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DIE BIBEL
Heilige
Schrift
DAS
EVANGELIUM NACH LUKAS
Kapitel 1 -
12
Kapitel 1
Nachdem schon
viele es unternommen haben, Bericht zu geben von den Geschichten,
die unter uns geschehen sind,
wie uns das
überliefert haben, die es von Anfang selbst gesehen und
Diener des Worts gewesen sind:
habe ich's auch
für gut angesehen, nachdem ich alles von Anbeginn mit Fleiß
erkundet habe, daß ich's dir, mein edler Theophilus, in
guter Ordnung schriebe,
auf daß du
erfahrest den sicheren Grund der Lehre, in welcher du
unterrichtet bist.
Ankündigung der Geburt Johannes des
Täufers
Zu der Zeit des
Herodes, des Königs von Judäa, war ein Priester von der
Ordnung Abia, mit Namen Zacharias, und sein Weib war von den
Töchtern Aarons; die hieß Elisabeth.
Sie waren aber
alle beide fromm vor Gott und wandelten in allen Geboten und
Satzungen des Herrn untadelig.
Und sie hatten
kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar, und beide waren
wohlbetagt.
Und es
begab sich, da er des Priesteramts waltete vor Gott, als seine
Ordnung an der Reihe war,
traf ihn nach dem
Brauch der Priesterschaft das Los, zu räuchern; und er ging
in den Tempel des Herrn.
Und die ganze
Menge des Volks war draußen und betete zur Stunde des
Räucherns.
Es erschien ihm
aber ein Engel des Herrn und stand zur rechten Hand am
Räucheraltar.
Und als Zacharias
ihn sah, erschrak er, und es kam ihn eine Furcht an.
Aber der Engel
sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein
Gebet ist erhört, und dein Weib Elisabeth wird dir einen
Sohn gebären, des Namen sollst du Johannes heißen.
Und du wirst
Freude und Wonne haben, und viele werden sich seiner Geburt
freuen.
Denn er wird groß
sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht
trinken und wird schon von Mutterleibe an erfüllt werden mit
dem heiligen Geist.
Und er wird der
Kinder Israel viele zu Gott, ihrem Herrn, bekehren.
Und er wird vor ihm hergehen in Geist und Kraft des Elia,
zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die
Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn
ein bereitet Volk.
Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das
erkennen? Denn ich bin alt, und mein Weib ist betagt.
Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel,
der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden, daß
ich dir solches verkündigte.
Und siehe, du wirst verstummen und nicht reden können
bis auf den Tag, da dies geschehen wird, darum daß du
meinen Worten nicht geglaubt hast, welche sollen erfüllt
werden zu ihrer Zeit.
Und das Volk wartete auf Zacharias und verwunderte
sich, daß er so lange im Tempel verweilte.
Und da er herausging, konnte er nicht mit ihnen reden; und
sie merkten, daß er ein Gesicht gesehen hatte im Tempel.
Und er winkte ihnen und blieb stumm.
Und es begab sich, da die Zeit seines Dienstes um war,
ging er heim in sein Haus.
Und nach diesen Tagen ward sein Weib Elisabeth schwanger
und verbarg sich fünf Monate und sprach:
So hat mir der Herr getan in den Tagen, da er mich
angesehen hat, daß er meine Schmach unter den Menschen von
mir nähme.
Ankündigung der Geburt Jesu
Und im sechsten
Monat ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in
Galiläa, die heißt Nazareth,
zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Manne mit Namen
Joseph, vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria.
Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Gegrüßet
seist du, Hochbegnadete! Der Herr ist mit dir!
Sie aber erschrak über seine Rede und dachte bei sich
selbst: Welch ein Gruß ist das?
Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht,
Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden.
Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn
gebären, des Namen sollst du Jesus heißen.
Der wird groß sein und ein Sohn des Höchsten
genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines
Vaters David geben,
und er wird ein König sein über das Haus
Jakob ewiglich, und seines Reichs wird kein Ende sein.
Da sprach Maria zu dem
Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Manne weiß?
Der Engel antwortete und
sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und
die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum
wird auch das Heilige, das von dir geboren wird, Gottes Sohn
genannt werden.
Und siehe, Elisabeth, deine
Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn in ihrem Alter und
geht jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, daß sie
unfruchtbar sei.
Denn bei Gott ist kein Ding
unmöglich.
Maria aber sprach: Siehe, ich
bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der
Engel schied von ihr.
Besuch der Maria bei Elisabeth.
Marias Lobgesang
Maria aber stand auf in den
Tagen und ging auf das Gebirge eilends zu einer Stadt in Juda
und kam in das Haus des
Zacharias und grüßte Elisabeth.
Und es begab sich, als
Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind
in ihrem Leibe. Und Elisabeth ward des heiligen Geistes voll
und rief laut und sprach:
Gebenedeit bist du unter den Weibern, und gebenedeit ist die
Frucht deines Leibes!
Und woher kommt mir das, daß
die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
Siehe, da ich die Stimme
deines Grußes hörte, hüpfte vor Freuden das Kind
in meinem Leibe.
O selig bist du, die du
geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist
von dem Herrn.
Und Maria sprach:
Meine Seele erhebt den Herrn,
und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes;
denn er hat die Niedrigkeit
seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig
preisen alle Kindeskinder.
Denn er hat große Dinge
an mir getan, der da mächtig ist und des Name heilig ist.
Und seine Barmherzigkeit
währet immer für und für bei denen, die ihn
fürchten.
Er übet Gewalt mit seinem
Arm und zerstreuet, die hoffärtig sind in ihres Herzens
Sinn.
Er stößet die
Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.
Die Hungrigen füllet er
mit Gütern und läßt die Reichen leer.
Er denket der Barmherzigkeit
und hilft seinem Diener Israel auf,
wie er geredet hat unsern
Vätern, Abraham und seinen Kindern ewiglich.
Und Maria blieb bei ihr etwa
drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.
Geburt Johannes des Täufers
Und für Elisabeth kam
ihre Zeit, daß sie gebären sollte; und sie gebar einen
Sohn.
Und ihre Nachbarn und
Verwandten hörten, daß der Herr große
Barmherzigkeit an ihr getan hatte, und freuten sich mit ihr.
Und es begab sich am achten
Tage, da kamen sie, zu beschneiden das Kindlein, und hießen
es nach seinem Vater Zacharias.
Aber seine Mutter antwortete
und sprach: Mitnichten, sondern er soll Johannes heißen.
Und sie sprachen zu ihr: Ist
doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt.
Und sie winkten seinem Vater,
wie er ihn wollte heißen lassen.
Und er forderte ein Täfelein
und schrieb: Er heißt Johannes. Und sie verwunderten sich
alle.
Und alsbald ward sein Mund und
seine Zunge aufgetan, und er redete und lobte Gott.
Und es kam eine Furcht über
alle Nachbarn; und diese ganze Geschichte ward kund auf dem
ganzen Gebirge Judäas.
Und alle, die es hörten,
nahmen's zu Herzen und sprachen: Was, meinest du, will aus dem
Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.
Lobgesang des Zacharias
Und sein Vater Zacharias ward
des heiligen Geistes voll, weissagte und sprach:
Gelobet sei der Herr,
der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöset sein Volk
und hat uns aufgerichtet ein
Horn des Heils in dem Hause seines Dieners David,
wie er vorzeiten geredet hat
durch den Mund seiner heiligen Propheten:
daß er uns errettete von
unsern Feinden und von der Hand aller, die uns hassen,
und Barmherzigkeit erzeigete
unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund
und an den Eid, den er
geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben,
daß wir, erlöset
aus der Hand unsrer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Leben
lang
in Heiligkeit und
Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist.
Und du, Kindlein, wirst ein
Prophet des Höchsten heißen. Du wirst vor dem Herrn
hergehen, daß du seinen Weg bereitest
und Erkenntnis des Heils
gebest seinem Volk in Vergebung ihrer Sünden,
durch die herzliche
Barmherzigkeit unsers Gottes, durch welche uns besucht hat* der
Aufgang aus der Höhe,
*Andere
Überlieferung: «besuchen
wird».
auf daß er erscheine
denen, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und
richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Und das Kindlein wuchs
und ward stark im Geist. Und er war in der Wüste, bis daß
er sollte hervortreten vor das Volk Israel.
Jesu Geburt
Kapitel 2
Es begab sich
aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus
ausging, daß alle Welt geschätzt würde.
Und diese Schätzung war die allererste und geschah
zur Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war.
Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe,
ein jeglicher in seine Stadt.
Da machte sich auf auch Joseph aus Galiläa, aus der
Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die
da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und
Geschlechte Davids war,
auf daß er sich schätzen ließe mit Maria,
seinem vertrauten Weibe, die war schwanger.
Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie
gebären sollte.
Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in
Windeln und legte ihn in eine Grippe; denn sie hatten sonst
keinen Raum in der Herberge.
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem
Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre
Herde.
Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit
des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch
nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die
allem Volk widerfahren wird;
denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist
Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Und das habt zum Zeichen: ihr
werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe
liegen.
Und alsbald war da bei dem
Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und
sprachen:
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und
den Menschen ein Wohlgefallen.*
*Andere
Übersetzung nach besser bezeugter Lesart: «Ehre
sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen
seines Wohlgefallens.»
Und da die Engel von
ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt
uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da
geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.
Und sie kamen eilend und
fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe
liegen.
Da sie es aber gesehen hatten,
breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde
gesagt war.
Und alle, vor die es kam,
wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten.
Maria aber behielt alle diese
Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.
Und die Hirten kehrten wieder
um, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und
gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.
Und da acht Tage um
waren und man das Kind beschneiden mußte, da ward sein Name
genannt Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe denn er im
Mutterleibe empfangen ward.
Jesu Darstellung im Tempel.
Simeon und Hanna
Und da die Tage ihrer
Reinigung nach dem Gesetz des Mose vollendet waren, brachten sie
ihn nach Jerusalem, auf daß sie ihn darstellten dem Herrn,
wie denn geschrieben steht in
dem Gesetz des Herrn (2. Mose 13,2):
«Alle männliche Erstgeburt soll dem Herrn geheiligt
heißen»,
und daß sie gäben
das Opfer, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn (3.
Mose 12,8): «ein Paar Turteltauben oder zwei junge
Tauben».
Und siehe, ein Mensch
war zu Jerusalem, mit Namen Simeon; und derselbe Mensch war fromm
und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und
der heilige Geist war mit ihm.
Und ihm war eine Antwort
geworden von dem heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen, er
habe denn zuvor den Christ des Herrn gesehen.
