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DIE BIBEL
Heilige
Schrift
DAS
EVANGELIUM NACH MARKUS
Kapitel 1 -
16
Johannes der Täufer. Sein Zeugnis von Christus
Kapitel 1
Dies ist der Anfang des
Evangeliums von Jesus Christus.
Wie geschrieben steht im
Propheten Jesaja: «Siehe,
ich sende meinen Boten vor dir her, der da bereite deinen Weg.»
«Es ist eine Stimme
eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn,
machet seine Steige richtig!» (Maleachi
3,1; Jesaja 40,3).
Johannes der Täufer war
in der Wüste und predigte die Taufe der Buße zur
Vergebung der Sünden.
Und es ging zu ihm hinaus das
ganze jüdische Land und alle Leute von Jerusalem und
bekannten ihre Sünden und ließen sich von ihm taufen
im Jordan.
Johannes aber war bekleidet
mit Kamelhaaren und mit einem ledernen Gürtel um seine
Lenden und aß Heuschrecken und wilden Honig
und predigte und sprach: Es
kommt einer nach mir, der ist stärker als ich, und ich bin
nicht genug, daß ich mich bücke und die Riemen seiner
Schuhe auflöse.
Ich taufe euch mit Wasser; er
aber wird euch mit dem heiligen Geist taufen.
Jesu Taufe und Versuchung
Und es begab sich zu der Zeit,
da kam Jesus von Nazareth in Galiläa und ließ sich
taufen von Johannes im Jordan.
Und alsbald, da er aus dem
Wasser stieg, sah er, daß sich der Himmel auftat und der
Geist gleichwie eine Taube herabkam auf ihn.
Und da geschah eine Stimme vom
Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich
Wohlgefallen.
Und alsbald trieb ihn
der Geist in die Wüste;
und er war in der Wüste
vierzig Tage und ward versucht von dem Satan und war bei den
Tieren, und die Engel dienten ihm.
Beginn der Wirksamkeit Jesu.
Jüngerberufung
Nachdem aber Johannes gefangen
gelegt war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das
Evangelium Gottes
und sprach: Die Zeit ist
erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße
und glaubt an das Evangelium!
Da er aber an dem Galiläischen
Meer ging, sah er Simon und Andreas, seinen Bruder, daß sie
ihre Netze ins Meer warfen; denn sie waren Fischer.
Und Jesus sprach zu ihnen:
Folget mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen!
Alsbald verließen sie
ihre Netze und folgten ihm nach.
Und als er von dannen ein
wenig weiter ging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus,
und Johannes, seinen Bruder, daß sie die Netze im Schiff
flickten; und alsbald rief er sie.
Und sie ließen ihren
Vater Zebedäus im Schiff mit den Tagelöhnern und
folgten ihm nach.
Jesus in Kapernaum
Und sie gingen hinein nach
Kapernaum; und alsbald am Sabbat ging er in die Synagoge und
lehrte.
Und sie entsetzten sich über
seine Lehre; denn er lehrte mit Vollmacht und nicht wie die
Schriftgelehrten.
Und sogleich war auch in ihrer
Synagoge ein Mensch, besessen von einem unsaubern Geist; der
schrie
und sprach: Was willst du von
uns, Jesu von Nazareth? Du bist gekommen, uns zu verderben. Ich
weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.
Und Jesus bedrohte ihn und
sprach: Verstumme und fahre aus von ihm!
Und der unsaubere Geist riß
ihn hin und her und schrie laut und fuhr aus von ihm.
Und sie entsetzten sich alle,
so daß sie untereinander sich befragten und sprachen: Was
ist das? Eine neue Lehre in Vollmacht! Er gebietet auch den
unsaubern Geistern, und sie gehorchen ihm!
Und die Kunde von ihm erscholl
alsbald umher im ganzen galiläischen Land.
Und sie gingen alsbald
aus der Synagoge in das Haus des Simon und Andreas mit Jakobus
und Johannes.
Und die Schwiegermutter Simons
lag und hatte das Fieber; und alsbald sagten sie ihm von ihr.
Und er trat zu ihr und faßte
sie bei der Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ
sie, und sie diente ihnen.
Am Abend aber, da die
Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Kranken und
Besessenen.
Und die ganze Stadt
versammelte sich vor der Tür.
Und er half vielen Kranken,
die mit mancherlei Gebrechen beladen waren, und trieb viele böse
Geister aus und ließ die Geister nicht reden; denn sie
kannten ihn.
Und des Morgens vor
Tage stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame
Stätte und betete daselbst.
Und Simon mit denen, die bei
ihm waren, eilte ihm nach.
Und da sie ihn fanden,
sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich.
Und er sprach zu ihnen: Laßt
uns anderswohin in die nächsten Städte gehen, daß
ich daselbst auch predige; denn dazu bin ich gekommen.
Und er kam und predigte in
ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die bösen
Geister aus.
Heilung eines Aussätzigen
Und es kam zu ihm ein
Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm:
Willst du, so kannst du mich wohl reinigen.
Und es jammerte ihn und er
reckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich
will's tun; sei gereinigt!
Und alsbald ging der Aussatz
von ihm, und er ward rein.
Und Jesus bedrohte ihn und
trieb ihn alsbald von sich
und sprach zu ihm: Siehe zu,
daß du niemand davon sagest; sondern gehe hin und zeige
dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose
geboten hat, ihnen zum Zeugnis.
Er aber, da er hinauskam, hob
er an und sagte viel davon und machte die Geschichte kund, so daß
Jesus hinfort nicht mehr konnte öffentlich in eine Stadt
gehen; sondern er war draußen an einsamen Orten, und sie
kamen zu ihm von allen Enden.
Heilung des Gichtbrüchigen
Kapitel 2
Und nach etlichen Tagen ging
er wieder nach Kapernaum; und es ward kund, daß er im Hause
war.
Und es versammelten sich
viele, so daß sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen
vor der Tür; und er predigte ihnen das Wort.
Und es kamen etliche zu ihm,
die brachten einen Gichtbrüchigen von vieren getragen.
Und da sie ihn nicht konnten
zu ihm bringen vor dem Volk, deckten sie das Dach auf, da er war,
und machten eine Öffnung und ließen das Bett
hernieder, darin der Gichtbrüchige lag.
Da nun Jesus ihren Glauben
sah, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Mein Sohn, deine
Sünden sind dir vergeben.
Es waren aber etliche
Schriftgelehrte, die saßen allda und dachten in ihrem
Herzen:
Wie redet dieser so? Er
lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben denn allein
Gott?
Und Jesus erkannte alsbald in
seinem Geist, daß sie so bei sich dachten, und sprach zu
ihnen: Was denket ihr solches in euren Herzen?
Was ist leichter, zu dem
Gichtbrüchigen zu sagen: Dir sind deine Sünden
vergeben, oder zu sagen: Stehe auf, nimm dein Bett und wandle?
Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn
Vollmacht hat, zu vergeben die Sünden auf Erden, - sprach er
zu dem Gichtbrüchigen:
Ich sage dir, stehe auf, nimm dein Bett und gehe heim!
Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus
vor allen, so daß sie sich alle entsetzten und Gott priesen
und sprachen: Wir haben solches noch nie gesehen.
Berufung des Levi
Und Jesus ging wieder hinaus
an das Meer; und alles Volk kam zu ihm, und er lehrte sie.
Und da er vorüberging,
sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sprach
zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach.
Und es begab sich, da er zu
Tisch saß in seinem Hause, da setzten sich viele Zöllner
und Sünder zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern; denn
ihrer waren viele, und sie folgten ihm nach.
Und die Schriftgelehrten unter
den Pharisäern, da sie sahen, daß er mit den Zöllnern
und Sündern aß, sprachen sie zu seinen Jüngern:
Isset er mit den Zöllnern und Sündern?
Da das Jesus hörte sprach
er zu ihnen: Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die
Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht
die Gerechten.
Über das Fasten
Und die Jünger des
Johannes und die Pharisäer pflegten zu fasten; und es kamen
etliche, die sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des
Johannes und die Jünger der Pharisäer, und deine Jünger
fasten nicht?
Und Jesus sprach zu ihnen: Wie
können die Hochzeitleute fasten, während der Bräutigam
bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können
sie nicht fasten.
Es wird aber die Zeit kommen,
daß der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden
sie fasten, an jenem Tage.
Niemand flickt einen Lappen
von neuem Tuch auf ein altes Kleid; denn der neue Lappen reißt
doch vom alten, und der Riß wird ärger.
Und niemand füllt jungen
Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der junge Wein
die Schläuche, und der Wein kommt um samt den Schläuchen;
sondern man soll jungen Wein in neue Schläuche füllen.
Jesus und der Sabbat
Und es begab sich, daß
er am Sabbat durch ein Kornfeld ging; und seine Jünger
fingen an, indem sie gingen, Ähren auszuraufen.
Und die Pharisäer
sprachen zu ihm: Siehe zu, was tun deine Jünger am Sabbat,
das nicht recht ist?
Und er sprach zu ihnen: Habt
ihr nie gelesen, was David tat, da er in Not war und ihn hungerte
samt denen, die bei ihm waren?
wie er ging in das Haus Gottes
zur Zeit Abjathars, des Hohenpriesters, und aß die
Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und er gab
sie auch denen, die bei ihm waren?
Und er sprach zu ihnen: Der
Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, und nicht der Mensch
um des Sabbats willen.
So ist des Menschen Sohn ein
Herr auch über den Sabbat.
Kapitel 3
Und er ging abermals in
eine Synagoge. Und es war da ein Mensch, der hatte eine verdorrte
Hand.
Und sie lauerten darauf, ob er
auch am Sabbat ihn heilen würde, auf daß sie eine
Sache wider ihn hätten.
Und er sprach zu dem Menschen
mit der verdorrten Hand: Tritt hervor!
Und er sprach zu ihnen: Soll
man am Sabbat Gutes tun oder Böses tun, Leben erhalten oder
töten? Sie aber schwiegen stille.
Und er sah sie umher an mit
Zorn und ward betrübt über ihr verstocktes Herz und
sprach zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte
sie aus; und seine Hand ward gesund.
Und die Pharisäer gingen
hinaus und hielten alsbald einen Rat mit des Herodes Leuten über
ihn, wie sie ihn umbrächten.
Zulauf des Volks. Viele Heilungen
Aber Jesus entwich mit seinen
Jüngern an das Meer, und viel Volks folgte ihm nach aus
Galiläa; auch aus Judäa
und von Jerusalem und aus
Idumäa und von jenseits des Jordan und die um Tyrus und
Sidon wohnen, eine große Menge, die seine Taten hörten,
kamen zu ihm.
Und er sagte zu seinen
Jüngern, daß sie ihm ein Schifflein bereithielten um
des Volkes willen, damit sie ihn nicht drängten.
Denn er heilte ihrer viele, so
daß ihn überfielen alle, die geplagt waren, auf daß
sie ihn anrührten.
Und wenn ihn die unsaubern
Geister sahen, fielen sie vor ihm nieder, schrien und sprachen:
Du bist Gottes Sohn!
Und er bedrohte sie hart, daß
sie ihn nicht offenbar machten.
