seine Jünger werden?

  28. Da schmähten sie ihn und sprachen: Du bist sein Jünger; wir aber sind des Mose Jünger.

  29. Wir wissen, daß Gott mit Mose geredet hat; woher aber dieser ist, wissen wir nicht.

  30. Der Mensch antwortete und sprach zu ihnen: Das ist ein wunderlich Ding, daß ihr nicht wisset, woher er ist, und er hat meine Augen aufgetan.

  31. Wir wissen, daß Gott die Sünder nicht hört; sondern wenn jemand gottesfürchtig ist und tut seinen Willen, den hört er.

  32. Vom Anbeginn der Welt hat man nicht gehört, daß jemand einem Blindgeborenen die Augen aufgetan habe.

  33. Wäre dieser nicht von Gott, er könnte nichts tun.

  34. Sie antworteten und sprachen zu ihm: Du bist ganz in Sünden geboren und lehrst uns? Und stießen ihn hinaus.

  35. Es kam vor Jesus, daß sie ihn ausgestoßen hatten. Und da er ihn fand, sprach er zu ihm: Glaubst du an des Menschen Sohn?

  36. Er antwortete und sprach: Herr, wer ist's? auf daß ich an ihn glaube.

  37. Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist's.

  38. Er aber sprach: Herr, ich glaube, und fiel vor ihm nieder.

  39. Und Jesus sprach: Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf daß, die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden.

  40. Solches hörten etliche der Pharisäer, die bei ihm waren, und sprachen zu ihm: Sind wir denn auch blind?

  41. Jesus sprach zu ihnen: Wäret ihr blind, so hättet ihr keine Sünde; nun ihr aber sprecht: Wir sind sehend, bleibt eure Sünde.

Der gute Hirte

Kapitel 10

  1. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und Räuber.

  2. Der aber zur Tür hineingeht, der ist der Hirte der Schafe.

  3. Dem tut der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie aus.

  4. Und wenn er alle die Seinen hat hinausgelassen, geht er vor ihnen hin, und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme.

  5. Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm; denn sie kennen der Fremden Stimme nicht.

  6. Diesen Spruch sagte Jesus zu ihnen; sie verstanden aber nicht, was es war, das er zu ihnen sagte.

  7. Da sprach Jesus wieder zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.

  8. Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben ihnen nicht gehorcht.

  9. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich eingeht, der wird gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.

  10. Ein Dieb kommt nur, daß er stehle, würge und umbringe. Ich bin gekommen, daß sie das Leben und volle Genüge haben sollen.

  11. Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe.

  12. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe und flieht; und der Wolf erhascht und zerstreut die Schafe.

  13. Der Mietling flieht; denn er ist ein Mietling und achtet der Schafe nicht.

  14. Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und bin bekannt den Meinen,

  15. wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.

  16. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle; und auch diese muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Herde und ein Hirte werden.

  17. Darum liebt mich mein Vater, weil ich mein Leben lasse, auf daß ich's wieder nehme.

  18. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wiederzunehmen. Solch Gebot habe ich empfangen von meinem Vater.

  19. Da ward abermals eine Zwietracht unter den Juden über diese Worte.

  20. Viele unter ihnen sprachen: Er hat einen bösen Geist und ist unsinnig; was höret ihr ihm zu?

  21. Die andern sprachen: Das sind nicht Worte eines Besessenen; kann ein böser Geist auch der Blinden Augen auftun?

  22. Es ward aber Tempelweihe zu Jerusalem und war Winter.

  23. Und Jesus wandelte im Tempel in der Halle Salomos.

  24. Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: Wie lange hältst du unsre Seele im Ungewissen? Bist du der Christus, so sage es frei heraus.

  25. Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubet nicht. Die Werke, die ich tue in meines Vaters Namen, die zeugen von mir.

  26. Aber ihr glaubet nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen.

  27. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir,

  28. und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.

  29. Der Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen.

  30. Ich und der Vater sind eins.

Feindschaft der Juden

  1. Da hoben die Juden abermals Steine auf, daß sie ihn steinigten.

  2. Jesus antwortete ihnen: Viele gute Werke habe ich euch erzeigt von meinem Vater; um welches Werk unter ihnen steinigt ihr mich?

  3. Die Juden antworteten ihm: Um eines guten Werkes willen steinigen wir dich nicht, sondern um der Gotteslästerung willen und weil du als ein Mensch dich selber zu Gott machst.

  4. Jesus antwortete ihnen: Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz (Psalm 82,6): «Ich habe gesagt: Ihr seid Götter»?

  5. Wenn er Götter die nennt, zu welchen das Wort Gottes geschah – und die Schrift kann doch nicht gebrochen werden -,

  6. wie sprecht ihr denn zu dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: Du lästerst Gott, - weil ich sagte: Ich bin Gottes Sohn?

  7. Tue ich nicht die Werke meines Vaters, so glaubet mir nicht;

  8. tue ich sie aber, so glaubet doch – wollt ihr mir nicht glauben – den Werken, damit ihr zur Erkenntnis kommt und in ihr bleibt, daß der Vater in mir ist und ich in ihm.

  9. Da suchten sie abermals ihn zu greifen. Aber er entging ihnen aus ihren Händen

  10. und zog hin wieder jenseits des Jordan an den Ort, da Johannes zuvor getauft hatte, und blieb allda.

  11. Und viele kamen zu ihm und sprachen: Johannes tat kein Zeichen; aber alles, was Johannes von diesem gesagt hat, das ist wahr.

  12. Und glaubten allda viele an ihn.

DAS EVANGELIUM NACH JOHANNES 11-21