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DIE BIBEL
Heilige
Schrift
DAS
EVANGELIUM NACH MATTHÄUS
Kapitel 15 -
28
Menschensatzungen und Gottes Gebot
Kapitel 15
Da kamen zu Jesus
Pharisäer und Schriftgelehrte von Jerusalem und sprachen:
Warum übertreten deine Jünger die Satzungen der
Ältesten? Sie unterlassen die Waschung der Hände vor
dem Essen.
Er antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet
denn ihr Gottes Gebot um eurer Satzungen willen?
Gott hat geboten (2. Mose 20,12;
21,17): «Du sollst Vater und Mutter ehren; wer aber
Vater und Mutter flucht, der soll des Todes sterben.»
Aber ihr lehret: Wer zu Vater oder Mutter spricht: Ich
opfere Gott, was dir sollte von mir zukommen,
der braucht seinen Vater oder seine Mutter nicht zu ehren;
und so habt ihr Gottes Gebot aufgehoben um eurer Satzungen
willen.
Ihr Heuchler, gar fein hat Jesaja von euch geweissagt und
gesprochen (Jesaja 29,13):
«Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr
Herz ist ferne von mir;
vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren,
die nichts als Menschengebote sind.»
Und er rief das Volk zu sich und sprach zu ihm:
Höret zu und fasset es!
Was zum Munde eingeht, das macht den Menschen nicht
unrein; sondern was zum Munde ausgeht, das macht den Menschen
unrein.
Da traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Weißt
du auch, daß die Pharisäer an dem Worte Ärgernis
nahmen, als sie es hörten?
Aber er antwortete und sprach: Alle Pflanzen, die mein
himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgerissen.
Lasset sie, sie sind blinde Blindenleiter! Wenn aber ein
Blinder den andern leitet, so fallen sie beide in die Grube.
Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Deute uns dies
Gleichnis.
Und Jesus sprach zu ihnen: Seid denn auch ihr noch immer
unverständig?
Merket ihr noch nicht, daß alles, was zum Munde
eingeht, das geht in den Bauch und wird durch den natürlichen
Gang ausgeworfen?
Was aber zum Munde herausgeht, das kommt aus dem Herzen,
und das macht den Menschen unrein.
Denn aus dem Herzen kommen arge Gedanken, Mord, Ehebruch,
Unzucht, Dieberei, falsch Zeugnis, Lästerung.
Das sind die Stücke, die den Menschen unrein machen.
Aber ohne Waschung der Hände essen macht den Menschen nicht
unrein.
Das kanaanäische Weib. Heilungen
Und Jesus ging
fort von dannen und entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon.
Und siehe, ein kanaanäisches Weib kam aus jener
Gegend und schrie ihm nach und sprach: Ach Herr, du Sohn Davids,
erbarme dich mein! Meine Tochter wird von einem bösen Geist
übel geplagt.
Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine
Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir,
denn sie schreit uns nach.
Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den
verlorenen Schafen des Hauses Israel.
Sie kam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr,
hilf mir!
Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht fein, daß
man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.
Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den
Brosamen, die von ihrer Herren Tisch fallen.
Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Weib, dein Glaube
ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter
ward gesund zu derselben Stunde.
Und Jesus ging von dannen weiter und kam an das
Galiläische Meer und ging auf einen Berg und setzte sich
allda.
Und es kam zu ihm viel Volks, die hatten mit sich Lahme,
Krüppel, Blinde, Stumme und viele andere und legten sie
Jesus vor die Füße, und er heilte sie,
so daß sich das Volk verwunderte, da sie sahen, daß
die Stummen redeten, die Krüppel gesund waren, die Lahmen
gingen, die Blinden sahen; und sie priesen den Gott Israels.
Speisung der Viertausend
Und Jesus rief
seine Jünger zu sich und sprach: Es jammert mich des Volks;
denn sie sind nun schon drei Tage lang bei mir und haben nichts
zu essen; und ich will sie nicht ohne Speise von mir lassen, auf
daß sie nicht verschmachten auf dem Wege.
Da sprachen zu ihm seine Jünger: Woher sollen wir so
viel Brot nehmen in der Wüste, daß wir so viel Volks
sättigen?
Und Jesus sprach zu ihnen: Wieviel Brote habt ihr? Sie
sprachen: Sieben und wenige Fischlein.
Und er hieß das Volk sich lagern auf die Erde
und nahm die sieben Brote und die Fische, dankte, brach
sie und gab sie seinen Jüngern, und die Jünger gaben
sie dem Volk.
Und sie aßen alle und wurden satt; und hoben auf,
was übrigblieb von Brocken, sieben Körbe voll.
Und die da gegessen hatten, waren viertausend Mann, ohne
die Frauen und Kinder.
Und da er das Volk hatte von sich gelassen, trat er in ein
Schiff und kam in das Gebiet von Magadan*.
*Nach anderer Überlieferung:
Magdala.
Zeichenforderung der Pharisäer
Kapitel 16
Da traten die
Pharisäer und Sadduzäer zu ihm; die versuchten ihn und
forderten, daß er sie ein Zeichen vom Himmel sehen ließe.
Aber er antwortete und sprach: <Des Abends sprecht ihr:
Es wird ein schöner Tag werden, denn der Himmel ist rot.
Und des Morgens sprecht ihr: Es wird heute Ungewitter
sein, denn der Himmel ist rot und trübe. Über des
Himmels Aussehen könnt ihr urteilen; könnt ihr dann
nicht auch über die Zeichen der Zeit urteilen?>
Dieses böse und abtrünnige Geschlecht sucht ein
Zeichen; und soll ihm kein Zeichen gegeben werden denn das
Zeichen des Jona. Und er ließ sie und ging davon.
Vom Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer
Und als die Jünger ans andere Ufer gekommen waren,
hatten sie vergessen, Brot mit sich zu nehmen.
Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet zu und hütet euch
vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!
Da dachten sie bei sich selbst und sprachen: Das wird's
sein, daß wir nicht haben Brot mit uns genommen.
Da das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Ihr
Kleingläubigen, was bekümmert ihr euch doch, daß
ihr nicht Brot habt?
Verstehet ihr noch nicht? Gedenket ihr nicht an die fünf
Brote unter die fünftausend und wieviel Körbe ihr da
aufhobt,
auch nicht an die sieben Brote unter die viertausend und
wieviel Körbe ihr da aufhobt?
Wie verstehet ihr denn nicht, daß ich nicht vom Brot
zu euch rede? Hütet euch aber vor dem Sauerteig der
Pharisäer und Sadduzäer!
Da verstanden sie, daß er nicht gesagt hatte, daß
sie sich hüten sollten vor dem Sauerteig des Brots, sondern
vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.
Das Bekenntnis des Petrus
Da kam Jesus in
die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger
und sprach: Wer sagen die Leute, daß des Menschen Sohn sei?
Sie sprachen: Etliche sagen, du seiest Johannes der
Täufer; andere, du seiest Elia; wieder andere, du seiest
Jeremia oder der Propheten einer.
Er sprach zu ihnen: Wer saget denn ihr, daß ich sei?
Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist
Christus, des lebendigen Gottes Sohn!
Und Jesus antwortete und
sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und
Blut hat dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
Und ich sage dir auch: Du bist
Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und
die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.
Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben, und
alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel
gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll
auch im Himmel los sein.
Da bedrohte er seine Jünger,
daß sie niemand sagen sollten, daß er der Christus
wäre.
Erste Leidensankündigung
Seit der Zeit fing Jesus
Christus an und zeigte seinen Jüngern, wie er müßte
hin nach Jerusalem gehen und viel leiden von den Ältesten
und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden
und am dritten Tage auferstehen.
Und Petrus nahm ihn zu sich,
fuhr ihn an und sprach: Herr, das verhüte Gott! Das
widerfahre dir nur nicht!
Er aber wandte sich um und
sprach zu Petrus: Hebe dich, Satan, von mir! Du bist mir ein
Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern
was menschlich ist.
Da sprach Jesus zu
seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne
sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.
Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's
verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der
wird's finden.
Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt
gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder
was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?
Denn es wird geschehen, daß
des Menschen Sohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit
seinen Engeln, und alsdann wird er einem jeglichen vergelten nach
seinen Werken.
Wahrlich, ich sage euch: Es
stehen etliche hier, die nicht schmecken werden den Tod, bis daß
sie des Menschen Sohn kommen sehen in seinem Reich.
Verklärung Jesu
Kapitel 17
Und nach sechs
Tagen nahm Jesus zu sich Petrus und Jakobus und Johannes, seinen
Bruder, und ging mit ihnen allein auf einen hohen Berg.
Und er ward verklärt vor ihnen, und sein Angesicht
leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie
das Licht.
Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten
mit ihm.
