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DAS EVANGELIUM NACH MATTHÄUS

Kapitel 15 - 28









Menschensatzungen und Gottes Gebot

Kapitel 15

  1. Da kamen zu Jesus Pharisäer und Schriftgelehrte von Jerusalem und sprachen:

  2. Warum übertreten deine Jünger die Satzungen der Ältesten? Sie unterlassen die Waschung der Hände vor dem Essen.

  3. Er antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet denn ihr Gottes Gebot um eurer Satzungen willen?

  4. Gott hat geboten (2. Mose 20,12; 21,17): «Du sollst Vater und Mutter ehren; wer aber Vater und Mutter flucht, der soll des Todes sterben.»

  5. Aber ihr lehret: Wer zu Vater oder Mutter spricht: Ich opfere Gott, was dir sollte von mir zukommen,

  6. der braucht seinen Vater oder seine Mutter nicht zu ehren; und so habt ihr Gottes Gebot aufgehoben um eurer Satzungen willen.

  7. Ihr Heuchler, gar fein hat Jesaja von euch geweissagt und gesprochen (Jesaja 29,13):

  8. «Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist ferne von mir;

  9. vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts als Menschengebote sind.»

  10. Und er rief das Volk zu sich und sprach zu ihm: Höret zu und fasset es!

  11. Was zum Munde eingeht, das macht den Menschen nicht unrein; sondern was zum Munde ausgeht, das macht den Menschen unrein.

  12. Da traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Weißt du auch, daß die Pharisäer an dem Worte Ärgernis nahmen, als sie es hörten?

  13. Aber er antwortete und sprach: Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgerissen.

  14. Lasset sie, sie sind blinde Blindenleiter! Wenn aber ein Blinder den andern leitet, so fallen sie beide in die Grube.

  15. Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Deute uns dies Gleichnis.

  16. Und Jesus sprach zu ihnen: Seid denn auch ihr noch immer unverständig?

  17. Merket ihr noch nicht, daß alles, was zum Munde eingeht, das geht in den Bauch und wird durch den natürlichen Gang ausgeworfen?

  18. Was aber zum Munde herausgeht, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein.

  19. Denn aus dem Herzen kommen arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Dieberei, falsch Zeugnis, Lästerung.

  20. Das sind die Stücke, die den Menschen unrein machen. Aber ohne Waschung der Hände essen macht den Menschen nicht unrein.

Das kanaanäische Weib. Heilungen

  1. Und Jesus ging fort von dannen und entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon.

  2. Und siehe, ein kanaanäisches Weib kam aus jener Gegend und schrie ihm nach und sprach: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich mein! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt.

  3. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreit uns nach.

  4. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

  5. Sie kam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir!

  6. Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.

  7. Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die von ihrer Herren Tisch fallen.

  8. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Weib, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter ward gesund zu derselben Stunde.

  9. Und Jesus ging von dannen weiter und kam an das Galiläische Meer und ging auf einen Berg und setzte sich allda.

  10. Und es kam zu ihm viel Volks, die hatten mit sich Lahme, Krüppel, Blinde, Stumme und viele andere und legten sie Jesus vor die Füße, und er heilte sie,

  11. so daß sich das Volk verwunderte, da sie sahen, daß die Stummen redeten, die Krüppel gesund waren, die Lahmen gingen, die Blinden sahen; und sie priesen den Gott Israels.

Speisung der Viertausend

  1. Und Jesus rief seine Jünger zu sich und sprach: Es jammert mich des Volks; denn sie sind nun schon drei Tage lang bei mir und haben nichts zu essen; und ich will sie nicht ohne Speise von mir lassen, auf daß sie nicht verschmachten auf dem Wege.

  2. Da sprachen zu ihm seine Jünger: Woher sollen wir so viel Brot nehmen in der Wüste, daß wir so viel Volks sättigen?

  3. Und Jesus sprach zu ihnen: Wieviel Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben und wenige Fischlein.

  4. Und er hieß das Volk sich lagern auf die Erde

  5. und nahm die sieben Brote und die Fische, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk.

  6. Und sie aßen alle und wurden satt; und hoben auf, was übrigblieb von Brocken, sieben Körbe voll.

  7. Und die da gegessen hatten, waren viertausend Mann, ohne die Frauen und Kinder.

  8. Und da er das Volk hatte von sich gelassen, trat er in ein Schiff und kam in das Gebiet von Magadan*.

    *Nach anderer Überlieferung: Magdala.

Zeichenforderung der Pharisäer

Kapitel 16

  1. Da traten die Pharisäer und Sadduzäer zu ihm; die versuchten ihn und forderten, daß er sie ein Zeichen vom Himmel sehen ließe.

  2. Aber er antwortete und sprach: <Des Abends sprecht ihr: Es wird ein schöner Tag werden, denn der Himmel ist rot.

  3. Und des Morgens sprecht ihr: Es wird heute Ungewitter sein, denn der Himmel ist rot und trübe. Über des Himmels Aussehen könnt ihr urteilen; könnt ihr dann nicht auch über die Zeichen der Zeit urteilen?>

  4. Dieses böse und abtrünnige Geschlecht sucht ein Zeichen; und soll ihm kein Zeichen gegeben werden denn das Zeichen des Jona. Und er ließ sie und ging davon.

Vom Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer

  1. Und als die Jünger ans andere Ufer gekommen waren, hatten sie vergessen, Brot mit sich zu nehmen.

  2. Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!

  3. Da dachten sie bei sich selbst und sprachen: Das wird's sein, daß wir nicht haben Brot mit uns genommen.

  4. Da das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, was bekümmert ihr euch doch, daß ihr nicht Brot habt?

  5. Verstehet ihr noch nicht? Gedenket ihr nicht an die fünf Brote unter die fünftausend und wieviel Körbe ihr da aufhobt,

  6. auch nicht an die sieben Brote unter die viertausend und wieviel Körbe ihr da aufhobt?

  7. Wie verstehet ihr denn nicht, daß ich nicht vom Brot zu euch rede? Hütet euch aber vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!

  8. Da verstanden sie, daß er nicht gesagt hatte, daß sie sich hüten sollten vor dem Sauerteig des Brots, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.

Das Bekenntnis des Petrus

  1. Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, daß des Menschen Sohn sei?

  2. Sie sprachen: Etliche sagen, du seiest Johannes der Täufer; andere, du seiest Elia; wieder andere, du seiest Jeremia oder der Propheten einer.

  3. Er sprach zu ihnen: Wer saget denn ihr, daß ich sei?

  4. Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!

  5. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

  6. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.

  7. Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben, und alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein.

  8. Da bedrohte er seine Jünger, daß sie niemand sagen sollten, daß er der Christus wäre.

Erste Leidensankündigung

  1. Seit der Zeit fing Jesus Christus an und zeigte seinen Jüngern, wie er müßte hin nach Jerusalem gehen und viel leiden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen.

  2. Und Petrus nahm ihn zu sich, fuhr ihn an und sprach: Herr, das verhüte Gott! Das widerfahre dir nur nicht!

  3. Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Hebe dich, Satan, von mir! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.

  4. Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.

  5. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden.

  6. Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?

  7. Denn es wird geschehen, daß des Menschen Sohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und alsdann wird er einem jeglichen vergelten nach seinen Werken.

