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DIE BIBEL
Heilige
Schrift
DAS
EVANGELIUM NACH JOHANNES
Kapitel 1 -
10
Das Wort ward Fleisch
Kapitel 1
Im Anfang war das
Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.
Dasselbe war im Anfang bei Gott.
Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe
ist nichts gemacht, was gemacht ist.
In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der
Menschen.
Und das Licht scheint in der Finsternis, und die
Finsternis hat's nicht ergriffen.
Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß
Johannes.
Der kam zum Zeugnis, daß er von dem Licht zeugte,
auf daß sie alle durch ihn glaubten.
Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem
Licht.
Das war das wahrhaftige Licht, welches alle
Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.
Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht;
aber die Welt erkannte ihn nicht.
Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht
auf.
Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes
Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben,
welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des
Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott
geboren sind.
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns,
und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des
eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
Johannes zeugt von ihm, ruft
und spricht: Dieser war es, vom dem ich gesagt habe: Nach mir
wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich.
Und von seiner Fülle
haben wir alle genommen Gnade um Gnade.
Denn das Gesetz ist durch Mose
gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus
geworden.
Niemand hat Gott je gesehen;
der eingeborne Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat
ihn uns verkündigt.
Des Täufers Zeugnis von sich selbst
Und dies ist das Zeugnis des
Johannes, da die Juden zu ihm sandten von Jerusalem Priester und
Leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du?
Und er bekannte und leugnete
nicht, und er bekannte: Ich bin nicht der Christus.
Und sie fragten ihn: Was denn?
Bist du Elia? Er sprach: Ich bin's nicht. Bist du der Prophet?
Und er antwortete: Nein.
Da sprachen sie zu ihm: Was
bist du denn? daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt
haben. Was sagst du von dir selbst?
Er sprach: «Ich
bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Richtet den
Weg des Herrn!» wie der Prophet Jesaja gesagt hat (Jesaja
40,3).
Und es kamen, die
gesandt waren von den Pharisäern.
Die fragten ihn und sprachen
zu ihm: Warum taufst du denn, wenn du nicht der Christus bist
noch Elia noch der Prophet?
Johannes antwortete ihnen und
sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch
getreten, den ihr nicht kennet.
Der ist's, der nach mir kommen
wird, des ich nicht wert bin, daß ich seine Schuhriemen
auflöse.
Dies geschah zu Bethanien
jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.
Des Täufers Zeugnis vom Lamm Gottes
Des andern Tages sieht
Johannes Jesus kommen und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm,
welches der Welt Sünde trägt!
Dieser ist's, von dem ich
gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, welcher vor mir gewesen
ist, denn er war eher als ich.
Und ich kannte ihn nicht;
sondern auf daß er offenbar würde in Israel, darum bin
ich gekommen, zu taufen mit Wasser.
Und Johannes bezeugte
und sprach: Ich sah, daß der Geist herabfuhr wie eine Taube
vom Himmel und blieb auf ihm,
und ich kannte ihn nicht. Aber
der mich sandte, zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Über
welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben,
der ist's, der mit dem heiligen Geist tauft.
Und ich sah es und bezeugte,
daß dieser ist Gottes Sohn.
Die ersten Jünger
Des andern Tages stand
abermals Johannes und zwei seiner Jünger;
und als er sah Jesus wandeln,
sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm!
Und die zwei Jünger
hörten ihn reden und folgten Jesus nach.
Jesus aber wandte sich um und
sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen: Was suchet ihr? Sie aber
sprachen zu ihm: Rabbi – das ist verdolmetscht: Meister -,
wo bist du zur Herberge?
Er sprach zu ihnen: Kommt und
sehet! Sie kamen und sahen's und blieben den Tag bei ihm. Es war
aber um die zehnte Stunde.
Einer von den zweien, die es
von Johannes hörten und Jesus nachfolgten, war Andreas, der
Bruder des Simon Petrus.
Der findet zuerst seinen
Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden,
das ist verdolmetscht: der Gesalbte,
und führte ihn zu Jesus.
Da ihn Jesus sah, sprach er: Du bist Simon, des Johannes Sohn; du
sollst Kephas heißen, das wird verdolmetscht: Fels.
Des andern Tages wollte
Jesus wieder nach Galiläa ziehen und findet Philippus und
spricht zu ihm: Folge mir nach!
Philippus aber war von
Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus.
Philippus findet Nathanael und
spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von welchem Mose im
Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, Josephs Sohn
von Nazareth.
Und Nathanael sprach zu ihm:
Was kann von Nazareth Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm:
Komm und sieh es!
Jesus sah Nathanael kommen und
spricht von ihm: Siehe, ein rechter Israelit, in welchem kein
Falsch ist.
Nathanael spricht zu ihm:
Woher kennst du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Ehe
denn dich Philippus rief, da du unter dem Feigenbaum warst, sah
ich dich.
Nathanael antwortete ihm:
Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel!
Jesus antwortete und sprach zu
ihm: Du glaubst, weil ich dir gesagt habe, daß ich dich
gesehen habe unter dem Feigenbaum; du wirst noch Größeres
als das sehen.
Und spricht zu ihm: Wahrlich,
wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und
die Engel Gottes hinauf und herab fahren auf des Menschen Sohn.
Hochzeit zu Kana
Kapitel 2
Und am
dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die
Mutter Jesu war da.
Jesus aber
und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen.
Und da es
an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht
Wein.
Jesus
spricht zu ihr: Weib, was geht's dich an, was ich tue? Meine
Stunde ist noch nicht gekommen.
Seine
Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut.
Es waren
aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt nach der
Sitte der jüdischen Reinigung, und es gingen in jeden zwei
oder drei Maß.
Jesus
spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser!
Und sie füllten sie bis obenan.
Und er
spricht zu ihnen: Schöpfet nun und bringet's dem
Speisemeister! Und sie brachten's.
Als aber
der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und
wußte nicht, woher er kam – die Diener aber wußten's,
die das Wasser geschöpft hatten -, ruft der Speisemeister
den Bräutigam
und
spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn
sie trunken geworden sind, alsdann den geringern; du hast den
guten Wein bisher behalten.
Das ist
das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen zu Kana in Galiläa,
und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten
an ihn.
Danach
zog er hinab nach Kapernaum, er, seine Mutter, seine Brüder
und seine Jünger, und blieben nicht lange daselbst.
Reinigung des Tempels
Und der Juden
Ostern
war nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.
Und er
fand im Tempel sitzen, die da Ochsen, Schafe und Tauben
feilhielten, und die Wechsler.
Und er
machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum
Tempel hinaus samt den Schafen und Ochsen und verschüttete
den Wechslern das Geld und stieß die Tische um
und sprach
zu denen, die die Tauben feilhielten: Traget das von dannen und
machet nicht meines Vaters Haus zum Kaufhause!