Petrus aber hob an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist für
uns gut sein! Willst du, so wollen wir hier drei Hütten
machen, dir eine, Mose eine und Elia eine.
Da er noch redete, siehe, da überschattete sie eine
lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies
ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; den sollt
ihr hören!
Da das die Jünger hörten,
fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr.
Jesus aber trat zu ihnen,
rührte sie an und sprach: Stehet auf und fürchtet euch
nicht!
Da sie aber ihre Augen
aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.
Und da sie vom Berge
herabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt dies Gesicht
niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Toten auferstanden
ist.
Und seine Jünger
fragten ihn und sprachen: Was sagen denn die Schriftgelehrten,
zuvor müsse * Elia kommen?
*Kapitel
11,14. Maleachi 3,23.
Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Elia soll freilich
kommen und alles zurechtbringen.
Doch ich sage euch: Elia ist schon gekommen, aber sie
haben ihn nicht erkannt, sondern haben mit ihm getan, was sie
wollten. So wird auch des Menschen Sohn leiden müssen von
ihnen.
Da verstanden die Jünger, daß er von Johannes
dem Täufer zu ihnen geredet hatte.
Heilung des mondsüchtigen Knaben
Und da sie zu dem
Volk kamen, trat zu ihm ein Mensch und fiel ihm zu Füßen
und sprach: Herr, erbarme dich über meinen Sohn! denn
er ist mondsüchtig und hat schwer zu leiden; er fällt
oft ins Feuer und oft ins Wasser;
und ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht, und sie
konnten ihm nicht helfen.
Jesus aber antwortete und sprach: O du ungläubiges
und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie
lange soll ich euch dulden? Bringt ihn mir her!
Und Jesus bedrohte ihn; und der böse Geist fuhr aus
von ihm, und der Knabe ward gesund zu derselben Stunde.
Da traten zu ihm seine Jünger besonders und sprachen:
Warum konnten wir ihn nicht austreiben?
Er aber sprach zu ihnen: Um eures Kleinglaubens willen.
Denn ich sage euch wahrlich: Wenn ihr Glauben habt wie ein
Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Hebe dich von
hinnen dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts
unmöglich sein.
<Aber diese Art fährt nur aus durch Beten und
Fasten.>
Zweite Leidensankündigung
Da sie aber
versammelt waren in Galiläa, sprach Jesus zu ihnen: Es wird
geschehen, daß des Menschen Sohn überantwortet wird in
der Menschen Hände,
und sie werden ihn töten, und am dritten Tage wird er
auferstehen. Und sie wurden sehr betrübt.
Tempelsteuer
Als sie nun nach
Kapernaum kamen, gingen zu Petrus, die den Tempelgroschen
einnahmen, und sprachen: Pflegt euer Meister nicht den
Tempelgroschen zu geben?
Er sprach: Ja. Und als er heimkam, kam ihm Jesus zuvor und
sprach: Was meinst du, Simon? Von wem nehmen die Könige auf
Erden Zoll oder Steuer: von ihren Kindern oder von den Fremden?
Er sprach: Von den Fremden. Jesus sprach zu ihm: So sind
die Kinder frei.
Auf daß wir ihnen aber nicht Ärgernis geben, so
gehe hin an das Meer und wirf die Angel, und den ersten Fisch,
der heraufkommt, den nimm; und wenn du sein Maul aufmachst, wirst
du ein Zweigroschenstück finden; das nimm und gib's ihnen
für mich und dich.
Von Kindersinn und Ärgernis
Kapitel 18
Zu derselben
Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist doch
der Größte im Himmelreich?
Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter
sie
und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht
umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins
Himmelreich kommen.
Wer nun sich selbst erniedrigt wie dies Kind, der ist der
Größte im Himmelreich.
Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der
nimmt mich auf.
Wer aber Ärgernis gibt einem dieser Kleinen, die an
mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein
an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im
Meer, wo es am tiefsten ist.
Weh der Welt der Ärgernisse halben! Es muß
ja Ärgernis kommen; doch weh dem Menschen, durch welchen
Ärgernis kommt!
Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dir Ärgernis
schafft, so haue ihn ab und wirf ihn von dir. Es ist dir besser,
daß du zum Leben lahm oder als ein Krüppel eingehest,
als daß du zwei Hände oder zwei Füße habest
und werdest in das ewige Feuer geworfen.
Und wenn dir dein Auge Ärgernis schafft, reiß
es aus und wirf's von dir. Es ist dir besser, daß du
einäugig zum Leben eingehest, als daß du zwei Augen
habest und werdest in das höllische Feuer geworfen.
Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen
Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen
allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.
<Denn des Menschen Sohn ist gekommen, selig zu machen,
was verloren ist.>
Das verlorene Schaf
Was meint ihr? Wenn irgendein Mensch hundert Schafe hätte
und eins unter ihnen sich verirrte: läßt er
nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das
verirrte?
Und wenn sich's begibt, daß er's findet, wahrlich,
ich sage euch, er freut sich darüber mehr als über die
neunundneunzig, die nicht verirrt sind.
Also ist's auch bei eurem Vater im Himmel nicht der Wille,
daß eins von diesen Kleinen verloren werde.
Verhalten gegen sündige Brüder.
Gemeinsames Beten
Sündigt aber
dein Bruder, so gehe hin und halte es ihm vor zwischen dir und
ihm allein. Hört er dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.
Hört er dich nicht, so nimm noch einen oder zwei zu
dir, auf daß jegliche Sache stehe auf zweier oder dreier
Zeugen Mund.
Hört er die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört
er die Gemeinde nicht, so sei er dir wie ein Heide und Zöllner.
Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden
werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden
lösen werdet, soll auch im Himmel los sein.
Weiter sage ich euch: Wenn
zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen,
das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel.
Denn wo zwei oder drei
versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.
Der Schalksknecht
Da trat Petrus zu ihm und
sprach: Herr, wie oft muß ich denn meinem Bruder, der an
mir sündigt, vergeben? Ist's genug siebenmal?
Jesus sprach zu ihm: Ich sage
dir: nicht siebenmal, sondern siebenzigmal siebenmal.
Darum ist das
Himmelreich gleich einem König, der mit seinen Knechten
rechnen wollte.
Und als er anfing zu rechnen,
kam vor ihn einer, der war ihm zehntausend Pfund schuldig.
Da er's nun nicht hatte, zu
bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn und sein Weib und
seine Kinder und alles, was er hatte, und bezahlen.
Da fiel der Knecht nieder und
warf sich auf sein Angesicht vor ihm und sprach: Habe Geduld mit
mir; ich will dir's alles bezahlen.
Da jammerte den Herrn des
Knechts, und er ließ ihn los, und die Schuld erließ
er ihm auch.
Da ging derselbe Knecht hinaus
und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert
Silbergroschen schuldig; und er griff ihn an und würgte ihn
und sprach: Bezahle, was du mir schuldig bist!
Da fiel sein Mitknecht nieder
und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir; ich will dir's
bezahlen.
Er wollte aber nicht, sondern
ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis daß er
bezahlt hätte, was er schuldig war.
Da aber seine Mitknechte
solches sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und
brachten vor ihren Herrn alles, was sich begeben hatte.
Da forderte ihn sein Herr vor
sich und sprach zu ihm: Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe
ich dir erlassen, weil du mich batest;
hättest du da dich nicht
auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich
über dich erbarmt habe?
Und sein Herr ward zornig und
überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlt
hätte alles, was er ihm schuldig war.
So wird euch mein himmlischer
Vater auch tun, wenn ihr nicht vergebet von Herzen, ein jeglicher
seinem Bruder.
Über Ehe, Ehescheidung, Ehelosigkeit
Kapitel 19
Und es begab sich, da Jesus
diese Reden vollendet hatte, machte er sich auf aus Galiläa
und kam in das Gebiet des jüdischen Landes jenseits des
Jordan;
und es folgte ihm viel Volks
nach, und er heilte sie daselbst.
Da traten zu ihm die
Pharisäer, versuchten ihn und sprachen: Ist's auch recht,
daß sich ein Mann scheide von seiner Frau um irgendeiner
Ursache willen?
Er antwortete aber und sprach:
Habt ihr nicht gelesen, daß, der im Anfang den Menschen
geschaffen hat, schuf sie als Mann und Weib
und sprach (1.
Mose 2,24): «Darum wird ein Mensch Vater und Mutter
verlassen und an seinem Weibe hangen, und werden die zwei ein
Fleisch sein»?
So sind sie nun nicht mehr
zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt
hat, das soll der Mensch nicht scheiden.
Da sprachen sie: Warum
hat dann Mose geboten, einen Scheidebrief zu geben, wenn man sich
scheidet?
Er sprach zu ihnen: Mose hat
euch erlaubt, euch zu scheiden von euren Frauen, um eures Herzens
Härtigkeit willen; von Anbeginn aber ist's nicht so gewesen.