  8. Wahrlich, ich sage euch: Es stehen etliche hier, die nicht schmecken werden den Tod, bis daß sie des Menschen Sohn kommen sehen in seinem Reich.

Verklärung Jesu

Kapitel 17

  1. Und nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, und ging mit ihnen allein auf einen hohen Berg.

  2. Und er ward verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.

  3. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm.

  4. Petrus aber hob an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist für uns gut sein! Willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, Mose eine und Elia eine.

  5. Da er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!

  6. Da das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr.

  7. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Stehet auf und fürchtet euch nicht!

  8. Da sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.

  9. Und da sie vom Berge herabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt dies Gesicht niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Toten auferstanden ist.

  10. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Was sagen denn die Schriftgelehrten, zuvor müsse * Elia kommen?

    *Kapitel 11,14. Maleachi 3,23.

  11. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Elia soll freilich kommen und alles zurechtbringen.

  12. Doch ich sage euch: Elia ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt, sondern haben mit ihm getan, was sie wollten. So wird auch des Menschen Sohn leiden müssen von ihnen.

  13. Da verstanden die Jünger, daß er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte.

Heilung des mondsüchtigen Knaben

  1. Und da sie zu dem Volk kamen, trat zu ihm ein Mensch und fiel ihm zu Füßen

  2. und sprach: Herr, erbarme dich über meinen Sohn! denn er ist mondsüchtig und hat schwer zu leiden; er fällt oft ins Feuer und oft ins Wasser;

  3. und ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht, und sie konnten ihm nicht helfen.

  4. Jesus aber antwortete und sprach: O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch dulden? Bringt ihn mir her!

  5. Und Jesus bedrohte ihn; und der böse Geist fuhr aus von ihm, und der Knabe ward gesund zu derselben Stunde.

  6. Da traten zu ihm seine Jünger besonders und sprachen: Warum konnten wir ihn nicht austreiben?

  7. Er aber sprach zu ihnen: Um eures Kleinglaubens willen. Denn ich sage euch wahrlich: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Hebe dich von hinnen dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.

  8. <Aber diese Art fährt nur aus durch Beten und Fasten.>

Zweite Leidensankündigung

  1. Da sie aber versammelt waren in Galiläa, sprach Jesus zu ihnen: Es wird geschehen, daß des Menschen Sohn überantwortet wird in der Menschen Hände,

  2. und sie werden ihn töten, und am dritten Tage wird er auferstehen. Und sie wurden sehr betrübt.

Tempelsteuer

  1. Als sie nun nach Kapernaum kamen, gingen zu Petrus, die den Tempelgroschen einnahmen, und sprachen: Pflegt euer Meister nicht den Tempelgroschen zu geben?

  2. Er sprach: Ja. Und als er heimkam, kam ihm Jesus zuvor und sprach: Was meinst du, Simon? Von wem nehmen die Könige auf Erden Zoll oder Steuer: von ihren Kindern oder von den Fremden?

  3. Er sprach: Von den Fremden. Jesus sprach zu ihm: So sind die Kinder frei.

  4. Auf daß wir ihnen aber nicht Ärgernis geben, so gehe hin an das Meer und wirf die Angel, und den ersten Fisch, der heraufkommt, den nimm; und wenn du sein Maul aufmachst, wirst du ein Zweigroschenstück finden; das nimm und gib's ihnen für mich und dich.

Von Kindersinn und Ärgernis

Kapitel 18

  1. Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist doch der Größte im Himmelreich?

  2. Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie

  3. und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

  4. Wer nun sich selbst erniedrigt wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich.

  5. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.

  6. Wer aber Ärgernis gibt einem dieser Kleinen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.

  7. Weh der Welt der Ärgernisse halben! Es muß ja Ärgernis kommen; doch weh dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt!

  8. Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dir Ärgernis schafft, so haue ihn ab und wirf ihn von dir. Es ist dir besser, daß du zum Leben lahm oder als ein Krüppel eingehest, als daß du zwei Hände oder zwei Füße habest und werdest in das ewige Feuer geworfen.

  9. Und wenn dir dein Auge Ärgernis schafft, reiß es aus und wirf's von dir. Es ist dir besser, daß du einäugig zum Leben eingehest, als daß du zwei Augen habest und werdest in das höllische Feuer geworfen.

  10. Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.

  11. <Denn des Menschen Sohn ist gekommen, selig zu machen, was verloren ist.>

Das verlorene Schaf

  1. Was meint ihr? Wenn irgendein Mensch hundert Schafe hätte und eins unter ihnen sich verirrte: läßt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das verirrte?

  2. Und wenn sich's begibt, daß er's findet, wahrlich, ich sage euch, er freut sich darüber mehr als über die neunundneunzig, die nicht verirrt sind.

  3. Also ist's auch bei eurem Vater im Himmel nicht der Wille, daß eins von diesen Kleinen verloren werde.

Verhalten gegen sündige Brüder.

Gemeinsames Beten

  1. Sündigt aber dein Bruder, so gehe hin und halte es ihm vor zwischen dir und ihm allein. Hört er dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.

  2. Hört er dich nicht, so nimm noch einen oder zwei zu dir, auf daß jegliche Sache stehe auf zweier oder dreier Zeugen Mund.

  3. Hört er die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er die Gemeinde nicht, so sei er dir wie ein Heide und Zöllner.

  4. Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein.

  5. Weiter sage ich euch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel.

  6. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.

Der Schalksknecht

  1. Da trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft muß ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Ist's genug siebenmal?

  2. Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebenzigmal siebenmal.

  3. Darum ist das Himmelreich gleich einem König, der mit seinen Knechten rechnen wollte.

  4. Und als er anfing zu rechnen, kam vor ihn einer, der war ihm zehntausend Pfund schuldig.

  5. Da er's nun nicht hatte, zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn und sein Weib und seine Kinder und alles, was er hatte, und bezahlen.

  6. Da fiel der Knecht nieder und warf sich auf sein Angesicht vor ihm und sprach: Habe Geduld mit mir; ich will dir's alles bezahlen.

  7. Da jammerte den Herrn des Knechts, und er ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch.

  8. Da ging derselbe Knecht hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Silbergroschen schuldig; und er griff ihn an und würgte ihn und sprach: Bezahle, was du mir schuldig bist!

  9. Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir; ich will dir's bezahlen.

  10. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis daß er bezahlt hätte, was er schuldig war.

  11. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten vor ihren Herrn alles, was sich begeben hatte.

  12. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest;

  13. hättest du da dich nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe?

  14. Und sein Herr ward zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlt hätte alles, was er ihm schuldig war.

  15. So wird euch mein himmlischer Vater auch tun, wenn ihr nicht vergebet von Herzen, ein jeglicher seinem Bruder.

Über Ehe, Ehescheidung, Ehelosigkeit

Kapitel 19

  1. Und es begab sich, da Jesus diese Reden vollendet hatte, machte er sich auf aus Galiläa und kam in das Gebiet des jüdischen Landes jenseits des Jordan;

  2. und es folgte ihm viel Volks nach, und er heilte sie daselbst.

  3. Da traten zu ihm die Pharisäer, versuchten ihn und sprachen: Ist's auch recht, daß sich ein Mann scheide von seiner Frau um irgendeiner Ursache willen?