Seine
Jünger aber gedachten daran, daß geschrieben steht
(Psalm 69,10):
«Der Eifer um dein Haus hat mich gefressen.»
Da
hoben nun die Juden an und sprachen zu ihm: Was zeigst du uns für
ein Zeichen, daß du solches tun darfst?
Jesus
antwortete und sprach zu ihnen: Brechet diesen Tempel ab, und in
drei Tagen will ich ihn aufrichten.
Da
sprachen die Juden: Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren
erbaut; und du willst ihn in drei Tagen aufrichten?
Er aber
redete von dem Tempel seines Leibes.
Da er nun
auferstanden war von den Toten, gedachten seine Jünger
daran, daß er dies gesagt hatte, und glaubten der Schrift
und dem Wort, das Jesus gesagt hatte.
Als
er aber zu Jerusalem war am Osterfest, glaubten viele an seinen
Namen, da sie die Zeichen sahen, die er tat.
Aber Jesus
vertraute sich ihnen nicht an; denn er kannte sie alle
und
bedurfte nicht, daß jemand ihm Zeugnis gäbe von einem
Menschen; denn er wußte wohl, was im Menschen war.
Jesus und Nikodemus
Kapitel 3
Es war
aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus,
ein Oberster unter den Juden.
Der kam zu
Jesus bei der Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß
du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die
Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.
Jesus
antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir:
Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann
er das Reich Gottes nicht sehen.
Nikodemus
spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt
ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen und
geboren werden?
Jesus
antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß
jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in
das Reich Gottes kommen.
Was vom
Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren
wird, das ist Geist.
Laß
dich's nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset
von neuem geboren werden.
Der Wind
bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber
du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So
ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.
Nikodemus
antwortete und sprach zu ihm: Wie kann solches zugehen?
Jesus
antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel und
weißt das nicht?
Wahrlich,
wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen,
was wir gesehen haben; ihr aber nehmt unser Zeugnis nicht an.
Glaubt ihr
nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr
glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage?
Und
niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel
herniedergekommen ist, nämlich des Menschen Sohn.
Und
wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muß
des Menschen Sohn erhöht werden,
auf daß
alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.
Denn also
hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn
gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren
werden, sondern das ewige Leben haben.
Denn Gott
hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt
richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde.
Wer an ihn
glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist
schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des
eingebornen Sohnes Gottes.
Das ist
aber das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist,
und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn
ihre Werke waren böse.
Wer Arges
tut, der hasset das Licht und kommt nicht zu dem Licht, auf daß
seine Werke nicht an den Tag kommen.
Wer aber
die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, daß seine Werke
offenbar werden, denn sie sind in Gott getan.
Des Täufers letztes Zeugnis
von Jesus
Danach kam
Jesus mit seinen Jüngern in das Land Judäa und blieb
daselbst eine Weile mit ihnen und taufte.
Johannes
aber taufte auch noch zu Änon, nahe bei Salim, denn es war
viel Wasser daselbst; und sie kamen dahin und ließen sich
taufen.
Denn
Johannes war noch nicht ins Gefängnis gelegt.
Da erhob
sich ein Streit zwischen den Jüngern des Johannes und einem
Juden über die Reinigung.
Und sie
kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Meister, der bei dir war
jenseits des Jordan, von dem du zeugtest, siehe, der tauft, und
jedermann kommt zu ihm.
Johannes
antwortete und sprach: Ein Mensch kann nichts nehmen, es werde
ihm denn gegeben vom Himmel.
Ihr selbst
seid meine Zeugen, daß ich gesagt habe, ich sei nicht der
Christus, sondern vor ihm her gesandt.
Wer die
Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund aber des
Bräutigams steht und hört ihm zu und freut sich hoch
über des Bräutigams Stimme. Diese meine Freude ist nun
erfüllt.
Er muß wachsen, ich
aber muß abnehmen.
Der von
oben her kommt, ist über alle. Wer von der Erde ist, der ist
von der Erde und redet von der Erde. Der vom Himmel kommt, der
ist über alle
und
bezeugt, was er gesehen und gehört hat; und sein Zeugnis
nimmt niemand an.
Wer es
aber annimmt, der besiegelt's, daß Gott wahrhaftig ist.
Denn
welchen Gott gesandt hat, der redet Gottes Worte; denn Gott gibt
den Geist nicht nach dem Maß.
Der Vater
hat den Sohn lieb und hat ihm alles in seine Hand gegeben.
Wer an den
Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt,
der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt
über ihm.
Jesus und die Samariterin
Kapitel 4
Da nun der Herr
inneward, daß vor die Pharisäer gekommen war, wie
Jesus mehr zu Jüngern machte und taufte als Johannes,
wiewohl Jesus selber nicht taufte, sondern seine Jünger,
verließ er Judäa und zog wieder nach Galiläa.
Er mußte aber durch Samarien reisen.
Da kam er in eine Stadt Samariens, die heißt
Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Joseph gab.
Es war aber daselbst Jakobs Brunnen. Da nun Jesus müde
war von der Reise, setzte er sich auf den Brunnen; und es war um
die sechste Stunde.
Da kommt eine Frau aus Samarien, Wasser zu schöpfen.
Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken!
Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, daß
sie Speise kauften.
Spricht nun die samaritische Frau zu ihm: Wie bittest du
von mir zu trinken, der du ein Jude bist, und ich ein samaritisch
Weib? - Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den
Samaritern.
Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkenntest die
Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!
du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser.
Spricht zu ihm die Frau: Herr, hast du doch nichts,
womit du schöpfest, und der Brunnen ist tief; woher hast du
denn lebendiges Wasser?
Bist du mehr als unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen
gegeben hat? Und er hat daraus getrunken und seine Kinder und
sein Vieh.
Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser
trinkt, den wird wieder dürsten;
wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe,
den wird ewiglich nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich
ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden,
das in das ewige Leben quillt.
Spricht die Frau zu ihm: Herr, gib mir solches
Wasser, auf daß mich nicht dürste und ich nicht mehr
herkommen müsse, zu schöpfen!
Jesus spricht zu ihr: Gehe hin, rufe deinen Mann und komm
her!
Die Frau antwortete und sprach: Ich habe keinen Mann.
Jesus spricht zu ihr: Du hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann.
Fünf Männer hast du gehabt, und den du nun hast,
der ist nicht dein Mann; da hast du recht gesagt.
Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, daß
du ein Prophet bist.
Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und
ihr sagt, zu Jerusalem sei die Stätte, da man anbeten solle.
Jesus spricht zu ihr: Weib, glaube mir, es kommt die Zeit,
daß ihr weder auf diesem Berge noch zu Jerusalem werdet den
Vater anbeten.
Ihr wisset nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was
wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden.
Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, daß die
wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der
Wahrheit; denn der Vater will haben, die ihn also anbeten.
Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen
ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Spricht die Frau zu
ihm: Ich weiß, daß der Messias kommt, der da Christus
heißt. Wenn derselbe kommen wird, so wird er's uns alles
verkündigen.
Jesus spricht zu ihr: Ich
bin's, der mit dir redet.
Und über dem kamen
seine Jünger, und es nahm sie wunder, daß er mit einem
Weibe redete. Doch sprach niemand: Was fragst du? oder: Was
redest du mit ihr?
Da ließ die Frau ihren
Krug stehen und ging hin in die Stadt und spricht zu den Leuten:
Kommt, sehet einen Menschen,
der mir gesagt hat alles, was ich getan habe, ob er nicht der
Christus sei!
Da gingen sie aus der Stadt
und kamen zu ihm.
Indes aber ermahnten
ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iß!
Er aber sprach zu ihnen: Ich
habe eine Speise zu essen, von der ihr nicht wisset.
Da sprachen die Jünger
untereinander: Hat ihm jemand zu essen gebracht?
Jesus spricht zu ihnen: Meine
Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich
gesandt hat, und vollende sein Werk.
Saget ihr nicht: Es sind noch
vier Monate, dann kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebet
eure Augen auf und sehet in das Feld, denn es ist weiß zur
Ernte.
Schon empfängt Lohn, der
da schneidet, und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf daß
sich miteinander freuen, der da sät und der da schneidet.
Denn hier ist der Spruch wahr:
Dieser sät, der andere schneidet.
Ich habe euch gesandt, zu
schneiden, was ihr nicht gearbeitet habt; andere haben
gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit gekommen.
Es glaubten aber an ihn
viele der Samariter aus dieser Stadt um der Rede der Frau willen,
welche bezeugte: Er hat mir gesagt alles, was ich getan habe.
Als nun die Samariter zu ihm
kamen, baten sie ihn, daß er bei ihnen bliebe; und er blieb
zwei Tage da.
Und viel mehr glaubten um
seines Wortes willen
und sprachen zu der Frau: Wir
glauben hinfort nicht um deiner Rede willen; wir haben selber
gehört und erkannt, daß dieser ist wahrlich der Welt
Heiland.
Heilung des Sohnes eines königlichen Beamten
Aber nach zwei Tagen zog er
aus von dannen nach Galiläa.
Denn er selber, Jesus,
bezeugte, daß ein Prophet daheim nichts gilt.
Da er nun nach Galiläa
kam, nahmen ihn die Galiläer auf, die gesehen hatten alles,
was er zu Jerusalem auf dem Fest getan hatte; denn sie waren auch
zum Fest gekommen.
Und Jesus kam abermals nach
Kana in Galiläa, wo er das Wasser hatte zu Wein gemacht.
Und es war ein Mann in
des Königs Dienst, des Sohn lag krank zu Kapernaum. Dieser
hörte, daß Jesus kam aus Judäa nach Galiläa,
und ging hin zu ihm und bat ihn, daß er hinabkäme und
hülfe seinem Sohn; denn der war todkrank.
Und Jesus sprach zu ihm: Wenn
ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.
Der Mann sprach zu ihm: Herr,
komm hinab, ehe denn mein Kind stirbt!
Jesus spricht zu ihm: Gehe
hin, dein Sohn lebt! Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu
ihm sagte, und ging hin.
Und indem er hinabging,
begegneten ihm seine Knechte und sprachen: Dein Kind lebt.
Da erforschte er von ihnen die
Stunde, in welcher es besser mit ihm geworden war. Und sie
sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn
das Fieber.
Da merkte der Vater, daß
es um die Stunde war, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein
Sohn lebt. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause.
Das ist nun das zweite
Zeichen, das Jesus tat, als er aus Judäa nach Galiläa
kam.
Heilung eines Kranken am Teich Bethesda
Kapitel 5
Danach war ein
Fest der Juden, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.
Es ist aber zu Jerusalem bei dem Schaftor ein Teich, der
heißt auf hebräisch Bethesda und hat fünf Hallen,
in welchen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte,
<die warteten,
wann sich das Wasser bewegte.
Denn ein Engel des Herrn fuhr herab von Zeit zu Zeit in
den Teich und bewegte das Wasser. Wer nun zuerst, nachdem das
Wasser bewegt war, hineinstieg, der ward gesund, mit welcherlei
Leiden er behaftet war>.
Es war aber daselbst ein Mensch, der lag schon
achtunddreißig Jahre krank.
Da Jesus den sah liegen und vernahm, daß er schon
lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden?
Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen,
wenn das Wasser sich bewegt, der mich in den Teich bringe; wenn
ich aber komme, so steigt ein anderer vor mir hinein.
Jesus spricht zu ihm: Stehe auf, nimm dein Bett und gehe
hin!
Und alsbald ward der Mensch gesund und nahm sein Bett und
ging hin.
Es war aber an dem Tage der Sabbat.
Da sprachen die Juden zu dem, der gesund geworden war: Es
ist heute Sabbat; du darfst nicht das Bett tragen.
Er antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sprach zu
mir: Nimm dein Bett und gehe hin!
Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt
hat: Nimm dein Bett und gehe hin?
Der aber gesund geworden war, wußte nicht, wer es
war; denn Jesus war entwichen, da so viel Volks an dem Ort war.
Danach fand ihn Jesus im Tempel und sprach zu ihm: Siehe,
du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, daß
dir nicht etwas Ärgeres widerfahre.
Der Mensch ging hin und verkündete den Juden, es sei
Jesus, der ihn gesund gemacht habe.
Darum verfolgten die Juden Jesus, weil er solches getan
hatte am Sabbat.
Jesus aber antwortete ihnen: Mein
Vater wirket bis auf diesen Tag, und ich wirke auch.
Darum trachteten ihm die Juden noch viel mehr nach, daß
sie ihn töteten, weil er nicht allein den Sabbat brach,
sondern auch sagte, Gott sei sein Vater, und machte dadurch sich
selbst Gott gleich.
Der Sohn Gottes macht lebendig
Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich,
wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selber
tun, sondern nur was er sieht den Vater tun; und was dieser tut,
das tut gleicherweise auch der Sohn.
Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was
er tut, und wird ihm noch größere Werke zeigen, daß
ihr euch verwundern werdet.
Denn wie der Vater die Toten auferweckt und macht sie
lebendig, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will.
Denn der Vater richtet niemand; sondern alles Gericht hat
er dem Sohn gegeben,
damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren.
Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn
gesandt hat.
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört
und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben
und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben
hindurchgedrungen.
Wahrlich, wahrlich, ich sage
euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, daß die
Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören, und die sie
hören werden, die werden leben.
Denn wie der Vater das Leben
hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu
haben in sich selber,
und hat ihm Macht gegeben, das
Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist.
Verwundert euch des nicht.
Denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern
sind, werden seine Stimme hören,
und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur
Auferstehung des Lebens, die aber Übles getan haben, zur
Auferstehung des Gerichts.