Und er kam aus Anregen des
Geistes in den Tempel. Und da die Eltern das Kind Jesus in den
Tempel brachten, daß sie für ihn täten, wie man
pflegt nach dem Gesetz,
da nahm er ihn auf seine Arme
und lobte Gott und sprach:
Herr, nun lässest du deinen Diener im Frieden
fahren, wie du gesagt hast;
denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,
welchen du bereitet hast vor
allen Völkern,
ein Licht, zu erleuchten die
Heiden, und zum Preis deines Volks Israel.
Und sein Vater und
seine Mutter wunderten sich des, das von ihm geredet ward.
Und Simeon segnete sie und
sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser wird gesetzt zum
Fall und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem
widersprochen wird
- und auch durch deine Seele
wird ein Schwert dringen -, auf daß vieler Herzen Gedanken
offenbar werden.
Und es war eine
Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuels, vom Geschlecht Asser;
die war hochbetagt und hatte gelebt sieben Jahre mit ihrem Manne
nach ihrer Jungfrauschaft
und war nun eine Witwe bei
vierundachtzig Jahren; die kam nimmer vom Tempel, diente Gott mit
Fasten und Beten Tag und Nacht.
Die trat auch hinzu zu
derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die
auf die Erlösung Jerusalems warteten.
Und da sie es alles
vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder
heim nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth.
Aber das Kind wuchs und ward
stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm.
Der zwölfjährige Jesus im Tempel
Und seine Eltern
gingen alle Jahre nach Jerusalem auf das Osterfest.
Und da er zwölf Jahre alt
war, gingen sie hinauf nach Jerusalem nach dem Brauch des Festes.
Und da die Tage vollendet
waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb das Kind Jesus zu
Jerusalem, und seine Eltern wußten's nicht.
Sie meinten aber, er wäre
unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und
suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten.
Und da sie ihn nicht fanden,
gingen sie wiederum nach Jerusalem und suchten ihn.
Und es begab sich, nach drei
Tagen fanden sie ihn im Tempel sitzen mitten unter den Lehrern,
wie er ihnen zuhörte und sie fragte.
Und alle, die ihm zuhörten,
verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antworten.
Und da sie ihn sahen,
entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn,
warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich
mit Schmerzen gesucht.
Und er sprach zu ihnen: Was
ist's, daß ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, daß
ich sein muß in dem, das meines Vaters ist?
Und sie verstanden das Wort
nicht, das er zu ihnen redete.
Und er ging mit ihnen hinab
und kam nach Nazareth und war ihnen untertan. Und seine Mutter
behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.
Und Jesus nahm zu an Weisheit,
Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.
Das Wirken Johannes des Täufers.
Seine Gefangennahme
Kapitel 3
In dem fünfzehnten Jahr
der Herrschaft des Kaisers Tiberius, da Pontius Pilatus
Landpfleger in Judäa war und Herodes Vierfürst in
Galiläa und sein Bruder Philippus Vierfürst in Ituräa
und in der Landschaft Trachonitis und Lysanias Vierfürst zu
Abilene,
da Hannas und Kaiphas
Hohepriester waren, da geschah der Befehl Gottes an Johannes, des
Zacharias Sohn, in der Wüste.
Und er kam in das ganze Land
um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung
der Sünden,
wie geschrieben steht in dem
Buch der Reden Jesajas, des Propheten, der da sagt (Jesaja
40,3-5): «Es ist eine
Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des
Herrn und machet seine Steige richtig!
Alle Täler sollen erhöht
werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden;
und was krumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll
ebener Weg werden.
Und alles Fleisch wird den
Heiland Gottes sehen.»
Da sprach Johannes zu
dem Volk, das hinausging, daß es sich von ihm taufen ließe:
Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, daß
ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet?
Sehet zu, tut rechtschaffene
Früchte der Buße; und nehmet euch nicht vor zu sagen:
Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem
Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken.
Es ist schon die Axt den
Bäumen an die Wurzel gelegt; welcher Baum nicht gute Frucht
bringt, wird abgehauen und in das Feuer geworfen.
Und das Volk fragte ihn
und sprach: Was sollen wird denn tun?
Er antwortete und sprach zu
ihnen: Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und
wer Speise hat, tue auch also.
Es kamen auch die Zöllner,
daß sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm:
Meister, was sollen denn wir tun?
Er sprach zu ihnen: Fordert
nicht mehr, als euch verordnet ist!
Da fragten ihn auch die Kriegsleute und sprachen: Was
sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemand Gewalt
noch Unrecht und lasset euch genügen an eurem Solde!
Als aber das Volk voll Erwartung war und alle
dachten in ihren Herzen von Johannes, ob er vielleicht der
Christus wäre,
antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch
mit Wasser; es kommt aber ein Stärkerer als ich, und ich bin
nicht genug, daß ich ihm die Riemen seiner Schuhe auflöse;
der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen.
In seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird seine
Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheune sammeln, und die
Spreu wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.
Und mit vielem anderen mehr ermahnte er das Volk und
verkündigte ihm das Heil.
Herodes aber, der Vierfürst, da er von ihm
zurechtgewiesen ward um der Herodias willen, seines Bruders Frau,
und um alles Üblen willen, das Herodes tat,
legte zu alledem auch noch Johannes gefangen.
Jesu Taufe
Und es begab
sich, als sich alles Volk taufen ließ und Jesus auch
getauft war und betete, da tat sich der Himmel auf,
und der heilige Geist fuhr hernieder in leiblicher Gestalt
auf ihn wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel, die
sprach: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich
Wohlgefallen.
Jesu Stammbaum
Und Jesus war, als er anfing,
ungefähr dreißig Jahre alt und ward gehalten für
einen Sohn Josephs, welcher war ein Sohn Elis,
der war ein Sohn Matthats, der
war ein Sohn Levis, der war ein Sohn Melchis, der war ein Sohn
Jannais, der war ein Sohn Josephs,
der war ein Sohn des
Mattathias, der war ein Sohn des Amos, der war ein Sohn Nahums,
der war ein Sohn Eslis, der war ein Sohn Naggais,
der war ein Sohn Maaths, der
war ein Sohn des Mattathias, der war ein Sohn Simeïs,
der war ein Sohn Josechs, der war ein Sohn Jodas,
der war ein Sohn Johanans, der
war ein Sohn Resas, der war ein Sohn Serubabels, der war ein Sohn
Sealthiëls, der
war ein Sohn Neris,
der war ein Sohn Melchis, der
war ein Sohn Addis, der war ein Sohn Kosams, der war ein Sohn
Elmadams, der war ein Sohn Ers,
der war ein Sohn des Jesus,
der war ein Sohn Eliësers, der war ein Sohn Jorims, der war
ein Sohn Matthats, der war ein Sohn Levis,
der war ein Sohn Simeons, der
war ein Sohn Judas, der war ein Sohn Josephs, der war ein Sohn
Jonams, der war ein Sohn Eliakims,
der war ein Sohn Meleas, der
war ein Sohn Mennas, der war ein Sohn Mattathas, der war ein Sohn
Nathans, der war ein Sohn Davids,
der war ein Sohn Jesses, der
war ein Sohn Obeds, der war ein Sohn des Boas, der war ein Sohn
Salmas, der war ein Sohn Nachschons,
der war ein Sohn Amminadabs, der war ein Sohn Admins, der
war ein Sohn Arnis, der war ein Sohn Hezrons, der war ein Sohn
des Perez, der war ein Sohn Judas,
der war ein Sohn Jakobs, der war ein Sohn Isaaks, der war
ein Sohn Abrahams, der war ein Sohn Tharas, der war ein Sohn
Nahors,
der war ein Sohn Serugs, der war ein Sohn Regus, der war
ein Sohn Pelegs, der war ein Sohn Ebers, der war ein Sohn
Schelachs,
der war ein Sohn Kenans, der war ein Sohn Arpachschads,
der war ein Sohn Sems, der war ein Sohn Noahs, der war ein Sohn
Lamechs,
der war ein Sohn Methuschelachs, der war ein Sohn Henochs,
der war ein Sohn Jareds, der war ein Sohn Mahalalels, der war ein
Sohn Kenans,
der war ein Sohn des Enosch, der war ein Sohn Seths, der
war ein Sohn Adams, der war Gottes.
Jesu Versuchung
Kapitel 4
Jesus aber, voll
heiligen Geistes, kam wieder von dem Jordan und ward vom Geist in
die Wüste geführt
und ward vierzig Tage lang von dem Teufel versucht. Und er
aß nichts in diesen Tagen, und da sie ein Ende hatten,
hungerte ihn.
Der Teufel aber sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so
sprich zu diesem Stein, daß er Brot werde.
Und Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben (5.
Mose 8,3): «Der
Mensch lebt nicht allein vom Brot, <sondern
von einem jeglichen Wort Gottes>.»
Und der Teufel führte
ihn hinauf <auf
einen hohen Berg>
und zeigte ihm alle Reiche der ganzen Welt in einem Augenblick
und sprach zu ihm: Alle diese
Macht will ich dir geben und ihre Herrlichkeit; denn sie ist mir
übergeben, und ich gebe sie, welchem ich will.
Wenn du nun mich willst
anbeten, so soll es alles dein sein.
Jesus antwortete ihm und
sprach: Es steht geschrieben (5. Mose
6,13): «Du sollst
Gott, deinen Herrn, anbeten und ihm allein dienen.»
Und er führte ihn
nach Jerusalem und stellte ihn auf des Tempels Zinne und sprach
zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich von hier hinunter;
denn es steht geschrieben
(Psalm 91,11.12):
«Er wird seinen Engeln befehlen über dir, daß
sie dich bewahren.
Sie werden dich auf den Händen
tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein
stoßest.»
Jesus antwortete und sprach zu
ihm: Es ist gesagt (5. Mose 6,16):
«Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen.»
Und da der Teufel alle
Versuchung vollendet hatte, wich er von ihm eine Zeitlang.
Wirken in Galiläa. Predigt in Nazareth
Und
Jesus kam in des Geistes Kraft wieder nach Galiläa, und die
Kunde von ihm erscholl durch alle umliegenden Orte.
Und er lehrte in ihren
Synagogen und ward von jedermann gepriesen.
Und er kam nach
Nazareth, wo er erzogen war, und ging in die Synagoge nach seiner
Gewohnheit am Sabbattage und stand auf und wollte lesen.
Da ward ihm das Buch des
Propheten Jesaja gereicht. Und da er das Buch auftat, fand er die
Stelle, da geschrieben steht (Jesaja
61,1.2):
«Der Geist des Herrn ist bei mir, darum weil er
mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen;
er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, daß sie
los sein sollen, und den Blinden, daß sie sehend werden,
und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen,
zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.»