Ich aber sage euch: Wer sich
von seiner Frau scheidet, es sei denn um der Hurerei willen, und
freit eine andere, der bricht die Ehe.
Da sprachen die Jünger
zu ihm: Steht die Sache eines Mannes mit seiner Frau so, dann
ist's nicht gut, ehelich zu werden.
Er sprach aber zu ihnen: Dies
Wort fasset nicht jedermann, sondern denen es gegeben ist.
Denn etliche enthalten sich
der Ehe, weil sie von Geburt an zur Ehe unfähig sind;
etliche enthalten sich, weil sie von Menschen zur Ehe untauglich
gemacht sind; und etliche enthalten sich, weil sie um des
Himmelreichs willen auf die Ehe verzichten. Wer es fassen kann,
der fasse es!
Jesus segnet die Kinder
Da wurden Kinder zu ihm
gebracht, daß er die Hände auf sie legte und betete.
Die Jünger aber fuhren sie an.
Aber Jesus sprach: Lasset die
Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solcher ist
das Himmelreich.
Und er legte die Hände
auf sie und zog von dannen.
Der reiche Jüngling
Und siehe, einer trat zu ihm
und sprach: Meister, was soll ich Gutes tun, daß ich das
ewige Leben möge haben?
Er aber sprach zu ihm: Was
fragst du mich über das, was gut ist? Gut ist nur Einer.
Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote.
Da sprach er zu ihm: Welche?
Jesus aber sprach: «Du sollst nicht töten; du sollst
nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch
Zeugnis geben;
ehre Vater und Mutter»;
und: «du sollst deinen Nächsten lieben wie dich
selbst.»
Da sprach der Jüngling zu
ihm: Das habe ich alles gehalten; was fehlt mir noch?
Jesus sprach zu ihm: Willst du
vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe, was du hast, und gib's
den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und
folge mir nach!
Da der Jüngling das Wort
hörte, ging er betrübt von ihm; denn er hatte viele
Güter.
Jesus aber sprach zu seinen
Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Ein Reicher wird schwer
ins Himmelreich kommen.
Und weiter sage ich euch: Es
ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe,
als daß ein Reicher ins Reich Gottes komme.
Da das seine Jünger
hörten, entsetzten sie sich sehr und sprachen. Ja, wer kann
dann selig werden?
Jesus aber sah sie an und
sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist's unmöglich; aber bei
Gott sind alle Dinge möglich.
Vom Lohn der Nachfolge
Da fing Petrus an und sprach
zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir
nachgefolgt; was wird uns dafür?
Jesus aber sprach zu ihnen:
Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir seid nachgefolgt,
werdet dereinst bei der Wiedergeburt, da des Menschen Sohn wird
sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf
Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.
Und wer verläßt
Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder
Mutter oder Kinder oder Äcker um meines Namens willen, der
wird's vielfältig empfangen und das ewige Leben ererben.
Aber viele, die da sind die
Ersten, werden die Letzten und die Letzten werden die Ersten
sein.
Die Arbeiter im Weinberg
Kapitel 20
Das Himmelreich
ist gleich einem Hausvater, der früh am Morgen ausging,
Arbeiter zu dingen in seinen Weinberg.
Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen
Silbergroschen zum Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg.
Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere an dem
Markte müßig stehen
und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg;
ich will euch geben, was recht ist.
Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste
und neunte Stunde und tat gleich also.
Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere
stehen und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag
müßig?
Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedingt. Er sprach
zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg.
Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu
seinem Verwalter: Rufe die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und
heb an bei den letzten bis zu den ersten.
Da kamen, die um die elfte Stunde gedingt waren, und
empfing ein jeglicher seinen Groschen.
Da aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden
mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeglicher seinen
Groschen.
Und da sie den empfingen, murrten sie wider den Hausvater
und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde
gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages
Last und die Hitze getragen haben.
Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein
Freund, ich tue dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir eins
geworden um einen Groschen?
Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem letzten
geben gleich wie dir.
Habe ich nicht Macht, zu tun, was ich will, mit dem
Meinen? Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin?
So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die
Letzten sein. <Denn viele sind berufen, aber wenige sind
auserwählt.>
Dritte Leidensankündigung
Und da Jesus
wollte hinaufziehen nach Jerusalem, nahm er die Zwölf
besonders und sprach zu ihnen auf dem Wege:
Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem, und des Menschen
Sohn wird den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überantwortet
werden; und sie werden ihn verdammen zum Tode
und werden ihn überantworten den Heiden, ihn zu
verspotten und zu geißeln und zu kreuzigen, und am dritten
Tage wird er auferstehen.
Die Söhne des Zebedäus
Da trat zu ihm
die Mutter der Kinder des Zebedäus mit ihren Söhnen,
fiel vor ihm nieder und wollte etwas von ihm bitten.
Und er sprach zu ihr: Was willst du? Sie sprach zu ihm:
Laß diese meine zwei Söhne sitzen in deinem Reich,
einen zu deiner Rechten und den andern zu deiner Linken.
Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wisset nicht, was
ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken
werde <und euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich
getauft werde>? Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir.
Und er sprach zu ihnen: Meinen Kelch sollt ihr zwar
trinken, aber das Sitzen zu meiner Rechten und Linken zu geben,
steht mir nicht zu, sondern denen es bereitet ist von meinem
Vater.
Da das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über
die zwei Brüder.
Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisset: die
Fürsten halten ihre Völker nieder, und die Mächtigen
tun ihnen Gewalt.
So soll es nicht sein unter euch; sondern wer groß
sein will unter euch, der sei euer Diener;
und wer der Erste sein will unter euch, sei euer Knecht;
gleichwie des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß
er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein
Leben zu einer Erlösung für viele.
Zwei Blinde vor Jericho
Und da sie von Jericho
auszogen, folgte ihm viel Volks nach.
Und siehe, zwei Blinde saßen
am Wege; und da sie hörten, daß Jesus vorüberging,
schrien sie und sprachen: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich
unser!
Aber das Volk bedrohte sie,
daß sie schweigen sollten. Aber sie schrien noch viel mehr
und sprachen: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich unser!
Jesus aber stand still und
rief sie und sprach: Was wollt ihr, daß ich euch tun soll?
Sie sprachen zu ihm: Herr, daß
unsere Augen aufgetan werden.
Und es jammerte ihn, und er
rührte ihre Augen an; und alsbald wurden sie wieder sehend,
und sie folgten ihm nach.
Einzug in Jerusalem
Kapitel 21
Da sie nun nahe an Jerusalem
kamen, nach Bethphage an den Ölberg, sandte Jesus seiner
Jünger zwei
und sprach zu ihnen: Gehet hin
in den Flecken, der vor euch liegt, und alsbald werdet ihr eine
Eselin finden angebunden und ein Füllen bei ihr; bindet sie
los und führet sie zu mir!
Und wenn euch jemand etwas
wird sagen, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Alsbald wird er
sie euch lassen.
Das geschah aber, auf daß
erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der
da spricht (Sacharja 9,9):
«Saget der Tochter Zion:
Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet
auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin.»
Die Jünger gingen hin und
taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte,
und brachten die Eselin und
das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte
sich darauf.
Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; andere
hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.
Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie
und sprach: * Hosianna
dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!
Hosianna in der Höhe!
*Psalm 118,25.26.
Und als er zu Jerusalem
einzog, erregte sich die ganze Stadt und sprach: Wer ist der?
Das Volk aber sprach: Das ist
Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa.
Reinigung des Tempels
Und Jesus ging in den Tempel
hinein und trieb heraus alle Verkäufer und Käufer im
Tempel und stieß um der Wechsler Tische und die Stühle
der Taubenkrämer
und sprach zu ihnen: Es steht
geschrieben (Jesaja 56,7): «Mein
Haus soll ein Bethaus heißen»; ihr aber macht eine
Räuberhöhle daraus.
Und es gingen zu ihm Blinde
und Lahme im Tempel, und er heilte sie.
Da aber die Hohenpriester und
Schriftgelehrten sahen die Wunder, die er tat, und die Kinder,
die im Tempel schrien und sagten: Hosianna dem Sohn Davids!
wurden sie entrüstet
und sprachen zu ihm: Hörst
du auch, was diese sagen? Jesus sprach zu ihnen: Ja! Habt ihr nie
gelesen (Psalm 8,3): «Aus dem
Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du Lob
zugerichtet»?
Und er ließ sie da und
ging zur Stadt hinaus nach Bethanien und blieb daselbst über
Nacht.
Der verdorrte Feigenbaum
Als er aber des Morgens wieder
in die Stadt ging, hungerte ihn.