Ich kann nichts von mir
selber tun. Wie ich höre, so richte ich, und mein Gericht
ist recht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen
des, der mich gesandt hat.
Zeugen für den Sohn Gottes
Wenn ich von mir selbst zeuge,
so ist mein Zeugnis nicht wahr.
Ein anderer ist's, der von mir
zeugt; und ich weiß, daß das Zeugnis wahr ist, das er
von mir zeugt.
Ihr schicktet zu Johannes, und
er zeugte von der Wahrheit.
Ich aber nehme nicht Zeugnis
von einem Menschen; sondern solches sage ich, damit ihr selig
werdet.
Er war ein brennend und
scheinend Licht; ihr aber wolltet eine kleine Weile fröhlich
sein in seinem Lichte.
Ich aber habe ein größeres
Zeugnis als des Johannes Zeugnis; denn die Werke, die mir der
Vater gegeben hat, daß ich sie vollende, eben diese Werke,
die ich tue, zeugen von mir, daß mich der Vater gesandt
hat.
Und der Vater, der mich
gesandt hat, der hat von mir gezeugt. Ihr habt niemals weder
seine Stimme gehört noch seine Gestalt gesehen,
und sein Wort habt ihr nicht
in euch wohnen; denn ihr glaubet dem nicht, den er gesandt hat.
Ihr suchet in der Schrift;
denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist es,
die von mir zeuget;
aber doch wollt ihr nicht zu
mir kommen, daß ihr das Leben hättet.
Ich nehme nicht Ehre
von Menschen;
aber ich kenne euch, daß
ihr nicht Gottes Liebe in euch habt.
Ich bin gekommen in meines
Vaters Namen, und ihr nehmet mich nicht an. Wenn ein anderer wird
in seinem eignen Namen kommen, den werdet ihr annehmen.
Wie könnet ihr glauben,
die ihr Ehre voneinander nehmet? Aber die Ehre, die von dem
alleinigen Gott ist, suchet ihr nicht.
Ihr sollt nicht meinen,
daß ich euch vor dem Vater verklagen werde; es ist einer,
der euch verklagt: Mose, auf welchen ihr hoffet.
Wenn ihr Mose glaubtet, so
glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben.
1. Mose
3,15; 49,10. 5. Mose 18,15.
Wenn ihr aber seinen Schriften
nicht glaubet, wie werdet ihr meinen Worten glauben?
Speisung der Fünftausend
Kapitel 6
Danach fuhr Jesus weg über
das Galiläische Meer, daran die Stadt Tiberias liegt.
Und es zog ihm viel Volks
nach, darum daß sie die Zeichen sahen, die er an den
Kranken tat.
Jesus aber ging hinauf auf den
Berg und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern.
Es war aber nahe Ostern, der
Juden Fest.
Da hob Jesus seine Augen auf
und sieht, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu
Philippus: Wo kaufen wir Brot, daß diese essen?
Das sagte er aber, ihn zu
prüfen; denn er wußte wohl, was er tun wollte.
Philippus antwortete ihm: Für
zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug unter sie, daß
ein jeglicher ein wenig nehme.
Spricht zu ihm einer seiner
Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus:
Es ist ein Knabe hier, der hat
fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das unter so
viele?
Jesus aber sprach: Schaffet,
daß sich das Volk lagere. Es war aber viel Gras an dem Ort.
Da lagerten sich bei fünftausend Mann.
Jesus aber nahm die Brote,
dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen
auch von den Fischen, wieviel sie wollten.
Da sie aber satt waren, sprach
er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, daß
nichts umkomme.
Da sammelten sie und füllten
von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit
Brocken, die übrigblieben denen, die gespeist worden.
Da nun die Menschen das
Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der
Prophet, der in die Welt kommen soll.
Da Jesus nun merkte, daß
sie kommen würden und ihn greifen, damit sie ihn zum König
machten, entwich er abermals auf den Berg, er selbst allein.
Jesus wandelt auf dem Meer
Am Abend aber gingen die
Jünger hinab an das Meer
und traten in ein Schiff und
kamen über das Meer nach Kapernaum. Und es war schon finster
geworden, und Jesus war nicht zu ihnen gekommen.
Und das Meer erhob sich von
einem großen Winde.
Da sie nun gerudert hatten bei
einer Stunde, sahen sie Jesus auf dem Meere dahergehen und nahe
zum Schiff kommen; und sie fürchteten sich.
Er aber sprach zu ihnen: Ich
bin's; fürchtet euch nicht!
Da wollten sie ihn in das
Schiff nehmen; und alsbald war das Schiff am Lande, wohin sie
fuhren.
Jesus das Brot des Lebens
Des andern Tages sah das Volk,
das drüben am Meer stand, daß kein anderes Schiff
daselbst war als das eine, und daß Jesus nicht mit seinen
Jüngern in das Schiff getreten war, sondern seine Jünger
waren allein weggefahren.
Es kamen aber andere Schiffe
von Tiberias nahe zu der Stätte, wo sie das Brot gegessen
hatten unter des Herrn Danksagung.
Da nun das Volk sah, daß
Jesus nicht da war noch seine Jünger, traten sie auch in die
Schiffe und kamen nach Kapernaum und suchten Jesus.
Und da sie ihn fanden jenseits
des Meeres, sprachen sie zu ihm: Rabbi, wann bist du hergekommen?
Jesus antwortete ihnen und
sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr suchet mich nicht
darum, daß ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von
dem Brot gegessen habt und seid satt geworden.
Schaffet euch Speise, nicht,
die vergänglich ist, sondern die da bleibt in das ewige
Leben, welche euch des Menschen Sohn geben wird; denn auf dem ist
das Siegel Gottes des Vaters.
Da sprachen sie zu ihm: Was
sollen wir tun, daß wir Gottes Werke wirken?
Jesus antwortete und sprach zu
ihnen: Das ist Gottes Werk, daß ihr an den glaubet, den er
gesandt hat.
Da sprachen sie zu ihm: Was
tust du denn für ein Zeichen, auf daß wir sehen und
glauben dir? Was wirkest du?
Unsre Väter haben das
Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht (Psalm
78,24): «Er gab ihnen
Brot vom Himmel zu essen.»
Da sprach Jesus zu ihnen:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot
vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das rechte Brot
vom Himmel.
Denn Gottes Brot ist das, das
vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben.
Da sprachen sie zu ihm: Herr,
gib uns allewege solch Brot.
Jesus aber sprach zu ihnen:
Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht
hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.
Aber ich habe es euch gesagt,
daß ihr mich gesehen habt und glaubet doch nicht.
Alles, was mir mein Vater
gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich
nicht hinausstoßen.
Denn ich bin vom Himmel
gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen
des, der mich gesandt hat.
Das ist aber der Wille des,
der mich gesandt hat, daß ich nichts verliere von allem,
was er mir gegeben hat, sondern daß ich's auferwecke am
Jüngsten Tage.