Und als er das Buch zutat, gab
er's dem Diener und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge
sahen auf ihn.
Und er fing an, zu sagen zu
ihnen: Heute ist dies Wort der Schrift erfüllt vor euren
Ohren.
Und sie gaben alle
Zeugnis von ihm und wunderten sich, daß solche Worte der
Gnade aus seinem Munde gingen, und sprachen: Ist das nicht
Josephs Sohn?
Und er sprach zu ihnen: Ihr
werdet freilich zu mir sagen dies Sprichwort: Arzt, hilf dir
selber! Denn wie große Dinge haben wir gehört, zu
Kapernaum geschehen! Tu so auch hier in deiner Vaterstadt.
Er sprach aber: Wahrlich, ich
sage euch: Kein Prophet gilt etwas in seinem Vaterlande.
Aber in Wahrheit sage ich
euch: Es waren viele Witwen in Israel zu des Elia Zeiten, da der
Himmel verschlossen war drei Jahre und sechs Monate und eine
große Teuerung war im ganzen Lande,
und zu deren keiner ward Elia
gesandt als allein nach Sarepta im Lande der Sidonier zu einer
Witwe.
Und viele Aussätzige
waren in Israel zu des Propheten Elisa Zeiten, und deren keiner
ward gereinigt als allein Naëman aus Syrien.
Und sie wurden voll Zorn alle,
die in der Synagoge waren, da sie das hörten,
und standen auf und stießen
ihn zur Stadt hinaus und führten ihn an den Rand des Berges,
darauf ihre Stadt gebaut war, daß sie ihn hinabstürzten.
Aber er ging mitten durch sie
hinweg.
Jesus in Kapernaum
Und er kam nach Kapernaum,
einer Stadt Galiläas, und lehrte sie am Sabbat.
Und sie verwunderten sich
seiner Lehre; denn er predigte in Vollmacht.
Und es war ein Mensch in der
Synagoge, besessen von einem unsaubern Geist; der schrie laut:
Halt, was willst du von uns,
Jesu von Nazareth? Du bist gekommen, uns zu verderben. Ich weiß,
wer du bist: der Heilige Gottes.
Und Jesus bedrohte ihn und
sprach: Verstumme und fahre aus von ihm! Und der böse Geist
warf ihn mitten unter sie und fuhr von ihm aus und tat ihm keinen
Schaden.
Und es kam eine Furcht über
sie alle, und sie redeten miteinander und sprachen: Was ist das
für ein Ding? Er gebietet mit Vollmacht und Kraft den
unsaubern Geistern, und sie fahren aus.
Und es erscholl die Kunde von
ihm in alle Orte des umliegenden Landes.
Heilung der Schwiegermutter des Petrus
Und er machte
sich auf aus der Synagoge und kam in Simons Haus. Und Simons
Schwiegermutter lag in hohem Fieber, und sie baten ihn für
sie.
Und er neige sich zu ihr und gebot dem Fieber, und es
verließ sie. Und alsbald stand sie auf und diente ihnen.
Und da die Sonne untergegangen war, brachten alle, die
Kranke hatten mit mancherlei Leiden, sie zu ihm. Und er legte auf
einen jeglichen die Hände und machte sie gesund.
Es fuhren auch die bösen Geister aus von vielen,
schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes! Und er bedrohte
sie und ließ sie nicht reden; denn sie wußten, daß
er der Christus war.
Da es aber Tag ward, ging er hinaus an eine einsame
Stätte; und das Volk suchte ihn, und sie kamen zu ihm und
hielten ihn fest, daß er nicht von ihnen ginge.
Er sprach aber zu ihnen: Ich muß auch den andern
Städten das Evangelium verkündigen vom Reich Gottes;
denn dazu bin ich gesandt.
Und er predigte in den Synagogen Judäas.
Fischzug des Petrus
Kapitel 5
Es begab sich
aber, da sich das Volk zu ihm drängte, zu hören das
Wort Gottes, daß er stand am See Genezareth
und sah zwei Schiffe am See liegen; die Fischer aber waren
ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
Da trat er in der Schiffe eines, welches Simons war, und
bat ihn, daß er's ein wenig vom Lande führte. Und er
setzte sich und lehrte das Volk aus dem Schiff.
Und als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu
Simon: Fahre auf die Höhe und werfet eure Netze aus, daß
ihr einen Zug tut!
Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben
die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein
Wort will ich das Netz auswerfen.
Und da sie das taten, fingen sie eine große Menge
Fische, und ihre Netze begannen zu reißen.
Und sie winkten ihren Gesellen, die im andern Schiff
waren, daß sie kämen und hülfen ihnen ziehen. Und
sie kamen und füllten beide Schiffe voll, also daß sie
sanken.
Da das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen
und sprach: Herr, gehe von mir hinaus! Ich bin ein sündiger
Mensch.
Denn es war ihn ein Schrecken angekommen und alle, die mit
ihm waren, über diesen Fischzug, den sie miteinander getan
hatten;
desgleichen auch Jakobus und Johannes, die Söhne des
Zebedäus, Simons Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon:
Fürchte dich nicht! denn von nun an wirst du Menschen
fangen.
Und sie führten die Schiffe zu Lande und verließen
alles und folgten ihm nach.
Heilung eines Aussätzigen
Und es begab
sich, als er in einer der Städte war, siehe, da war ein Mann
voller Aussatz. Da der Jesus sah, fiel er auf sein Angesicht und
bat ihn und sprach: Herr, willst du, so kannst du mich reinigen.
Und er streckte die Hand aus und rührte ihn an und
sprach: Ich will's tun, sei gereinigt! Und alsbald ging der
Aussatz von ihm.
Und er gebot ihm, daß er's niemand sagen sollte.
Gehe aber hin und zeige dich dem Priester und opfere für
deine Reinigung, wie Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis.
Aber die Kunde von ihm breitete sich immer weiter aus, und
es kam viel Volks zusammen, daß sie hörten und durch
ihn gesund würden von ihren Krankheiten.
Er aber entwich in die Wüste und betete.
Heilung des Gichtbrüchigen
Und es begab sich
auf einen Tag, daß er lehrte, und es saßen da die
Pharisäer und Schriftgelehrten, die gekommen waren aus allen
Orten in Galiläa und Judäa und von Jerusalem. Und die
Kraft des Herrn wirkte, daß er die Kranken heilte.
Und siehe, etliche Männer brachten einen Menschen auf
einem Bett, der war gichtbrüchig, und sie suchten, daß
sie ihn hineinbrächten und vor ihn legten.
Und da sie vor dem Volk nicht fanden, wie sie ihn
hineinbrächten, stiegen sie auf das Dach und ließen
ihn durch die Ziegel hernieder mit dem Bett mitten unter sie vor
Jesus.
Und da er ihren Glauben sah, sprach er zu ihm: Mensch,
deine Sünden sind dir vergeben.
Und die Schriftgelehrten und
Pharisäer fingen an, bei sich zu sprechen: Wer ist der, daß
er Gotteslästerungen redet? Wer kann Sünden vergeben
denn allein Gott?
Da aber Jesus ihre Gedanken
merkte, antwortete er und sprach zu ihnen: Was denket ihr in
euren Herzen?
Was ist leichter, zu sagen:
Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und
wandle?
Auf daß ihr aber wisset,
daß des Menschen Sohn Vollmacht hat, auf Erden Sünden
zu vergeben, - sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Ich sage
dir, stehe auf, hebe dein Bett auf und gehe heim!
Und alsbald stand er auf vor
ihren Augen und hob das Bett auf, darauf er gelegen hatte, und
ging heim und pries Gott.
Und sie entsetzten sich alle
und priesen Gott und wurden voll Furcht und sprachen: Wir haben
heute seltsame Dinge gesehen.
Berufung des Levi
Und danach ging er hinaus und
sah einen Zöllner mit Namen Levi am Zoll sitzen und sprach
zu ihm: Folge mir nach!
Und er verließ alles,
stand auf und folgte ihm nach.
Und Levi richtete ihm ein
großes Mahl zu in seinem Hause, und viele Zöllner und
andre saßen mit ihm zu Tisch.
Und die Pharisäer und
ihre Schriftgelehrten murrten und sprachen zu seinen Jüngern:
Warum esset und trinket ihr mit den Zöllnern und Sündern?
Und Jesus antwortete und
sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht,
sondern die Kranken.
Ich bin gekommen, zu rufen die Sünder zur Buße,
und nicht die Gerechten.
Über das Fasten
Sie aber sprachen
zu ihm: Des Johannes Jünger fasten oft und verrichten ihre
Gebete, desgleichen der Pharisäer Jünger; aber deine
Jünger essen und trinken.
Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr könnt die
Hochzeitleute nicht fasten lassen, solange der Bräutigam bei
ihnen ist.
Es wird aber die Zeit kommen, daß der Bräutigam
von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten, in jenen Tagen.
Und er sagte zu ihnen ein Gleichnis: Niemand reißt
einen Lappen von einem neuen Kleid und flickt ihn auf ein altes
Kleid; sonst zerreißt er das neue, und der Lappen vom neuen
paßt nicht auf das alte.
Und niemand füllt jungen Wein in alte Schläuche;
sonst zerreißt der junge Wein die Schläuche und wird
verschüttet, und die Schläuche kommen um.
Sondern den jungen Wein soll man in neue Schläuche
füllen.
Und niemand, der vom alten trinkt, will neuen; denn er
spricht: Der alte ist milder.
Jesus und der Sabbat
Kapitel 6
Und es begab sich
an einem Sabbat, daß er durch ein Kornfeld ging; und seine
Jünger rauften Ähren aus und rieben sie mit den Händen
und aßen.
Etliche aber der Pharisäer sprachen: Warum tut ihr,
was am Sabbat nicht erlaubt ist?
Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht
das gelesen, was David tat, da ihn hungerte und die mit ihm
waren?
wie er in das Haus Gottes ging und nahm die Schaubrote und
aß und gab auch denen, die mit ihm waren; die doch niemand
durfte essen als die Priester allein?
Und er sprach zu ihnen: Des Menschen Sohn ist ein Herr
auch über den Sabbat.
Es geschah aber an einem andern Sabbat, daß
er ging in die Synagoge und lehrte. Und da war ein Mensch, des
rechte Hand war verdorrt.
Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer lauerten
darauf, ob er auch heilen würde am Sabbat, auf daß sie
eine Sache wider ihn fänden.