Berufung der zwölf Jünger
Und er ging auf einen Berg und
rief zu sich, welche er wollte, und die gingen hin zu ihm.
Und er ordnete zwölf, daß
sie bei ihm sein sollten und daß er sie aussendete, zu
predigen,
und daß sie Vollmacht
hätten, die bösen Geister auszutreiben.
Und er setzte die Zwölf
ein und gab Simon den Namen Petrus;
und Jakobus, den Sohn des
Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, und gab
ihnen den Namen Boanerges, das ist: Donnerskinder;
und Andreas und Philippus und
Bartholomäus und Matthäus und Thomas und Jakobus, des
Alphäus Sohn, und Thaddäus und Simon Kananäus
und Judas Ischarioth, der ihn
dann verriet.
Jesus von den Seinen nicht verstanden
Und er kam nach Hause, und da
kam abermals das Volk zusammen, so daß sie nicht vermochten
zu essen.
Und da es die Seinen hörten,
gingen sie aus und wollten ihn halten; denn sie sprachen: Er ist
von Sinnen.
Jesu Macht über die bösen Geister
Die
Schriftgelehrten aber, die von Jerusalem herabgekommen waren,
sprachen: Er hat den Beelzebub
und treibt die bösen Geister aus durch ihren Obersten.
Und er rief sie zusammen und
sprach zu ihnen in Gleichnissen: Wie kann Satan den Satan
austreiben?
Wenn ein Reich mit sich selbst
uneins wird, kann es nicht bestehen.
Und wenn ein Haus mit sich
selbst uneins wird, kann es nicht bestehen.
Erhebt sich nun der Satan
wider sich selbst und ist mit sich selbst uneins, so kann er
nicht bestehen, sondern es ist aus mit ihm.
Es kann niemand einem Starken
in sein Haus dringen und seinen Hausrat rauben, es sei denn, daß
er zuvor den Starken binde und alsdann sein Haus beraube.
Die Sünde wider den Geist
Wahrlich, ich sage euch: Alle
Sünden werden vergeben den Menschenkindern, auch die
Lästerungen, so viel immer sie lästern;
wer aber den heiligen Geist
lästert, der hat keine Vergebung ewiglich, sondern ist
ewiger Sünde schuldig.
Denn sie sagten: Er hat einen
unsaubern Geist.
Jesu wahre Verwandte
Und es kamen seine Mutter und
seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und
ließen ihn rufen.
Und das Volk saß um ihn.
Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder
und deine Schwestern draußen fragen nach dir.
Und er antwortete ihnen und
sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder?
Und er sah rings um sich auf
die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist
meine Mutter und meine Brüder!
Wer Gottes willen tut, der ist
mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.
Vom Säemann. Sinn der Gleichnisse
Kapitel 4
Und er fing
abermals an, zu lehren am Meer. Und es versammelte sich sehr viel
Volks zu ihm, so daß er mußte in ein Schiff treten
und auf dem Wasser sitzen; und alles Volk stand auf dem Lande am
Meer.
Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen; und in seiner
Predigt sprach er zu ihnen:
Höret zu! Siehe, es ging ein Säemann aus, zu
säen.
Und es begab sich, indem er säte, fiel etliches an
den Weg; da kamen die Vögel und fraßen's auf.
Etliches fiel auf das Felsige, wo es nicht viel Erde
hatte, und ging bald auf, darum daß es nicht tiefe Erde
hatte.
Da nun die Sonne hochstieg, verwelkte es, und weil es
nicht Wurzel hatte, verdorrte es.
Und etliches fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen
empor und erstickten's, und es brachte keine Frucht.
Und etliches fiel auf gutes Land und ging auf und wuchs
und brachte Frucht und trug dreißigfältig und
sechzigfältig und hundertfältig.
Und er sprach: Wer Ohren hat, zu hören, der höre!
Und da er allein war, fragten ihn die um ihn waren,
samt den Zwölfen, über die Gleichnisse.
Und er sprach zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches
Gottes gegeben; denen aber draußen widerfährt es alles
durch Gleichnisse,
auf daß sie es mit sehenden Augen sehen und doch
nicht erkennen, und mit hörenden Ohren hören und doch
nicht verstehen, auf daß sie sich nicht etwa bekehren und
ihnen vergeben werde.
Und er sprach zu ihnen: Versteht ihr dies Gleichnis
nicht, wie wollt ihr dann die andern alle verstehen?
Der Säemann sät das Wort.
Das aber sind die an dem Wege: wo das Wort gesät
wird, und wenn sie es gehört haben, so kommt alsbald der
Satan und nimmt das Wort weg, das in sie gesät war.
Desgleichen die, bei denen auf das Felsige gesät ist:
wenn sie das Wort gehört haben, nehmen sie es bald mit
Freuden auf,
aber sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind
wetterwendisch; wenn sich Trübsal oder Verfolgung um des
Wortes willen erhebt, so nehmen sie alsbald Ärgernis.
Und andere sind die, bei denen unter die Dornen gesät
ist: die hören das Wort,
aber die Sorgen der Welt und der Betrug des Reichtums und
die Begierden nach allem anderen dringen ein und ersticken das
Wort, und es bleibt ohne Frucht.
Jene aber sind die, bei denen auf gutes Land gesät
ist: die hören da Wort und nehmen's an und bringen Frucht,
dreißigfältig und sechzigfältig und
hundertfältig.
Gleichnis vom Licht
Und er sprach zu
ihnen: Zündet man auch ein Licht an, daß man's unter
den Scheffel oder unter die Bank setze? Mitnichten, sondern daß
man's auf den Leuchter setze.
Denn es ist nichts verborgen, das nicht soll offenbar
werden, und ist nichts Heimliches, das nicht soll an den Tag
kommen.
Wer Ohren hat, zu hören, der höre!
Und er sprach zu ihnen: Sehet zu, was ihr höret!
Mit welcherlei Maß ihr messet, wird man euch wieder messen,
und man wird euch noch zugeben.
Denn wer da hat, dem wird gegeben werden; und wer nicht
hat, von dem wird man auch das nehmen, was er hat.
Die von selbst wachsende Saat
Und er sprach:
Das Reich Gottes ist so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land
wirft
und schläft und steht auf Nacht und Tag; und der Same
geht auf und wächst, ohne daß er's weiß.
Denn die Erde bringt von selbst Frucht, zuerst den Halm,
danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre.
Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er
alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.
Vom Senfkorn
Und er sprach:
Wem wollen wir das Reich Gottes vergleichen, und durch welches
Gleichnis wollen wir es abbilden?
Es ist wie ein Senfkorn: wenn es gesät wird aufs
Land, so ist's das kleinste unter allen Samen auf Erden;
und wenn es gesät ist, so geht es auf und wird größer
als alle Sträucher und treibt große Zweige, so daß
die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen
können.
Und durch viele solche Gleichnisse sagte er ihnen
das Wort so, wie sie es zu hören vermochten.
Und ohne Gleichnis redete er nicht zu ihnen; aber wenn sie
allein waren, legte er seinen Jüngern alles aus.
Stillung des Sturmes
Und an demselben
Tage des Abends sprach er zu ihnen: Laßt uns hinüberfahren.
Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit,
wie er im Schiff war, und es waren noch andere Schiffe bei ihm.
Und es erhob sich ein großer Windwirbel, und die
Wellen schlugen in das Schiff, so daß das Schiff schon voll
ward.
Und er war hinten auf dem Schiff und schlief auf dem
Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister,
fragst du nichts danach, daß wir verderben?
Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem
Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich, und es ward
eine große Stille.
Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Wie
habt ihr denn keinen Glauben?
Und sie fürchteten sich sehr und sprachen
untereinander: Wer ist der? Selbst Wind und Meer sind ihm
gehorsam!
Heilung des besessenen Geraseners
Kapitel 5
Und sie kamen ans
andere Ufer des Meeres in die Gegend der Gerasener.
Und als er aus dem Schiff trat, lief ihm alsbald von den
Gräbern entgegen ein Mensch mit einem unsaubern Geist,
der seine Wohnung in den Grabhöhlen hatte. Und
niemand konnte ihn mehr binden, auch nicht mit Ketten;
denn er war oft mit Fesseln und Ketten gebunden gewesen
und hatte die Ketten zerrissen und die Fesseln zerrieben; und
niemand konnte ihn bändigen.
Und er war allezeit, Tag und Nacht, in den Grabhöhlen
und auf den Bergen, schrie und schlug sich mit Steinen.
Da er aber Jesus sah von ferne, lief er hinzu und fiel vor
ihm nieder, schrie laut und sprach:
Was willst du von mir, o Jesu, du Sohn Gottes, des
Allerhöchsten? Ich beschwöre dich bei Gott, daß
du mich nicht quälest!
Denn er sprach zu ihm: Fahre aus, du unsauberer Geist, von
dem Menschen!
Und er fragte ihn: Wie heißest du? Und er
antwortete: Legion heiße ich; denn wir sind viele.
Und er bat Jesus sehr, daß er sie nicht aus der
Gegend triebe.
Es war aber daselbst am Berge eine große Herde Säue
auf der Weide.
Und die unsauberen Geister baten ihn und sprachen: Laß
uns in die Säue fahren!
Und er erlaubte es ihnen. Da fuhren die unsauberen Geister
aus und fuhren in die Säue, und die Herde stürzte sich
den Abhang hinunter ins Meer, ihrer waren aber bei zweitausend,
und ersoffen im Meer.
Und ihre Hirten flohen und verkündeten das in der
Stadt und auf dem Lande. Und sie gingen hinaus, zu sehen, was da
geschehen war,
und kamen zu Jesus und sahen den, der von den unsauberen
Geistern besessen gewesen war, wie er dasaß und war
bekleidet und vernünftig, und fürchteten sich.
Und die es gesehen hatten, sagten ihnen, was dem
Besessenen widerfahren war, und von den Säuen.
Und sie fingen an und baten ihn, daß er aus ihrer
Gegend zöge.
Und da er in das Schiff trat, bat ihn der Besessene, daß
er bei ihm bleiben dürfte.
Aber Jesus ließ es ihm nicht zu, sondern sprach zu
ihm: Gehe hin in dein Haus zu den Deinen und verkündige
ihnen, wie große Wohltat dir der Herr getan und sich deiner
erbarmt hat.
Und er ging hin und fing an, zu verkündigen in den
Zehn Städten, wie große Wohltat ihm Jesus getan hatte,
und jedermann verwunderte sich.
Des Jairus Tochter. Blutflüssige Frau
Und da Jesus wieder herübergefahren war im Schiff,
versammelte sich viel Volks zu ihm, und er war an dem Meer.
Da kam einer von
den Obersten der Synagoge, mit Namen Jairus. Und da er Jesus sah,
fiel er ihm zu Füßen
und bat ihn sehr und sprach: Meine Tochter liegt in den
letzten Zügen; du wollest kommen und deine Hände auf
sie legen, daß sie gesund werde und lebe.
Und er ging hin mit ihm; und es folgte ihm viel Volks
nach, und sie drängten ihn.