Denn das ist der Wille meines
Vaters, daß, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, habe das
ewige Leben; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.
Da murrten die Juden
über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das vom Himmel
gekommen ist,
und sprachen: Ist dieser nicht
Jesus, Josephs Sohn, des Vater und Mutter wir kennen? Wie spricht
er denn: Ich bin vom Himmel gekommen?
Jesus antwortete und sprach zu
ihnen: Murret nicht untereinander.
Es kann niemand zu mir kommen,
es sei denn, daß ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat;
und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.
Es steht geschrieben in den
Propheten (Jesaja 54,13):
«Sie werden alle von Gott gelehrt sein.» Wer es nun
hört vom Vater und lernt es, der kommt zu mir.
Nicht daß jemand den
Vater gesehen hat außer dem, der von Gott ist; der hat den
Vater gesehen.
Wahrlich, wahrlich, ich sage
euch: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben.
Ich bin das Brot des Lebens.
Eure Väter haben das
Manna gegessen in der Wüste und sind gestorben.
Dies ist das Brot, das vom
Himmel kommt, auf daß, wer davon isset, nicht sterbe.
Ich bin das lebendige Brot,
vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird
leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, das ist
mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der
Welt.
Da stritten die Juden
untereinander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu
essen geben?
Jesus sprach zu ihnen:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Werdet ihr nicht essen das
Fleisch des Menschensohnes und trinken sein Blut, so habt ihr
kein Leben in euch.
Wer mein Fleisch isset und
trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am
Jüngsten Tage auferwecken.
Denn mein Fleisch ist die
rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trank.
Wer mein Fleisch isset und
trinket mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm.
Wie mich gesandt hat der
lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch,
wer mich isset, leben um meinetwillen.
Dies ist das Brot, das vom
Himmel gekommen ist. Nicht, wie die Väter haben gegessen und
sind gestorben: wer dies Brot isset, der wird leben in Ewigkeit.
Solches sagte er in der
Synagoge, als er lehrte zu Kapernaum.
Scheidung unter den Jüngern
Viele nun seiner Jünger,
die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann
sie hören?
Da Jesus aber bei sich selbst
merkte, daß seine Jünger darüber murrten, sprach
er zu ihnen: Ist euch das ein Ärgernis?
Wie, wenn ihr nun sehen werdet
des Menschen Sohn auffahren dahin, wo er zuvor war?
Der Geist ist's, der da
lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die
ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben.
Aber es sind etliche unter
euch, die glauben nicht. Denn Jesus wußte von Anfang wohl,
wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde.
Und er sprach: Darum habe ich
euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn von
meinem Vater gegeben.
Bekenntnis des Petrus
Von da an wandten seiner
Jünger viele sich ab und wandelten hinfort nicht mehr mit
ihm.
Da sprach Jesus zu den
Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen?
Da antwortete ihm Simon
Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen
Lebens;
und wir haben geglaubt und erkannt, daß du bist
der Heilige Gottes*.
*Luther
übersetzte nach anderer Überlieferung: «daß
du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes».
Jesus antwortete ihnen: Habe
ich nicht euch Zwölf erwählt? Und euer einer ist ein
Teufel.
Er redete aber von Judas, des
Simon Ischarioth Sohn. Der verriet ihn hernach und war der Zwölfe
einer.
Reise zum Laubhüttenfest
Kapitel 7
Danach zog Jesus
umher in Galiläa; denn er wollte nicht in Judäa
umherziehen, weil ihm die Juden nach dem Leben trachteten.
Es war aber nahe der Juden Laubhüttenfest.
Da sprachen seine Brüder zu ihm: Mache dich auf von
dannen und gehe nach Judäa, auf daß auch deine Jünger
sehen die Werke, die du tust.
Niemand tut etwas im Verborgenen und will doch gelten
öffentlich. Willst du solches, so offenbare dich vor der
Welt.
Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn.
Da spricht Jesus zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht da;
eure Zeit aber ist allewege.
Die Welt kann euch nicht hassen. Mich aber hasset sie,
denn ich bezeuge ihr, daß ihre Werke böse sind.
Gehet ihr hinauf auf das Fest! Ich will noch nicht
hinaufgehen auf dieses Fest, denn meine Zeit ist noch nicht
erfüllt.
Da er aber das zu ihnen gesagt, blieb er in Galiläa.
Als aber seine Brüder hinaufgegangen waren zu
dem Fest, da ging er auch hinauf, nicht öffentlich, sondern
heimlich.
Da suchten ihn die Juden am Fest und sprachen: Wo ist der?
Und es war ein großes Gemurmel über ihn unter
dem Volk. Etliche sprachen: Er ist gut; die andern aber sprachen:
Nein, sondern er verführt das Volk.
Niemand aber redete frei heraus von ihm aus Furcht vor den
Juden.
Jesus auf dem Fest
Aber mitten im Fest ging Jesus
hinauf in den Tempel und lehrte.
Und die Juden verwunderten
sich und sprachen: Wie kennt dieser die Schrift, obwohl er sie
doch nicht gelernt hat?
Jesus antwortete ihnen und
sprach: Meine Lehre ist nicht mein, sondern des, der mich
gesandt hat.
Wenn jemand will des Willen tun, der wird innewerden,
ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede.
Wer von sich selbst redet, der
sucht seine eigne Ehre; wer aber sucht die Ehre des, der ihn
gesandt hat, der ist wahrhaftig, und ist keine Ungerechtigkeit an
ihm.
Hat euch nicht Mose das
Gesetz gegeben? Und niemand unter euch tut das Gesetz. Warum
suchet ihr mich zu töten?
Das Volk antwortete: Du hast
einen bösen Geist; wer sucht dich zu töten?
Jesus antwortete und sprach:
Ein einziges Werk habe ich getan, und es wundert euch alle.
Mose hat euch doch gegeben die
Beschneidung – nicht daß sie von Mose kommt, sondern
von den Vätern -, und ihr beschneidet den Menschen auch am
Sabbat.
Wenn nun ein Mensch die
Beschneidung empfängt am Sabbat, damit nicht das Gesetz des
Mose gebrochen werde, zürnet ihr dann über mich, daß
ich den ganzen Menschen habe am Sabbat gesund gemacht?
Richtet nicht nach dem, was
vor Augen ist, sondern richtet ein rechtes Gericht.
Da sprachen etliche aus
Jerusalem: Ist das nicht der, den sie suchen zu töten?
Und siehe, er redet frei, und
sie sagen ihm nichts. Sollten unsre Obersten nun wahrhaftig
erkannt haben, daß er der Christus sei?
Doch wir wissen, woher dieser
ist; wenn aber der Christus kommen wird, so wird niemand wissen,
woher er ist.
Da rief Jesus im Tempel,
lehrte und sprach: Ihr kennet mich und wisset, woher ich bin.