Er aber merkte ihre Gedanken und sprach zu dem Mann mit
der verdorrten Hand: Stehe auf und tritt hervor! Und er stand auf
und trat dahin.
Da sprach Jesus zu ihnen: Ich frage euch: Ist es recht, am
Sabbat Gutes zu tun oder Böses? Leben zu erhalten oder zu
verderben?
Und er sah sie alle umher an und sprach zu dem Menschen:
Strecke deine Hand aus! Und er tat's, da ward ihm seine Hand
wieder zurechtgebracht.
Sie aber wurden ganz unsinnig und beredeten sich
miteinander, was sie Jesus tun wollten.
Berufung der zwölf Jünger
Es begab sich
aber zu der Zeit, daß er auf einen Berg ging, zu beten; und
er blieb über Nacht im Gebet zu Gott.
Und da es Tag ward, rief er seine Jünger und erwählte
aus ihnen zwölf, welche er auch Apostel nannte:
Simon, welchen er auch Petrus nannte, und Andreas, seinen
Bruder; Jakobus und Johannes; Philippus und Bartholomäus;
Matthäus und Thomas; Jakobus, des Alphäus Sohn,
und Simon, genannt Zelotes;
Judas, des Jakobus Sohn, und Judas Ischarioth, welcher ihn
hernach verriet.
Und er ging herab mit ihnen und trat auf ein ebenes
Feld. Und es war um ihn der Haufe seiner Jünger und eine
große Menge des Volks aus dem ganzen jüdischen Lande
und Jerusalem und aus dem Küstenlande von Tyrus und Sidon,
die da gekommen waren, ihn zu hören und daß sie
geheilt würden von ihren Krankheiten; und die von unsaubern
Geistern umgetrieben wurden, die wurden gesund.
Und alles Volk begehrte, ihn anzurühren; denn es ging
Kraft von ihm aus und heilte alle.
Seligpreisungen
Und er hob seine
Augen auf über seine Jünger und sprach: Selig
seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.
Selig seid ihr, die ihr hier
hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr hier
weinet; denn ihr werdet lachen.
Selig seid ihr, so euch die
Menschen hassen und euch ausstoßen und schelten euch und
verwerfen euren Namen als einen bösen um des Menschensohnes
willen.
Freuet euch an jenem Tage und frohlocket; denn siehe, euer
Lohn ist groß im Himmel. Desgleichen taten ihre Väter
den Propheten auch.
Weherufe
Aber dagegen: Weh euch Reichen! denn ihr habt euren Trost
dahin.
Weh euch, die ihr hier satt seid! denn euch wird hungern.
Weh euch, die ihr hier lachet! denn ihr werdet weinen und heulen.
Weh euch, wenn euch jedermann wohlredet! Desgleichen taten
ihre Väter den falschen Propheten auch.
Von der Feindesliebe
Aber ich sage euch, die ihr zuhöret: Liebet eure
Feinde; tut wohl denen, die euch hassen;
segnet, die euch fluchen; bittet für die, so euch
beleidigen.
Und wer dich schlägt auf
eine Backe, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel
nimmt, dem wehre auch den Rock nicht.
Wer dich bittet, dem gib; und
wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht wieder.
Und wie ihr wollt, daß
euch die Leute tun sollen, also tut ihnen auch.
Und wenn ihr liebet, die euch
lieben, was für Dank habt ihr davon? Denn auch die Sünder
lieben ihre Freunde.
Und wenn ihr euren Wohltätern
wohltut, was für Dank habt ihr davon? Denn die Sünder
tun dasselbe auch.
Und wenn ihr denen leihet, von
denen ihr hoffet zu nehmen, was für Dank habt ihr davon?
Denn die Sünder leihen den Sündern auch, auf daß
sie Gleiches wieder nehmen.
Vielmehr liebet eure Feinde;
tut wohl und leihet, wo ihr nichts dafür hoffet, so wird
euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des
Allerhöchsten sein; denn er ist gütig über die
Undankbaren und Bösen.
Wider den Richtgeist
Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
Und richtet nicht, so werdet
ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht
verdammt. Vergebet, so wird euch vergeben.
Gebet, so wird euch gegeben.
Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überfließend
Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem
Maß, mit dem ihr messet, wird man euch wieder messen.
Er sagte ihnen aber auch ein
Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen?
Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?
Der Jünger ist nicht über
seinen Meister; wenn der Jünger vollkommen ist, so ist er
wie sein Meister.
Was siehst du aber den
Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens in deinem Auge
wirst du nicht gewahr?
Wie kannst du sagen zu deinem
Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge
ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du
Heuchler, zieh zuvor den Balken aus deinem Auge und siehe dann
zu, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest!
Vom Tun des göttlichen Willens
Denn es ist kein guter Baum,
der faule Frucht trage, und kein fauler Baum, der gute Frucht
trage.
Ein jeglicher Baum wird an
seiner eignen Frucht erkannt. Denn man liest nicht Feigen von den
Dornen, auch liest man nicht Trauben von den Hecken.
Ein guter Mensch bringt Gutes
hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser
Mensch bringt Böses hervor aus dem bösen Schatz seines
Herzens. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.
Was heißt ihr
mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?
Wer zu mir kommt und
hört meine Rede und tut sie, den will ich euch zeigen, wem
er gleich ist.
Er ist gleich einem Menschen,
der ein Haus baute und grub tief und legte den Grund auf den
Fels. Da aber eine Wasserflut kam, da riß der Strom an dem
Hause und konnte es nicht bewegen; denn es war wohl gebaut*.
*Andere
Überlieferung: «denn es war auf den Fels gegründet».
Wer aber hört und nicht
tut, der ist gleich einem Menschen, der ein Haus baute auf die
Erde ohne Grund; und der Strom riß an ihm, und es fiel
alsbald ein, und das Haus tat einen großen Sturz.
Der Hauptmann zu Kapernaum
Kapitel 7
Nachdem aber Jesus vor dem
Volk ausgeredet hatte, ging er nach Kapernaum.
Und eines Hauptmanns Knecht,
den er wert hielt, lag todkrank.
Da er aber von Jesus hörte,
sandte er die Ältesten der Juden zu ihm und bat ihn, daß
er käme und seinen Knecht gesund machte.
Da sie aber zu Jesus kamen,
baten sie ihn mit Fleiß und sprachen: Er ist es wert, daß
du ihm das erzeigest;
denn er hat unser Volk lieb,
und die Synagoge hat er uns erbaut.
Jesus aber ging mit ihnen hin.
Als er aber nicht mehr ferne von dem Hause war, sandte der
Hauptmann Freunde zu ihm und ließ ihm sagen: Ach Herr,
bemühe dich nicht; ich bin nicht wert, daß du unter
mein Dach gehest;
darum habe ich auch mich
selbst nicht würdig geachtet, daß ich zu dir käme;
sondern sprich ein Wort, so wird mein Knecht gesund.
Denn auch ich bin ein Mensch,
der Obrigkeit untertan, und habe Kriegsknechte unter mir; und
spreche ich zu einem: Gehe hin! so geht er; und zum andern: Komm
her! so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das! so tut er's.
Da aber Jesus das hörte,
verwunderte er sich über ihn und wandte sich um und sprach
zu dem Volk, das ihm nachfolgte: Ich sage euch: Solchen Glauben
habe ich in ganz Israel nicht gefunden.
Und da die Boten wiederum nach
Hause kamen, fanden sie den Knecht gesund.
Der Jüngling zu Nain
Und es begab sich danach, daß
er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger
gingen mit ihm und viel Volks.
Als er aber nahe an das
Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der der
einzige Sohn war seiner Mutter, und sie war eine Witwe; und viel
Volks aus der Stadt ging mit ihr.
Und da sie der Herr sah,
jammerte ihn derselben, und sprach zu ihr: Weine nicht!
Und trat hinzu und rührte
den Sarg an, und die Träger standen. Und er sprach:
Jüngling, ich sage dir, stehe auf!
Und der Tote richtete sich auf
und fing an zu reden, und er gab ihn seiner Mutter.
Und es kam sie alle eine
Furcht an, und sie priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer
Prophet unter uns aufgestanden, und: Gott hat sein Volk
heimgesucht.
Und diese Rede über ihn
erscholl in das ganze jüdische Land und in alle umliegenden
Länder.
Des Täufers Frage
Und es
verkündigten dem Johannes seine Jünger das alles. Und
Johannes rief zu sich seiner Jünger zwei
und sandte sie zum Herrn und ließ ihm sagen: Bist
du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?
Da aber diese Männer zu ihm kamen, sprachen sie:
Johannes der Täufer hat uns zu dir gesandt und läßt
dir sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines
andern warten?
Zu derselben Stunde aber machte er viele gesund von
Krankheiten und Plagen und bösen Geistern, und vielen
Blinden schenkte er das Gesicht.
Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und
verkündiget Johannes, was ihr gesehen und gehört habt:
Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube
hören, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium gepredigt;
und selig ist, der nicht
Ärgernis nimmt an mir.
Jesu Zeugnis über den Täufer
Da aber die Boten des Johannes
hingingen, fing Jesus an, zu reden zu dem Volk von Johannes: Was
seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr
ein Rohr sehen, das vom Winde bewegt wird?
Oder was seid ihr
hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen sehen in
weichen Kleidern? Sehet, die herrliche Kleider tragen und üppig
leben, die sind an den königlichen Höfen.
Oder was seid ihr
hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja,
ich sage euch: Er ist mehr als ein Prophet.
Er ist's, von dem geschrieben steht (Maleachi
3,1): «Siehe, ich sende
meinen Boten vor dir her, der da bereiten soll deinen Weg vor
dir.»
Ich sage euch, daß unter denen, die vom Weibe
geboren sind, kein Größerer ist als Johannes; der aber
der Kleinste ist im Reich Gottes, der ist größer als
er.
Und alles Volk, das ihn hörte, und die Zöllner
gaben Gott recht und ließen sich taufen mit der Taufe des
Johannes.
Aber die Pharisäer und Schriftgelehrten verachteten,
was Gott ihnen zugedacht hatte, und ließen sich nicht von
ihm taufen.
Wem soll ich die Menschen dieses Geschlechtes
vergleichen, und wem sind sie gleich?
Sie sind gleich den Kindern, die auf dem Markte sitzen und
rufen einander zu und sprechen: Wir haben euch aufgespielt, und
ihr habt nicht getanzt; wir haben euch vorgeklagt, und ihr habt
nicht geweint.
Denn Johannes der Täufer ist gekommen und aß
nicht Brot und trank keinen Wein; so sagt ihr: Er ist besessen.