Und da war eine Frau, die hatte den Blutfluß
seit zwölf Jahren
und hatte viel erlitten von vielen Ärzten und hatte
all ihr Gut darauf verwendet, und es half ihr nichts, sondern
vielmehr ward es ärger mit ihr.
Da die von Jesus hörte, kam sie im Volk von hinten
herzu und rührte sein Kleid an.
Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur seine Kleider
könnte anrühren, so würde ich gesund.
Und alsbald versiegte die Quelle ihres Blutes, und sie
fühlte es am Leibe, daß sie von ihrer Plage geheilt
war.
Und Jesus fühlte alsbald an sich selbst, daß
eine Kraft von ihm ausgegangen war, und wandte sich um in der
Menge und sprach: Wer hat meine Kleider angerührt?
Und seine Jünger sprachen zu ihm: Du siehst, daß
dich das Volk drängt, und sprichst: Wer hat mich angerührt?
Und er sah sich um nach der, die das getan hatte.
Die Frau aber fürchtete sich und zitterte, denn sie
wußte, was an ihr geschehen war, kam und fiel vor ihm
nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.
Er sprach aber zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dich
gesund gemacht; gehe hin in Frieden und sei gesund von deiner
Plage!
Da er noch redete, kamen etliche aus dem Hause des
Obersten der Synagoge und sprachen: Deine Tochter ist gestorben;
was bemühest du weiter den Meister?
Jesus aber hörte mit an, was da gesagt ward, und
sprach zu dem Obersten: Fürchte dich nicht, glaube nur!
Und ließ niemand mitgehen als Petrus und Jakobus und
Johannes, den Bruder des Jakobus.
Und sie kamen in das Haus des Obersten, und er sah das
Getümmel und wie sie sehr weinten und heulten.
Und er ging hinein und sprach zu ihnen: Was lärmet
und weinet ihr? Das Kind ist nicht gestorben, sondern es schläft.
Und sie verlachten ihn.
Er aber trieb sie alle hinaus und nahm mit sich den Vater
des Kindes und die Mutter und die bei ihm waren, und ging hinein,
wo das Kind lag,
und ergriff das Kind bei der Hand und sprach zu ihr:
Talitha kumi! das ist verdolmetscht: Mägdlein, ich sage dir,
stehe auf!
Und alsbald stand das Mädchen auf und ging umher; es
war aber zwölf Jahre alt. Und sie entsetzten sich alsbald
über die Maßen.
Und er gebot ihnen hart, daß es niemand wissen
sollte, und sagte, sie sollten ihr zu essen geben.
Verwerfung in Nazareth
Kapitel 6
Und er ging aus
von dannen und kam in seine Vaterstadt, und seine Jünger
folgten ihm nach.
Und da der Sabbat kam, hob er an, zu lehren in der
Synagoge. Und die Menge, die zuhörte, verwunderte sich, und
sie sprachen: Woher kommt dem solches? Und was für Weisheit
ist es, die ihm gegeben ist? Und solche mächtigen Taten, die
durch seine Hände geschehen!
Ist er nicht der Zimmermann, Marias Sohn, und der Bruder
des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Sind nicht auch seine
Schwestern allhier bei uns? Und sie nahmen Ärgernis an ihm.
Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet gilt nirgend
weniger als in seinem Vaterland und bei seinen Verwandten und in
seinem Hause.
Und er konnte allda nicht eine einzige Tat tun; nur
wenigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie.
Und er verwunderte sich ihres Unglaubens. Und er ging
rings umher in die Dörfer und lehrte.
Aussendung der zwölf Jünger
Und er rief die
Zwölf zu sich und hob an und sandte sie je zwei und zwei und
gab ihnen Vollmacht über die unsaubern Geister
und gebot ihnen, daß sie nichts mitnähmen auf
den Weg als allein einen Stab, kein Brot, keine Tasche, kein Geld
im Gürtel,
wohl aber Schuhe an den Füßen, und daß
sie nicht zwei Röcke anzögen.
Und er sprach zu ihnen: Wo ihr in ein Haus gehen werdet,
da bleibet, bis ihr von dannen zieht.
Und wo man euch nicht aufnimmt noch hören will, aus
dem Ort gehet hinaus und schüttelt den Staub von euren Füßen
ihnen zum Zeugnis.
Und sie gingen aus und predigten, man sollte Buße
tun,
und trieben viele böse Geister aus und salbten viele
Kranke mit Öl und machten sie gesund.
Herodes und Jesus. Ende des Täufers
Und es kam vor
den König Herodes; denn der Name Jesu war nun bekannt. Und
die Leute sprachen: Johannes der Täufer ist von den Toten
auferstanden; darum tut er solche Taten.
Etliche aber sprachen: Er ist Elia; etliche aber: Er ist
ein Prophet wie einer der Propheten.
Da es aber Herodes hörte, sagte er: Johannes, den ich
enthauptet habe, der ist auferstanden.
Denn er, Herodes, hatte ausgesandt und Johannes gegriffen
und ins Gefängnis gelegt um der Herodias willen, der Frau
seines Bruders Philippus, denn er hatte sie zum Weib genommen.
Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Es ist nicht recht,
daß du deines Bruders Frau hast.
Herodias aber stellte ihm nach und wollte ihn töten
und konnte nicht.
Denn Herodes fürchtete den Johannes, weil er wußte,
daß er ein frommer und heiliger Mann war, und verwahrte
ihn; und wenn er ihn gehört hatte, ward er sehr unruhig; und
doch hörte er ihn gerne.
Und es kam ein gelegener Tag, da Herodes an seinem
Geburtstag ein Mahl gab seinen Großen und den Obersten und
den Vornehmsten in Galiläa.
Da trat herein die Tochter der Herodias und tanzte und
gefiel wohl dem Herodes und denen, die am Tisch saßen. Da
sprach der König zu dem Mädchen: Bitte von mir, was du
willst, ich will dir's geben.
Und er schwur ihr einen Eid: Was du wirst von mir bitten,
will ich dir geben, bis an die Hälfte meines Königreichs.
Und sie ging hinaus und sprach zu ihrer Mutter: Was soll
ich bitten? Die sprach: Das Haupt Johannes des Täufers.
Und sie ging alsbald hinein mit Eile zum König, bat
und sprach: Ich will, daß du mir gebest jetzt zur Stunde
auf einer Schüssel das Haupt Johannes des Täufers.
Und der König ward sehr betrübt; doch um des
Eides willen und derer, die am Tische saßen, wollte er sie
nicht lassen eine Fehlbitte tun.
Und alsbald schickte der König den Henker hin und
hieß sein Haupt herbringen. Der ging hin und enthauptete
ihn im Gefängnis
und trug her sein Haupt auf einer Schüssel und gab's
dem Mädchen, und das Mädchen gab's seiner Mutter.
Und da das seine Jünger hörten, kamen sie und
nahmen seinen Leib und legten ihn in ein Grab.
Speisung der Fünftausend
Und die Apostel
kamen bei Jesus zusammen und verkündeten ihm alles, was sie
getan und gelehrt hatten.
Und er sprach zu ihnen: Geht ihr allein an eine einsame
Stätte und ruhet ein wenig. Denn ihrer waren viele, die ab
und zu gingen; und sie hatten nicht Zeit genug, zu essen.
Und sie fuhren in einem Schiff an eine einsame Stätte
für sich allein.
Und das Volk sah sie wegfahren, und viele merkten es und
liefen dahin miteinander zu Fuß aus allen Städten und
kamen ihnen zuvor.
Und Jesus stieg aus und sah das große Volk; und es
jammerte ihn derselben, denn sie waren wie Schafe, die keinen
Hirten haben. Und er fing an eine lange Predigt.
Da nun der Tag fast dahin war, traten seine Jünger
zu ihm und sprachen: Es ist öde hier, und der Tag ist bald
dahin;
laß sie von dir, daß sie hingehen umher in die
Höfe und Dörfer und kaufen sich Brot.
Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu
essen! Und sie sprachen zu ihm: Sollen wir denn hingehen und für
zweihundert Silbergroschen Brot kaufen und ihnen zu essen geben?
Er aber sprach zu ihnen: Wieviel Brote habt ihr? Gehet hin
und sehet! Und da sie es erkundet hatten, sprachen sie: Fünf
und zwei Fische.
Und er gebot ihnen, daß sie sich alle lagerten
tischweise auf das grüne Gras.
Und sie setzten sich in Gruppen zu hundert und zu fünfzig.
Und er nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah
auf gen Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den
Jüngern, daß sie ihnen vorlegten, und die zwei Fische
teilte er unter sie alle.
Und sie aßen alle und wurden satt.
Und sie hoben auf die Brocken, zwölf Körbe voll,
und von den Fischen.
Und die da die Brote gegessen hatten, waren fünftausend
Mann.
Jesus wandelt auf dem Meer
Und alsbald trieb
er seine Jünger, daß sie in das Schiff träten und
vor ihm hinüberführen nach Bethsaida, bis daß er
das Volk von sich ließe.
Und da er sie von sich gelassen hatte, ging er hin auf
einen Berg, zu beten.
Und am Abend war das Schiff mitten auf dem Meer und er auf
dem Lande allein.
Und er sah, daß sie Not litten beim Rudern, denn der
Wind war ihnen entgegen. Und um die vierte Nachtwache kam er zu
ihnen und wandelte auf dem Meer
und wollte an ihnen vorübergehen. Und da sie ihn
sahen auf dem Meer wandeln, meinten sie, es wäre ein
Gespenst, und schrien;
denn sie sahen ihn alle und erschraken. Aber alsbald
redete er mit ihnen und sprach zu ihnen: Seid getrost, ich bin's;
fürchtet euch nicht!
und trat zu ihnen ins Schiff, und der Wind legte sich. Und
sie entsetzten sich über die Maßen;
denn sie waren um nichts verständiger geworden über
den Broten, sondern ihr Herz war verhärtet.
Und da sie hinübergefahren waren, kamen sie
ans Land nach Genezareth und legten an.
Und da sie aus dem Schiff traten, erkannten die Leute ihn
alsbald
und liefen im ganzen Land umher und hoben an, die Kranken
umherzutragen auf Betten, wo sie hörten, daß er war.
Und wo er in Dörfer, Städte und Höfe
hineinging, da legten sie die Kranken auf den Markt und baten
ihn, daß sie auch nur den Saum seines Kleides anrühren
dürften; und alle, die ihn anrührten, wurden gesund.
Menschensatzungen und Gottes Gebot
Kapitel 7
Und es
versammelten sich bei ihm die Pharisäer und etliche von den
Schriftgelehrten, die von Jerusalem gekommen waren.
Und sie sahen etliche seiner Jünger mit unreinen
Händen, das heißt: ohne Waschung der Hände, ihr
Brot essen.
Denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, sie
waschen denn die Hände mit einer Handvoll Wasser und halten
so die Satzungen der Ältesten;
und wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, sie
waschen sich denn. Und es sind viele andre Dinge, die sie zu
halten angenommen haben, wie: Trinkgefäße und Krüge
und Kessel zu waschen.
Da fragten ihn die Pharisäer und Schriftgelehrten:
Warum wandeln deine Jünger nicht nach den Satzungen der
Ältesten, sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen?