Aber von mir selbst bin ich nicht gekommen, sondern es ist ein
Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, welchen ihr nicht kennet.
Ich kenne ihn; denn ich bin
von ihm, und er hat mich gesandt.
Da suchten sie ihn zu greifen;
aber niemand legte die Hand an ihn, denn seine Stunde war noch
nicht gekommen.
Aber viele vom Volk glaubten an ihn und sprachen:
Wenn der Christus kommen wird, wird er etwa mehr Zeichen tun, als
dieser tat?
Und es kam vor die Pharisäer, daß im Volk
solches Gemurmel über ihn war. Da sandten die Hohenpriester
und Pharisäer Knechte aus, daß sie ihn griffen.
Da sprach Jesus zu ihnen: Ich bin noch eine kleine Zeit
bei euch, und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat.
Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin,
könnt ihr nicht hinkommen.
Da sprachen die Juden untereinander: Wo will dieser
hingehen, daß wir ihn nicht finden werden? Will er zu denen
gehen, die in der Zerstreuung unter den Griechen wohnen, und die
Griechen lehren?
Was ist das für eine Rede, daß er sagte: Ihr
werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, da könnt
ihr nicht hinkommen?
Aber am letzten Tage des Festes, welcher der
höchste war, trat Jesus auf, rief und sprach: Wen da
dürstet, der komme zu mir und trinke!
Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe
werden Ströme lebendigen Wassers fließen.
Das sagte er aber von dem
Geist, welchen empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der
Geist war noch nicht da, denn Jesus war noch nicht verherrlicht.
Zwiespalt im Volk
Einige nun vom Volk, die diese
Reden hörten, sprachen: Dieser ist wahrlich der Prophet.
Andere sprachen: Er ist der
Christus. Etliche aber sprachen: Soll der Christus aus Galiläa
kommen?
Spricht nicht die Schrift: von
dem Geschlecht Davids und aus dem Orte Bethlehem, wo David war,
solle der Christus kommen?
Also ward eine Zwietracht
unter dem Volk über ihn.
Es wollten aber etliche ihn
greifen; aber niemand legte die Hand an ihn.
Die Knechte kamen zu
den Hohenpriestern und Pharisäern; und die sprachen zu
ihnen: Warum habt ihr ihn nicht gebracht?
Die Knechte antworteten: Es
hat nie ein Mensch so geredet wie dieser Mensch.
Da antworteten ihnen die
Pharisäer: Seid ihr auch verführt?
Glaubt auch irgendein Oberster
oder Pharisäer an ihn?
Nur das Volk tut's, das nichts
vom Gesetz weiß: verflucht ist es!
Spricht zu ihnen Nikodemus,
der vormals zu ihm gekommen war, welcher einer von ihnen war:
Richtet unser Gesetz auch
einen Menschen, ehe man ihn verhört hat und erkannt, was er
tut?
Sie antworteten und sprachen
zu ihm: Bist du auch ein Galiläer? Forsche und siehe, aus
Galiläa steht kein Prophet auf.
Jesus und die Ehebrecherin
<Und
ein jeglicher ging heim.
Kapitel 8
Jesus aber ging an den Ölberg.
Und frühmorgens kam er
wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm; und er setzte
sich und lehrte sie.
Aber die
Schriftgelehrten und Pharisäer brachten eine Frau zu ihm, im
Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte
und sprachen zu ihm: Meister,
diese Frau ist ergriffen auf frischer Tat im Ehebruch.
Mose aber hat uns im Gesetz
geboten, solche zu steinigen. Was sagst du?
3. Mose
20,10.
Das sprachen sie aber, ihn zu
versuchen, auf daß sie eine Sache wider ihn hätten.
Aber Jesus bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf
die Erde.
Als sie nun anhielten, ihn zu
fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch
ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.
Und bückte sich wieder
nieder und schrieb auf die Erde.
Da sie aber das hörten,
gingen sie hinaus, einer nach dem andern, von den Ältesten
an; und Jesus ward allein gelassen und die Frau in der Mitte
stehend.
Jesus aber richtete sich auf
und sprach zu ihr: Weib, wo sind sie, deine Verkläger? Hat
dich niemand verdammt?
Sie aber sprach: Herr,
niemand. Jesus aber sprach: So verdamme ich dich auch nicht; gehe
hin und sündige hinfort nicht mehr.>
Jesu Selbstzeugnis
Da redete Jesus abermals zu
ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir
nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird
das Licht des Lebens haben.
Da sprachen die Pharisäer
zu ihm: Du zeugst von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr.
Jesus antwortete und sprach zu
ihnen: Auch wenn ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis
wahr; denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich
gehe; ihr aber wisset nicht, woher ich komme und wohin ich gehe.
Ihr richtet nach dem Fleisch,
ich richte niemand.
Wenn ich aber richte, so ist
mein Gericht recht; denn ich bin nicht allein, sondern ich und
der mich gesandt hat.
Auch steht in eurem Gesetz
geschrieben, daß zweier Menschen Zeugnis wahr sei.
Ich bin's, der ich von mir
selbst zeuge; und der Vater, der mich gesandt hat, zeugt auch von
mir.
Da sprachen sie zu ihm: Wo ist
dein Vater? Jesus antwortete: Ihr kennet weder mich noch meinen
Vater; wenn ihr mich kenntet, so kenntet ihr auch meinen Vater.
Diese Worte redete Jesus an
dem Gotteskasten, da er lehrte im Tempel; und niemand griff ihn,
denn seine Stunde war noch nicht gekommen.
Jesus weist hin auf seinen Tod
Da sprach Jesus abermals zu
ihnen: Ich gehe hinweg, und ihr werdet mich suchen und in eurer
Sünde sterben. Wo ich hingehe, da könnt ihr nicht
hinkommen.
Da sprachen die Juden: Will er
sich denn selbst töten, daß er spricht: Wohin ich
gehe, da könnt ihr nicht hinkommen?
Und er sprach zu ihnen: Ihr
seid von unten her, ich bin von oben her; ihr seid von dieser
Welt, ich bin nicht von dieser Welt.
Darum habe ich euch gesagt,
daß ihr sterben werdet in euren Sünden; denn wenn ihr
nicht glaubet, daß ich es bin, so werdet ihr sterben in
euren Sünden.
Da sprachen sie zu ihm: Wer
bist du denn? Und Jesus sprach zu ihnen: Was rede ich noch mit
euch!
Ich habe viel über euch
zu reden und zu richten. Aber der mich gesandt hat, ist
wahrhaftig, und was ich von ihm gehört habe, das rede ich zu
der Welt.
Sie verstanden aber nicht, daß
er ihnen von dem Vater sagte.
Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn
ihr des Menschen Sohn erhöhen werdet, dann werdet ihr
erkennen, daß ich es bin und nichts von mir selber tue,
sondern, wie mich der Vater gelehrt hat, so rede ich.