  4. Er antwortete aber und sprach: Habt ihr nicht gelesen, daß, der im Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Weib

  5. und sprach (1. Mose 2,24): «Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen, und werden die zwei ein Fleisch sein»?

  6. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.

  7. Da sprachen sie: Warum hat dann Mose geboten, einen Scheidebrief zu geben, wenn man sich scheidet?

  8. Er sprach zu ihnen: Mose hat euch erlaubt, euch zu scheiden von euren Frauen, um eures Herzens Härtigkeit willen; von Anbeginn aber ist's nicht so gewesen.

  9. Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn um der Hurerei willen, und freit eine andere, der bricht die Ehe.

  10. Da sprachen die Jünger zu ihm: Steht die Sache eines Mannes mit seiner Frau so, dann ist's nicht gut, ehelich zu werden.

  11. Er sprach aber zu ihnen: Dies Wort fasset nicht jedermann, sondern denen es gegeben ist.

  12. Denn etliche enthalten sich der Ehe, weil sie von Geburt an zur Ehe unfähig sind; etliche enthalten sich, weil sie von Menschen zur Ehe untauglich gemacht sind; und etliche enthalten sich, weil sie um des Himmelreichs willen auf die Ehe verzichten. Wer es fassen kann, der fasse es!

Jesus segnet die Kinder

  1. Da wurden Kinder zu ihm gebracht, daß er die Hände auf sie legte und betete. Die Jünger aber fuhren sie an.

  2. Aber Jesus sprach: Lasset die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solcher ist das Himmelreich.

  3. Und er legte die Hände auf sie und zog von dannen.

Der reiche Jüngling

  1. Und siehe, einer trat zu ihm und sprach: Meister, was soll ich Gutes tun, daß ich das ewige Leben möge haben?

  2. Er aber sprach zu ihm: Was fragst du mich über das, was gut ist? Gut ist nur Einer. Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote.

  3. Da sprach er zu ihm: Welche? Jesus aber sprach: «Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben;

  4. ehre Vater und Mutter»; und: «du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.»

  5. Da sprach der Jüngling zu ihm: Das habe ich alles gehalten; was fehlt mir noch?

  6. Jesus sprach zu ihm: Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!

  7. Da der Jüngling das Wort hörte, ging er betrübt von ihm; denn er hatte viele Güter.

  8. Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Ein Reicher wird schwer ins Himmelreich kommen.

  9. Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher ins Reich Gottes komme.

  10. Da das seine Jünger hörten, entsetzten sie sich sehr und sprachen. Ja, wer kann dann selig werden?

  11. Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist's unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich.

Vom Lohn der Nachfolge

  1. Da fing Petrus an und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür?

  2. Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir seid nachgefolgt, werdet dereinst bei der Wiedergeburt, da des Menschen Sohn wird sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.

  3. Und wer verläßt Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Kinder oder Äcker um meines Namens willen, der wird's vielfältig empfangen und das ewige Leben ererben.

  4. Aber viele, die da sind die Ersten, werden die Letzten und die Letzten werden die Ersten sein.

Die Arbeiter im Weinberg

Kapitel 20

  1. Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der früh am Morgen ausging, Arbeiter zu dingen in seinen Weinberg.

  2. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Silbergroschen zum Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg.

  3. Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere an dem Markte müßig stehen

  4. und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist.

  5. Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und neunte Stunde und tat gleich also.

  6. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere stehen und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig?

  7. Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedingt. Er sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg.

  8. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Rufe die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und heb an bei den letzten bis zu den ersten.

  9. Da kamen, die um die elfte Stunde gedingt waren, und empfing ein jeglicher seinen Groschen.

  10. Da aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen.

  11. Und da sie den empfingen, murrten sie wider den Hausvater

  12. und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben.

  13. Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich tue dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir eins geworden um einen Groschen?

  14. Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem letzten geben gleich wie dir.

  15. Habe ich nicht Macht, zu tun, was ich will, mit dem Meinen? Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin?

  16. So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. <Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.>

Dritte Leidensankündigung

  1. Und da Jesus wollte hinaufziehen nach Jerusalem, nahm er die Zwölf besonders und sprach zu ihnen auf dem Wege:

  2. Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem, und des Menschen Sohn wird den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überantwortet werden; und sie werden ihn verdammen zum Tode

  3. und werden ihn überantworten den Heiden, ihn zu verspotten und zu geißeln und zu kreuzigen, und am dritten Tage wird er auferstehen.

Die Söhne des Zebedäus

  1. Da trat zu ihm die Mutter der Kinder des Zebedäus mit ihren Söhnen, fiel vor ihm nieder und wollte etwas von ihm bitten.

  2. Und er sprach zu ihr: Was willst du? Sie sprach zu ihm: Laß diese meine zwei Söhne sitzen in deinem Reich, einen zu deiner Rechten und den andern zu deiner Linken.

  3. Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wisset nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde <und euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde>? Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir.

  4. Und er sprach zu ihnen: Meinen Kelch sollt ihr zwar trinken, aber das Sitzen zu meiner Rechten und Linken zu geben, steht mir nicht zu, sondern denen es bereitet ist von meinem Vater.

  5. Da das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über die zwei Brüder.

  6. Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisset: die Fürsten halten ihre Völker nieder, und die Mächtigen tun ihnen Gewalt.

  7. So soll es nicht sein unter euch; sondern wer groß sein will unter euch, der sei euer Diener;

  8. und wer der Erste sein will unter euch, sei euer Knecht;

  9. gleichwie des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.

Zwei Blinde vor Jericho

  1. Und da sie von Jericho auszogen, folgte ihm viel Volks nach.

  2. Und siehe, zwei Blinde saßen am Wege; und da sie hörten, daß Jesus vorüberging, schrien sie und sprachen: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich unser!

  3. Aber das Volk bedrohte sie, daß sie schweigen sollten. Aber sie schrien noch viel mehr und sprachen: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich unser!

  4. Jesus aber stand still und rief sie und sprach: Was wollt ihr, daß ich euch tun soll?

  5. Sie sprachen zu ihm: Herr, daß unsere Augen aufgetan werden.

  6. Und es jammerte ihn, und er rührte ihre Augen an; und alsbald wurden sie wieder sehend, und sie folgten ihm nach.

Einzug in Jerusalem

Kapitel 21

  1. Da sie nun nahe an Jerusalem kamen, nach Bethphage an den Ölberg, sandte Jesus seiner Jünger zwei

  2. und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und alsbald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führet sie zu mir!

  3. Und wenn euch jemand etwas wird sagen, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Alsbald wird er sie euch lassen.

  4. Das geschah aber, auf daß erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9):

  5. «Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin.»

  6. Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte,

  7. und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf.

  8. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.

  9. Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie und sprach: * Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

    *Psalm 118,25.26.

  10. Und als er zu Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und sprach: Wer ist der?

  11. Das Volk aber sprach: Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa.

Reinigung des Tempels

  1. Und Jesus ging in den Tempel hinein und trieb heraus alle Verkäufer und Käufer im Tempel und stieß um der Wechsler Tische und die Stühle der Taubenkrämer

  2. und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben (Jesaja 56,7): «Mein Haus soll ein Bethaus heißen»; ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus.