Des Menschen Sohn ist gekommen, ißt und trinkt; so
sagt ihr: Siehe, der Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer,
der Zöllner und Sünder Freund!
Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden von allen
ihren Kindern.
Jesu Salbung durch die Sünderin
Es bat ihn aber
der Pharisäer einer, daß er mit ihm äße.
Und er ging hinein in des Pharisäers Haus und setzte sich zu
Tisch.
Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine
Sünderin. Da die vernahm, daß er zu Tische saß
in des Pharisäers Hause, brachte sie ein Glas mit Salbe
und trat hinten zu seinen Füßen und weinte und
fing an, seine Füße zu netzen mit Tränen und mit
den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küßte seine
Füße und salbte sie mit Salbe.
Da aber das der Pharisäer sah, der ihn geladen hatte,
sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet
wäre, so wüßte er, wer und welch eine Frau das
ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin.
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir
etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sage an.
Es hatte ein Gläubiger zwei Schuldner. Einer war
schuldig fünfhundert Silbergroschen, der andere fünfzig.
Da sie aber nicht hatten, zu bezahlen, schenkte er's
beiden. Sage an, welcher unter denen wird ihn am meisten lieben?
Simon antwortete und sprach: Ich achte, dem er am meisten
geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt.
Und er wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon: Siehst
du dies Weib? Ich bin gekommen in dein Haus; du hast mir nicht
Wasser gegeben für meine Füße; diese aber hat
meine Füße mit Tränen genetzt und mit den Haaren
ihres Hauptes getrocknet.
Du hast mir keinen Kuß gegeben; diese aber, nachdem
ich hereingekommen bin, hat nicht abgelassen, meine Füße
zu küssen.
Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat
meine Füße mit Salbe gesalbt.
Derhalben sage ich dir: Ihr sind viele Sünden
vergeben, darum hat sie mir viel Liebe erzeigt; wem aber wenig
vergeben wird, der liebt wenig.
Und er sprach zu ihr: Dir sind
deine Sünden vergeben.
Da fingen an die mit zu Tische
saßen und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der
auch die Sünden vergibt?
Er aber sprach zu der Frau:
Dein Glaube hat dir geholfen; gehe hin in Frieden!
Nachfolgerinnen Jesu
Kapitel 8
Und es begab sich danach, daß
er reiste durch Städte und Dörfer und predigte und
verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes; und die Zwölf
waren mit ihm,
dazu etliche Frauen, die er
gesund gemacht hatte von bösen Geistern und Krankheiten,
nämlich Maria, die da Magdalena heißt, von welcher
waren sieben Geister ausgefahren,
und Johanna, die Frau des
Chusa, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele
andere, die ihnen Handreichung taten von ihrer Habe.
Vom Säemann. Sinn der Gleichnisse
Da nun viel Volks beieinander
war und sie aus den Städten zu ihm eilten, sprach er durch
ein Gleichnis:
Es ging ein Säemann aus,
zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel etliches
an den Weg und ward zertreten, und die Vögel unter dem
Himmel fraßen's auf.
Und etliches fiel auf den
Fels; und da es aufging, verdorrte es, darum daß es nicht
Saft hatte.
Und etliches fiel mitten unter
die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's.
Und etliches fiel auf ein
gutes Land; und es ging auf und trug hundertfältige Frucht.
Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat, zu hören, der höre!
Es fragten ihn aber
seine Jünger und sprachen, was dies Gleichnis wäre.
Er aber sprach: Euch ist's
gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Reiches Gottes, den andern
aber in Gleichnissen, auf daß sie es nicht sehen, ob sie es
schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören.
Das Gleichnis aber ist
dies: Der Same ist das Wort Gottes.
Die aber an dem Wege sind, das
sind, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das
Wort von ihrem Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig
werden.
Die aber auf dem Fels sind
die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an.
Doch sie haben nicht Wurzel; eine Zeitlang glauben sie, und zu
der Zeit der Anfechtung fallen sie ab.
Das aber unter die Dornen
fiel, sind die, die es hören und gehen hin unter den Sorgen,
Reichtum und Freuden des Lebens und ersticken und bringen keine
Frucht.
Das aber auf dem guten Land sind, die das Wort hören
und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in
Geduld.
Gleichnis vom Licht. Vom rechten Hören
Niemand zündet ein Licht
an und bedeckt es mit einem Gefäß oder setzt es unter
eine Bank; sondern er setzt es auf einen Leuchter, auf daß,
wer hineingeht, das Licht sehe.
Denn es ist nichts verborgen,
was nicht offenbar werde, auch nichts Heimliches, was nicht kund
werde und an den Tag komme.
So sehet nun darauf,
wie ihr zuhöret. Denn wer da hat, dem wird gegeben; wer aber
nicht hat, dem wird auch das genommen, was er meint zu haben.
Jesu wahre Verwandte
Es gingen aber hinzu seine
Mutter und Brüder und konnten vor dem Volk nicht zu ihm
kommen.
Und es ward ihm angesagt:
Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und
wollen dich sehen.
Er aber antwortete und sprach
zu ihnen: Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die
Gottes Wort hören und tun.
Stillung des Sturmes
Und es begab sich an der Tage
einem, daß er in ein Schiff trat samt seinen Jüngern;
und er sprach zu ihnen: Laßt uns über den See fahren.
Und sie stießen vom Lande.
Und da sie fuhren, schlief er
ein. Und es kam ein Windwirbel auf den See, und die Wellen
füllten das Schiff, und sie standen in großer Gefahr.
Da traten sie zu ihm und
weckten ihn auf und sprachen: Meister, Meister, wir verderben! Da
stand er auf und bedrohte den Wind und die Wogen des Wassers; und
es ließ ab, und ward eine Stille.
Er sprach aber zu ihnen: Wo
ist euer Glaube? Sie fürchteten sich aber und verwunderten
sich und sprachen untereinander: Wer ist dieser? Selbst dem Wind
und dem Wasser gebietet er, und sie sind ihm gehorsam.
Heilung des besessenen Geraseners
Und sie fuhren weiter in die
Gegend der Gerasener, welche ist Galiläa gegenüber.
Und als er ans Land trat,
begegnete ihm ein Mann aus der Stadt, der hatte böse Geister
und tat von langer Zeit her keine Kleider an und blieb in keinem
Hause, sondern in den Grabhöhlen.
Da er aber Jesus sah, schrie
er auf und fiel vor ihm nieder und rief laut und sprach: Was
willst du von mir, Jesu, du Sohn Gottes, des Allerhöchsten?
Ich bitte dich, du wollest mich nicht quälen.
Denn er gebot dem unsaubern
Geist, daß er von dem Menschen ausführe. Denn er hatte
ihn lange Zeit geplagt, und er ward mit Ketten und Fesseln
gebunden und gefangen gehalten und zerriß seine Bande und
ward getrieben von dem bösen Geist in die Einöde.
Und Jesus fragte ihn und
sprach: Wie heißest du? Er sprach: Legion. Denn es waren
viele böse Geister in ihn gefahren.
Und sie baten ihn, daß
er sie nicht hieße in die Hölle fahren.
Es war aber daselbst eine
große Herde Säue auf der Weide an dem Berge. Und sie
baten ihn, daß er ihnen erlaubte, in sie zu fahren. Und er
erlaubte es ihnen.
Da fuhren die bösen
Geister aus von dem Menschen und fuhren in die Säue; und die
Herde stürzte sich von dem Abhang in den See und ersoff.
Da aber die Hirten sahen, was
da geschah, flohen sie und verkündeten's in der Stadt und in
den Dörfern.
Da gingen sie hinaus, zu
sehen, was da geschehen war, und kamen zu Jesus und fanden den
Menschen, von welchem die bösen Geister ausgefahren waren,
sitzend zu den Füßen Jesu, bekleidet und vernünftig,
und erschraken.
Und die es gesehen hatten,
verkündeten's ihnen, wie der Besessene war gesund geworden.
Und es bat ihn die ganze Menge
aus dem umliegenden Lande der Gerasener, daß er von ihnen
ginge; denn es war sie eine große Furcht angekommen. Und er
trat in das Schiff und wandte wieder um.
Es bat ihn aber der Mann, von
dem die bösen Geister ausgefahren waren, daß er bei
ihm sein dürfte. Aber Jesus ließ ihn von sich und
sprach:
Gehe wieder heim und sage, wie
große Dinge dir Gott getan hat. Und er ging hin und
verkündigte durch die ganze Stadt, wie große Dinge ihm
Jesus getan hatte.
Des Jairus Tochter. Blutflüssige Frau
Und es begab sich, da Jesus
wiederkam, nahm ihn das Volk auf mit Freuden; denn sie warteten
alle auf ihn.
Und siehe, da kam ein Mann mit
Namen Jairus, der ein Oberster der Synagoge war, und fiel Jesus
zu den Füßen und bat ihn, daß er möchte in
sein Haus kommen;
denn er hatte eine einzige
Tochter von etwa zwölf Jahren, die lag in den letzten Zügen.
Und da er hinging, umdrängte ihn das Volk.
Und eine Frau hatte den
Blutfluß zwölf Jahre gehabt; die <hatte
alle ihre Nahrung an die Ärzte gewandt und>
konnte von niemand geheilt werden.
Die trat hinzu von hinten und
rührte seines Kleides Saum an; und alsbald stand ihr
Blutfluß.
Und Jesus sprach: Wer hat mich
angerührt? Da sie aber alle leugneten, sprach Petrus:
Meister, das Volk drängt und drückt dich.
Jesus aber sprach: Es hat mich
jemand angerührt; denn ich fühlte, daß eine Kraft
von mir gegangen ist.
Da aber die Frau sah, daß
es nicht verborgen war, kam sie mit Zittern und fiel vor ihm
nieder und verkündete vor allem Volk, aus welcher Ursache
sie ihn hätte angerührt, und wie sie wäre alsbald
gesund geworden.
Er aber sprach zu ihr: Meine
Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Gehe hin in Frieden!
Da er noch redete, kam
einer vom Gesinde des Obersten der Synagoge und sprach zu ihm:
Deine Tochter ist gestorben; bemühe den Meister nicht.
Da aber Jesus das hörte,
antwortete er ihm: Fürchte dich nicht; glaube nur, so wird
sie gesund!
Da er aber in das Haus kam,
ließ er niemand mit hineingehen als Petrus und Johannes und
Jakobus und des Kindes Vater und Mutter.
Sie weinten aber alle und klagten um sie. Er aber sprach:
Weinet nicht! Sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft.
Und sie verlachten ihn, denn sie wußten wohl, daß
sie gestorben war.
Er aber nahm sie bei der Hand und rief und sprach: Kind,
stehe auf!