Und der mich gesandt hat, ist
mit mir. Der Vater läßt mich nicht allein; denn ich
tue allezeit, was ihm gefällt.
Da er solches redete, glaubten
viele an ihn.
Die Wahrheit macht frei
Da sprach nun Jesus zu den
Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet an meiner
Rede, so seid ihr in Wahrheit meine Jünger
und werdet die Wahrheit
erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
Da antworteten sie ihm: Wir
sind Abrahams Kinder und sind niemals jemandes Knechte gewesen.
Wie sprichst du denn: Ihr sollt frei werden?
Jesus antwortete ihnen:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist
der Sünde Knecht.
Der Knecht aber bleibt nicht
ewiglich im Hause; der Sohn bleibt ewiglich.
Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht
frei.
Widersacher der Wahrheit
Ich weiß wohl, daß
ihr Abrahams Kinder seid; aber ihr sucht mich zu töten, denn
mein Wort findet bei euch keinen Raum.
Ich rede, was ich von meinem
Vater gesehen habe; und ihr tut, was ihr von eurem Vater gehört
habt.
Sie antworteten und sprachen
zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr
Abrahams Kinder wäret, so tätet ihr Abrahams Werke.
Nun aber sucht ihr mich zu
töten, einen solchen Menschen, der ich euch die Wahrheit
gesagt habe, die ich von Gott gehört habe. Das hat Abraham
nicht getan.
Ihr tut eures Vaters Werke. Da
sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht unehelich geboren; wir haben
einen Vater, Gott.
Jesus sprach zu ihnen: Wäre
Gott euer Vater, so liebtet ihr mich; denn ich bin ausgegangen
und komme von Gott; denn ich bin nicht von mir selber gekommen,
sondern er hat mich gesandt.
Warum versteht ihr denn meine
Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht könnt hören!
Ihr habt den Teufel zum Vater,
und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun. Der ist ein
Mörder von Anfang und steht nicht in der Wahrheit; denn die
Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet
er von seinem Eignen; denn er ist ein Lügner und der Vater
der Lüge.
Ich aber, weil ich die
Wahrheit sage, so glaubet ihr mir nicht.
Das Geheimnis der Person Jesu
Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? Wenn
ich aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht?
Wer von Gott ist, der hört Gottes Wort; darum höret
ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott.
Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen
wir nicht recht, daß du ein Samariter bist und hast einen
bösen Geist?
Jesus antwortete: Ich habe keinen bösen Geist,
sondern ich ehre meinen Vater, und ihr verunehrt mich.
Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber einer, der sie
sucht und richtet.
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So jemand mein Wort
wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich.
Da sprachen die Juden zu ihm:
Nun erkennen wir, daß du einen bösen Geist hast.
Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sprichst: So
jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken
ewiglich.
Bist du mehr als unser Vater
Abraham, welcher gestorben ist? Und die Propheten sind gestorben.
Was machst du aus dir selbst?
Jesus antwortete: Wenn ich
mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein
Vater, der mich ehrt, von welchem ihr sprecht: Er ist unser Gott,
und kennet ihn nicht; ich aber
kenne ihn. Und wenn ich wollte sagen: Ich kenne ihn nicht, - so
würde ich ein Lügner, gleichwie ihr seid. Aber ich
kenne ihn und halte sein Wort.
Abraham, euer Vater, ward
froh, daß er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und
freute sich.
Da sprachen die Juden zu ihm:
Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham
gesehen?
Jesus sprach zu ihnen:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe denn Abraham ward, bin
ich.
Da hoben sie Steine auf, daß
sie auf ihn würfen. Aber Jesus verbarg sich und ging zum
Tempel hinaus.
Heilung eines Blindgeborenen
Kapitel 9
Und Jesus ging vorüber
und sah einen, der blind geboren war.
Und seine Jünger fragten
ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser oder
seine Eltern, daß er ist blind geboren?
Jesus antwortete: Es hat weder
dieser gesündigt, noch seine Eltern, sondern es sollen die
Werke Gottes offenbar werden an ihm.
Ich muß wirken die Werke
des, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die
Nacht, da niemand wirken kann.
Dieweil ich bin in der Welt,
bin ich das Licht der Welt.
Da er solches gesagt, spie er
auf die Erde und machte einen Brei aus dem Speichel und legte den
Brei auf des Blinden Augen
und sprach zu ihm: Gehe hin zu
dem Teich Siloah, das ist verdolmetscht: gesandt, und wasche
dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend.
Die Nachbarn und die ihn zuvor
gesehen hatten, daß er ein Bettler war, sprachen: Ist
dieser nicht, der dasaß und bettelte?
Etliche sprachen: Er ist's,
etliche aber: Nein, aber er ist ihm ähnlich. Er selbst aber
sprach: Ich bin's.
Da sprachen sie zu ihm: Wie
sind deine Augen aufgetan?
Er antwortete: Der Mensch, der
Jesus heißt, machte einen Brei und legte ihn auf meine
Augen und sprach: Gehe hin zu dem Teich Siloah und wasche dich!
Ich ging hin und wusch mich und ward sehend.
Da sprachen sie zu ihm: Wo ist
er? Er sprach: Ich weiß nicht.
Da führten sie
ihn, der zuvor blind war, zu den Pharisäern.
Es war aber Sabbat an dem
Tage, da Jesus den Brei machte und seine Augen öffnete.
Da fragten sie ihn abermals,
auch die Pharisäer, wie er wäre sehend geworden. Er
aber sprach zu ihnen: Einen Brei legte er mir auf die Augen, und
ich wusch mich und bin nun sehend.
Da sprachen etliche der
Pharisäer: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den
Sabbat nicht hält. Die andern aber sprachen: Wie kann ein
sündiger Mensch solche Zeichen tun? Und es ward eine
Zwietracht unter ihnen.
Sie sprachen wieder zu dem
Blinden: Was sagst du von ihm, daß er hat deine Augen
aufgetan? Er aber sprach: Er ist ein Prophet.
Die Juden glaubten nicht von
ihm, daß er blind gewesen und sehend geworden wäre,
bis daß sie riefen die Eltern des, der sehend geworden war,
fragten sie und sprachen: Ist
das euer Sohn, von welchem ihr sagt, er sei blind geboren? Wie
ist er denn nun sehend?
Seine Eltern antworteten ihnen
und sprachen: Wir wissen, daß dieser unser Sohn ist und daß
er blind geboren ist.
Wie er aber nun sehend ist,
wissen wir nicht; oder wer ihm hat seine Augen aufgetan, wissen
wir auch nicht. Er ist alt genug, fragt ihn, laßt ihn
selbst für sich reden.
Solches sagten seine Eltern, denn sie fürchteten sich
vor den Juden. Denn die Juden hatten sich schon geeinigt: wenn
jemand ihn als den Christus bekennte, der sollte in den Bann
getan werden.