Und er sah einen Feigenbaum an
dem Wege und ging hinzu und fand nichts daran als allein Blätter
und sprach zu ihm: Nun wachse auf dir hinfort nimmermehr Frucht!
Und der Feigenbaum verdorrte alsbald.
Und da das die Jünger
sahen, verwunderten sie sich und sprachen: Wie ist der Feigenbaum
so bald verdorrt?
Jesus aber antwortete und
sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt
und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein solches mit dem
Feigenbaum tun, sondern, wenn ihr werdet sagen zu diesem Berge:
Hebe dich auf und wirf dich ins Meer! so wird's geschehen.
Und alles, was ihr bittet
im Gebet, wenn ihr glaubet, werdet ihr's empfangen.
Die Frage nach Jesu Vollmacht
Und als er in den Tempel kam
und lehrte, traten zu ihm die Hohenpriester und die Ältesten
im Volk und sprachen: Aus was für Vollmacht tust du das, und
wer hat dir die Vollmacht gegeben?
Jesus aber antwortete und
sprach zu ihnen: Ich will euch auch ein Wort fragen; wenn
ihr mir das saget, will ich euch auch sagen, aus was für
Vollmacht ich das tue.
Woher war die Taufe des
Johannes? War sie vom Himmel oder von den Menschen? Da bedachten
sie's bei sich selbst und sprachen: Sagen wir, sie sei vom Himmel
gewesen, so wird er zu uns sagen: Warum glaubtet ihr ihm denn
nicht?
Sagen wir aber, sie sei von
Menschen gewesen, so müssen wir uns vor dem Volk fürchten,
denn sie halten alle Johannes für einen Propheten.
Und sie antworteten Jesus und
sprachen: Wir wissen's nicht. Da sprach er zu ihnen: So sage ich
euch auch nicht, aus was für Vollmacht ich das tue.
Die ungleichen Söhne
Was dünkt euch aber? Es
hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach:
Mein Sohn, gehe hin und arbeite heute im Weinberge.
Er antwortete aber und sprach:
Ja, Herr! und ging nicht hin.
Und er ging zu dem anderen und
sprach gleich also. Der antwortete aber und sprach: Ich will's
nicht tun. Danach reute es ihn, und er ging hin.
Welcher unter den zweien hat des Vaters Willen getan? Sie
sprachen: Der letzte. Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage
euch: Die Zöllner und Huren mögen wohl eher ins Reich
Gottes kommen als ihr.
Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und
ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten
ihm. Und ob ihr's wohl sahet, tatet ihr dennoch nicht Buße,
daß ihr ihm danach auch geglaubt hättet.
Die bösen Weingärtner
Höret ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausvater,
der pflanzte einen Weinberg und führte einen Zaun darum und
grub eine Kelter darin und baute einen Turm und gab ihn an
Weingärtner in Pacht und zog außer Landes.
Da nun herbeikam die Zeit der Früchte, sandte er
seine Knechte zu den Weingärtnern, daß sie seine
Früchte empfingen.
Da nahmen die Weingärtner seine Knechte; einen
schlugen sie, den andern töteten sie, den dritten steinigten
sie.
Abermals sandte er andere Knechte, mehr als das erste Mal;
und sie taten ihnen gleich also.
Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen und sprach: Sie
werden sich vor meinem Sohn scheuen.
Da aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie
untereinander: Das ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten
und sein Erbgut an uns bringen!
Und sie nahmen ihn und stießen ihn zum Weinberge
hinaus und töteten ihn.
Wenn nun der Herr des Weinberges kommen wird, was wird er
diesen Weingärtnern tun?
Sie sprachen zu ihm: Er wird die Bösewichte übel
umbringen und seinen Weinberg an andere Weingärtner
vergeben, die ihm die Früchte zu rechter Zeit geben.
Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der
Schrift (Psalm 118,22.23): «Der
Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein
geworden. Von dem Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor
unsern Augen»?
Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch
genommen und einem Volke gegeben werden, das seine Früchte
bringt.
<Und wer auf diesen Stein fällt, der wird
zerschellen; auf wen aber er fällt, den wird er zermalmen.>
Und da die Hohenpriester und Pharisäer seine
Gleichnisse hörten, verstanden sie, daß er von ihnen
redete.
Und sie trachteten danach, wie sie ihn griffen; aber sie
fürchteten sich vor dem Volk, denn es hielt ihn für
einen Propheten.
Die königliche Hochzeit
Kapitel 22
Und Jesus hob an
und redete abermals in Gleichnissen zu ihnen und sprach:
Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem
Sohn Hochzeit machte.
Und er sandte seine Knechte aus, daß sie die Gäste
zur Hochzeit riefen; und sie wollten nicht kommen.
Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: Saget
den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine
Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles bereit; kommt
zur Hochzeit!
Aber sie verachteten das und gingen hin, einer auf seinen
Acker, der andere zu seiner Hantierung;
etliche aber griffen seine Knechte, höhnten und
töteten sie.
Da ward der König zornig und schickte seine Heere aus
und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an.
Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar
bereit, aber die Gäste waren's nicht wert.
Darum gehet hin auf die Straßen und ladet zur
Hochzeit, wen ihr findet.
Und die Knechte gingen aus auf die Straßen und
brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute; und die
Tische wurden alle voll.
Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen,
und sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid
an,
und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereingekommen und
hast doch kein hochzeitlich Kleid an? Er aber verstummte.
Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm
Hände und Füße und werfet ihn in die Finsternis
hinaus! Da wird sein Heulen und Zähneklappen.
Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.
Der Zinsgroschen
Da gingen die
Pharisäer hin und hielten einen Rat, wie sie ihn fingen in
seiner Rede,
und sandten zu ihm ihre Jünger samt des Herodes
Leuten. Die sprachen: Meister, wir wissen, daß du
wahrhaftig bist und lehrst den Weg Gottes recht und fragst nach
niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen.
Darum sage uns, was meinst du: Ist's recht, daß man
dem Kaiser Steuer zahle, oder nicht?
Da nun Jesus merkte ihre Bosheit, sprach er: Ihr Heuchler,
was versuchet ihr mich?
Weiset mir die Steuermünze! Und sie reichten ihm
einen Groschen dar.
Und er sprach zu ihnen: Wes ist das Bild und die
Aufschrift?
Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen:
So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes
ist!
Da sie das hörten,
verwunderten sie sich und ließen ihn und gingen davon.
Die Auferstehung der Toten
An demselben Tage traten zu
ihm die Sadduzäer, die dafür halten, es gebe kein
Auferstehen, und fragten ihn
und sprachen: Meister, Mose
hat gesagt (5. Mose 25,5.6): «Wenn
einer stirbt und hat nicht Kinder, so soll sein Bruder die Frau
zum Weibe nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken.»
Nun sind bei uns gewesen
sieben Brüder. Der erste freite und starb; und weil er nicht
Nachkommen hatte, ließ er seine Frau seinem Bruder;
desgleichen der zweite und der
dritte bis an den siebenten.
Zuletzt nach allen starb die
Frau.
Nun in der Auferstehung,
wessen Frau wird sie sein unter den sieben? Sie haben sie ja alle
gehabt.
Jesus aber antwortete und
sprach zu ihnen: Ihr irret und kennet die Schrift nicht noch die
Kraft Gottes.
In der Auferstehung werden sie
weder freien noch sich freien lassen, sondern sie sind gleichwie
die Engel im Himmel.
Habt ihr aber nicht gelesen
von der Auferstehung der Toten, was euch gesagt ist von Gott, da
er spricht (2. Mose 3,6):
«Ich bin der Gott
Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs»? Gott ist
nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen.
Und da solches das Volk hörte,
entsetzten sie sich über seine Lehre.
Das größte Gebot
Da aber die Pharisäer
hörten, daß er den Sadduzäern das Maul gestopft
hatte, versammelten sie sich.
Und einer unter ihnen, ein
Schriftgelehrter, versuchte ihn und fragte:
Meister, welches ist das
vornehmste Gebot im Gesetz?
Jesus aber sprach zu ihm: «Du
sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer
Seele und von ganzem Gemüte» (5.
Mose 6,5).
Dies ist das vornehmste und
größte Gebot.
Das andre aber ist dem gleich:
«Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst»
(3. Mose 19,18).
In diesen zwei Geboten hängt
das ganze Gesetz und die Propheten.
Davids Sohn und Herr
Da nun die Pharisäer
beieinander waren, fragte sie Jesus
und sprach: Was denkt ihr von
dem Christus? Wessen Sohn ist er? Sie sprachen: Davids.
Er sprach zu ihnen: Wie kann
ihn dann David im Geist einen Herrn nennen, wenn er sagt (Psalm
110,1):
«Der Herr hat gesagt zu
meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis daß ich
lege deine Feinde unter deine Füße»?
So nun David ihn einen Herrn
nennt, wie ist er denn sein Sohn?