Und ihr Geist kam wieder, und sie stand alsbald auf. Und
er befahl, man sollte ihr zu essen geben.
Und ihre Eltern entsetzten sich. Er aber gebot ihnen, daß
sie niemand sagten, was geschehen war.
Aussendung der zwölf Jünger
Kapitel 9
Er rief aber die Zwölf
zusammen und gab ihnen Gewalt und Vollmacht über alle bösen
Geister und daß sie Krankheiten heilen konnten,
und sandte sie aus, zu
predigen das Reich Gottes und zu heilen.
Und sprach zu ihnen: Ihr sollt
nichts mit euch nehmen auf den Weg, weder Stab noch Tasche noch
Brot noch Geld; es soll auch einer nicht zwei Röcke haben.
Und wenn ihr in ein Haus
gehet, da bleibet, bis ihr von dannen weiterziehet.
Und wenn sie euch nicht
aufnehmen, so gehet aus derselben Stadt und schüttelt den
Staub von euren Füßen zu einem Zeugnis wider sie.
Und sie gingen hinaus und
durchzogen die Dörfer, predigten das Evangelium und machten
gesund allenthalben.
Herodes und Jesus
Es kam aber vor Herodes, den
Vierfürsten, alles, was geschah; und er ward unruhig, weil
von etlichen gesagt ward: Johannes ist von den Toten
auferstanden;
von etlichen aber: Elia ist
erschienen; von etlichen aber: Es ist der alten Propheten einer
auferstanden.
Und Herodes sprach: Johannes,
den habe ich enthauptet; wer ist aber dieser, von dem ich solches
höre? Und begehrte ihn zu sehen.
Speisung der Fünftausend
Und die Apostel kamen wieder
und erzählten ihm, wie große Dinge sie getan hatten.
Und er nahm sie zu sich und entwich abseits in eine Stadt, die da
heißt Bethsaida.
Da das Volk des inneward, zog
es ihm nach. Und er ließ sie zu sich und sagte ihnen vom
Reich Gottes und machte gesund, die es bedurften.
Aber der Tag fing an, sich zu
neigen.
Da traten zu ihm die Zwölf
und sprachen zu ihm: Laß das Volk von dir, daß sie
hingehen in die Dörfer umher und in die Höfe, daß
sie Herberge und Speise finden; denn wir sind hier in der Einöde.
Er aber sprach zu ihnen: Gebt
ihr ihnen zu essen. Sie sprachen: Wir haben nicht mehr als fünf
Brote und zwei Fische; es sei denn, daß wir hingehen sollen
und Speise kaufen für dies ganze Volk;
denn es waren bei fünftausend
Mann. Er sprach aber zu seinen Jüngern: Lasset sie sich
setzen in Gruppen, je fünfzig und fünfzig.
Und sie taten also und ließen
alle sich lagern.
Da nahm er die fünf Brote
und zwei Fische und sah auf gen Himmel und dankte darüber,
brach sie und gab sie den Jüngern, daß sie dem Volk
vorlegten.
Und sie aßen und wurden
alle satt; und es wurde aufgehoben, was ihnen übrigblieb von
Brocken, zwölf Körbe.
Bekenntnis des Petrus.
Erste Leidensankündigung
Und es begab
sich, da er allein war und betete und nur seine Jünger bei
ihm waren, fragte er sie und sprach: Wer sagen die Leute, daß
ich sei?
Sie antworteten und sprachen: Sie sagen, du seiest
Johannes der Täufer; etliche aber, du seiest Elia; etliche
aber, es sei der alten Propheten einer auferstanden.
Er aber sprach zu ihnen: Wer saget ihr aber, daß ich
sei? Da antwortete Petrus und sprach: Du bist der Christus
Gottes!
Und er bedrohte sie und gebot,
daß sie das niemand sagten,
und sprach: Des Menschen Sohn
muß viel leiden und verworfen werden von den Ältesten
und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden
und am dritten Tage auferstehen.
Über die rechte Nachfolge
Da sprach er zu ihnen allen:
Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein
Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.
Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es
verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der
wird's erhalten.
Denn welchen Nutzen hätte der Mensch, ob er die
ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder nähme
Schaden an sich selbst?
Wer sich aber mein und meiner
Worte schämt, des wird sich des Menschen Sohn auch schämen,
wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und seines Vaters und
der heiligen Engel.
Ich sage euch aber wahrlich:
Es sind etliche von denen, die hier stehen, die werden den Tod
nicht schmecken, bis daß sie das Reich Gottes sehen.
Verklärung Jesu
Und es begab sich nach diesen
Reden bei acht Tagen, daß er zu sich nahm Petrus, Johannes
und Jakobus und ging auf einen Berg, zu beten.
Und da er betete, ward das
Aussehen seines Angesichts anders, und sein Kleid ward weiß
und glänzte.
Und siehe, zwei Männer
redeten mit ihm, welche waren Mose und Elia;
die erschienen verklärt
und redeten von dem Ausgang, welchen er erfüllen sollte zu
Jerusalem.
Petrus aber und die mit ihm
waren, waren voll Schlafs. Da sie aber aufwachten, sahen sie, wie
er verklärt war und die zwei Männer bei ihm standen.
Und es begab sich, da die von
ihm schieden, sprach Petrus zu Jesus: Meister, hier ist für
uns gut sein! Lasset uns drei Hütten machen, dir eine, Mose
eine und Elia eine. Und er wußte nicht, was er redete.
Da er aber solches redete, kam
eine Wolke und überschattete sie; und sie erschraken, da sie
die Wolke überzog.
Und es geschah eine Stimme aus
der Wolke, die sprach: Dieser ist mein auserwählter Sohn;
den sollt ihr hören!
Und als die Stimme geschah,
fanden sie Jesus allein. Und sie verschwiegen es und verkündigten
niemand in jenen Tagen, was sie gesehen hatten.
Heilung des fallsüchtigen Knaben
Es begab sich aber den Tag
hernach, da sie von dem Berge kamen, kam ihnen entgegen viel
Volks.
Und siehe, ein Mann unter dem
Volk rief und sprach: Meister, ich bitte dich, sieh doch nach
meinem Sohn; denn er ist mein einziger Sohn.
Siehe, ein Geist ergreift ihn,
daß er plötzlich aufschreit, und reißt ihn hin
und her, daß er schäumt, und weicht kaum mehr von ihm,
wenn er ihn so zurichtet.
Und ich habe deine Jünger
gebeten, daß sie ihn austrieben, und sie konnten nicht.
Da antwortete Jesus und
sprach: O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, wie
lange soll ich bei euch sein und euch dulden? Bringe deinen Sohn
her!
Und da er zu ihm kam, riß
ihn der böse Geist und zerrte ihn. Jesus aber bedrohte den
unsaubern Geist und machte den Knaben gesund und gab ihn seinem
Vater wieder.
Und sie entsetzten sich alle
über Gottes große Macht.
Zweite Leidensankündigung
Da sie sich aber alle verwunderten
über alles, was er tat, sprach er zu seinen Jüngern:
Nehmet zu Ohren diese Rede:
Des Menschen Sohn muß überantwortet werden in der
Menschen Hände.
Aber das Wort verstanden sie
nicht, und es war vor ihnen verborgen, so daß sie es nicht
begriffen. Und sie fürchteten sich, ihn zu fragen um dieses
Wort.
Wider Ehrgeiz und Unduldsamkeit
Es kam aber der Gedanke unter
sie, welcher unter ihnen der Größte wäre.
Da aber Jesus den Gedanken
ihres Herzens erkannte, nahm er ein Kind und stellte es neben
sich
und sprach zu ihnen: Wer dies
Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf; und wer mich
aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Denn wer der
Kleinste ist unter euch allen, der ist groß.
Da hob Johannes an und
sprach: Meister, wir sahen einen, der trieb böse Geister aus
in deinem Namen; und wir wehrten ihm, denn er folgt dir nicht mit
uns.
Und Jesus sprach zu ihm:
Wehret ihm nicht! Denn wer nicht wider euch ist, der ist für
euch.
Aufbruch nach Jerusalem
Es begab sich aber, da die
Zeit erfüllt war, daß er sollte von hinnen genommen
werden, wendete er sein Angesicht, stracks nach Jerusalem zu
wandern.
Und er sandte Boten vor sich
hin; die gingen hin und kamen in ein Dorf der Samariter, daß
sie ihm Herberge bestellten.
Und sie nahmen ihn nicht auf,
darum daß er sein Angesicht gewendet hatte, zu wandern nach
Jerusalem.
Da aber das seine Jünger
Jakobus und Johannes sahen, sprachen sie: Herr, willst du, so
wollen wir sagen, daß Feuer vom Himmel falle und verzehre
sie, <wie auch
Elia tat>.
Jesus aber wandte sich und
bedrohte sie <und
sprach: Wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?
Des Menschen Sohn ist nicht
gekommen, der Menschen Seelen zu verderben, sondern zu erhalten>.
Und sie gingen in ein andres
Dorf.
Vom Ernst der Nachfolge
Es begab sich aber, da sie auf dem
Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wo du
hingehst.
Und Jesus sprach zu ihm: Die
Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel
haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, wo er sein Haupt
hinlege.
Und er sprach zu einem andern:
Folge mir nach! Der sprach aber: Erlaube mir, daß ich zuvor
hingehe und meinen Vater begrabe.
Aber Jesus sprach zu ihm: Laß
die Toten ihre Toten begraben; gehe du aber hin und verkündige
das Reich Gottes!
Und ein andrer sprach: Herr,
ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, daß ich
Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind.
Jesus aber sprach zu ihm: Wer
seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht
geschickt zum Reich Gottes.
Aussendung der siebzig Jünger
Kapitel 10
Danach sonderte der Herr
andere siebzig aus und sandte sie je zwei und zwei vor sich her
in alle Städte und Orte, da er wollte hinkommen,
und sprach zu ihnen: Die
Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenige. Bittet den
Herrn der Ernte, daß er Arbeiter aussende in seine Ernte.
Gehet hin; siehe, ich sende
euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe.
Tragt keinen Beutel noch
Tasche noch Schuhe und begrüßt niemand unterwegs.
Wenn ihr in ein Haus kommt, so
sprecht zuerst: Friede sei diesem Hause!
Und wenn daselbst wird ein
Kind des Friedens sein, so wird euer Friede auf ihm ruhen; wo
aber nicht, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden.
In demselben Hause aber
bleibet, esset und trinket, was man euch gibt; denn der Arbeiter
ist seines Lohnes wert. Ihr sollt nicht von einem Hause zum
andern gehen.