Er aber sprach zu ihnen: Gar fein hat von euch Heuchlern
Jesaja geweissagt, wie geschrieben steht (Jesaja
29,13): «Dies Volk ehrt
mich mit den Lippen; aber ihr Herz ist ferne von mir.
Vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren,
die nichts als Menschengebote sind.»
Ihr verlasset Gottes Gebot und haltet der Menschen
Satzungen.
Und er sprach zu ihnen: Gar fein hebt ihr Gottes Gebot
auf, auf daß ihr eure Satzungen haltet.
Denn Mose hat gesagt (2. Mose 20,12;
21,17): «Du sollst
deinen Vater und deine Mutter ehren», und: «Wer Vater
oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben.»
Ihr aber sagt: Wenn einer spricht zu Vater oder Mutter:
Korban, das heißt Opfergabe, soll sein, was dir sollte von
mir zukommen,
so laßt ihr ihn hinfort nichts tun für seinen
Vater oder seine Mutter
und hebt so Gottes Wort auf durch eure Satzungen, die ihr
aufgestellt habt; und dergleichen tut ihr viel.
Und er rief das Volk wieder zu sich und sprach zu
ihnen: Höret mir alle zu und fasset es!
Es ist nichts, was von außen in den Menschen
hineingeht, das ihn könnte unrein machen; sondern was aus
dem Menschen herauskommt, das ist's, was den Menschen unrein
macht.
<Hat jemand Ohren, zu hören, der höre.>
Und da er von dem Volk ins Haus kam, fragten ihn seine
Jünger über dies Gleichnis.
Und er sprach zu ihnen: Seid ihr denn auch so
unverständig? Merket ihr nicht, daß alles, was von
außen in den Menschen hineingeht, ihn nicht unrein machen
kann?
Denn es geht nicht in sein Herz, sondern in den Bauch, und
geht aus durch den natürlichen Gang. So erklärte er
alle Speisen für rein.
Er sagte aber: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht
den Menschen unrein;
denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die
bösen Gedanken, Unzucht, Dieberei, Mord,
Ehebruch, Habsucht, Bosheit, List, Schwelgerei, Mißgunst,
Lästerung, Hoffart, Unvernunft.
All diese bösen Dinge kommen von innen heraus und
machen den Menschen unrein.
Das kanaanäische Weib
Und er stand auf
und ging von dannen in die Gegend von Tyrus und ging in ein Haus
und wollte es niemand wissen lassen und konnte doch nicht
verborgen bleiben.
Sondern alsbald hörte eine Frau von ihm, deren
Töchterlein einen unsaubern Geist hatte, und sie kam und
fiel nieder zu seinen Füßen;
es war aber eine griechische Frau aus Syrophönizien,
und sie bat ihn, daß er den bösen Geist von ihrer
Tochter austriebe.
Jesus aber sprach zu ihr: Laß zuvor die Kinder satt
werden; es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brot
nehme und werfe es vor die Hunde.
Sie antwortete aber und sprach zu ihm: Ja, Herr; aber doch
essen die Hunde unter dem Tisch von den Brosamen der Kinder.
Und er sprach zu ihr: Um dieses Wortes willen gehe hin;
der böse Geist ist von deiner Tochter ausgefahren.
Und sie ging hin in ihr Haus und fand das Kind auf dem
Bette liegen, und der böse Geist war ausgefahren.
Heilung eines Taubstummen
Und da er wieder
fortging aus der Gegend von Tyrus, kam er durch Sidon an das
Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte.
Und sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und
sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte.
Und er nahm ihn von dem Volk besonders und legte ihm die
Finger in die Ohren und berührte mit Speichel seine Zunge
und sah auf gen Himmel, seufzte und sprach zu ihm:
Hephatha! das ist: Tu dich auf!
Und alsbald taten sich seine Ohren auf, und das Band
seiner Zunge ward los, und er redete recht.
Und er gebot ihnen, sie sollten's niemand sagen. Je mehr
er aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus.
Und sie wunderten sich über die Maßen und
sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hören
und Sprachlose reden.
Speisung der Viertausend
Kapitel 8
Zu der Zeit, da
wieder viel Volks da war und sie nichts zu essen hatten, rief
Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen:
Mich jammert des Volks, denn sie haben nun schon drei Tage
bei mir ausgeharrt und haben nichts zu essen.
Und wenn ich sie ohne Speise ließe heimgehen, würden
sie auf dem Wege verschmachten; denn etliche sind von ferne
gekommen.
Seine Jünger antworteten ihm: Wie kann sie jemand
hier in der Wüste mit Brot sättigen?
Und er fragte sie: Wieviel Brote habt ihr? Sie sprachen:
Sieben.
Und er gebot dem Volk, daß sie sich auf die Erde
lagerten. Und er nahm die sieben Brote, dankte und brach sie und
gab sie seinen Jüngern, daß sie sie vorlegten, und sie
legten dem Volk vor.
Und sie hatten etliche Fischlein, und er dankte und hieß
diese auch vorlegen.
Sie aßen aber und wurden satt und hoben die übrigen
Brocken auf, sieben Körbe.
Und ihrer waren bei viertausend; und er ließ sie von
sich.
Zeichenforderung der Pharisäer
Und alsbald trat
er in das Schiff mit seinen Jüngern und kam in die Gegend
von Dalmanutha.
Und die Pharisäer kamen heraus und fingen an, mit ihm
zu streiten, versuchten ihn und begehrten von ihm ein Zeichen vom
Himmel.
Und er seufzte in seinem Geist und sprach: Was sucht doch
dies Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch: Es wird
diesem Geschlecht kein Zeichen gegeben werden.
Und er ließ sie und trat wiederum in das Schiff und
fuhr hinüber.
Warnung vor den Pharisäern und vor Herodes
Und sie hatten vergessen, Brot mit sich zu nehmen, und
hatten nicht mehr mit sich im Schiff als ein Brot.
Und er gebot ihnen und sprach: Schauet zu und sehet euch
vor vor dem Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig
des Herodes.
Und sie dachten hin und her und sprachen untereinander:
Das ist's, daß wir nicht Brot haben.
Und Jesus merkte das und sprach zu ihnen: Was bekümmert
ihr euch doch, daß ihr nicht Brot habt? Verstehet ihr noch
nicht und begreifet ihr nicht? Habt ihr denn ein verhärtetes
Herz in euch?
Ihr habt Augen, und sehet nicht? habt Ohren, und höret
nicht? Und denkt ihr nicht daran:
als ich die fünf Brote brach unter die fünftausend,
wieviel Körbe voll Brocken hobt ihr da auf? Sie sprachen:
Zwölf.
Als ich die sieben brach unter die viertausend, wieviel
Körbe voll Brocken hobt ihr da auf? Sie sprachen: Sieben.
Und er sprach zu ihnen: Begreifet ihr denn noch nicht?
Heilung eines Blinden
Und sie kamen
nach Bethsaida. Und sie brachten zu ihm einen Blinden und baten
ihn, daß er ihn anrührte.
Und er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn
hinaus vor das Dorf und tat Speichel auf seine Augen und legte
seine Hände auf ihn und fragte ihn: Siehest du etwas?
Und er sah auf und sprach: Ich sehe die Menschen
umhergehen, als sähe ich Bäume.
Danach legte er abermals die Hände auf seine Augen.
Da sah er deutlich und ward wieder zurechtgebracht und konnte
alles scharf sehen.
Und er schickte ihn heim und sprach: Gehe nicht hinein in
das Dorf.
Das Bekenntnis des Petrus
Und Jesus ging
fort mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea
Philippi. Und auf dem Wege fragte er seine Jünger und sprach
zu ihnen: Wer sagen die Leute, daß ich sei?
Sie antworteten: Sie sagen, du seiest Johannes der Täufer;
etliche sagen, du seiest Elia; etliche, du seiest der Propheten
einer.
Und er sprach zu ihnen: Ihr aber, wer saget ihr, daß
ich sei? Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Du bist der
Christus!
Und er bedrohte sie, daß
sie niemand von ihm sagen sollten.
Erste Leidensankündigung
Und er hob an, sie zu lehren:
Des Menschen Sohn muß viel leiden und verworfen werden von
den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und
getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.
Und er redete davon frei und
offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren.
Er aber wandte sich um und sah
seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Hebe dich,
Satan, von mir! denn du meinst nicht, was göttlich, sondern
was menschlich ist.
Und er rief zu sich das
Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir
will nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz
auf sich und folge mir nach.
Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's
verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des
Evangeliums willen, der wird's erhalten.
Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze
Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden?
Denn was kann der Mensch geben, damit er seine Seele
löse?
Wer sich aber mein und meiner
Worte schämt unter diesem abtrünnigen und sündigen
Geschlecht, dessen wird sich auch des Menschen Sohn schämen,
wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den
heiligen Engeln.
Kapitel 9
Und er sprach zu ihnen:
Wahrlich, ich sage euch: Es stehen etliche hier, die werden den
Tod nicht schmecken, bis daß sie sehen das Reich Gottes
kommen mit Kraft.
Verklärung Jesu
Und nach sechs Tagen nahm
Jesus zu sich Petrus, Jakobus und Johannes und führte sie
auf einen hohen Berg, nur sie allein, und ward vor ihnen
verklärt.
Und seine Kleider wurden ganz
leuchtend weiß, wie sie kein Bleicher auf Erden so weiß
machen kann.
Und es erschien ihnen Elia mit
Mose, und sie redeten mit Jesus.
Und Petrus fing an und sprach
zu Jesus: Rabbi, hier ist für uns gut sein. Und wir wollen
drei Hütten machen, dir eine, Mose eine und Elia eine.
Er wußte aber nicht, was
er redete; denn sie waren bestürzt.
Und es kam eine Wolke, die
überschattete sie. Und eine Stimme geschah aus der Wolke und
sprach: Das ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hören!
Und auf einmal, als sie um
sich blickten, sahen sie niemand mehr bei sich als Jesus allein.
Da sie aber vom Berge
herabgingen, gebot ihnen Jesus, daß sie niemand sagen
sollten, was sie gesehen hatten, bis des Menschen Sohn
auferstünde von den Toten.
Und sie behielten das Wort und
befragten sich untereinander: Was mag das heißen:
auferstehen von den Toten?
Und sie fragten ihn und
sprachen: Die Schriftgelehrten sagen doch, daß zuvor Elia
kommen muß.
Er aber sprach zu ihnen: Ja,
zuvor kommt Elia und bringt alles wieder zurecht. Und wie steht
geschrieben von des Menschen Sohn, daß er viel leiden soll
und verachtet werden?
Aber ich sage euch: Elia ist
schon gekommen, und sie haben an ihm getan, was sie wollten, wie
von ihm geschrieben steht.
Heilung des fallsüchtigen Knaben
Und sie kamen zu den Jüngern
und sahen viel Volks um sie und Schriftgelehrte, die sich mit
ihnen stritten.
Und alsbald, da alles Volk ihn
sah, entsetzten sie sich, liefen herzu und grüßten
ihn.
Und er fragte sie: Was
streitet ihr euch mit ihnen?
Einer aber aus dem Volk
antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der
hat einen sprachlosen Geist.