Darum sprachen seine Eltern:
Er ist alt genug, fraget ihn.
Da riefen sie zum
andern Mal den Menschen, der blind gewesen war, und sprachen zu
ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, daß dieser Mensch ein
Sünder ist.
Er antwortete: Ist er ein
Sünder? Das weiß ich nicht; eines aber weiß ich:
daß ich blind war und bin nun sehend.
Da sprachen sie zu ihm: Was
tat er dir? Wie tat er deine Augen auf?
Er antwortete ihnen: Ich habe
es euch schon gesagt, und ihr habt's nicht gehört! Was wollt
ihr's abermals hören? Wollt ihr auch seine Jünger
werden?
Da schmähten sie ihn und
sprachen: Du bist sein Jünger; wir aber sind des Mose
Jünger.
Wir wissen, daß Gott mit
Mose geredet hat; woher aber dieser ist, wissen wir nicht.
Der Mensch antwortete und
sprach zu ihnen: Das ist ein wunderlich Ding, daß ihr nicht
wisset, woher er ist, und er hat meine Augen aufgetan.
Wir wissen, daß Gott die
Sünder nicht hört; sondern wenn jemand gottesfürchtig
ist und tut seinen Willen, den hört er.
Vom Anbeginn der Welt hat man
nicht gehört, daß jemand einem Blindgeborenen die
Augen aufgetan habe.
Wäre dieser nicht von
Gott, er könnte nichts tun.
Sie antworteten und sprachen
zu ihm: Du bist ganz in Sünden geboren und lehrst uns? Und
stießen ihn hinaus.
Es kam vor Jesus, daß
sie ihn ausgestoßen hatten. Und da er ihn fand, sprach er
zu ihm: Glaubst du an des Menschen Sohn?
Er antwortete und sprach:
Herr, wer ist's? auf daß ich an ihn glaube.
Jesus sprach zu ihm: Du hast
ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist's.
Er aber sprach: Herr, ich
glaube, und fiel vor ihm nieder.
Und Jesus sprach: Ich
bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf daß, die da
nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden.
Solches hörten etliche
der Pharisäer, die bei ihm waren, und sprachen zu ihm: Sind
wir denn auch blind?
Jesus sprach zu ihnen: Wäret
ihr blind, so hättet ihr keine Sünde; nun ihr aber
sprecht: Wir sind sehend, bleibt eure Sünde.
Der gute Hirte
Kapitel 10
Wahrlich,
wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den
Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und
Räuber.
Der aber zur Tür hineingeht, der ist der Hirte der
Schafe.
Dem tut der Türhüter auf, und die Schafe hören
seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt
sie aus.
Und wenn er alle die Seinen hat hinausgelassen, geht er
vor ihnen hin, und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen
seine Stimme.
Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen
vor ihm; denn sie kennen der Fremden Stimme nicht.
Diesen Spruch sagte Jesus zu ihnen; sie verstanden aber
nicht, was es war, das er zu ihnen sagte.
Da sprach Jesus wieder zu ihnen: Wahrlich,
wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.
Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und
Räuber; aber die Schafe haben ihnen nicht gehorcht.
Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich eingeht, der
wird gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.
Ein Dieb kommt nur, daß er stehle, würge und
umbringe. Ich bin gekommen, daß sie das Leben und volle
Genüge haben sollen.
Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte läßt
sein Leben für die Schafe.
Der Mietling
aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, sieht
den Wolf kommen und verläßt die Schafe und flieht; und
der Wolf erhascht und zerstreut die Schafe.
Der Mietling flieht; denn er
ist ein Mietling und achtet der Schafe nicht.
Ich bin der gute Hirte und
kenne die Meinen und bin bekannt den Meinen,
wie mich mein Vater kennt und
ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die
Schafe.
Und ich habe noch andere
Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle; und auch diese muß
ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und
wird eine Herde und ein Hirte werden.
Darum liebt mich mein
Vater, weil ich mein Leben lasse, auf daß ich's wieder
nehme.
Niemand nimmt es von mir,
sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe Macht, es zu
lassen, und habe Macht, es wiederzunehmen. Solch Gebot habe ich
empfangen von meinem Vater.
Da ward abermals eine
Zwietracht unter den Juden über diese Worte.
Viele unter ihnen sprachen: Er
hat einen bösen Geist und ist unsinnig; was höret ihr
ihm zu?
Die andern sprachen: Das sind
nicht Worte eines Besessenen; kann ein böser Geist auch der
Blinden Augen auftun?
Es ward aber
Tempelweihe zu Jerusalem und war Winter.
Und Jesus wandelte im Tempel
in der Halle Salomos.
Da umringten ihn die Juden und
sprachen zu ihm: Wie lange hältst du unsre Seele im
Ungewissen? Bist du der Christus, so sage es frei heraus.
Jesus antwortete ihnen: Ich
habe es euch gesagt, und ihr glaubet nicht. Die Werke, die ich
tue in meines Vaters Namen, die zeugen von mir.
Aber ihr glaubet nicht, denn
ihr seid nicht von meinen Schafen.
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne
sie, und sie folgen mir,
und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden
nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.
Der Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer
als alles, und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen.
Ich und der Vater sind eins.
Feindschaft der Juden
Da hoben die Juden abermals
Steine auf, daß sie ihn steinigten.
Jesus antwortete ihnen: Viele
gute Werke habe ich euch erzeigt von meinem Vater; um welches
Werk unter ihnen steinigt ihr mich?
Die Juden antworteten ihm: Um
eines guten Werkes willen steinigen wir dich nicht, sondern um
der Gotteslästerung willen und weil du als ein Mensch dich
selber zu Gott machst.
Jesus antwortete ihnen: Steht
nicht geschrieben in eurem Gesetz (Psalm
82,6): «Ich habe
gesagt: Ihr seid Götter»?
Wenn er Götter die nennt,
zu welchen das Wort Gottes geschah – und die Schrift kann
doch nicht gebrochen werden -,
wie sprecht ihr denn zu dem,
den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: Du lästerst
Gott, - weil ich sagte: Ich bin Gottes Sohn?
Tue ich nicht die Werke meines
Vaters, so glaubet mir nicht;
tue ich sie aber, so glaubet
doch – wollt ihr mir nicht glauben – den
Werken, damit ihr zur Erkenntnis kommt und in ihr bleibt,
daß der Vater in mir ist und ich in ihm.
Da suchten sie abermals
ihn zu greifen. Aber er entging ihnen aus ihren Händen
und zog hin wieder jenseits
des Jordan an den Ort, da Johannes zuvor getauft hatte, und blieb
allda.
Und viele kamen zu ihm und
sprachen: Johannes tat kein Zeichen; aber alles, was Johannes von
diesem gesagt hat, das ist wahr.
Und glaubten allda viele an
ihn.
DAS
EVANGELIUM NACH JOHANNES 11-21
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