Und niemand konnte ihm ein
Wort antworten, und wagte auch niemand von dem Tage an, ihn
hinfort zu fragen.
Wider die Schriftgelehrten und Pharisäer
Kapitel 23
Da redete Jesus
zu dem Volk und zu seinen Jüngern
und sprach: Auf des Mose Stuhl sitzen die Schriftgelehrten
und Pharisäer.
Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber
nach ihren Werken sollt ihr nicht tun; sie sagen's wohl, und
tun's nicht.
Sie binden schwere Bürden und legen sie den Menschen
auf den Hals; aber sie selbst wollen sie nicht mit einem Finger
anrühren.
Alle ihre Werke aber tun sie, damit sie von den Leuten
gesehen werden. Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die
Quasten an ihren Kleidern groß.
Sie sitzen gerne obenan bei Tisch und in den Synagogen
und haben's gerne, daß sie gegrüßt werden
auf dem Markt und von den Menschen Rabbi genannt werden.
Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer
ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder.
Und ihr sollt niemand euren
Vater heißen auf Erden; denn einer ist euer Vater,
der im Himmel ist.
Und ihr sollt euch nicht
lassen Lehrer nennen; denn einer ist euer Lehrer,
Christus.
Der Größte unter
euch soll euer Diener sein.
Denn wer sich selbst erhöht,
der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird
erhöht.
Weh euch,
Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das
Himmelreich zuschließet vor den Menschen! Ihr gehet nicht
hinein, und die hinein wollen, lasset ihr nicht hineingehen.
<Weh euch, Schriftgelehrte
und Pharisäer, die ihr der Witwen Häuser fresset und
verrichtet zum Schein lange Gebete! Darum werdet ihr ein desto
schwereres Urteil empfangen.>
Weh euch,
Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr Land
und Meer durchziehet, damit ihr einen Judengenossen
gewinnet; und wenn er's geworden ist, machet ihr aus ihm ein Kind
der Hölle, zwiefältig mehr, als ihr seid!
Weh euch, ihr blinden
Führer, die ihr sagt: Wenn einer schwört bei dem
Tempel, das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem Gold
am Tempel, das bindet.
Ihr Narren und Blinden! Was
ist größer: das Gold oder der Tempel, der das Gold
heiligt?
Oder: Wenn einer schwört
bei dem Altar, das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei
dem Opfer, das darauf ist, das bindet.
Ihr Blinden! Was ist größer:
das Opfer oder der Altar, der das Opfer heiligt?
Darum, wer da schwört bei
dem Altar, der schwört bei demselben und bei allem, was
darauf ist.
Und wer da schwört bei
dem Tempel, der schwört bei demselben und bei dem, der darin
wohnt.
Und wer da schwört bei
dem Himmel, der schwört bei dem Thron Gottes und bei dem,
der darauf sitzt.
Weh euch,
Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr
verzehntet Minze, Dill und Kümmel und lasset dahinten das
Wichtigste im Gesetz, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit
und den Glauben! Dies sollte man tun und jenes nicht lassen.
Ihr blinden Führer, die
ihr Mücken seihet und Kamele verschluckt!
Weh euch,
Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die
Becher und Schüsseln auswendig rein haltet, inwendig aber
sind sie voll Raub und Gier!
Du blinder Pharisäer,
reinige zum ersten, was inwendig im Becher ist, auf daß
auch das Auswendige rein werde!
Weh euch,
Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid
gleichwie die übertünchten Gräber, welche
auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller
Totengebeine und lauter Unrat!
So auch ihr: von außen
scheinet ihr vor den Menschen fromm, aber inwendig seid ihr
voller Heuchelei und Übertretung.
Weh euch,
Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den
Propheten Grabmäler bauet und schmücket der Gerechten
Gräber
und sprecht: Wären wir zu
unsrer Väter Zeiten gewesen, so wären wir nicht mit
ihnen schuldig geworden an der Propheten Blut!
So gebt ihr über euch
selbst Zeugnis, daß ihr Kinder seid derer, die die
Propheten getötet haben.
Wohlan, erfüllet auch ihr
das Maß eurer Väter!
Ihr Schlangen, ihr
Otterngezüchte! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis
entrinnen?
Darum siehe, ich sende
zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und deren werdet
ihr etliche töten und kreuzigen, und etliche werdet ihr
geißeln in euren Synagogen und werdet sie verfolgen von
einer Stadt zu der andern,
auf daß über euch
komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem
Blut des gerechten Abel an bis auf das Blut des Zacharias, des
Sohnes Barachjas, welchen ihr getötet habt zwischen Tempel
und Altar.
Wahrlich, ich sage euch, daß
solches alles wird über dies Geschlecht kommen.
Klage über Jerusalem
Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten
und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine
Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein
unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt!
Siehe, «euer Haus soll
euch wüste gelassen werden» (Jeremia
22,5; Psalm 69,26; 1. Könige 9,7.8).
Denn ich sage euch: Ihr werdet
mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Gelobt sei, der
da kommt im Namen des Herrn!
Vom Kommen Christi
Kapitel 24
Und Jesus ging hinweg von dem
Tempel, und seine Jünger traten zu ihm, daß sie ihm
zeigten des Tempels Gebäude.
Er aber sprach zu ihnen: Sehet
ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht
ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.
Und als er auf dem
Ölberge saß, traten zu ihm seine Jünger besonders
und sprachen: Sage uns, wann wird das geschehen? und welches wird
das Zeichen sein deines Kommens und des Endes der Welt?
Jesus aber antwortete und
sprach zu ihnen: Sehet zu, daß euch nicht jemand verführe.
Denn es werden viele kommen
unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und werden
viele verführen.
Ihr werdet hören von
Kriegen und Kriegsgeschrei; sehet zu und erschrecket nicht. Denn
das muß so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende.
Denn es wird sich empören
ein Volk wider das andere und ein Königreich wider das
andere, und werden sein teure Zeit und Erdbeben hin und her.
Das alles aber ist der Anfang
der Wehen.
Alsdann werden sie euch
überantworten in Trübsal und werden euch töten.
Und ihr werdet gehaßt werden um meines Namens willen von
allen Völkern.
Dann werden viele der
Anfechtung erliegen und werden sich untereinander verraten und
werden sich untereinander hassen.
Und es werden sich viele
falsche Propheten erheben und werden viele verführen.
Und weil der Unglaube wird
überhandnehmen, wird die Liebe in vielen erkalten.
Wer aber beharret bis ans Ende, der wird selig.
Und es wird gepredigt werden
dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für
alle Völker, und dann wird das Ende kommen.
Wenn ihr nun sehen
werdet den Greuel der Verwüstung stehen an der heiligen
Stätte, von dem gesagt ist durch den Propheten Daniel
(Daniel 9,27; 11,31) – wer das
liest, der merke auf! -,
alsdann fliehe auf die Berge,
wer im jüdischen Lande ist;
und wer auf dem Dach ist, der
steige nicht hernieder, etwas aus seinem Hause zu holen;
und wer auf dem Felde ist, der
kehre nicht um, seinen Mantel zu holen.
Weh aber den Schwangeren und
Säugenden zu jener Zeit!
Bittet aber, daß eure
Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat.
Denn es wird alsdann eine
große Trübsal sein, wie sie nicht gewesen ist von
Anfang der Welt bisher und auch nicht wieder werden wird.
Und wenn diese Tage nicht
würden verkürzt, so würde kein Mensch selig; aber
um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzt.
Wenn alsdann jemand zu euch
wird sagen: Siehe, hier ist der Christus! oder da!, so sollt
ihr's nicht glauben.
Denn mancher falsche Christus
und falsche Propheten werden aufstehen und große Zeichen
und Wunder tun, so daß, wenn es möglich wäre,
auch die Auserwählten verführt würden.
Siehe, ich habe es euch zuvor
gesagt.
Darum, wenn sie zu euch sagen
werden: Siehe, er ist in der Wüste!, so gehet nicht hinaus;
siehe, er ist in der Kammer!, so glaubt es nicht.
Denn wie der Blitz ausgeht vom
Aufgang und leuchtet bis zum Niedergang, so wird auch sein das
Kommen des Menschensohnes.
Wo das Aas ist, da sammeln
sich die Geier.
Bald aber nach der
Trübsal jener Zeit werden Sonne und Mond den Schein
verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die
Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.
Und alsdann wird erscheinen
das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und alsdann werden
heulen alle Geschlechter auf Erden und werden kommen sehen des
Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft
und Herrlichkeit.
Und er wird senden seine Engel
mit hellen Posaunen, und sie werden sammeln seine Auserwählten
von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern.
An dem Feigenbaum
lernet ein Gleichnis: wenn sein Zweig jetzt treibt und die
Blätter kommen, so wißt ihr, daß der Sommer nahe
ist.