  3. Und es gingen zu ihm Blinde und Lahme im Tempel, und er heilte sie.

  4. Da aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten sahen die Wunder, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrien und sagten: Hosianna dem Sohn Davids! wurden sie entrüstet

  5. und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus sprach zu ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen (Psalm 8,3): «Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du Lob zugerichtet»?

  6. Und er ließ sie da und ging zur Stadt hinaus nach Bethanien und blieb daselbst über Nacht.

Der verdorrte Feigenbaum

  1. Als er aber des Morgens wieder in die Stadt ging, hungerte ihn.

  2. Und er sah einen Feigenbaum an dem Wege und ging hinzu und fand nichts daran als allein Blätter und sprach zu ihm: Nun wachse auf dir hinfort nimmermehr Frucht! Und der Feigenbaum verdorrte alsbald.

  3. Und da das die Jünger sahen, verwunderten sie sich und sprachen: Wie ist der Feigenbaum so bald verdorrt?

  4. Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein solches mit dem Feigenbaum tun, sondern, wenn ihr werdet sagen zu diesem Berge: Hebe dich auf und wirf dich ins Meer! so wird's geschehen.

  5. Und alles, was ihr bittet im Gebet, wenn ihr glaubet, werdet ihr's empfangen.

Die Frage nach Jesu Vollmacht

  1. Und als er in den Tempel kam und lehrte, traten zu ihm die Hohenpriester und die Ältesten im Volk und sprachen: Aus was für Vollmacht tust du das, und wer hat dir die Vollmacht gegeben?

  2. Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ich will euch auch ein Wort fragen; wenn ihr mir das saget, will ich euch auch sagen, aus was für Vollmacht ich das tue.

  3. Woher war die Taufe des Johannes? War sie vom Himmel oder von den Menschen? Da bedachten sie's bei sich selbst und sprachen: Sagen wir, sie sei vom Himmel gewesen, so wird er zu uns sagen: Warum glaubtet ihr ihm denn nicht?

  4. Sagen wir aber, sie sei von Menschen gewesen, so müssen wir uns vor dem Volk fürchten, denn sie halten alle Johannes für einen Propheten.

  5. Und sie antworteten Jesus und sprachen: Wir wissen's nicht. Da sprach er zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, aus was für Vollmacht ich das tue.

Die ungleichen Söhne

  1. Was dünkt euch aber? Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, gehe hin und arbeite heute im Weinberge.

  2. Er antwortete aber und sprach: Ja, Herr! und ging nicht hin.

  3. Und er ging zu dem anderen und sprach gleich also. Der antwortete aber und sprach: Ich will's nicht tun. Danach reute es ihn, und er ging hin.

  4. Welcher unter den zweien hat des Vaters Willen getan? Sie sprachen: Der letzte. Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und Huren mögen wohl eher ins Reich Gottes kommen als ihr.

  5. Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und ob ihr's wohl sahet, tatet ihr dennoch nicht Buße, daß ihr ihm danach auch geglaubt hättet.

Die bösen Weingärtner

  1. Höret ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausvater, der pflanzte einen Weinberg und führte einen Zaun darum und grub eine Kelter darin und baute einen Turm und gab ihn an Weingärtner in Pacht und zog außer Landes.

  2. Da nun herbeikam die Zeit der Früchte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, daß sie seine Früchte empfingen.

  3. Da nahmen die Weingärtner seine Knechte; einen schlugen sie, den andern töteten sie, den dritten steinigten sie.

  4. Abermals sandte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; und sie taten ihnen gleich also.

  5. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen und sprach: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.

  6. Da aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Das ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten und sein Erbgut an uns bringen!

  7. Und sie nahmen ihn und stießen ihn zum Weinberge hinaus und töteten ihn.

  8. Wenn nun der Herr des Weinberges kommen wird, was wird er diesen Weingärtnern tun?

  9. Sie sprachen zu ihm: Er wird die Bösewichte übel umbringen und seinen Weinberg an andere Weingärtner vergeben, die ihm die Früchte zu rechter Zeit geben.

  10. Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der Schrift (Psalm 118,22.23): «Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Von dem Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen»?

  11. Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volke gegeben werden, das seine Früchte bringt.

  12. <Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen aber er fällt, den wird er zermalmen.>

  13. Und da die Hohenpriester und Pharisäer seine Gleichnisse hörten, verstanden sie, daß er von ihnen redete.

  14. Und sie trachteten danach, wie sie ihn griffen; aber sie fürchteten sich vor dem Volk, denn es hielt ihn für einen Propheten.

Die königliche Hochzeit

Kapitel 22

  1. Und Jesus hob an und redete abermals in Gleichnissen zu ihnen und sprach:

  2. Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohn Hochzeit machte.

  3. Und er sandte seine Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit riefen; und sie wollten nicht kommen.

  4. Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: Saget den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles bereit; kommt zur Hochzeit!

  5. Aber sie verachteten das und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Hantierung;

  6. etliche aber griffen seine Knechte, höhnten und töteten sie.

  7. Da ward der König zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an.

  8. Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gäste waren's nicht wert.

  9. Darum gehet hin auf die Straßen und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet.

  10. Und die Knechte gingen aus auf die Straßen und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute; und die Tische wurden alle voll.

  11. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an,

  12. und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereingekommen und hast doch kein hochzeitlich Kleid an? Er aber verstummte.

  13. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn in die Finsternis hinaus! Da wird sein Heulen und Zähneklappen.

  14. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.

Der Zinsgroschen

  1. Da gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rat, wie sie ihn fingen in seiner Rede,

  2. und sandten zu ihm ihre Jünger samt des Herodes Leuten. Die sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und lehrst den Weg Gottes recht und fragst nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen.

  3. Darum sage uns, was meinst du: Ist's recht, daß man dem Kaiser Steuer zahle, oder nicht?

  4. Da nun Jesus merkte ihre Bosheit, sprach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich?

  5. Weiset mir die Steuermünze! Und sie reichten ihm einen Groschen dar.

  6. Und er sprach zu ihnen: Wes ist das Bild und die Aufschrift?

  7. Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!

  8. Da sie das hörten, verwunderten sie sich und ließen ihn und gingen davon.

Die Auferstehung der Toten

  1. An demselben Tage traten zu ihm die Sadduzäer, die dafür halten, es gebe kein Auferstehen, und fragten ihn

  2. und sprachen: Meister, Mose hat gesagt (5. Mose 25,5.6): «Wenn einer stirbt und hat nicht Kinder, so soll sein Bruder die Frau zum Weibe nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken.»

  3. Nun sind bei uns gewesen sieben Brüder. Der erste freite und starb; und weil er nicht Nachkommen hatte, ließ er seine Frau seinem Bruder;

  4. desgleichen der zweite und der dritte bis an den siebenten.

  5. Zuletzt nach allen starb die Frau.

  6. Nun in der Auferstehung, wessen Frau wird sie sein unter den sieben? Sie haben sie ja alle gehabt.

  7. Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irret und kennet die Schrift nicht noch die Kraft Gottes.

  8. In der Auferstehung werden sie weder freien noch sich freien lassen, sondern sie sind gleichwie die Engel im Himmel.

  9. Habt ihr aber nicht gelesen von der Auferstehung der Toten, was euch gesagt ist von Gott, da er spricht (2. Mose 3,6):

  10. «Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs»? Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen.