Und wo er ihn erwischt, so
reißt er ihn; und er schäumt und knirscht mit den
Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern
geredet, daß sie ihn austrieben, und sie konnten es nicht.
Er antwortete ihnen aber und
sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei
euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringet ihn her zu
mir!
Und sie brachten ihn her zu
ihm. Und alsbald, da ihn der Geist sah, riß er ihn. Und er
fiel auf die Erde und wälzte sich und schäumte.
Und Jesus fragte den Vater:
Wie lange ist's, daß ihm das widerfährt? Er sprach:
Von Kind auf.
Und oft hat er ihn ins Feuer
und ins Wasser geworfen, daß er ihn umbrächte. Kannst
du aber was, so erbarme dich unser und hilf uns!
Jesus aber sprach zu ihm: Wie
sprichst du: Kannst du was? Alle Dinge sind möglich dem,
der da glaubt.
Alsbald schrie des Kindes
Vater und sprach: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!
Da nun Jesus sah, daß
das Volk herzulief, bedrohte er den unsaubern Geist und sprach zu
ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir, daß
du von ihm ausfahrest und fahrest hinfort nicht in ihn!
Da schrie er und riß ihn
sehr und fuhr aus. Und der Knabe ward, als wäre er tot, so
daß die Menge sagte: Er ist tot.
Jesus aber ergriff ihn bei der
Hand und richtete ihn auf, und er stand auf.
Und da er heimkam, fragten ihn
seine Jünger allein: Warum konnten wir ihn nicht austreiben?
Und er sprach: Diese Art kann
durch nichts ausfahren als durch Beten und Fasten.
Zweite Leidensankündigung
Und sie gingen von da hinweg
und zogen durch Galiläa; und er wollte nicht, daß es
jemand wissen sollte.
Denn er lehrte seine Jünger
und sprach zu ihnen: Des Menschen Sohn wird überantwortet
werden in der Menschen Hände, und sie werden ihn töten;
und wenn er getötet ist, so wird er nach drei Tagen
auferstehen.
Sie aber verstanden das Wort
nicht und fürchteten sich, ihn zu fragen.
Wider Ehrgeiz und Unduldsamkeit
Und sie kamen nach Kapernaum.
Und da er daheim war, fragte er sie: Was habt ihr miteinander auf
dem Weg verhandelt?
Sie aber schwiegen; denn sie
hatten miteinander auf dem Weg verhandelt, welcher der Größte
wäre.
Und er setzte sich und rief
die Zwölf und sprach zu ihnen: So jemand will der Erste
sein, der soll der Letzte sein von allen und aller Diener.
Und er nahm ein Kind und
stellte es mitten unter sie und herzte es und sprach zu ihnen:
Wer ein solches Kind aufnimmt
in meinem Namen, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der
nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.
Johannes sprach zu ihm:
Meister, wir sahen einen, der trieb böse Geister in deinem
Namen aus, aber er folgt uns nicht nach; und wir verboten's ihm,
weil er uns nicht nachfolgt.
Jesus aber sprach: Ihr sollt's
ihm nicht verbieten. Denn niemand, der ein Wunder tut in meinem
Namen, kann bald übel von mir reden.
Wer nicht wider uns ist, der
ist für uns.*
*Andere
Überlieferung: «Wer nicht wider euch ist, der ist für
euch.»
Denn wer euch tränkt
mit einem Becher Wasser in meinem Namen, weil ihr Christus
angehört, wahrlich, ich sage euch: Es wird ihm nicht
unvergolten bleiben.
Warnung vor Ärgernissen
Und wer einem dieser Kleinen,
die an mich glauben, Ärgernis gibt, dem wäre es besser,
daß ihm ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und
er ins Meer geworfen würde.
Wenn aber deine Hand dir
Ärgernis schafft, so haue sie ab! Es ist dir besser, daß
du als ein Krüppel zum Leben eingehest, als daß du
zwei Hände habest und fahrest in die Hölle, in das
ewige Feuer,
<wo ihr Wurm nicht stirbt
und ihr Feuer nicht verlöscht>.
Wenn dir dein Fuß
Ärgernis schafft, so haue ihn ab! Es ist besser, daß
du lahm zum Leben eingehest, als daß du zwei Füße
habest und werdest in die Hölle geworfen,
<wo ihr Wurm nicht stirbt
und ihr Feuer nicht verlöscht>.
Wenn dir dein Auge Ärgernis
schafft, so wirf's von dir! Es ist besser, daß du einäugig
in das Reich Gottes gehest, als daß du zwei Augen habest
und werdest in die Hölle geworfen,
wo ihr Wurm nicht stirbt und
ihr Feuer nicht verlöscht.
Es muß ein
jeglicher mit Feuer gesalzen werden; <denn jedes Opfer wird
mit Salz gesalzen>.
Das Salz ist gut; wenn aber
das Salz kraftlos wird, womit wird man's würzen? Habt Salz
bei euch und habt Frieden untereinander!
Über Ehe und Ehescheidung
Kapitel 10
Und er machte
sich auf von dannen und kam in die Gegend von Judäa und
jenseits des Jordan. Und das Volk lief abermals in Haufen zu ihm,
und wie seine Gewohnheit war, lehrte er sie abermals.
Und es traten Pharisäer zu ihm und fragten ihn, ob
ein Mann sich scheiden dürfe von seiner Frau, und versuchten
ihn damit.
Er antwortete aber und sprach: Was hat euch Mose geboten?
Sie sprachen: Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu
schreiben und sich zu scheiden.
Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Herzens Härtigkeit
willen hat er euch dies Gebot geschrieben;
aber von Anbeginn der Schöpfung hat Gott sie
geschaffen als Mann und Weib.
Darum wird der Mensch seinen Vater und seine Mutter
verlassen <und wird seinem Weibe anhangen>
und werden die zwei ein Fleisch sein. So sind sie
nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch.
Was denn Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch
nicht scheiden.
Und daheim fragten ihn
abermals seine Jünger danach.
Und er sprach zu ihnen: Wer
sich scheidet von seiner Frau und freit eine andere, der begeht
Ehebruch an ihr;
und so sich eine Frau scheidet
von ihrem Manne und freit einen andern, die begeht Ehebruch.
Jesus segnet die Kinder
Und sie brachten Kinder zu
ihm, daß er sie anrührte. Die Jünger aber fuhren
die an, <die sie trugen>.
Da es aber Jesus sah, ward er
unwillig und sprach zu ihnen: Lasset die Kinder zu mir kommen
und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes.
Wahrlich, ich sage euch: Wer
das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht
hineinkommen.
Und er herzte sie und legte
die Hände auf sie und segnete sie.
Der reiche Jüngling
Und da er hinausging auf den
Weg, lief einer herzu, kniete vor ihm nieder und fragte ihn:
Guter Meister, was soll ich tun, daß ich das ewige Leben
ererbe?
Aber Jesus sprach zu ihm: Was
heißest du mich gut? Niemand ist gut als allein Gott.
Du weißt die Gebote: «Du
sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst
nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst
niemand berauben; ehre Vater und Mutter.»
Er aber sprach zu ihm:
Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf.
Und Jesus sah ihn an und
liebte ihn und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Gehe hin, verkaufe
alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz
im Himmel haben, und komm, folge mir nach <und nimm das Kreuz
auf dich>.
Er aber ward unmutig über
das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter.
Und Jesus sah um sich und
sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in
das Reich Gottes kommen!
Die Jünger aber
entsetzten sich über seine Worte. Aber Jesus antwortete
wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist's <für
die, so ihr Vertrauen auf Reichtum setzen>, ins Reich Gottes
zu kommen!
Es ist leichter, daß ein
Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher ins
Reich Gottes komme.
Sie entsetzten sich aber noch
viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann dann selig werden?
Jesus aber sah sie an und
sprach: Bei den Menschen ist's unmöglich, aber nicht bei
Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.
Vom Lohn der Nachfolge
Da fing Petrus an und sagte zu
ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.
Jesus sprach: Wahrlich, ich
sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder
Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker
verläßt um meinetwillen und um des Evangeliums willen,
der nicht hundertfältig
empfange jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und
Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mitten unter
Verfolgungen, und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.
Viele aber werden die Letzten
sein, die die Ersten sind, und die Ersten sein, die die Letzten
sind.
Dritte Leidensankündigung
Sie waren aber auf dem Wege
hinauf nach Jerusalem; und Jesus ging ihnen voran, und sie
entsetzten sich; die ihm aber nachfolgten, fürchteten sich.
Und er nahm abermals zu sich die Zwölf und hob an, ihnen zu
sagen, was ihm widerfahren würde:
Siehe, wir gehen hinauf nach
Jerusalem, und des Menschen Sohn wird überantwortet werden
den Hohenpriestern und Schriftgelehrten, und sie werden ihn
verdammen zum Tode und überantworten den Heiden.
Die werden ihn verspotten und
verspeien und geißeln und töten, und nach drei Tagen
wird er auferstehen.
Die Söhne des Zebedäus
Da gingen zu ihm Jakobus und
Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen:
Meister, wir wollen, daß du uns tuest, was wir dich bitten
werden.
Er sprach zu ihnen: Was wollt
ihr, daß ich euch tue?
Sie sprachen zu ihm: Gib uns,
daß wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner
Linken in deiner Herrlichkeit.
Jesus aber sprach zu ihnen:
Ihr wisset nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch
trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe,
mit der ich getauft werde?
Sie sprachen zu ihm: Ja, das
können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den
Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe,
mit der ich getauft werde;
zu sitzen aber zu meiner
Rechten und zu meiner Linken, steht mir nicht zu, euch zu geben,
sondern welchen es bereitet ist.
Und da das die Zehn hörten,
wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes.
Da rief Jesus sie zu sich und
sprach zu ihnen: Ihr wisset, daß die weltlichen Fürsten
ihre Völker niederhalten, und ihre Mächtigen tun ihnen
Gewalt.
Aber so soll es nicht sein
unter euch; sondern wer groß sein will unter euch, der sei
euer Diener;
und wer unter euch will der
Erste sein, der sei aller Knecht.
Denn auch des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß
er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein
Leben zu einer Erlösung für viele.
Der Blinde von Jericho
Und sie kamen nach Jericho.
Und da er aus Jericho wegging, er und seine Jünger und eine
große Menge, da saß ein Blinder; Bartimäus, des
Timäus Sohn, am Wege und bettelte.
Und als er hörte, daß
es Jesus von Nazareth war, fing er an zu schreien und zu sagen:
Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich mein!
Und viele bedrohten ihn, er
sollte stillschweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn
Davids, erbarme dich mein!
Und Jesus stand still und
sprach: Rufet ihn her! Und sie riefen den Blinden und sprachen zu
ihm: Sei getrost, stehe auf! Er ruft dich!
Und er warf seinen Mantel von
sich, sprang auf und kam zu Jesus.
Und Jesus antwortete und
sprach zu ihm: Was willst du, daß ich dir tun soll? Der
Blinde sprach zu ihm: Rabbuni, daß ich wieder sehen kann.
Jesus aber sprach zu ihm: Gehe
hin, dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald konnte er wieder
sehen und folgte ihm nach auf dem Wege.