So auch ihr: wenn ihr das
alles sehet, so wisset, daß es nahe vor der Tür ist.
Wahrlich, ich sage euch: Dies
Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß dieses alles
geschehe.
Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte
werden nicht vergehen.
Von dem Tage aber und von der
Stunde weiß niemand, auch die Engel nicht im Himmel, auch
nicht der Sohn, sondern allein der Vater.
Denn wie es in den Tagen Noahs
war, so wird auch sein das Kommen des Menschensohnes.
Denn wie sie waren in den
Tagen vor der Sintflut – sie aßen, sie tranken, sie
freiten und ließen sich freien bis an den Tag, da Noah in
die Arche hineinging; -
und sie achteten's nicht, bis
die Sintflut kam und nahm sie alle dahin -, so wird auch sein das
Kommen des Menschensohnes.
Dann werden zwei auf dem Felde
sein; einer wird angenommen, und der andere wird verworfen
werden.
Zwei werden mahlen auf der
Mühle, eine wird angenommen, und die andere wird verworfen
werden.
Vom Warten auf das Kommen Christi
Darum wachet; denn ihr
wisset nicht, welchen Tag euer Herr kommen wird.
Das sollt ihr aber wissen:
Wenn ein Hausvater wüßte, zu welcher Stunde in der
Nacht der Dieb kommt, so würde er ja wachen und nicht in
sein Haus einbrechen lassen.
Darum seid auch ihr bereit!
Denn des Menschen Sohn kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht
meinet.
Wer ist nun der treue
und kluge Knecht, den der Herr gesetzt hat über sein
Gesinde, daß er ihnen zu rechter Zeit Speise gebe?
Selig ist der Knecht, wenn
sein Herr kommt und findet ihn solches tun.
Wahrlich, ich sage euch: Er
wird ihn über alle seine Güter setzen.
Wenn aber jener als ein böser
Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr kommt noch lange nicht,
und fängt an, zu schlagen
seine Mitknechte, isset und trinket mit den Trunkenen:
so wird der Herr desselben
Knechtes kommen an dem Tage, da er sich's nicht versieht, und zu
der Stunde, da er's nicht meint,
und wird ihn in Stücke hauen lassen und ihm seinen
Lohn geben mit den Heuchlern; da wird sein Heulen und
Zähneklappen.
Die klugen und törichten Jungfrauen
Kapitel 25
Dann wird das
Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen
und gingen aus, dem Bräutigam entgegen.
Aber fünf unter ihnen waren töricht, und fünf
waren klug.
Die törichten nahmen ihre Lampen; aber sie nahmen
nicht Öl mit sich.
Die klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen
samt ihren Lampen.
Da nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle
schläfrig und schliefen ein.
Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der
Bräutigam kommt; gehet aus, ihm entgegen!
Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre
Lampen fertig.
Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns
von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen.
Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde
es für uns und euch nicht genug sein; gehet aber hin zu den
Krämern und kaufet für euch selbst.
Und da sie hingingen, zu kaufen, kam der Bräutigam;
und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die
Tür ward verschlossen.
Zuletzt kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen:
Herr, Herr, tu uns auf!
Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch:
Ich kenne euch nicht.
Darum wachet! Denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, <in
welcher des Menschen Sohn kommen wird>.
Die anvertrauten Zentner
Gleichwie ein
Mensch, der über Land zog, rief seine Knechte und vertraute
ihnen seine Habe an;
und einem gab er fünf Zentner Silber, dem andern
zwei, dem dritten einen, einem jeden nach seiner Tüchtigkeit,
und zog hinweg.
Alsbald ging der hin, der die fünf Zentner empfangen
hatte, und handelte mit denselben und gewann andere fünf.
Desgleichen, der die zwei Zentner empfangen hatte, gewann
zwei andere.
Der aber den einen empfangen hatte, ging hin und machte
eine Grube in die Erde und verbarg seines Herrn Geld.
Über eine lange Zeit kam der Herr dieser Knechte und
hielt Rechenschaft mit ihnen.
Da trat herzu, der die fünf Zentner empfangen hatte,
und legte andere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast
mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit andere
fünf Zentner gewonnen.
Da sprach sein Herr zu ihm: Ei, du frommer und getreuer
Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich
über viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude!
Da trat auch herzu, der die
zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei
Zentner anvertraut; siehe da, ich habe mit denselben zwei andere
gewonnen.
Sein Herr sprach zu ihm: Ei,
du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu
gewesen, ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines
Herrn Freude!
Da trat auch herzu, der einen
Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wußte, daß
du ein harten Mann bist: du schneidest, wo du nicht gesät
hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;
und ich fürchtete mich,
ging hin und verbarg deinen Zentner in die Erde. Siehe, da hast
du das Deine.
Sein Herr aber antwortete und
sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wußtest du,
daß ich schneide, wo ich nicht gesät habe, und sammle,
wo ich nicht ausgestreut habe,
so solltest du mein Geld zu
den Wechslern getan haben, und wenn ich gekommen wäre, hätte
ich das Meine zu mir genommen mit Zinsen.
Darum nehmet von ihm den
Zentner und gebet ihn dem, der die zehn Zentner hat.
Denn wer da hat, dem wird
gegeben werden, und er wird die Fülle haben, wer aber nicht
hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.
Und den unnützen Knecht
werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und
Zähneklappen.
Vom Weltgericht
Wenn aber des Menschen Sohn
kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann
wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit,
und werden vor ihm alle Völker
versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden,
gleichwie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet,
und wird die Schafe zu seiner
Rechten stellen und die Böcke zur Linken.
Da wird dann der König
sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten
meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von
Anbeginn der Welt!
Denn ich bin hungrig gewesen,
und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt
mich getränkt. Ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt
mich beherbergt.
Ich bin nackt gewesen, und ihr
habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich
besucht. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.
Dann werden ihm die Gerechten
antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen
und haben dich gespeist? oder durstig und haben dich getränkt?
Wann haben wird dich als einen
Fremdling gesehen und beherbergt? oder nackt und haben dich
bekleidet?
Wann haben wir dich krank oder
gefangen gesehen und sind zu dir gekommen?
Und der König wird
antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr
getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das
habt ihr mir getan.
Dann wird er auch sagen
zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das
ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!
Ich bin hungrig gewesen, und
ihr habt mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr
habt mich nicht getränkt.
Ich bin ein Fremdling gewesen,
und ihr habt mich nicht beherbergt. Ich bin nackt gewesen, und
ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen
gewesen, und ihr habt mich nicht besucht.
Da werden sie ihm auch
antworten und sagen: Herr, wann haben wird dich gesehen hungrig
oder durstig oder als einen Fremdling oder nackt oder krank oder
gefangen und haben dir nicht gedient?
Dann wird er ihnen antworten
und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt
einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.
Und sie werden in die ewige
Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben.
Letzte Leidensankündigung
Kapitel 26
Und es begab
sich, da Jesus alle diese Reden vollendet hatte, sprach er zu
seinen Jüngern:
Ihr wisset, daß nach zwei Tagen Ostern
wird; und des Menschen Sohn wird überantwortet werden, daß
er gekreuzigt werde.
Da versammelten sich die Hohenpriester und die
Ältesten des Volkes im Palast des Hohenpriesters, der da
hieß Kaiphas,
und hielten Rat, wie sie Jesus mit List griffen und
töteten.
Sie sprachen aber: Ja nicht am Fest, auf daß nicht
ein Aufruhr werde im Volk!
Salbung in Bethanien
Da nun Jesus war
zu Bethanien im Hause Simons, des Aussätzigen,
trat zu ihm eine Frau, die hatte ein Glas mit köstlichem
Wasser und goß es auf sein Haupt, als er zu Tische saß.
Da das seine Jünger sahen, wurden sie unwillig und
sprachen: Wozu diese Vergeudung?
Dieses Wasser hätte können teuer verkauft und
den Armen gegeben werden.
Da das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Was bekümmert
ihr die Frau? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.
Arme habt ihr allezeit bei euch; mich aber habt ihr nicht
allezeit.
Daß sie dies Wasser hat auf meinen Leib gegossen,
hat sie getan, daß sie mich fürs Grab bereite.
Wahrlich, ich sage euch: Wo dieses Evangelium gepredigt
wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem
Gedächtnis, was sie getan hat.
Verrat des Judas
Da ging hin der
Zwölfe einer, mit Namen Judas Ischarioth, zu den
Hohenpriestern
und sprach: * Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch
verraten. Und sie boten ihm + dreißig Silberlinge.
*Johannes 11,57. +Sacharja 11,12.
Und von da an suchte er Gelegenheit, daß er ihn
verriete.
Das heilige Abendmahl
Aber am ersten
Tage der ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus
und sprachen zu ihm: Wo willst du, daß wird dir bereiten,
das Osterlamm zu essen?