  11. Und da solches das Volk hörte, entsetzten sie sich über seine Lehre.

Das größte Gebot

  1. Da aber die Pharisäer hörten, daß er den Sadduzäern das Maul gestopft hatte, versammelten sie sich.

  2. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und fragte:

  3. Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz?

  4. Jesus aber sprach zu ihm: «Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte» (5. Mose 6,5).

  5. Dies ist das vornehmste und größte Gebot.

  6. Das andre aber ist dem gleich: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst» (3. Mose 19,18).

  7. In diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Davids Sohn und Herr

  1. Da nun die Pharisäer beieinander waren, fragte sie Jesus

  2. und sprach: Was denkt ihr von dem Christus? Wessen Sohn ist er? Sie sprachen: Davids.

  3. Er sprach zu ihnen: Wie kann ihn dann David im Geist einen Herrn nennen, wenn er sagt (Psalm 110,1):

  4. «Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde unter deine Füße»?

  5. So nun David ihn einen Herrn nennt, wie ist er denn sein Sohn?

  6. Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, und wagte auch niemand von dem Tage an, ihn hinfort zu fragen.

Wider die Schriftgelehrten und Pharisäer

Kapitel 23

  1. Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern

  2. und sprach: Auf des Mose Stuhl sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer.

  3. Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht tun; sie sagen's wohl, und tun's nicht.

  4. Sie binden schwere Bürden und legen sie den Menschen auf den Hals; aber sie selbst wollen sie nicht mit einem Finger anrühren.

  5. Alle ihre Werke aber tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden. Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Kleidern groß.

  6. Sie sitzen gerne obenan bei Tisch und in den Synagogen

  7. und haben's gerne, daß sie gegrüßt werden auf dem Markt und von den Menschen Rabbi genannt werden.

  8. Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder.

  9. Und ihr sollt niemand euren Vater heißen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist.

  10. Und ihr sollt euch nicht lassen Lehrer nennen; denn einer ist euer Lehrer, Christus.

  11. Der Größte unter euch soll euer Diener sein.

  12. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht.

  13. Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließet vor den Menschen! Ihr gehet nicht hinein, und die hinein wollen, lasset ihr nicht hineingehen.

  14. <Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, die ihr der Witwen Häuser fresset und verrichtet zum Schein lange Gebete! Darum werdet ihr ein desto schwereres Urteil empfangen.>

  15. Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr Land und Meer durchziehet, damit ihr einen Judengenossen gewinnet; und wenn er's geworden ist, machet ihr aus ihm ein Kind der Hölle, zwiefältig mehr, als ihr seid!

  16. Weh euch, ihr blinden Führer, die ihr sagt: Wenn einer schwört bei dem Tempel, das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem Gold am Tempel, das bindet.

  17. Ihr Narren und Blinden! Was ist größer: das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt?

  18. Oder: Wenn einer schwört bei dem Altar, das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem Opfer, das darauf ist, das bindet.

  19. Ihr Blinden! Was ist größer: das Opfer oder der Altar, der das Opfer heiligt?

  20. Darum, wer da schwört bei dem Altar, der schwört bei demselben und bei allem, was darauf ist.

  21. Und wer da schwört bei dem Tempel, der schwört bei demselben und bei dem, der darin wohnt.

  22. Und wer da schwört bei dem Himmel, der schwört bei dem Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt.

  23. Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr verzehntet Minze, Dill und Kümmel und lasset dahinten das Wichtigste im Gesetz, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Dies sollte man tun und jenes nicht lassen.

  24. Ihr blinden Führer, die ihr Mücken seihet und Kamele verschluckt!

  25. Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln auswendig rein haltet, inwendig aber sind sie voll Raub und Gier!

  26. Du blinder Pharisäer, reinige zum ersten, was inwendig im Becher ist, auf daß auch das Auswendige rein werde!

  27. Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid gleichwie die übertünchten Gräber, welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat!

  28. So auch ihr: von außen scheinet ihr vor den Menschen fromm, aber inwendig seid ihr voller Heuchelei und Übertretung.

  29. Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Propheten Grabmäler bauet und schmücket der Gerechten Gräber

  30. und sprecht: Wären wir zu unsrer Väter Zeiten gewesen, so wären wir nicht mit ihnen schuldig geworden an der Propheten Blut!

  31. So gebt ihr über euch selbst Zeugnis, daß ihr Kinder seid derer, die die Propheten getötet haben.

  32. Wohlan, erfüllet auch ihr das Maß eurer Väter!

  33. Ihr Schlangen, ihr Otterngezüchte! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?

  34. Darum siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und deren werdet ihr etliche töten und kreuzigen, und etliche werdet ihr geißeln in euren Synagogen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zu der andern,

  35. auf daß über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut des gerechten Abel an bis auf das Blut des Zacharias, des Sohnes Barachjas, welchen ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar.

  36. Wahrlich, ich sage euch, daß solches alles wird über dies Geschlecht kommen.

Klage über Jerusalem

  1. Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt!

  2. Siehe, «euer Haus soll euch wüste gelassen werden» (Jeremia 22,5; Psalm 69,26; 1. Könige 9,7.8).

  3. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Vom Kommen Christi

Kapitel 24

  1. Und Jesus ging hinweg von dem Tempel, und seine Jünger traten zu ihm, daß sie ihm zeigten des Tempels Gebäude.

  2. Er aber sprach zu ihnen: Sehet ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.

  3. Und als er auf dem Ölberge saß, traten zu ihm seine Jünger besonders und sprachen: Sage uns, wann wird das geschehen? und welches wird das Zeichen sein deines Kommens und des Endes der Welt?

  4. Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, daß euch nicht jemand verführe.

  5. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und werden viele verführen.

  6. Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; sehet zu und erschrecket nicht. Denn das muß so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende.

  7. Denn es wird sich empören ein Volk wider das andere und ein Königreich wider das andere, und werden sein teure Zeit und Erdbeben hin und her.

  8. Das alles aber ist der Anfang der Wehen.

  9. Alsdann werden sie euch überantworten in Trübsal und werden euch töten. Und ihr werdet gehaßt werden um meines Namens willen von allen Völkern.

  10. Dann werden viele der Anfechtung erliegen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen.

  11. Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen.

  12. Und weil der Unglaube wird überhandnehmen, wird die Liebe in vielen erkalten.

  13. Wer aber beharret bis ans Ende, der wird selig.

  14. Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.

  15. Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung stehen an der heiligen Stätte, von dem gesagt ist durch den Propheten Daniel (Daniel 9,27; 11,31) – wer das liest, der merke auf! -,

  16. alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Lande ist;

  17. und wer auf dem Dach ist, der steige nicht hernieder, etwas aus seinem Hause zu holen;

  18. und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um, seinen Mantel zu holen.

  19. Weh aber den Schwangeren und Säugenden zu jener Zeit!

  20. Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat.

  21. Denn es wird alsdann eine große Trübsal sein, wie sie nicht gewesen ist von Anfang der Welt bisher und auch nicht wieder werden wird.

  22. Und wenn diese Tage nicht würden verkürzt, so würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzt.

  23. Wenn alsdann jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist der Christus! oder da!, so sollt ihr's nicht glauben.

  24. Denn mancher falsche Christus und falsche Propheten werden aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, so daß, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführt würden.

  25. Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt.