Einzug in Jerusalem
Kapitel 11
Und da sie nahe an Jerusalem
kamen nach Bethphage und Bethanien an den Ölberg, sandte er
seiner Jünger zwei
und sprach zu ihnen: Gehet hin
in das Dorf, das vor euch liegt. Und alsbald, wenn ihr
hineinkommt, werdet ihr finden ein Füllen angebunden, auf
welchem noch nie ein Mensch gesessen hat; bindet es los und
führet es her!
Und wenn jemand zu euch sagen
wird: Was tut ihr da? so sprecht: Der Herr bedarf sein und sendet
es gleich wieder her.
Und sie gingen hin und fanden
das Füllen, gebunden an eine Tür außen an der
Straße, und banden es los.
Und etliche, die da standen,
sprachen zu ihnen: Was macht ihr, daß ihr das Füllen
losbindet?
Sie sagten aber zu ihnen, wie
ihnen Jesus geboten hatte, und die ließen's zu.
Und sie führten das
Füllen zu Jesus und legten ihre Kleider darauf, und er
setzte sich darauf.
Viele aber breiteten ihre
Kleider auf den Weg, andere aber grüne Zweige, die sie auf
den Feldern abgehauen hatten.
Und die vorangingen und die
nachfolgten, schrien und sprachen: Hosianna! Gelobt sei, der
da kommt in dem Namen des Herrn!
Gelobt sei das Reich unsers
Vaters David, das da kommt! Hosianna in der Höhe!
Und er ging hinein nach
Jerusalem und in den Tempel, und er besah ringsum alles, und am
Abend ging er hinaus nach Bethanien mit den Zwölfen.
Der verdorrte Feigenbaum.
Reinigung des Tempels
Und des andern Tages, da sie
aus Bethanien gingen, hungerte ihn.
Und er sah einen Feigenbaum
von ferne, der Blätter hatte; da trat er hinzu, ob er etwas
darauf fände. Und da er hinzukam, fand er nichts als nur
Blätter; denn es war nicht die Zeit für Feigen.
Und Jesus hob an und sprach zu
ihm: Nun esse von dir niemand mehr eine Frucht ewiglich! Und
seine Jünger hörten das.
Und sie kamen nach
Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel und fing an auszutreiben
die Verkäufer und Käufer im Tempel; und die Tische der
Wechsler und die Stühle der Taubenkrämer stieß er
um
und er ließ nicht zu,
daß jemand etwas durch den Tempel trüge.
Und er lehrte und sprach zu
ihnen: Steht nicht geschrieben (Jesaja
56,7): «Mein Haus soll
heißen ein Bethaus allen Völkern»? Ihr aber habt
eine Räuberhöhle daraus gemacht.
Und es kam vor die
Hohenpriester und Schriftgelehrten, und sie trachteten, wie sie
ihn umbrächten. Denn sie fürchteten sich vor ihm; denn
alles Volk war erschrocken über seine Lehre.
Und des Abends gingen sie
hinaus aus der Stadt.
Und als sie am Morgen
an dem Feigenbaum vorübergingen, sahen sie, daß er
verdorrt war bis auf die Wurzel.
Und Petrus dachte daran und sprach zu ihm: Rabbi,
siehe, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt.
Und Jesus antwortete und
sprach zu ihnen: Habt Glauben an Gott!
Wahrlich, ich sage euch: Wer
zu diesem Berge spräche: Hebe dich und wirf dich ins Meer!
und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, daß
es geschehen würde, was er sagt, so wird's ihm geschehen.
Darum sage ich euch: Alles,
was ihr bittet in eurem Gebet, glaubet nur, daß ihr's
empfangt, so wird's euch werden.
Und wenn ihr stehet und betet,
so vergebet, wenn ihr etwas wider jemand habt, auf daß auch
euer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen.
<Wenn ihr aber nicht
vergebet, so wird euer Vater, der im Himmel ist, eure
Übertretungen auch nicht vergeben.>
Die Frage nach Jesu Vollmacht
Und sie kamen abermals nach
Jerusalem. Und da er im Tempel wandelte, kamen zu ihm die
Hohenpriester und Schriftgelehrten und Ältesten
und sprachen zu ihm: Aus was
für Vollmacht tust du das? oder wer hat dir diese Vollmacht
gegeben, daß du solches tust?
Jesus aber sprach zu ihnen:
Ich will euch ein Wort fragen; antwortet mir, so will ich
euch sagen, aus was für Vollmacht ich das tue.
Die Taufe des Johannes, war
sie vom Himmel oder von Menschen? Antwortet mir!
Und sie bedachten's bei sich
selbst und sprachen: Sagen wir, sie war vom Himmel, so wird er
sagen: Warum habt ihr ihm denn nicht geglaubt?
Oder sollen wird sagen, sie
war von Menschen? - da fürchteten sie sich vor dem Volk.
Denn sie hielten alle dafür, daß Johannes wirklich ein
Prophet war.
Und sie antworteten und
sprachen zu Jesus: Wir wissen's nicht. Und Jesus sprach zu ihnen:
So sage ich euch auch nicht, aus was für Vollmacht ich
solches tue.
Die bösen Weingärtner
Kapitel 12
Und er fing an, zu ihnen in
Gleichnissen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und
führte einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen
Turm und gab ihn an Weingärtner in Pacht und zog außer
Landes.
Und er sandte einen Knecht, da
die Zeit kam, zu den Weingärtnern, daß er von den
Weingärtnern nähme von den Früchten des Weinbergs.
Sie nahmen ihn aber und
schlugen ihn und ließen ihn leer von sich.
Abermals sandte er zu ihnen
einen andern Knecht; dem zerschlugen sie den Kopf und schmähten
ihn.
Abermals sandte er einen
andern; den töteten sie. Und viele andere; etliche schlugen
sie, etliche töteten sie.
Da hatte er noch Einen, den
geliebten Sohn; den sandte er zuletzt auch zu ihnen und sprach:
Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.
Aber die Weingärtner sprachen untereinander: Dies ist
der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten, so wird das Erbe
unser sein!
Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn
hinaus vor den Weinberg.
Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen
und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben.
Habt ihr nicht gelesen in der Schrift (Psalm
118,22.23): «Der Stein,
den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden.
Von dem Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor
unsern Augen»?
Und sie trachteten danach, wie sie ihn griffen, und
fürchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, daß
er auf sie dies Gleichnis geredet hatte. Und sie ließen ihn
und gingen davon.
Der Zinsgroschen
Und sie sandten
zu ihm etliche von den Pharisäern und des Herodes Leuten,
daß sie ihn fingen in seinen Worten.
Und sie kamen und sprachen zu ihm: Meister, wir wissen,
daß du wahrhaftig bist und fragst nach niemand; denn du
achtest nicht das Ansehen der Menschen, sondern du lehrest den
Weg Gottes recht. Ist's recht, daß man dem Kaiser Steuer
zahle, oder nicht? Sollen wir sie geben oder nicht geben?
Er aber merkte ihre Heuchelei und sprach zu ihnen: Was
versuchet ihr mich? Bringt mir einen Groschen, daß ich ihn
sehe!
Und sie brachten einen. Da sprach er: Wes ist das Bild und
die Aufschrift? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers.
Da sprach Jesus zu ihnen: So gebet dem Kaiser, was des
Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Und sie verwunderten sich
über ihn.
Die Auferstehung der Toten
Da traten die
Sadduzäer zu ihm, die dafür halten, es gebe keine
Auferstehung; die fragten ihn und sprachen:
Meister, Mose hat uns geschrieben (5.
Mose 25,5.6): «Wenn
jemandes Bruder stirbt und hinterläßt eine Frau und
hat keine Kinder, so soll sein Bruder die Frau nehmen und seinem
Bruder Nachkommen erwecken.»
Nun waren sieben Brüder. Der erste nahm eine Frau;
der starb und hinterließ keine Kinder.
Und der zweite nahm sie und starb und hinterließ
auch keine Kinder. Der dritte desgleichen.
Und alle sieben hinterließen keine Kinder. Zuletzt
nach allen starb die Frau auch.
Nun in der Auferstehung, wenn sie auferstehen, wessen Frau
wird sie sein unter ihnen? Denn alle sieben haben sie zur Frau
gehabt.
Da sprach Jesus zu ihnen: Ist's nicht also? Ihr irret
darum, daß ihr die Schrift nicht kennt noch die Kraft
Gottes.
Wenn sie von den Toten auferstehen werden, so werden sie
nicht freien noch sich freien lassen, sondern sie sind wie die
Engel im Himmel.
Aber von den Toten, daß sie auferstehen, habt ihr
nicht gelesen im Buch des Mose, wie Gott zu ihm bei dem Dornbusch
sagte und sprach (2. Mose 3,6):
«Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott
Jakobs»?
Gott ist nicht der Toten, sondern der Lebendigen Gott. Ihr
irret sehr.
Das größte Gebot
Und es trat zu
ihm einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört
hatte, wie sie miteinander stritten. Und da er merkte, daß
er ihnen fein geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das
vornehmste Gebot vor allen?
Jesus aber antwortete ihm: Das vornehmste Gebot ist das:
«Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist allein der
Herr,
und du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem
Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte und von allen
deinen Kräften» (5. Mose
6,4.5).
Das andre ist dies: «Du
sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst» (3.
Mose 19,18). Es ist kein
anderes Gebot größer als diese.
Und der Schriftgelehrte sprach
zu ihm: Meister, du hast wahrlich recht geredet. Er ist nur einer
und ist kein anderer außer ihm;
und ihn lieben von ganzem
Herzen, von ganzem Gemüte und von allen Kräften, und
seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als
alle Brandopfer und Schlachtopfer.
Da Jesus aber sah, daß
er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht
ferne von dem Reich Gottes. Und hinfort wagte niemand mehr, ihn
zu fragen.
Davids Sohn und Herr
Und Jesus hob an und sprach,
da er lehrte im Tempel: Wie sagen die Schriftgelehrten, der
Christus sei Davids Sohn?
David selbst hat durch den
heiligen Geist gesagt (Psalm 110,1):
«Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner
Rechten, bis daß ich lege deine Feinde unter deine Füße.»
Da heißt ihn ja David
seinen Herrn. Woher ist er denn sein Sohn? Und alles Volk hörte
ihn gerne.
Wider die Schriftgelehrten
Und er lehrte sie und sprach
zu ihnen: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die gerne in
langen Kleidern gehen und sich auf dem Markte grüßen
lassen
und sitzen gerne obenan in den
Synagogen und am Tisch beim Gastmahl;
sie fressen der Witwen Häuser
und verrichten zum Schein lange Gebete. Die werden desto
schwereres Urteil empfangen.
Scherflein der Witwe
Und Jesus setzte sich dem
Gotteskasten gegenüber und schaute, wie das Volk Geld
einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein.
Und es kam eine arme Witwe und
legte zwei Scherflein ein; die machen einen Heller.
Und er rief seine Jünger
zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme
Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die eingelegt
haben.
Denn sie haben alle von ihrem
Überfluß eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut
alles, wovon sie lebte, ihre ganze Habe, eingelegt.