Er sprach: Gehet hin in die Stadt zu einem und sprecht zu
ihm: Der Meister läßt dir sagen: Meine Zeit ist nahe;
ich will bei dir Ostern halten mit meinen Jüngern.
Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte,
und bereiteten das Osterlamm.
Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den
Zwölfen.
Und da sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch:
Einer unter euch wird mich verraten.
Und sie wurden sehr betrübt und hoben an, ein
jeglicher unter ihnen, und sagten zu ihm: Herr, bin ich's?
Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die
Schüssel getaucht hat, der wird mich verraten.
Des Menschen Sohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben
steht; doch weh dem Menschen, durch welchen des Menschen Sohn
verraten wird! Es wäre ihm besser, daß derselbe Mensch
nie geboren wäre.
Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin
ich's, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es.
Da sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und
brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das
ist mein Leib.
Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und
sprach: Trinket alle daraus;
das ist mein Blut des neuen Testaments, welches
vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.
Ich sage euch: Ich werde von
nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken
bis an den Tag, da ich's neu trinken werde mit euch in meines
Vaters Reich.
Und da sie den Lobgesang
gesprochen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.
Ankündigung der Verleugnung des Petrus
Da sprach Jesus zu ihnen: In
dieser Nacht werdet ihr alle Ärgernis nehmen an mir. Denn es
steht geschrieben (Sacharja 13,7):
«Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde
werden sich zerstreuen.»
Wenn ich aber auferstehe, will
ich vor euch hingehen nach Galiläa.
Petrus aber antwortete und
sprach zu ihm: Wenn sie auch alle Ärgernis nähmen an
dir, so will ich's doch nimmermehr tun.
Jesus sprach zu ihm: Wahrlich,
ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du
mich dreimal verleugnen.
Petrus sprach zu ihm: Und wenn
ich mit dir sterben müßte, so will ich dich nicht
verleugnen. Desgleichen sagten auch alle Jünger.
Jesus in Gethsemane
Da kam Jesus mit ihnen zu
einem Hofe, der hieß Gethsemane, und sprach zu seinen
Jüngern: Setzet euch hier, bis daß ich dorthin gehe
und bete.
Und er nahm zu sich Petrus und
die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und
zu zagen.
Da sprach Jesus zu ihnen:
Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibet hier und
wachet mit mir!
Und er ging hin ein wenig,
fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein
Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber;
doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!
Und er kam zu seinen Jüngern
und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Könnet ihr denn
nicht eine Stunde mit mir wachen?
Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung
fallet! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.
Zum andern Mal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein
Vater, ist's nicht möglich, daß dieser Kelch an mir
vorübergehe, ich trinke ihn denn, so geschehe dein Wille!
Und er kam und fand sie
abermals schlafend, und ihre Augen waren voll Schlafs.
Und er ließ sie und ging
abermals hin und betete zum dritten Mal und redete dieselben
Worte.
Da kam er zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Ach,
wollt ihr nun schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist da, daß
des Menschen Sohn in der Sünder Hände überantwortet
wird.
Stehet auf, laßt uns gehen! Siehe, er ist da, der
mich verrät.
Jesu Gefangennahme
Und als er noch
redete, siehe, da kam Judas, der Zwölfe einer, und mit ihm
eine große Schar mit Schwertern und mit Stangen von den
Hohenpriestern und Ältesten des Volkes.
Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und
gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist's; den greifet.
Und alsbald trat er zu Jesus und sprach: Gegrüßet
seist du, Rabbi! und küßte ihn.
Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du
gekommen? Da traten sie hinzu und legten die Hände an Jesus
und griffen ihn.
Und siehe, einer von denen, die mit Jesus waren, reckte
die Hand aus und zog sein Schwert und schlug nach des
Hohenpriesters Knecht und hieb ihm ein Ohr ab.
Da sprach Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert an seinen Ort!
Denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen.
Oder meinst du, daß ich nicht könnte meinen
Vater bitten, daß er mir zuschickte alsbald mehr als zwölf
Legionen Engel?
Wie würde dann aber die Schrift erfüllt, daß
es muß also geschehen?
Zu der Stunde sprach Jesus zu den Scharen: Ihr seid
ausgegangen wie zu einem Mörder mit Schwertern und mit
Stangen, mich zu fangen. Habe ich doch täglich im Tempel
gesessen und habe gelehrt, und ihr habt mich nicht gegriffen.
Aber das ist alles geschehen, damit erfüllt würden
die Schriften der Propheten. Da verließen ihn alle Jünger
und flohen.
Vor dem Hohen Rat
Die aber Jesus
gegriffen hatten, führten ihn zu dem Hohenpriester Kaiphas,
wo die Schriftgelehrten und Ältesten sich versammelt hatten.
Petrus aber folgte ihm nach von ferne bis in den Palast
des Hohenpriesters und ging hinein und setzte sich zu den
Knechten, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte.
Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten
falsch Zeugnis wider Jesus, auf daß sie ihn töteten.
Und wiewohl viele falsche Zeugen herzutraten, fanden sie
doch keins. Zuletzt traten zwei herzu
und sprachen: Er hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes
abbrechen und in drei Tagen aufbauen.
Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm:
Antwortest du nichts zu dem, was diese wider dich zeugen?
Aber Jesus schwieg stille. Und der Hohepriester sprach zu
ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß
du uns sagest, ob du seist der Christus, der Sohn Gottes.
Jesus sprach zu ihm: Du sagst es. Auch sage ich euch:
Von nun an wird's geschehen, daß ihr sehen werdet des
Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen in den
Wolken des Himmels.
Da zerriß der
Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert!
Was bedürfen wir weiter Zeugnis? Siehe, jetzt habt ihr seine
Gotteslästerung gehört.
Was dünkt euch? Sie
antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig.
Da spien sie aus in sein
Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Etliche aber
schlugen ihn ins Angesicht
und sprachen: Weissage uns,
Christe, wer ist's, der dich schlug?
Verleugnung des Petrus
Petrus aber saß draußen
im Hof; und es trat zu ihm eine Magd und sprach: Und du warst
auch mit dem Jesus aus Galiläa.
Er leugnete aber vor ihnen
allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst.
Als er aber zur Tür
hinausging, sah ihn eine andere und sprach zu denen, die da
waren: Dieser war auch mit Jesus von Nazareth.
Und er leugnete abermals und
schwur dazu: Ich kenne den Menschen nicht.
Und über eine kleine
Weile traten hinzu, die da standen, und sprachen zu Petrus:
Wahrlich, du bist auch einer von denen, denn deine Sprache verrät
dich.
Da hob er an, sich zu
verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht.
Und alsbald krähte der Hahn.
Da dachte Petrus an die Worte
Jesu, da er zu ihm sagte: Ehe der Hahn krähen wird, wirst du
mich dreimal verleugnen, und ging hinaus und weinte bitterlich.
Vor Pilatus. Ende des Verräters
Kapitel 27
Des Morgens aber hielten alle
Hohenpriester und die Ältesten des Volkes einen Rat über
Jesus, daß sie ihn töteten,
und banden ihn, führten
ihn hin und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontius
Pilatus.
Da das sah Judas, der
ihn verraten hatte, daß er verdammt war zum Tode, gereute
es ihn, und brachte wieder die dreißig Silberlinge den
Hohenpriestern und den Ältesten
und sprach: Ich habe übel
getan, daß ich unschuldig Blut verraten habe. Sie sprachen:
Was geht uns das an? Da siehe du zu!
Und er warf die Silberlinge in
den Tempel, hob sich davon, ging hin und erhängte sich
selbst.
Aber die Hohenpriester nahmen
die Silberlinge und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie
in den Gotteskasten legen; denn es ist Blutgeld.
Sie hielten aber einen Rat und
kauften den Töpfersacker dafür zum Begräbnis der
Pilger.
Daher ist dieser Acker genannt
der Blutacker bis auf den heutigen Tag.
Da ward erfüllt, was
gesagt ist durch den Propheten Jeremia, da er spricht: «Sie
haben genommen die dreißig Silberlinge, den Preis, zu dem
geschätzt war der Verkaufte, welchen sie kauften von den
Kindern Israel,
und haben sie gegeben für
den Töpfersacker, wie mir der Herr befohlen hat»
(Sacharja 11,12.13).
Jesus aber stand vor
dem Landpfleger; und der Landpfleger fragte ihn und sprach: Bist
du der Juden König? Jesus aber sprach: Du sagst es.
Und da er verklagt ward von
den Hohenpriestern und Ältesten, antwortete er nichts.
Da sprach Pilatus zu ihm:
Hörst du nicht, wie hart sie dich verklagen?
Und er antwortete ihm nicht
auf ein Wort, so daß sich der Landpfleger sehr
verwunderte.