  26. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste!, so gehet nicht hinaus; siehe, er ist in der Kammer!, so glaubt es nicht.

  27. Denn wie der Blitz ausgeht vom Aufgang und leuchtet bis zum Niedergang, so wird auch sein das Kommen des Menschensohnes.

  28. Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier.

  29. Bald aber nach der Trübsal jener Zeit werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.

  30. Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.

  31. Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen, und sie werden sammeln seine Auserwählten von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern.

  32. An dem Feigenbaum lernet ein Gleichnis: wenn sein Zweig jetzt treibt und die Blätter kommen, so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist.

  33. So auch ihr: wenn ihr das alles sehet, so wisset, daß es nahe vor der Tür ist.

  34. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß dieses alles geschehe.

  35. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.

  36. Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel nicht im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern allein der Vater.

  37. Denn wie es in den Tagen Noahs war, so wird auch sein das Kommen des Menschensohnes.

  38. Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut – sie aßen, sie tranken, sie freiten und ließen sich freien bis an den Tag, da Noah in die Arche hineinging; -

  39. und sie achteten's nicht, bis die Sintflut kam und nahm sie alle dahin -, so wird auch sein das Kommen des Menschensohnes.

  40. Dann werden zwei auf dem Felde sein; einer wird angenommen, und der andere wird verworfen werden.

  41. Zwei werden mahlen auf der Mühle, eine wird angenommen, und die andere wird verworfen werden.

Vom Warten auf das Kommen Christi

  1. Darum wachet; denn ihr wisset nicht, welchen Tag euer Herr kommen wird.

  2. Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausvater wüßte, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, so würde er ja wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen.

  3. Darum seid auch ihr bereit! Denn des Menschen Sohn kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht meinet.

  4. Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr gesetzt hat über sein Gesinde, daß er ihnen zu rechter Zeit Speise gebe?

  5. Selig ist der Knecht, wenn sein Herr kommt und findet ihn solches tun.

  6. Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen.

  7. Wenn aber jener als ein böser Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr kommt noch lange nicht,

  8. und fängt an, zu schlagen seine Mitknechte, isset und trinket mit den Trunkenen:

  9. so wird der Herr desselben Knechtes kommen an dem Tage, da er sich's nicht versieht, und zu der Stunde, da er's nicht meint,

  10. und wird ihn in Stücke hauen lassen und ihm seinen Lohn geben mit den Heuchlern; da wird sein Heulen und Zähneklappen.

Die klugen und törichten Jungfrauen

Kapitel 25

  1. Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus, dem Bräutigam entgegen.

  2. Aber fünf unter ihnen waren töricht, und fünf waren klug.

  3. Die törichten nahmen ihre Lampen; aber sie nahmen nicht Öl mit sich.

  4. Die klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen samt ihren Lampen.

  5. Da nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein.

  6. Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt; gehet aus, ihm entgegen!

  7. Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig.

  8. Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen.

  9. Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; gehet aber hin zu den Krämern und kaufet für euch selbst.

  10. Und da sie hingingen, zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür ward verschlossen.

  11. Zuletzt kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf!

  12. Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.

  13. Darum wachet! Denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, <in welcher des Menschen Sohn kommen wird>.

Die anvertrauten Zentner

  1. Gleichwie ein Mensch, der über Land zog, rief seine Knechte und vertraute ihnen seine Habe an;

  2. und einem gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, einem jeden nach seiner Tüchtigkeit, und zog hinweg.

  3. Alsbald ging der hin, der die fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit denselben und gewann andere fünf.

  4. Desgleichen, der die zwei Zentner empfangen hatte, gewann zwei andere.

  5. Der aber den einen empfangen hatte, ging hin und machte eine Grube in die Erde und verbarg seines Herrn Geld.

  6. Über eine lange Zeit kam der Herr dieser Knechte und hielt Rechenschaft mit ihnen.

  7. Da trat herzu, der die fünf Zentner empfangen hatte, und legte andere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit andere fünf Zentner gewonnen.

  8. Da sprach sein Herr zu ihm: Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude!

  9. Da trat auch herzu, der die zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe mit denselben zwei andere gewonnen.

  10. Sein Herr sprach zu ihm: Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude!

  11. Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wußte, daß du ein harten Mann bist: du schneidest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;

  12. und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in die Erde. Siehe, da hast du das Deine.

  13. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wußtest du, daß ich schneide, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe,

  14. so solltest du mein Geld zu den Wechslern getan haben, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine zu mir genommen mit Zinsen.

  15. Darum nehmet von ihm den Zentner und gebet ihn dem, der die zehn Zentner hat.

  16. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben, wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.

  17. Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappen.

Vom Weltgericht

  1. Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit,

  2. und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleichwie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet,

  3. und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.

  4. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!

  5. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt mich beherbergt.

  6. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.

  7. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeist? oder durstig und haben dich getränkt?

  8. Wann haben wird dich als einen Fremdling gesehen und beherbergt? oder nackt und haben dich bekleidet?

  9. Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen und sind zu dir gekommen?

  10. Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

  11. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!

  12. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränkt.

  13. Ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht.

  14. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wird dich gesehen hungrig oder durstig oder als einen Fremdling oder nackt oder krank oder gefangen und haben dir nicht gedient?

  15. Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.

  16. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben.

Letzte Leidensankündigung

Kapitel 26

  1. Und es begab sich, da Jesus alle diese Reden vollendet hatte, sprach er zu seinen Jüngern:

  2. Ihr wisset, daß nach zwei Tagen Ostern wird; und des Menschen Sohn wird überantwortet werden, daß er gekreuzigt werde.

  3. Da versammelten sich die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes im Palast des Hohenpriesters, der da hieß Kaiphas,

  4. und hielten Rat, wie sie Jesus mit List griffen und töteten.

  5. Sie sprachen aber: Ja nicht am Fest, auf daß nicht ein Aufruhr werde im Volk!

Salbung in Bethanien

  1. Da nun Jesus war zu Bethanien im Hause Simons, des Aussätzigen,

  2. trat zu ihm eine Frau, die hatte ein Glas mit köstlichem Wasser und goß es auf sein Haupt, als er zu Tische saß.

  3. Da das seine Jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Wozu diese Vergeudung?

  4. Dieses Wasser hätte können teuer verkauft und den Armen gegeben werden.

  5. Da das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Was bekümmert ihr die Frau? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.

  6. Arme habt ihr allezeit bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit.

  7. Daß sie dies Wasser hat auf meinen Leib gegossen, hat sie getan, daß sie mich fürs Grab bereite.

  8. Wahrlich, ich sage euch: Wo dieses Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Verrat des Judas

  1. Da ging hin der Zwölfe einer, mit Namen Judas Ischarioth, zu den Hohenpriestern

  2. und sprach: * Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten. Und sie boten ihm + dreißig Silberlinge.

    *Johannes 11,57. +Sacharja 11,12.

  3. Und von da an suchte er Gelegenheit, daß er ihn verriete.

Das heilige Abendmahl

  1. Aber am ersten Tage der ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und sprachen zu ihm: Wo willst du, daß wird dir bereiten, das Osterlamm zu essen?

  2. Er sprach: Gehet hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister läßt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir Ostern halten mit meinen Jüngern.

  3. Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Osterlamm.

  4. Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen.