Vom Kommen Christi
Kapitel 13
Und da er aus dem
Tempel ging, sprach zu ihm einer seiner Jünger: Meister,
siehe, was für Steine und was für Bauten!
Und Jesus sprach zu ihm: Siehst du diese großen
Bauten? Nicht ein Stein wird auf dem andern bleiben, der nicht
zerbrochen werde.
Und da er auf dem Ölberge saß gegenüber
dem Tempel, fragten ihn Petrus und Jakobus und Johannes und
Andreas für sich allein:
Sage uns, wann wird das geschehen? und was wird das
Zeichen sein, wann das alles soll vollendet werden?
Jesus fing an, ihnen zu sagen: Sehet zu, daß euch
nicht jemand verführe!
Es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich
bin's, und werden viele verführen.
Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und
Kriegsgeschrei, so fürchtet euch nicht. Es muß so
geschehen. Aber das Ende ist noch nicht da.
Denn es wird sich erheben ein Volk wider das andere und
ein Königreich wider das andere. Und es werden Erdbeben
geschehen hin und her und wird teure Zeit sein. Das ist der
Anfang der Wehen.
Ihr aber, sehet euch vor! Denn sie werden euch
überantworten den Gerichten, und in den Synagogen werdet ihr
geschlagen werden, und vor Fürsten und Könige werdet
ihr geführt werden um meinetwillen, ihnen zum Zeugnis.
Und das Evangelium muß zuvor verkündigt werden
allen Völkern.
Wenn sie euch nun hinführen und überantworten
werden, so sorget nicht zuvor, was ihr reden sollt; sondern was
euch zu der Stunde gegeben wird, das redet. Denn ihr seid's
nicht, die da reden, sondern der heilige Geist.
Und es wird überantworten ein Bruder den andern zum
Tode, und der Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören
wider die Eltern und werden ihnen zum Tode helfen.
Und ihr werdet gehaßt sein von jedermann um meines
Namens willen. Wer aber beharret bis ans Ende, der wird selig.
Wenn ihr aber sehet den
Greuel der Verwüstung stehen, wo er nicht soll – wer
es liest, der merke auf! -, alsdann, wer in Judäa ist, der
fliehe ins Gebirge.
Wer auf dem Dache ist, der
steige nicht hernieder und gehe nicht hinein, etwas aus seinem
Hause zu holen.
Und wer auf dem Felde ist, der
wende sich nicht um, seinen Mantel zu holen.
Weh aber den Schwangeren und
Säugenden zu jener Zeit!
Bittet aber, daß es
nicht geschehe im Winter.
Denn in diesen Tagen wird
solche Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist bisher vom
Anfang der Schöpfung, die Gott geschaffen hat, und auch
nicht wieder werden wird.
Und wenn der Herr diese Tage
nicht verkürzt hätte, würde kein Mensch selig;
aber um der Auserwählten willen, die er auserwählt hat,
hat er diese Tage verkürzt.
Wenn nun jemand zu der Zeit
wird zu euch sagen: Siehe, hier ist der Christus! siehe, da ist
er!, so glaubet's nicht.
Denn mancher falsche Christus
und falsche Prophet wird sich erheben und Zeichen und Wunder tun,
so daß sie auch die Auserwählten verführen
würden, wenn es möglich wäre.
Ihr aber sehet euch vor! Ich
habe es euch alles zuvor gesagt!
Aber zu der Zeit, nach
dieser Trübsal, werden Sonne und Mond ihren Schein
verlieren,
und die Sterne werden vom
Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken
kommen.
Und dann werden sie des
Menschen Sohn kommen sehen in den Wolken mit großer Kraft
und Herrlichkeit.
Und dann wird er seine Engel
senden und wird versammeln seine Auserwählten von den vier
Winden, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
An dem Feigenbaum aber
lernet ein Gleichnis: Wenn sein Zweig jetzt treibt und die
Blätter kommen, so wißt ihr, daß der Sommer nahe
ist.
Also auch, wenn ihr seht, daß
solches geschieht, so wisset, daß es nahe vor der Tür
ist.
Wahrlich, ich sage euch: Dies
Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß dies alles
geschehe.
Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber
werden nicht vergehen.
Von dem Tage aber und der
Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch
der Sohn nicht, sondern allein der Vater.
Vom Warten auf das Kommen Christi
Sehet euch vor, wachet! denn
ihr wisset nicht, wann die Zeit da ist.
Gleichwie ein Mensch, der über
Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten
Vollmacht, einem jeglichen seine Arbeit, und gebot dem Türhüter,
er solle wachen:
so wachet nun; denn ihr wisset
nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu
Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder des Morgens,
auf daß er euch nicht
schlafend finde, wenn er plötzlich kommt.
Was ich aber euch sage, das
sage ich allen: Wachet!
Der Plan der Feinde
Kapitel 14
Es waren aber
noch zwei Tage bis zum Osterfest
und den Tagen der ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester
und Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List griffen und
töteten.
Denn sie sprachen: Ja nicht am
Fest, daß nicht ein Aufruhr im Volk werde!
Salbung in Bethanien
Und da er zu Bethanien war in
Simons, des Aussätzigen, Hause und saß zu Tische, da
kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und
köstlichem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goß
es auf sein Haupt.
Da waren aber etliche, die
wurden unwillig und sprachen untereinander: Was soll doch diese
Vergeudung des Salböls?
Man hätte dieses Öl
um mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und
sie den Armen geben; und fuhren sie an.
Jesus aber sprach: Laßt
sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir
getan.
Ihr habt allezeit Arme bei
euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich
aber habt ihr nicht allezeit.
Sie hat getan, was sie konnte;
sie hat meinen Leib im voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.
Wahrlich, ich sage euch: Wo
das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das
sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.
Verrat des Judas
Und Judas Ischarioth, einer
von den Zwölfen, ging hin zu den Hohenpriestern, daß
er ihn an sie verriete.
Da sie das hörten, wurden
sie froh und verhießen, ihm Geld zu geben. Und er suchte,
wie er ihn bei guter Gelegenheit verriete.
Das heilige Abendmahl
Und am ersten Tage der
ungesäuerten Brote, da man das Osterlamm opferte, sprachen
seine Jünger zu ihm: Wo willst du, daß wir hingehen
und dir das Osterlamm bereiten, daß du es essest?
Und er sandte seiner Jünger
zwei und sprach zu ihnen: Gehet hin in die Stadt, und es wird
euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Krug mit Wasser;
folget ihm,
und wo er hineingeht, da
sprecht zu dem Hausherrn: Der Meister läßt dir sagen:
Wo ist das Gemach, darin ich das Osterlamm mit meinen Jüngern
essen kann?
Und er wird euch einen großen
Saal zeigen, der mit Polstern versehen und bereit ist; daselbst
richtet für uns zu.
Und die Jünger gingen weg
und kamen in die Stadt und fanden's, wie er ihnen gesagt hatte,
und bereiteten das Osterlamm.
Am Abend aber kam er
mit den Zwölfen.
Und als sie zu Tische saßen
und aßen, sprach Jesus: Wahrlich, ich sage euch: Einer
unter euch, der mit mir isset, wird mich verraten.
Und sie wurden traurig und
sagten zu ihm, einer nach dem andern: Bin ich's?
Er aber sprach zu ihnen: Einer
aus den Zwölfen, der mit mir in die Schüssel taucht.
Zwar des Menschen Sohn geht hin, wie von ihm geschrieben
steht; weh aber dem Menschen, durch welchen des Menschen Sohn
verraten wird! Es wäre demselben Menschen besser, daß
er nie geboren wäre.
Und indem sie aßen, nahm Jesus das Brot, dankte
und brach's und gab's ihnen und sprach: Nehmet; das ist mein
Leib.
Und nahm den Kelch und dankte und gab ihnen den; und
sie tranken alle daraus.
Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des neuen
Testaments, das für viele vergossen wird.
Wahrlich, ich sage euch, daß
ich hinfort nicht trinken werde vom Gewächs des Weinstocks
bis auf den Tag, da ich's neu trinke in dem Reich Gottes.
Und da sie den Lobgesang
gesprochen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.
Ankündigung der Verleugnung des Petrus
Und Jesus sprach zu ihnen: Ihr werdet alle an mir Ärgernis
nehmen; denn es steht geschrieben (Sacharja
13,7): «Ich werde den
Hirten schlagen, und die Schafe werden sich zerstreuen.»
Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor euch hingehen
nach Galiläa.
Petrus aber sagte zu ihm: Und wenn sie alle an dir
Ärgernis nähmen, so doch ich nicht.
Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute, in
dieser Nacht, ehe denn der Hahn zweimal kräht, wirst du mich
dreimal verleugnen.
Er aber redete noch weiter: Wenn ich auch mit dir sterben
müßte, wollte ich dich nicht verleugnen. Desgleichen
sagten sie alle.
Jesus in Gethsemane
Und sie kamen zu
einem Hofe mit Namen Gethsemane. Und er sprach zu seinen Jüngern:
Setzet euch hier, bis ich gebetet habe.
Und nahm mit sich Petrus und Jakobus und Johannes und fing
an zu zittern und zu zagen
und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an
den Tod; bleibet hier und wachet!
Und ging ein wenig weiter, fiel auf die Erde und betete,
daß, so es möglich wäre, die Stunde an ihm
vorüberginge,
und sprach: Abba,
mein Vater, es ist dir alles möglich; nimm diesen Kelch von
mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst!
Und kam und fand sie schlafend
und sprach zu Petrus: Simon, schläfst du? Vermochtest du
nicht eine Stunde zu wachen?
Wachet und betet, daß ihr nicht in Versuchung
fallet! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.
Und er ging wieder hin und
betete und sprach dieselben Worte
und kam wieder und fand sie
abermals schlafend; denn ihre Augen waren voll Schlafs, und sie
wußten nicht, was sie ihm antworten sollten.
Und er kam zum dritten Mal und sprach zu ihnen: Ach, wollt
ihr nun schlafen und ruhen? Es ist genug; die Stunde ist
gekommen. Siehe, des Menschen Sohn wird überantwortet in der
Sünder Hände.
Stehet auf, laßt uns gehen! Siehe, der mich verrät,
ist nahe.
Jesu Gefangennahme
Und alsbald, da
er noch redete, kam herzu Judas, der Zwölfe einer, und eine
große Schar mit ihm, mit Schwertern und mit Stangen, von
den Hohenpriestern und Schriftgelehrten und Ältesten.
Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und
gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist's; den greift und
führt ihn sicher hinweg.
Und da er kam, trat er alsbald zu ihm und sprach zu ihm:
Rabbi! und küßte ihn.
Die aber legten ihre Hände an ihn und griffen ihn.
Einer aber von denen, die dabeistanden, zog sein Schwert
und schlug des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm ein Ohr ab.
Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ihr seid
ausgegangen wie gegen einen Mörder mit Schwertern und mit
Stangen, mich zu fangen.
Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen und habe
gelehrt, und ihr habt mich nicht gegriffen. Aber es muß die
Schrift erfüllt werden!
Da verließen ihn alle und flohen.