Verurteilung und Verspottung
Auf das Fest aber hatte der
Landpfleger die Gewohnheit, dem Volk einen Gefangenen loszugeben,
welchen sie wollten.
Sie hatten aber zu der Zeit
einen besonderen Gefangenen, der hieß Barabbas.
Und da sie versammelt waren,
sprach Pilatus zu ihnen: Welchen wollt ihr, daß ich euch
losgebe, Barabbas oder Jesus, von dem gesagt wird, er sei der
Christus?
Denn er wußte wohl, daß
sie ihn aus Neid überantwortet hatten.
Und da er auf dem Richterstuhl
saß, schickte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen:
Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; ich habe heute
viel erlitten im Traum seinetwegen.
Aber die Hohenpriester und die
Ältesten überredeten das Volk, daß sie um
Barabbas bitten sollten und Jesus umbrächten.
Da hob der Landpfleger an und
sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr unter diesen zweien, den ich
euch soll losgeben? Sie sprachen: Barabbas!
Pilatus sprach zu ihnen: Was
soll ich denn machen mit Jesus, von dem gesagt wird, er sei der
Christus? Sie sprachen alle: Laß ihn kreuzigen!
Der Landpfleger sagte: Was hat
er denn Übles getan? Sie schrien aber noch mehr und
sprachen: Laß ihn kreuzigen!
Da aber Pilatus sah, daß
er nichts ausrichtete, sondern vielmehr ein Getümmel
entstand, nahm er Wasser und wusch die Hände vor dem Volk
und sprach: Ich bin unschuldig an seinem Blut; sehet ihr zu!
Da antwortete das ganze Volk
und sprach: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!
Da gab er ihnen Barabbas los,
aber Jesus ließ er geißeln und überantwortete
ihn, daß er gekreuzigt würde.
Da nahmen die
Kriegsknechte des Landpflegers Jesus mit sich in das Richthaus
und holten die ganze Schar zu ihm her
und zogen ihn aus und legten
ihm einen Purpurmantel an
und flochten eine Dornenkrone
und setzten sie auf sein Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine
rechte Hand und beugten die Knie vor ihm und verspotteten ihn und
sprachen: Gegrüßet seist du, der Juden König!
und spien ihn an und nahmen
das Rohr und schlugen damit sein Haupt.
Kreuzigung und Tod
Und da sie ihn verspottet
hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider
an und führten ihn hin, daß sie ihn kreuzigten.
Und wie sie
hinausgingen, fanden sie einen Menschen von Kyrene mit Namen
Simon; den zwangen sie, daß er ihm sein Kreuz trug.
Und da sie an die
Stätte kamen mit Namen Golgatha, das ist verdeutscht:
Schädelstätte,
gaben sie ihm Wein zu trinken
mit Galle vermischt; und da er's schmeckte, wollte er nicht
trinken.
Da sie ihn aber gekreuzigt
hatten, teilten sie seine Kleider und warfen das Los darum, damit
erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten
(Psalm 22,19): «Sie
haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über meinen
Rock das Los geworfen.»
Und sie saßen allda und
bewachten ihn.
Und oben zu seinen Häupten
setzten sie die Ursache seines Todes, und war geschrieben: Dies
ist Jesus, der Juden König.
Und da wurden zwei Mörder
mit ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken.
Die aber vorübergingen,
lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe
und sprachen: Der du den
Tempel zerbrichst und baust ihn in drei Tagen, hilf dir selber!
Bist du Gottes Sohn, so steig herab vom Kreuz!
Desgleichen spotteten auch die
Hohenpriester samt den Schriftgelehrten und Ältesten und
sprachen:
Andern hat er geholfen und
kann sich selber nicht helfen. Ist er der König Israels, so
steige er nun vom Kreuz. Dann wollen wir an ihn glauben.
Er hat Gott vertraut; der
erlöse ihn nun, hat er Lust zu ihm; denn er hat gesagt: Ich
bin Gottes Sohn.
Desgleichen schmähten ihn
auch die Mörder, die mit ihm gekreuzigt waren.
Und von der sechsten
Stunde an ward eine Finsternis über das ganze Land bis zur
neunten Stunde.
Und um die neunte Stunde
schrie Jesus laut und sprach: Eli, Eli, lama asabthani? das
ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Etliche aber, die da standen,
da sie das hörten, sprachen sie: Der ruft den Elia.
Und alsbald lief einer von
ihnen, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und
steckte ihn auf ein Rohr und tränkte ihn.
Die andern aber sprachen:
Halt, laß sehen, ob Elia komme und ihm helfe!
Aber Jesus schrie abermals
laut und verschied.
Und siehe da, der
Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke von obenan bis
untenaus.
Und die Erde erbebte, und die
Felsen zerrissen, und die Gräber taten sich auf und standen
auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen,
und gingen aus den Gräbern
nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und
erschienen vielen.
Aber der Hauptmann und die bei
ihm waren und Jesus bewachten, da sie sahen das Erdbeben und was
da geschah, erschraken sie sehr und sprachen: Wahrlich, dieser
ist Gottes Sohn gewesen!
Und es waren viele Frauen da,
die von ferne zusahen, die da Jesus waren nachgefolgt aus Galiläa
und hatten ihm gedient;
unter welchen war Maria
Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus und Joseph, und die
Mutter der Kinder des Zebedäus.
Jesu Grablegung
Am Abend aber kam ein reicher
Mann von Arimathia, der hieß Joseph, welcher auch ein
Jünger Jesu war.
Der ging zu Pilatus und bat
ihn um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm ihn
geben.
Und Joseph nahm den Leib und
wickelte ihn in eine reine Leinwand
und legte ihn in sein eigenes
neues Grab, welches er in einen Fels hatte hauen lassen, und
wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes
und ging davon.
Es war aber allda Maria
Magdalena und die andere Maria, die setzten sich dem Grab
gegenüber.
Bewachung des Grabes
Des andern Tages, der da folgt
nach dem Rüsttag, kamen die Hohenpriester und Pharisäer
sämtlich zu Pilatus
und sprachen: Herr, wir haben
bedacht, daß dieser Verführer sprach, da er noch
lebte: Ich will nach drei Tagen auferstehen.
Darum befiehl, daß man
das Grab verwahre bis an den dritten Tag, auf daß nicht
seine Jünger kommen und stehlen ihn und sagen zum Volk: Er
ist auferstanden von den Toten; und werde der letzte Betrug ärger
als der erste.
Pilatus sprach zu ihnen: Da
habt ihr die Hüter; gehet hin und verwahret es, so gut ihr
könnt.
Sie gingen hin und verwahrten
das Grab mit den Hütern und versiegelten den Stein.
Die Auferstehung
Kapitel 28
Als aber der
Sabbat um war und der erste Tag der Woche anbrach, kam Maria
Magdalena und die andere Maria, das Grab zu besehen.
Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein
Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte
den Stein ab und setzte sich darauf.
Und seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Kleid
weiß wie Schnee.
Die Hüter aber erschraken vor Furcht und wurden, als
wären sie tot.
Aber der Engel hob an und sprach zu den Frauen: Fürchtet
euch nicht! Ich weiß, daß ihr Jesus, den
Gekreuzigten, suchet.
Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat.
Kommt her und sehet die Stätte, da er gelegen hat;
und gehet eilend hin und sagt es seinen Jüngern, daß
er auferstanden sei von den Toten. Und siehe, er wird vor euch
hingehen nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich
habe es euch gesagt.
Und sie gingen eilend vom Grabe mit Furcht und großer
Freude und liefen, daß sie es seinen Jüngern
verkündigten.
Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid
gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfaßten
seine Füße und fielen vor ihm nieder.
Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Gehet
hin und verkündigt es meinen Brüdern, daß sie
gehen nach Galiläa; daselbst werden sie mich sehen.
Da sie aber hingingen, siehe, da kamen etliche von
den Hütern in die Stadt und verkündeten den
Hohenpriestern alles, was geschehen war.
Und sie kamen zusammen mit den Ältesten und hielten
einen Rat und gaben den Kriegsknechten Geld genug
und sprachen: Saget, seine Jünger kamen des Nachts
und stahlen ihn, während wir schliefen.
Und wenn es würde herauskommen bei dem Landpfleger,
wollen wir ihn beschwichtigen und sorgen, daß ihr sicher
seid.
Und sie nahmen das Geld und taten, wie sie gewiesen waren.
Und so ist dies zum Gerede geworden bei den Juden bis auf den
heutigen Tag.
Der Missionsbefehl
Aber die elf
Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus
sie beschieden hatte.
Und da sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; etliche
aber zweifelten.
Und Jesus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: Mir
ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.
Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker:
taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des
heiligen Geistes
und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen
habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
DAS
EVANGELIUM NACH MARKUS
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