  5. Und da sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.

  6. Und sie wurden sehr betrübt und hoben an, ein jeglicher unter ihnen, und sagten zu ihm: Herr, bin ich's?

  7. Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, der wird mich verraten.

  8. Des Menschen Sohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen, durch welchen des Menschen Sohn verraten wird! Es wäre ihm besser, daß derselbe Mensch nie geboren wäre.

  9. Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich's, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es.

  10. Da sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib.

  11. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus;

  12. das ist mein Blut des neuen Testaments, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.

  13. Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, da ich's neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.

  14. Und da sie den Lobgesang gesprochen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Ankündigung der Verleugnung des Petrus

  1. Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr alle Ärgernis nehmen an mir. Denn es steht geschrieben (Sacharja 13,7): «Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.»

  2. Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen nach Galiläa.

  3. Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle Ärgernis nähmen an dir, so will ich's doch nimmermehr tun.

  4. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

  5. Petrus sprach zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müßte, so will ich dich nicht verleugnen. Desgleichen sagten auch alle Jünger.

Jesus in Gethsemane

  1. Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hofe, der hieß Gethsemane, und sprach zu seinen Jüngern: Setzet euch hier, bis daß ich dorthin gehe und bete.

  2. Und er nahm zu sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen.

  3. Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibet hier und wachet mit mir!

  4. Und er ging hin ein wenig, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!

  5. Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Könnet ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?

  6. Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.

  7. Zum andern Mal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater, ist's nicht möglich, daß dieser Kelch an mir vorübergehe, ich trinke ihn denn, so geschehe dein Wille!

  8. Und er kam und fand sie abermals schlafend, und ihre Augen waren voll Schlafs.

  9. Und er ließ sie und ging abermals hin und betete zum dritten Mal und redete dieselben Worte.

  10. Da kam er zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr nun schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist da, daß des Menschen Sohn in der Sünder Hände überantwortet wird.

  11. Stehet auf, laßt uns gehen! Siehe, er ist da, der mich verrät.

Jesu Gefangennahme

  1. Und als er noch redete, siehe, da kam Judas, der Zwölfe einer, und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und mit Stangen von den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes.

  2. Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist's; den greifet.

  3. Und alsbald trat er zu Jesus und sprach: Gegrüßet seist du, Rabbi! und küßte ihn.

  4. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du gekommen? Da traten sie hinzu und legten die Hände an Jesus und griffen ihn.

  5. Und siehe, einer von denen, die mit Jesus waren, reckte die Hand aus und zog sein Schwert und schlug nach des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm ein Ohr ab.

  6. Da sprach Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen.

  7. Oder meinst du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte alsbald mehr als zwölf Legionen Engel?

  8. Wie würde dann aber die Schrift erfüllt, daß es muß also geschehen?

  9. Zu der Stunde sprach Jesus zu den Scharen: Ihr seid ausgegangen wie zu einem Mörder mit Schwertern und mit Stangen, mich zu fangen. Habe ich doch täglich im Tempel gesessen und habe gelehrt, und ihr habt mich nicht gegriffen.

  10. Aber das ist alles geschehen, damit erfüllt würden die Schriften der Propheten. Da verließen ihn alle Jünger und flohen.

Vor dem Hohen Rat

  1. Die aber Jesus gegriffen hatten, führten ihn zu dem Hohenpriester Kaiphas, wo die Schriftgelehrten und Ältesten sich versammelt hatten.

  2. Petrus aber folgte ihm nach von ferne bis in den Palast des Hohenpriesters und ging hinein und setzte sich zu den Knechten, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte.

  3. Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten falsch Zeugnis wider Jesus, auf daß sie ihn töteten.

  4. Und wiewohl viele falsche Zeugen herzutraten, fanden sie doch keins. Zuletzt traten zwei herzu

  5. und sprachen: Er hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes abbrechen und in drei Tagen aufbauen.

  6. Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du nichts zu dem, was diese wider dich zeugen?

  7. Aber Jesus schwieg stille. Und der Hohepriester sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seist der Christus, der Sohn Gottes.

  8. Jesus sprach zu ihm: Du sagst es. Auch sage ich euch: Von nun an wird's geschehen, daß ihr sehen werdet des Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels.

  9. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert! Was bedürfen wir weiter Zeugnis? Siehe, jetzt habt ihr seine Gotteslästerung gehört.

  10. Was dünkt euch? Sie antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig.

  11. Da spien sie aus in sein Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Etliche aber schlugen ihn ins Angesicht

  12. und sprachen: Weissage uns, Christe, wer ist's, der dich schlug?

Verleugnung des Petrus

  1. Petrus aber saß draußen im Hof; und es trat zu ihm eine Magd und sprach: Und du warst auch mit dem Jesus aus Galiläa.

  2. Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst.

  3. Als er aber zur Tür hinausging, sah ihn eine andere und sprach zu denen, die da waren: Dieser war auch mit Jesus von Nazareth.

  4. Und er leugnete abermals und schwur dazu: Ich kenne den Menschen nicht.

  5. Und über eine kleine Weile traten hinzu, die da standen, und sprachen zu Petrus: Wahrlich, du bist auch einer von denen, denn deine Sprache verrät dich.

  6. Da hob er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht. Und alsbald krähte der Hahn.

  7. Da dachte Petrus an die Worte Jesu, da er zu ihm sagte: Ehe der Hahn krähen wird, wirst du mich dreimal verleugnen, und ging hinaus und weinte bitterlich.

Vor Pilatus. Ende des Verräters

Kapitel 27

  1. Des Morgens aber hielten alle Hohenpriester und die Ältesten des Volkes einen Rat über Jesus, daß sie ihn töteten,

  2. und banden ihn, führten ihn hin und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontius Pilatus.

  3. Da das sah Judas, der ihn verraten hatte, daß er verdammt war zum Tode, gereute es ihn, und brachte wieder die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Ältesten

  4. und sprach: Ich habe übel getan, daß ich unschuldig Blut verraten habe. Sie sprachen: Was geht uns das an? Da siehe du zu!

  5. Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hob sich davon, ging hin und erhängte sich selbst.

  6. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie in den Gotteskasten legen; denn es ist Blutgeld.

  7. Sie hielten aber einen Rat und kauften den Töpfersacker dafür zum Begräbnis der Pilger.

  8. Daher ist dieser Acker genannt der Blutacker bis auf den heutigen Tag.

  9. Da ward erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, da er spricht: «Sie haben genommen die dreißig Silberlinge, den Preis, zu dem geschätzt war der Verkaufte, welchen sie kauften von den Kindern Israel,

  10. und haben sie gegeben für den Töpfersacker, wie mir der Herr befohlen hat» (Sacharja 11,12.13).

  11. Jesus aber stand vor dem Landpfleger; und der Landpfleger fragte ihn und sprach: Bist du der Juden König? Jesus aber sprach: Du sagst es.

  12. Und da er verklagt ward von den Hohenpriestern und Ältesten, antwortete er nichts.

  13. Da sprach Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, wie hart sie dich verklagen?

  14. Und er antwortete ihm nicht auf ein Wort, so daß sich der Landpfleger sehr verwunderte.

Verurteilung und Verspottung

  1. Auf das Fest aber hatte der Landpfleger die Gewohnheit, dem Volk einen Gefangenen loszugeben, welchen sie wollten.

  2. Sie hatten aber zu der Zeit einen besonderen Gefangenen, der hieß Barabbas.

  3. Und da sie versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Welchen wollt ihr, daß ich euch losgebe, Barabbas oder Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus?