Und wo ihr in eine Stadt kommt
und sie euch aufnehmen, da esset, was euch wird vorgesetzt,
und heilet die Kranken, die
daselbst sind, und saget ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch
gekommen.
Wenn ihr aber in eine Stadt
kommt, in der sie euch nicht aufnehmen, so geht heraus auf ihre
Gassen und sprecht:
Auch den Staub, der sich an
unsere Füße gehängt hat von eurer Stadt,
schütteln wir ab auf euch; doch sollt ihr wissen, daß
euch das Reich Gottes nahe gewesen ist.
Ich sage euch: Es wird Sodom
erträglicher gehen an jenem Tage als solcher Stadt.
Weherufe über galiläische Städte
Weh dir, Chorazin! Weh dir,
Bethsaida! Denn wären solche Taten zu Tyrus und Sidon
geschehen, die bei euch geschehen sind, sie hätten längst
in Sack und Asche gesessen und Buße getan.
Doch es wird Tyrus und Sidon
erträglicher gehen im Gericht als euch.
Und du, Kapernaum, wirst du
bis zum Himmel erhoben? In die Hölle wirst du
hinuntergestoßen werden.
Wer euch hört, der hört
mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich
verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.
Jesu Jubelruf
Die Siebzig aber kamen wieder
mit Freuden und sprachen: Herr, es sind uns auch die bösen
Geister untertan in deinem Namen.
Er sprach aber zu ihnen: Ich
sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz.
Sehet, ich habe euch Vollmacht
gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und über
alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch schaden.
Doch darüber freuet euch nicht, daß euch die
Geister untertan sind. Freuet euch aber, daß eure Namen
im Himmel geschrieben sind.
Zu der Stunde
frohlockte Jesus im heiligen Geist und sprach: Ich preise dich,
Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den
Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen
offenbart. Ja, Vater, so war es wohlgefällig vor dir.
Es ist mir alles übergeben
von meinem Vater. Und niemand weiß, wer der Sohn sei, denn
nur der Vater; noch wer der Vater sei, denn nur der Sohn und wem
es der Sohn will offenbaren.
Und er wandte sich zu
seinen Jüngern besonders und sprach: Selig sind die Augen,
die da sehen, was ihr sehet.
Denn ich sage euch: Viele
Propheten und Könige wollten sehen, was ihr sehet, und
haben's nicht gesehen, und hören, was ihr höret, und
haben's nicht gehört.
Vom barmherzigen Samariter
Und siehe, da stand ein
Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß
ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?
Er aber sprach zu ihm: Was
steht im Gesetz geschrieben? Wie liesest du?
Er antwortete und sprach: «Du sollst Gott, deinen
Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen
Kräften und von ganzem Gemüte und deinen Nächsten
wie dich selbst» (5. Mose 6,5; 3.
Mose 19,18).
Er aber sprach zu ihm: Du hast
recht geantwortet; tue das, so wirst du leben.
Er aber wollte sich
selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein
Nächster?
Da antwortete Jesus und
sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach
Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und
schlugen ihn und gingen davon und ließen ihn halbtot
liegen.
Es begab sich aber von
ungefähr, daß ein Priester dieselbe Straße
hinabzog; und da er ihn sah, ging er vorüber.
Desgleichen auch ein Levit; da
er kam zu der Stätte und sah ihn, ging er vorüber.
Ein Samariter aber reiste und
kam dahin; und da er ihn sah, jammerte ihn sein,
ging zu ihm, goß Öl
und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm und hob ihn auf
sein Tier und führte ihn in eine Herberge und pflegte sein.
Des andern Tages zog er heraus
zwei Silbergroschen und gab sie dem Wirte und sprach zu ihm:
Pflege sein, und so du was mehr wirst dartun, will ich dir's
bezahlen, wenn ich wiederkomme.
Welcher dünkt dich, der
unter diesen dreien der Nächste sei gewesen dem, der unter
die Räuber gefallen war?
Er sprach: Der die
Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin
und tue desgleichen!
Maria und Martha
Es begab sich aber, da sie
weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen
Martha, die nahm ihn auf in ihr Haus.
Und sie hatte eine Schwester,
die hieß Maria; die setzte sich zu Jesu Füßen
und hörte seiner Rede zu.
Martha aber machte sich viel
zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr,
fragst du nicht danach, daß mich meine Schwester läßt
allein dienen? Sage ihr doch, daß sie es auch angreife!
Der Herr aber antwortete und
sprach zu ihr: Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe.
Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil
erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.*
*Andere
Überlieferung der Verse 41 und 42: «Martha, Martha, du
hast Sorge und Mühe um vielerlei; aber nur weniges, ja nur
eins
ist not. Maria hat das gute Teil
erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.»
Jesus lehrt beten
Kapitel 11
Und es begab sich, daß
er war an einem Ort und betete. Und da er aufgehört hatte,
sprach seiner Jünger einer zu ihm: Herr, lehre uns beten,
wie auch Johannes seine Jünger lehrte.
Er aber sprach zu ihnen: Wenn
ihr betet, so sprecht:
Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.
Gib uns unser täglich Brot immerdar.
Und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir
vergeben allen, die uns schuldig sind.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse
uns von dem Übel.*
*Andere Überlieferung der Verse
2-4:
«Vater, dein Name werde
geheiligt.
Dein Reich komme.
Gib uns unser täglich Brot
immerdar.
Und vergib uns unsre Sünden;
denn auch wir vergeben allen, die uns schuldig sind.
Und führe uns nicht in
Versuchung.»
Der bittende Freund
Und er sprach zu ihnen:
Welcher ist unter euch, der einen Freund hat und ginge zu ihm um
Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leihe mir
drei Brote;
denn es ist mein Freund zu mir
gekommen auf der Reise, und ich habe nicht, was ich ihm vorlege.
Und der drinnen würde
antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist
schon zugeschlossen, und meine Kindlein sind bei mir in der
Kammer; ich kann nicht aufstehen und dir geben.
Ich sage euch: Und ob er nicht
aufsteht und gibt ihm, darum daß er sein Freund ist, so
wird er doch um seines unverschämten Drängens willen
aufstehen und ihm geben, wieviel er bedarf.
Und ich sage euch auch:
Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden;
klopfet an, so wird euch aufgetan.
Denn wer da bittet, der
empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft,
dem wird aufgetan.
Wo bittet unter euch ein Sohn
den Vater <ums
Brot, der ihm einen Stein dafür biete? Und so er ihn bittet>
um einen Fisch, der ihm eine Schlange für den Fisch biete?
oder, so er um ein Ei bittet,
der ihm einen Skorpion dafür biete?
So denn ihr, die ihr arg seid,
könnt euren Kindern gute Gaben geben, wieviel mehr wird der
Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!
Jesu Macht über die bösen Geister
Und er trieb einen bösen
Geist aus, der war stumm. Und es geschah, als der Geist ausfuhr,
da redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich.
Etliche aber unter ihnen
sprachen: Er treibt die bösen Geister aus durch Beelzebub,
ihren Obersten.
Andere aber versuchten ihn und
begehrten von ihm ein Zeichen vom Himmel.
Er aber erkannte ihre Gedanken
und sprach zu ihnen: Ein jegliches Reich, wenn es mit sich selbst
uneins wird, das wird wüste, und ein Haus fällt über
das andre.
Ist aber der Satan auch mit
sich selbst uneins, wie will sein Reich bestehen? weil ihr saget,
ich treibe die bösen Geister aus durch Beelzebub.
Wenn aber ich die Geister
durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie
aus? Darum werden sie eure Richter sein.
Wenn ich aber durch Gottes
Finger die bösen Geister austreibe, so ist ja das Reich
Gottes zu euch gekommen.
Wenn ein Starker gewappnet
seinen Palast bewacht, so bleibt das Seine in Frieden.
Wenn aber ein Stärkerer
über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm
seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und teilt den Raub
aus.
Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer
nicht mit mir sammelt, der zerstreut.
Wenn der unsaubere
Geist von dem Menschen ausfährt, so durchwandelt er dürre
Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht; so spricht er: Ich
will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin.
Und wenn er kommt, so findet
er's gekehrt und geschmückt.
Dann geht er hin und nimmt
sieben andere Geister zu sich, die ärger sind als er selbst;
und wenn sie hineinkommen, wohnen sie da, und es wird hernach mit
demselben Menschen ärger als zuvor.
Wort über Jesu Mutter
Und es begab
sich, da er solches redete, erhob eine Frau im Volk die Stimme
und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und
die Brüste, die du gesogen hast.
Er aber sprach: Ja, selig sind, die das Wort Gottes
hören und bewahren.
Wider die Zeichenforderung
Das Volk aber drängte
herzu. Da fing er an und sagte: Dies Geschlecht ist ein arges
Geschlecht; es begehrt ein Zeichen, und es wird ihm kein Zeichen
gegeben denn nur das Zeichen des Jona.
Denn wie Jona ein Zeichen war
den Niniviten, so wird es auch des Menschen Sohn sein diesem
Geschlecht.
Die Königin vom Süden
wird auftreten im Jüngsten Gericht mit den Leuten dieses
Geschlechts und wird sie verdammen; denn sie kam von der Welt
Ende, zu hören die Weisheit Salomos. Und siehe, hier ist
mehr als Salomo.
Die Leute von Ninive werden
auftreten im Gericht mit diesem Geschlecht und werden's
verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona.
Und siehe, hier ist mehr als Jona.
Vom Licht und vom Auge
Niemand zündet ein Licht
an und setzt es in einen Winkel, auch nicht unter einen Scheffel,
sondern auf den Leuchter, auf daß, wer hineingeht, den
Schein sehe.
Dein Auge ist des Leibes
Leuchte. Wenn nun dein Auge lauter ist, so ist dein ganzer Leib
licht; wenn aber dein Auge böse ist, so ist auch dein Leib
finster.
So schaue darauf, daß
nicht das Licht in dir Finsternis sei.
Wenn nun dein Leib ganz licht
ist, daß er kein Stück von Finsternis hat, dann wird
er so licht sein, wie wenn ein Licht mit hellem Blitz dich
erleuchtet.
Wider die Pharisäer und Schriftgelehrten
Als er noch redete, bat ihn
ein Pharisäer, daß er mit ihm das Mittagsmahl äße.
Und er ging hinein und setzte sich zu Tische.
Da das der Pharisäer sah,
verwunderte er sich, daß er die Waschung vor dem Essen
unterlassen hatte.
Der Herr aber sprach zu ihm:
Ihr Pharisäer haltet die Becher und Schüsseln auswendig
rein; aber euer Inwendiges ist voll Raub und Bosheit.