Und es war ein Jüngling, der folgte ihm nach, der war
mit einer Leinwand bekleidet auf der bloßen Haut; und sie
griffen ihn.
Er aber ließ die Leinwand fahren und floh nackt
davon.
Vor dem Hohen Rat
Und sie führten
Jesus hinweg zu dem Hohenpriester; und es versammelten sich alle
Hohenpriester und Ältesten und Schriftgelehrten.
Petrus aber folgte ihm nach von ferne bis hinein in des
Hohenpriesters Palast und saß bei den Knechten und wärmte
sich am Feuer.
Aber die
Hohenpriester und der ganze Hohe Rat suchten Zeugnis wieder
Jesus, auf daß sie ihn zum Tode brächten, und fanden
nichts.
Viele gaben falsch Zeugnis wider ihn; aber ihr Zeugnis
stimmte nicht überein.
Und etliche standen auf und gaben falsch Zeugnis wider ihn
und sprachen:
Wir haben gehört, daß er sagte: Ich will diesen
Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen und in drei
Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist.
Aber ihr Zeugnis stimmte auch so nicht überein.
Und der Hohepriester stand auf, trat in die Mitte und
fragte Jesus und sprach: Antwortest du nichts zu dem, was diese
wider dich zeugen?
Er aber schwieg stille und antwortete nichts. Da fragte
ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du der
Christus, der Sohn des Hochgelobten?
Jesus aber sprach: Ich bin's; und ihr werdet sehen des
Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft und kommen mit
des Himmels Wolken.
Da zerriß der
Hohepriester seine Kleider und sprach: Was bedürfen wir
weiter Zeugen?
Ihr habt gehört die
Gotteslästerung. Was dünkt euch? Sie aber sprachen alle
das Urteil über ihn, daß er des Todes schuldig wäre.
Da fingen etliche an, ihn
anzuspeien und sein Angesicht zu verdecken und ihn mit Fäusten
zu schlagen und zu ihm zu sagen: Weissage uns! Und die Knechte
schlugen ihn ins Angesicht.
Verleugnung des Petrus
Und Petrus war unten im Hof.
Da kam eine von des Hohenpriesters Mägden;
und da sie sah Petrus sich
wärmen, schaute sie ihn an und sprach: Und du warst auch mit
Jesus von Nazareth.
Er leugnete aber und sprach:
Ich weiß nicht und verstehe nicht, was du sagst. Und er
ging hinaus in den Vorhof, <und der Hahn krähte>.
Und die Magd sah ihn und hob
abermals an, zu sagen denen, die dabeistanden: Das ist einer von
ihnen.
Und er leugnete abermals. Und
nach einer kleinen Weile sprachen abermals zu Petrus, die
dabeistanden: Wahrlich, du bist einer von ihnen; denn du bist ein
Galiläer.
Er aber fing an, sich zu
verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht,
von dem ihr redet.
Und alsbald krähte der
Hahn zum andern Mal. Da gedachte Petrus an das Wort, das Jesus zu
ihm sagte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal
verleugnen. Und er hob an zu weinen.
Vor Pilatus
Kapitel 15
Und alsbald in
der Frühe hielten die Hohenpriester einen Rat mit den
Ältesten und Schriftgelehrten, dazu der ganze Hohe Rat, und
banden Jesus und führten ihn hinweg und überantworteten
ihn dem Pilatus.
Und Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden?
Er antwortete aber und sprach zu ihm: Du sagst es.
Und die Hohenpriester beschuldigten ihn hart.
Pilatus aber fragte ihn abermals und sprach: Antwortest du
nichts? Siehe, wie hart sie dich verklagen!
Jesus aber antwortete nichts mehr, so daß sich
Pilatus verwunderte.
Verurteilung und Verspottung
Er pflegte aber ihnen zum Fest einen Gefangenen
loszugeben, welchen sie begehrten.
Es war aber einer, genannt Barabbas, gefangen mit den
Aufrührern, die im Aufruhr einen Mord begangen hatten.
Und das Volk ging hinauf und bat, daß er täte,
wie er pflegte.
Pilatus aber antwortete ihnen: Wollt ihr, daß ich
euch den König der Juden losgebe?
Denn er merkte, daß ihn die Hohenpriester aus Neid
überantwortet hatten.
Aber die Hohenpriester reizten das Volk auf, daß er
ihnen viel lieber den Barabbas losgäbe.
Pilatus aber antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Was
soll ich denn tun mit dem, den ihr den König der Juden
nennet?
Da schrien sie abermals: Kreuzige ihn!
Pilatus aber sprach zu ihnen: Was hat er denn Übles
getan? Aber sie schrien noch viel mehr: Kreuzige ihn!
Pilatus aber gedachte, dem Volk zu Willen zu sein, und gab
ihnen Barabbas los und ließ Jesus geißeln und
überantwortete ihn, daß er gekreuzigt würde.
Die Kriegsknechte aber führten ihn hinein in
die Burg, das ist ins Richthaus, und riefen zusammen die ganze
Schar,
und sie zogen ihm einen Purpur an und flochten eine
Dornenkrone und setzten sie ihm auf
und fingen an, ihn zu grüßen: Gegrüßet
seist du, der Juden König!
Und schlugen ihm das Haupt mit einem Rohr und spien ihn an
und fielen auf die Knie und huldigten ihm.
Kreuzigung und Tod
Und da sie ihn
verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpur aus und zogen ihm
seine eigenen Kleider an und führten ihn hinaus, daß
sie ihn kreuzigten,
und zwangen einen, der vorüberging, mit Namen Simon
von Kyrene, der vom Felde kam – der war der Vater des
Alexander und des Rufus -, daß er ihm das Kreuz trüge.
Und sie brachten ihn an die Stätte Golgatha, das ist
verdolmetscht: Schädelstätte.
Und * sie gaben ihm Myrrhe in Wein zu trinken; aber er
nahm's nicht.
*Psalm 69,22.
Und sie kreuzigten ihn.
Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los darum,
wer was bekäme.
Psalm 22,19.
Es war aber um die dritte Stunde, da sie ihn kreuzigten.
Und es war oben über ihm geschrieben, was man ihm
schuld gab, nämlich: Der König der Juden.
Und sie kreuzigten mit ihm zwei Mörder, einen zu
seiner Rechten und einen zur Linken.
<Da ward
die Schrift erfüllt, die da sagt (Jesaja
53,12): «Er ist unter
die Übeltäter gerechnet.»>
Und die vorübergingen, lästerten
ihn und schüttelten ihre Häupter und sprachen: Ha, der
du den Tempel zerbrichst und baust ihn in drei Tagen,
hilf dir nun selber und steig herab vom
Kreuz!
Desgleichen die Hohenpriester verspotteten
ihn untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: Er hat
andern geholfen und kann sich selber nicht helfen.
Der Christus, der König in Israel, der
steige nun vom Kreuz, daß wir sehen und glauben. Und die
mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn auch.
Und um die sechste Stunde ward eine
Finsternis über das ganze Land bis um die neunte Stunde.
Und um die neunte Stunde rief Jesus laut und
sprach: Eli, Eli, lama asabthani? das ist verdolmetscht:
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Und etliche, die
dabeistanden, da sie das hörten, sprachen sie: Siehe, er
ruft den Elia.
Da lief einer und
füllte einen Schwamm mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr
und tränkte ihn und sprach: Halt, laßt sehen, ob Elia
komme und ihn herabnehme!
Aber Jesus schrie
laut und verschied.
Und der
Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke von obenan bis
untenaus.
Der Hauptmann
aber, der dabeistand ihm gegenüber und sah, daß er so
verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn
gewesen!
Und es waren auch
Frauen da, die von ferne zuschauten, unter welchen war Maria
Magdalena und Maria, die Mutter Jakobus des Kleinen und des
Joses, und Salome,
die ihm
nachgefolgt waren, da er in Galiläa war, und ihm gedient
hatten, und viele andere, die mit ihm hinauf nach Jerusalem
gegangen waren.
Jesu Grablegung
Und am Abend,
weil es Rüsttag
war, das ist der Tag vor dem Sabbat,
kam Joseph von
Arimathia, ein angesehener Ratsherr, welcher auch auf das Reich
Gottes wartete. Der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat
um den Leichnam Jesu.
Pilatus aber
verwunderte sich, daß er schon tot wäre, und rief den
Hauptmann und fragte ihn, ob er schon lange gestorben wäre.
Und als er's
erkundet von dem Hauptmann, überließ er Joseph den
Leichnam.
Und der kaufte
eine Leinwand und nahm ihn ab und wickelte ihn in die Leinwand
und legte ihn in ein Grab, das war in einen Fels gehauen, und
wälzte einen Stein vor des Grabes Tür.
Aber Maria
Magdalena und Maria, des Joses Mutter, sahen, wo er hingelegt
ward.
Die Auferstehung
Kapitel 16
Und da der Sabbat
vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, des Jakobus
Mutter, und Salome Spezerei, auf daß sie kämen und
salbten ihn.
Und sie kamen zum
Grabe am ersten Tage der Woche sehr früh, als die Sonne
aufging.
Und sie sprachen
untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?
Und sie sahen auf
und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzt war; denn
er war sehr groß.
Und sie gingen
hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand
sitzen, der hatte ein langes weißes Kleid an, und sie
entsetzten sich.
Er aber sprach zu
ihnen: Entsetzet euch nicht! Ihr suchet Jesus von Nazareth, den
Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da
die Stätte, wo sie ihn hinlegten!
Gehet aber hin
und saget seinen Jüngern und Petrus, daß er vor euch
hingehen wird nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er
euch gesagt hat.
Und sie gingen
hinaus und flohen von dem Grabe; denn es war sie Zittern und
Entsetzen angekommen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie
fürchteten sich.
Erscheinungen des Auferstandenen.
Missionsbefehl. Himmelfahrt
<Als
er auferstanden war frühe am ersten Tage der Woche, erschien
er zuerst der Maria Magdalena, von welcher er sieben böse
Geister ausgetrieben hatte.
Und sie ging hin
und verkündigte es denen, die mit ihm gewesen waren, die da
Leid trugen und weinten.
Und diese, da sie
hörten, daß er lebte und wäre ihr erschienen,
glaubten sie nicht.
Danach offenbarte
er sich unter einer andern Gestalt zweien von ihnen unterwegs, da
sie über Land gingen.
Und die gingen
auch hin und verkündigten das den andern. Und denen glaubten
sie auch nicht.
Zuletzt,
da die Elf zu Tische saßen, offenbarte er sich und schalt
ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie
nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden.
Und er sprach zu
ihnen: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium
aller Kreatur.
Wer da glaubet und getauft wird, der wird
selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden.
Die Zeichen aber,
die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: in meinem
Namen werden sie böse Geister austreiben, in neuen Zungen
reden,
Schlangen
vertreiben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird's
ihnen nicht schaden; auf Kranke werden sie die Hände legen,
so wird's besser mit ihnen werden.
Und der Herr,
nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel
und setzte sich zur rechten Hand Gottes.
Sie aber gingen
aus und predigten an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen
und bekräftigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen.>
DAS
EVANGELIUM NACH LUKAS
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