  4. Denn er wußte wohl, daß sie ihn aus Neid überantwortet hatten.

  5. Und da er auf dem Richterstuhl saß, schickte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; ich habe heute viel erlitten im Traum seinetwegen.

  6. Aber die Hohenpriester und die Ältesten überredeten das Volk, daß sie um Barabbas bitten sollten und Jesus umbrächten.

  7. Da hob der Landpfleger an und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr unter diesen zweien, den ich euch soll losgeben? Sie sprachen: Barabbas!

  8. Pilatus sprach zu ihnen: Was soll ich denn machen mit Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus? Sie sprachen alle: Laß ihn kreuzigen!

  9. Der Landpfleger sagte: Was hat er denn Übles getan? Sie schrien aber noch mehr und sprachen: Laß ihn kreuzigen!

  10. Da aber Pilatus sah, daß er nichts ausrichtete, sondern vielmehr ein Getümmel entstand, nahm er Wasser und wusch die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig an seinem Blut; sehet ihr zu!

  11. Da antwortete das ganze Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!

  12. Da gab er ihnen Barabbas los, aber Jesus ließ er geißeln und überantwortete ihn, daß er gekreuzigt würde.

  13. Da nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers Jesus mit sich in das Richthaus und holten die ganze Schar zu ihm her

  14. und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an

  15. und flochten eine Dornenkrone und setzten sie auf sein Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand und beugten die Knie vor ihm und verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seist du, der Juden König!

  16. und spien ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt.

Kreuzigung und Tod

  1. Und da sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an und führten ihn hin, daß sie ihn kreuzigten.

  2. Und wie sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen von Kyrene mit Namen Simon; den zwangen sie, daß er ihm sein Kreuz trug.

  3. Und da sie an die Stätte kamen mit Namen Golgatha, das ist verdeutscht: Schädelstätte,

  4. gaben sie ihm Wein zu trinken mit Galle vermischt; und da er's schmeckte, wollte er nicht trinken.

  5. Da sie ihn aber gekreuzigt hatten, teilten sie seine Kleider und warfen das Los darum, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten (Psalm 22,19): «Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über meinen Rock das Los geworfen.»

  6. Und sie saßen allda und bewachten ihn.

  7. Und oben zu seinen Häupten setzten sie die Ursache seines Todes, und war geschrieben: Dies ist Jesus, der Juden König.

  8. Und da wurden zwei Mörder mit ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken.

  9. Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe

  10. und sprachen: Der du den Tempel zerbrichst und baust ihn in drei Tagen, hilf dir selber! Bist du Gottes Sohn, so steig herab vom Kreuz!

  11. Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester samt den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen:

  12. Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen. Ist er der König Israels, so steige er nun vom Kreuz. Dann wollen wir an ihn glauben.

  13. Er hat Gott vertraut; der erlöse ihn nun, hat er Lust zu ihm; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn.

  14. Desgleichen schmähten ihn auch die Mörder, die mit ihm gekreuzigt waren.

  15. Und von der sechsten Stunde an ward eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.

  16. Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut und sprach: Eli, Eli, lama asabthani? das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

  17. Etliche aber, die da standen, da sie das hörten, sprachen sie: Der ruft den Elia.

  18. Und alsbald lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und tränkte ihn.

  19. Die andern aber sprachen: Halt, laß sehen, ob Elia komme und ihm helfe!

  20. Aber Jesus schrie abermals laut und verschied.

  21. Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke von obenan bis untenaus.

  22. Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, und die Gräber taten sich auf und standen auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen,

  23. und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen.

  24. Aber der Hauptmann und die bei ihm waren und Jesus bewachten, da sie sahen das Erdbeben und was da geschah, erschraken sie sehr und sprachen: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!

  25. Und es waren viele Frauen da, die von ferne zusahen, die da Jesus waren nachgefolgt aus Galiläa und hatten ihm gedient;

  26. unter welchen war Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus und Joseph, und die Mutter der Kinder des Zebedäus.

Jesu Grablegung

  1. Am Abend aber kam ein reicher Mann von Arimathia, der hieß Joseph, welcher auch ein Jünger Jesu war.

  2. Der ging zu Pilatus und bat ihn um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm ihn geben.

  3. Und Joseph nahm den Leib und wickelte ihn in eine reine Leinwand

  4. und legte ihn in sein eigenes neues Grab, welches er in einen Fels hatte hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon.

  5. Es war aber allda Maria Magdalena und die andere Maria, die setzten sich dem Grab gegenüber.

Bewachung des Grabes

  1. Des andern Tages, der da folgt nach dem Rüsttag, kamen die Hohenpriester und Pharisäer sämtlich zu Pilatus

  2. und sprachen: Herr, wir haben bedacht, daß dieser Verführer sprach, da er noch lebte: Ich will nach drei Tagen auferstehen.

  3. Darum befiehl, daß man das Grab verwahre bis an den dritten Tag, auf daß nicht seine Jünger kommen und stehlen ihn und sagen zum Volk: Er ist auferstanden von den Toten; und werde der letzte Betrug ärger als der erste.

  4. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Hüter; gehet hin und verwahret es, so gut ihr könnt.

  5. Sie gingen hin und verwahrten das Grab mit den Hütern und versiegelten den Stein.

Die Auferstehung

Kapitel 28

  1. Als aber der Sabbat um war und der erste Tag der Woche anbrach, kam Maria Magdalena und die andere Maria, das Grab zu besehen.

  2. Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein ab und setzte sich darauf.

  3. Und seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Kleid weiß wie Schnee.

  4. Die Hüter aber erschraken vor Furcht und wurden, als wären sie tot.

  5. Aber der Engel hob an und sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, daß ihr Jesus, den Gekreuzigten, suchet.

  6. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und sehet die Stätte, da er gelegen hat;

  7. und gehet eilend hin und sagt es seinen Jüngern, daß er auferstanden sei von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.

  8. Und sie gingen eilend vom Grabe mit Furcht und großer Freude und liefen, daß sie es seinen Jüngern verkündigten.

  9. Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfaßten seine Füße und fielen vor ihm nieder.

  10. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Gehet hin und verkündigt es meinen Brüdern, daß sie gehen nach Galiläa; daselbst werden sie mich sehen.

  11. Da sie aber hingingen, siehe, da kamen etliche von den Hütern in die Stadt und verkündeten den Hohenpriestern alles, was geschehen war.

  12. Und sie kamen zusammen mit den Ältesten und hielten einen Rat und gaben den Kriegsknechten Geld genug

  13. und sprachen: Saget, seine Jünger kamen des Nachts und stahlen ihn, während wir schliefen.

  14. Und wenn es würde herauskommen bei dem Landpfleger, wollen wir ihn beschwichtigen und sorgen, daß ihr sicher seid.

  15. Und sie nahmen das Geld und taten, wie sie gewiesen waren. Und so ist dies zum Gerede geworden bei den Juden bis auf den heutigen Tag.

Der Missionsbefehl

  1. Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

  2. Und da sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; etliche aber zweifelten.

  3. Und Jesus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

  4. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

  5. und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

DAS EVANGELIUM NACH MARKUS