Ihr Narren, hat nicht der, der
das Auswendige geschaffen hat, auch das Inwendige geschaffen?
Gebt doch zum Almosen das, was
inwendig ist, siehe, so habt ihr alles rein.
Aber weh euch
Pharisäern, daß ihr verzehntet die Minze und Raute und
allen Kohl, und geht vorbei an dem Gericht und an der Liebe
Gottes! Dies sollte man tun und jenes nicht lassen.
Weh euch Pharisäern,
daß ihr gerne obenan sitzet in den Synagogen und wollt
gegrüßet sein auf dem Markte!
Weh euch, daß ihr
seid wie die verdeckten Gräber, darüber die Leute
laufen und wissen es nicht!
Da antwortete einer von
den Schriftgelehrten und sprach zu ihm: Meister, mit diesen
Worten schmähest du uns auch.
Er aber sprach: Und weh auch
euch Schriftgelehrten! denn ihr beladet die Menschen mit
unerträglichen Lasten, und ihr selbst rühret sie nicht
mit einem Finger an.
Weh euch! denn ihr
bauet den Propheten Grabmäler; eure Väter aber haben
sie getötet.
So bezeuget ihr und billigt
eurer Väter Werke; denn sie töteten sie, und ihr bauet
ihnen Grabmäler.
Darum spricht die Weisheit
Gottes: Ich will Propheten und Apostel zu ihnen senden, und deren
etliche werden sie töten und verfolgen,
auf daß gefordert werde
von diesem Geschlecht aller Propheten Blut, das vergossen ist,
seit der Welt Grund gelegt ist,
von Abels Blut an bis auf das
Blut des Zacharias, der umkam zwischen dem Altar und Tempel. Ja,
ich sage euch: Es wird gefordert werden von diesem Geschlecht.
Weh euch
Schriftgelehrten! denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis
weggenommen. Ihr ginget nicht hinein und wehrtet denen, die
hinein wollten.
Und als er von dort
hinausging, fingen an die Schriftgelehrten und Pharisäer,
hart auf ihn einzudringen und ihn mit mancherlei Fragen
auszuhorchen,
und lauerten auf ihn, ob sie
etwas erjagen könnten aus seinem Munde.
Mahnung zum furchtlosen Bekennen
Kapitel 12
Indes lief das Volk herzu und
kamen etliche Tausend zusammen, so daß sie sich
untereinander traten. Da fing er an und sagte zuerst zu seinen
Jüngern: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer,
welches ist die Heuchelei.
Es ist aber nichts
verborgen, was nicht offenbar werde, noch heimlich, was man nicht
wissen werde.
Darum, was ihr in der
Finsternis saget, das wird man im Licht hören; was ihr redet
ins Ohr in den Kammern, das wird man auf den Dächern
ausrufen.
Ich sage euch aber,
meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib
töten und danach nichts mehr tun können.
Ich will euch aber zeigen, vor
wem ihr euch fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem,
der, nachdem er getötet hat, auch Macht hat, zu werfen in
die Hölle. Ja, ich sage euch, vor dem fürchtet euch.
Verkauft man nicht fünf
Sperlinge um zwei Pfennige? Dennoch ist vor Gott deren nicht
einer vergessen.
Aber auch die Haare auf eurem
Haupt sind alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht; ihr
seid mehr denn viele Sperlinge.
Ich sage euch aber: Wer mich bekennet vor den Menschen,
den wird auch des Menschen Sohn bekennen vor den Engeln
Gottes.
Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, der wird
verleugnet werden vor den Engeln Gottes.
Und wer da redet ein Wort
wider des Menschen Sohn, dem soll es vergeben werden; wer aber
lästert den heiligen Geist, dem soll es nicht vergeben
werden.
Wenn sie euch aber führen
werden in ihre Synagogen und vor die Obrigkeit und vor die
Gewaltigen, so sorget nicht, wie oder womit ihr euch verantworten
oder was ihr sagen sollt;
denn der heilige Geist wird
euch zu derselben Stunde lehren, was ihr sagen sollt.
Warnung vor Habsucht.
Der reiche Kornbauer
Es sprach aber einer aus dem
Volk zu ihm: Meister, sage meinem Bruder, daß er mit mir
das Erbe teile.
Er aber sprach zu ihm: Mensch,
wer hat mich zum Richter oder Erbteiler über euch gesetzt?
Und er sprach zu ihnen: Sehet
zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt
davon, daß er viele Güter hat.
Und er sagte ihnen ein
Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, des Feld hatte
wohl getragen.
Und er dachte bei sich selbst
und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nicht, wo ich meine
Früchte hin sammle.
Und sprach: Das will ich tun:
ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen
und will darein sammeln all mein Korn und meine Güter
und will sagen zu meiner
Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele
Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut!
Aber Gott sprach zu ihm: Du
Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wes
wird's sein, das du bereitet hast?
So geht es dem, der sich
Schätze sammelt und ist nicht reich für Gott.
Falsches und rechtes Sorgen
Er sprach aber zu seinen
Jüngern: Darum sage ich euch: Sorget nicht um euer Leben,
was ihr essen sollt, auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen
sollt.
Das Leben ist mehr als die
Speise und der Leib mehr als die Kleidung.
Sehet die Raben an: sie säen
nicht, sie ernten auch nicht, sie haben auch keinen Keller noch
Scheune, und Gott nährt sie doch. Wieviel mehr seid ihr als
die Vögel!
Welcher ist unter euch, ob er
schon darum sorget, der da könnte seines Lebens Länge
eine Spanne zusetzen?
So ihr denn das Geringste
nicht vermöget, warum sorget ihr um das andre?
Sehet die Lilien an, wie sie
nicht spinnen noch weben. Ich sage euch aber, daß auch
Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht ist bekleidet gewesen
wie deren eine.
So denn Gott das Gras, das
heute auf dem Felde steht und morgen in den Ofen geworfen wird,
also kleidet, wieviel mehr wird er euch kleiden, ihr
Kleingläubigen!
Darum auch ihr, fraget nicht
danach, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und machet euch
keine Unruhe.
Nach solchem allen trachten
die Heiden in der Welt; aber euer Vater weiß wohl, daß
ihr des bedürfet.
Trachtet vielmehr nach seinem
Reich, so wird euch das alles zufallen.
Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es ist
eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.
Verkauft, was ihr habt,
und gebt Almosen. Macht euch Beutel, die nicht veralten, einen
Schatz, der nimmer abnimmt, im Himmel, wo kein Dieb zukommt und
den keine Motten fressen.
Denn wo euer Schatz ist, da
wird auch euer Herz sein.
Vom Warten auf das Kommen Christi
Lasset eure Lenden umgürtet
sein und eure Lichter brennen
und seid gleich den Menschen,
die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der
Hochzeit, auf daß, wenn er kommt und anklopft, sie ihm
alsbald auftun.
Selig sind die Knechte, die
der Herr, wenn er kommt, wachend findet. Wahrlich, ich sage euch:
Er wird sich aufschürzen und wird sie zu Tisch setzen und zu
ihnen treten und ihnen dienen.
Und wenn er kommt in der
zweiten Wache und in der dritten Wache und wird's so finden:
selig sind diese Knechte.
Das sollt ihr aber wissen:
Wenn ein Hausherr wüßte, zu welcher Stunde der Dieb
käme, so ließe er nicht in sein Haus einbrechen.
Darum seid auch ihr bereit!
Denn des Menschen Sohn kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht
meinet.
Petrus aber sprach zu
ihm: Herr, sagst du dies Gleichnis zu uns oder auch zu allen?
Der Herr aber sprach: Wer ist
denn der treue und kluge Haushalter, welchen der Herr setzt über
sein Gesinde, daß er ihnen zu rechter Zeit gebe, was ihnen
gebührt?
Selig ist der Knecht, welchen
sein Herr findet also tun, wenn er kommt.
Wahrlich, ich sage euch: Er
wird ihn über alle seine Güter setzen.
Wenn aber derselbe Knecht in
seinem Herzen sagen wird: Mein Herr verzieht zu kommen, - und
fängt an, zu schlagen Knechte und Mägde, auch zu essen
und zu trinken und sich vollzusaufen:
so wird desselben Knechtes
Herr kommen an dem Tage, da er sich's nicht versieht, und zu der
Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn in Stücke
hauen lassen und wird ihm seinen Lohn geben mit den Ungläubigen.
Der Knecht aber, der
seines Herrn Willen weiß, hat aber nichts bereitet noch
nach seinem Willen getan, der wird viel Streiche leiden müssen.
Der ihn aber nicht weiß
und hat getan, was der Streiche wert ist, wird wenig Streiche
leiden. Denn welchem viel gegeben ist, bei dem wird man viel
suchen; und welchem viel anbefohlen ist, von dem wird man viel
fordern.
Jesus bringt Kampf
Ich bin gekommen, daß ich ein Feuer anzünde
auf Erden; was wollte ich lieber, als es brennete schon!
Aber ich muß mich zuvor
taufen lassen mit einer Taufe, und wie ist mir so bange, bis sie
vollendet werde!
Meinet ihr, daß ich
hergekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein,
sondern Zwietracht.
Denn von nun an werden fünf
in einem Hause uneins sein, drei wider zwei und zwei wider
drei.
Es wird sein der Vater wider
den Sohn und der Sohn wider den Vater, die Mutter wider die
Tochter und die Tochter wider die Mutter, die Schwiegermutter
wider die Schwiegertochter und die Schwiegertochter wider die
Schwiegermutter.
Beachtung der Zeichen der Zeit
Er sprach aber zu dem Volk:
Wenn ihr eine Wolke sehet aufgehen vom Westen, so sprecht ihr
alsbald: Es kommt ein Regen. Und es geschieht also.
Und wenn ihr sehet den Südwind
wehen, so sprecht ihr: Es wird heiß werden. Und es
geschieht also.
Ihr Heuchler! Das Aussehen der
Erde und des Himmels versteht ihr zu prüfen; wie prüfet
ihr aber diese Zeit nicht?
Und warum urteilet ihr
nicht von euch selber, was recht ist?
Denn wenn du mit deinem
Widersacher vor die Obrigkeit gehst, so mühe dich auf dem
Wege, daß du ihn los werdest, auf daß er nicht etwa
dich vor den Richter ziehe, und der Richter überantworte
dich dem Gerichtsdiener, und der Diener werfe dich ins Gefängnis.
Ich sage dir: Du wirst von
dort nicht herauskommen, bis du den allerletzten Heller
bezahlest.
DAS
EVANGELIUM NACH LUKAS 13-24
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